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Das neue alte Stadiongefühl beim MSV

Auch drei Tage nach der 2:1-Niederlage des MSV Duisburg gegen Darmstadt 98 kitzelt noch die Enttäuschung über das späte Tor der Darmstädter. Die Enttäuschung hält an wie ein anderes Gefühl, dem ich schon Jahre nicht mehr bei einem Spiel des MSV begegnet bin. Ein wenig misstrauisch beäuge ich dieses andere Gefühl. Es geht nämlich darum, wie ich durch dieses Spiel gegangen bin. Es geht dabei um meine Grundhaltung, die zu dieser Saison entstanden ist und die mir nach dem Spiel erst bewusst wurde. Wer jahrelang zum MSV geht, weiß, dass wir auf den Rängen immer mit allem rechnen müssen, nur nicht mit Normalität. Darum geht es.

Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal im Stadion war, dort ein derart spannendes Spiel gesehen habe und ich mir keinen Gedanken über dieses Spiel hinaus gemacht habe. Ich habe nicht an Abstieg verhindern gedacht oder an die Chance auf den Aufstieg. Ich war in diesem Stadion und war Anhänger des MSV als einem etablierten Zweitligisten, der am Ende der Saison im Mittelfeld landen wird, der die Aufstiegsaspiranten jederzeit schlagen kann, der unglückliche Niederlagen gegen gleich starke Mannschaften hinnehmen wird und immer einen sicheren Abstand zu den Abstiegsplätzen halten wird.

Am Freitagabend standen zwei Mannschaften auf dem Platz, die beide den Sieg wollten. Der MSV war der chancenreiche Underdog und zeigte den Darmstädtern Grenzen auf. Bei den Darmstädtern gab es Spieler, die als Einzelspieler denen des MSV leicht überlegen waren. Das waren nur wenige, aber sie machten den Unterschied in den letzten Minuten aus mit der Folge des Siegtreffers. Demgegenüber fiel das Ausgleichstor der Darmstädter als Folge der mannschaftlichen Stärke. Es war eine Art Lehrgeld, denn dieses Ausgleichstor wurde absehbar, weil es dem MSV nicht gelang, den entstehenden Druck der Darmstädter zu mindern. Die Mannschaft wollte nach jedem abgefangenen Angriff der Darmstädter weiter spielerisch aus der eigenen Hälfte heraus kommen. Wenn das aber viermal in der eigenen Hälfte scheitert, muss der Ball auch mal planlos nach vorne geschlagen werden. Nur dann kann sich die Defensive so organisieren, dass der spielerische Aufbau bei der nächsten Balleroberung wieder gelingt. Dieses Ausgleichstor war Lehrgeld.

Das Spiel war bis dahin ausgeglichen gewesen. Schon vor dem Führungstor durch Moritz Stoppelkamp hatte es auf beiden Seiten erste Chancen gegeben. Beim MSV war Cauli Souza einmal steil in den Strafraum geschickt worden und konnte dort nach artistischer Ballmitnahme nur unpräzise abschließen. Bei Darmstadt erhielt Kevin Großkreutz im Fünfmeterraum nach einem Flankenlauf den Ball und übergab ihn wie bei einem Rückpass Mark Flekken.

Nach dem Ausgleichstor war das Spiel wieder offen. Klare Chancen ergaben sich weder vor der Halbzeitpause noch danach. Dennoch verringerte sich der Offensivdrang beider Mannschaften nicht. Erst Mitte der zweiten Halbzeit wurde es auf beiden Seiten wieder torgefährlich. Der eingewechselte Stanislav Iljutcenko hatte sich bei Kevin Großkreutz abgeschaut, wie man im Fünfmeterraum frei steht und den Ball nicht verarbeiten kann. Sicher, die Flanke von Moritz Stoppelkamp kam zu hoch um zu schießen und zu flach zum köpfen. Am liebsten hätte ich Iljutcenko mitsamt dem in der Körpermitte festgeklemmten Ball ins Tor geschoben. Es sollte nicht sein.

Als der MSV die Führung verpasste, wurde es immer deutlicher, das Unentschieden zu halten würde schwierig werden. Auch wenn die Zebras weiter ihre Chance in der Offensive suchten, spielten die Darmstädter etwas präziser. Ihre Offensivaktionen strahlten mehr Gefahr aus. Die erste große Chance zur Führung ergab sich für den Gast durch einen Elfmeter. Mark Flekken hielt diesen harten Schuss von Tobias Kempe sensationell. Doch die Freude hielt nur kurz. Der Unterschied zwischen beiden Mannschaften war nicht groß in diesen letzten Minuten, aber groß genug, damit Yannick Stark in der 88. Minute den Siegtreffer für die Darmstädter erzielen konnte.

In der Bewertung dieses Spiels gibt es kaum Meinungsverschiedenheiten. Wieder hat der MSV eine sehr gute Leistung gezeigt, bei der in der Offensive vor allem Moritz Stoppelkamp und Cauly Souza im Blickpunkt standen. Simon Brandstetter rieb sich im Sturmzentrum auf. Die Defensive steht grundsätzlich gut. Die Anlage des Spiels ist erfolgsversprechend. Ob meine Haltung der Normalität angemessen ist, wird sich daran erweisen müssen, wie die Mannschaft mit der Enttäuschung umgeht. Diese Mannschaft muss lernen, dass sie trotz sehr guten Spiels nicht unbedingt gewinnt. Das wird schwer werden, denn der Einsatz dieser Mannschaft ist sehr groß. Wenn dann der Ertrag in der Selbstwahrnehmung nicht stimmt, wird es schwierig, diesen Einsatz weiter aufrecht zu halten. Deshalb war der Sieg in Heidenheim sehr wichtig. Diese Belohnung gilt es im Kopf zu behalten, dann werde ich meine Zweitliganormalität immer weniger kritisch beäugen.

Ab in die TOP 5 der ernüchternden Niederlagen

Nicht dass ich die Niederlage gegen den 1. FC Nürnberg hier verschweigen will. Gestern habe ich allerdings deshalb nichts geschrieben, weil zur mangelnden Zeit mein Unwillen hinzu kam, mich an das Spiel noch einmal zu erinnern. Stattdessen machte ich mir eine Arbeitsnotiz. Stelle die Top 5 der ernüchterndsten Niederlagen zusammen. Dieses Spiel gehört für mich dazu. Ich werde auch heute nicht mehr viel dazu schreiben. Wir blicken nach vorne. Ernüchternd ist es nämlich, wenn die Zebras das Spiel gestalten und dennoch zur Halbzeitpause 2:0 zurückliegen.

Der 1. FC Nürnberg musste für diese Führung viel weniger ins eigene Spiel investieren als der MSV. Sie brauchten nur abwartend zu spielen und wahrscheinlich hieß die Offensivtaktik gar nicht, suche den gefährlichen Abschluss aufs Tor. Ich bin sicher, die Stürmer versuchten die Zebras dazu zu zwingen, den Ball ins Toraus zu schießen. Diese Eckbälle waren die eigentliche Torchance. Sobald der Eckball in den Strafraum schoss (!), brannte es lichterloh im Strafraum. Die Geschwindigkeit der hereinfliegenden Bälle war ebenso beeindruckend wie die Präzision, mit der sie genau an die Stelle kamen, bei der der Torwart nicht genau weiß, ob er dort hin gehen soll oder nicht. Die Mannschaft wusste anscheinend um die Gefahr durch diese Ecken. So anderes als sonst versuchte sie mit einer geschlossenen Defensivreihe im Fünfmeterraum diese Ecken zu verteidigen. Vergeblich.

Was für ein Chance hatte Simon Brandstetter zur Führung. Er arbeitet, holt sich die Bälle, läuft in die freien Räume, ist schnell, anspielbar. Er stört als erster Defensivspieler seiner Mannschaft den Spielaufbau in der Hälfte des Gegners. Beim schnellen Abschluss im Strafraum kann er nicht variabel genug sein. Anstatt ein Tor von Simon Brandstetter zu bejubeln, fürchte ich jeden Eckball. Der MSV arbeitet daran, dass jede andere Mannschaft Europas demnächst entspannt Eckbälle des Gegners erwarten kann, damit die Statistik weiter stimmt, nur 1,27 Prozent aller Eckbälle seien erfolgreich.

Fünf bis zehn Minuten zu spät setzte der MSV in der zweiten Halbzeit auf die bedingungslose Offensive. Erst als Stanislav Iljutcenko in der 80. Minute eingewechselt wurde, geriet die Defensive der Nürnberger ins Schwimmen. Schon zuvor hatte der MSV nach dem Wiederanpfiff unermüdlich den Weg zum Tor gesucht, ohne gefährlich zu werden. Meine Ernüchterung wich erst, als in diesen Schlussminuten alles möglich schien, so sehr wurden die Nürnberger in der eigenen Hälfte eingeschnürrt. Ein Trudelball gegen die Latte, eine scharfe Flanke, an der Onuegbu und Iljutcenko um Zentimenter vorbei rutschten. Das Tor schien fast sicher gewesen zu sein. Schließlich in der Nachspielzeit, der zweifellose Elfmeter nach tölpelhaftem Einsteigen des Nürberger Defensivspielers. Kevin Wolze verwandelte sicher. Zu spät.

Wir nehmen auch aus diesem dritten Spiel der Saison mit, die Mannschaft kann ein Spiel gestalten. Sie kann sich Torchancen erspielen. Hätte Simon Brandstetter die Kaltblütigkeit von Kingsley Onuegbu, erzielten wir in jedem Spiel mindestens ein Tor. Was nicht heißt, dass er alleine nur für die Torchancen zuständig ist. Seine sind zwangsläufig nur die größten Chancen. Die Mannschaft besitzt eine grundsätzlich stabile Defensivreihe mit einer verwundbaren rechten Seite. Das sind die Voraussetzungen für die Spiele der nächsten Wochen. Jetzt möchte ich nur noch den ersten Sieg der Saison. Das sollte machbar sein bei diesen Voraussetzungen.

11 bemerkenwerte Dinge über das Spiel des MSV gegen den VfL Bochum

Im Zebrastreifenblog wird es diese Saison etwas anders zugehen. Experimenteller. Ich hatte es schon öfter angedeutet, mir geht es in den Räumen hier nicht nur um Sportberichterstattung. Mein Blick auf den Fußball führt immer auch aus dem Stadion hinaus. Das schlägt sich nicht in allen Texten nieder, aber ohne diesen Blick ins normale Leben, ist mir das Schreiben über Fußball zu langweilig. Nun haben wir in den letzten acht Jahren mit dem MSV das meiste erlebt, was im Fußball möglich ist. Entsprechend habe ich Querverweise ins normale Leben gesehen. Nun möchte ich mich nicht wiederholen. Es muss also etwas anders werden. Stig könnte mit seiner polternden und ruppigen Art vielleicht öfter schreiben. Ich selbst versuche mich dagegen mal mit mehr Netz-Style – mir fehlen fürs erste nur ausreichend Fotos, Gifs und Miniclips. Mal sehen, ob auf Dauer auch Worte reichen. Also, der Zebrastreifenblog entdeckt das Listenformat. Was nicht heißt, dass erzählende Texte für immer perdu sind.

    1. Der MSV Duisburg kann sich berechtigt Hoffnungen auf den Klassenerhalt in der Zweiten Liga machen. Die Mannschaft bestätigt die gute Leistung des Saisonauftaktspiels in Dresden.
    2. Das Offensivspiel des MSV sorgt für Torgefahr. Nach dem Führungstor durch Boris Tachshy in der siebten Minute hatte der MSV Chancen die Führung auszubauen.
    3. Für die Offensivstärke von Moritz Stoppelkamp müssen wir aushalten, dass er manchmal seine Mitspieler übersieht. Ob das dauerhafte Eigenart ist oder sich mit noch mehr Eingespieltsein verliert, können wir bislang gelassen diskutieren.
    4. Zweite Bälle waren in der ersten Halbzeit meist Beute des MSV Duisburg.
    5. Enis Hajri wird sich demnächst hoffentlich in einer meiner Schreibwerkstätten einfinden, um sein Bedürfnis nach Schiedsrichter-Reaktion in kreative Bahnen zu lenken. Ich hätte da ein paar vorbildhafte Zeilen Lyrik. Vielleicht kommt Lukas Fröde ja auch mit.
       
      Schiri, bitte, gib mir eine gelbe Karte.
      Bitte, bitte, bitte! Ich brauche sie so sehr.
      Nicht, dass ich schon seit dem Anpfiff darauf warte,
      Aber ohne weiterspielen wird so schwer.
       
      Schiri, bitte, gib mir einen Nachweis für mein Spiel.
      Nur mit gelber Karte weiß ich um den Sinn.
      Defensiv wach und die Härte ist, was meist gefiel.
      Wenn mein Foul nicht reicht, geh‘ ich zum Torwart hin.
    6. Der Ausgleich sofort nach der Halbzeitpause war zugleich eine deutliche Ansage des VfL, das Spiel gewinnen zu wollen, so chancenlos war die Defensive bei diesem Tor.
    7. Der Wechsel von Tugrul Erat gegen Nico Klotz war ein Versuch, die Defensive zu stabilisieren. Ein Versuch! Ob ein desorientierter und oft verunsichert wirkender Erat oder ein Klotz ohne Luft auf der rechten Defensivseite mehr Gefahr durch die Bochumer bedeuteten, sorgt noch ein paar Tage bei allen hier im Zebrastreifenblog für unterhaltsame Gespräche.
    8. In dem etwa 25 Minuten andauernden Angriffswirbel des Vfl Bochum erwies sich Gerrit Nauber als zentrale Kraft. An ihm konnten sich seine Mitspieler ausrichten. Selbst unter größtem Druck versuchte er die hereinkommenden Bälle zu kontrollieren und in den eigenen Reihen zu behalten. Er ordnete die Defensivreihe souverän. Großartige Verpflichtung.
    9. Zum Ende des Spiels konnte sich der MSV wieder etwas mehr befreien. Der eingewechselte Kingsley Onuegbu sorgte offensiv für ein wenig Entlastung, weil mit ihm der Ball etwas länger in den Reihen des MSV gehalten werden konnte. In der Defensive verstärkte er die Duisburger Kopfballhoheit im Strafraum.
    10. Gefährliche Chancen erspielten sich sowohl der MSV als auch der VfL nicht mehr.
    11. Erleichterung beim Abpfiff über den ersten Punkt der Saison.

 

 

 

Bei hundert Ecken trifft es einen Verein

Wir Menschen sind für Statistik nicht gemacht. Wir erleben Momente und keine Zahlenverhältnisse. Wirklich ist nun einmal, was wirklich wird, so unwahrscheinlich es auch ist. Nur 1.27 Prozent aller Ecken führen zum Torerfolg. Das las ich letzte Woche noch auf der 11FREUNDE-Seite. Nun hat der MSV gestern im Spiel gegen Dynamo Dresden erst einmal dafür gesorgt, dass die anderen Zweitligavereine ein wenig gelassener bei Eckbällen sein können. Wir ja natürlich auch. Bis wieder ein Tor nach einer Ecke fällt, müssen wieder ein paar getreten werden. Oder wie ist das Verhältnis von Statistik und Wirklichkeit?

Nach einem Eckball in der 88. Minute fiel das 1:0 für Dynamo Dresden in einem Spiel, das auch der MSV Duisburg hätte gewinnen können. Ein Zeitpunkt, der die Enttäuschung größer macht. Ein Unentschieden wäre zumindest sehr verdient gewesen. Die Chancen auf ein Tor waren sogar zuvor für den MSV klarer gewesen als für Dresden. Bei Schüssen von Moritz Stoppelkamp und Simon Brandstetter war ich jeweils schon aufgesprungen. Ich hatte meinen Mund aufgerissen zum Torschrei. Tonlos musste ich mich wieder setzen.

Der MSV Duisburg hat in diesem ersten Punktespiel der Saison 2017/2018 gezeigt, diese Saison in der Zweiten Liga wird eine andere als die vor zwei Jahren. Nicht einen Moment ließ die Mannschaft einen Zweifel daran, dass sie in dieser Liga mithalten kann. Wie schwer der Klassenerhalt wird, ist natürlich immer noch eine offene Frage. Das Spiel war spannend und  abwechslungsreich. Mit dem kombinationsstarken Offensivspiel schaffte es die Mannschaft schon in der ersten Halbzeit, Spieler in aussichtsreiche Schusspositionen zu bringen. Bei dieser guten Offensive stand die Defensive meist sicher, und wenn nicht, gab es Mark Flekken. Bei zwei sehr guten Chancen der Dresdner in der ersten Halbzeit zeigte sich Mark Flekken mit großartigen Reflexen zuständig. Zudem strahlte er große Sicherheit aus, wenn es im Strafraum einmal voller wurde.

Im gesamten Spiel waren beide Mannschaften gewillt, für einen Sieg etwas zu riskieren. Dabei wurde die Defensive nicht vernachlässigt. Das machte das Spiel unterhaltsam. Darüber hinaus wurde sehr deutlich, wie wettbewerbsfähig der MSV in dieser Saison ist. Die Spieler hatten keine Schwierigkeiten mit dem höheren Tempo der Zweiten Liga selbst bei der Hitze. Sie hatten offensiv keine Schwierigkeiten mit den engen Räumen und defensiv nur wenige nach schnellem Umschalten der Dresdner. Das alles stimmt mich zuversichtlich. Das war vor zwei Jahren bis in den Winter nicht gegeben. Nun ist es am ersten Spieltag vorhanden. Nun gilt es die Leistung gegen den VfL Bochum zu bestätigten, damit die leisen Stimmen des Misstrauens in mir endgültig vestummen.

Mit dem Sieg durch das Tor nach dem Eckball ist Dynamo Dresden übrigens wahrscheinlich in Abstiegsgefahr geraten.  Wenn ich Fan von Dynamo Dresden wäre, begänne ich mir jedenfalls Sorgen zu machen. Auf jeden Fall würde ich auf kein weitere Tor nach einem Eckball hoffen. Denn die oben erwähnte Statistik verrät noch eins: Je mehr Tore eine Mannschaft nach Eckbällen erzielt, desto wahrscheinlicher wird diese Mannschaft am Ende der Saison auf einem Abstiegsplatz landen.

So oder so?

Siegerfans

Das lässt mich für die nächste Woche hoffen: Die Auftaktniederlage gegen Kaiserslautern vor zwei Jahren hat der MSV in dieser Saison schon mal beim Cup der Traditionen in nur 45 Minuten gegen Aston Villa abgearbeitet. 20 Minuten ansehnlich spielen, immer schön kombinierend Richtung Strafraum, ohne eine zwingende Chance zu erhalten. Wenn Aston Villa in der Zeit überhaupt einmal vor das Tor der Zebras kam, brachte das keine Gefahr. Nach dem ersten wirklich schnellen Angriff von Aston Villa aber stand es ohne viel Gegenwehr 0:1. Von nun an kam Aston Villa im Strafraum immer wieder zum Abschluss. Zwei weitere Tore fielen gegen eine hilflose Defensive und aus den Offensiv-Kombinationen wird ein Flügelspiel auf ein statisches Sturmzentrum der Zebras, die natürlich der stets bereits stehenden Defensive geschuldet ist. Das war also MSV Duisburg in so, Nummer 1.

Siegerfans, So Nummer 2

Allerdings gab es den MSV auch in so, Nummer 2, im Spiel danach gegen Malaga. Statt Haijri und Blomeyer spielten Bomheuer und Nauber in der Innenverteidigung. Rechts spielte Erat für Klotz, nur Kevin Wolze, der neue Mannschaftskapitän, blieb im Spiel. Diese Defensive wirkte schon deutlich sicherer, wobei das vor allem an der Innenverteidigung lag und weniger an der Besetzung des Rechtsverteidigers mit Erat oder Klotz. Malaga spielte weniger dynamisch. Die Spieler waren mit vielem anderen neben ihrem Fußballspiel beschäftigt. Gemeckert wurde, und es gab Reibereien mit den Spielern des MSV. Deshalb machte die Mannschaft es dem MSV vielleicht auch ein wenig leichter als Aston Villa. Auch in der Offensive rund um Schnellhardt und Fröde im Mittelfeld wurde durchgetauscht.

Siegerfans, So Nummer 2

Die unterschiedliche Spielweise der Gegner macht es aber schwierig für die Offensive Schlüsse zu ziehen. Offensichtlich wurde einmal mehr nur eines für mich: Wenn Simon Brandstetter frei im Kopf ist und er intuitiv seine Entscheidungen trifft, kann er sowohl im eins gegen eins als auch beim Abschluss in Liga 2 problemlos mithalten. Es ist so offensichtlich, dass er sich oft selbst im Weg steht, ihm oft zu viele Handlungsmöglichkeiten durch den Kopf gehen. Ich hoffe sehr, seine Intuition des gestrigen Tages bleibt ihm in den Pflichtspielen erhalten.

Beim Cup der Traditionen deutete der MSV-Museum-Verein zudem an, was möglich sein kann, wenn es denn einmal eine Dauerausstellung zum MSV Duisburg geben wird. „Final Four“ hieß die kleine Ausstellung zu allen Pokalendspielen, an denen der MSV teilgenommen hatte. Ich habe die Ausstellung zum Anlass genommen ein paar Interviews zu machen. In den nächsten Tagen könnte ihr dann zu Plänen und Möglichkeiten hier etwas lesen.

Die Möglichkeit sich von allen Spielern des MSV Autogramme geben zu lassen, wurde übrigens nach dem Cup von sehr vielen Anhängern des MSV genutzt. Bei solch einer Schlange mussten die Spieler nach dem Duschen nochmals kräftig ran.

Niederrheinpokalsieger…EM…ES…VAU…weiß und blau…EM…ES…VAU

Die Mannschaft des MSV war gestern sehr viel motivierter als ich heute. Ein Text für das Ruhrort-ABC wartet, und der wird  sehr viel länger gelesen werden, als die Worte heute über den Sieg des MSV im Niederrheinpokal 2017. Das Ruhrort-ABC benötigt also meine Aufmerksamkeit sehr viel mehr als dieses Finale. Welch brisante Spiele waren das in den ersten beiden Drittligajahren vom MSV in diesem Wettbewerb. Viel war davon nicht mehr zu spüren. Das war schon im Spiel gegen RWO so.

Zum einen habe ich den Eindruck, die letzte Saison in der 2.Liga hat für viele von uns den Wert dieses Wettbewerbs gemindert. Wir sind in diese Saison mit dem Selbstbewusstsein eines Zweitligisten gegangen. Auch deshalb waren wir so oft unzufrieden mit der Leistung der Mannschaft in den Punktespielen. So war der Aufstieg das einzig wichtige Ziel und entsprechend gering war die Aufmerksamkeit für den Niederrheinpokal. Doch gerade im Niederrheinpokal war zu erkennen, das Selbstbewusstsein hat es zurecht gegeben. Am Sieg des MSV gegen RWE gab es keinen Zweifel.

Die Zebras spielten souverän. Jeder einzele Spieler schien sich seiner überlegenen Fähigkeiten sicher. Als einziger fiel Mael Corboz im defensiven Mittelfeld etwas aus der Reihe. Offensichtlich sollte er währnd der Saison im Niederrheinpokal Spielpraxis gewinnen. Er wirkte sehr vorsichtig und fast immer darauf bedacht, nur keinen Fehler zu machen. Er lief mit und muss für Einsätze in anderen Wettbewerben deutlich mehr Verantwortung übernehmen.

In der ersten Halbzeit hatte die Mannschaft das Spiel komplett im Griff. Ruhig, kontrolliert, aber stets mit Zug zum Tor wurden die Angriffe heruntergespielt. Die Führung durch Simon Brandstetter nach hervorragender Vorarbeit von Fabian Schnellhardt war verdient. Nach der Halbzeitpause dann die Pyroshow auf beiden Seiten. Fußball als Bühne für Selbstdarstellung und den Versuch, sich in dieser Gesellschaft wichtig zu fühlen. Ihr seht, ich versuche meinen Ärger etwas zu bändigen, indem ich Erklärungen anbiete. Nach der längeren Spielunterbrechung passierten den Essenern leichtere Stockfehler, die die Zebras zu gefährlichen Offensivaktionen nutzten. Die Folge: ein Freistoß nahe der Strafraumgrenze, den Kevin Wolze sehr gefühlvoll ins Toreck hob.

Die Freude von Ilia Gruev an der Seitenlinie zeigte so deutlich, wie sehr er nach dem Aufstieg in Köln auf diesen perfekten Saisonabschluss hingearbeitet hat, wie sehr er ihm am Herzen lag. Danach gelang es RWE ab der 60. Minute etwa etwas Druck zu entwickeln. Zum ersten Mal kam ein wenig Pokalkampf auf. Mit etwas Glück wäre vielleicht ein Anschlusstreffer gefallen. Ein Abseitstor fiel ja sogar, aber der MSV wirkte weiter sehr souverän angesichts der beschränkten Offensivmöglichkeiten der Essener in Strafraumnähe.

Nach dem Schlusspfiff leerte sich das Stadion schnell. Dieser Niederrheinpokal war also auch für die Essener als Wettbewerb nicht wirklich wichtig gewesen. Es gab nichts auszukosten. Auch die Spieler von RWE erhielten schließlich eine Medaille bei der Siegerehrung. Diese Siegerehrung war unscheinbarer als vor drei Jahren in Duisburg. Sie entsprach der Bedeutung dieses Wettbewerbs, der ja durch den Titel „Tag der Amateure“ und der Dauerpräsenz durch die TV-Übertragung sämtlicher Länderpokalspiele aufgewertet werden soll. Dabei offenbart sich einfach nur der Widerspruch, den professionellen Unterhaltungsbetrieb Fußball mit dem Breitensport des Amateurbereichs auszusöhnen.

Wenn ich darüber wirklich nachdenke, werde ich genauso ärgerlich wie über die Pyro-Selbstdarsteller auf beiden Seiten. Zu Ärger nach einem Finalsieg des MSV habe ich aber keine Lust. Also, Niederrheinpokalsieger EM-ES-VAU, und damit Schluss für heute, höchstens noch ein paar Fotos anschauen und Bewegtbilder.

 

Die Mannschaft wartete auf die Siegerehrung und vertrieb sich die Zeit beim gemeinsamen Feiern mit den Fans.

Alle auf den Zaun, alle auf den Zaun…

Drittligameister MSV Duisburg, so leicht die Stimmung im Stadion, so leicht das Spiel der Mannschaft. Ohne Druck gelingt ein glänzender 5:1 Sieg gegen Zwickau. Mehr Worte gibt es morgen. Heute wird auch hier noch einmal nur gefeiert.

Der MSV ist wieder da, der MSV ist wieder da, der MSV ist wieder da, der MSV ist wieder da.

Und natürlich ist es so schon immer gewesen…

 

Wenn Pläne wirklich werden, heißt es Feiern

So war vor Wochen der Plan. Schon zu Beginn des Jahres hatte nicht nur ich diesen Gedanken. Der Aufstieg wird in Köln gefeiert. Je näher das Saisonende rückte, desto klarer zeichnete sich ab, wenn der MSV so weiterspielte, könnte dieser Plan wirklich werden. Für mich stand deshalb in Aussicht, zum ersten Mal mit einem Fahrrad zu einer Aufstiegsparty anzureisen. Von der Schäl Sick nach Zollstock, im Grunde gerade für den Kölner in mir auch ein heimliches Stadtderby, ein Auswärtsspiel beim von Viktoria Köln erhofften Zukunfts-Drittliga-Erzrivalen Fortuna Köln. Das sollte ein zweifacher Sieg werden.

Nach der Überquerung des Rheins singt mir am Heumarkt ein Taxifahrer aus seinem offenen Seitenfenster ein freundliches „Zebrastreifen weiß und blau“ entgegen. Köln! Das mag ich an der Stadt so sehr, diese ständige Bereitschaft in flüchtigen Begegnungen ein heimeliges „Jeföhl“  zu schaffen.

Lange aufhalten konnte ich mich nicht. Spätestens um 12 Uhr wollte ich am Südstadion sein. Ab dem Höninger Weg, etwa 700 Meter vor dem Stadion dann nur noch das Weiß-Blau auf der Straße. Das Südstadion als Heimspielort der Zebras. Vor dem Stadion dann noch beim Warten auf den Freund aus Duisburg vielen sympathischen Menschen begegnen. Es musste klappen. Zwei Kurven in blau-weiß, dazu die Haupttribüne ebenfalls fast komplett. Das versprach Schalldruck, wenn es eng werden sollte.

Wie anders war dieses Spiel als das entscheinde Spiel gegen Kiel vor zwei Jahren für mich. Ich weiß nicht, ob es die größere Unsicherheit seinerzeit war? Meine Aufregung hielt sich jedenfalls in Grenzen. Ich erwartete etwas und das war nicht weniger als eine Mannschaft, die ein ganzes Spiel lang so druckvoll spielte, dass sie keinen Zweifel am Gelingen des Plans ließ.

Von den 15-20 Minuten nach dem Anpfiff kennen wir diesen Druck. Die Minuten danach waren entscheidend. Wie druckvoll blieben die Zebras, wenn sie das Tempo des Spiels drosselten, wenn sie versuchten die Kontrolle zu behalten, ohne ans Limit zu gehen? Und wirklich, gegen Fortuna Köln gelang es in der ersten Halbzeit dauerhaft torgefährlich zu bleiben. Dieses Mal klappte es, den Rhythmus zu variieren. Dieses Mal war das Offensivspiel variabel, wechselten sich halbhohe Bälle ins Sturmzentrum mit Flügelläufen ab. Dieses Mal gab es das flache steile Spiel in die Schnittstellen der Fortunen-Defensive.

Wie wertvoll Stanislav Iljutcenko in den letzten Wochen war, ließ sich auch gegen die Fortuna erkennen. Seine Laufarbeit öffnet nicht nur Räume für die flachen steilen Zuspiele. Er ist auch jener Mann in der Offensive, den der King zum Zusammenspiel braucht. Die Mannschaft erspielte sich in den ersten 45 Minuten über die gesamte Zeit immer wieder große Chancen. Zweimal hatten wir den Torschrei auf den Lippen, zweimal konnten wir nicht begreifen, wie der Ball noch am Tor hatte vorbeigehen können. Einmal war es Stanislav Iljutcenko und einmal der King, die knapp verfehlten.

Als dann das Führungstor in der Nachspielzeit der ersten 45 Minuten durch Andreas Wiegel fiel, war das nur ein weiteres Zeichen für diesen Verlauf der ersten Halbzeit. Die Mannschaft suchte bis zum Pausenpfiff ihre Chance. Es wurde nachgesetzt und wenig hinten rum gespielt. Bei Balleroberung ging es meist sofort Richtung Tor. So war nach einem Fehler eines Fortunen-Spielers im Halbfeld der eigenen Hälfte, der Raum frei für das Kurzpassspiel in den Strafraum hinein. Dreimal schnell weitergeleitet und Andreas Wiegel brauchte nur noch frei stehend einzuschieben. Der Aufstieg rückte näher.

Doch nach dem Wiederanpfiff wurde etwas vorsichtiger gespielt, blieb der Druck auf angreifende Fortunen-Spieler nicht immer hoch genug. Aber es blitzte nur auf, was wir aus den letzten Spielen kannte. Hätte es diese Spiele nicht gegeben, so wäre das vielleicht gar nicht aufgefallen. Wahrnehmung funktioniert so. Es gibt immer einen Zusammenhang, in den etwas eingeordent wird. Beispielhaft war ein Fortuna-Angriff über den linken Flügel. Der Ball wurde abgewehrt und kam zum Außenspieler zurück. Zlatko Janjic stand etwa zehn Meter von ihm entfernt. Wie langsam er auf diesen Spieler mit Ball zutrabte, steht für einen solcher Momente, in denen die Mannschaft in der Defensive nicht präsent genug war. Doch konnte die Fortuna dieses Nachlassen nicht ausnutzen. Die Spieler waren nicht präzise genug. Der Freiraum nutzte ihnen nichts.

Stattdessen gelang das Kingsley Onuegbu das 2:0 – eines seiner typischen Tore. Bei enger Deckung einen hohen Ball mit der Brust annehmen, abtropfen lassen und vollstrecken. Nach diesem Tor erst spürte ich meine Anspannung, die sich von mir unbemerkt meiner ermächtigt hatte. Erst die Erleichterung machte mir deutlich, wie sehr ich gebangt hatte vor dem bekannten Schleifenlassen des Spiels, vor der Behäbigkeit, die sich auf dem Spielfeld hätte zeigen können. All das war hinfällig. Der MSV blieb endgültig da. Diese Fortuna würde den Sieg nicht mehr gefährden.

Allmählich stellte sich die Feierstimmung an. Das dritte Tor durch Simon Brandstätter war Zugabe und Sahnehäubchen. Der MSV ist wieder da. Das Versprechen zu Saisonbeginn „Wir kommen wieder“ ist eingelöst worden. Der Verein hat diesen Aufstieg zum finanziellen Überleben gebraucht. Wir kommen wieder und wollen dieses Mal bleiben. Die Arbeit dazu fängt jetzt schon an.

 

Der Aufstieg braucht kein gutes Omen

Vorgestern überlegte ich noch, ob ich mir eine Niederlage des MSV im Halbfinalspiel des Niederrheinpokals gegen Rot-Weiß Oberhausen wünschen sollte. Ein gutes Omen sollte her, damit der Aufstieg gelänge. Schließlich hatte der Aufstieg vor zwei Jahren genau dieses Vorprogramm einer Niederlage bei RWO. Nach dem 3:0-Sieg des MSV in Oberhausen sage ich, diese Mannschaft braucht kein gutes Omen. Diese Mannschaft schafft den Aufstieg vollkommen aus eigener Kraft. Das war ein so überzeugender Auftritt im Niederrheinstadion, dass meine Anspannung vor den letzten drei Spielen einer Art produktivem Lampenfieber gewichen ist.

Was wurde nicht alles vor dem Halbfinale geschrieben. Wenig von dem hatte ich ernst genommmen. Das Wort B-Elf zum Beispiel in den Schlagzeilen. Auch ohne einen Blick auf die Mannschaftsaufstellung hätte ich vorausgesagt, egal, welche Elf in Oberhausen auf dem Platz stände, mit der B-Elf von vor zwei Jahren wäre sie nicht vergleichbar gewesen. Dazu ist die Bank in dieser Saison in jeder Hinsicht besser besetzt. Der MSV hat gar nicht so viele Spieler im Kader, damit das Schlagwort B-Elf berechtigt gewesen wäre. Schließlich gab es während der gesamten Saison für einen Teil seiner Startelf wechselnde Besetzungen.

Im Niederrhein-Stadion fehlten dann sogar nur Fabian Schnellhardt und Branimir Bajic als stets startende Spieler. Als Stanislav Iljutcenko bereits in der 3. Minute das Führungstor erzielte, war schon klar,  dieses Mal wird RWO wahrscheinlich nichts gegönnt. Ohnehin war dieses Spiel nicht mit dem von vor zwei Jahren vergleichbar. Weniger Zuschauer auf beiden Seiten waren ein klarer Hinweis darauf, dass dieses Spiel nicht mit solch großer Bedeutung aufgeladen war wie vor zwei Jahren. Ich finde das bemerkenswert, weil es ähnliche Bedingungen gegeben hat. Der Aufstiegsaspirant der 3. Liga spielt gegen den Regionalligisten in sehr guter Form. Aber vielleicht war vor zwei Jahre bei beiden Seiten Heißhunger auf so ein Spiel mit Derby-Charakter vorhanden gewesen. Dieser Heißhunger war anscheinend gestillt, denn ich glaube nicht, dass das schlechte Wetter Einfluss auf die Zuschauerzahl hatte.

Alles in allem war die Atmosphäre im Stadion sehr viel entspannter als vor zwei Jahren. Dagegen spricht auch nicht die übliche Randale von Teilen der Fans rund ums Stadion sowie die unsäglichen Böllerwürfe aus dem MSV-Block, für die ich als Strafe im heiligen Zorn am liebsten das biblische Auge um Auge, Zahn um Zahn in Anspruch genommen sähe. Wer Böller anzündet und die Gesundheit der umstehenden Menschen gefährdet, wird mit Knalltrauma von mindestens drei Jahren und anschließendem Tinitus auf Bewährung bestraft. Was für eine Gefährdung der Menschen vor dem Zaun.

In der ersten Halbzeit hat RWO ganz gefällig mitgespielt. Der Ball lief gut, ohne dass die Mannschaft wirklich gefährlich abschließen konnte. Das war der Unterschied: Wenn der MSV sich in die Nähe des Strafraums gespielt hatte, wurde es gefährlich für RWO. Dieser Qualitätsunterschied ist auch für die Bewertung der MSV-Leistung in der Drittliga-Saison interessant. Denn das Problem von RWO hat der MSV in den Punktespielen ebenfalls. Zu wenig Torgefahr ergibt sich, weil rund um den Strafraum die Defensive dicht steht und beim kombinierenden Spielaufbau den Stürmern für deren technischen Möglichkeiten der Ballverarbeitung zu wenig Zeit gelassen wird. Umgekehrt war es so, dass RWO die eigenen Defensive nicht so intensiv spielen konnte, dass sie dem MSV die Schwierigkeiten der Liga-Spiele hätte bereiten können. Zumal der MSV als Favorit führte und RWO entsprechend offensiver denken musste. Das zweite Tor durch Simon Brandstätter wenige Minuten vor dem Halbzeitpfiff entschied für mich das Spiel endgültig.

In der zweiten Halbzeit ging es um ein würdiges Zu-Ende-Spielen dieser 90 Minuten. Stanislav Iljutcenko machte sein zweites Tor. Wenn es überhaupt einen Wermutstropfen in diesem Spiel gibt, so ist es die Erinnerung daran, dass Iljutcenko wegen seiner Gelb-Sperre gegen Lotte fehlen wird. Aber auch das wird die Mannschaft kompensieren. Mal sehen, ob am Samstag in Duisburg die Zuschauerzahl ebenfalls zeigt, welches Spiel das wirklich wichtige Spiel dieser Woche ist, egal ob Derby oder nicht.

Ein paar Fotos vom Abend habe ich auch noch. Kleiner Nachtrag punkto Medien und Selbstwahrnehmung. Der arme Enatz wurde beim laufenden Spiel nach etwa zehn Minuten von der Lokalzeit Duisburg des WDR um ein Interview am Spielfeldrand gebeten. So ein freundlicher Mensch wie er schlägt solche Bitten natürlich nicht ab. Es regnete aber. Man ließ ihn in diesem Regen warten, dann wurde er lächelnd befragt und durfte schließlich nass geworden zurück auf seinen Tribünenplatz. Selbst bei solchen Begegnungen auf Verbandsebene verschiebt sich zwischendurch die Bedeutung dessen, was bei einem Fußballspiel wichtig ist. Zur Erinnerung, es ist nicht das Fernsehen.

Von der Nervosität des Streamzuschauers war bei den Zebras nichts zu spüren

Eine Mannschaft, die so ein Spiel wie das beim Chemnitzer FC gewinnt, steigt auf.  Diesen ersten Satz wage ich kaum zu schreiben. Die vier sieglosen Spiele des MSV Duisburg hängen mir noch nach. Doch immer wieder schaffe ich es mit ein wenig Abstand vom Spieltag, einen kühlen Blick auf den Saisonverlauf zu werfen. Immer wieder sehe ich Spiele, die bei einer Mannschaft mit einer gewissen Tradition des Erfolgs zu keinem anderen als diesem ersten Satz zwingen. Der MSV Duisburg hat keine Tradition des Erfolgs, meldet sich gestern nach dem Spiel sofort eine andere Stimme in mir, und deshalb heißt das gar nichts. Genau, sagte ich, du hast ja so recht und jetzt halt bitte den Mund. Ich höre dir einfach nicht mehr. Ich zitter doch ohnehin genug, wenn ich diese Zweifellosigkeit eines solchen ersten Satzes öffentlich zur Schau stelle.

Diese andere zweifelnde Stimme in mir hatte beim Spiel des MSV Duisburg in Chemnitz allerdings jede andere Stimme der Zuversicht meist unhörbar gemacht. Der MSV Duisburg hat beim Chemnitzer FC zwar mit 3:2 gewonnen, aber entscheidende Momente des Spiels habe ich erst in der Zusammenfassung gesehen, obwohl der Livestream die ganze Zeit lief. Hinge der Aufstieg von meiner Leistung als Zuschauer ab, wäre gestern der erste große Vorrat Felle davon geschwommen. Ich habe Nerven gezeigt.  Das Führungstor von Andreas Wiegel hatte mir nur vermeintliche Sicherheit gegeben. Welch schöner Außenristpass von Fabian Schnellhardt in den freien Raum hat dieses Tor ermöglicht. Welch fussballerischer Genuss sind die Spielaktionen von Fabian Schnellhardt so oft.

Doch dann fiel der Ausgleich zum 1:1, und es gab kein Halten mehr für mich. Wahrscheinlich habe ich sogar den Rückstand verantwortet, weil ich mir den Freistoß der Chemnitzer nicht mehr konzentriert genug angesehen habe. Wahrscheinlich habe ich die Mannschaft mit meiner Nervosität auf unerklärliche Weise angesteckt, so unaufmerksam wirkten die Spieler bei diesem Freistoß der Chemnitzer. Alleine, weil die Mannschaft den Komplettausfall von mir als Zuschauer später aufgefangen hat, gab es noch eine Chance. Ich selbst habe am Spiel kaum mehr teilgenommen. Hätte ich auf dem Spielfeld gestanden, hätte ich in Ballnähe nur vorgegeben, einen Pass erhalten zu wollen. Wann immer es möglich gewesen wäre, hätte ich mich hinter meinen Gegenspielern versteckt. Ich wäre viel gelaufen, das schon, aber möglichst so, dass ich unanspielbar geblieben wäre.

Die Mannschaft vom MSV aber glaubte weiter an den möglichen Erfolg. Sie wusste um die Bedeutung des Spiels für den weiteren Saisonweg. An der Freude der Spieler war das zu erkennen, als Mark Flekken den letzten Eckball der Chemnitzer aus der Luft herunterholte und damit den Sieg gleichsam in der Hand hielt. Es war daran zu erkennen, wie Stanislav Iljutcenko bei dem Eckball davor seine Genugtuung über den zu einer erneuten Ecke abgewehrten Ball in die Luft schrie.

Vorher war diese Mannschaft aber in Rückstand geraten, und ich nahm mein Joggingprogramm in der Wohnung auf. Bewegung führt zu Spannungsabbau. Die Mannschaft aber wollte den Ausgleich, das sah ich in den Momenten, wenn ich mal einen Blick auf den Laptop warf. Sie wollte den Ausgleich so lange, bis Simon Brandstetter es Andreas Wiegel gleich machte. Beide sind in der bisherigen Saison nicht durch eine gute Chancenverwertung oder grundsätzlich gute Entscheidungen am Ende ihres Ballführens aufgefallen. Beide schienen ihrer fußballerischen Intuition nicht ganz zu vertrauen. In diesem Spiel war es anders. Beide behielten die Nerven, beiden kam das eigene Denken bei ihrem Spiel nicht in die Quere. Brandstetter gelang das Tor nach einem Pass in den freien Raum von Tugrul Eral. Ich habe den Ausgleich nicht mal in der Zeitlupe gesehen, weil ich gerade sehr weit vom Stream weggelaufen war.

Auch das Führungstor habe ich nicht gleich gesehen, sondern nur die aufgeregte Sprecherstimme gehört. Zurück kam ich zur Zeitlupe, um mein Joggingprogramm mit lang anhaltenden Sprungkraftübungen abzuwechseln. Erneut war es Tugrul Erat, der mit einem schönem Fallrückzieher den Ball parallel zur Torauslinie vor das Tor brachte, wo Kingsley Onuegbu am hinteren Pfosten stand und den Ball problemlos über die Linie bringen konnte. Von da an kämpfte auch ich wieder an meinem Platz als Stream-Zuschauer. Von da an hielt ich die Nervorsität wieder aus. Mit dem Schlusspfiff bahnte sich der erste Satz dieses Textes seinen Weg in meinem Kopf. Die andere Stimme in mir hörte sofort auf zu jubeln und begann irgendwas auf mich einzureden. Ich habe bis heute morgen nicht richtig hingehört.


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