Posts Tagged 'Sören Brandy'

Kosta auf den Zaun

So hat sich Branimir Bajic seinen Anteil am 3:2-Sieg des MSV Duisburg gegen den SC Paderborn mit Sicherheit nicht vorgestellt. Er hätte wahrscheinlich gerne den wie üblich souverän geschossenen Elfmeter erwähnt wissen wollen. Eine rote Karte aber als selbstloses Opfer für eine bessere Mannschaftsleistung? Das stand bestimmt nicht auf dem Plan. Als er vom Spielfeld ging, überwog noch der Ärger über die Schiedsrichterentscheidung. Da war noch nicht abzusehen, wie sehr sich die Mannschaft vom MSV Duisburg die weitere Spielzeit von knapp 20 Minuten steigerte. Es wurde noch einmal intensiv um jeden offenen Ball gekämpft. Meter um Meter wurden gelaufen. Kombinationen gelangen. Es war all das zu sehen, was zu Beginn der zweiten Halbzeit sich mehr und mehr andeutete und in der ersten Halbzeit kaum vorhanden war.

Es war ein unterhaltsames letztes Spiel der Saison, in dem der SC Paderborn sich zunächst als die kombinationssicherere Mannschaft erwies und sehr früh den Spielaufbau des MSV Duisburg zu stören begann. Wenn fast die gesamte Mannschaft des SC Paderborn in die gegnerische Spielhälfte rückt,  gibt es schon auf Höhe des Strafraums nur wenig  Raum und Ruhe, den Ball sicher dem Mitspieler zuzupassen. Halblange und lange Bälle boten Lösungen für das Problem, obgleich auch die Versuche geordnet nach vorne zu kommen nie eingestellt wurden. So kamen die Chancen des MSV Duisburg nach nur wenigen Ballkontakten zustande, während der SC Paderborn sich kontinuierlich, Mann für Mann durch die Duisburger Defensive spielte. Mit dem Führungstreffer konnte Timo Perthel noch einmal seine Qualität als Distanzschütze beweisen. Das hatte im Hinspiel schon geklappt. Sicherheit gab diese Führung aber nicht, und der Ausgleich schien nur eine Frage der Zeit zu sein.

Auf der linken Abwehrseite scheint es Abstimmungsschwierigkeiten gegeben zu haben. Immer mal wieder hatte Andreas Ibertsberger zwei Paderborner Spieler gegen sich. Dementsprechend konnte er nicht alles richtig machen. Das war aber meiner Meinung nach weniger seinem Stellungsspiel geschuldet als mangelnder Zuordnung auf der gesamten linken Seite beim schnellen Paderborner Kombinationsspiel. Seine Auswechlung war deshalb wohl mehr durch die Platzwunde am Kopf verursacht als durch seine Leistung.

Die zweite Halbzeit begann der MSV Duisburg energischer. Der Druck auf das Paderborner Tor wurde größer, und das Kombinationsspiel der Paderborner konnte sich nicht mehr so eindrucksvoll entfalten. Dennoch erhielt der MSV Duisburg seine Chancen eher durch die steilen Bälle in die Spitze. Einen dieser Bälle erlief sich Daniel Brosinski, der beim Abschluss im Strafraum gefoult wurde. Branimir Bajic als Standardschütze trat zum Elfmeter an und traf. Der erneute Ausgleich fiel durch einen sehr gut geschossenen Freistoß von Mario Vrancic. Beide Mannschaften wollten dieses Spiel weiterhin gewinnen. So wurden die Räume beim Hin und Her offener. Während die Paderborner ihre Kombinationssicherheit etwas einbüßten, gewannen die Zebras sie hinzu.

Sören Brandy war für mich der Spieler dieses Spiels, nicht nur weil ihm das Siegtor dann aus spitzem Winkel beeindruckend cool gelang. In diesem Spiel zeigte er noch einmal alle seine Qualitäten, die ihn für den MSV Duisburg so wichtig machen. Er läuft ungemein viel, schafft Lücken und stößt selbst in freie Räume. Er hat ein Auge für die Entwicklung von Spielsituationen. Das macht seinen Kampf um den Ball so effektiv. Dabei verfügt er über eine gute Technik, und in der Rückrunde ist seine Spielweise zudem offener geworden. Er sucht öfter das Abspiel, was natürlich auch dank das besseren Eingespieltsein der Mannschaft gelingt.

In der Pressekonferenz nach dem Spiel bedankt sich Kosta Runjaic bei allen, die mitgezittert haben in dieser Saison. Wieviel Zeit er sich für die Dankesworte nimmt, weist für mich auf die Zukunft dieses Vereins. Kosta Runjaic denkt in größeren Zusammenhängen. Er sieht nicht nur die sportliche Leistung seiner Mannschaft, sondern er weiß, wie diese sportliche Leistung auch von äußeren Einflüssen wie dem Umfeld des Vereins abhängig ist. In seinen Worten lässt sich erkennen, dass er ebenso weiß, jemand muss sich für die gute Stimmung rund um den Verein einsetzen. Dieser Trainer ist ein Glücksgriff für den MSV Duisburg gewesen. Ich hoffe sehr, dass er noch einige Zeit in Duisburg bleibt und beim MSV weitere Beweise für die Qualität seiner Arbeit abliefert.

Neben der Pressekonferenz sind zudem die Stimmen von Sören Brandy, Goran Sukalo, Timo Perthel, Daniel Brosinski, Julian Koch und Srdjan Baljak zu hören. Über Srdjan Baljak hätte ich natürlich gerne die wunderbare Geschichte von seinem letzten Tor der Saison geschrieben. Einmal blitzte diese Möglichkeit auf, als Daniel Brosinski auf das Tor zog und vielleicht hätte abspielen können. Aber es war ja Daniel Brosinski. Und Ruhmestaten herbeischreiben, das braucht Srdjan Baljak nicht. Auch wenn er souverän kurz vor Ende des Spiels noch einen Eckball für den MSV Duisburg herausgeholt hat. So etwas als besondere Leistung zu erwähnen, wirkt doch übertrieben. Dafür hat der MSV Duisburg diesem Spieler viel zu viel zu verdanken. Der Abschied von ihm schmerzt. Alles Gute, Srdjan Baljak!

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Ich hab noch ein paar Fotos aus Berlin

Ganz einfach ist es heute nicht mehr, eine Spiegelreflexkamera mit Wechselobjektiv in ein Stadion mitzunehmen. Selbst, wenn die Güte des Objektivs mittelmäßig ist und die Kamera für digitale Zeiten uralt. Wahrscheinlich gibt es inzwischen Kompaktkameras, die Fotos von erheblich besserer Qualität liefern. Aber DFL-Vorschrift ist Vorschrift, und nicht alle Vereinsvertreter der Liga machen sich die Mühe der Unterscheidung. Sogar wenn im Fall des Zebrastreifenblogs gleichzeitig der journalistische Identitätsnachweis die Mitnahme befördern könnte. Um so auffälliger war auch in diesem Fall der 1. FC Union Berlin, wo mir durch die Presseabteilung schnell und unkompliziert das Mitnehmen der Kamera ermöglicht wurde. So gibt es noch ein paar Fotos aus Berlin, auch wenn so ein Blick durch den Sucher für mich höchstens vor und nach dem Spiel machbar ist.

Klassenerhalt als Vorprogramm zum Open Air in Köpenick

2013-05-12_union-msv 007Wir alle freuen uns über den endgültigen Klassenerhalt des MSV Duisburg. Das ist keine Frage. Schöner aber fühlt sich so ein Klassenerhalt an, wenn er durch einen eigenen Punktgewinn zustande kommt. Das ging uns auf den Rängen nach der 2:1-Niederlage im Auswärtsspiel gegen den FC Union Berlin genauso wie Kosta Runjaic und den Spielern. Richtig ausgelassen schien mir also niemand gewesen zu sein. Die Stimmung war gelöst. Richtiger Ärger kam über die Niederlage nicht auf. Doch das leichte Bedauern machte sich trotz des Lächelns in den Gesichtern immer wieder bemerkbar.

Zu verstehen war es kurz nach Spielende nämlich nicht, warum der MSV  Duisburg dieses Spiel verloren hat. Mit etwas Abstand sind die Fehler zu erkennen. Doch gestern fühlte sich schon der Ausgleich von Union wie der dramaturgische Fehler in einem Gute-Laune-Familienfilm an. Diese Führung passte einfach nicht zu der zuvor noch gesehenen spielerischen Leistung der Berliner, 2013-05-12_union-msv 035die bis zum Ausgleich aus eigener Kraft heraus zu keiner Chance kamen. Zwei-, dreimal wurde es gefährlich, weil in der Defensive des MSV Verlegenheitsschüsse von Union zu kurz in die Mitte geklärt wurden, an einen Fehlpass kann ich mich auch erinnern und das war es dann. Die Offensive des MSV war in der ersten Halbzeit nicht besser. Wir konnten die Hoffnung aber auf Standards setzen. Denn Eckstöße sind inzwischen variantenreich und an guten Tagen torgefährlich. Gestern war ein guter Tag. Erst ein freier Schuss über das Tor und dann der abgeblockte Seitfallzieher von Sören Brandy als spektakuläre Torchance. Das dürfen Sören Brandy und Jurgen Gjasula gerne wiederholen. Nicht immer steht ein Abwehrspieler im Weg.

2013-05-12_union-msv 047Nach der Pause gelangen zudem die Kombinationen immer öfter auch bis in den Strafraum hinein, zumal die schnelle Führung durch Kevin Wolze diesem Angriffsspiel weitere Sicherheit gab. Das Tor belebte jedenfalls das Spiel. Schnell war zu merken, Union wollte vor dieser fantastischen Heimspielkulisse nicht verlieren. Besser wurde das Berliner Zusammenspiel allerdings zunächst nicht, nur ungestümer und energischer. Das reichte aber, um das Spielgeschehen Richtung Duisburger Tor zu drängen. Die unangenehme Konsequenz war der Ausgleich. Noch immer aber hatte ich nicht das Gefühl, dieses Spiel könne verloren gehen. Jurgen Gjasula erhielt die Chance zur erneuten Führung. Alleine vor dem Torwart stehend zielte er genau in dessen Arme. Wir hatten den Eindruck, weil er schon alleine an der Strafraumgrenze stand, glaubte er für einen Moment, er habe im Abseits gestanden. Zu viel gedacht.

Wer kurz danach aber im Strafraum so ungeschickt foult wie Goran Sukalo,  wird bestraft. Vom Gästeblock haben wir2013-05-12_union-msv 064 dieses Foul nicht sehen können. Für uns kam der Pfiff in einer Spielsituation, die nicht sonderlich gefährlich wirkte. Leider konnte Felix Wiedwald seine Rettungstat aus dem Spiel der letzten Saison nicht wiederholen. Damit war das Spiel knapp zehn Minuten vor Schluss entschieden, auch wenn es auf dem Platz noch hoch her ging. Die Spieler schenkten sich nichts. Es ging für beide Mannschaften bis zum Abpfiff um alles. Nicht nur deshalb war dieses Spiel einen Besuch in Berlin wert. Die Atmosphäre in der Alten Försterei ist jedes Mal großartig.

Für die Fans von Union begann nach dem Spiel schon die Vorbereitung auf die kommende Saison. Die neuen Dauerkarten konnten schon gekauft werden, während die Spieler Autogramme gaben und beim Mini-Open Air lokale Bands ihr Bestes. Wir waren in der Zeit schon auf dem Weg zum S-Bahnhof Köpenick, weil die Rückfahrt Richtung Mitte ebenso lang zu werden drohte wie die Hinfahrt. Pendelverkehr wegen Gleisarbeiten mit Zugwechsel nach jedem zweiten Bahnhof. Wir begnügten uns also mit dem Vorprogramm Fußballspiel und hörten nur von Ferne wie eine Band namens Kietz Keime mit ihrem „irisch inspirierten Folk-Punk“ begann. Dank der Band bei youtube könnt ihr euch nun fühlen, als wäret ihr mittenmang dabeigewesen.

Fehlt noch die Pressekonferenz nach dem Spiel sowie die Stimmen von Sören Brandy – mit knapper treffender Spielanalyse im zweiten O-Ton -, Dustin Bomheuer und Jurgen Gjasula. Sehr schön übrigens, wie bei Uwe Neuhaus dessen Pott-Heimat in der Sprachfärbung kräftig durchschlägt, als er zu reden beginnt. Das wirkt so, als sammele der private Uwe Neuhaus auf dem Weg zum zum öffentlichen Trainer Neuhaus eben noch ein paar Gedanken ein.

Der Spielbericht bei Sky mit einem Klick weiter.

Mit Dauerglück in eine große Zukunft?

Schön am Schreiben über ein Fußballspiel ist: dieses Schreiben muss niemals 90 Minuen dauern. Deshalb verrät die Kürze eines Textes schon viel über die Qualität eines Fußballspiels. Das torlose Unentschieden im Auswärtsspiel des MSV gegen den FC Erzgebirge Aue braucht nicht viele Sätze. Auch in diesem Spiel kam dem Glück eine bestimmende Rolle zu. Dieses Glück wirkte anders als im Spiel gegen den 1. FC Köln sogar präventiv. Es wurde in Gänze  beim Torverhindern aufgebraucht. Dieses Glück bei einem einzigen Torschussversuch irgendwann im letzten Viertel des Spiels nur als unterstützendes Mittel in Anspruch genommen zu haben, wäre des Guten wirklich zu viel gewesen. Man soll das Schicksal nicht herausfordern. Irgendwann muss sich die Mannschaft auch wieder auf die eigenen fußballerischen Fähigkeiten besinnen.

Diese Fähigkeiten waren gestern allenfalls in der Rückwärtsbewegung etwas vorhanden. Zumal sich die Zebras darauf verlassen konnten, dass die Auer die letzte Aktion, egal ob Schuss oder Pass in den Strafraum, so gut wie nie so präzise spielten, dass es dauerhaft gefährlich wurde. Und wenn in einer Einzelaktion  passabel abgeschlossen wurde, konnten sich die Zebras auf das besagte Glück verlassen. So täuscht der Blick auf die  Statistik, wenn es um die Torschüsse der Auer geht. Diese vielen Torschüsse der Auer weisen nur auf die Spielüberlegenheit hin und nicht auf die tatsächliche Torgefahr.

In Ballbesitz versuchten die Zebras zwar immer wieder ein kontrolliertes Spiel, doch wenn es überhaupt gelang, dann ohne Raumgewinn um die Mittellinie herum, bis das Pressing der Auer die Pässe immer unpräziser werden ließ. Das Spiel ruckelte und stotterte, vor allem in der zweiten Halbzeit, von der einen Seite zur anderen. Weil die Pässe auf beiden Seiten eben oft so unpräzise waren und ebenso beide Mannschaften mit viel Einsatz den Ball jeweils wieder zurück erobern wollten, war die zwangsläufige Folge der regelmäßiges Foulpfiff. Regelbedingt mussten beide Mannschaften mit dieser Leistung 90 Minuten lang auf dem Platz bleiben. Das war nicht schön anzusehen. Andererseits wenn sich der MSV Duisburg trotz solch schlechter spielerischer Leistungen seine Unentschieden von nun an immer glücklich erkämpft, steht der Mannschaft eine große Zukunft bevor.

Die Pressekonferenz nach dem Spiel sowie die Stimmen von Dustin Bomheuer und Sören Brandy.

Die einen planen für sechs Spiele, die anderen für die nächste Saison

Im September letzten Jahres holte der MSV Duisburg im zweiten Spiel unter Kosta Runjaic gegen den VfL Bochum  mit einem torlosen Unentschieden seinen ersten Punkt der Saison. Der MSV blieb dennoch erst einmal Letzter, und der VfL Bochum stand auf dem zehnten Tabellenplatz. Am Sonntag besiegte der MSV Duisburg den SV Sandhausen nach einem wenig ansehlichen Spiel mit 2:1. Der einstellige Tabellenplatz zum Saisonende ist als Ziel ausgerufen. Den Abstieg des VfL Bochum dagegen soll seit Montag nach dem zweiten Trainerwechsel der Saison Peter Neururer verhindern.

Für mich klingt das nach dem Anreiß-Text zu einem Drama, in dem der MSV die langweilige Nebenrolle des alten Kumpels mit intakter Familie spielt. Ich bin ein großer Anhänger von langweiligen Nebenrollen. An ihnen lässt sich oft fürs Leben etwas lernen. Dort verstecken sich die Hinweise darauf, was im wirklichen Leben funktioniert und was nicht. Denn auch wenn ein Happy End in diesem Drama noch möglich ist, wie das Leben danach weitergeht, ist im Drama nicht unbedingt angelegt. Da wissen wir Anhänger des Langweilers längst mehr. Allmählich beginnt sogar Kosta Runjaic an die mittelfristige Zukunft zu denken und nicht nur an das nächste Spiel. Es bereitet mir große Freude, seine zarten Visionen während der Pressekonferenz nach dem 2:1-Sieg gegen den SV Sandhausen zu hören, ganz im typischen Runjaic-Ton der Bodenhaftung. Wenn er von der Zukunft spricht, sind das keine schönen Bilder und populäre Parolen, sondern Kosta Runjaic formuliert Aufgaben.

Vorerst bestanden diese Aufgaben darin, das nächste Spiel zu gewinnen. Gegen den SV Sandhausen wurde diese Aufgabe erledigt. Mehr nicht. Vielleicht braucht ein Gegner, der so defensiv eingestellt ist, doch von Anfang an einen Spieler wie Jürgen Gjasula auf dem Platz, der auf engstem Raum noch die Sicherheit und das Selbstbewusstheit hat, den Ball kontrollieren zu wollen. Zudem erlauben ihm seine Technik und Übersicht die überraschenden und beim Mitspieler ankommenden Pässe in den Rücken der Defensive. Nachdem er in der 54. Minute eingewechselt wurde,  begann die Mannschaft aus dem Spiel heraus torgefährlicher zu werden. Es brauchte also gegen Sandhausen nicht unbedingt Standards wie in der ersten Halbzeit für die Chance auf ein Tor. Maurice Exslager konnte gegen die enge  Defensive der Sandhausener seine Grundschnelligkeit nicht ausnutzen. Wenn er einmal an seinem Gegenspieler vorbeikam, stand der nächste Sandhausener Spieler schon im Weg.

So charakterisierte das Spiel zunächst vor allem die Kopfballstaffette um die Mittellinie herum, bei der sich beide Mannschaften darauf einigten gemeinsam den Ball so lange wie möglich den Boden nicht berühren zu lassen. In dieser Zeit machte ich mir dennoch keine Sorgen um den MSV. Dazu waren die Sandhausener an diesem Tag in der Offensive zu offensichtlich völlig überfordert. Nach vorne gelang ihnen gar nichts, hingegen der MSV zumindest immer wieder in Strafraumnähe kam. So blieb mir die Muße, mich mit dem Sandhausener David Ulm, in Aussehen und Spielweise ein wenig an Olcay Sahan zu erinnern. Ich konnte mich zudem mit dem Rest des Publikums über den offensichtlich etwas übermotivierten Nicky Adler wundern und manchmal auch aufregen. Man konnte den Eindruck gewinnen, so richtig abgeschlossen hat er mit dem MSV Duisburg noch nicht. Felix Wiedwald am Anfang des Spiels als eine Art Teppichstange zu nutzen, um mit Schwung in die Gegenrichtung wieder zurück laufen zu können. Da muss einer erstmal drauf kommen.

Das Führungstor fiel nach einer Eckenvariante, die einen Tag später dem Print-Kollegen vom Reviersport eine eigene Geschichte wert war. Co-Trainer Ilia Gruev ließ die Zebras eine Eckstoß-Ausführung des FC Barcelona trainieren. Und natürlich hat die Geschichte eine besondere Pointe, weil Timo Perthel im Gegensatz zu Lionel Messi das Tor bei der Ausführung gelang. Der schnelle Ausgleichstreffer fiel auch deshalb, weil im Spiel der Zebras von Anfang an eine leichte Nachlässigkeit zu spüren war. Vielleicht ergab sich das aus dem Gefühl der Stärke heraus. Es war deutlich zu sehen, wie selbstbewusst die Mannschaft auf dem Platz stand. Was ihr von Seiten der Sandhausener begegnete, konnte sie in diesem Gefühl nur bekräftigen. Dennoch war der MSV nicht so überlegen, um die Sandhausener Mannschaft an die Wand zu spielen. Da können dann Momente der Unachtsamkeit unangenehme Folgen haben. Unachtsam war aber nicht Timo Perthel, der den Kopfball seines Gegenspielers nicht verhindern konnte. Unachtsam war der Befreiungsschlag beim Angriff zuvor, der sofort wieder beim Gegner im zentrallen Mittelfeld landete. Wer da den Ball unbedrängt einfach wegschlug, weiß ich nicht mehr. Damit bahnte sich der Ausgleichstreffer aber an, weil nur deshalb der Ball sofort wieder in den Strafraum geflankt werden konnte.

Branimir Bajic ist inzwischen als Elfmeterschütze gesetzt. Er verwandelte in der zweiten Halbzeit zum erneuten Führungstreffer. Mit einem Steilpass hatte Jürgen Gjasula zuvor Ranisav Jovanović frei gespielt, der alleine von halblinks in den Strafraum zog und dort vom Sandhausener Torwart Danniel Ischdonat von den Beinen geholt wurde. Es wäre schön gewesen, der MSV hätte ein weiteres Tor nachgelegt. Doch das schlechte Torverhältnis ist nicht nur noch die Folge der hohen Niederlagen zu Beginn der Saison. Da bleibt noch weitere Trainingsarbeit beim Torschuss, damit die Zebras nicht im Zusammenschnitt der größten vergebenen Torchancen der Saison immer mit dabei sind. Andererseits besaß die dreistufige Chance in der Abfolge Jovanovic, Brosinski und Brandy mit der jeweils größer werdenden Wahrscheinlichkeit des Tores auch eine wunderbare Dramaturgie. Auf so etwas müssten wir dann verzichten. Aber was tut man nicht alles für den Erfolg.

Die Pressekonferenz mit dem Ausblick auf die Zukunft durch Kosta Runjaic, sowie die Stimmen nach dem Spiel von Goran Sukalo und Ranisav Jovanović:

Der Spielbericht bei Sky heute mal rüber geholt – leider ohne die Dreifach-Chance mit dem Moment, als Sören Brandy nur hätte einschieben müssen.

Ohne Schiri-Hilfe siegen wir uns zum erst einmal Nichtaussprechbaren

Aller guten Dinge sind drei. Deshalb werde ich auch nach diesem Heimspiel des MSV Duisburg gegen den FC Energie Cottbus ein paar Worte zum Schiedsrichter schreiben. Aber nicht, weil das schon nach dem Abpfiff am Freitag  auf der Hand lag, sondern weil Ranisav Jovanović nicht nur ein großartiges Spiel gemacht hat, er hatte da was zum „Schiri“ zu sagen. Dazu später. 2:1 gewonnen! Das war der Sieg, der schon sicher stellt, was ich aus altem Aberglaube noch nicht ausspreche. Ich freue mich jedenfalls auf weitere Siege.

Eigentlich fasst mein Gefühl in der Zeit nach dem Anschlusstreffer des FC Energie Cottbus kurz vor dem Schlusspfiff den Charakter dieses Heimspiels vom MSV Duisburg am besten zusammen. Da gab es so eine merkwürdige Mischung aus fast sorgloser Gelassenheit kombiniert mit Panickattacken und Vorfreude in mir. Das war schon in der ersten Halbzeit so, weil das Spiel selbst wenig Anlass bot, intensiv dabei zu sein. Wäre dieses Spiel ein TV-Film gewesen, hätte ich schnell zum Buch gegriffen, am PC was nachgeschaut und höchstens bei spannungsgeladener Musik oder Dialogfetzen hingeschaut. Was Cottbus kann, war hin und wieder in der Zone etwa 5 Meter vor dem Strafraum zu sehen. Da wurde schnell im Doppelpass gespielt. Spieler kreuzten und standen für Momente frei, doch der entscheidende Pass in den Strafraum gelang nie. Nur zu Beginn sah dieses schnelle Spiel etwas bedrohlich aus, der MSV hielt dagegen und schnell war Cottbus nicht mehr so mutig wie zu Beginn. Der MSV schaffte zudem immer wieder in Einzelsituationen Druck auf das Cottbusser Tor.

Die Sorge über das Fehlen von Goran Sukalo waren also unbegründet. Dass Julian Koch pausieren musste, hielt ich sogar für eine passende  Notwendigkeit. Angesichts seiner Geschichte beim MSV fällt so ein Satz schwer, aber in den letzten Spielen hakte es bei seinem Auftritt immer mehr. Das Rochieren auf den Positionen und die Hereinnahme von Tanju Öztürk sowie Andreas Ibertsberger schwächten das Spiel des MSV Duisburg also überhaupt nicht. In so einem Spiel fällt dann ein Tor nicht aus einem kontinuierlichen Fluss heraus, sondern jede Situation durch einzelne Spieler mit Zug zum Tor kann die große Chance ergeben. Ranisav Jovanović gehört im Moment zu den Leistungsträgern dieser Mannschaft. Das zeigt nicht nur sein Tor nach dem grandiosen Lauf mit Ball über den halben Platz. Wie er in der zweiten Halbzeit immer wieder hohe Bälle gegen manchmal drei Gegenspieler angenommen hat und sie je nach Spielsituation nahezu jedes Mal variabel und sicher verarbeitete, war sehr beeindruckend.

In der zweiten Halbzeit intensivierte Cottbus das Spiel, aber der MSV zog sich keineswegs zurück. Die Mannschaft spielte weiterhin nach vorne, was das Spiel über eine längere Strecke in ein wildes und ungestüm wirkendes Hin und Her verwandelte. Was soll ein ruhiger, sicherer Spielaufbau aus der Defensive, wenn vorne mit Maurice Exslager und Jovanovic zwei Stümer stehen, von denen der eine wegen seiner Schnelligkeit und der andere wegen seiner Lufthoheit die wild nach vorne gekloppten Bälle erobern kann? Missversteht mich nicht, ich glaube, das war das richtige Rezept, um die Pressing-Versuche der Cottbusser ins Leere laufen zu lassen. Das war die beste Lösung für die vorhandenen Möglichkeiten.

Ein typischer Exslager-Sprint brachte ihn in den Strafraum, wo das stochernde Bein des Gegenspielers auch ein Geschenk war. Ich erinnere mich jedenfalls mehr an meine Gelassenheit als an die spannungsvolle Vorfreude auf ein Tor. Sprich: An der Stelle im Strafraum schien mir Exe noch gar nicht so torgefährlich gewesen zu sein. Exe fiel, der Schiedsrichter pfiff und als Branimir Bajic den Ball zum Elfmeter an sich nahm, wurde meine Hoffnung auf das Tor schon größer. Diese 2:0-Führung schien alles sicher zu machen, doch was wären wir MSV-Fans ohne die gewohnten Zitterminuten am Ende. Der Anschlusstreffer fiel, und die letzten 6 oder sieben Minuten – wieviel waren es? – wurden noch einmal zum zähen Ringen. Da versuchte die Zebras sich in eine gestreifte Mauer zu verwandeln, und die Cottbusser schossen nicht drüber sondern mit aller Macht immer gegen die Mauer. Lücken entstanden so nicht. Mörtel und Mauerteile erwiesen sich als stabil.

So lässt sich nun immer wieder mal an die nächste Saison denken, das Nichtaussprechbare kommt mir bildhaft in den Sinn. Und was die Bilder angeht, so war der dpa-Fotograf im richtigen Moment am richtigen Platz. Auch die Rheinische Post hat für den Artikel über das Spiel  das wunderbare Gruppenfoto  von Tanju Öztürk, Sören Brandy, Maurice Exslager und Ranisav Jovanović übernommen, als die vier ein Gemälde nachgestellt haben. Ich bin mir nur nicht sicher, welche Epoche sie im Sinn hatten. Männergruppen mit Blick in die Ferne, das sind – so meine ich – Szenen des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Die Kunsthistoriker unter euch werden´s besser wissen.

Fehlt noch der Schiedsrichter, und damit zur Pressekonferenz nach dem Spiel sowie den O-Tönen von Maurice Exslager und Sören Brandy sowie Ranisav Jovanović. „Rani“ ist es, der die stehende Redewendung des Fußballs „der Schiri war heute nicht der Grund, dass wir heute“ in einem überraschenderen Bedeutungszusammenhang verwendet. Der „Schiri“ hieß Benjamin Cortus und wird wahrscheinlich erleichtert aufseufzen, wenn er die Worte von „Rani“ hört. Ob der DFB überall seine Ohren hat und nun sämtliche zurück liegenden Siege des MSV  in blindem Aktionismus überprüfen wird? Wir leben schließlich in Zeiten, in denen Funktionäre versprechen allem nachzugehen.

Bei unerfüllten Hoffnungen rate ich: Perspektivwechsel

Frühlingswochenende in Berlin und einen Punkt aus dem Auswärtsspiel gegen die Hertha mit nach Hause nehmen. Das war der Plan, als ich Anfang letzter Woche bei Sonne und 18 Grad dem Freund mein Kommen zusagte. Geklappt hat weder das eine noch das andere. Samstagnachmittag begann es zu schneien – mehr Eisplättchen als Flocken. Ein eisiger Wind wehte zudem durch die Stadt, der einem diesen feinen Schnee immer wieder unangenehm ins Gesicht trieb.

Auch Sitzplatzbesucher müssen sturzfrei zu ihren Plätzen kommen.

Auch Sitzplatzbesucher müssen sturzfrei zu ihren Plätzen kommen.

Was war das kalt im Stadion, wo noch kurz vor dem Spiel auf den Rängen Split verstreut wurde. Ich hatte anfangs etwas Mühe, mich neben dem Zehen bewegen und Finger wärmen auf das Spiel zu konzentrieren. Der Mannschaft vom MSV schien das nicht so zu gehen. Damit möchte ich sogleich diese 4:2-Niederlage aus einer anderen Perspektive erzählen, als jener nahe liegenden wie sie sonst in Berichten und Kommentaren zu lesen ist. Verständlicher Weise rücken zuerst Fehler und der Leistungsunterschied in den Blick, weil die Niederlage so deutlich war, die Spieler der Hertha ihre Tore so leicht erzielen konnten und der MSV nach dem frühen Tor durch Adrián Ramos schnell nicht mehr wie eine Mannschaft wirkte, die hätte zurückschlagen können.

Das Einschwören vor dem Spiel half nur bedingt.

Das Einschwören vor dem Spiel half nur bedingt.

Die andere Perspektive ist folgende: Vor einem Spiel gegen eine besser besetzte Mannschaft steht ein Trainer immer vor der Frage, wie defensiv richte ich die Spielweise meiner Mannschaft aus. Mir hat es jedenfalls gut gefallen, dass der MSV in diesem Auswärtsspiel spielerisch mithalten wollte. Es war deutlich zu merken, wie groß das Selbstbewusstsein der Spieler bei der Vorwärtsbewegung geworden ist. Mir hat es gefallen, wie die Mannschaft bis zum Ende des Spiels den Angriff suchte. Das sage ich bei allen Fehlern, die dann passierten, und zwar nicht weil den Spielern wie zu Anfang der Saison die Bälle wegen technischer Mängel versprangen, sondern weil das Pressing der Hertha immer wieder  gut funktionierte.

Ich denke dabei an die Zukunft – ungeachtet möglicher Ab- und Zugänge von Spielern. Denn auch in einem Fußballverein besitzt so was wie Kultur eine  Bedeutung. Ich meine das Bewussstsein von dem, was eine Mannschaft ausmacht und wie so etwas weitergetragen wird. So ein Bewusstsein macht es einfacher, neue Spieler zu integrieren. An so einem Bewusstsein wird auch bei solchen Niederlagen gearbeitet. Es entsteht ein Möglichkeitsraum für Erfolg. Das habe ich gestern sehr geschätzt an der taktischen Ausrichtung, die Kosta Runjaic für dieses Spiel vorgenommen hat.

Unermüdlich

Unermüdlich

Es ist keine Frage, dass die Defensivleistung zu schwach war. Und natürlich hängt das eine mit dem anderen, der offensiveren Spielausrichtung, zusammen. Dennoch glaube ich, gestern hätte die Hertha auch das Spiel gegen einen völlig defensiven MSV gewonnen. Das wäre dann wahrscheinlich ein 1:0-Sieg geworden. Das Tor wäre aber gefallen. Da bin ich sicher. Mehrere Spieler dieser Hertha sind denen des MSV fußballerisch überlegen. Unzweifelhaft blieben ihre Fähigkeiten nicht nur ein Versprechen. Sie waren zu sehen. Weil zudem die Standards der Hertha immer für ein Tor gut sind, ist es schwierig, wenn die Berliner erst einmal in Führung gehen.

Erwartungsfrohe Ostkurve

Mir gefällt außerdem, wie mit der Niederlage umgegangen wird, weil in den Stellungnahmen von Dustin Bomheuer und Sören Brandy Enttäuschung mitschwingt. Der Blick auf die Realität, die spielerische Überlegenheit bleibt dennoch gewahrt. So reden Spieler in einem Entwicklungsprozess.

Den Chronistenblick auf das Spiel überlasse ich heute anderen. In Kicker und WAZ/NRZ liest man einen neutralen bis wohlwollenden Ton zum MSV, die Rheinische Post hingegen mit kritischeren Worten ob der Leistung.  Mit einem Klick geht es weiter zum Spielbericht bei Sky. Außerdem die Pressekonferenz sowie O-Töne nach dem Spiel von Dustin Bomheuer, Julian Koch und Sören Brandy.

Ein Schiedsrichter als Spielgestalter

Es war ein anstrengendes Spiel zwischen dem MSV Duisburg und dem 1. FC Kaiserslautern. Es war anstrengend für die Mannschaften, die sich im Kampf um den Ball verausgabten. Es war aber auch anstrengend für uns Zuschauer. Ein Grund war der Schiedsrichter mit seinen wirren Versuchen das Spiel zu regeln und der damit zu einem so nicht vorgesehenen Spielgestalter dieser Begegnung wurde.

Normalerweise halte ich mich mit den Schiedsrichtern nicht auf. Einzelne Fehlentscheidungen geschehen und sie gehören zum Spiel. Aber es passiert selten, dass ein Schiedsrichter wie Herr Schriever mit seinen Pfiffen das Spiel so konsequent auf die gesamten 90 Minuten bezogen mitbestimmt.  Der Mann war derart überfordert und verunsichert, dass wir in der Halbzeitpause vorhersagten, ein Kaiserslauterner Spieler werde ebenfalls noch vom Platz gehen. Ich hatte den Eindruck, die zwei falschen Entscheidungen kurz nacheinander gegen den MSV Duisburg im ersten Spieldrittel haben ihn völlig aus der Bahn geworfen. Zunächst zog er die gelbe Karte gegen Ranisav Jovanović wegen einer vermeintlichen Schwalbe, entscheidend war aber vermutlich der nicht gegebene Elfmeter nach dem Foul an Sören Brandy. Auf mich machte er den Eindruck, als sei er sich seines Fehlers bewusst und versuchte danach verzweifelt mit möglichst einfachen Pfiffen bei möglichst jedem Körperkontakt, das Spiel nicht vollends aus der Hand zu geben. Dummerweise kam ihm Goran Sukalo durch seine unbedachte Rangelei mit Alexander Baumjohann in die Quere. Da musste er erneut eine schwierige Entscheidung treffen, und schon lag er wieder, dieses Mal nur knapp, daneben. Gelb für beide Spieler wäre richtig gewesen. Was nebenbei gesagt, für Sukalo gelb-rot bedeutet hätte. Es gibt also von meiner Seite keine Absolution für Goran Sukalo.

Vergessen wir den Schiedsrichter, wenden wir uns der Mannschaft zu und das war der zweite Grund für die Anstrengung auch auf den Rängen. Wieder gab es gegen eine Mannschaft aus dem oberen Tabellenviertel die Aussicht auf den Sieg. Diese Kaiserslauterner waren nicht gut genug, die kompakte Defensive des MSV Duisburg zu überwinden. Sie hatten einen anderen Plan als der TSV 1860 München mit seinem schnellen Kombinationsspiel in der letzten Woche. Sie wollten mit schnellen Bällen über die Flügel agieren und suchten natürlich immer wieder mit langen Bällen auch Mo Idrissiou. Doch dieser Plan scheiterte.

Das wollte auf der Pressekonferenz nach dem Spiel der Kaiserslauterner Trainer Franco Foda nicht wahrhaben. Für mich sieht er das Spiel der Kaiserslauterner zu rosig. In der ersten Halbzeit hätte seine Mannschaft das Spiel bestimmt. Wenn man den Ballbesitz als einzigen Maßstab nimmt, mag das stimmen. Dabei vergisst er allerdings, seiner Mannschaft fehlten die außerdem noch notwendigen spielerischen Mittel, um mit dem Ball in den eigenen Reihen etwas zu machen, was das Tor des MSV Duisburg wirklich bedroht hätte. Das Spiel über die Flügel blieb harmlos und die einzige große Chance der Kaiserslauterner ergab sich alleine aus einem altbekannten Fehler des MSV Duisburg. Einige Spieler waren noch damit beschäftigt, vom heftigen Protestieren gegen einen Schiedsrichterentscheidung umzuschalten auf notwendiges Verteidigen, während die Kaiserslauterner den Ball schon nach vorne trieben.

Das wird hoffentlich Kosta Runjaic auch immer wieder sehen, damit er im nächsten Sommer viel Arbeit drauf verwendet, seinen Spielern klar zu machen, dass nur nach Schiedsrichterpfiffen das Spiel unterbrochen ist und sie sonst permanent präsent sein sollten.

Dem MSV Duisburg wurde nicht nur ein Elfmeter versagt.  Die Mannschaft hatte danach sogar noch eine große Torchance nach einem Eckball. Wann kamen in der letzten Zeit schon einmal drei Mann gleichzeitig frei zum Kopfball? Und den nach dem Strafraumgestocher abgewehrten Ball nahm auf Höhe der Strafraumgrenze Maurice Exslager auf, der leider nicht die exquisite Schusstechnik besitzt, um diesen für einen kurzen Moment freien Ball im rechten Torwinkel zu versenken. Sein Schuss ging deutlich über das Tor.

Nach der roten Karte für Goran Sukalo blieb die Defensive bis zur Halbzeitpause stabil, und wir richteten uns auf die Abwehrschlacht in der zweiten Halbzeit ein, mit der Hoffnung auf besagte rote Karte für die Kaiserslauterner. So kam es dann auch, und kurioserweise schien es so, als hätten beide Mannschaften in der letzten Viertelstunde des Spiel nicht mehr so recht gewusst, wie risikoreich sie nun noch spielen sollten. Kosta Runjaic hatte in der 63. Minute die Defensive mit der Hereinnahme von Tanju Öztürk für verstärkt, in der 64. Minute  wechselte Franco Foda  zwei neue Offensivspieler ein und in der 65. Minute ging Mo Idrissou mit gelb-rot vom Feld. Die durch die Auswechslungen angedeutete Taktiken waren durch das wiederhergestellte Kräfteverhältnis in Frage gestellt. Beide Mannschaften agierten nun immer vorsichtiger und dachten weniger an den Sieg als die drohende Niederlage.

Der Schlusspfiff brachte dann einerseits für mich die Erleichterung, den beim MSV Duisburg immer auch aus heiterem Himmel möglichen Gegentreffer nicht gesehen zu haben. Andererseits machte sich aber auch ein wenig Enttäuschung bemerkbar, die Chancen nicht genutzt zu haben, den Elfmeter nicht zugesprochen bekommen zu haben und auch nicht das dusel-glückliche Siegtor in der Nachspielzeit geschafft zu haben. Wie gesagt, ein in jeder Hinsicht anstrengendes Spiel.

Die Pressekonferenz und nach dem Spiel die O-Töne von Felix Wiedwald, Maurice Exslager, Goran Sukalo und Julian Koch.

Der Spielbericht bei Sky mit einem Klick weiter.

Andreas Ibertsberger neben den schönsten Fußballtorten der Welt – VIII: Dynamo Dresden

Mit freundlicher Unterstützung von „111 Fußballorte im Ruhrgebiet, die man gesehen haben musspräsentiert der Zebrastreifenblog in loser Reihe die schönsten Fußballtorten der Welt.

Als Duisburger möchte ich mich heute Morgen nicht lumpen lassen. Gerne packe ich dem MSV Duisburg ein Mitbringsel für die Gastgeber des Auswärtsspiels am heutigen frühen Abend ins Reisegepäck. So ein Kuchen tröstet vielleicht über mögliche Punktverluste hinweg. Zwar soll intensives Pressing das fußballerische Mittel der Dresdner Hoffnung sein, wie in den Dredner Neuen Nachrichten zu lesen ist, doch ebenso heißt es dort,  viele Fragen seien offen. Denn im ureigenen Duktus von Peter Pacult ist auch klar, in der kurzen Vorbereitungszeit habe er den Spielern nicht alles bis zur Perfektion „einbläuen“ können.

Hoffen wir also auf ungeordnetes Durcheinanderlaufen der Dresdner Spieler in der Defensive, das schnelle Erkennen und Ausnutzen all der entstehenden Lücken durch vielleicht Sören Brandy mit einem energischen Sololauf über dreißig Meter, dem anschließenden Pass in die Sturmmitte, das Abtropfen lassen des Balles von  Ranisav Jovanović und dem eleganten Abschluss zum 1:0-Sieg durch Timo Perthel. Da gibt man doch ein Gastgeschenk wie den Kuchen um so lieber.

Ein wenig kratzt übrigens die Verpflichtung von Andreas Ibertsberger an meiner Einschätzung, es gebe keinen Aktionismus bei der Spielersuche vor dem Transferende. Vollends überzeugt es mich nicht, wenn da gleich zwei Spieler einen Vertrag erhalten, die sich für einen fast ähnlichen Bereich des Spielfelds verantwortlich fühlen. Mal sehen, wie da demnächst die Zweifel beiseite geräumt werden. Was den sportlichen Erfolg angeht, lasse ich mich ja immer wieder gerne eines besseren belehren.

Ein Horrorroman wird zur heiteren Vorweihnachtsgeschichte

So ist das im Horrorroman: Wir erleben unseren Helden MSV Duisburg in einer idyllisch anmutenden Schauinsland-Reisen-Arena mit all seiner Hoffnung auf einen gut verlaufenden Tag.  Wir alle in dieser Idylle wissen, welch schwierige Zeit hinter unserem Helden lag. Doch in den letzten Wochen hatte das Böse keine Macht mehr über sein Leben. Wenn dieses Böse wieder einem Spieler in den Oberschenkel fuhr und er von Schmerz gebeugt danach nur noch am Spielfeldrand zusehen konnte, trat ein anderer Spieler an seine Stelle und erfüllte die Aufgaben mit ähnlicher Qualität. Verbündete sich das Böse mit den Naturgewalten und machte aus Rasen eine glatte Schneebahn, so verwandelten sich Stollen je nach Bedürfnis in Spikes oder Kufen. Das Gute war ins Leben des MSV Duisburg zurückgekehrt.

Das Gute schien stark genug auch im Heimspiel des MSV Duisburg gegen den SSV Jahn Regensburg. Nie habe ich einen schwächeren Gegner in einem Zweitligaspiel beim MSV Duisburg gesehen, so dachte ich schon früh, wenn ich etwa sah, wie überfordert die Regensburger waren, sobald sie den Ball in den eigenen Reihen hatten. Mit stocherndem Stückwerk irgendwie  in die Nähe des Strafraums vom MSV zu kommen, um dort die Chance auf einen ruhenden Ball zu erhalten. Das schien die Taktik gewesen zu sein: Nicht auf das Tor von Roland Müller zu spielen, sondern auf die Ecke oder den Einwurf im gegnerischen Feld.  Kaum einmal kam es im eins gegen eins zum Zweikampf, damit die Regensburger wenigstens den Freistoß provozieren konnten. So bestätigten sich meine Erwartungen, das Heimspiel werde schwerer zu bestreiten sein als die beiden Auswärtsspiele der letzten Wochen. Wir kennen schließlich die Schwierigkeiten der Zebras, torgefährlich zu werden gegen tief stehende Mannschaften, die auf nichts anderes  warten als auf den Fehler des Gegners. Wenn aber zudem etwa gegnerische Flügelspieler nicht einmal im Ansatz den Anschein machen, als besäßen sie das Selbstvertrauen beide Außenverteidiger vom MSV überspielen zu können, kann schon mal die Hoffnung auf das Gute wachsen, selbst wenn das ein zähes Belauern vom Tor der Regensburger bedeuten sollte.

Bis in der 11. Minute sich das Böse daran erinnerte, was es in einem Horrorroman nun einmal zu tun hat. Es muss die heile Welt kurz und klein schlagen. Eine Ecke der Regensburger, perfekt aufs kurze Ecke geschlagen, der Ball verlängert und vom nächsten Regensburger Spieler zur Führung eingenickt. Der Himmel verfinsterte sich noch nicht ganz, aber ich wusste, mein unheimliches Gefühl vor der Ecke hatte seine Berechtigung.

Der MSV Duisburg aber wollte dem Horror entkommen. Die Mannschaft bemühte sich. Doch zwingende Chancen erspielte sie sich erstmal keine. Ging der Ball zweimal einigermaßen gefährlich am Tor vorbei? Ich weiß es nicht mehr genau. Und dann war da noch der harte Schuss von Zvonko Pamic über das Tor. Das war´s. Und ich begann zu zweifeln, ob die Regensburger Defensive genügend Fehler machen würden, damit unserem Helden MSV Duisburg wenigstens das Glück gegen das Böse zur Seiten stehen würde. Denn diese Fehler passierten. Die Regensburger Defensive schenkte Bälle her, schlug Kerzen im Strafraum  und klärte Spielsituationen immer und immer wieder direkt in die Füße eines MSV-Spielers. Doch mit diesen zweiten Bällen konnten die Zebras  nichts anfangen.

Und dann war da noch das Böse, das sich dieses Mal des Schiedsrichtergespanns ermächtigte. Endlich auch mal ein Freistoß für Regensburg, nicht einmal in besonders aussichtsreicher Position. Der Ball wird auf den langen Pfosten geschlagen, wo der Regensburger Spieler unbedrängt zum Kopfball kommen kann. Ein wenig hatte es das Böse also auch auf die MSV-Defensive abgesehen. Danach aber standen drei Regensburger Spieler im Abseits. Das Böse unterband die notwendige Schiedsrichteraktion und schon führte Regensburg mit zwei Toren Vorsprung. Wie sollte diese Mannschaft des MSV Duisburg solch einen Rückstand je aufholen? Der Horrorroman nahm Form an. Wir befanden uns im Mittelteil, und nur die Schwäche von Regensburg gab mir die Hoffnung, im zweiten Teil könnte sich das Ganze vielleicht noch in eine Geschichte des Ausgleichs verwandeln.

Doch weit gefehlt, ich hatte das Gute unterschätzt. Was in der zweiten Halbzeit passierte machte die Geschichte unseres Helden zu einem selten gelingenden Genre-Mix. Dazu brauchte es Mut, sehr viel Energie und einen unbändigen Siegeswillen. Srjdan Baljak wurde eingewechselt und er bereicherte dieses Mal zweifellos das Angriffsspiel des MSV Duisburg. Die Regensburger wurden bei Ballbesitz stärker unter Druck gesetzt, noch hilfloser wirkten ihre Aktionen, kaum mehr Zeit blieb ihnen, den Ball auch nur annähernd kontrolliert weiter zu spielen. Umso präziser und schneller wurde das Offensivspiel des MSV Duisburg. Nun brachte die Mannschaft den Ball in den Strafraum. Nun gab es bei nahezu jeder Balleroberung die schnelle Anschlusshandlung mit einem Zuspiel Richtung gegnerisches Tor. Diese Mannschaft wollte das Spiel noch drehen, und uns Zuschauern die heitere Vorweihnachtsgeschichte gönnen. Das Tor von Goran Sukalo wurde wunderbar herausgespielt. Beim Tor von Ranisav Jovanović wurde ein zunächst abgewehrter Ball endlich klug verwertet. Auch an diesem Tor hatte Goran Sukalo durch eine schöne Ballannahme seinen Anteil. Und dem Kopfballtor von Sören Brandy ging wiederum eine schnelle und schöne Kombination über den linken Flügel voran. Das vierte Tor hätte für die Genreklarheit etwas früher fallen können. Wer weiß, ob nicht so was wie das Schicksal doch nicht Geschmack daran finden kann, einen Horrorroman von vorne bis hinten zu gestalten. Doch Daniel Brosinski erlief sich einen leichtsinnigen Querpass und besaß Energie und Nervenstärke, alleine auf den Torwart zuzulaufen, ihn auszuspielen und den Ball einzuschießen.  Die heitere Vorweihnachtsgeschichte fand für uns Duisburger Zuschauer ein glückselig machendes Happy-End. Was für ein Feiern, was für ein Jubeln. Deshalb liebe Zebra-Fans machen wir die Vorweihnachtsgeschichte ganz rund und nutzen schon mal den passenden Gesang als Übung für die nächste Woche:

Wer nach dem Jauchzen und Frohlocken sich noch erinnern möchte, findet  den Spielbericht von Sky dieses Mal sogar hier eingebunden:


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