Posts Tagged 'Sören Larsen'

Darf der MSV auf RWO-Torgefahr hoffen?

Als abschlussstarker Stürmer ist Srdjan Baljak im Sturm des MSV Duisburg noch immer allein auf weiter Flur. Kein anderer der gesunden Stürmer des Vereins aller Vereine erweist sich als sonderlich treffsicher, und die Rückkehr von Sören Larsen wird immer weiter nach hinten verschoben. Vielleicht waren die letzten beiden Spiele ein Fingerzeig. Denn in solchen Zeiten können unkonventionelle spielerische Mittel die Rettung der Aufstiegshoffnung sein. Deshalb habe ich einen Blick auf den Oberhausener Kader geworfen, um herauszufinden, ob Srdjan Baljak wie in den letzten beiden Spiel auch dieses Mal Unterstützung vom Gegner erwarten darf.

Leider nehmen sich Oberhausens Abwehrspieler ihre Stürmer zum Vorbild. Torgefährlich wird es bei Rot-Weiß Oberhausen weder im Sturm noch in der Verteidigung. Gerade einmal fünf Eigentore haben sämtliche Spieler des Vereins im Laufe ihrer Karrieren  erzielen können. Für diese fünf Eigentore waren fünf Spieler verantwortlich. Nicht einen Top-Scorer hat Rot-Weiß Oberhausen in den eigenen Reihen.

Wenigstens war Marinko Miletic in dieser Saison schon einmal erfolgreich. Er schoss im Heimspiel von Rot-Weiß Oberhausen gegen TSV 1860 München sogar ein besonders beachtetes Eigentor, das im Dezember letzten Jahres zum Sieg der Münchner führte. Kurz vor dem Spiel war der DFB auf vermehrte Wetteinsätze auf die Begegnung hingewiesen worden, so dass das Spiel unter besonderer Beobachtung stand. Wer solchem Druck stand hält und dennoch sein Tor macht, dem ist morgen im Spiel gegen den MSV Duisburg hoffentlich einiges zuzutrauen.

Sein Partner in der Innenverteidigung, Thomas Schlieter, hat zwar schon ebenfalls ein Eigentor erzielt. Doch das geschah während der Saison 2005/06, als er noch für die SpVgg Velbert spielte. Von Tim Kruse können wir nichts erwarten, auch wenn er für Fortuna Düsseldorf spielend in der Saison 2005/05 ein Eingentor geschossen hat. Er hat nach einer Verletzung noch Trainingsrückstand und steht nicht im Kader. Hoffnung macht aber die Aufstellung von Daniel Gordon, der  während der Saison 2008/09, noch für Borussia Dortmund II spielend, beim Schuss aufs eigene Tor erfolgreich war. Sollte es knapp werden, könnte dann immer noch Ronny König eingewechselt werden, dessen Eigentor in der Saison 2007/08, noch für SV Wehen Wiesbaden spielend, schon einige Zeit zurück liegt.

Vielleicht können wir aber auch mit einer Überraschung rechnen. Vielleicht explodiert endlich einmal einer der beiden Außenverteidiger von Rot-Weiß Oberhausen vor dem eigenen Tor, oder aber die Daten bei transfermarkt.de wurden nicht exakt genug erfasst. Vielleicht ist gar Mike Terranova hinten genauso treffsicher wie vorne? Erste Unklarkeiten der Datenlage bei transfermarkt.de ergaben sich nämlich schon für Marinko Miletic, dessen so besonders beachtetes Eigentor die Statistiker der Seite bislang noch nicht erfasst haben. Deshalb verbleiben wir bei unserem Vereinstest mit dem Hinweis, alle Angaben sind ohne Gewähr. Ich hoffe auf den Kantersieg und tippe dennoch nur ein 2:0.

Das Larsen-Hin-und-Her

„…für Sören Larsen und Bernd Korzynietz kommt das Spiel gegen den FSV Frankfurt zu früh.“

NRZ, 13.1.2010

„Unglaublich aber wahr. Sören Larsen ist wieder fit. Der Goalgetter wird, wenn er keinen Rückschlag erleidet, gegen Frankfurt sein Comeback feiern.“

Reviersport, 14.1.2010

„Morgen werden Innenverteidiger Frank Fahrenhorst (zuletzt Knieverletzung) und Sören Larsen (Zehenbruch) erstmals wieder dem Kader angehören. […] Allerdings dürfte vor allem ein Einsatz von Sören Larsen unwahrscheinlich sein.

NRZ, 15.1.2010

MSV-Stürmer Sören Larsen musste die Trainingseinheit am Freitag mit muskulären Problemen frühzeitig beenden. Der Däne klagte über leichte Probleme in der Oberschenkelmuskulatur und wurde deshalb aus Gründen der Schonung aus dem Training genommen. Aus diesem Grund wird Larsen auch nicht dem Kader für das Heimspiel gegen FSV Frankfurt am Sonntag angehören. Eine genauere Untersuchung wird zu Beginn der nächsten Woche erfolgen.

Pressemitteilung MSV Duisburg, 15.1.2010 18.58 Uhr

Und es wär´so schön gewesen …

Versprechen sind so schöne Worte

Fans werden zufrieden nach Hause gehen, das versprach Milan Sasic, aber das wird schwerer zu verwirklichen sein, als er sich das vermutlich vorgestellt hat. Vielleicht hat er bei seinem Versprechen jene Fans im Kopf gehabt, die ihren Ärger über die Spielweise des Vereins aller Vereine mit dem Klassiker, „Wir wollen euch kämpfen sehen“, herausschreien. Das gellt den Spielern in den Ohren, und ist im Falle des MSV Duisburg dieser Saison leider ein Trugschluss. Wenn es so einfach wäre. Gerade dieser mangelnde Kampf ist den Spielern überhaupt nicht vorzuwerfen, auch wenn die saftlose Spielweise oberflächlich den Eindruck vermittelt. Diese Spieler auf dem Platz wollen kämpfen. Seht sie euch einmal einzeln an und versucht das Spiel außer acht zu lassen. Was seht ihr? Ich bemerke ihren Einsatz sehr wohl. Ich bin auch überhaupt nicht der Meinung, dort Söldner auf dem Platz zu sehen. Diese Spieler wollen etwas geben. Sie geben es nur zur falschen Zeit an der falschen Stelle, weil sie über den Willen zum Einsatz hinaus außerdem glauben, sie besäßen spielerische Mittel, um den Gegner zu schlagen.

Gestern im Spiel gegen Rot Weiß Ahlen lag es nicht an dem mangelnden Willen der Spieler, das Letzte zu geben. Der Misserfolg ergibt sich meiner Meinung nach aus dem Selbstverständnis dieser Mannschaft im Verhältnis zur ihren derzeitigen spielerischen Fähigkeit. Für die spielerische Fähigkeit dieser Mannschaft kam die 2:0-Führung ganz deutlich zu früh. Ab dem Moment der scheinbar sicheren Führung ließ nämlich jener Druck des MSV Duisburg nach, der die Ahlener in ihrer Hälfte hielt. Die Spielanlage der Ahlener veränderte sich ja das ganze Spiel lang überhaupt nicht. Sie suchten mit den immer selben beschränkten Möglichkeiten ihre Chance. Die Ahlener waren schwach, im Sturm ungefährlich und im Mittelfeld ideenlos. Dennoch schwappte das Spiel nach der Führung immer mehr in die Hälfte des Vereins aller Vereine. Der MSV Duisburg wollte das Spiel kontrollieren, doch die spielerische Qualität der Mannschaft ist zurzeit nicht groß genug, als dass sie ohne permanente Anstrengungsbereitschaft ein Spiel sicher beherrschen können. Das Selbstbild dieser Mannschaft ist verzerrt. Deshalb bringt sie dieses Gegentor der Ahlener in der zweiten Halbzeit aus dem Konzept. Diese Mannschaft weiß nicht mehr, was sie überhaupt kann. Diese Mannschaft hat kein gefestigtes Selbstbewusstsein und deshalb bringen Bemühungen einer harmlosen Mannschaft sie in Bedrängnis, wenn diese Bemühungen einfach nicht enden.

Kein Trainer kann auf dieses Selbstverständnis der Mannschaft in wenigen Minuten Einfluss nehmen. Es gab ja die Halbzeitpause. Das war ein Einschnitt, der ein Impuls hätte sein können, um die schon in den letzten zehn Minuten der ersten Halbzeit absehbare Spielweise zu verändern. Das geschah nicht, denn die Gruppe war schon in einer Spielweise verfangen. Da wirken gruppendynamische Prozesse, für deren Änderung es auf der weiten Fläche des Spielfelds mindestens vier Spieler von der Art Christian Tifferts oder Sören Larsens braucht.  Auch Bruno Soares sieht man im übrigen diesen unbedingten Willen an. Allerdings ist er noch zu neu in dieser Mannschaft, um die anderen mitzureißen.

Der MSV Duisburg begann also in der zweiten Halbzeit, wie er in der ersten endete. Die Mannschaft ließ sich zu weit zurückfallen und überließ den Ahlener die Initiative. Der Anschlusstreffer war absehbar und je länger das Spiel dauerte, desto wahrscheinlicher wurde der Ausgleich. Noch einmal, diese Mannschaft funktioniert als Einheit nicht. Deshalb verpuffen die Anstrengungen der einzelnen Spieler. Für mein Gefühl der Enttäuschung macht das keinen so großen Unterschied, warum die Mannschaft das Spiel dem Gegner überließ. Das als Niederlage gefühlte Unentschieden war nun mal  nicht als  heroisches Scheitern einer Mannschaft erlebbar sondern als klägliches Versagen gegen einen eigentlich so harmlosen Gegner. Und das ist tatsächlich schon sehr deprimierend.

Wir älteren Fans konnten gestern übrigens ein wenig in Erinnerung schwelgen. Angefeuert wurde ohne koordinierende Kraft der „Kohorte“. So war das früher im Wedau-Stadion, ein Anfeuern und Rufen, das von unterschiedlichen Fans in einer Gruppe seinen Ausgang nimmt. Dann gerät das nicht ausdauernd und weniger laut, wird aber mehr vom Spielgeschehen getragen. Interessant wie anders das dann ist. Und ebenso interessant, wie sich Fankultur verändert hat, wenn man die Worte der Kohorte liest.  Das aber soll an anderer Stelle Thema sein, weil dazu auch ein paar  grundsätzliche Gedanken über gegenwärtigen Fußball und den MSV Duisburg notwendig sind.

Vom Himmel fiel ein Ball zum Torerfolg – Der Heimsieg gegen Hansa Rostock

Wenn ich derart, nämlich mit präzisen Ergebnisvoraussagen gegenüber Dritten, dazu beitragen kann, den Erfolg des MSV Duisburg zu ermöglichen, bin ich gerne bereit, daran mitzuarbeiten, wovon wir seit letzter Woche bis zur Winterpause nicht mehr sprechen. Dieses Mal kündigte ich den 3:1-Sieg der Bloggerkollegin Tina an, gegen Berlin war es die Tipprunde. An den Auswärtssiegen muss ich allerdings noch was arbeiten, da scheint sich meine wirklichkeitsbestimmende Macht nicht zu entfalten. Vielleicht hat einer der Spieler des Vereins aller Veine eine Idee, woran das liegen kann. Ich bin da ganz offen für Vorhersagebedingungsumstellungen. Peter Neururer sah sich ja vor dem Spiel gegen Hansa Rostock ebenfalls gezwungen, Veränderungen bei der Mannschaftsaufstellung vorzunehmen. Ein anderes taktisches System sollte den Erfolg ermöglichen.

Ob dieser Sieg aber tatsächlich der veränderten Taktik zu verdanken war, lässt sich keineswegs so sicher sagen wie der Sieg für alle aussieht, die nur das Ergebnis kennen. Das war mal wieder ein typisches MSV-Erlebnis gestern im Stadion. Diese Mannschaft gewinnt mit 3:1, doch richtig zufrieden gehen die wenigsten nach Hause. Was war das für ein Gegrummel beim Rausgehen. Grundsätzlich fühlen sich Siege ja besser an als Niederlagen oder Unentschieden, doch um das Stadion herum schwirrten diese unzähligen „aber“  durch die Luft. Ich habe dazu beigetragen. Natürlich ist es in Ordnung, in der zweiten Halbzeit erst einmal abzuwarten, was der Gegner noch macht, wenn man mit drei Toren Vorsprung führt. Dienstag arbeiten wir ja weiter am Projekt „Berlin“. Wenn Rostock nun nur mit gebremsten Schwung aus der Kabine kommt, gibt es eben nicht viel zu sehen. Warum aber habe ich nach dem einen Tor der Rostocker in der 70. Minute bis zwei Minuten vor Spielende die Sorge, der Verein aller Vereine könnte den Sieg noch verspielen? Ich befürchte, das hat dann doch mit der nicht allzu stabilen spielerischen Qualität der Mannschaft zu tun. Andererseits besitze ich ja einen unerschütterbaren Grundoptimismus und sehe, wie diese Zweitligamannschaften, bislang mit Ausnahme von Bielefeld und Kaiserslautern (?), nicht allzu konstant ihre Leistungen zeigen können. Um noch einmal meine stets so lang wie möglich bestehende Hoffnung anzudeuten, von der wir bis auf weiteres schweigen.

Gleichzeitig wird aber auch die Erinnerung an die erste Halbzeit wieder wach, einer Halbzeit, in der wir zwei überaus vorsichtige Mannschaften gesehen haben, die partout keine Fehler machen wollten und natürlich Fehler über Fehler machten. Doch man sah auch eine Mannschaft des MSV Duisburg, die diese Fehler entschiedener ausbügelten als die Rostocker. Spielfluss kam da nicht groß auf. Die Tore ergaben sich ja keineswegs aus dem kontinuierlichen Aufbau von immer mehr Chancen. Mir kommt im Rückblick die erste Halbzeit vor wie der lange Spielzusammenschnitt einer Sportsendung. Zu sehen waren mal längere, mal kürzere Einheiten des Spiels, die aber keinen Rhythmus entwickelten. Alle drei Tore stehen als einzelne Momente des Spiels für sich und fügen sich für mich nicht als Höhepunkte in eine Einheit. Gerade das erste Tor von Frank Fahrenhorst wirkte so,  als ob da ein Ball kurz vor dem Rostocker Strafraum aus dem Himmel gefallen kam. So ein göttliches Zeichen kann dann natürlich zu jenem bewegungslosen Staunen führen, das die Rostocker Verteidigung überfiel. Sie schienen den Angriff des MSV Duisburg für abgeschlossen zu halten, als sie beobachteten, wie Adam Bodzek nach der ersten Klärung des für Rostock wenig gefahrvollen Angriffs zum Volleyschuss ansetzte. Dass er damit nur die kunstvolle Variante eines Passes auf den vor dem Tor völlig frei stehenden Frank Fahrenhorst versuchte, konnten sie natürlich nicht ahnen. Kühl hat Fahrenhorst die Chance verwandelt, und da ich meine Sicht auf die Wirklichkeit den billigen Pointen vorziehe, ist die Torgefahr in beide Richtungen hier völlig fehl am Platz. Denn hinten war Fahrenhorst nicht besser oder schlechter als seine Mitstreiter. Allesamt waren immer mal wieder für ein wenig Ballgeflipper gut, allesamt hatten immer mal wieder kurze Orientierungsprobleme bei der Bestimmung, wie nah der gegnerische Stürmer schon dem Tor gekommen war. Allesamt aber waren immer wieder auch bemüht um kontrollierten Spielaufbau aus der Defensive heraus.

Chavdar Yankov zeigte, wie wichtig er für diesen kontrollierten Spielaufbau ist. Nicht nur wegen seines beeindruckenden Tores war er für mich der beste Mann auf dem Platz. Wenn nach vorne gar nichts ging, konnte ihm der Ball überlassen werden. Raumgewinn brachte das nicht unbedingt, doch die sichere Ballkontrolle war ungeachtet der Zahl der Gegenspieler gewiss. Wie wichtig er für das Spiel des MSV Duisburg ist, wird auch deshalb so deutlich, weil Adam Bodzek zurzeit nur defensiv überzeugt. Unser Sportlehrer hatte sich einmal ein kurioses  Fußballspiel überlegt, bei dem zwei Spieler einer Mannschaft ein Band in der Hand halten mussten und so sich paarweise bewegend einen einzigen Spieler der Mannschaft bildeten. Zwischenzeitlich hatte ich den Gedanken, so einen zweiten Spieler direkt bei sich könnte Adam Bodzek gut gebrauchen. Der übernähme dann den Spielaufbau und Adam Bodzek müsste sich seine gute Defensivleistung nicht immer wieder durch katastrophale Fehler im Spiel nach vorne kaputt machen. Gestern machte er mich immer wieder nervös, sobald er sich den Ball erobert hatte. Dieses Tal der Teilleistung Offensvispiel ist hoffentlich bald durchschritten.

Dass Sören Larsen arbeitet und ackert war von Anfang zu sehen. Inzwischen ist er in der Mannschaft angekommen. Nicht nur wie er sich vor dem zweiten Tor den Ball erobert hat, sondern auch das anschließende, technisch saubere Ausspielen des Torwarts war so sehenswert wie die Reingabe erfolgreich. Ich hätte zudem gerne Änis Ben-Hatira im innigen Jubel mit Larsen gesehen. Schließlich war es hauptsächlich das Tor von Larsen. Zwar gab es den dankenden Fingerzeig, doch auch an Ben-Hatiras  Jubel ist wieder zu erkennen, da gibt es weiter Arbeit bei der Persönlichkeitsbildung. Meiner Meinung nach braucht er während der Woche ununterbrochen jemanden, der ihm sagt, ohne die Mannschaft kannst du nicht glänzen. Sein Spiel war gestern schon mannschaftsdienlicher als in den Wochen zuvor, einiges mehr ist da aber noch möglich. Außerdem darf Christian Tiffert nicht unerwähnt bleiben. Nicht nur, dass seine spielerische Leistung weiter stabil bleibt und über ihn ein schnelles Passspiel immer möglich ist, darüber hinaus zeigt er eine Ausstrahlung und Präsenz auf dem Spielfeld, die andere Spieler mitreißen kann.

War das nun ein Sieg, weil Rostock zu schwach war? Was war die eigene Stärke, um die sich bietende Chance zum Sieg zu nutzen? Verdeckt der Sieg den klaren Blick auf Schwächen? Wie wir die Dinge sehen, bestimmt unsere Gefühle. Weil es keine eindeutigen Antworten auf die gestellten Fragen gibt, gibt es diese gemischten Gefühle in mir. Was wir vom MSV dieser Saison nach so einem Spiel weiter erwarten können, ist wenig vorhersehbar. Was mich nicht hindert, auch in Zukunft meinen Teil zum erhofften Erfolg beizutragen.

Was ich gestern lesen wollte und heute nicht

Den Freund im Stadion zu wissen und durch ihn per SMS über den Spielstand zwischen dem MSV und Union Berlin informiert zu werden, barg ein Risiko. Das hätte sehr schwierig werden können, sich in mäßiger Stimmung auf Bigband-Sound und Rap einzulassen. So verstand ich es auch zunächst als Geste der Fürsorge, dass mein Handy im Konzertsaal der Kölner Philharmonie ohne  Empfang blieb und ich erst nach dem Konzert vor der Tür lesen konnte, was ich so gern hatte lesen wollen. „3:1 gewonnen!“

Wenn ich mir heute Berichte und Meinungen zum Spiel anschaue, bleibt die gute Stimmung wegen des Sieges vorherrschend. Es zeigt sich aber auch Unsicherheit beim Ausblick auf den weiteren Verlauf der Saison, weil die Spielstärke nicht gefestigt genug gewirkt hat. Tom Starke und Christian Tiffert gehörten einmal mehr zu den besten Spielern der Mannschaft. Der Einsatz von Ivica Grlic muss ein Gewinn gewesen sein. Wenn gerade er zu einer Stütze der Mannschaft wird, wissen wir aber auch, die Anlage des Spiels verändert sich. Er ist zwar derjenige, der die Lücke im Mittelfeld anscheinend als einziger zurzeit wirklich gut schließen kann, allerdings ist er auch nicht mehr der Schnellste. Ein intensives Kurzpassspiel wird mit ihm unwahrscheinlich. Das mindert seine Leistung nicht, sondern erinnert nur an mögliche Grenzen eines Spiels mit seiner Beteiligung. Olivier Veigneau scheint endlich über 90 Minuten konstant an die Leistungen der letzten Saison angeknüpft zu haben. Und natürlich wird auch ein Spieler gefeiert, der drei Tore macht. Sören Larsen konnte dieses Mal anscheinend so im Mannschaftsgefüge spielen, dass seine Stärken zur Geltung gebracht werden konnten. Auch Kristoffer Andersen muss das Spiel nach vorne sehr belebt haben. Wie war Nicky Adler? Über ihn lese ich so gut wie nichts. Schon in der letzten Saison habe ich mich gefragt, wann ich im Spiel einmal das sehe, was die sportliche Leitung im Training von Nicky Adler sieht.

Bei der Berichterstattung über diesen Sieg zeigen Teile der Sportpresse dann eine sehr einfache Vorstellung davon, welche Ursache einer Wirkung vorausgeht. Diesen oder einen Satz ähnlichen Inhalts hatte ich gestern schon befürchtet. Lesen will ich solche Sätze aber nicht: „Die Rücktrittsdrohung von Trainer Peter Neururer hat offenbar Wirkung gezeigt.“ Solche Sätze offenbaren das Verständnis von einer Welt, in der auch die Sonne häufiger scheint, weil viele Eiscafés geöffnet haben. Das gehört zur Folklore der Fußballberichterstattung, die mich genau dann stört, wenn statt der Leistung der Mannschaft schon wieder Peter Neururer im Fokus steht.

Kreuzbandverletzung bei Sandro Wagner

Was für eine weitere unangenehme Nachricht auf der MSV-Seite an diesem Tag.  Sören Larsen muss also weiterhin im Meisterschaftsbetrieb zu seiner Spielstärke finden. Da bekommt er dann ja viele Gelegenheiten, den dänischen Nationaltrainer zu überzeugen – und natürlich uns hoffentlich einmal zu beeindrucken.

Eine Freistoßmauer wie das ganze Spiel

Hat man das Zustandekommen dieser Freistoßmauer in der 6. Spielminute gesehen, weiß man, wie das Spiel des MSV Duisburg gegen Rot-Weiß Oberhausen gewesen ist. Da pfeift der Schiedsrichter einen Freistoß für Oberhausen – gefährlich nah vor dem Tor des  MSV. So wirkt es jedenfalls sofort für uns, die wir direkt auf den Rängen hinter diesem Tor stehen. Während wir noch darüber reden, ob der Pfiff berechtigt war, richtet Björn Schlicke den linken Rand der Mauer aus. Tom Starke winkt, Schlicke rückt. So weit nimmt alles also seinen gewohnten Gang. Doch die neben Schlicke sich zur Mauer aufstellenden Spieler des MSV scheinen weniger beunruhigt zu sein als ich. Vier oder fünf Spieler reihen sich da auf. Allerdings lassen sie kleinere Lücken zum Nebenmann, und es sind so wenige Spieler. Das sieht überhaupt nicht so aus, als wollte diese Mannschaft sich entschlossen  gegen den Freistoß wehren. Das wirkt so, als könnten diese Spieler noch nicht glauben, der Freistoß werde gefährlich. Der Aufbau der Freistoßmauer  geschieht alles andere als zupackend und kontrolliert.

Deshalb ist der Oberhausener Spieler, der sich im Abstand von etwa einem Meter rechts neben die Mauer stellt, augenblicklich auch eine Gefahr für die Statik der Mauer. Da geht dann der rechts, als letzter in der Mauer stehende MSV-Spieler zum Oberhausener Gegner hinaus.  Damit wird doch keine gefährliche Freistoßoption unterbunden. Da entsteht eine für den Schützen verführerische Lücke. Diese Mauer ist eher Zielhilfe für den Schützen, als dass sie Verteidigungsbereitschaft ausstrahlt. Eine Mauer ist doch nicht einfach nur ein Wall aus Körpern, um den Schuss aufzuhalten. So eine Mauer dient doch auch der Verunsicherung des Schützen, ehe er den Freistoß ausführt. Nichts davon ist auf dem Feld zu spüren. Die Körpersprache dieser Spieler in der Mauer machte nicht dem Schützen sondern mir Angst. Zu recht, wie wir wissen. Der Freistoß wurde erfolgreich verwandelt. Würden Häuser mit Mauern der entsprechenden Qualität gebaut, führten Türen im dritten Stock an der Außenwand ins Bodenlose, es gäbe Wände, die nur auf halbe und dreiviertel Höhe hochgezogen wären und die ein oder andere tragende Wand fehlte mit Sicherheit ebenfalls. Diese Freistoßmauer ist ein Sinnbild für das gesamte Spiel.

Schon in den ersten sechs Minuten schaffte es diese Mannschaft, sich durch Fehlpässe und Fehler bei der Ballbehandlung zu verunsichern. An das Spiel gegen Borussia Mönchengladbach erinnerte nichts mehr, und das hatte wenig mit dem Gegner zu tun. Die Mannschaft des MSV stand von Anfang an anders auf dem Platz als in Mönchengladbach. Den entschlossen auftretenden Oberhausener Spielern wurde nicht ebenso entschlossen entgegen getreten. Dabei ging es erst einmal nur darum, sich in Zweikämpfen zu behaupten. Noch ging es gar nicht um Spielzüge und Spielaufbau, es ging um die Präsenz  jedes Spielers. Diese Präsenz blitzte später immer mal wieder in einzelnen Momenten auf, verpuffte aber ebenso schnell wieder in genau diesem einzelnen Bemühen, weil an anderer Stelle gerade wieder was schief lief. Für solche Spiele scheinen die Strukturen zu fehlen, auf die sich die Mannschaft zurück ziehen kann, um Sicherheit zu gewinnen.

Es ist nun so deutlich geworden, diese Mannschaft kann das Mittelfeld im langsamen Spielaufbau nicht überbrücken. Diese Mannschaft gelangt nur in die Nähe des gegnerischen Strafraums, wenn ein Angriff schnell vorgetragen werden kann. Warum, so frage ich mich deshalb,  zeigt diese Mannschaft nicht wie alle bislang von mir gesehenen Gegner nach der Balleroberung im Mittelfeld ein schnelles Spiel über die Außenbahnen? Warum wird trotz der Schwächen beim langsamen Spiel das Tempo so oft nach Balleroberung verschleppt? Das verstehe ich nicht und hätte es gerne von Peter Neururer erklärt.

In den letzten zwei Tagen ist über die Leistungen der einzelnen Spieler schon viel geschrieben worden. Allmählich kennen wir ihre Schwächen. Ben-Hatira war bemüht, aber ohne Auge für die Mitspieler und verrannte sich dieses Mal meist im Dribbling, gerne auch über die Außenlinie. Gleiches gilt für Caiuby. Bodzek spielt zurzeit immer wieder den eröffnenden Pass für den nächsten gefährlichen Angriff  – allerdings für den des Gegners.  Larsen läuft als Wiedergänger unseres Sturms von vor einem Jahr über den Platz. Ohne Timing beim Kopfballspiel wie Sandro Wagner seinerzeit und antrittsschwach wie damals Dorge Kouemaha. Was angesichts der Entwicklung beider Stürmer für die Rückrunde hoffen lässt. Tifferts Leistungen sind eigentlich immer zumindest solide. Die Verteidigung war einmal mehr oft in Bedrängnis, weil viele Angriffe knapp hinter der Mittellinie endeten. Tom Starke als Rückhalt und so weiter und so weiter. Das kennen wir nun und haben es in Ansätzen auch während der erfolgreichen Spiele gesehen.

Wenn Peter Neururer nach dem Spiel verkündet, er werde von nun an nicht mehr die Hand schützend über seine Spieler halten, dann will ich aber auch hören, was denn die Vorgaben für diese Spieler gewesen sind. Natürlich können nach einem Spiel wie gegen Rot-Weiß Oberhausen einzelne Spieler problemlos mit ihren schlechten Leistungen in den Blick gerückt werden. Mir scheint das aber zu einfach. Schließlich war das nun das dritte Spiel, in dem die gesamte Mannschaft schlecht spielte. Nur wenn ich weiß, welche taktischen Mittel im Spiel hätten angewendet werden sollen, kann ich bewerten, ob sich tatsächlich das schlechte Spiel von einzelnen Spielern zum schlechten Mannschaftsspiel summierte. Fußball scheint zwar ein einfacher Sport zu sein, doch der Erfolg ist abhängig von so vielen Einflussgrößen. Auf dem Spielfeld sehen wir nur einen Teil davon.

Solche Siege tragen weit

Stand das Spielergebnis wenigstens einen Moment lang auf der Anzeigetafel im Borussia-Park? Bin ich als Trophäensammler in Zeiten der Digitalfotografie wegen zu ausdauerndem Jubel ungeeignet oder zog es die Stadionregie vor, dem Heimpublikum den Anblick des Unabweisbaren zu ersparen? Viel Spielzeit hatte es nicht mehr gegeben, damit die Borussia das Ausscheiden aus dem DFB-Pokal abwenden konnte. Etwa 20 Sekunden? Zu wenig Zeit, um das Ergebnis anzuzeigen?

Was war das für eine Explosion des Jubels in der Gästekurve, und was war das vorher für ein Rufen und Anfeuern. Noch irgendwelche Beschwerden, was die Stimmung angeht? Zehn Minuten vor dem Spielende war so deutlich zu spüren, wie groß die Angst in Mönchengladbach war vor diesem Tor des MSV Duisburg. Auf den anderen Rängen im Stadion wurde es immer stiller, und auf dem Spielfeld wurde die Borussia immer verzagter. Zehn Minuten vor dem Spielende war es in der Gästekurve so deutlich zu spüren, diese Mannschaft des MSV Duisburg dort unten hat jetzt, noch in der regulären Spielzeit, die Möglichkeit das Siegtor zu machen. Immer mehr MSV-Fans wollten den Ball ins Tor schreien. Kaum jemand saß noch.

Zwei (?) Angriffe werden in dieser Zeit ohne große Gefahr auszustrahlen vergeben. Dann folgt in der 90. Minute der Wechsel Ivo Grlic für Änis Ben-Hatira. Kurz der Gedanke ein sinnvoller Wechsel, ein Mann mit Erfahrung für die Verlängerung und das Elfmeterschießen. Das Tempo wird er nach den 90 Minuten der anderen mithalten können. Aber der Angriff läuft schon über den rechten Flügel. Grlic auf Andersen, der zieht in die Mitte, spielt sofort ab zu Larsen und erhält den Ball im schnellen Doppelpass auf Höhe der Strafraummitte zurück, um nun direkt auf das Tor zugehen zu können. Es ist vom Oberrang so klar erkennbar, dass der Weg frei sein könnte zum Tor, wenn dieser Andersen genügend Kraft hätte, um sich von den heraneilenden Verteidigern nicht irritieren zu lassen. Und wirklich, er behält die Laufrichtung. Wann wird er schießen? Jetzt. Jetzt! Doch er läuft weitere zwei Schritte. Das Tor wird immer möglicher. Und dann der Schuss in den rechten Winkel. Der Torwart fliegt vergeblich. Schockstarre der Mönchengladbacher, dann der Abpfiff und eine MSV-Mannschaft, die auf dem Spielfeld erst jubelnd kurz übereinander fällt und dann sofort in die Gästeecke zu den Fans kommt, um einzutauchen in diesen Jubel, der runter aufs Spielfeld schwappt.

Nach so einem Spiel braucht es ein wenig Zeit, bis die Spielbetrachtung etwas sachlicher werden kann. Den ersten Zweck hatte das Spiel für mich schon in der ersten Halbzeit erfüllt. Es war zu erkennen, diese Mannschaft lebte und trat wieder so auf, wie wir es in den ersten Spielen der Saison gesehen hatten. Es waren keine falschen Versprechungen, die Peter Neururer vor dem Spiel verkündet hatte. Seine Mannschaft hatte keine Angst vor diesem Gegner. Allerdings waren auch alte Schwierigkeiten dieser Mannschaft deutlich erkennbar. Das ist zwar zugespitzt formuliert, aber mir kam es nach und nach so vor, jeder Versuch, das Spiel langsam aufzubauen und die gegnerische Abwehr zu locken, wurde zur Gefahr für das Tor des MSV. Jedes schnelle Spiel führt aber auch fast immer zumindest so weit, dass die gegnerische Balleroberung dem defensiven Mittelfeld und der Verteidigung genügend Zeit ließ, sich zu organisieren.

Überlegen spielte Borussia Mönchengladbach allerdings nicht, obwohl die Mannschaft in der ersten Halbzeit die größeren Chancen besaßen. Vor allem im Kommentar der ARD-Zusammenfassung gestern Abend klang da ein deutliches Übergewicht der Borussia an und sorgte auch bei Tina für Empörung. Im Kicker erhält der Spielbericht ebenfalls diese Färbung. Da haben die Journalisten wohl einen Erstligisten-Bonus vergeben.  Dirk Retzlaff auf Der Westen oder Hermann Kewitz bei der Rheinischen Post treffen die Wahrheit des Geschehens da genauer.

Trotz des gelingenden Spiels nach vorne, mangelte es dem MSV in der ersten Halbzeit an Torgefährlichkeit. Mit Änis Ben-Hatira und Caiuby gab es zwar zwei Spieler, die auch auf engem Raum den Ball behaupten konnten. Zudem wurden die Flügel ordentlich besetzt, so dass gleichzeitig auch schnelles Passspiel möglich war. Doch an der Strafraumgrenze war dann Schluss. Da gab es weiterhin, verständlicher Weise, immer wieder Missverständnisse zwischen Sören Larsen und den Mitspielern. Die Flanken erhielt er zudem meist auf einer mittleren Höhe, die auch jeden anderen Stürmer seines Typs vor Schwierigkeiten bei der Annahme gestellt hätte. Änis Ben-Hatira übernahm die ihm aufgebürderte Verantwortung für das Offensivspiel gut, doch behielt er in der ersten Halbzeit noch nicht genügend Überblick. Oft versuchte er den Schuss, wenn er besser hätte abgespielt und umgekehrt. Die Abwehr stand wegen des passablen Offensivspiels dieses Mal nicht so häufig unter Druck. Zumal die Mönchengladbacher keineswegs so passsicher waren wie die Bielefelder im letzten Spiel. Tiago hat sich für mich in die Mannschaft gespielt. Vor allem in der zweiten Halbzeit wirkte er immer sicherer. Die Taktik von Peter Neururer schien also aufzugehen.

In der zweiten Halbzeit kam Borussia Mönchengladbach auf den Platz mit dem Vorhaben, den MSV früher anzugreifen und das Spiel überlegener zu gestalten. Doch das blieb ein kurzer Impuls, weil der MSV sich dreister Weise wehrte, die Rolle der unterlegenen Mannschaft anzunehmen. Um sich tatsächlich ein Übergewicht zu erspielen, hätte die Borussia viel mehr Einsatzbereitschaft zeigen müssen. Ein wenig erinnerte mich diese Mannschaft an den MSV aus dem Spiel gegen Bielefeld. Je länger das Spiel dauerte, wirkte es auf mich so, als müssten die Spieler der Borussia immer aufs Neue innere Widerstände überwinden, um an die Leidenschaft für dieses Spiel heranzukommen. In der zweiten Halbzeit hatte der MSV die größeren Chancen. Einen Kopfball von Änis Ben-Hatira konnte Bailly an den Pfosten lenken und kurze Zeit später konnte Ben-Hatira nach einem Konter sich halblinks durchsetzen und kam frei zum Schuss. Wieder hielt Bailly. Sorgen machte noch einmal ein frei stehender Oliver Neuville, dessen Schuss aber hoch über das Tor ging. Und schließlich näherten sich die letzten zehn Minuten.


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