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Der Wedaustadions-Gedenktag

Meist bin ich so früh im Stadion, dass ich meinen angestammten Stehplatz rechts neben dem Tor nahezu problemlos erreiche. Ob so ein Wedaustadions-Gedenktag schon zuvor einmal gefeiert wurde, weiß ich deshalb nicht genau. Jedenfalls kam ich dieses Mal erst zehn Minuten vor Anpfiff an, und da waren  Zu- und Aufgänge des Stehplatzrangs nicht mehr zu erkennen. So etwas bin ich vom geregelten Unterhaltungsangebot Fußball in der Gegenwart gar nicht mehr gewöhnt. Wie im Wedaustadion der 70er brandeten die immer noch ankommenden Stehplatzbesucher auf die obere Stehplatzreihe und bildeten bald ein wahrscheinlich kurios anzusehendes Stehballett in einer Dreier- bis Viererreihe. Der gemeinsame Spitzentanz und das wagemutige Vornüberbeugen der Oberkörper im harmonischen Gleichklang ließen in mir das Bild entstehen, gleich stellten die Organisatoren des Ganzen noch ein paar der seinerzeit das Stadionrund bestimmenden Bäume in großen Pflanzkästen hinter meinem Rücken auf. Die jungen MSV-Fans, die auf die Bäume hätten klettern können, waren in großer Zahl vorhanden. Und ihre Väter und Großväter wären bestimmt gerührt gewesen, die Bilder der eigenen Jugend so lebendig nachempfunden zu sehen.

Damit wären sie auch abgelenkt worden von den ersten zwanzig Minuten des Spiels, die so gar nicht auf den klaren 3:0-Sieg hatten hingedeutet. Sie hätten sich nicht sorgen müssen vor den immer wieder über den linken Flügel vorgetragenen Angriffen der Oberhausener, mit denen sie im schnellen Doppelpass-Spiel die MSV-Deckung bis zur Strafraumgrenze problemlos überliefen. Sie hätten sich nicht ausmalen müssen, was geschähe, wenn die Oberhausener entweder einen starken Strafraumstürmer besäßen oder aber einer ihrer schnellen Angreifer auch noch abschlusssicher wäre. Dem war nicht so, und nach den zwanzig Minuten gewannen die Spieler des MSV Duisburg ihre Defensiv-Sicherheit zurück.

Weder Milan Sasic, hier zitiert bei Der Westen, noch die Journalisten, etwa im Kicker, und die Zuschauer verschließen die Augen vor diesen ersten zwanzig Minuten mit Schwächen des MSV Duisburg. Gestritten wird dagegen unter den Zuschauern über die Wertung dieser Schwäche. Lässt sie sich vielleicht sogar als Stärke deuten, wenn gegen eine Mannschaft mit 13 Punkten auf der Habenseite diese Leistung sogar ausreicht, um hoch zu gewinnen? Auf jeden Fall trägt so ein Spiel weiter zum Selbstbewusstsein der Mannschaft bei.

Lieber wäre mir allerdings gewesen, wenn schon in der ersten Halbzeit der MSV Duisburg erfolgreiche Spielaktionen mit Beteiligung mehrerer Spieler gezeigt hätte. Da passte nicht viel zusammen. Allerdings auf beiden Seiten. Die meisten Pässe erliefen sich die jeweiligen Gegenspieler oder sie gingen ins Leere. Beim MSV Duisburg scheiterten die Versuche mit hohen Bällen Stefan Maierhofer zu erreichen genauso wie Sefa Yilmaz´ Versuche seinen Gegenspieler zu überdribbeln.  Filip Trojan konnte sich kaum einen Steilpass erlaufen, und Srjdan Baljak verlor Ball um Ball bei seinen Bemühungen einen konstruktiven Angriff einzuleiten.

Doch wenn die offensiven Spieler nicht erfolgreich sind, gibt es ja noch Julian Koch. Ein Lauf mit Ball aus der eigenen Hälfte heraus, ein Doppelpass, ein weiteren Spieler umspielt und schon ist Julian Koch in den Strafraum gedrungen. Er selbst kann zwar nicht mehr abspielen, doch der Oberhausener Verteidiger klärt mit einer präzisen Vorlage zu Stefan Maierhofer, die dieser zum Führungstor verwandelt. Julian Koch machte mit Ausnahme der ersten zwanzig Minuten wieder ein sehr gutes Spiel, und er wird seiner offensiven Fähigkeiten immer sicherer. Das müssen wir genießen und doch nicht wie Bernd Bemmann in der Rheinischen Post dabei sofort schon an die nächste Saison denken.

Wie oft wird von Zuschauern über Leihspieler und deren mangelnde Verbundenheit zu einem Verein geklagt. Die Wirklichkeit ist inzwischen viel weiter. Fast immer verhalten sich gerade die jungen Spieler so professionell, dass sie ihr gesamtes Können im Verein, für den sie jeweils spielen, auch zeigen. Jetzt schon daran zu erinnern, was erst in einem dreiviertel Jahr geschieht, wirkt auf mich fehl am Platz, selbst wenn es die besondere Leistung eines jungen Spieler unterstreichen soll. Julian Koch spielt sehr gut für den MSV Duisburg. Das ist die Geschichte, die zu erzählen ist. Mehr nicht.

Demnächst wird nach der Halbzeitpause Srjdan Baljak wahrscheinlich für ein paar Minuten eine Sonderbewachung erhalten. Fast hätte er ja zum zweiten Mal kurz nach dem Wiederanpfiff  ein Tor erzielt, als er aus etwa zwanzig Metern den Ball sehr präzise traf. Der Oberhausener Torwart Sören Pirson konnte den Ball noch an die Latte lenken. So wird dieser Schuss nur als Assist des Assists gewertet. Denn die anschließend von Filip Trojan getretene Ecke wurde zu einem der von Milan Sasic so vielgerühmten Tore durch Standards. Ab in die Statistik, und auf Wiedervorlage vor einem der nächsten Spiele.

Die Oberhausener bemühten sich danach allerdings weiter, das Ergebnis zu verbessern. Und auch wenn wieder deutlich wurde, dass Oberhausener Strafraumnähe nur selten zu wirklicher Torgefahr führte, für mein Gefühl eines sicheren Sieges fehlte mir ein drittes Tor des MSV. Dieses Tor schoss Olcay Sahan erst in der 82. Minute nach einem schönen Konter über Julian Koch und Ivica Grlic, nachdem er etwa dreißig Meter alleine aufs Tor zugelaufen war und ich schon befürchtete, dass jeder Meter ihn nur nervöser gemacht hatte. Das Tor schien mir dann doch auch recht glücklich gewesen zu sein. Sören Pirson machte die Mitte dankenswerter Weise frei, als Sahan genau dorthin zielte. Auch in diesem Einzelfall denke ich, ein Tor für das Selbstbewusstsein in der Zukunft. Wie ein souverän abgeschlossener Konter wirkte das nicht.

Wenn ich die Schwächen erwähne, trübt das meine Freude überhaupt nicht. Es war ein verdienter Sieg, und an Fehlern lässt sich nur lernen, wenn die Fehler auch benannt werden. Was mich noch kurz an David Yelldell denken lässt. In der zweiten Halbzeit hat er auf der Linie gegen einen Kopfball sehr gut geklärt. Allerdings ist es auch bezeichnend, dass das nicht gegebenene Tor für Rot-Weiß Oberhausen tatsächlich zu Diskussionen führt. Es gibt diese Diskussion, weil Yelldell manchmal kleine Fehler macht und zwar vor allem dann, wenn er Bälle festhalten muss. Wir werden sehen, ob die Mannschaft damit leben kann. Wenn jeweils ein Tor mehr erzielt wird als ein Fehler passiert, ist das keine Frage. Zumal nicht jeder Fehler zu einem Tor des Gegners führt.

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