Posts Tagged 'Stadionmiete'

Die alte Macht ist frisch und jung

Brechen wir das Geschehen des gestrigen Tages mal auf plakative Begriffe runter. Die Idealisten gehen, die Machtpolitiker mit finanziellen Interessen bleiben. Damit ist noch nichts über den möglichen Erfolg von unterschiedlichen Konzepten gesagt. Gleichwohl gibt es Hinweise. Denn noch immer fehlt in jedem Artikel über die Zukunft des MSV Duisburg irgendeine Aussage zu konkreten Vorhaben, das strukturelle Problem zu hoher Kosten durch die Stadionmiete anzugehen.

Die Idealisten gehen, die Machtpolitiker bleiben. Der Konflikt im Verein reduziert sich auf die Namen Hellmich und Schauinsland-Reisen. Es geht nicht um Personen, die im Verein offizielle Ämter bekleiden. Es geht um Personen, die für Geldzu- und abflüsse sorgen. Ich glaube aber kaum, dass Walter Hellmich ohne Unterstützung in diesem Konflikt als Gewinner hervorgeht. Mir ist völlig unersichtlich, wieso Walter Hellmich – als natürlich großer Anteilseigner der MSV Duisburg Stadionprojekt GmbH & Co. KG – so dasteht, als bestimme er alleine das Geschäft der Stadionbetreiber. Er ist doch nicht Mehrheitseigner, oder irre ich mich? Wieso kann in der Stadt Duisburg niemand so viel Druck auf ihn ausüben, dass er sich einem gemeisamen Weg mit einem Sponsor und Unterstützer des MSV Duisburg nicht verschließt, der sich bislang als sehr guter Partner erwiesen hat? Da habe ich keine Erklärung. Anscheinend kann Walter Hellmich eines auch sehr gut, Netzwerke organisieren und  Personen für sich gewinnen. Er scheint ein guter Machtpolitiker zu sein.

Es ist bezeichnend für die Situation, dass Walter Hellmich, der nach eigenen Worten laut RP ja für kein offizielles Amt im Verein zur Verfügung steht, gestern dennoch wie offiziell auch immer sich als Sprachrohr des MSV Duisburg verstand. Er war es, der verkündete, die Lizenz für die nächste Saison sei gesichert. Weder Roland Kentsch als Geschäftsführer der KGaA noch Udo Kirmse als Vereinsvorsitzender mussten etwas sagen. Das alles entnehme ich der Rheinischen Post, die das Geschehen des gestrigen Tages so umfassend wie möglich und in sachlichem Ton umreißt. Bezeichnend auch, wie schwammig sich Walter Hellmich zur Stadionmiete äußert. Miete werde gestundet oder es werde auf sie verzichtet. Ein Unterschied, der die Zukunft des MSV Duisburg bestimmt. Walter Hellmich jedenfalls ist endgültig ganz zurück.

Was ist nun die Neuigkeit in Sachen Finanzen?

Gestern nun war die Jahreshauptversammlung des MSV Duisburg. Bei dem, was im Live-Ticker des Reviersport und im MSVportal zu lesen ist, wurde die neue Satzung Paragraf für Paragraf verabschiedet.  Sehr umstritten war alleine § 19 der Satzung, der den Einfluss des Vereinsvorstands bei Tochtergesellschaften regelt. In diesem Paragrafen geht es darum, wie weit wird möglichen Investoren ein Mitspracherecht im operativen Geschäft des Wirtschaftsbetriebs MSV Duisburg eingeräumt. Der ursprüngliche Vorschlag des Vorstands erreichte nicht die nötige Zweidrittel-Mehrheit. So weit ich das verstehe, schien der Einflussverlust des Vereins für einige der anwesenden Mitglieder zu groß zu sein. Ohne die Änderung diesese Paragrafs wäre aber nach Ansicht des jetzigen Vorstands der MSV Duisburg auf Dauer nicht überlebensfähig. Denn der Wirtschaftsbetrieb MSV Duisburg braucht neue Investoren. Es wurde ein Kompromiss formuliert, dessen genauen Wortlaut ich noch nicht kenne und der mit der notwendigen Zweidrittel-Mehrheit angenommen wurde. Ob nun also die Rahmenbedingungen so sind, dass neue Investoren demnächst beim MSV Duisburg Schlange stehen? Da stecke ich nicht tief genug im Thema, um das zu bewerten.

Aber sobald es um die Finanzen geht, werde ich auch bei nur halbwegs regelmäßigem Blick auf die Berichterstattung rund um den MSV Duisburg misstrauisch. Fast immer habe ich bei den Aussagen von Verantwortlichen des MSV Duisburg dann das Gefühl, es steckt mehr dahinter, als das was gesagt wird. „Kentsch warnt vor der Insolvenz des MSV Duisburg“, titelt WAZ/NRZ. Bis Donnerstag müsse eine Finanzierungslücke von 2,5 Millionen bis 3 Millionen Euro geschlossen werden. Liest man den Artikel, geht es um nichts Neues. Die Geschichte wandelt sich aber beim Weitererzählen in der Medienlandschaft. Es wirkt mit einem Mal so, als ob nach der Insolvenzgefahr Ende letzten Jahres nun eine weitere neue Schwierigkeit aufgetreten ist. Schon damals aber hieß es, ohne die Senkung der Stadionmiete ist der MSV Duisburg nicht überlebensfähig. An wen richtete sich also die implizite Botschaft in Roland Kentschs Warnung? Sollten die Mitglieder des MSV Duisburg zum Durchwinken der Satzungsänderung überzeugt werden? Oder richtete sie sich an die Stadionbetreibergesellschaft? Druck über die Öffentlichkeit ausüben, um zur Mietsenkung zu gelangen? Fragen über Fragen. Früher ging es mal nur um Sport.


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