Posts Tagged 'Stanislav Iljutcenko'

Von der Nervosität des Streamzuschauers war bei den Zebras nichts zu spüren

Eine Mannschaft, die so ein Spiel wie das beim Chemnitzer FC gewinnt, steigt auf.  Diesen ersten Satz wage ich kaum zu schreiben. Die vier sieglosen Spiele des MSV Duisburg hängen mir noch nach. Doch immer wieder schaffe ich es mit ein wenig Abstand vom Spieltag, einen kühlen Blick auf den Saisonverlauf zu werfen. Immer wieder sehe ich Spiele, die bei einer Mannschaft mit einer gewissen Tradition des Erfolgs zu keinem anderen als diesem ersten Satz zwingen. Der MSV Duisburg hat keine Tradition des Erfolgs, meldet sich gestern nach dem Spiel sofort eine andere Stimme in mir, und deshalb heißt das gar nichts. Genau, sagte ich, du hast ja so recht und jetzt halt bitte den Mund. Ich höre dir einfach nicht mehr. Ich zitter doch ohnehin genug, wenn ich diese Zweifellosigkeit eines solchen ersten Satzes öffentlich zur Schau stelle.

Diese andere zweifelnde Stimme in mir hatte beim Spiel des MSV Duisburg in Chemnitz allerdings jede andere Stimme der Zuversicht meist unhörbar gemacht. Der MSV Duisburg hat beim Chemnitzer FC zwar mit 3:2 gewonnen, aber entscheidende Momente des Spiels habe ich erst in der Zusammenfassung gesehen, obwohl der Livestream die ganze Zeit lief. Hinge der Aufstieg von meiner Leistung als Zuschauer ab, wäre gestern der erste große Vorrat Felle davon geschwommen. Ich habe Nerven gezeigt.  Das Führungstor von Andreas Wiegel hatte mir nur vermeintliche Sicherheit gegeben. Welch schöner Außenristpass von Fabian Schnellhardt in den freien Raum hat dieses Tor ermöglicht. Welch fussballerischer Genuss sind die Spielaktionen von Fabian Schnellhardt so oft.

Doch dann fiel der Ausgleich zum 1:1, und es gab kein Halten mehr für mich. Wahrscheinlich habe ich sogar den Rückstand verantwortet, weil ich mir den Freistoß der Chemnitzer nicht mehr konzentriert genug angesehen habe. Wahrscheinlich habe ich die Mannschaft mit meiner Nervosität auf unerklärliche Weise angesteckt, so unaufmerksam wirkten die Spieler bei diesem Freistoß der Chemnitzer. Alleine, weil die Mannschaft den Komplettausfall von mir als Zuschauer später aufgefangen hat, gab es noch eine Chance. Ich selbst habe am Spiel kaum mehr teilgenommen. Hätte ich auf dem Spielfeld gestanden, hätte ich in Ballnähe nur vorgegeben, einen Pass erhalten zu wollen. Wann immer es möglich gewesen wäre, hätte ich mich hinter meinen Gegenspielern versteckt. Ich wäre viel gelaufen, das schon, aber möglichst so, dass ich unanspielbar geblieben wäre.

Die Mannschaft vom MSV aber glaubte weiter an den möglichen Erfolg. Sie wusste um die Bedeutung des Spiels für den weiteren Saisonweg. An der Freude der Spieler war das zu erkennen, als Mark Flekken den letzten Eckball der Chemnitzer aus der Luft herunterholte und damit den Sieg gleichsam in der Hand hielt. Es war daran zu erkennen, wie Stanislav Iljutcenko bei dem Eckball davor seine Genugtuung über den zu einer erneuten Ecke abgewehrten Ball in die Luft schrie.

Vorher war diese Mannschaft aber in Rückstand geraten, und ich nahm mein Joggingprogramm in der Wohnung auf. Bewegung führt zu Spannungsabbau. Die Mannschaft aber wollte den Ausgleich, das sah ich in den Momenten, wenn ich mal einen Blick auf den Laptop warf. Sie wollte den Ausgleich so lange, bis Simon Brandstetter es Andreas Wiegel gleich machte. Beide sind in der bisherigen Saison nicht durch eine gute Chancenverwertung oder grundsätzlich gute Entscheidungen am Ende ihres Ballführens aufgefallen. Beide schienen ihrer fußballerischen Intuition nicht ganz zu vertrauen. In diesem Spiel war es anders. Beide behielten die Nerven, beiden kam das eigene Denken bei ihrem Spiel nicht in die Quere. Brandstetter gelang das Tor nach einem Pass in den freien Raum von Tugrul Eral. Ich habe den Ausgleich nicht mal in der Zeitlupe gesehen, weil ich gerade sehr weit vom Stream weggelaufen war.

Auch das Führungstor habe ich nicht gleich gesehen, sondern nur die aufgeregte Sprecherstimme gehört. Zurück kam ich zur Zeitlupe, um mein Joggingprogramm mit lang anhaltenden Sprungkraftübungen abzuwechseln. Erneut war es Tugrul Erat, der mit einem schönem Fallrückzieher den Ball parallel zur Torauslinie vor das Tor brachte, wo Kingsley Onuegbu am hinteren Pfosten stand und den Ball problemlos über die Linie bringen konnte. Von da an kämpfte auch ich wieder an meinem Platz als Stream-Zuschauer. Von da an hielt ich die Nervorsität wieder aus. Mit dem Schlusspfiff bahnte sich der erste Satz dieses Textes seinen Weg in meinem Kopf. Die andere Stimme in mir hörte sofort auf zu jubeln und begann irgendwas auf mich einzureden. Ich habe bis heute morgen nicht richtig hingehört.

Trotz krankheitsbedingtem Zuschauerausfall endlich wieder siegen

Die Zuschauer beim Spiel des MSV gegen Rot Weiß Erfurt mussten die Zebras mit einem Mann weniger unterstützen. Eine beginnende Erkältung raubte mir Kraft, und was übrig blieb brauchte ich für den Abend für die Lesung im RuhrKUNSTort. Schonung war also angesagt, damit die Veranstaltung so gelingen konnte, wie es dann geschah. Ich gab Prosa über Ruhrort in den 1960ern zum Besten, ich streute Komik und Witz mit Lyrik ein und natürlich las ich auch aus „Mehr als Fußball„. Bei Funkes WAZ/NRZ gibts einen Eindruck von der Lesung.

Im Stadion am Nachmittag konnte der Mann weniger durch gute Stimmarbeit kompensiert werden. In der TV-Übertragung war das deutlich zu hören. Erleichterung herrscht nun allerorten nach diesem 3:2-Sieg. Unsicherheit war zu Beginn des Spiels spürbar. Der frühe Rückstand nach dem Fehler von Dustin Bomheuer schien die Köpfe endgültig  frei zu machen. Der MSV wollte den Sieg und drückte die Erfurter in deren eigene Hälfte. Während ich noch letzte Änderungen an der Setlist meiner Texte für den Abend machte, fielen Ausgleich und 2:1 durch Stanislav Iljutcenko. In der Kopfballabfolge beim Führungstor war zunächst Branimir Bajic am Ball. Er spielte wieder, und dabei haben wir zunächst immer die Stabilität in der Defensive im Auge. Doch auch in der Offensive verbreitet er als Kopfballspieler oft Gefahr. Was aber für mich am meisten zählt und nicht wirklich als Leistung messbar ist, heißt Erfahrung, die ins Mannschaftsspiel eingeht. Die Ruhe, die er ausstrahlt, dient dem gesamten Team als Stützpfeiler.

Wie zu erwarten war, spielten die Erfurter nach der Halbzeitpause mutiger. Deshalb ist der Ärger des Gasts über den Elfmeterpfiff verständlich. An einen Pfiff nach einer solchen Aktion des Torwarts kann ich mich nicht erinnern. Wie dem auch sei, Branimir Bajic vewandelte zum 3:1. Wunderbar, wie dieser Mann sich über das Tor freute. Auch in dieser Freude ist sein Wert für die Mannschaft erkennbar. In dieser Freude zeigte sich der Wille dieses Spiel zu gewinnen.

Eigentlich hatte Fabian Schnellhardt dem Tackling von hinten nach seinem Platzverweis doch abgeschworen. Wahrscheinlich war es nur das platzverweis-würdige Foul. Nun sollte er auch das Strafraum-Tackling von hinten aus seinem Repertoire nehmen. Der fällige Elfmeter wurde verwandelt und machte das Spiel noch einmal spannend. Oder sagen wir es so, der Anschlusstreffer schenkte uns ein Heimatgefühl, das Bangen um den MSV in den Schlussminuten. Nun sind es wieder sieben Punkte Vorsprung auf den dritten Platz. Ja, auch ich bin sehr erleichtert.

Charmemangel auf der Bezirkssportanlage in Bremen

img-20170305-wa0002Wenn an einem Sonntagmittag die Zebraherde im Wesermarschland zusammenkommt, genießen viele sonst vereinzelt im Norddeutschen lebende Zebras das Herdengefühl. Letztes Jahr in Braunschweig hatte ich das Hamburger Zebra kennengelernt. Ein gebürtiger Norddeutscher, seit jeher MSV-Fan, hatte seine vier Freunde, allesamt Anhänger anderer Vereine, für einen Spieltag zu Zebras gemacht. Das wurde gestern wiederholt. Herdenzuwachs für einen Tag, und da Hamburger in Bremen bekanntlich lebensfeindlichen Bedingungen begegnen, habe ich die fünf vorsichtshalber wieder schützend begleitet. Wir Zebras sind soziale Wesen.

20170305_131224_burst01_resizedDie Wanderbewegung aus dem Pott war zudem recht groß, alles in allem ein Versprechen auf ein schönes Auswärtsspiel. Allerdings machte die Begegnung gegen Werder Bremen II vor allem eines deutlich, der MSV muss aufsteigen. Der MSV spielte gegen  Werder auf Platz 11 des Werder-Geländes, ein Leichtathelikstadion. Platz 11 gleicht einer Bezirkssportanlage, die den Charme des bodenständigen Fußballs verliert, wenn zu viele Auswärtsfans kommen. Dann ist vom Spiel auf dem Rasen nicht mehr allzu viel zu sehen, weil zum Bezirkssportanlagen-Charakter die Sicherheitsarchitektur eines Zweitligastadions hinzu kommt. Zäune vor und neben dem Gästerang versperren die freie Sicht. Abtrennende Zeltplanen kommen hinzu. Alles nicht wirklich schön. Was lobe ich mir das Stadion in Lotte mit seinem Amateurfußballcharme, selbst wenn der Rasen dort einiges zu wünschen übrig lässt.

20170305_140426_resizedWir waren spät im Stadion, standen nicht sehr gut, entsprechend schlecht war meine Sicht aufs Spielfeld. So wurde das Spiel für mich zu einer Art Comic. Einzelne Spielszenen reihten sich aneinander, oft blieben Lücken. Ein Gesamteindruck entstand nur beschwerlich. In der ersten Halbzeit hatte der MSV das Spiel recht sicher im Griff, ohne kontinuierlich sehr großen Druck auf das Werder-Tor erzeugen zu können. An eine große Chance von Kingsley Onuegbu kann ich mich erinnern. Das war es auch schon. In der zweiten Halbzeit begann der MSV mit dem deutlich erkennbaren Vorhaben, das Spiel zu gewinnen. Der Druck auf das Tor von Werder wurde größer. Immer öfter wirkten die Angriffe gefährlich. Allerdings kann ich diesen Eindruck auch vielleicht nur deshalb bekomme haben, weil ich das Tor Werders nun besser sehen konnte.

20170305_144304_hdr_resizedDas Führungstor schien aber nicht nach einem kontrollierten Angriff nahe, sondern weil Stanislav Iljutcenko einem Ball auf den Torwart nachging. Er holte ihn sich zurück, das Tor schien für einen Moment leer, doch die Bremer Feldspieler machten die Hoffnung zunichte. Die Chance war dahin. Es gab weitere Chancen, doch einmal mehr erwies es sich, wie schwierig es für Stürmer in dieser 3. Liga ist aus dem Spiel heraus ein Tor zu erzielen. Hinten sicher stehen ist die Hauptaufgabe in dieser 3. Liga, denn eine Möglichkeit für den Gegner kann sich jederzeit ergeben. So wie kurz vor Spielende, als auch Werder dann fast das Führungstor erzielt hätte. Verdient wäre das nicht gewesen. Insofern ist diese große Chance für Werder zugleich Mahnung zur Zufriedenheit mit diesem einen Punkt.

Die Konstanz beim Punkten macht den MSV so überlegen in dieser Saison20170305_155937_resized. Keine andere Mannschaft in der Liga besitzt diese Konstanz. Deshalb gibt es die zehn Punkte Vorsprung auf Platz 4 und acht auf Platz 3. Zwei Punkte wurden an diesem Spieltag auf Platz 3 verloren, aber wir können allmählich beruhigt ob dieser Momentaufnahme sein. Allmählich können wir daran glauben und es aussprechen, dass der Vorsprung auf Platz weiter wachsen wird. Wir wissen es nicht, aber es ist sehr wahrscheinlich.

Ach, könnte man Kontrollverlust nur immer kontrollieren

Siege durch Tore in letzter Minute geschehen auf vielfältige Weise. Der unbändige Jubel auf den Rängen hört sich dabei vielleicht gleich an, doch der Charakter der letzten Minuten unterscheidet sich jeweils. Es gibt Siege, die durch Kampf und schiere Willenskraft einzelner Spieler errungen werden. Es gibt zwangsläufige Siege, die die unterlegene Mannschaft bis zur letzten Minute nur durch pures Glück hatte verhindern können. Und es gibt diesen Sieg des MSV Duisburg gegen Preußen Münster, der mir wie das Ideal eines solchen Sieges in letzter Sekunde vorkommt; eine Komposition vieler Eigenschaften dieses Fußballs, die in harmonischen Gleichgewicht ein vollkommenes Bild ergeben.

Die Mannschaft des MSV war in der 71. Minute 1:2 in Rückstand geraten. Das Minimalziel eines Unentschiedens war in der 87. Minute durch ein Tor von Dustin Bomheuer erreicht worden. Verhalten war die Freude auf dem Spielfeld über diesen Ausgleich. Auch auf diese Weise wurde sichtbar, dass sich die Spieler mehr erhofft hatten. Noch waren drei Minuten zu spielen, und die Nachspielzeit würde sicher etwas länger dauern, hatten sich die Preußen doch als passables Schmerzschauspielensemble bewiesen. Wahrscheinlich hat der halbe Kader einen Nebenjob an der medizinischen Fakultät der Uni Münster. Es gibt ja inzwischen Seminare, in denen die angehenden Ärzte Patientengespräche mit Schauspielern lernen. Spezialisten für die Darstellung von Muskelblessuren und Gelenkirritationen gesucht? Anruf auf der Geschäftsstelle von Preußen Münster genügt.

Die Spieler des MSV wollten noch den Sieg, dennoch entstand nicht diese Atmosphäre eines bedingungslosen Anrennens. Dazu war das Umschaltspiel der Preußen zu gefährlich. Zweimal hatte es der MSV erlebt, dass beim Ballverlust die eigene Defensive überfordert war. Beim ersten Tor der Preußen war der Weg für den Stürmer ganz frei, beim zweiten Tor war die Defensive noch zu ungeordnet. Anscheinend hatten die Spieler dieses Risiko im Kopf. Deshalb drückte der MSV Richtung Preußen-Tor, dennoch blieb das Mittelfeld abgesichert. Hier war ein erstes harmonisches Gleichgewicht zu sehen zwischen Spielkontrolle und freiem Angriff. Denn für das Spiel hintenrum blieb keine Zeit mehr. Nun mussten die Außen das Risiko im Spiel eins gegen eins in jeder Sekunde suchen, wo in der ersten Halbzeit noch nur der sichere Pass gewählt wurde. Nun ging es nur nach vorne. Es blieb keine andere Wahl.

Zudem spielten die Preußen weiter mit und suchten ebenfalls den Weg nach vorne. Es ging hin und her in dieser Nachspielzeit ohne wirkliche Torgefahr, bis Nico Klotz zu einem Dribbling auf dem Flügel ansetzte. Er konnte sich durchsetzen und den steil laufenden Tim Albutat anpassen. Dessen Flanke war harmlos. Sie war aber deshalb harmlos, weil er beim Flanken gefoult worden war. Das hatte ich nicht gesehen, weil mein Blick nur diesem Ball folgte, die Enttäuschung über die vermeintlich vergebene letzte Chance inklusive. Doch der Pfiff folgte. Martin Dausch schlug den Freistoß recht weit hinter den hinteren Pfosten, wo Stanislav Iljutcenko Mühe hatte, den Ball vor der Torauslinie zurück Richtung Strafraum zu köpfen. Dort versuchte ein Spieler der Preußen, den Ball wegzuschlagen, doch in der zweite Reihe bei etwa 25 Metern wartete Fabian Schnellhardt. Er nahm diesen Ball auf und legte ihn sich zurecht. Den Schuss von dort hatten wir nicht erwartet. Ein perfekter Schuss in den Winkel, hart, gerade, vollendete Fußballkunst. Die ganze Szene von der Ausführung des Freistoßes an war die perfekte Komposion aus Zufall, Kampf, Kraft und Technik.

Dieses Tor in letzter Sekunde bedeutet nicht nur einen Sieg in diesem Spiel. Dieses 3:2 ist ein besonderer Sieg für den Aufstieg, der Abstand auf die Verfolger ist größer geworden. Dieses Tor wurde möglich, weil der MSV die Spielkontrolle etwas aufgegeben hatte. Kontrolle als Lebensmaxime soll uns Sicherheit im Alltag geben. Kontrolle soll uns vor den Gefahren des Lebens schützen, sie soll das Risiko in unserem Leben minimieren. Die Kontrolle ist irgendwann auch im Fußball als Spielprinzip eingegangen, und da uns Menschen der Gegenwart der Fortschritt eine selbstverständliche Haltung zum Leben ist, wurde diese Kontrolle immer weiter perfektioniert. Ballbesitz schafft Kontrolle, aber auch Stabilität im Spiel insgesamt, von der in paradoxer Weise auch der Gegner profitieren kann. Denn Kontrolle macht das Mannschaftsspiel vorhersehbarer.

Der Weg des MSV Duisburg durch diese Saison in der 3. Liga ist ein kontrollierter Weg. Denn diese Kontrolle bietet die höchstmögliche Sicherheit für Erfolg am Ende der Saison, den überlebensnotwendigen Aufstieg. Der Erfolg in einem einzigen Spiel ist deshalb noch lange nicht garantiert, aber die Wahrscheinlichkeit für den langfristigen Erfolg ist größer, wie wir an der Tabelle schon vor dem Spiel gegen Preußen Münster hatten ablesen können. Dennoch reicht die Kontrolle eben nicht für den Erfolg in jedem Spiel, und eine Mannschaft, die darauf setzt, wird immer wieder vor dem Problem stehen, wieviel Kontrollverlust sie eingeht, um den Erfolg dennoch zu sichern, wenn keine Tore fallen.

In der ersten Halbzeit fiel das Führungstor durch Fabian Schnellhardt auch nicht aus einem geordneten Angriff heraus. Ein Ballverlust der Preußen und schnelles Umschalten ging dem voraus. Der erste Abschluss konnte dann noch abgewehrt werden, ein Schuss von Kingsley Onuegbu. Doch der zweite Ball bot dann die Torschussmöglichkeit für Fabian Schnellhardt, weil er lange genug frei stand. Auch dieses Tor aus etwa 18 Metern war schon wunderbar anzusehen. Es war nur eine Ouvertüre. Das wussten wir zu dem Zeitpunkt noch nicht. Das Finale in der Schlusssekunde sollte noch besser werden.

Wie geht das Leben als Spieler und Anhänger eines Tabellenführers?

Doch, ich muss noch einmal davon schreiben. Ich muss noch einmal davon schreiben, wie ungeübt auch wir Anhänger des MSV Duisburg mit dem Leben als Anhänger eines dauerhaften Tabellenführers sind. Nicht nur manche Spieler haben damit ihre Schwierigkeiten, wenn es um die realistische Selbstwahrnehmung ihrer Leistung geht. Auch wir auf den Rängen haben keine uns selbstverständliche Haltungen dazu. Zu Beginn der Saison haben wir nur gestaunt, wie sicher die Mannschaft aufgetreten ist, wie überlegen sie auftrat. Überall hing sprachlose Freude und Überraschung in der Luft. Wir waren Anhänger eines Favoriten für jedes Spiel. Dann schien mit den schlechteren Leistungen der Mannschaft die altbekannte Wedau-Stimmung wieder Einkehr zu halten. Nichts ist sicher, jede Niederlage ist möglich. Das stimmte so nicht. Der MSV blieb Tabellenführer. Aber wir waren schon wieder dabei, die Gründe nicht bei der Leistung der Mannschaft zu suchen, sondern in der günstigen Konstellation der anderen Spielergebnisse.

Gestern nun bestätigte die Mannschaft ihre gute Leistung vom Spiel in Lotte. Sie gewann gegen Fortuna Köln mit 2:0. Dennoch ist die Stimmung nicht in jeder Fanecke, wie es eigentlich zu erwarten wäre, ruhig und zufrieden. Dennoch sieht es so aus, als zwackte bei einigen das Tabellenführer-Trikot. Irgendetwas war unangenehm. Was genau, war nicht richtig zu erkennen. So bot einmal mehr Zlatko Janjic das Ventil, um dieses unangenehme Gefühl aus der Welt zu schaffen. Sicher, er hatte sich ins Rampenlicht gestellt mit seiner eigenwilligen Betrachtung der eigenen Leistung und dem Unverständnis gegenüber dem Unmut von uns auf den Rängen. Dann verschoss er den Elfmeter in der 71. Minute beim Stand vom 1:0, und er brachte kurze Zeit später einen Ball nicht ins Tor, den ich schon als 2:0 bejubelt hatte. Ein Verteidiger bedrängte ihn bei diesem Schuss am hinteren Pfosten aufs leere Tor.

Schon früher in dieser zweiten Halbzeit war es auf den Rängen unruhig geworden, ehe der größere Teil der Anhänger spürte, die Mannschaft braucht Unterstützung, kurz brandete das EM-ES-VAU durch die Arena, die Unruhe der Ungewissheit über die Möglichkeiten der Zebras war wieder vorüber. Die Stimmung im Stadion war wieder stabil. Die Zebras spielten zu diesem Zeitpunkt wieder zu vorsichtig. Die Mannschaft versuchte sich in Spielkontrolle und wieder schien es so, dass dieser Versuch der Spielkontrolle mehr aus mangelndem Mut als aus bewusstem Entschluss heraus entstand. So schien die 1:0-Führung immer gefährdeter, weil die Fortuna immer wieder sehr gut nach vorne kombinierte. Immer wieder gelangen dem Gegner Angriffe vor allem über ihren linken Flügel. Auch in diesem Spiel war die rechte Defensivseite eine Schwachstelle im Spiel des MSV. Fabio Leutenecker bemüht sich sehr, aber die Flügelspieler der Fortuna waren schneller und technisch gewandt. Glücklicherweise erreichten die freien Flanken meist nicht die Mitspieler oder das Eindringen in den Strafraum endete mit einem unpräzisen Abschluss.

Mit dem verschossenen Elfmeter und der vergebenen Konterchance war dann die Unruhe der Ungewissheit auf die Ränge zurückgekehrt. Die Auswechslung von Zlatko Janjic bot nun erneut ein Ventil für diese Unruhe. Wo zuvor das Murren auf den Rängen spürbar gewesen war, kam es nun zu einigen Pfiffen. Wir haben keine selbstverständliche Haltung zu dieser ungewohnten Situation, gute Leistungen von unserer Mannschaft erwarten zu dürfen. Wir wissen nicht, wann genau diese Mannschaft Zuspruch braucht und wann sie unsere harsche Kritik verdient. Sich in diesem Moment der Auswechslung auf einen einzelnen Spieler zu konzentrieren, während die Mannschaft eigentlich unsere Unterstützung braucht, wirkt auf mich wie ein Zeichen dafür, dass auch wir nach einer passenden Haltung zu dieser andauernden Tabellenführung suchen. Die Maßstäbe müssen neu gelernt werden. Vielleicht müssen wir es uns hin und wieder bewusst machen, unter welch guten Voraussetzungen wir diese Maßstäbe seit ein paar Wochen lernen. Tabellenführer MSV Duisburg.

Lasst mich nun von Fabian Schnellhardt schwärmen. Von Spielbeginn an haben einzelne seiner Spielaktionen mich verzückt. Anders kann ich das nicht schreiben. Hier eine Körpertäuschung, die zwei Gegner ins Leere laufen lässt, dort ein Antritt aus dem Nichts mit einer anschließenden gegenläufigen Bewegung, die ihm den Raum öffnet, dann ein Pass aus dem Fußgelenk sofort nach der Ballannahme und zwar in eine andere als die zu erwartende Richtung, ich kam aus dem Schwärmen nicht heraus und wusste noch nicht, dass dieser Fabian Schnellhardt in der 21. Minute an der Mittellinie loslief und die heran eilenden Gegenspieler stehen liess, um in der Enge der Strafraumnähe einmal kurz etwas Glück zu haben, als ein Verteidiger zur Bande für sein Dribbling wurde. An der rechten Strafraumseite spielte er sich durch, Körpertäuschung, Verlangsamen und Wiederantritt, der Ball klebte an seinen Füßen. Unwiderstehlich drang er weiter Richtung Torauslinie. Was sollte nun geschehen? Das Zentrum vor dem Tor war dicht. Kein freier Spieler des MSV war dort zu sehen. Also, weiter bewegen, zum Tor ziehen, sich in Schussposition bringen und aufs lange Eck zielen. Alles war eine fließende Bewegung, von der Mittellinie an. Wann habe ich hier in diesen Räumen einmal von Eleganz geschrieben? Eleganz und der MSV Duisburg zusammen in einem Satz. Unfassbar. Es war Eleganz, was wir vor diesem Schuss von Fabian Schnellhardt zu sehen bekamen. Er schoss aufs lange Eck und der Ball war im Tor. Was für ein großartiges Tor. Welch ein staunender Jubel! Fabian Schnellhardt – Fußballgott.

Bleibt noch das 2:0 nachzutragen. Stanislav Iljutcenko erzielte es in der 87. Minute, nachdem dieser eine Konter endlich konsequent ausgespielt worden war. Wir hatten zwei, drei andere, sehr schlecht genutzte Konter gesehen in diesem Spiel. Dieser aber war an der Mittellinie durch einen Pass auf Andreas Wiegel eingeleitet worden. Nach seinem Sprint spielte er im Strafraum quer, Iljutcenko war zur Stelle, ein Konter fürs Lehrbuch.

Fortuna Köln war ein guter Gegner, der sich nicht hinten reingestellte. Die Mannschaft wollte mutig mitspielen. Der Sieg des MSV war verdient. So muss ein Tabellenführer siegen, wenn er am Ende der Saison aufsteigen will. Bis dahin bleibt noch einige Zeit, weiter zu lernen, wie das Leben so geht als Spieler und Anhänger eines Titelfavoriten.

Welch Überraschung – auch der Gegner will gewinnen

Nach dem 0:0-Unentschieden des MSV Duisburg gegen den Halleschen FC ist es mal wieder an der Zeit, sich von der Leistung des MSV beim Schreiben unabhängig zu machen. Sonst hätte ich nämlich keine Lust, mehr als zwei Sätze über dieses Spiel zu schreiben. Mal sehen, ob ich den Inhalt, die Worte über eine schlechte Leistung des MSV, auch in der Form zum Ausdruck bringen kann? Irgendeine Freude muss ich mir mit dem Spiel bereiten, und wenn schon nicht der Mannschaft das Kunstvolle auf dem Spielfeld gelingt: Selbst ist der Mann.

Wenn ich also hier nicht nur mit Worten beschreibe, sondern zudem in der Form des Textes wiederhole, wie der MSV gestern aufgetreten ist, muss ich Worte und Sätze lange Zeit kontrollieren. Den sicheren Hauptsatz ziehe ich Nebensatzkonstruktionen vor. Leider kann ich sie nicht immer vermeiden, dann geht manches Anschlusswort ins… Inhaltlich gehe ich auch wenig Risiko. Überrascht bin ich allerdings jetzt kurz nach Beginn dann auch. Verlangt tatsächlich jeder Satz volle Konzentration und Anstrengung?

Früh schon Ball auf Flekken-Tor. Rumstehen Zebras. Ergebnis Pfosten. Abschlag. Das sollte doch als Zusammenfassung von diesen ersten Minuten des Spiels genügen. Aber es ist unglaublich. Von Anfang an brauchen wohl klingende Sätze die richtige Einstellung. Zudem gibt es sogar Sätze, die gleichen dem Halleschen FC. Die wollen mehr als  ein sicheres Ergebnis einfahren. Es gibt Sätze, denen sind die bislang überzeugenden Texte in diesem Blog völlig egal. Solchen Sätzen reicht es nicht, Teil des Zebrastreifenblogs zu sein. Sie verstecken sich nicht. Sie vertrauen auf ihre eigene Kraft. Ratlos stehe ich da und weiß nicht, wie ich auf solche Sätze mit meiner Satzkontrolle reagieren soll. Die stehen frei im Raum und suchen ihre Chance gelesen zu werden.

So richtig gelingt es mir nicht, das schlechte Spiel des MSV auch in der Form abzubilden. Wahrscheinlich würdet ihr aufhören zu lesen, wenn es mir gelänge. Hier braucht ihr ja nicht auf den Schlusspfiff zu warten und hättet die Hoffnung ein glücklicher Satz könne den Text am Ende retten. Im Spiel habe ich immer die Hoffnung auf dieses glückliche Tor, zumal Kingsley Onuegbu nach seiner Einwechslung recht überzeugend auftrat. Schon lange war er nicht mehr so ballsicher wie gestern. Wenn ein Licht in diesem Spiel zu sehen war, dann er. Zehn Minuten mehr Risiko im Spiel reichten aber nicht aus, um erfolgreich zu sein.

Mit einer einzigen Szene aus der ersten Halbzeit lassen sich etwa 80 Minuten des Spiels zusammen fassen. Um die 40. Minute herum ergab sich eine Kontermöglichkeit für den MSV. Der Ball war in der eigenen Hälfte abgefangen worden. Die Spieler des HFC befanden sich fast alle in der Hälfte des MSV. Wahrscheinlich war es Andreas Wiegel auf dem rechten Flügel, der den Ball nach vorne trieb. Ich weiß es nicht mehr genau. Halblinks sprintete ein weiterer Spieler des MSV mit. Während sämtliche Spieler des HFC nach hinten sprinteten, joggten zwei Zebras im Mittelfeld ihren Mitspielern hinterher, und die Viererkette plus zwei defensive Mittelfeldspieler schritten von der Strafraumhöhe aus gemächlich Richtung Mittellinie und schauten sich an, was da vorne nun passierte. Sie sahen, wie die zurückgesprinteten Spieler aus Halle ihre Räume besetzten. Im Ansatz war zu sehen, zwei konternde Zebras alleine hätten gar nicht erst losrennen müssen. Vergeudetete Kraft. Sinnlose Rennerei. Ein halbherzig ausgeführter Konter.

Die Mannschaft des MSV wirkte in diesem Spiel lange so, als sei sie überrascht, dass der HFC keine Angst vor ihr hat. Die Spieler kamen nicht damit zurecht, dass der Gegner früh den Spielaufbau störte, wenn möglich. Denn der HFC suchte fortwährend seine Chancen in der Offensive. Damit hatten die Zebras anscheinend nicht gerechnet. Die Angriffsbemühungen des HFC wurden zu spät energisch unterbunden. Zu oft standen die Spielers des Gegners frei im Strafraum. Das Spiel des HFC wirkte variabler als das des MSV. Führte das frühe Pressing des HFC zu keinem Erfolg, zog sich die Mannschaft in die gut organisierte Defensive zurück.

Für das kontrollierte Spiel des MSV fehlte es an schnellen Bällen in freie Räume, an überraschenden Spielzügen – ein Ergebnis des unzureichenden Zusammenspiels von Mittelfeld und Offensive. Zu statisch war das kontrollierte Spiel. Erst als in der Schlussphase immer mehr halblange Bälle ins Angriffsdrittel des Spielfelds geschlagen wurden, kam ein wenig Offensivkraft auf. Thomas Bröker konnte sich zuweilen durchsetzen. Der King sicherte die Bälle, passte und konnte ablegen. Dauerdruck auf das Tor des HFC entstand dennoch nicht. Eine große Chance gab es noch, doch Stanislav Iljutcenko schoss am Tor vorbei.

Am Tabellenstand änderte sich trotz des torlosen Unentschieden nichts. Die Konkurrenz spielt auch nicht dauerhaft erfolgreicher. Unruhig werde ich dennoch. Seit drei, vier Spieltagen scheinen die Spieler des MSV auf etwas zu vertrauen, was nicht mehr vorhanden ist. Spielerische Dominanz kommt nicht von alleine. Der Respekt der Gegner scheint geringer geworden zu sein.

Den MSV in seinem Lauf hält Regensburg nicht auf

So lässt sich die Welt also betrachten, wenn man einen Lauf hat. Man fühlt sich stark und glaubt alle Fäden beim Gestalten des eigenen Schicksals in der Hand zu halten. Man konzentriert sich auf das Gelingen und ignoriert einfach sämtliche Möglichkeit des Scheiterns. Ich spürte, wie der Druck zunahm. Noch blieben etwa zehn Minuten im Spiel des MSV Duisburg beim SSV Jahn Regensburg bis zum Schlusspfiff. Leichte Aussetzer hatte es in den letzten Minuten schon mehrmals gegeben. Ich kannte das von meinem Laptop. Das Spiel wogte hin und her, und dann fror das Bild tatsächlich ein. Hektisch lud ich die Seite neu, nur um zu lesen, der Livestream stehe im Moment nicht zur Verfügung.

Das Adrenalin schoss durch meinen Körper. Es ging nun um alles. Ich brauchte Bewegtbilder. In solchen Situationen handelt der Mensch instinktiv. Bei der Netzgemeinde um Hilfe rufen, dazu blieb keine Zeit. Ein weiteres verzweifeltes Mal die Seite neu laden – und während der Laptop arbeitete, schaltete ich hastig den Fernseher an. Auch diese Geräte haben inzwischen eine Vorlaufzeit, ehe sie Bilder zeigen. Kurz schaue ich rüber zum Laptop und sehe, wie der Livestream von Bayern 3 wieder funktioniert.  Der MSV mit Ballbesitz im Mittelfeld. Mein Blick geht zurück zum TV, inzwischen mit den Bewegtbildern aus der Drittligakonferenz beim WDR, und ich sehe denselben Ball, der auf dem Laptop auf den linken Flügel geht, in einem Tornetz. Erst als die Kamera auf den jubelnden Stanislav Iljutcenko schwenkt, begreife ich wirklich, dass der MSV nun wieder führt. Das nenne ich einen Lauf, wenn ich im Moment des möglichen Scheiterns meiner bis dahin gelebten Zeit mit einem Mal voraus bin.

Der MSV und ich, wir haben momentan anscheinend einen Lauf. Der Auswärtssieg des MSV war nicht das zwingende Ergebnis einer überlegenen Spielweise. Durch die Spielanlage war zu erahnen, warum die Zebras die Tabelle anführen. Doch wirkte die Mannschaft gegenüber dem Einsatz der Regensburger oft zu passiv. Gerade zu Beginn der  zweiten Halbzeit schienen die Spieler sich zu sehr auf ihre Defensivstärke und die spielerischen Möglichkeiten zu verlassen. Sie setzten dem großen Willen der Regensburger den Ausgleich zu erzielen nicht genug eigenes Engagement entgegen. Der Ausgleich in der 53. Minute war eine absehbare Folge der zu großen Passivität.

In der ersten Halbzeit hatte das sehr kontrollierte Spiel des MSV noch genügt, die frühe Führung durch Tim Albutat zu sichern. Schon dieses Tor lässt sich als Folge des „Laufs“ erzählen. Es glückte, was im Ansatz noch nicht erfolgsversprechend aussah. Die Flanke von rechts erreichte Tim Albutat nicht direkt, sondern nur weil ein Defensivspieler der Regensburger sie unglücklich auf den Kopf von Albutat verlängerte. Wer einen Lauf hat, kann so ein Tor aber auch als ureigenen Verdienst betrachten. Der Fehler geschah nur, weil die Mannschaft von Anfang an wieder dominant auftrat und die Defensivspieler verunsicherte.

Der Rückstand schien die Lebensgeister der Regensburger vollständig zu wecken. Sie erspielten sich fortan eine leichte optische Überlegenheit. Dennoch hätte das Spiel für uns in Duisburg mit mehr Gelassenheit betrachtet werden können. Nach einem weiten, punktgenauen Abschlag von Mark Flekken in den Lauf von Andreas Wiegel, wurde der im Strafraum von einem Regensburger Defensivspieler gefoult. Der Elfmeterpfiff von Robert Kampa blieb aus.

Aus den Angriffsversuchen der Regensburger ergab sich nur eine einzige wirkliche Chance, ein Schuss im Strafraum, den Mark Flekken souverän abwehrte. Ansonsten zwang die MSV-Defensive zu unpräzisen Pässen, sobald der Ball in Tornähe kam, und weiten Bällen, die von den Stürmern nicht genau genug verwertet werden konnten. Ich vermisste dennoch entlastende Offensivaktionen vom MSV. Erst ein paar Minuten vor dem Pausenpfiff kam das Spiel wieder in ein Gleichgewicht.

In der zweiten Halbzeit entwickelte sich ein offenes Spiel, in dem der MSV die klareren Chancen besaß. Schon als Stanislav Iljutcenko in einen Fehlpass kurz hinter der Mittellinie lief und vom Defensivspieler bedrängt auf das Regensburger Tor zusprintete war meine Hoffnung auf eine erneute Führung groß. Doch konnte sich Iljutcenko gegen die vereinten Kräfte von Defensivspieler und Torwart nicht durchsetzen. Diese Spielsituation zeigt übrigens, warum er den Vorzug gegenüber Kingsley Onuegbu erhält. Auch wenn er vor dem Tor momentan nicht so effektiv ist wie in seinen Osnabrücker Zeiten, Iljutcenko ist einfach sprintstärker als der King.

Vielleicht weckt das Kopfballtor zum 2:1  Stanislav Iljutcenkos etwas verschütt gegangenen Torinstinkt. Denn dieses Stürmertor wirkte überraschend. Plötzlich stand er an der richtigen Stelle, dort wo eigentlich kein Platz war zwischen Torwart und Verteidiger. Dort kam er mit dem Kopf an den Ball, ohne sehr hoch zu springen zum Kopfball. Das Tor war verblüffend, und womöglich protestierte der Regensburger Torwart beim Schiedsrichter auch deshalb. Er konnte sich nicht vorstellen, wie man von Stanislav Iljutcenko Platz aus ohne Foulspiel ein Tor hat erzielen können. Stanislav Iljutcenko hat dieses überraschende Tor gemacht. Er, seine Mitspieler und ich, wir haben momentan eindeutig einen Lauf. Am besten denken wir alle nicht drüber nach und machen einfach damit weiter im nächsten Spiel gegen Rostock.

 


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