Posts Tagged 'Statistik'

Stimmung aufhellen – oder doch nicht?

Beim MSV dieser Saison weiß ich inzwischen nicht mehr, ob ich auf eine frühe Führung für uns hoffen soll. Die Antwort wäre einfach durch die Statisitik zu erhalten. Ich müsste nur erheben, wann jeweils die Tore in den Begegnungen gefallen sind und welche Ergebnisse nach 90 Minuten zu verzeichnen waren. Zu dieser statistischen Erhebung habe ich jetzt keine Zeit. Vielleicht findet ja jemand anderer heraus, ob diese Stastitik Fakten bringt, die nicht nur meinen Eindruck entkräftigen, mit einem zählbaren Vorteil des MSV in der ersten Halbzeit wird die zweite Halbzeit eine Zitterpartie.

Vielleicht hilft mir jemand, den kühlen Verstand in Stellung zu bringen gegenüber der so schnell vorhandenen Sorge um das unbedingt notwendige Erreichen des Saisonziels, den Aufstieg. Vielleicht hilft die Rationalität mir morgen Abend, wenn es denn wieder vor dem Live-Stream unerträglich wird. Ruhig, könnte ich mir dann sagen, schau auf die Statistik. Alles im Lot. Helft mir! Sonst muss ich wieder durch die Räume joggen. Doch ich bin der Zeit voraus. Könnte ich doch überhaupt erst mal um einen Sieg bangen.

Erschwerend kommt hinzu, Hansa Rostock gehört für mich zu den Gegnern, die eine zusätzliche irrationale Angst vor der Niederlage auslösen. Da hilft keine Statistik. Die steht gegen die uns angeborene Möglichkeit der Welterfahrung durch Sinne. Mit der Statistik haben wir Menschen es schwer. Die verlangt nämlich nur zu oft, die persönliche  Erfahrung als vereinzelte, gegenüber dem großen Ganzen widersprüchliche anzuerkennen. Alles in uns strebt dagegen. Schwierig, so ein Mensch-Sein in dieser Welt der Gegenwart.

Da schau ich mir doch lieber noch einmal das Tor von Michael Gardawski gegen Hansa Rostock in der Saison 2013/2014 an, das zum 1:0-Auswärtssieg führte. Auch bei diesem Sieg, habe ich vor dem Live-Stream sehr gelitten. Und schon sind wir wieder beim Anfang. Denn auch dieses Tor fiel früh. Helft mir mit Zahlen. Und außerdem: Ist dieses Tor überhaupt noch ein gutes Zeichen, da Michael Gardawski nun bei Hansa Rostock spielt? Fragen, so viele Fragen.

Sonntag ist der Spieltag nach dem Samstag – Der Nachteil Nachlegen

Für das mittelfristige Erfolgsziel Aufstieg gilt es sämtliche Bedingungen, denen ein Fußballspiel unterliegt, im Blick zu halten. Frei nach dem Motto, der Gefahr begegnen, indem wir offensiv damit umgehen und etwas machen können. Der MSV Duisburg muss bis zum Ende der Saison meist sonntags antreten. Die Konkurrenten um den Aufstieg haben dann fast immer schon samstags gespielt. Durch diese Terminierung der Spiele wird der MSV Duisburg benachteiligt. Denn beim „Nachlegen“ gibt es ein größeres Risiko des Misserfolgs als beim Beginnen.

Empirisch nachgewiesen ist meine These nicht. Da das zu untersuchende Phänomen wahrscheinlich nicht oft im Fußball zu beobachten ist, wurde es bislang von der Wissenschaft nicht weiter beachtet. Viele Dinge müssen in diesem speziellen Forschungsfall ja zusammenkommen. Meine These formuliere ich aber nicht grundlos. Sie ist abgeleitet von zwei fundierten wissenschaftlichen Arbeiten zum Elfmeterschießen. Elfmeterschießen sind eine statistisch leicht auszuwertende Datenbasis.  Auf den Beitrag von Christian Hesse im Mathematik-Blog der ZEIT hatte ich schon einmal hingewiesen. In 60 Prozent aller Elfmeterschießen gewinnt die Mannschaft, die anfängt. Christian Hesse kommt alleine durch den Vergleich von Zahlen zu seinen Schlüssen und plädiert durch eine geänderte Abfolge der antretenden Elfmeterschützen für mehr Gerechtigkeit beim Elfmeterschießen.

Fußballer kennen intuitiv den Vorteil des Beginnens. Wie ebenfalls DIE ZEIT berichtet, haben Wirtschaftspsychologen der Londoner School of Economics Fußballer befragt, was sie nach dem gewonnenen Münzwurf vor dem Elfmeterschießen entscheiden würden. 96 Prozent der Fußballer entscheiden sich für das Beginnen.

Kurzum, wer beginnt, hat einen Vorteil. Die Psyche ist anscheinend weniger belastet. Dieser Vorteil ist nun nicht über die Maßen groß, doch wie wir gebetsmühlenartig in dieser Saison von allen Trainern erfahren, Kleinigkeiten entscheiden die Spiele. Die Gegenmaßnahme? Ich kenne nur so eine Art psychologisches Hausmittel. Es heißt, sich immer wieder aktiv den Erfolgsfall vorstellen, erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass das vorgestellte Geschehen auch eintrifft. Allerdings müssen das die Spieler machen. Wenn wir uns auf den Rängen den Sieg des MSV gegen die zweite Mannschaft vom VfB Stuttgart vorstellen, bewegen wir uns in esoterischen Gefilden. Das mag ja auch helfen – je nach Persönlichkeit uns selbst.

 

Hoffen auf die Gaußsche Normalverteilung

Mittelmaß, das klingt meist nicht schön, wenn das gesagt wird. So richtig zufrieden wirkt dann niemand. Wir alle hoffen ja immer auf das Einzigartige, das sehr Spezielle, das uns rausreißt aus der Normalität und dem alltäglichen Einerlei – aus dem Mittelmäßigen eben. Doch so leid es mir tut, für alle von uns lautet die statistische Wahrheit, letztlich strebt alles hin zur Mitte.

Ist jemand ganz oben, kann es nur runter gehen. In den USA wurde die Prognosekraft sprichwörtlich, die ein Titelbild der Sports Illustrated mit sich brachte. Einmal das Foto auf dem Cover und schon warf der Basketballer daneben, der Leichtathlet sprang kürzer und lief langsamer. Das ist kein Fluch, sondern die leicht einsehbare Folge davon, dass für die Titelgeschichte nur ein Sportler mit herausragender Leistung in Frage kommt. So einer herausragenden Leistung wird aber sehr wahrscheinlich eine schlechtere folgen. Der Statistik-Fachmann nennt das Phänomen „Regression zur Mitte“. Mit besonders schlechten Werten funktioniert das natürlich auch. Auch die sind nur Teil der Normalverteilung. Ausreißer nach unten eben, wenn sich letztlich alles zur Mitte drängt.

Beruhigen wir uns also bis auf weiteres mit der Statistik, wenn wir auf die kommende Saison des Vereins unserer Zuneigung blicken. Nach der Erkrankung von Jürgen Gjasula fällt nun auch noch Timo Perthel für längere Zeit aus. Wichtige Spieler müssen also schon kurz vor der Saison für längere Zeit ersetzt werden. Das Lob des Mittelmaß hilft uns deshalb heute weiter. Denn aller Wahrscheinlichkeit nach wird in den kommenden Monaten alles zur Mitte drängen. Es wird Spieler im Kader geben, die ohne große Schwierigkeiten durch die Saison gehen. Das sind die Ausreißer nach oben. Es wird die Spieler geben, und das werden die meisten sein, die mal hier eine Malässe haben und denen es mal dort zwickt. So mittelmäßige Wehwehchen eben. Und die Ausreißer nach unten, die schwereren Verletzungen, die längeren Ausfällse, das was andere Vereine erst im Laufe der Saison erleben, arbeitet der MSV Duisburg nun mal schon vorher ab. Bis dahin gute Besserung an die Verletzten und Kranken.  Es wird eine gute Saison werden.


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