Posts Tagged 'Stefan Maierhofer'

Halbzeitpausengespräch – Tonio Schachingers großartiger Fußballroman Einer wie ihr

Die meisten Buchhandlungen bieten in dieser Zeit des Lockdowns einen Abholservive an. Deshalb ist es vor Weihnachten nicht zu spät. Mein Rat: anrufen, „Einer wie ihr“ von Tonio Schachinger mindestens zweimal bestellen, am nächsten Tag abholen. Das Buch einmal verschenken, und das andere Buch sofort selbst lesen.

Es gibt vielfältige Möglichkeiten, Sprache in Kunst zu verwandeln. Tonio Schachinger hat sich dafür entschieden, die Innenwelt eines international erfolgreichen Fußballprofis zu erschaffen. Ivo Trifunović ist österreichischer Nationalspieler. Seine Eltern waren aus Bosnien vor dem Balkankrieg geflüchtet. Zurzeit spielt er beim FC Everton. In seiner Karriere war er schon in Basel, Brügge und Barcelona.

Weder ist Ivo in diesem Roman oft als aktiver Fußballer zu erleben, noch geschieht viel. Umso mehr erfahren wir über Gefühle, Selbstwert und Identität eines Österreichers, dessen Eltern Migranten sind. Dieser Roman begeistert sicher diejenigen noch mehr, die zumindest die Strukturen des internationalen Fußballgeschäfts etwas kennen; denen Namen wie Boateng, Maierhofer oder Timo Werner nicht fremd sind. Doch letztlich ist diese Fußballwelt nur ein Mittel, um die Zerrissenheit eines erfolgreichen Österreichers zu zeigen, der sich in der etablierten Gesellschaft trotz seines Reichtums und seines Erfolgs manchmal nicht angenommen fühlt. Er ist zudem ein Mittel, um eine Dreiecks-Liebesgeschichte zu erzählen. Denn der scheinbar glücklich verheiratete Ivo begegnet einer Freundin aus Jugendzeiten. Der Fußball ist aber auch ein Mittel, um Ivos intuitives Verhältnis zum menschlichen Miteinander zu zeigen, dem nur mühsam Selbsterkenntnis abzugewinnen ist.

Tonio Schachinger hat seiner Hauptfigur Witz, einen Grundfuror und scharfe Beobachtungsgabe verliehen. Die Folge ist immer wieder große Komik, wenn Ivo in seinem inneren Monolog über den Fußball und das Leben spricht. Einen Ausschnitt über sein Urteil zum begrenzten Talent des österreichischen Stürmers Stefan Maierhofer und dessen dafür großen Erfolg habe ich unlängst hier schon veröffentlicht. Es mag ein Beispiel sein. Die meisten von uns in Duisburg werden ein stimmiges Urteil erkennen.

Es ist unerheblich, ob diese Innenwelt einen realistischen Blick auf ein Fußballerleben gibt. Jede Frage nach einem solchen Realismus verschwindet, weil Tonio Schachinger eine eigene, in sich schlüssige Welt durch Sprache erschaffen hat, die uns grundsätzliche Einsichten zur Gegenwart gibt. „Einer wie ihr“ ist ein wunderbarer Roman, ein Kunstwerk der Sprache.

Tonio Schachinger
Nicht wie ihr ihr
304 Seiten

gebunden, Kremayr & Scheriau Verlag
€ 22,90
ISBN 
978-3218011532

Rowohlt Taschenbuch
€ 12,00
ISBN 978-3499004506

Der Storch Stefan Maierhofer ist keine Möwe

Im Sommer 2019 erschien mit Nicht wie ihr ein Roman von Tonio Schachinger mit einem Fußballprofi als Hauptfigur. Tonio Schachinger ist Österreicher. Die erzählte Fußballwelt hat ihre Wurzeln also in Österreich, auch wenn der Profi, ein österreichischer Nationalspieler, in England spielt und der Gesamtblick europäisch ist. Noch habe ich das Buch nicht ausgelesen, doch schon nach gut der Hälfte kann ich den Roman nur empfehlen. Die Begründung in einer Besprechung kommt später.

Den folgenden kurzen Ausschnitt vom Anfang des Romans möchte ich euch aber schon heute nicht vorenthalten, weil Tonio Schachinger uns nicht nur eine Erinnerung mit stimmiger Wertung an Stefan Maierhofer gibt, sondern auch weil er auf einer einzigen Seite die Fußballgegenwart Deutschlands auf für mich sehr amüsante Weise und natürlich in der Absolutheit ungerecht in den Boden stampft.

Da seit der Saison von Stefan Maierhofer als Stürmer im Zebratrikot schon einige Zeit vergangen ist, ein paar Worte für die ganz jungen Leser hier. Stefan Maierhofer spielte in der Saison 2010/2011 beim MSV, jener Saison des letzten Höhenflugs der Zebras, zu dem der österreichische Leihspieler viel beitrug. Für einen Spieler, der so kurz da war, hatte er großen Eindruck bei den Fans hinterlassen. Tonio Schachingers Wertung habe ich zwei Jahre nach Maierhofers Weggang vorweggenommen, als der MSV beim 1. FC Köln spielte. Dort war er für eine Halbsaison gelandet. Er kam bei vielen Vereinen unter, und der Ertrag für seine spielerischen Möglichkeiten war jeweils groß. Nun aber lest selbst

Wer bereits durch diesen Ausschnitt angefixt ist. Hier die Angaben zum Buch, das seit dem August auch als Taschenbuch erhältlich ist.

 

Tonio Schachinger
Nicht wie ihr ihr
304 Seiten

gebunden
Kremayr & Scheriau Verlag
€ 22,90
ISBN 
978-3218011532

Rowohlt Taschenbuch
€ 12,00
ISBN 978-3499004506

 

 

Die Jubiläumswochen – 2. März 2011 – Branimir Bajic und wir fahren nach Berlin

Zehn Jahre Zebrastreifenblog – ein Anlass, um in den Jubiläumswochen bis zum Saisonstart zurückzublicken. Was bietet sich nach dem Abschiedsspiel von Branimir Bajic für einen Rückblick mehr an als einen der Texte, der die Leistung jener Fußballer feiert, die wir zum Teil am Samstag in Duisburg wieder gesehen haben. Für Branimir Bajics Verbundenheit mit dem MSV Duisburg ist es bezeichnend, welche Spieler der MSV-Vergangenheit in Duisburg vor allem zu sehen waren. Ob Tobias Willi, Srdjan Baljak, Stefan Maierhofer oder Victor Obinna, um nur einige Beispiele für die anwesenden Spieler zu nennen, sie entwickelten auf ihre je eigene Weise eine besondere Beziehung zum Duisburger Publikum. Gerade Victor Obinna, der nur kurz in Duisburg war, macht das besonders deutlich, weil es um eine Haltung den Menschen gegenüber geht. Diese Haltung lässt dann auch Rückschlüsse auf den Fußballer im Mannschaftsgefüge zu. So wurde der Fußball des Abschiedsspiels auch zu einem Sinnbild für jenen gemeinschaftlichen Geist, der sich über das Sportliche hinaus erweist.

Auch ohne Elfmeterschießen wurde es dramatisch – veröffentlich am 2. März 2011

Nein! Nein! Jaa! Ja. Nein, nicht, nein. Aah. Pfffffff. EM-ES-VAU-EM-ES. Aaaah. Ooooh. Nein. Pfffff. Hhhhhhhhhha. JAAAAAAAAA. So ungefähr muss ich mich angehört haben in den letzten Momenten dieses Halbfinales vom MSV Duisburg gegen den FC Energie Cottbus. Was war das für ein taumelndes Stemmen vom MSV Duisburg gegen den drohenden Ausgleich kurz vor dem Abpfiff im Halbfinales des DFB-Pokals gegen den FC Energie Cottbus. Was war das für eine Energie im Stadion auf den Rängen und auf dem Spielfeld. Diese Energie drohte in den letzten Minuten immer wieder richtungslos zu wabern. Und doch bündelte sie sich auf dem Spielfeld in großartigen Rettungsaktionen, mit denen das Tor der Cottbusser im letzten Moment verhindert wurde. Auf den Rängen verwandelte sich das Aufstöhnen und unartikulierte Schreien in das peitschende EM-ES-VAU, das diese Mannschaft unten auf dem Spielfeld zu dem so nah wirkenden Sieg tragen sollte.

So sicher schien der Sieg für den MSV Duisburg über etwas mehr als 70 Minuten, und so dramatisch wurden die letzten Spielminuten. Viel zu viele Spieler in roten Trikots befanden sich im Strafraum vor dem Tor von David Yelldell. Viel zu viele, um jeden so zu decken, dass er wirkungslos sein würde. Der Angriff kommt über den linken Cottbusser Flügel. Kein Bein eines MSV-Verteidigers verändert die Flugbahn der Flanke, und ich weiß irgendeiner dieser Spieler in den roten Trikots wird an den Ball kommen, schießen und wahrscheinlich treffen. Aber David Yelldell zerstört mit einem beeindruckenden Reflex auf der Linie die dritte Riesenchance zum Ausgleich.

Plötzlich bündelt sich nichts mehr, es wabert nur noch. Plötzlich entsteht ein Teppich an Energie, die nicht weiß, was das nächste Ziel ist, außer dass Schiedsrichter das Spiel abpfeifen soll. Plötzlich scheint das Tempo dem Spiel verloren gegangen zu sein. Sind die meisten Spieler zu weit vom Ball entfernt? Ist es Olcay Sahan, der den Ball in die Cottbusser Hälfte treibt. Schon im Ansatz ist zu sehen, er schafft das mit letzter Kraft und nur um den Ball möglichst weit Richtung Südtribüne zu bringen. Doch auch die Cottbusser Spieler sind so langsam. Wahrscheinlich kommt es mir auch nur so vor, weil sich die Zeit bei den drei Cottbusser Großchancen kurz hintereinander so sehr verdichtet hatte. Dreimal hatte ich die Schüsse der Stürmer von Cottbus im Tor des MSV Duisburg gesehen. Ich war auf den Sturz in den Abgrund der Enttäuschung schon gefasst, und dann packten David Yelldell, Olivier Veigneau und der lebendig gewordene Pfosten mich bei der Hand. Sie zogen mich auf den schmalen Geröllpfad wieder hoch, der in die Glückseligkeit nach dem Abpfiff führen sollte.

Was waren das für dramatische letzte Minuten. Dabei habe ich selten zuvor ein so entscheidendes Spiel des MSV Duisburg einfach nur genossen. Bis ungefähr zur 75. Minute. Die Mannschaft des MSV Duisburg ließ dem FC Energie Cottbus in der ersten Halbzeit keine Chance. Cottbus wirkte verunsichert und übernervös. Dagegen schien die Mannschaft des MSV Duisburg von der Atmosphäre im Stadion beflügelt. Diese Zuschauer waren für den MSV Duisburg gekommen und sie glaubten an ihre Mannschaft.

Klare Chancen konnte sich die Mannschaft vom MSV Duisburg zunächst nicht erspielen. Aber es war deutlich, solange jeder Cottbusser Angriffsversuch derart konsequent unterbunden wurde, könnte jederzeit ein Fehler in der Cottbusser Verteidigung zum Führungstor des MSV Duisburg werden. Das 1:0 von Stefan Maierhofer wirkte dann auch wie das perfekte Bild für die gesamte Spielweise des MSV Duisburg. Es wirkte wie die Mischung aus geplantem Angriff, dem unentwegten Hinterhergehen bei jedem verlorenen Ball und der in so einem ersten Moment der Balleroberung nicht ganz vorhandenen Ballkontrolle. Die Flanke in den Strafraum konnte Stefan Maierhofer nicht direkt köpfen, sondern der vom Verteidiger abgewehrte Ball prallte dem synchron mitspringenden Maierhofer an den Kopf, um dann erst ins Tor zu gehen.

Die Cottbusser starteten in der zweiten Halbzeit mit einem neuen Spieler, der sehr viel Gefahr verbreitete. Doch nachdem die ersten zwei heftigen Angriffe abgewehrt waren, gewann der MSV Duisburg die Kontrolle über das Spiel zurück. Konter wurden möglich, und so einen Konter schloss Srdjan Baljak nach Pass von Ivica Banovic zum 2:0 ab. Die Cottbusser gaben aber noch nicht auf. Das Anschlusstor durch den Elfmeter hätte mich nicht weiter beunruhigt. Erst die rote Karte gegen Bruno Soares ließ das Spiel noch einmal kippen. Für mich war diese rote Karte eine zu harte Entscheidung. Diese rote Karte brachte zwar zunächst keine Unruhe in der Hintermannschaft, sie brachte aber Zweifel beim Spiel nach vorne. Beeindruckend wie ruhig und abgeklärt in so einer Spielphase Branimir Bajic die Abwehr organisiert. Dieser Mann ist ein Phänomen. Wie kann ein Spieler derart unauffällig präsent sein? [Hervorgehoben im Nachhinein]

Diese Mannschaft hat als Einheit den Sieg errungen. Ein so konsequentes Agieren wie in der ersten Halbzeit funktioniert nur als sorgsam organisiertes Miteinander. Ein Sinnbild dafür ist für mich auch der Jubel der Ersatzspieler beim zweiten Tor. Sie wollten nicht am Rand stehen bleiben, sondern sich gemeinsam mit David Yelldell über das Baljak-Tor freuen. Berlin, wir kommen. Und egal, was da im Finale passiert, es wird wieder gut werden.

Die Attraktivität von Fußball – Funny van Dannen kennt das Geheimnis

Es gab schon mal besser zusammengestellte Kader des MSV Duisburg. Dabei denke ich nicht an die spielerische Qualität, ich denke ganz allein an meine sehr persönlichen Interessen. Als Ein-Mann-Unternehmer des Zebrastreifenblogs schaue ich nämlich hin und wieder auch auf Clickzahlen und staune über all die Suchbegriffe, die die Menschen in diese Räume hier führt.

maierhoferIn den besseren Zeiten schrieb ich etwa einen Spielbericht, erwähnte Stefan Maierhofer und, schwupps, schon brauchte ich keine nackte Spielerfrau mehr in einem Text zu erwähnen, wenn ich mal wieder mehr Reichweite erzielen wollte. Natürlich weiß ich um Reichweiten-Qualitäten und wer sich für die sexuelle Orientierung von Stefan Maierhofer interessiert, ist für mein überaus seriöses Werbekunden-Portfolio vielleicht kein Vorzeigeleser. Aber wer weiß – kenn ich mich mit der Ethik des Kapitalismus aus? Guck ich einem Google-Clickgeschenk ins homophobische oder verliebte Köpfchen? Ich weiß das alles nicht.

Ich weiß nur, Homophobie ist weiter Thema in dieser Gesellschaft. So ist es schön, dass Funny van Dannen manches Geschehen im Fußball mal anders anschaut. Spiegel vorhalten nennt sich das. Ist nämlich überhaupt nicht schlimm, wenn Männer sich lieben.

 

 

Wer hier schon länger mitliest, weiß, wie sehr ich Funny van Dannen schätze. „Latente Homosexualität“ ist auf seiner letzten CD „Come on – Live im Lido“ zu finden. Nur eine von vielen deren Kauf sich lohnt – und natürlich geht das direkt beim Künstler.

Was für eine Aufmerksamkeit für Stefan Maierhofer im richtigen Team

Stefan Maierhofer wird diese Aufmerksamkeit gut gefallen. Ehre wem Ehre gebührt, wenn ein Spieler des 1. FC Köln alleine gegen den MSV Duisburg antritt. Gewinnen will er auch noch. Respekt! Deshalb starren wahrscheinlich nicht nur nur einige Anhänger der Zebras, sondern auch die lokale Presse in beiden Stadtteilen meiner imaginären Heimat am Rhein auf den Stürmer des FC. Fast jeder Artikel zum Spiel beschäftigt sich mit  Stefan Maierhofer. Sei es Express, Kölner Stadt-Anzeiger, Kölnische Rundschau oder Reviersport. Liebe Leute, anscheinend wirkt sich diese eine durch den DFB-Pokalwettbewerb emotionale Saison immer noch aus und das sogar bis nach Köln. Stefan Maierhofer war Teil einer gut funktionierenden Mannschaft und hat damals schon nicht besser gespielt als heute beim FC. Auch damals lebte sein Spiel vom unermüdlichen Einsatz und seiner Körpergröße. Schon damals verstolperte er einen Teil der ihm zugespielten Bälle, und schon damals kam er bei seinen Langsprints über den Platz immer mal wieder zu spät. Die Defensivspieler blieben dann unverletzt, weil er viel zu spät kam. Sie dankten ihm die vorausschauende Langsamkeit wahrscheinlich. Wir haben ihm das nachgesehen, weil das Ganze stimmte. Und zwar fast ausschließlich im Pokalwettbewerb. Morgen wird Stefan Maierhofer in der richtigen Mannschaft spielen. Gott sei Dank! Der MSV Duisburg brauchte keinen Stefan Maierhofer, der sich spielerisch nicht weiter entwickelt hat. Das war mir im Januar sogar einen lyrischen Kommentar wert. Ihm ist da gar nichts vorzuwerfen. Er macht, was er kann, und manchmal gelingt ihm auch etwas als Fußballspieler. Die Wahrscheinlichkeit ist aber im Moment sehr groß, dass seine Versuche morgen auch wie folgt aussehen.

Winterpausenende mit Stefan Maierhofer und einem Lobgedicht

In jungen Jahren habe ich mal neben dem Studium ein Geschäftsmodell verfolgt, bei dessen Erfolg die Lohnschreiberei auch zur pussierlichen kleinen Hinterhoftextmanufaktur mit Butzenscheiben hätte werden können. „Gedichte und Reden für alles und jeden“, bot ich an. Ich war einerseits mit der Hinwendung zum individuell gestalteten Produkt heimischen Handwerks meiner Zeit  voraus, andererseits hatte ich mir zu wenig Gedanken darüber gemacht, wo die damals vielleicht schon vorhandenen Menschen mit entsprechender Kaufkraft zu Hause waren. In den Mietswohnungen von uni-nahen Straßen Kölns war die Streubreite meiner Werbeoffensive jedenfalls so groß, dass sämtliche Dienstleistungskunden mühelos zwischen den Werbebotschaften hindurchschlüpfen konnten.

Flugblatt hieß damals übrigens noch der Flyer, den ich in die Briefkästen schmiss. Ich habe dann das Ganze nur noch zum privaten Amüsement weiter verfolgt. Deshalb kam die Google-Anfrage neulich ein paar Jahre zu spät. Sonst hätte ich sofort laut hier geschrien, mach ich. Preis, reden wir drüber. Folgendes wurde gesucht: „ein vierzeiler zu einem hausmeister der herr günter heist“. Manchmal sind Suchfragen doch sehr speziell, und die Google-Software  ist optimierbar. Denn so einen Vierzeiler hatte ich hier im Haus als zufriedene stellende Antwort nicht parat.

Ich komm auch drauf, weil diese Google-Unschärfen sich im Moment häufen, landen  nach der Verpflichtung von Stefan Maierhofer durch den 1. FC Köln bei mir nun wieder viele Suchende, die sich für dessen sexuelle Orientierung interessieren. Auch in dem Fall tappt Google im Halbdunkeln und schmeißt einfach mal ein paar Begriffe aus meinen Texten zusammen, irgendein schwuler Fußballer wird schon dabei rumkommen. Dabei habe ich mich hier nur für Maierhofer-Tore interessiert, kann deshalb auch nicht allzu viel bieten für Fußballfans auf der Suche nach ihrem Traummann. Auch mal ein Projekt: anhand der Google-Suchanfragen bestimmen, welche Eigenschaften muss ein Fußballspieler haben, damit Fußballzuschauer glauben, er könne schwul sein.

Ich finde es übrigens nicht bedauerlich, dass Stefan Maierhofer die Rückrunde nicht beim MSV Duisburg spielt. Seine Verpflichtung wäre verbunden gewesen mit der Hoffnung auf die Stimmung aus der vorletzten Saison. Auf seine Ausstrahlung und auf seinen Kampfeswillen. Aber das ist nicht mehr als eine Hoffnung. So eine beflügelnde Stimmung bahnte sich ohnehin auch ohne ihn schon an. Spielerisch hätte er die Mannschaft nicht weiter gebracht.  Da hätte die Verpflichtung von Dorge Kouemaha eine andere Klasse. Mal abwarten, ob das klappt.

Zurück zum Hausmeister Günter. Damit demnächst niemand ganz enttäuscht von dannen ziehen muss, wenn er einen Vierzeiler zu besagtem Facility Manager sucht, biete ich ihm und euch stattdessen nun ein neunzeiliges Lobgedicht auf das wunderbare Belek, das in naher Zukunft den Fußballer-Wallfahrtsbetrieb auf das ganze Jahr ausweiten möchte. Neben den Trainingsplätzen sind in diesem Jahr schon erste fliegende Händler aufgetaucht, die das heilige Belekgras, in Dosen abgepackt, den Fußballgläubigen verkaufen. Lourdes brauchte auch ein paar Jahre, bis es das wurde, was wir heute kennen.

Winterpausenlob

O Belek, in deutschkalten Wintern, du heilender Ort.
Wer deine so heiligen Rasen voll Glauben betritt,
dem fegst du die Hinrundenschuld und -fehler hinfort.

So viele gewannen durch dich ihren Glauben zurück.
Die Blinden erzielten die Tore  aus weiter Entfernung,
Die Lahmen erliefen sich Bälle und weinten vor Glück.

O Belek, wir werden dich immerzu  loben und preisen.
Du hilfst bei der Angst vor dem Abstieg und Meisterschaftssorgen.
O Belek, den Zweifelnden werden Siege im Spiel es beweisen.

Und mal ’n lyrischer Kommentar zu den Maierhofer-Gerüchten

Damals in Belek

Für St. M.

Denkst du noch oft an unser Jahr?
Wir hatten nur diese Zeit.
Vom ersten Spiel an war das klar.
Wie schnell wird was Vergangenheit?

Dein Tor in Köln, Pokal-Euphorie.
Du wolltest uns oft Glück erzwingen.
Damals in Belek dachten wir, nie
wird dir ein Sprint zum Ball misslingen.

Das Ausleihende, welch hässliches Wort.
Die warme Türkei half beim Verdrängen.
Kämst du zurück, du ging’st wieder fort.
Gehalt gehört zu den Sachzwängen.

Doch auch wir sind nicht allein geblieben.
Das scheitert, einfach weitermachen,
als sei noch alles übriggeblieben.
Denkst du denn auch an solche Sachen?

Tief seufzen mit Stefan Maierhofer

Was für ein Ortsname: Düdelingen. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Das klingt doch nach einem Vorort von Entenhausen, wo kleine Enten watschelnd Fußball spielen. Aber dort leben tatsächlich Menschen, Luxemburger sind es und Fußballer gibt es dort auch, diese Fußballer des Orts haben es gerade geschafft, RB Salzburg auch dieses Mal in der Qualifikation zur Champions League scheitern zu lassen.

Die Nachricht geht ja schon etwas durch die fußballinteressierte Welt, ruft entsprechenden Spott hervor und bei mir als Anhänger eines nicht so gut betuchten Vereins auch eine gewisse Zufriedenheit. Die europäischen Red-Bull-Konstrukte des Fußballs funktionieren nicht so, wie sie sollen. Das ist gar nicht das Geld, das mich dem entfremdet, sondern die umgedrehten Verhältnisse des Sporsponsorings. Das ist aber vielleicht auch nur Geschmackssache. In Leverkusen und Wolfsburg ist es ja im Grunde genommen genauso, nur mit längerer Tradition.

Wir wissen, bei RB Salzburg spielt nun der Ein-Jahres-Held vom MSV Duisburg Stefan Maierhofer, und auch er konnte sich dieses unbändigen Sogs des Versagens nicht entziehen. Folgende Szene ist wahrscheinlich sinnbildhaft für das ganze Spiel der österreichischen Mannschaft. Aus alter Verbundenheit mit Stefan Maierhofer seufze ich einmal mitleidig tief auf, und danach aber finde ich das Ergebnis völlig in Ordnung.

Warum auch immer, ich kriege den Clip hier heute nicht eingebunden. Nur der Link wird abgespeichert. Müsst ihr also weiterklicken zur TV-Konkurrenz gewordenen Clip-Seite.

Maierhofer gegen Rapid Wien – Hätti, wari, täti

Normalerweise lautet die Rollenverteilung ja meist: böser Verteidiger mit Knochen aus Stahl gegen guten Stürmer mit zerbrechlichem Körper. Es sei denn, der Stürmer heißt Stefan Maierhofer. Wer da als Gegenspieler versucht, den Ball zu erreichen, sollte zumindest einmal beim  FC Erzgebirge Aue mit seinen Kraftsportlern als Verteidiger gespielt haben. In Wien scheint das nicht der Fall gewesen zu sein. Und wenn man den 11 Freunde-Bericht liest zum Spiel von RB Salzburg bei Rapid Wien mit Stefan Maierhofer als einem der Hauptdarsteller dieser Begegnung, werden Erinnerungen an unglaubliche Sprintstrecken wach, die Stefan Maierhofer in Duisburg zurück gelegt hat. Dann denke ich aber auch an einige letzte schwere Schritte, als wir den Absprung zur Grätsche sahen, ich den Freund neben mir am Arm packte und hoffte, dass kein Spieler der anderen Mannschaft mehr an dem Ort sein würde, an dem Stefan Maierhofer anzukommen drohte. Ich denke an Kopfballsprünge, nach denen Verteidiger auf dem Boden lagen und weiß wieder, warum ich damals auch dachte, es gibt neben technischen Qualitäten gute andere Gründe, nicht gegen sondern mit Stefan Maierhofer in einer Mannschaft zu spielen.

Ich kann dann angstvolle Gegner verstehen, die zu Taktiken psychologischer Kriegsführung per SMS greifen, und genauso verstehe ich, warum die beiden beteiligten Fußballer nicht allzu viel darüber sagen wollen. Dafür sagt Stefan Maierhofer nach dem Spiel: »Fußball ist Männersport.«

Die Wiener Zuschauer fanden das gar nicht gut.

Der Grund ist weniger die Rempelei gegen den gegnerischen Torwart bei Minute bei 2`30 als die Bewegung des Maierhofer-Ellbogens bei Minute 3’50. Hätte der Schiedsrichter was gesehen, hätte es das klassische Maierhofer-Kopfball-Tor bei 5′ 50 nicht gegeben. Aber wie sagte Maierhofer ebenfalls nach dem Spiel in diesem für Duisburger nur schwer verständlichen Idiom: „Hätti, wari, täti“. Klingt nach finnisch, oder?

Meine Freude über die Julian-Koch-Rückkehr gibt es übrigens immer noch, mir fehlt nur die Muße, für sie Worte zu finden.

Keine Experimente

Aus der Zwischenlösung, Oliver Reck zum Trainer der Mannschaft des MSV Duisburg zu machen und ihm Uwe Schubert zur Unterstützung an die Seite zu stellen, wird etwas anderes, was noch nicht ganz ersichtlich ist. Auf jeden Fall können beide mit der Mannschaft nun erst einmal weiter arbeiten, und in Deutschland wird verkündet, Oliver Reck bleibt Cheftrainer beim MSV Duisburg. Auf der Seite des MSV Duisburg finde ich keine Nachricht über die Dauer dieses Vertrages. Bei  Der Westen wird vage formuliert, bis zur Winterpause solle Oliver Reck die Mannschaft stabilisieren.

Für mich sieht das so aus, als hätten die Verantwortlichen beim MSV Duisburg aus einer unangenehmen Situation das beste gemacht. In den zwei letzten Spielen wurde deutlich, die Mannschaft des MSV gewinnt spielerische Qualität zurück. Dennoch wird in so einer Situation Entscheidungsstärke gefordert. Für die Öffentlichkeit muss es den Anschein haben, als werde etwas entschieden. Lässt sich aber in solch einer komplexen Situation genau genug bewerten, um neue Führungskräfte im Verein zu integrieren? Sie müssten auf Anhieb etwas viel besser machen, als es im Moment geschieht. Realistisch betrachtet, müsste für so einen Trainer viel Geld ausgegeben werden. Für alle anderen Trainer gilt, eine Verpflichtung wäre mit Risiko verbunden gewesen. Sowohl was den sportlichen Erfolg angeht, als auch was die zeitliche Dauer angeht. Welcher namhafte Trainer käme für den Rest der Saison? Was angesichts der finanziellen Situation eine notwendige Vertragsdauer wäre. Denn was wäre, wenn auch diese Verpflichtung scheiterte?

Ich glaube zudem, Oliver Reck kennt den Kader so gut, dass er Stärken und Schwächen der einzelnen Spieler besser mit seinen Vorstellungen von einem Spiel in Einklang zu bringen weiß, als es Milan Sasic konnte. In Aachen haben wir das etwa mit Aufstellung von Benjamin Kern auf der linken Abwehrseite gesehen.  Kurzum, die Entscheidungen haben die Stimmung rund um den Verein beruhigt und die Aussichten auf Erfolg nicht verringert. Jetzt gilt es, die ersten Verbesserungen weiter im Blick zu haben, daraus Selbstvertrauen zu ziehen und im besten Fall im nächsten Spiel gegen Eintracht Braunschweig zu siegen.

Bis dahin können wir beim Abschiedsspiel von Ivo Grlic am nächsten Samstag ein wenig sentimental werden. Da lese ich bei Der Westen die Mannschaftsaufstellungen:

„Ivo & Friends“:  Ivo Grlic (1. Halbzeit), Ivica Banovic, Max Eberl, Manasseh Ishiaku, Ulf Kirsten, Ivan Klasnic, Oliver Kreuzer, Willi Landgraf, Klemen Lavric, Erik Meijer, Karlheinz Pflipsen, Oliver Reck, Hans Sarpei, Olaf Thon, Filip Trojan, Olivier Veigneau, Tobias Willi, Marino Biliskov, Serafino Luzzi. Trainer: Frank Engel.

MSV-Allstars: Ivica Grlic (2. Halbzeit), Aziz Ahanfouf, Sven Beuckert, Stefan Blank, Alexander Bugera, Bernard Dietz, Joachim Hopp, Mo Idrissou, Markus Kurth, Norbert Meier, Olcay Sahan, Tom Starke, Mihai Tararache, Christian Tiffert, Sandro Wagner, Carsten Wolters, Stefan Maierhofer. Trainer: Heiko Scholz.


Wenn ich diese Namen lese, durchlebe ich in wenigen Sekunden nahezu ein ganzes Fanleben. Mit Bernard Dietz ist sogar fast die erste Spielergeneration meines Lebens mit dem MSV auf dem Platz dabei, und wenn ich den Namen Stefan Maierhofer lese, werden bis hin zur jüngsten Vergangenheit Erinnerungen wach. Das fühlt sich heute Morgen ganz merkwürdig an, wenn sich bei diesem Lesen nur noch die guten Erinnerungen der Vergangenheit über diese gegenwärtige Mischung aus Hoffnung und Sorgen rund um den MSV Duisburg schieben. Das fühlt sich groß an, ohne dass ich es genauer fassen kann. Da muss ich schlucken. Diese Namen zu lesen ist schön und macht gleichzeitig auch wehmütig.


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