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Saisonvorbereitung VI – 3. Liga: Bloggen, Podcast

Als der Abstieg des MSV Duisburg feststand, tröstete mich auch der Gedanke an das Auswärtsspiel der nun schon bald beginnenden Drittliga-Saison gegen den SC Paderborn. Auswärtsspiele dort in Paderborn enden für den MSV Duisburg kaum mal mit einer Niederlage, oft gibt es Siege. Diese Wahrscheinlichkeit half beim Blick in die Zukunft. Hinfallen, das kann immer passieren. Man muss nur wieder aufstehen, und dann ist es gut, wenn einem ein Krückstock gereicht wird, auf dem sich erst einmal aufstützen lässt.

Doch nicht nur die Auswärts-Bilanz gegen den SC Paderborn tröstete mich.  Erfahrungsgemäß dünnt sich ja die Blogger-Präsenz desto mehr aus, je weiter es in den Ligen nach unten geht. Der SC Paderborn aber wird ausdauernd und intensiv von Blog und dem inklusiven Podcast Schwarz und Blau – SC Paderborn 07 Blog begleitet. In dem Fall wird also das höherklassige Social-Media Niveau gehalten. Ich begann mich an die Dritte Liga wieder zu gewöhnen.

Zumal wir dort auch dem 1. FC Magdeburg begegnen, einem Verein mit einer großen und sehr aktiven Fanbasis. Der sehr gute Blog Nur der FCM! begleitet den Verein und bietet ebenfalls einen Podcast inklusiv. Schon früh ist bei Nur der FCM! die Grundlagenarbeit für einen Text wie meinen heute erledigt worden. „Social Media“ hieß es dort, und wer weiterklickt, findet für jeden Verein – so weit vorhanden – nicht nur Blogger sondern auch eine Twitter-Empfehlung sowie den Facebook- und Twitter-Link zu den Vereinen. Falls über einen Verein von einzelnen nicht gebloggt wird, gibt es alternativ den Hinweis auf Fanforen oder von Fans verantworteten Web-Seiten.

Auf alte Bekannte treffen wir auch. Über den SV Wehen Wiesbaden wird im Stehblog  geschrieben. Rot-Weiß Erfurt wird von stellungsfehler.de im Blick behalten. Zu Holstein Kiel oder, wie der Verein offiziell heißt, dem Kieler SV Holstein von 1900 haben Calcio Culinaria Kiel einiges zu sagen. Zudem gibt es einen Podcast zum Verein sogar mit einer eigenen Seite: 1912FM – Der Holstein Kiel Podcast.

Mehr individuelle Stimmen zu Drittligavereinen habe ich nicht mehr gefunden. Wie immer nehme ich eure Hinweise hier gerne auf.

Geschah das etwa auch in dieser Saison?

Die Saison mündet in die Vorfreude auf ein Endspiel um Platz 2 in der Dritten Liga. Der eine malt sich schon aus, wie er einen Sieg genießen würde. Der andere spürt nur die Aufregung vor dem Spiel. Und wieder ein anderer weiß nicht, wie er die Zeit bis zum Anpfiff morgen um 13.30 Uhr rumbringen soll. Vergessen ist jeder Zweifel in dieser Saison. Lese ich manchen meiner Sätze aus dem letzten Jahr nach kann ich kaum glauben, dass ich damit etwas beschreibe, was in derselben Saison dieses Endspiels um Platz 2 stattgefunden hat.

Wenn ich genauer nachdenke, kann ich mich natürlich erinnern, aber Freude und Begeisterung über die Siege der letzten Wochen haben die Enttäuschungen dieser Saison vollkommen ins Dunkel gestellt. Vor dem letzten Spiel der Hinrunde gegen den SV Wehen Wiesbaden habe ich zum Beispiel in einem Interview mit dem Wiesbadener  Stehblog etwas gesagt, was mir erst zeigt, Kingsley Onuegbu muss 2014 oft nicht gut gespielt haben. War da was? In wieviel Spielen stand er nicht mehr in der Anfangsformation? Mutig sagte ich: „Tatsächlich glaube ich nicht, dass Onuegbu so bald wieder regelmäßig spielt. Kevin Scheidhauer hat ihn erst einmal verdrängt.“ Meine Hoffnung auf den Aufstieg stärkte ich in diesen durchwachsenen Wintertagen mit Statistiken zur Hinrundenplatzierung der späteren Aufstiegsvereine. Alleine die Leistung der Mannschaft langte zur Zuversicht nicht.

Man muss sich auch noch einmal  an die Pfiffe nach der ersten Halbzeit – in welchem Heimspiel noch einmal? – erinnern.  Um von dieser Saison einen genauen Eindruck zu erhalten, wäre es auch gut, sich die Stimmungsschwankungen unter uns Anhängern genau anzusehen. Es gehört nämlich mit zu den sehr guten Leistungen dieser Saison, wie Ivo Grlic mit der Stimmung unter den Anhängern umgegangen ist. Zur rechten Zeit trat er mit Interviews und Stellungnahmen an die Öffentlichkeit, um den Druck auf Trainer und Mannschaft zu kanalisieren.

Wir müssen uns nur einmal daran erinnern, dass in der letzten Saison von den Vereinsverantwortlichen auf der Verwaltungsseite die Losung ausgegeben war: Diese erste Saison in der 3. Liga brauchen wir zu Konsolidierung. In der nächsten Saison zielen wir auf den Aufstieg. Das wurde schnell zu der Aussage, wir werden aufsteigen müssen. Nun kam mit Gino Lettieri ein neuer Trainer, und diese Botschaft hat entschärft werden müssen. Das geschah recht unauffällig und elegant.

Ivo Grlic und Gino Lettieri haben das Ziel Aufstieg nicht abgestritten. Sie haben es aber zunächst nicht in den Vordergrund gerückt. Im Zusammenspiel beider konnte Gino Lettieri zu Beginn der Saison sogar ganz zurückhaltend sein. Er konnte darüber nicht sprechen wollen. Danach blieb das Thema Aufstieg auf Seiten der beiden sportlich Verantwortlichen lange Zeit recht vage. Gleichzeitig kam auf der Jahreshauptversammlung von Seiten der Verwaltung die Losung, die Mannschaft muss noch nicht aufsteigen, doch in der nächsten Saison würde es schwieriger, die gegenwärtige Unternehmensstruktur des MSV Duisburg aufrecht zu erhalten. Aus dem unbedingten Zwang zum Aufstieg in dieser Saison wurde ein weicheres „Es-wäre-besser-wenn“. Wir sehen daran, wie genau in dieser Saison die Mosaikstücke zusammenpassten, wie wichtig es war, dass auf Vereinsseite immer wieder dasselbe kommuniziert wurde und dabei unterschiedliche Gewichtungen der Wirklichkeit vorgenommen werden konnten. Dieser Umgang mit der öffentlichen Stimmung war sehr gelungen. Der Druck auf die Mannschaft konnte reguliert werden, ohne den Ernst der Lage zu beschönigen.

Gelingen konnte das letztlich nur, weil die Mannschaft den Kontakt zu den Aufstiegsplätzen gehalten hat. Auf Niederlagen folgten Siege. Gino Lettieri hat dieses unbeirrte Zurückkommen im Vorbericht als eine Stärke der Mannschaft hervorgehoben. Hoffen wir darauf, dass diese Stärke für den Rest der Saison gar nicht mehr gezeigt werden muss und dass Enttäuschungen tatsächlich nur Vergangenheit bleiben.

Gino Lettieri kennenlernen

Nun ist er also doch der neue Trainer des MSV Duisburg geworden: Gino Lettieri. Nur wenige Fußballinteressierte in Duisburg interessierten sich für ihn vor der ersten Meldung zu seiner Verpflichtung, Anfang Mai. Ivo Grlic gehörte zwangsläufig dazu. Doch wer auch immer sonst noch zu ihm eine begründete Meinung hat, ich habe sie noch nicht gehört oder gelesen. Für die meisten Anhänger des MSV, wie auch für mich, ist er ein unbeschriebenes Blatt. Eckdaten zu seiner Person lese ich zwar bei Wikipedia, doch eigentlich müssen wir uns erst richtig kennenlernen, Gino Lettieri und ich.

In den ersten Artikeln zu seiner Verpflichtung, wie etwa bei WAZ/NRZ, lese ich die Erzählungen, wie es zur Verpflichtung kam, begleitet von Worten Gino Lettieris, die eine Art kurze Regierungserklärung sind. „Intensive Maloche“ möchte er mit „taktischer Disziplin“  und „Spaß am Beruf“ verbinden. Geschickt richtet er sich also an Spieler und Zuschauer gleichermaßen, wenn auch mit gängigen Absichten. Der Vorsatz hart zu arbeiten und das auch während des Spiels sichtbar werden lassen, das gefällt nicht nur auf den Rängen in Duisburg. Wahrscheinlich ist ihm aber nicht bewusst, dass die „taktische Disziplin“  auf den Rängen in Duisburg nur geschätzt wird, wenn Erwartungen erfüllt werden. Hoffen wir das Beste. Alles andere ist beim Kennenlernen nicht gefragt.

Interessant ist in so einem Moment ja der Blick auf eine der längeren Beziehungen desjenigen, der uns neu begegnet. In dem Fall müsssen wir uns den SV Wehen-Wiesbaden ansehen und die Höhen und Tiefen, durch die Gino Lettieri mit dem Verein gegangen ist. Dort wurde er im Laufe der Saison 2009/2010 verpflichtet, um den drohenden Abstieg zu verhindern. In der folgenden Saison führte er die Mannschaft in die obere Tabellenregion. Letztlich erreichte der SV Wehen-Wiesbaden den 4. Tabellenplatz, was zum Signal für die dritte Saison wurde. Das Ziel hieß Aufstieg, was Gino Lettieri nun ja auch in Duisburg als Vorgabe erhält.

Viele O-Töne von Gino Lettieri habe ich im Netz bislang nicht gefunden. Was zu sehen ist, wirkt dennoch aufschlussreich. In einer Pressekonferenz aus der zweiten Saison von Gino Lettieri beim SV Wehen-Wiesbaden wird mit der Standardkommentierung des Fußballspiels weniger das Fußballwissen von Gino Lettieri erkennbar. Dafür erhalten wir einen sehr klaren Blick auf einen Teil seiner Persönlichkeit. Ab Minute 9.44 wird sichtbar, Gino Lettieri nimmt die Dinge in die Hand, wenn ihm etwas auf der Seele brennt. Eigentlich hatte er alle Fragen beantwortet, das Mikro war schon fast wieder in der Hand des PK-Moderators, als Gino Lettieri noch etwas einfällt. Ihm geht es dann um die Situation der Fußballvereine in dieser Region Bayerns, die seiner Meinung nach zu wenig Unterstützung vor Ort erhalten. Zu erleben ist ein Mann direkter Worte, klar in der Meinung und kantig in der Argumentation. Das Klima wurde etwas rauer.

Dieser Eindruck verstärkt sich mit der Pressekonferenz nach dem Spiel vom SV Wehen-Wiesbaden beim SV Babelsberg 03 am 3. Dezember 2011, das 3:2 verloren ging. Wiederum erweist er sich als Mann direkter Worte, die hart wirken und mit denen er Fehler seiner Spieler klar benennt.

Die Pressekonferenz gehört in jene Saison, in der für den SV Wehen-Wiesbaden das Ziel der Aufstieg war. Schon nach wenigen Spieltagen wurde dieses Ziel im Blog, das vornehmlich dem SV Wehen-Wiesbaden gilt, dem überaus lesenwerten  Stehblog, als fraglich angesehen. Im weiteren Verlauf ging es dann eher darum, den Abstand zu den Abstiegsrängen groß genug zu halten. Wenn Vorgaben nicht eingehalten werden, folgt erst die Krise und schließlich die Entlassung. Wie das durchlebt und durchlitten wurde, lässt sich wiederum im Stehblog mit jedem Beitrag zurück ins Archiv nachlesen. Zufrieden klingt anders, und manche dieser urteilenden Worte über Gino Lettieris Kommentare zur Spielweise des SV Wehen-Wiesbaden erinnern mich sehr an ähnliche Kommentare, die ich die letzte Saison über Karsten Baumann lesen konnte. Deutlich wird in diesen zuletzt sehr kritischen Texten Gino Letterie gegenüber aber noch einmal, dieser Trainer gehört zu den kantigen Typen, die polarisieren.

Hoffen wir darauf, dass der SV Wehen-Wiesbaden nur die Generalprobe einer Aufstiegsmission für Gino Lettieri gewesen ist. Und wenn die so richtig schief geht, so wissen wir, wird die Premiere auf besonders begeisternde Weise gelingen. Auf geht´s zur Premierensaison 2014/2015! Über das Geld als Voraussetzung von allem Gelingen will ich heute hier nicht sprechen.

 

 

 


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