Posts Tagged 'SV Darmstadt 98'

Verdienter Sieg heißt, die Statistik angemessen deuten

Nach dem Spiel stand vielen Anhängern des MSV im Stadionbus die Erschöpfung im Gesicht geschrieben. Müde und wissend lächelten wir uns zu. Was hatte der MSV Duisburg uns wieder einmal abverlangt. Bis zur 70. Minute gestalteten die Zebras das Spiel sicher. Mit 3:0 waren sie in Führung gegangen. Dreimal hatten wir schnelle Spielzüge gesehen, bei denen sich Torgefahr kontinuierlich aufbaute. Wir hatten drei verschiedene Grundsitutationen gesehen von Tempoaufnahme beim Aufbau im Mittelfeld vor dem 1:0 über das Flügelspiel mit Flanke beim 2:0 bis zum rasanten Konter beim 3:0. Die Mannschaft hatte die Grundsituationen jeweils so aufgelöst, dass man das Entstehen eines Tores als Erkennen und Verwirklichen einer Spielzugsidee idealtypisch mitverfolgen konnte.

Wir wussten natürlich, dass ein 3:0 in Duisburg in der 70. Minute noch lange nicht den Sieg bedeutet. Deshalb wäre das 4:0 von Ahmet Engin so wichtig gewesen. Wenn er seinen Alleingang aufs Darmstädter Tor nach dem Abspielfehler der Darmstädter im Mittelfeld hätte für ein Tor nutzen können, wären wir entspannt gewesen. Er schoss vorbei und dann fiel das erste Darmstädter Tor in der 73. Minute. Der Druck des Gastes nahm zu. Unsere Blicke fielen immer öfter auf die Spieluhr und dennoch ist mein Zeitempfinden ab der 80. Minute komplett aus den Fugen geraten.

Gestern morgen habe ich einen Spielbericht gelesen und konnte es nicht glauben, dass das zweite Tor der Darmstädter erst in der 88. Minute gefallen ist. Das muss doch in der in der 82. oder 83. Minute gewesen sein, dachte ich. Ich konnte es nicht glauben, weil ich es in der 89. Minute auf meinem Stehplatz nicht mehr ausgehalten habe. Ich wollte hoch zu den Toiletten, nichts mehr sehen, nichts mehr hören, nur das Ergebnis wollte ich noch wissen. Eine Minute nur war nach diesem Tor vergangen, ehe ich losmarschierte. Mir kommt diese Zeit, die ich mir das Spiel nach dem Tor ansah, immer noch so viel länger vor.

Als ich die Treppe hoch gelaufen war, sah ich die 90 auf der Anzeigetafel. Der Abpfiff schien nahe. Also kehrte ich zurück und sah zu meinem Entsetzen vier Minuten Nachspielzeit. Was für ein Zittern bis zum Schlusspfiff. Was für eine Achterbahn der Gefühle. Welch Erleichterung über einen Freistoß auf dem linken Flügel in der Nachspielzeit. Welche Fassungslosigkeit, dass selbst dieser Freistoß nicht wenigstens in kurzzeitigen Ballbesitz mündete. Er führte zum sofortigen Abseitspfiff nach der Freistoßausführung und dem Pass über fünf Meter vielleicht. Diese Nachspielzeit war eine Tortur.

Verzweifelt versuchten wir auf den Rängen Einfluss zu nehmen. Verzweifelt wollten auch wir mit unseren Mitteln, den Ball vom Duisburger Strafraum weghalten. Das Stadion stand hinter der Mannschaft. Doch ununterbrochen schafften es die Darmstädter in Strafraumnähe oder flankten sogar noch in den Strafraum hinein. Die Zebras warfen sich in Schüsse. Sie kämpften, sprangen und köpften. Es hieß alles oder nichts. Ein Unentschieden wäre der Abstieg gewesen. Da bin ich sicher. Entlastung gab es im Grunde nicht mehr. Entlastung brachte erst der Schlusspfiff.

Ich war nicht der einzige Anhänger des MSV, dem die Hoffnung auf den Klassenerhalt abhanden gekommen war. Nicht einmal an die helfende Kraft des Tabellenrechners glaubte ich nach der Niederlage in Bochum. Diesen Tabellenrechner werde ich demnächst wohl dann mal zu Rate ziehen.

Im Spiel des MSV gab es bis zur 70. Minute kaum Zufälliges. Es war gut strukturiert. Die Mannschaft wirkte stabil. Über die Leistungen der einzelnen Spieler wurde schon genug geschrieben. Interessant ist die unterschiedliche Wertung des Spiels durch die beiden Trainer und in der Folge auch durch den Sportjournalisten vom Kicker. Er gehörte zu den Stirnrunzlern dieser Welt, nachdem Thorsten Lieberknecht auf der Pressekonferenz von einem „verdienten Sieg“ sprach. Thorsten Lieberknecht tat gut daran, das so zu betonen. Denn Darmstadts Trainer Dirk Schuster hatte zuvor offensichtlich Mühe, die Niederlage seiner Mannschaft zu akzeptieren.

Ich sehe geradezu, wie der Kollege vom Kicker nach der Pressekonferenz Dirk Schuster tröstend in den Arm nahm. Gemeinsam haben sie sich dann noch einmal die Statistik angeschaut. Tränen stiegen in ihre Augen, und ich meine sogar, man hörte sie leise in den Katakomben der Arena das alte Klagelied singen:

Welch Unglück des Lebens!
Welch Trauer im Herzen!
Dunkel die Tage nach mehr Ballbesitz.
Das können wir nie verschmerzen.
Mehr Ecken hatten wir
und Abschlussüberzahl.
Der Fußballgott schickt uns nur Qual.
Verlassen von dem Fußballgott
trotz bester Werte der Statistik.
Oh, Fußballgott, warum?!

Nun, wir kennen diese alte Leier auch nach Spielen des MSV unter Ilia Gruev. Warum hatte der MSV solche Spiele mit guten statistischen Werten in der Offensive nicht gewonnen? Aus demselben Grund, warum auch Darmstadt das Spiel nicht gewonnen hat. Einen Grund, den der Sportjournalist kurioserweise sogar in seinem Artikel erwähnt. Offensichtlich ignoriert er diesen Grund bei der Leistungsbewertung des Darmstädter Spiels. Der letzte Pass der Darmstädter kam zumindest bis zur 70 Minute nur selten gefährlich in den Strafraum. Das hat etwas mit der funktionerenden Defensive des Gegners zu tun bei gleichzeitiger unzulänglicher Ballverwertung der eigenen Mannschaft. Das ist auf der Seite des Gegners Taktik, die aufgeht, und auf der anderen Seite sind das Fehler der eigenen Mannschaft. Mit einer Statistik ist es oft nicht einfach. Meist muss sie gedeutet werden, und meine Deutung entspricht dann doch der von Thorsten Lieberknecht.

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Hadaf General Service, hilf!

Muss ich tatsächlich ernst nehmen, was Freitag von mir noch als Scherz gedacht war? In Leipzig auf der Eisenbahnstraße befindet sich die General Service Agentur Hadaf. Hadaf ist ein Dienstleister der besonderen Art. Im ersten Moment sieht es an seiner Tür so aus, als gäbe es bei Hadaf für jede Nachfrage der Welt eine passende Hilfe. Vielleicht weiß man dort, wie nach einem Rückstand Versagensangst gar nicht erst entsteht. Vielleicht weiß man dort, wie Risikobereitschaft nicht zugleich zur Defensivschwäche führt. Vielleicht weiß man dort, wie durch kontrolliertes Spiel Druck aufgebaut wird.

Mir hilft es heute, keine Zeit zu haben. So muss ich die 3:0-Niederlage des MSV Duisburg in Darmstadt mir nicht noch einmal lebendig vor Augen führen. Ich bin ohnehin ratlos. Einer ersten Halbzeit mit ausgeglichenem Spiel und Chancen auf beiden Seiten folgt eine zweite Halbzeit, in der der Rückstand wie ein Betäubungsmittel auf den MSV wirkte. Ist die Mannschaft nicht sicher, was sie kann? Oder verspüren die Spieler einen Druck, den es in der letzten Saison für sie nicht gegeben hat. Den Druck erfolgreicher zu sein als in der letzten Saison? Aber den Druck, nicht abzusteigen, hat es doch auch gegeben. Wieso hat der Rückstand die Spieler derart irritiert? Oder ist diese Wahrnehmung falsch, weil die Zeit bis zum zweiten Tor so kurz war, und erst das zweite Tor die Mannschaft sich in das Schicksal der Niederlage hat fügen lassen? Wie gesagt, ich bin ratlos und habe wenig Zeit.

Ich habe wenig Zeit, weil ich um 18 Uhr in Ruhrort, Fabrikstraße 4, das Programm zur heutigen Hofkultur gestalte. Ganz in alter Arbeiterkultur-Tradition will ich unterhalten und zugleich bilden. An die Alltagswelt von Bergleuten und ihren Familien werde ich erinnern. Diese Alltagswelt findet sich in Romanen über das Ruhrgebiet. In Romanen von Erik Reger über Max von der Grün bis Wolfgang Welt. Stellen lesen ist das. Der eine oder andere von euch kennt das vielleicht aus anregender anderer Literatur. Akkordeonmusik dazu. Und fertig ist das Programm, wenn ich es denn fertig habe. Ich mache mal. Hilft von Niederlagen abzulenken.

Probleme? Kommen Sie zu General Services

Nicht, dass ich dem Spiel des MSV gegen Darmstadt 98 sorgenvoll entgegen sehe. Mit einem Unentschieden wäre ich tatsächlich zufrieden. Sicherheit auch in der Liga gewinnen, das ist für mich das Ziel. Die Sicherheit, dass es sich lohnt, so zu spielen, wie Ilia Gruev es plant. Ein Sieg würde natürlich mehr Freude machen. So wird es vielen von euch gehen. Aber sicher ist im Leben nichts, und vielleicht fehlt im Sturm immer noch die entscheidende Sicherheit in den wenigen Sekunden Freiraum für den Abschluss. Vielleicht kommt Pech hinzu, noch einmal ein Schiedsrichter, der Einfluss nimmt, und dann sollten wir Ruhe bewahren. Denn dann gibt es immer noch die General Services Hadaf in Leipzig. Dort scheinen die meisten Probleme des Lebens gelöst zu werden.

Zebras stehen auf und bleiben standhaft

Foto: Zebras stehen auf

Gestern war ich schon auf dem Weg in den Straßenkarneval, als mir noch die Reviersport-Meldung über den Angriff von Rechtsradikalen auf die MSV-Fans rund um Zebras stehen auf in die Facebook-Timeline gespielt wurde. Anlass für die gewaltsame Auseinandersetzung war ein Banner von Zebras stehen aufDie Faninitiative hat zu dem Vorfall eine Stellungnahme veröffentlicht. Der MSV Duisburg hat bereits reagiert und klare Kante gezeigt.  Sechs Hausverbote für das Stadion sind bereits ausgesprochen. Außerdem sagt Geschäftsführer Peter Monhaupt im Namen der Gremien, der Mannschaft und der Fans: „Der MSV Duisburg steht für Vielfalt und für Integration. Wir sind offen für alle Menschen, Kulturen und Religionen.“

Die Faninitiative Zebras stehen auf engagiert sich für ein Stadion ohne Rassismus und Diskriminierung. Mit dem Vorfall in Darmstadt sehen wir: Es gibt weiterhin Menschen, die zum MSV gehen und andere Anhänger wegen ihres Engagements für eine lebenswerte Gesellschaft mit Gewalt einschüchtern wollen. Auch wenn in Berichterstattung und Reaktion des MSV klar die Aggressoren benannt werden, möchte ich in diesen Räumen auch noch etwas zu dem Geschehen schreiben.

Denn so ein Vorfall braucht eine breite Öffentlichkeit. Einmal mehr wird deutlich, dass das Stadion entgegen allen Wünschens kein politikfreier Raum ist. Vor längerer Zeit habe ich das schon einmal ausführlich begründet. Damals kam es zu Übergriffen auf die Kohorte, und in der danach entstandenen Diskussion zwischen Fans vermischten sich die Argumente. Aus unterschiedlichen Gründen wurde der Kohorte oftmals eine Mitverantwortung für den Überfall auf sie gegeben.

Beim Vorfall vom letzten Sonntag ist diese als Entlastung wirkende Schuldzuweisung nicht möglich. Zebras stehen auf sind als Gruppe in ihrem Handeln nicht umstritten. Das Banner von Zebras stehen auf  hat eine klare Botschaft, die auch für den unpolitischsten Stadiongänger gilt. Denn was wir als erstes wahrnehmen, bestimmt mit, ob wir uns in der Öffentlichkeit sicher fühlen können. Ein Stadion mit einem solchen Banner ist ein sicherer Ort. Denn in einem Stadion ohne rassistische und diskriminierende Meinungen braucht sich niemand bedroht fühlen. So ein Stadion ist ein tolerantes Stadion.

Doch keine Toleranz den Feinden der Toleranz. Wer dieses Banner vom Zaun reißt, möchte das Stadion zu seinem Hoheitsgebiet machen. Das sind keine Spielereien unter Fans. In dem Fall geht es um Herrschaft über das, was öffentlich sichtbar sein kann. Es geht um Einflussnahme in der Kurve. Das ist Politik. Im Stadion kann es nur dann alleine um den Sport gehen, wenn wir bei so einem Vorfall politisch reden. Das Handeln können wir dem MSV Duisburg überlassen. Aber geredet wird in der Sprache der Politik: Rechtsextremismus muss als solcher benannt werden. Was in Darmstadt geschehen ist, war Gewalt von Rechtsextremisten.

Spieltagslyrik – So schnell geworden ist der Fußball heute

 

So schnell geworden ist der Fußball heute.
Ein Schnee kriegt niemals mehr noch Zeit zum liegen.
Da schneit es. Schon umringen ihn knapp fünfzig Leute,
um ihn ins Aus zu schieben für das Siegen.

Im Aus ist Einfluss auf das Spiel erstickt.
Die Spieler kämpfen standfest um den Ball.
Und wenn dann Engin freien Raum erblickt,
zieht er hinein und rutscht auf keinen Fall.

Vom Strafraumrand schießt er ins Tor.
Der Schnee sieht hilflos zu und möchte fluchen,
weil er den Zugriff auf das Spiel verlor.
Die Lilien aber finden ihn mit Suchen.

Der Ausgleich fällt bald. Alles wieder offen.
Man sieht in zweiter Halbzeit zunächst nicht,
dass eine Mannschaft stärker ist. Sie hoffen
beide auf die Spielaktionen mit Gewicht.

Ein kleiner Vorteil durch das Chancenplus
für Zebras, auch wenn’s Tor auf beiden Seiten
fast schon fällt. Doch erst nach Freistoß kurz vor Schluss
kommt es zu Stürmertorgefährlichkeiten.

Dem Lilien-Spieler-Schubs zur Schiri-Brust
folgt Wolzes Freistoß in den Strafraum.
Gewühl, dann schneelos rutschend, ganz bewusst
drückt Iljutcenko ein. Zum Sieg. Kein Traum.

 

 

Das neue alte Stadiongefühl beim MSV

Auch drei Tage nach der 2:1-Niederlage des MSV Duisburg gegen Darmstadt 98 kitzelt noch die Enttäuschung über das späte Tor der Darmstädter. Die Enttäuschung hält an wie ein anderes Gefühl, dem ich schon Jahre nicht mehr bei einem Spiel des MSV begegnet bin. Ein wenig misstrauisch beäuge ich dieses andere Gefühl. Es geht nämlich darum, wie ich durch dieses Spiel gegangen bin. Es geht dabei um meine Grundhaltung, die zu dieser Saison entstanden ist und die mir nach dem Spiel erst bewusst wurde. Wer jahrelang zum MSV geht, weiß, dass wir auf den Rängen immer mit allem rechnen müssen, nur nicht mit Normalität. Darum geht es.

Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal im Stadion war, dort ein derart spannendes Spiel gesehen habe und ich mir keinen Gedanken über dieses Spiel hinaus gemacht habe. Ich habe nicht an Abstieg verhindern gedacht oder an die Chance auf den Aufstieg. Ich war in diesem Stadion und war Anhänger des MSV als einem etablierten Zweitligisten, der am Ende der Saison im Mittelfeld landen wird, der die Aufstiegsaspiranten jederzeit schlagen kann, der unglückliche Niederlagen gegen gleich starke Mannschaften hinnehmen wird und immer einen sicheren Abstand zu den Abstiegsplätzen halten wird.

Am Freitagabend standen zwei Mannschaften auf dem Platz, die beide den Sieg wollten. Der MSV war der chancenreiche Underdog und zeigte den Darmstädtern Grenzen auf. Bei den Darmstädtern gab es Spieler, die als Einzelspieler denen des MSV leicht überlegen waren. Das waren nur wenige, aber sie machten den Unterschied in den letzten Minuten aus mit der Folge des Siegtreffers. Demgegenüber fiel das Ausgleichstor der Darmstädter als Folge der mannschaftlichen Stärke. Es war eine Art Lehrgeld, denn dieses Ausgleichstor wurde absehbar, weil es dem MSV nicht gelang, den entstehenden Druck der Darmstädter zu mindern. Die Mannschaft wollte nach jedem abgefangenen Angriff der Darmstädter weiter spielerisch aus der eigenen Hälfte heraus kommen. Wenn das aber viermal in der eigenen Hälfte scheitert, muss der Ball auch mal planlos nach vorne geschlagen werden. Nur dann kann sich die Defensive so organisieren, dass der spielerische Aufbau bei der nächsten Balleroberung wieder gelingt. Dieses Ausgleichstor war Lehrgeld.

Das Spiel war bis dahin ausgeglichen gewesen. Schon vor dem Führungstor durch Moritz Stoppelkamp hatte es auf beiden Seiten erste Chancen gegeben. Beim MSV war Cauli Souza einmal steil in den Strafraum geschickt worden und konnte dort nach artistischer Ballmitnahme nur unpräzise abschließen. Bei Darmstadt erhielt Kevin Großkreutz im Fünfmeterraum nach einem Flankenlauf den Ball und übergab ihn wie bei einem Rückpass Mark Flekken.

Nach dem Ausgleichstor war das Spiel wieder offen. Klare Chancen ergaben sich weder vor der Halbzeitpause noch danach. Dennoch verringerte sich der Offensivdrang beider Mannschaften nicht. Erst Mitte der zweiten Halbzeit wurde es auf beiden Seiten wieder torgefährlich. Der eingewechselte Stanislav Iljutcenko hatte sich bei Kevin Großkreutz abgeschaut, wie man im Fünfmeterraum frei steht und den Ball nicht verarbeiten kann. Sicher, die Flanke von Moritz Stoppelkamp kam zu hoch um zu schießen und zu flach zum köpfen. Am liebsten hätte ich Iljutcenko mitsamt dem in der Körpermitte festgeklemmten Ball ins Tor geschoben. Es sollte nicht sein.

Als der MSV die Führung verpasste, wurde es immer deutlicher, das Unentschieden zu halten würde schwierig werden. Auch wenn die Zebras weiter ihre Chance in der Offensive suchten, spielten die Darmstädter etwas präziser. Ihre Offensivaktionen strahlten mehr Gefahr aus. Die erste große Chance zur Führung ergab sich für den Gast durch einen Elfmeter. Mark Flekken hielt diesen harten Schuss von Tobias Kempe sensationell. Doch die Freude hielt nur kurz. Der Unterschied zwischen beiden Mannschaften war nicht groß in diesen letzten Minuten, aber groß genug, damit Yannick Stark in der 88. Minute den Siegtreffer für die Darmstädter erzielen konnte.

In der Bewertung dieses Spiels gibt es kaum Meinungsverschiedenheiten. Wieder hat der MSV eine sehr gute Leistung gezeigt, bei der in der Offensive vor allem Moritz Stoppelkamp und Cauly Souza im Blickpunkt standen. Simon Brandstetter rieb sich im Sturmzentrum auf. Die Defensive steht grundsätzlich gut. Die Anlage des Spiels ist erfolgsversprechend. Ob meine Haltung der Normalität angemessen ist, wird sich daran erweisen müssen, wie die Mannschaft mit der Enttäuschung umgeht. Diese Mannschaft muss lernen, dass sie trotz sehr guten Spiels nicht unbedingt gewinnt. Das wird schwer werden, denn der Einsatz dieser Mannschaft ist sehr groß. Wenn dann der Ertrag in der Selbstwahrnehmung nicht stimmt, wird es schwierig, diesen Einsatz weiter aufrecht zu halten. Deshalb war der Sieg in Heidenheim sehr wichtig. Diese Belohnung gilt es im Kopf zu behalten, dann werde ich meine Zweitliganormalität immer weniger kritisch beäugen.

Niemals gewinnen gegen den MSV – Daniel Heuer Fernandes, ein Torwartschicksal

Daniel Heuer Fernandes kommt aus Bochum, ist die Nummer 1 bei Darmstadt 98 und hat sich mit einem Journalisten des Darmstädter Echos zum Miniporträt getroffen, bei dem zugleich ein Blick auf das Spiel der Darmstädter heute Abend in Duisburg geworfen wurde. Der Journalist war gut vorbereitet. Er hatte sich die Spielstatistik des Torwarts angesehen. Mit ihr erfuhr er, der Junge aus dem Pott spielt nicht zum ersten Mal gegen den MSV. Fünfmal hat Daniel Heuer Fernandes schon gegen Mannschaften des MSV gespielt und noch nie gewonnen.

Nun soll er ab Minute 3.25 beantworten, warum das heute Abend anders werden wird. Wer allerdings so antwortet wie Daniel Heuer Fernandes, wird die Folgen später spüren. Ernsthaft kann man diese Antwort nicht nennen. Auch wenn der Grund für sein Lachen die Störung durch einen ins Interview platzenden Kollegen ist, bleibt das Lachen über die eigene Hoffnung auf den Sieg. Die Psyche geht ihre eigene Wege, und dieses Lachen über den eigenen Siegeswillen wird sich heute Abend bemerkbar machen.

Noch ernsthafter begründet Darmstadts Trainer Torsten Frings die Chancen des MSV. Er sieht seine Mannschaft auf keinen Fall als Topfavorit des Spiels. Nur ein Prozent weniger Leistung und schon kannst du ein Spiel nicht mehr gewinnen. So ist das in der 2. Liga. Wir stimmen ein in den Chor aller Trainer: „Zweite Liga, du bist so ausgeglichen, Zweite Liga, nie weiß man, wer gewinnt“.


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