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Das neue alte Stadiongefühl beim MSV

Auch drei Tage nach der 2:1-Niederlage des MSV Duisburg gegen Darmstadt 98 kitzelt noch die Enttäuschung über das späte Tor der Darmstädter. Die Enttäuschung hält an wie ein anderes Gefühl, dem ich schon Jahre nicht mehr bei einem Spiel des MSV begegnet bin. Ein wenig misstrauisch beäuge ich dieses andere Gefühl. Es geht nämlich darum, wie ich durch dieses Spiel gegangen bin. Es geht dabei um meine Grundhaltung, die zu dieser Saison entstanden ist und die mir nach dem Spiel erst bewusst wurde. Wer jahrelang zum MSV geht, weiß, dass wir auf den Rängen immer mit allem rechnen müssen, nur nicht mit Normalität. Darum geht es.

Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal im Stadion war, dort ein derart spannendes Spiel gesehen habe und ich mir keinen Gedanken über dieses Spiel hinaus gemacht habe. Ich habe nicht an Abstieg verhindern gedacht oder an die Chance auf den Aufstieg. Ich war in diesem Stadion und war Anhänger des MSV als einem etablierten Zweitligisten, der am Ende der Saison im Mittelfeld landen wird, der die Aufstiegsaspiranten jederzeit schlagen kann, der unglückliche Niederlagen gegen gleich starke Mannschaften hinnehmen wird und immer einen sicheren Abstand zu den Abstiegsplätzen halten wird.

Am Freitagabend standen zwei Mannschaften auf dem Platz, die beide den Sieg wollten. Der MSV war der chancenreiche Underdog und zeigte den Darmstädtern Grenzen auf. Bei den Darmstädtern gab es Spieler, die als Einzelspieler denen des MSV leicht überlegen waren. Das waren nur wenige, aber sie machten den Unterschied in den letzten Minuten aus mit der Folge des Siegtreffers. Demgegenüber fiel das Ausgleichstor der Darmstädter als Folge der mannschaftlichen Stärke. Es war eine Art Lehrgeld, denn dieses Ausgleichstor wurde absehbar, weil es dem MSV nicht gelang, den entstehenden Druck der Darmstädter zu mindern. Die Mannschaft wollte nach jedem abgefangenen Angriff der Darmstädter weiter spielerisch aus der eigenen Hälfte heraus kommen. Wenn das aber viermal in der eigenen Hälfte scheitert, muss der Ball auch mal planlos nach vorne geschlagen werden. Nur dann kann sich die Defensive so organisieren, dass der spielerische Aufbau bei der nächsten Balleroberung wieder gelingt. Dieses Ausgleichstor war Lehrgeld.

Das Spiel war bis dahin ausgeglichen gewesen. Schon vor dem Führungstor durch Moritz Stoppelkamp hatte es auf beiden Seiten erste Chancen gegeben. Beim MSV war Cauli Souza einmal steil in den Strafraum geschickt worden und konnte dort nach artistischer Ballmitnahme nur unpräzise abschließen. Bei Darmstadt erhielt Kevin Großkreutz im Fünfmeterraum nach einem Flankenlauf den Ball und übergab ihn wie bei einem Rückpass Mark Flekken.

Nach dem Ausgleichstor war das Spiel wieder offen. Klare Chancen ergaben sich weder vor der Halbzeitpause noch danach. Dennoch verringerte sich der Offensivdrang beider Mannschaften nicht. Erst Mitte der zweiten Halbzeit wurde es auf beiden Seiten wieder torgefährlich. Der eingewechselte Stanislav Iljutcenko hatte sich bei Kevin Großkreutz abgeschaut, wie man im Fünfmeterraum frei steht und den Ball nicht verarbeiten kann. Sicher, die Flanke von Moritz Stoppelkamp kam zu hoch um zu schießen und zu flach zum köpfen. Am liebsten hätte ich Iljutcenko mitsamt dem in der Körpermitte festgeklemmten Ball ins Tor geschoben. Es sollte nicht sein.

Als der MSV die Führung verpasste, wurde es immer deutlicher, das Unentschieden zu halten würde schwierig werden. Auch wenn die Zebras weiter ihre Chance in der Offensive suchten, spielten die Darmstädter etwas präziser. Ihre Offensivaktionen strahlten mehr Gefahr aus. Die erste große Chance zur Führung ergab sich für den Gast durch einen Elfmeter. Mark Flekken hielt diesen harten Schuss von Tobias Kempe sensationell. Doch die Freude hielt nur kurz. Der Unterschied zwischen beiden Mannschaften war nicht groß in diesen letzten Minuten, aber groß genug, damit Yannick Stark in der 88. Minute den Siegtreffer für die Darmstädter erzielen konnte.

In der Bewertung dieses Spiels gibt es kaum Meinungsverschiedenheiten. Wieder hat der MSV eine sehr gute Leistung gezeigt, bei der in der Offensive vor allem Moritz Stoppelkamp und Cauly Souza im Blickpunkt standen. Simon Brandstetter rieb sich im Sturmzentrum auf. Die Defensive steht grundsätzlich gut. Die Anlage des Spiels ist erfolgsversprechend. Ob meine Haltung der Normalität angemessen ist, wird sich daran erweisen müssen, wie die Mannschaft mit der Enttäuschung umgeht. Diese Mannschaft muss lernen, dass sie trotz sehr guten Spiels nicht unbedingt gewinnt. Das wird schwer werden, denn der Einsatz dieser Mannschaft ist sehr groß. Wenn dann der Ertrag in der Selbstwahrnehmung nicht stimmt, wird es schwierig, diesen Einsatz weiter aufrecht zu halten. Deshalb war der Sieg in Heidenheim sehr wichtig. Diese Belohnung gilt es im Kopf zu behalten, dann werde ich meine Zweitliganormalität immer weniger kritisch beäugen.

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Niemals gewinnen gegen den MSV – Daniel Heuer Fernandes, ein Torwartschicksal

Daniel Heuer Fernandes kommt aus Bochum, ist die Nummer 1 bei Darmstadt 98 und hat sich mit einem Journalisten des Darmstädter Echos zum Miniporträt getroffen, bei dem zugleich ein Blick auf das Spiel der Darmstädter heute Abend in Duisburg geworfen wurde. Der Journalist war gut vorbereitet. Er hatte sich die Spielstatistik des Torwarts angesehen. Mit ihr erfuhr er, der Junge aus dem Pott spielt nicht zum ersten Mal gegen den MSV. Fünfmal hat Daniel Heuer Fernandes schon gegen Mannschaften des MSV gespielt und noch nie gewonnen.

Nun soll er ab Minute 3.25 beantworten, warum das heute Abend anders werden wird. Wer allerdings so antwortet wie Daniel Heuer Fernandes, wird die Folgen später spüren. Ernsthaft kann man diese Antwort nicht nennen. Auch wenn der Grund für sein Lachen die Störung durch einen ins Interview platzenden Kollegen ist, bleibt das Lachen über die eigene Hoffnung auf den Sieg. Die Psyche geht ihre eigene Wege, und dieses Lachen über den eigenen Siegeswillen wird sich heute Abend bemerkbar machen.

Noch ernsthafter begründet Darmstadts Trainer Torsten Frings die Chancen des MSV. Er sieht seine Mannschaft auf keinen Fall als Topfavorit des Spiels. Nur ein Prozent weniger Leistung und schon kannst du ein Spiel nicht mehr gewinnen. So ist das in der 2. Liga. Wir stimmen ein in den Chor aller Trainer: „Zweite Liga, du bist so ausgeglichen, Zweite Liga, nie weiß man, wer gewinnt“.

Saisonvorbereitung: Die Aufsteiger zur 2. Bundesliga und ihre Platzierungen

Jetzt kann ich es ja sagen. Den Link als Grundlage für diesen Text über die Platzierungen der Zweitligaaufsteiger habe ich schon zu Beginn der letzten Saison ins Archiv gelegt. Vorarbeit leisten, wenn alles gut ausgeht für den MSV. Ihr seht, manchmal fordere ich das Schicksal wagemutig heraus. In der letzten Saison stieg RB Leipzig erstmals in die Zweite Liga auf. Der Rotebrauseblogger schreibt über den Verein und machte sich vor dieser ersten Zweitligasaison seines Vereins vor der Saison einige Arbeit. Mal sehen, wo die Zweitliga-Aufsteiger in all den Jahren am Ende gelandet sind, so hieß der selbst gestellte Arbeitsauftrag.  In seinem lesenswerten Text wertet er die Aufsteigerplatzierungen seit der Saison 1994/1995 aus und zieht daraus entsprechende Schlüsse für die Chancen der Aufsteiger, die man sich im einzelnen am besten per Weiterklicken dort anschaut.

Hier will ich nur eins herausgreifen: Bei dem für den MSV ausgegebenen Saisonziel ist eine Zahl sicher am interessantesten: 52 von 76 Aufstiegen endeten mit dem Klassenerhalt. Zählt man die Aufsteiger aus der letzten Saison hinzu, wird daraus 55 Klassenerhalte von 79 Aufstiegen. Hoffnung macht außerdem, dass es meist nicht die großen Vereine waren, die direkt wieder abstiegen. Andererseits gehörte Arminia Bielefeld im letzten Jahr dazu, und die Strukturähnlichkeit dieses Vereins mit dem MSV ist uns ja bekannt. Es ist wie immer mit Statistiken, sie lasssen sich so und so deuten.

Die letzte Saison bot statistisch gesehen ohnehin  ein besonderes Ergebnis, weil der SV Darmstadt 98 der Durchmarsch in die Bundesliga gelang. Das war bis dahin fünf Vereinen gelungen, vier davon stiegen allerdings vor 1999 direkt auf. Nur der TSG Hoffenheim gelang danach noch einmal der Durchmarsch. Der Rotebrauseblogger zieht daraus den berechtigten Schluss, dass viel Geld für den Bundesligaaufstieg nötig ist und selbst dazu noch etwas hinzukommen muss.  Denn die TSG Hoffenheim brauchte trotz großen Budgets in der 3. Liga mehrere Anläufe für den Zweitligaaufstieg. Der Aufstieg des SV Darmstadt 98 ist deshalb auf zweierlei Weise die Ausnahme von der Regel. Zum einen geschah der Aufstieg mit bescheidenen finanziellen Mitteln, zum anderen ohne große Vorbereitungsspielzeiten in der 3. Liga. In der Saison 2011/2012 war der Verein gerade erst in die 3. Liga aufgestiegen und spielte fortan erst einmal in der unteren Tabellenhälfte, zum Teil gegen den Wiederabstieg.

Weshalb ich  – und wahrscheinlich noch einige andere –  sofort an Kosta Runjaic denken muss. Er trat zu seiner Zeit beim MSV in der Öffentlichkeit sehr nüchtern auf, doch vielleicht kann er im Privaten dem Leben seine ironischen Züge abgewinnen. Der Aufstieg seines Ex-Vereins gibt ihm jedenfalls die Möglichkeit dazu. Als der MSV Duisburg ihn aus seinem Vertrag bei Darmstadt heraus verpflichten wollte, verließ er Darmstadt sicher wegen der vermeintlich besseren Aussichten in Duisburg. Der Zwangsabstieg kam dazwischen. Doch mit dem 1. FC Kaiserslautern fragte sofort ein anderer Verein mit noch viel größerem Potential für den Bundesligaaufstieg an. Doch dann steigt eben jener Verein in die Bundesliga auf, den Kosta Runjaic drei Jahre zuvor wegen der besseren Aussichten anderswo, verlassen hat. So viel zum Thema „planbares Leben“.

Zurück zu den Zweitligaaufsteiger-Bilanzen – noch einmal: wer sich in die genaue Statistik vertiefen will, dem sei das Weiterklicken zum Rotebrauseblogger empfohlen. Hier nur noch kurz das Resumée für alle Aufsteiger der letzten Saison. Das waren der 1. FC Heidenheim als Erster der Drittligasaison 2013/2014, RB Leipzig als zweitplatzierter Verein und besagter SV Darmstadt 98, der als als Drittplatzierter sich in der Relegation gegen Arminia Bielefeld durchsetzen konnte.

Auch die zwei anderen Aufsteiger spielten die Zweitligasaison souverän mit. Bei RB Leipzig war das zu erwarten gewesen. Wenn nicht von Anfang an so doch recht schnell muss Ralf Rangnick als sportlicher Leiter sogar den Durchmarsch in die Bundesliga als Ziel vor Augen gehabt haben. Früh war aber auch zu sehen, dass die Chancen darum nicht gut standen. Der Verein wurde Fünfter. Folgerichtig setzt sich Ralf Rangnick für diese Saison wieder auf die Trainerbank. Wenn etwas nicht klappt wie gewünscht, muss man es eben selber machen. Auch der 1. FC Heidenheim machte von Anfang an mit dem Erfolg der Drittligasaison weiter. Schon in der Hinrunde in der oberen Tabellenhälfte platziert, landete der Verein am Ende auf dem achten Platz. Hoffen wir, diese letzte Saison wird für den MSV Duisburg vorbildhaft.

Drittligahinrundenvierteschlusstabellenplatzierungen

Deutsche Wörter können Details der Wirklichkeit sehr präzise benennen. Leicht lesbar sind sie anschließend nicht. Was uns, die Mannschaft und die sportlich Verantwortlichen beim MSV Duisburg nicht davon abhalten soll, auch aus den Drittligahinrundenvierteschlusstabellenplatzierungen zusätzliche Zuversicht zu gewinnen. Davon ab kümmern wir uns natürlich nicht um Tabellenstände, sondern beschäftigen uns vor allem damit, das nächste Spiel zu gewinnen.

Saison 2013/2014

Hinrunde: 4. SV Darmstadt 98 – Endplatzierung: 3.
Anschließender Aufstieg durch Erfolg in der Relegation gegen DSC Arminia Bielefeld

Saison 2012/2013

Hinrunde: 4. SpVgg Unterhaching – Endplatzierung: 9.

Saison 2011/2012

Hinrunde: 4. Rot-Weiß Erfurt – Endplatzierung: 5.

Saison 2010/2011

Hinrunde: 4. SG Dynamo Dresden und SV Wehen Wiesbaden
Endplatzierung: 3. SG Dynamo Dresden und 4. SV Wehen Wiesbaden
Anschließender Aufstieg von Dynamo Dresden durch Erfolg in der Relegation gegen VfL Osnabrück

Saison 2009/2010

Hinrunde: 4. FC Erzgebirge Aue – Endplatzierung: 2. und Aufstieg

Saison 2008/2009

Hinrunde: 4. Fortuna Düsseldorf – Endplatzierung: 2. und Aufstieg

Übers Leben nachdenken mit dem MSV Duisburg

Das Leben als Anhänger des MSV Duisburg ist auch deshalb so schön, weil wir mit dem Verein unserer Zuneigung seit etwas mehr als einem Jahr immer wieder tiefere Einsichten über diese Welt im Allgemeinen gewinnen können. Seit gestern lässt sich mit dem anstehenden Streit vor Gericht zwischen dem SV Darmstadt 98 und dem MSV Duisburg trefflich über Gerechtigkeit nachdenken.

Kosta Runjaic konnte nur deshalb im Verlauf der Saison 2013/2014 Trainer beim MSV Duisburg werden, weil der Verein seinem damaligen Arbeitgeber SV Darmstadt 98 eine Ablösesumme zahlte. Sie war mit einer Erfolgsprämie gekoppelt. Nun verklagt der SV Darmstadt 98  den MSV Duisburg wegen der ausgebliebenen Zahlung dieser Erfolgsprämie.  Die Tatsache als solche ist ungangenehmer Alltagskram. So oder so kostet diese Klage Geld. Höhere Kosten entstehen, wenn die  35.000 Euro tatsächlich gezahlt werden müssen; wenn nicht, bleiben doch Anwaltskosten. Hinzu kommt dieser Beiklang, den der Vorgang mit sich bringt, wenn es heißt, der MSV werde verklagt. Im ersten Moment schwingt nicht selten bei der sachlichen Information vom Verklagen das fehlerhafte Verhalten des Beklagten mit – selbst wenn man schon mal gehört hat, dass Gerichte auch dazu da sind, einfache Meinungsverschiedenheiten zu klären. Denn eigentlich geht es um Streit.

Es gibt eine Meinungsverschiedenheit zwischen zwei Vertragspartnern, was das Wort „Nichtabstieg“ im konkreten Fall bedeutet. Ist damit alleine die Leistung von Kosta Runjaic bei seiner Arbeit mit der Fußballmanschaft des MSV Duisburg in der Saison 2013/2014 gemeint? Mit ihm erreichte der MSV Duisburg den 11. Platz. Kosta Runjaic stieg mit der Mannschaft des Vereins nicht ab. Bonuszahlung also für den ehemaligen Arbeitgeber. Oder bezieht sich das Wort „Nichtabstieg“ auf das Wirtschaftsunternehmen MSV Duisburg, das bekanntermaßen keine Lizenz für Liga 2 erhielt und daraufhin in Liga 3 abstieg? Ebenso klarer Fall, keine Bonuszahlung.

Ich denke, mit neutralem Blick auf die Ausgangslage wird man beide Seiten verstehen. Beide Seiten haben  je nach Perspektive recht, und wahrscheinlich ist dieser konkrete Fall eines Abstiegs im Vertrag nicht ausdrücklich benannt. Das Gericht wird sich also in das Vertragswerk vertiefen und etwas entscheiden, was niemals in vollständiger Zufriedenheit aller Beteiligten enden kann. Eine Partei wird Abstriche machen müssen, weil etwas geschehen ist, was von den Vertragsparteien nicht bedacht war.

Egal, wie das Urteil also ausfällt, mich kitzelt das Gefühl von Ungerechtigkeit, weil beide Vertragspartner auf gewisse Weise „recht haben“. Denke ich weiter nach, komme ich zu dem Schluss, eigentlich müsste sich der SV Darmstadt 98 einer Klage des MSV Duisburg gegenüber Roland Kentsch anschließen. Bislang deuten die veröffentlichten Informationen darauf hin, dass er der Hauptverantwortliche für die fehlerhaft eingereichten Lizenzunterlagen ist, die zum Zwangsabstieg führten. Ich denke, fragten wir Roland Kentsch, würde er weiter ausholen und auf die Vorgeschichte für den Zeitdruck beim Erstellen der Lizenzunterlagen verweisen und auf die heikle Finanzlage, die er schon bei seinem Arbeitsbeginn als Geschäftsführer vorfand. Die Zeit vor ihm weist Walter Hellmich als Hauptakteur auf. Der wiederum könnte auf das drohende Aus des Vereins verweisen, mit dem er zu tun hatte. Alles hat also eine Vorgeschichte, und schon sind wir beim Nachdenken über Wertungen der Geschichtsschreibung und der Einsicht, dass sich das Gericht im anfänglichen Streitfall aus gutem Grund nur um ein konkretes Vertragswerk kümmern wird.

Im Vorbeigehen werden wir mit dem Streitfall Darmstadt 98 gegen MSV Duisburg aber auch noch auf etwas gestoßen, was zwischenmenschliche Beziehungen verstehen hilft. Denn mit diesem Streitfall lässt sich leicht  erkennen, dass beide Parteien wenig Verantwortung für die mit dem Streit verbundene Unzufriedenheit tragen. Im konkreten Handeln vertreten aber konkrete Menschen die jeweiligen Positionen. Unzufriedenheit, durch Vorwurf und Ablehnung ausgedrückt, gelten diesen Menschen. Unzufriedenheit, die entstanden ist, weil etwas geschah, was niemand der jetzt Beteiligten selbst zu verantworten hat. Schwierig, so ein menschliches Miteinander.

Kausalkettenspieltag

Wenn RB Leipzig keine Lizenz für die 2. Liga erhält, und wenn der SV Darmstadt 98 im Relegationspiel gegen den 16. der 2. Liga gewinnt, und wenn der SV Wehen Wiesbaden das Auswärtsspiel gegen Hansa Rostock verliert, und wenn der VfL Osnabrück das Auswärtsspiel gegen Jahn Regensburg verliert, erhält ein Sieg des MSV Duisburg gegen Preußen Münster große Bedeutung.

Davon ab gefiele mir ein Sieg im letzten Heimspiel dieser Saison auch ohne Bedingungsgefüge.

Update: Nach dem samstäglichen Einkauf fällt mir auf, bei der Überschrift mischte der Wunsch als Vater des Gedanken doch kräftig mit. Kausal ist das Ganze ja erst, wenn alles eingetroffen ist.  Kollege Freud lässt grüßen. Vorher: nix kausal, bis dahin konditional

Der Saisonweg ist das Saisonziel

So lange auf Live-Tickern nur von torlosen Unentschieden  zu lesen ist, lässt meine Aufmerksamkeit für Spiele vom MSV Duisburg schnell nach, wenn ich bei Freunden sitze und das Leben dort gerade mit vielen seiner bestimmenden Momente den Raum erfüllt. Der Geburtstag der Freundin als Anlass, die Beerdigung ihrer Mutter drei Tage zuvor, ein fast erwachsener Sohn in Shanghai, all das stößt ein Erinnern an, für das Smartphone-Sätze zu Spielen mit nur von irrationaler Hoffnung befeuerter Bedeutung keine ablenkende Konkurrenz sind.

Von der 1:0-Niederlage des MSV Duisburg gegen den SV Darmstadt 98 habe ich also lange nach dem Schlusspfiff recht teilnahmslos gelesen. Die Eindrücke derjenigen, die vor Ort gewesen sind, verraten mir zudem, die Zebras zeigten kein schlechtes Spiel, trotz mangelnder Offensivkraft. Natürlich ist die rote Karte gegen Michael Ratajczak bedauerlich. Natürlich kann man sich über einen Elfmeterpfiff kurz nach dem Platzverweis ärgern. Selbstverständlich kann die Spielweise der Mannschaft Hinweise auf Erfolgsaussichten in der kommenden Saison geben, aber im Moment betrachte ich das Ergebnis nur mit entspannter Gelassenheit. Ich mache mir keine Gedanken, ich nehme die Dinge, wie sie kommen. Der Weg des MSV Duisburg wurde mir zum Ziel.

Um nichts anderes geht es nun noch als um den Moment. Ich werde im Heimspiel gegen Holstein Kiel auf meinem Platz stehen und weder an Aufstieg noch an Abstieg denken. Ich werde die Gegenwart des Spiels in jeder Minute in mich aufnehmen, mich mit den Freunden zu Hause fühlen, Spaß haben und dabei den geschrumpften Punkteabstand zum Tabellenende wie den unvermeidlichen Regen nehmen, der nun mal zum Wetter gehört und irgendwann auch wieder vorbeigeht.

Glaubt nun bloß nicht, dass ich den Zebrastreifenblog allmählich am Esoterik-Markt positionieren möchte. Wer es handfester haben möchte: Es geht um den Unterhaltungswert eines Stadionbesuchs bei einem Verein ohne konkrete Nahziele. Es geht um Einnahmen durch Eintrittskarten. Es geht darum, wie attraktiv der MSV Duisburg unabhängig von sportlichen Zielen als Kulturangebot Duisburgs wirkt. Und schon schwindet die entspannte Gelassenheit.  Großes Thema für ein anderes Mal.

Auf die Spannungsdramaturgie der Geschichte vom Aufstieg werde ich übrigens in dieser Saison nicht verzichten. Es gibt genügend  Vereine, bei denen noch alles möglich ist, und es trifft sich gut, dass mir bei dem Riesenangebot im deutschen Sport die Auswahl leicht fällt. Zumal mir der Blick darauf wiederum Hinweise auf den MSV Duisburg gibt. Beim anderen Verein des anderen Sports meiner Zuneigung, dem Deutzer TV und dem Basketball dort, kann ich sogar das Wort Aufstieg einfach aussprechen, ohne damit die bösen Geister einer sofortigen Niederlage zu beschwören. Eine Mannschaft, die einen 7-Punkte-Vorsprung 55 Sekunden vor dem Schlusspfiff auf einen Punkt Vorsprung zehn Sekunden vor Schluss runterspielt, dann zudem zwei Freiwürfe verwirft, nur um den Sieg mit einer Defense-Aktion retten zu können, bei so einer Mannschaft sehe ich gute Chancen das selbstgesteckte Ziel Aufstieg in die 2. Regionalliga zu erreichen. Vom Ergebnis schweige ich mit gutem Grund. Wir Zuschauer konnten von Glück sagen, nach desaströser Wurfquote auf beiden Seiten ein zweistelliges (!) Ergebnis am Ende zu sehen. Doch Siege helfen, schlechte Spiel zu ertragen.

Beim MSV Duisburg war es in dieser Saison genau umgekehrt. Zunächst halfen gute Spiele Niederlagen zu ertragen, und nun bringen die durchwachsenen bis schlechten Spiele gemischte Ergebnisse. Beim Deutzer TV gibt es eben zu jedem Zeitpunkt des Spiels mindestens drei Spieler auf dem Spielfeld, die in Drucksituationen dem Spiel Impulse geben. Mehr als die Hälfte der Mannschaft auf dem Spielfeld ist jederzeit bereit, trotz eigener Fehler die Verantwortung für eine risikoreiche Spielaktion zu übernehmen. Meist machen das alle Deutzer Spieler auf dem Spielfeld. Bei allen Unterschieden zwischen den Sportarten. Für dauerhaften Erfolg gibt es beim MSV Duisburg eben genau dieses Verhältnis nicht unter den Spielern auf dem Platz. Zu viele Spieler der Mannschaft sind abhängig vom Verlauf des Spiels, um sich ihrer eigenen Qualität und ihres Selbstbewusstseins sicher zu werden.

Deshalb ist nun der Weg bis zum Saisonende unser Ziel beim MSV. Zweitvereine in anderen Sportarten helfen dann, die wettstreitenden Lebensphilosophien der östlichen und westlichen Welt in mir gleichermaßen lebendig zu halten. Ein Zwischenziel auf dem Weg, der das Ziel ist, macht die ganze Angelegenheit Leben doch immer wieder auch aufregender.


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