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Die Phönix-Reportage im Netz: Integration durch Fußball

Mittwoch vor einer Woche hieß es beim öffentlich-rechtlichen Sparten-Fernsehsender Phoenix Themen-Abend „Integration“. Unter anderem wurde in einer 30-minütigen Reportage gezeigt, was Fußball in dem Zusammenhang bedeutet – Fußball in Duisburg. Die Absicht – und damit die Aussage der Reportage – war von vornherein klar, es ging um die vorbildhaften Möglichkeiten und Gedanken, die in unserer Gesellschaft das Zusammenleben fördern können.

In 30 Minuten lässt sich nicht all zu sehr in die Tiefe der Wirklichkeit gehen. Es geht dann um ein Sammeln von positiven Erfahrungen und Meinungen, Schwierigkeiten bleiben außen vor. Das gilt besonders dann, wenn sich der Bogen der Reportage von der Alltagsarbeit in einem kleinen Fußballverein des Breitensports, dem SV Rhenania Hamborn, spannt hin zum professionellen Sport beim MSV Duisburg. Auf der einen Seite geht es um das Weiterleben einer grundlegenden Struktur dieser Gesellschaft in Vierteln mit hohem Migrantenanteil, auf der anderen Seite geht es neben den individuellen Erfahrungen der Berufssportler vor allem um die Möglichkeit zu symbolhafter Identifikation. Das Herausfiltern der entscheidenden Gründe für die Wirkung dieser Integrations-Arbeit muss man selbst vornehmen.

Im Interview erzählt das Vorstandsmitglied des MSV Duisburg, Dr. Stephan Bock, über die Bedeutung des MSV für die Stadt und wo er die integrierende Wirkung des Profisports wahrnimmt. Der Vorsitzende des SV Rhenania Hamborn, Cafer Kaya, erzählt über seinen Verein und dessen Arbeit im Breitensport. Diesem Breitensport im Duisburger Norden geben eine 11-jährige Spielerin der Rhenania-Mädchenfußballmannschaft und deren Trainerin die Gesichter. Der Co-Trainer des MSV Duisburg Fuat Kilic wird über die Bedeutung des Fußballs in seinem Leben befragt, und schließlich sitzen Olcay Sahan, Burakcan Kunt und Sefa Yilmaz zum Gruppeninterview am Tisch.

Ich halte solche Reportagen für wichtig, weil sie die Vielschichtigkeit von kulturellen Identitäten im Alltag zeigen. Wenn in der Öffentlichkeit über Integration diskutiert wird, bleibt das meist abstrakt und es ensteht häufig der Eindruck, Integration sei kein Prozess sondern ein Zustand. Entweder ist jemand integriert, oder er ist es nicht. Das Leben funktioniert anders.  Die Integrationsdebatte ist in großen Teilen eine versteckte Identitätsdebatte. Deshalb ist es tatsächlich wichtig, solche Orte in unserer Gesellschaft öffentlich zu machen, wo kulturelle Identitäten der einzelnen Menschen neu entstehen und sich diese Menschen aber als verantwortlich für die Gesellschaft hier ansehen.

Besonders anschaulich wird dieses Entstehen von Identität als Prozess und als Ergreifen von Möglichkeiten noch einmal am Ende der Reportage, als sich Olcay Sahan und Sefa Yilmaz zum Thema Nationalmannschaft äußern. Für welche Nationalmannschaft entschieden sie sich mit ihren deutsch-türkischen Biografien. Zum einen fällt es Olcay Sahan offensichtlich leichter als Sefa Yilmaz etwas spielerischer mit dem Thema umzugehen. Er löst die sich zwangsläufig ergebenden Widersprüche durch Humor auf. Zum anderen ist es auch eine Frage der Chancen, und das ruft doch sehr die ökonomische Grundlage jedes Ausbilden einer kulturellen Identität in Erinnerung. Sie spielten für die deutsche Nationalmannschaft, sagt Olcay Sahan und bezieht den zurückhaltenden Sefa Yilmaz flapsig mit ein. Wenn sie die Chance erhalten.

Das Video der Reportage stellt Phoenix  hier ins Netz.

SV Rhenania Hamborn und der MSV Duisburg im Phoenix-Programm

Beim öffentlich-rechtlichen Sparten-Fernsehsender Phoenix beschäftigt man sich in dieser Woche während des Abendprogramms mit dem Thema „Integration“. Wie der Fußball zur Integration beitragen kann, wird morgen, am Mittwoch, ab 21.45 Uhr, in einer halbstündigen Reportage gezeigt und anschließend wie jedes Thema im öffentlich-rechtlichen Fernsehen noch einmal gründlich besprochen.  In der Reportage geht es um ein Integrationsprojekt beim SV Rhenania Hamborn und vorbildhafte Profis des MSV Duisburg. Dort spannt sich der erzählerische Bogen also von der Basisarbeit hin zum professionellen Sport. Ob das anschließende Driegespräch zwischen Moderator Christoph Minhoff, der Bundesvorsitzenden Bündnis 90/Die Grünen  Claudia Roth und dem Vorsitzenden der DFL-Geschäftsführung Christian Seifert noch weitere Erkenntnisse bringt, wage ich zu bezweifeln. Ich denke, „wir“ sind auf jeden Fall dafür, tragen große Verantwortung und kennen noch viele andere Initiativen in Deutschland, die wir und nicht zuletzt die Bundesligavereine  unterstützen.

Falls euch der Pressetext von Phoenix interessiert:

Völkerverständigung beim Fußball – In der Reportage „Sport verbindet – Der Nationalsport Fußball und das neue Wir-Gefühl“ (21.45 Uhr) besucht Christoph Minhoff den SV Rhenania Hamborn im Norden Duisburgs. Hier gehen die Verantwortlichen ganz neue Wege. Im Integrationsprojekt „Fußball für Mädchen mit Migrationshintergrund“ spielt die Herkunft keine Rolle. Aber es gibt Regeln. Auf dem Vereinsgelände wird deutsch gesprochen, Diskussionen oder gar politische PR etwa für Glaubensgemeinschaften oder Parteien sind untersagt. Dies soll durch die Konzentration auf den Sport und gemeinsame Unternehmungen erreicht werden. Zudem zeigt die Reportage, wie die Profifußballer des MSV Duisburg als Vorbilder fungieren.

Auf der Webseite von Phoenix wird die Reportage als Werk von Martin Priess unter der Mitarbeit von Gerlinde Pretli geführt. Die Reportage wird am Donnerstag um 18.00 Uhr wiederholt.


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