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Dänen lügen nicht – Der MSV ist kein Wenn-Dann-Verein

„Stig“, sagt Kees gestern  zu mir „kannst du Samstag schon wieder was schreiben? Und Sonntag auch nach Erfurt fahren?“ Ich guck ihn an und denk, dir muss es aber noch schlecht gehen, wenn ich so schnell nochmal randarf. Aber meinetwegen. Doch was für eine blöde Frage zu Erfurt. Als ob er nicht wüsste, das geht nur, wenn wir auch beide fahren. Kees war von den Tabletten anscheinend noch ein bisschen matschig im Kopf. Seit Mittwochabend arbeitet seine medizinische Abteilung daran, den Einsatz am Sonntag auf den Rängen zu ermöglichen. Als gestern die fiebrige Erkältung im Abklingen war, machte die Rückenmuskulatur zu. Wie ernst das Ganze ist, weiß ich nicht. Kees‘ medizinische Abteilung gibt keine Prognosen. Mit mir redet sie schon gar nicht. Eigentlich ist Müller-Wohlfahrt neulich kein schlechtes Vorbild für Kees‘ Frau. Darf ich nur nicht laut sagen.

Mehrmals schon habe ich Kees vorsichtig darauf hingewiesen, an der Stelle müssen wir professioneller werden. Mit genauen Verletzungsangaben und Krankheitsgeschichten schickt Google dir nicht nur die Arztserien-Freaks als Leser. Die Splatter-Fans nimmst du mit etwas Glück noch nebenbei mit. Entfernung der Schleimbeutelfalte, fingerbreit über dem Schambeinansatz, Querfraktur der Kniescheibe. Jeder Fußballreporter befragt doch längst eine Anatomie-App für seine Texte. Aber Kees guckt nicht mal ins Lexikon.

Wie soll das in der nächsten Saison werden? Wenn Fußballdeutschland wieder regelmäßig nach Duisburg blickt. Besonders am Anfang der Saison. Zweitligareif ohne Anatomievokabular? Wie soll das gehen? Die Mannschaft ist jedenfalls zweitligareif. Ich bin nicht zu voreilig. Ich sage nur die Wahrheit. Nichts macht stärker als das Wissen um die eigene Stärke. Der MSV ist in dieser Saison kein Wenn-Dann-Verein! Was für ein geiles Gefühl, nicht abhängig von den Ergebnissen der anderen zu sein. Ich weiß nicht mehr, in wievielen Zweitligajahren ich, damals noch in Arhus aus der Ferne, bei anderen Vereinen mitgefiebert habe, damit die Zebras am übernächsten Spieltag noch einmal an den vorderen Plätzen kratzen könnten. Aber nur wenn erneut alle anderen Vereine für uns spielten. Wieviele Wenn-Dann-Prognosen habe ich jeweils angepasst, um bessere Laune zu bekommen. Und wie oft trat nicht mal das erste entscheidende Wenn ein, der notwendige Sieg des MSV. Damals habe ich immer den Mund gehalten, wenn es um die Zukunft des MSV ging. Denn immer spielte Glück in meinen Überlegungen eine Rolle. In dieser Saison sorgt die Manschaft schon selbst für das Glück. Diese Mannschaft strahlt völlig zurecht großes Selbstbewusstsein aus. Sie hat in den letzten Wochen einen Willen entwickelt, der bis hoch in die Ränge spürbar ist. Noch auf dem entferntesten Platz vom Spielfeld ist zu sehen, wie die Spieler der eigenen Stärke vertrauen, wie sie den Rhythmus des Spiels bestimmen wollen. Der Gegner soll sich gefälligst nach uns richten.

Preußen Münster war letzte Woche einen Spieltag lang noch einmal ein Wenn-Dann-Verein. Der MSV hat dem sofort ein Ende bereitet. Nun outen sich die Stuttgarter Kickers als ein Wenn-Dann-Verein. Sie hoffen heute auf ein gutes Ergebnis von Fortuna Köln und nächste Woche auf den Sieg des MSV Duisburg. Holstein Kiel hingegen würde erst das Ergebnis des heutigen Heimspiels zu einem Wenn-Dann-Verein machen. Lese ich im Kölner Stadt-Anzeiger den Vorbericht zu dem Spiel – online steht er anscheinend noch nicht -, so fehlt mir etwas Aufmerksamkeit der Kölner für die Aufgabe des Tages. Anscheinend wird schon sehr an die nächste Saison gedacht. Was in Kiel geschieht, kann deshalb nur überraschendes Zubrot sein. Für die Fortuna und in Folge auch für den MSV. Aber das ist ja das Schöne, wenn man nicht als Wenn-Dann-Verein in die Endphase einer Saison geht. Das interessiert einfach nicht. Wir nehmen es, wie es kommt und behalten bei allem unsere gute Laune. Wahrscheinlich würde sie noch ein kleines bisschen besser, wenn die Fortuna heute zufrieden nach Hause fährt. Rein regional gesehen. Rheinland vor, noch ein Tor!  Doch wenn ich an Holstein Kiel oder Fortuna Köln denke, sehe ich sofort nur die Spieler der Zebras. Ich sehe eine Mannschaft, die in Erfurt vom Anpfiff an zeigt, dieses Spiel will sie gewinnen. Allmählich tauchen sogar auch Kees und ich in diesem Bild vom morgigen Tag auf dem Weg zum Stadion auf. Der medizinischen Abteilung sei Dank. Lassen wir das also lieber mit der Wiederaufnahme des Guardiola-Müller-Wohlfahrt-Stücks als Duisburger Inszenierung.

Wo versteckt sich nur immer der Aufstiegswille?

Was für eine enttäuschende Niederlage! Recht schnell wurde deutlich, die gegnerische Mannschaft war zunächst schneller bei ihren Entscheidungen. Sie wirkte dynamischer, zeigte mehr Biss und mehr Zug zum Korb. Innerhalb kurzer Zeit lag die fünfte Mannschaft des Deutzer TV im ersten Viertel mit 14 Punkten zurück. Ich nehme nicht mehr so häufig an den Meisterschaftsspielen meiner Basketballmannschaft teil. Letzten Dienstag war es mal wieder so weit. Wir waren dünn besetzt, und ich ließ mich mit auf den Spielberichtsbogen schreiben. Wenn das geschieht, will ich gewinnen. Das will jeder von uns, auch wenn oft die meisten Spieler des Gegners unsere Kinder sein könnten. Als Mannschaft haben wir das erst ab etwa Mitte des zweiten Viertels aufs Spielfeld gebracht. Wir hatten eigentlich gegen diesen Gegner gute Chancen gehabt zu gewinnen. Minute für Minute verringerten wir seinen Vorsprung. Kurz vor Schluss waren wir auf fünf Punkte herangekommen. Doch der Rückstand aus dem ersten Viertel war diese fünf Punkte zu hoch. Wir waren am Ende im Spiel, waren besser als der Gegner, doch es schien nur so, als hätten wir den Ausgleich noch erreichen können.

Nach der 4:2-Niederlage des MSV Duisburg bei den Stuttgarter Kickers wusste ich sofort, wie sich die Duisburger Fußballer fühlten. In kurzer Zeit hatte ich Spiele in unterschiedlichen Sportarten sich auf ähnliche Weise entwickeln gesehen. Dabei hatte es in dem Fußballspiel in den ersten Minuten gar nicht so einen großen Leistungsunterschied zwischen dem MSV Duisburg und den Stuttgarter Kickers gegeben. Das lag aber daran, dass die Stuttgarter nicht von Anfang so schnell gespielt haben, wie sie es konnten. Als die Kickers das Tempo erhöhten, war für den MSV sofort Land unter. Die Manschaft wirkte wie aus dem Spiel gefallen. Es schien so, als hätten nur wenige Duisburger Spieler mit diesem Willen der Stuttgarter zu gewinnen gerechnet. Fast sofort begann die Defensive zu schwimmen. Unsicherheit sickerte in die gesamte Mannschaft. Aus fast jedem eroberten Ball wurde entweder ein Fehlpass oder er wurde so ungenau gespielt, dass er nicht sofort verarbeitet werden konnte. Kein Spielzug ergab sich selbstverständlich. Jeder Pass Richtung Stuttgarter Tor musste einen Moment überlegt werden. Die Zebras verloren fast augenblicklich  den Zugriff aufs Spiel.

In solchen Momenten muss sich eine Mannschaft zurück ins Spiel beißen und zwar in der Defensive, in den Momenten, in denen es einfacher ist, weil niemand einen Ball kontrollieren muss. Es geht zunächst gar nicht um das Endergebnis, sondern um das Gefühl im einzelnen Spielmoment etwas bewirken zu können. Ich muss den Schweiß des Gegenspielers bemerken, sein heftiges Atmen, das sich verändert, wenn ich bei ihm bin. Ich muss merken, ich kann seine flüssigen Bewegungen irritieren, alleine dadurch, dass ich in seine Nähe komme. Das ist alles kein Erkennen, sondern ein intuitives Bemerken, ein in-sich-Aufnehmen und Zurückgewinnen der eigenen Sicherheit.

All das geschah nicht. Im Gegenteil. Jede Spielunterbrechung schien die Zebras zu erleichtern. Jede Spielunterbrechung wurde zum Atemholen genutzt. Die Anspannung ließ nach. Das Ergebnis war eine offene Defensive nach einem schnell ausgeführten Freistoß der Stuttgarter im Mittelfeld. Unfassbar, dass sich aus so einem Freistoß eine Kontersituation ergibt. Unfassbar, wie einfach die Defensive dann hat ausgespielt werden können. Nach diesem 1:0 muss mein Empfinden dem der Spieler entsprochen haben. Für mich besiegelte dieses Tor in der 19. Minute die Niederlage. Eigentlich bin ich ein recht optimistischer Mensch. Aber ich bin nicht blauäugig. In diesem Jahr habe ich die Mannschaft des MSV Duisburg ihrer selbst noch nicht so sicher gesehen, dass sie gegen einen guten Gegner bei einem frühen Rückstand einfach mit ihrem Plan weitermacht, weil sie an sich glaubt. Diese Selbstsicherheit besitzt die Mannschaft nicht. Es überwog die Enttäuschung über das Gegentor.

Neben vielen mehr oder weniger vernachlässigbaren Unterschieden zwischen den Fußballern des MSV Duisburg und den Basketballern der fünften Mannschaft vom Deutzer TV gibt es einen wirklich wichtigen. Wir als Basketballer wollen über den Sieg hinaus im einzelnen Spiel nichts mehr erreichen in diesem Sport. Wenn wir zu Beginn eines Spiels nicht im hohen Drehzahlbereich unterwegs sind, ergibt sich das aus unserer Einstellung vor dem Spiel. Wir brauchen das Spiel selbst, um Biss zu entwickeln. Der MSV Duisburg aber will aufsteigen. Dieser Wille muss von Anfang in der gesamten Mannschaft spürbar sein. Das ist nicht der Fall. Wo steckt dieser Wille zum Aufstieg, zumal wenn das Vorhaben gefährdet scheint? Es reicht nicht, wenn Martin Dausch alleine Aggressivität ausstrahlt. Es reicht nicht, dass Kingsley Onuegbu sich in der Offensive aufreibt. Ich stocher etwas hilflos im Nebel bei der Suche nach Erklärungen für das so schnell erschütterbare Selbstbewusstsein der Mannschaft.

Der weitere Spielverlauf entsprach den Erwartungen. Das zweite Tor der Kickers folgte etwa zehn Minuten später. Ein drittes Tor hätte möglich sein können. Irreale Hoffnungen wurden für mich durch den Halbzeitpfiff geweckt, nachdem der 2-Tore-Rückstand hatte gehalten werden können. Vielleicht ergab sich ein schnelles zufälliges Anschlusstor. Zu meiner Überraschung schien ich sogar nach dem Wiederanpfiff nicht mal unbedingt nur auf den Zufall hoffen zu müssen. Endlich stand die Mannschaft mit der notwendigen Entschlossenheit auf dem Platz. Endlich war der Wille zu spüren, sich nicht in die Niederlage zu fügen.

Für alle aber, die die Niederlage alleine auf Einstellung und Psyche zurück führen wollen, zeigte das dritte und vierte Tor der Stuttgarter, das Selbstbewusstsein hängt schon auch mit der Spielstärke zusammen. Zehn Minuten Hoffnung, dann folgte dem Ballverlust im Mittelfeld ein Konter, der mit dem dritten Tor der Stuttgarter endet. Nun aber spielte die Mannschaft des MSV Duisburg wenigstens weiter. Sie folgte dem in der Halbzeit anscheinend verabredeten Plan, als sei dieses Tor nicht gefallen. Das hätte ich mir für die erste Halbzeit gewünscht. Dann wäre vielleicht ein Punkt möglich gewesen in diesem Spiel. Nun kam dieser Wille mitzuspielen zu spät. Ein viertes Tor wurde den Stuttgartern fast geschenkt, weil nach einem Freistoß ein Spieler der Kickers frei köpfen konnte. Und die Mannschaft des MSV Duisburg spielte weiter. Martin Dausch traf noch zweimal ins Tor. Zu spät für mich, um noch einmal meine Hoffnung zu wecken. Dieses Spiel habe ich nicht mehr mitgemacht.

Nach diesem Sieg sind die Stuttgarter Kickers im Kampf um Platz 2 im Vorteil. Auch wenn ich mir im Verlauf des Spiels am Samstag nicht mehr habe vorstellen können, wie dieser MSV Duisburg irgendetwas mit dem Aufstieg zu tun haben könnte, so gibt es ja weiterhin im Verein das Vorhaben, damit in dieser Saison noch ernst zu machen. Folgen die sportlich Verantwortlichen ihrem Plan weiter, dann heißt die Devise fürs erste, der dritte Platz ist das realistische Ziel – doch nur, wenn dieser Wille zum Aufstieg auch bei jedem Spieler in jedem Spiel von der ersten Minute an mit auf den Platz kommt.

Gestärkt durchs Leben mit Kees Jaratz: Die Amsel singt ihr Lied

Noch überlege ich, auf welche Weise ich diese 4:2-Niederlage gegen die Stuttgarter Kickers tanzen kann. Denn wie schon nach dem Unentschieden gegen Osnabrück gesagt, ich habe diese Art Saisonverlauf im Zebrastreifenblog zu oft schon beschrieben. Ich beginne, mich zu wiederholen. Was das Ende für meine Art Schreiben über den MSV Duisburg wäre. Möglichweise kopiere ich deshalb einfach alte Texte aus den Zeiten der 2. Liga.

Bis ich mir mit mir einig geworden bin, gebe ich euch ein youtube-Fundstück  mit auf den Weg. Glaubt man dem Nutzer, der es hochgeladen hat, hilft dieser Clip nicht nur nach der gestrigen Niederlage. Vielleicht begleitet euch der Gesang der Amsel mit seiner beruhigenden Wirkung dank der Niederlagen vom MSV Duisburg von nun an immer in eurem Leben. Der Nutzer beschreibt den Clip jedenfalls als sehr wirksam: „Bei Stress einfach auf den Gesang der Amsel konzentrieren und aufmerksam zuhören … das entspannt.“

Wenn Drittliga-Unterhaltungsstars im Geiste die Bälle spielen

Egal wer vom MSV Duisburg gerade etwas herumschaut, der blickt sofort auf etwas in Augenhöhe und das sind die Fußballer der Stuttgarter Kickers.  Sofort denke ich, wie kann das denn sein? Können die nicht mal aus dem Weg gehen, damit unsere Fernsicht in Duisburg nicht behindert wird. Was sind denn das für Leute? Aber wahrscheinlich ist es mit diesen Fußballern von den Stuttgarter Kickers wie immer im Leben. Wenn einer erstmal da ist, wo er gerade ist, bleibt er auch gerne, wen es ihm gefällt. Dann muss die Mannschaft vom MSV Duisburg die Stuttgarter Kickers eben erst höflich und schließlich mit Nachdruck daran erinnern, einmal beiseite zu treten.

Sollten die Fußballer vom MSV Duisburg aber nachdrücklich werden müssen, ist es immer gut, den Gegner genau zu kennen. Das wissen übrigens auch die Selbstoptimiererbibeln des erfolgreichen Wirtschaftens. Die haben in solchen Fällen immer blumige Merksätze aus fernöstlichen und nahwestlichen Strategieklassikern parat. Ob die jemals so geschrieben wurden, weiß oft kein Mensch. Erkenne den Schatten auch nach dem Untergang der Sonne. Das klingt doch gut, weise und passt zu mir.

Schließlich ist es einfach zu verwirklichen. Wir haben doch elektrisches Licht und youtube. Das ist mein Metier. Die rein sportliche Faktenbeobachtung weiß ich beim MSV Duisburg in guten Händen. Ich kümmer mich ums Atmosphärische und werde dabei durch den Imagefilm der Stuttgarter Kickers inspiriert. Vor knapp einem Jahr ist der Film online gegangen. Hier sehen wir ein kurzes Making of, das die Frage aufwirft, ob nicht auch die mentale Beschäftigung mit der Ballverarbeitung regelmäßig ins Training aufgenommen werden sollte. Ihr kennt die Bilder von Rodlern und Bobfahrern, die vor dem Start den Bahnverlauf im Geiste durchgehen und dabei auch die Körperbewegungen leicht mitmachen. Entsprechend haben es die Stuttgarter Spieler für die Filmaufnahmen machen müssen. Der Imagefilm selbst zeigt übrigens nicht sonderlich mehr als das Making of.

Trainingsmethodik ist das eine, daneben verblüffte mich die Inszenierung dieser Fußballer innerhalb der Stuttgarter Ausgehszene. Selbst Drittligafußballer werden also inzwischen mit der Aura von Unterhaltungsstars versehen, ohne dass das jemand als lächerlich empfindet. Wie groß ist der Fußball in dieser Gesellschaft geworden. Diese Fußballer sind die charming boys, die im Vorübergehen junge Frauen mit einem Sternstaubherz zum Lächeln bringen. Die jungen Männer sind eher die beobachtende und in Teilen jubelnde Masse. Wir stellen fest, es gibt keine gängigen Bilder, um junge Männer als im Herzen berührte Fans von Unterhaltungsstars zu zeigen. Interessant. Das sind so federleichte Gedanken, die mir beim Betrachten des Clips kamen. Viel zu leicht für wirkliche Substanz. Ich müsste  länger darüber nachdenken, ob mehr dahinter steckt. Sie müssten mit weiteren Sätzen an irgendetwas anderes gebunden werden. Dazu fehlt mir gerade die Zeit.

Außerdem geht es doch eigentlich nur darum, die Stuttgarter Kickers aus dieser Augenhöhe wegzubekommen. Ich wollte meinen Teil dazu beitragen. Und vielleicht ist mir das ja doch gelungen. Vielleicht sind diese Stuttgarter Fußballer ja doch nackter als sie denken –  nicht nur als Unterhaltungstars der deutschen Provinz, sondern auch als sportlicher Gegner des MSV Duisburg.

 

Defensivstark, in der Abwehr stark und vor allem abschlusssicher

So ein Spiel  wie den 2:0-Sieg am Samstag gegen die Stuttgarter Kickers hat es für den MSV Duisburg schon lange nicht mehr gegeben – ein Spiel, um dessen Deutung gerungen wird, weniger auf Seiten des MSV Duisburg als bei den Stuttgartern. Ein Sieg, bei dem mehr oder weniger offen versucht wird, ihn zu entwerten, selbst wenn die Zuschreibung „unverdient“ meist vermieden wird. Eines aber, liebe Stuttgarter, kann ich euch sagen, als beleidigte Miesepeter sind erst wenige Menschen dauerhaft erfolgreich gewesen. Wenn ihr weiter oben mitspielen wollt, würde ich ganz schnell jegliches Verklären der eigenen Spielweise aufgeben, ich würde nicht dem siegreichen Gegner dessen Spielweise ankreiden und ziemlich betriebsblind im Spielbericht auf der eigenen Seite eine Überlegenheit herbeifantasieren, die flugs in die nächste Niederlage münden wird. Ich würde mich etwa auch an die erste Halbzeit nach dem Führungstor des MSV erinnern, in der ich das als Vorwurf im Raum stehende Hinten-Reinstellen nicht gesehen habe.

Die erste Stellungnahme von Horst Steffen hatte auch noch ganz anders geklungen. Er hatte sehr wohl die Unzulänglichkeiten der eigenen Mannschaft gesehen. In seinen Worten klang an, dass dieses Spiel bestimmt wurde durch die jeweiligen Möglichkeiten der Mannschaften kombiniert mit einer glücklichen Fügung. Im Spiel war schnell offensichtlich geworden, warum Gino Lettieri in der Pressekonferenz vor dem Spiel in dreimaliger Wiederholung auf die Spielstärke der Kickers hinwies. Die Stuttgarter kombinierten schnell und verfügten zunächst vor allem auf dem linken Flügel über zwei technisch versierte Spieler, die für viel Unruhe in der Defensive der Zebras sorgten. Dennoch erspielte sich die Mannschaft keine gefährliche Torchance, und das war schon in der ersten Halbzeit so, als sich der MSV Duisburg keineswegs ganz zurück gezogen hatte.

Kurioserweise habe ich das Spiel im Gegensatz zum letzten Spiel gegen Osnabrück nahezu entspannt erlebt. Ich fürchtete nicht um die Führung, obwohl die Stuttgarters Kickers unbeeindruckt von der 2:0-Führung des MSV weiter ihr Spiel durchzogen. Ich konnte nicht erkennen, wie diese Mannschaft in den Strafraum dringen wollte. Zumindest an diesem Tag fehlte den Stuttgartern der entscheidende Zug Richtung Tor. Und hier beginnt die Deutung des Spiels. Denn der MSV Duisburg benötigte allenfalls für das erste Tor Glück, für den Sieg selbst auf keinen Fall. Beide Mannschaften spielten auf Augenhöhe mit unterschiedlichen Ansätzen für die Spielweise. So etwas liegt im Wesen des Fußballs, was in Stuttgart aus Enttäuschung anscheinend aus dem Blick geraten ist. Mit dem Ungleichgewicht der spielerischen Möglichkeiten in der Bundesliga und der Konzentration des Fußballs der Gegenwart auf die eine erfolgreiche Spielweise ist vielleicht vergessen worden, dass ein Mannschaftswettbewerb eigentlich auch ein Wettstreit um die geeignete Taktik ist. Und so eine Taktik ergibt sich aus dem Abwägen der spielerischen Möglichkeiten beider Seiten. Der MSV Duisburg lag in dem Wettstreit um die bessere Taktik in diesem Spiel im Vorteil, weil Michael Gardawski schon früh sein wunderbares Tor erzielte.

Gehörte Michael Gardawski nicht eigentlich auch zu den Spielern, die die Dokumentation über die „Meidericher Vizemeister“ gesehen haben? Anscheinend hat er vergessen, welche Geschichte „Hennes“ Sabath über ein ähnlich erzieltes Tor erzählte. Vielleicht sollte er sich noch einmal mit ihm unterhalten, wie man aus der Geschichte einer verunglückten Flanke die eines technisch vollendet geschossenen Tores macht. Kevin Wolze kann ich mir in 40 Jahren dann gut als Werner Lotz vorstellen, der die ganze Wahrheit über dieses Tor enthüllt.

Nach diesem ersten Tor zog sich der MSV eben keineswegs sofort zurück. Für etwa 15 Minuten gerieten die Stuttgarter unter Druck. Ihre Angriffsbemühungen wurden im Keim erstickt. Zwei-, dreimal dachte ich, vielleicht kann ich demnächst einmal von Powerplay schreiben. Dann beruhigte sich das Spiel wieder, und gerade dann fiel erneut ein Tor. Rolf Feltscher traf per Kopf nach einer Eckballkombination. Abseits stand er wohl ganz knapp. Manchmal werden solche Tore auch gegeben. Noch einmal geht mir durch den Kopf, liebe Stuttgarter, ich würde eigentlich zufrieden sein, dass die Niederlage nicht noch höher ausgefallen ist.

Zum Wesen dieses Spiels gehört, dass die Tore überraschend fielen und schön anzusehen waren. Zu Beginn der zweiten Halbzeit fiel das 2:0 durch einen Weitschuss von Dennis Grote nach einer abgewehrten Ecke. Völlig frei stehend hatte er Zeit, um technisch perfekt aus etwa 20 Metern den Ball in den Winkel zu setzen. Warum sollte der MSV Duisburg nach dieser Führung mit zwei Toren nicht defensiv agieren? Zumal es den Stuttgarter Kickers eben nicht gelang, dauerhaften Druck auf das Tor des MSV Duisburg zu entwickeln. Sie hätten Glück gebraucht. Das Glück hatten sie nicht. So ist das Leben, liebe Stuttgarter, wer etwas erreichen will, muss auf andere Weise handeln, als der, der seinem Ziel schon nahe ist. Anstrengend sind beide Vorgehensweisen gleichermaßen, das habt ihr bei all eurem Klagen über die Niederlage vergessen. Wie gesagt, ihr klingt irgendwie beleidigt, dort in Stuttgart. Tut mir leid, das kann ich nicht verstehen.

Die PK nach dem Spiel sowie die Stimmen von Michael Ratajczak und Dennis Grote

Spielstark, spielerisch stark und vor allem spielstark

Die Wiederholung kombiniert mit großer Ernsthaftigkeit beim wiederholten Tun ist eine Handwerksgrundlage  in Komik-Werkstätten. Gino Lettieri und Zlatko Janjic zeigen am Anfang der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen die Stuttgarter Kickers, dass dieses Mittel in jeglichen Zusammenhängen wirkt. Alleine an Janjics Dialog wäre in einem Drehbuch noch gefeilt worden. Sein Verweis auf die Vorrede von Lettieri hätte auf jeden Fall gestrichen werden müssen.

Nicht dass ihr mich missversteht: Gerade wegen solcher Sequenzen mag ich die Pressekonferenzen mit Gino Lettieri. Er wirkt nicht leicht bei diesem Teil seiner Arbeit. Wenn ich ihm zuhöre, meine ich manchmal für kurze Zeit, dass es beim Fußball tatsächlich um nichts anderes als Fußball geht. Einen Eindruck, den ich mit diesem Post natürlich ad absurdum führe.

So, und nun: was zeichnet die Stuttgarter Kickers noch einmal aus? Ab 0.16′.

Plaudereien nach dem Pflichtsieg

Seht es mir nach, ich muss mich mal mit einer wenig zielgerichteten Plauderei ablenken. Seit dem letzten Samstag schwirrt mir nämlich  immer mal wieder dieses Wort „Spitzenspiel“ im Kopf herum. Mir ist das unheimlich. Das „Spitzenspiel“ hatte ich vollkommen aus meinem Sprachschatz gestrichen. Es gab für mich in den letzten Jahren niemals Spitzenspiele, egal von welchem Tabellenstand aus der MSV Duisburg gerade an Platz vier kratzte. Es gab immer nur Spiele, nach denen vielleicht noch einmal demnächst wieder ein Spiel beginnen könnte, das dann mit großer Vorsicht Spitzenspiel hätte genannt werden können. Aber auch nur falls dieses und auch jenes Spiel gewonnen würden, während zugleich drei andere Vereine verlieren. Da ist es doch kein Wunder, dass ich heute rätsel, ob „Spitzen“ nicht doch mit Doppel-z geschrieben wird.

Aber wenn der MSV Duisburg am Samstag gegen die Stuttgarter Kickers spielt? Also, der Tabellenführer kommt zu einer Mannschaft, und nun wird mir etwas mulmig, wenn ich das schreibe, der Tabellenführer kommt zu einer Mannschaft, die erst einmal in dieser Saison verloren hat. Das fühlte sich bis Samstag nur nicht so an wie ein kontinuierlicher Erfolgsweg. Aber seitdem ist mir unheimlich. Ich kann nichts dagegen machen, dass mir dieses blöde Wort ständig in den Sinn kommt. Deshalb wird der Niederrheinpokal nun wieder in die richtige Dimension gerückt. Championsleague kann jeder, aber Niederrheinpokal mit Sicherheit auch und für eine Saison habe ich auch großen Spaß daran gehabt, mich an den kleinen Dingen des Lebens zu freuen. Es führt aber kein Weg an der Einsicht vorbei, in dieser Saison reicht mir das nicht. Im Gegensatz zu den Jahren in Liga 2 will ich mich nicht mit irgendeiner Platzierung am Ende Saison begnügen. Es gibt genau zwei Tabellenplätze, mit denen ich am Ende zufrieden bin.  So denke ich kaum an das Weiterkommen im Niederrheinpokal und viel an den kommenden Samstag.

Da bin ich dann froh, dass mich in den letzten Tagen mal wieder Anfragen zu Werbekooperationen von diesen mir unheimlichen Gedanken ablenkten. Grundsätzlich bin ich solchen Anfragen gegenüber nicht abgeneigt. Ich verdiene mit Schreiben mein Geld, warum also nicht auch mit dem Schreiben im eigenen Medium Geld verdienen? Ich verfolge das nicht offensiv, aber wenn mal einer fragt, lasse ich mir gerne konkrete Vorschläge unterbreiten. Adam hatte jedenfalls für seine Firma, die Becher mit Deckel verkauft, eine, wie sich später rausstellte, lustige Idee. Seine Firma nennt ihre Becher mit Deckel  „Shaker Cup“, was zugegebnermaßen kürzer ist und vielleicht unbedingt notwendig, weil nur in einem „Shaker Cup“ allerlei Nahrungsergänzungsmittel mit Wasser so gemischt werden können, dass sie leistungssteigernd wirken. Ich kenne mich da nicht so aus.

Dagegen gefiel es mir gut, wie Adam von den regelmäßigen Lesern hier als meiner „community“ schrieb.  Diese englische Gemeinschaft klingt doch nach Beständigkeit und Zusammenhalt, und dieses besitzanzeigende Fürwort kitzelte meine väterlichen Gefühle. Als Sektenführer hatte ich mich bislang zwar noch nicht gesehen, aber dieses Social-Media-Gedöns ist ausbaufähig. Menschen suchen in diesen unübersichtlichen Zeiten schließlich Orientierung, und wenn es nur die Kaufempfehlung für einen „shaker cup“ ist. Wie immer möchte der Sektenführer an so was aber Geld verdienen.

Doch nach einem ersten Mail-Wechsel zeigte sich, Adam wollte bei mir keine Werbung schalten, schon gar nicht sollte ich sie als Werbung kennzeichnen. Er wollte mich zu einer Art Online-Tupperparty-Verkäufer machen und  das Ganze nur anders nennen. Die schöne  gefühlige Welt der Netz-Unternehmen war endlich auch bei mir angekommen. Bislang musst ich punkto Werbung mir nur die Frage beantworten, wieviel Wert ich einem Werbeplatz im Blog zumesse. Nun aber ging es in erster Linie nicht ums Geld, es ging um mein Wohlgefühl, und fürsorglich wie Adam war, überließ er mir aus genau diesem Grund alle Freiheiten.

2014-09_shaker-mail

Ich war im ersten Moment natürlich überaus dankbar, dass ich dieses Shaker-Zeug nicht kaufen musste, um darüber zu schreiben. Als ich dann aber in mich ging und meinen Gefühlen intensiv nachspürte, um herauszufinden, wann ich mich besonders wohl fühlte, erspürte ich eine für Adam bittere Wahrheit. Am wohlsten fühle ich mich, wenn ich für die Arbeit, die ich im Auftrag anderer leiste, auch bezahlt werde. Deshalb machte ich ihm einen Kostenvoranschlag für PR-Arbeit. Seitdem ich ihm das geschrieben habe, hat sich Adam nicht mehr gemeldet. Ich hätte doch eine Provision bekommen für jeden über diese Seite verkauften Becher mit Deckel. Er hat es gut mit mir gemeint, und ich habe ihn wohl enttäuscht. Ich hoffe nur, ihr als meine community bleibt mir erhalten, weil ich zugleich auch euch enttäusche. Wegen meiner egoistischen Forderung nach Bezahlung für geleistete Arbeit müsst ihr nun auf einen Discount von 20 Prozent beim Kauf dieses Shaker-Zeugs verzichten.

Kann ich das mit einem artistisch erzielten Basketballkorb im Viertelfinale der Basketball-WM zwischen Frankreich und Spanien wieder gut machen? Spanien hat das Spiel übrigens dennoch verloren. Es fielen wenige Körbe in diesem europäischen Spitzenspiel. Beide Mannschaften spielten defensiv sehr gut. Irgendwie führt alles, was ich schreibe doch wieder zurück zum nächsten Samstag. Spitzenspiel keine Frage, auch wenn es mir unheimlich ist.

 

Unerwartete Wirkungen von Erwartungen

Gestern Morgen begann ich ein paar Sätze über das glückliche 1:1-Unentschieden des MSV Duisburg gegen die Stuttgarter Kickers zu schreiben, als es mir wie den Zebras am Samstag ging. Der Anfang eines Textes war entstanden, und in ihm war das Versprechen auf den Spielbericht erkennbar. Einige Worte schienen mir sogar gut gelungen zu sein, doch nach einer halben Stunde Schreiben etwa verlor ich auf mir unerklärliche Weise den Bezug zum Spiel. Einzelne Wörter hatte ich noch im Kopf, Satzfetzen, mehr nicht. Ich wollte mich  in den Text hineinkämpfen, doch das mündete nicht einen Moment lang in den Fluss des Schreibens. Allenfalls bildeten drei, vier Wörter den Teil einer Satzgruppe, vollendet wurde nichts mehr. Ich schrieb sogar immer wieder für einen Spielbericht unpassende Worte aus Reiseführern, Gedichten und Kinderbüchern in den Text hinein. Sicher, kein Gegenspieler stand im Raum, der mit viel Laufarbeit mir den Zugang zur Tastatur erschwert hätte. Und eine gut gestaffelte Defensive, die mit ihrem lauten Gequatsche meinen Wortfluss behinderte, gab es ebenfalls nicht. Doch von der Stimmung her fühlte ich mich ins Stadion zurück versetzt.

Denn so muss es der Mannschaft des MSV Duisburg gegangen sein. Etwa eine halbe Stunde ließen die Zebras auf ein erfolgreiches Spiel hoffen. Dann folgten vergebliches Mühen und unentwegtes Scheitern. Wenig machte noch den Eindruck, als wüssten die Spieler, wie sie aus Ballhin- und hergeschiebe ein Fußballspiel machen sollten. Durchsetzt wurde das Ganze von Momenten der Unachtsamkeit beim langsamen Spiel nach vorne und von unzähligen Pässen, die auf eine schwere Beeinträchtigung der Auge-Fuß-Koordination bei mehreren Spielern der Zebras hinwiesen. Es gab das hilflose und vergebliche Hoffen auf die magnetische Kraft von Kingsley Onuegbu. Da war die erkennbare Sorge mit einer Spielaktion etwas eklatant falsch zu machen und für das Kontertor verantwortlich zu sein. Kontrolle schien das Gebot der Stunde. Doch was als Spielkontrolle gedacht war, verwandelte sich angesichts der Laufbereitschaft und des Einsatzwillens der Stuttgarter zur Lähmung des Spielflusses auf Seiten der Zebras. Während die Stuttgarter als Mannschaft durchweg schnell agierten, zeigte sich Schnelligkeit auf Seiten der  Zebras allenfalls in Einzelaktionen. Zumal dem Versuch eines Zusammenspiels fast immer sofortiger Ballverlust folgte. Schnell nach Wiederanpfiff der zweiten Halbzeit war klar, ein Tor für den MSV Duisburg würde allenfalls durch glückliche Fügung fallen, ein Tor für die Stuttgarter nach einem Konter, wenn auch die nicht so häufig waren, wie es durch die miserable Leistung der Zebras hätte sein können.

Im Nachhinein fühlt es sich gut an, wenn im Leben das passiert, was man schon früh vermutet. Im Stadion selbst erreichte meine Stimmung nach dem späten Kontertor der Stuttgarter den Tiefpunkt. Der war so tief, dass ich mich über den Ausgleich durch das glückliche Tor von Phil Ofosu-Ayeh nicht mehr groß freuen konnte. Ich nahm das Tor als erfolgreiche Durchführung einer Notfallmaßnahme zur Kenntnis. Mit dem zeitlichen Abstand zum Samstag interessieren die Details des Spiels nicht mehr sehr. Vielmehr frage ich mich, wie der so deutliche Bruch im Spiel zustande kam? Wieder einmal wirkt es auf mich so, als erwartete die Mannschaft von sich mehr eigene Dominanz im Spiel und wenn diese Dominanz entgegen der Erwartung nicht dauerhaft eintritt, wird es ihr unmöglich, sich mehr einzusetzen. Ging es in taktischen Belangen in dieser Saison häufig um die Balance zwischen Defensive und Offensive, so wirkt es auf mich, als mangele es der Mannschaft auf der psychischen Ebene an der Balance zwischen Kontrolle und Aggressivität. Vielleicht ist das die Folge jener Spiele wie dem gegen Wiesbaden, in denen das gesamte Spiel über alle Spieler mit großer Laufbereitschaft und großem Einsatz das Spiel bestimmten und die Mannschaft dennoch das Spiel verlor. Nun wird stattdessen versucht, das Spiel kontrolliert und ruhig anzugehen. Was nur dann gelingen kann, wenn auch die spielerischen Mittel dazu vorhanden sind. Wenn eine Mannschaft mehr Einsatz und Laufbereitschaft als der MSV zeigt, werden diese spielerischen Mittel aber sofort beschränkt. Dann wird aus dem Versuch der Kontrolle  passives Spielverhalten.

Natürlich beeinträchtigt so eine Spielweise wie die des MSV gegen die Stuttgarter Kickers die Laune für den Tag. Hinzu kommt nun aber die Frage, was wir noch von dieser Saison zu erwarten haben. Diese Erwartung bestimmt maßgeblich die Stimmung im Stadion. Die Mannschaft brachte vor dem Spiel den Aufstieg zur Sprache. Deshalb wirkt dieses Unentschieden über den Spieltag hinaus. Die Leistung der Mannschaft in dem Spiel macht ratlos, weil jeder Spieltag nun an ihrem Wollen gemessen wird. Nach dem Samstag sieht es so aus, als läge die Latte im Moment etwas zu hoch.

Wer noch immer Interesse hat und eine Zusammenfassung noch nicht gesehen hat, für den geht es mit einem Klick weiter zum Spielbericht beim SWR.

Den Schreibtisch aufräumen – Pop-Art als Sporthallenboden nebst erstem Fußball

Kaum mache ich den Laden hier mal einige Zeit zu, schon weiß ich nach der Wiedereröffnung gar nicht, wie ich der Themenstapel um mich herum Herr werden soll. Etwas Orientierung bringen die Termine des Alltags. Das Heimspiel gegen die Stuttgarter Kickers liefert im Vorfeld ein paar Bewegtbilder, aber der Rest?  Die Fanszene beim MSV, Rechtsextreme, Politik in der Kurve, nichts für schnelle Worte heute, etwas für den nächsten Dienstag.

Der nächste Stapel, auch was für die nächste Woche: Wie geht es weiter nach dem 31. Oktober, der zum überlebenswichtigen Datum stilisiert worden war? Stichtag für den Schuldenschnitt. Zwei fehlende Unterschriften, eine von Walter Hellmich, zwingen nun doch noch zum Warten, vielleicht bis zum Ende der Saison Zeit. Weil die Katze aus dem Sack gelassen wurde und diie Spieler aussprechen, was jeder mit ein wenig Gespür für Stimmungen schon längst wusste? Diese Mannschaft und dieser Trainer Karsten Baumann wollen genau diese Saison aufsteigen. Ein Aufstieg. So ein Aufstieg bestimmt die Strategie von Walter Hellmich bei seinem Engagement für den MSV Duisburg offensichtlich seit Jahren. Setzt Walter Hellmich schon die ganze Zeit erneut darauf, um mehr Geld zu retten? Wo es ihm vor dem 31. Oktober doch immer vor allem um seinen Ruf, um Anerkennung ging, laut dem, was der lokalen Berichterstattung zu entnehmen war.  Den Termin für die nächste Lebensgefahr kann sich nun jeder selbst errechnen.

Die Mannschaft fühlt sich also gut genug für den Aufstieg. Dumm nur, dass die enttäuschendsten Punktverluste wie in den Spielen gegen Saarbrücken oder Elversberg durch genau dieses Gefühl mit hervorgerufen wurde. Bislang hat es jedenfalls für mich zu oft so ausgesehen, als könne sich die Mannschaft überhaupt nicht erklären, warum sie nicht gewonnen hat. Auf mich machte es den Eindruck, als fühlten sich zu viele Spieler der Mannschaft wegen ihrer individuellen Fähigkeiten dem Gegner grundsätzlich überlegen.

Auf jeden Fall was für den Papierkorb, der Stapel Unentschieden gegen VfB Stuttgart II.  Zudem schaffe ich mit dem Blick über den Tellerrand viel Platz auf dem Schreibtisch. Der 1928 geborene Robert Indiana erschuf als Bildender Künstler Werke der Pop-Art. Neulich gab es in den USA eine Retrospektive für ihn, die die New York Times veranlasste an dessen größtes Werk zu erinnern, das in dieser Retrospektive nicht ausgestellt wurde, den Sporthallenboden der Mecca Arena in Milwaukee. In dieser Sporthalle spielte über Jahre das NBA-Team der Milwaukee Bucks. Das war natürlich auch eine Marketing-Aktion, den Sporthallenboden zu einem Kunstwerk zu machen. Ein Blick auf den Basketball als Anregung für den Rasensport? Schließlich habe ich schon öfter von Konzeptkünstlern gelesen, die Rasenflächen in vergängliche Kunstwerke verwandeln. Ein Fußballspiel könnte so zum Happening werden. 5:0! Auf Rasenkunst werden Zebras zu Fußballkünstlern. Welche Schlagzeilen lassen sich nicht alle erträumen? Zur Slide-Show der New York Times mit einem Klick weiter.

Bleibt noch die Einstimmung aufs Spiel  mit Bewegtbildern der Zebravision. O-Töne und Trainingsbilder nehme ich gerne mit und übersehe dafür auch die zuweilen auftauchende Industrie- und Imagefilmästhetik dieser Clips.

Das Spiel der U12 der Zebras gegen die Stuttgarter Kickers im März dieses Jahres sollten sich die erwachsenen Kollegen übrigens heute nicht zum Vorbild nehmen.


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