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Wie lebt es sich als Hecht im Karpfenteich?

Zu was Fußball doch alles nützlich ist. Seitdem ich hier über den MSV Duisburg schreibe, erhalte ich regelmäßig Anstöße mein Wissen zu mehren. Natürlich mache ich das in der Absicht, dieses Wissen zu teilen, um eure Zukunftsaussichten auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern. Denn Bildung muss heutzutage immer nützlich sein. Ich kann mir gut vorstellen, dass das folgende Häppchen angewandte Fischkunde manch fachliches Problem bei Einstellungsverfahren vergessen macht.

Der angewandten Fischkunde brachte mich gestern ein Satz in der Rheinischen Post näher. Dort hieß es: „Spätestens nach dem überzeugenden 2:0 von Berlin rücken die Zebras in die (erfreuliche) Position, nicht nur ein ´Hecht im Karpfenteich´ zu sein.“ So sind wir Menschen, wir lieben das Bildhafte und machen deshalb aus Fußballspielern in gestreiften Trikots Zebras und die wiederum zu Hechten, die davon träumen Karpfen zu werden. Zumindest glaubt der Journalist, dass es irgendwo im Teich ein besseres Leben als ein Hecht-Leben gibt.

Doch was ist so schlimm daran, im Karpfenteich ein Hecht zu sein? Denken wir doch mal an den ganz dicken Karpfen Hertha BSC Berlin. Ruhig zieht er seine Bahnen im Gewässer und seine minimalen Flossenbewegungen verraten nichts von seinen großen Überlebensängsten, weil ihm die innere Ruhe fehlt, selbst weichste Wasserpflanzen anzuknabbern.  Will der MSV Duisburg so ein Karpfen werden? Oder ist es nicht viel besser Hecht zu sein, der diesen dicken Karpfen zwar nie ganz fressen wird, ihm aber durch seine Anwesenheit das Leben schwer macht. Mir scheint, der Hecht führt im Karpfenteich kein schlechtes Leben. Die Beute muss zwar gejagt werden, aber das Machtverhältnis zwischen Hecht und Karpfen ist völlig ungeklärt. Nur deshalb ist überhaupt der Wertewandel möglich, den der „Hecht“ des Karpfenteichs in der Wahrnehmung durch uns Menschen durchmacht.

Einmal sorgt dieser Hecht für Bewegung unter trägen Karpfen und übernimmt mit Tatkraft eine führende Rolle, das andere Mal, vor allem im 19. Jahrhundert, kommen die Karpfen besser weg und das Augenmerk der bildhaften Sprecher liegt auf  dem räuberischen Verhalten der Hechte. Die angewandte Fischkunde kennt kein gut oder böse, sie kennt nur die nützliche Ergänzung. Bei der Fischzucht wird der Hecht von den Teichwirten seit Jahrhunderten für „teichwirtschaftliche“ Aufgaben genutzt. Wie auf der Angelfachseite www.angeltechniken.de zu lesen ist, beseitigt er durch Wegfangen minderwertiger Fischarten die Fresskonkurrenz der Karpfen.

Warum sollte der Hecht MSV Duisburg also Karpfen werden wollen? Um dann doch dem dicken Karpfen Hertha BSC den Vortritt beim Fressplatz Deutsche Bahn zu lassen? Da bleibt er doch besser der einzige Hecht unter all den Karpfen. So ein Hecht kann schließlich auch ganz schön groß werden. Heute Abend treffen die Zebrahechte auf den größer gewordenen Karpfen FSV Frankfurt. Milan Sasic sieht eine schwierigere Aufgabe für den MSV Duisburg als beim Karpfen aus Berlin. Tief und abgeklärt stehende Frankfurter Karpfen müssen erst einmal in Unruhe gebracht werden, damit Wege zum Frankfurter Tor frei werden. Ich hoffe, damit findet der Hecht MSV Duisburg wieder gute Lebensbedingungen vor.

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