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Der Kommentar zum Kommentar nebst froher Botschaft vom Lokaljournalismus

Eigentlich hatte ich mich dank meiner Lokalzeitung des einen Stadtviertels entschlossen an die beste aller Welten zu glauben. Dies geschah nach längerem Nachdenken über die Bedeutung der gleichnishaften Geschichte von einem Kölner Kanarienvogel, der sich nicht zum Werkzeug eines Verbrechers machen lassen will. So kann sich jeder entscheiden, dachte ich, selbst wenn nur wenige Menschen über Flügel verfügen.

 

 

Kanarienvogel kein Komplize

Nun lässt mich aber die Lokalzeitung, die über das andere Viertel meiner Heimatstadt schreibt, schon wieder zweifeln, ob die beste aller Welten nicht vielleicht doch noch ein wenig besser sein könnte. Ich verstehe den sarkastischen Ton des Kollegen Ingo Blazejewski einfach nicht, mit dem er seinen WAZKommentar unterlegt zum „Wunder von der Wedau„, der Lizenzerteilung für den MSV Duisburg. Ich hatte ihn in der Berichterstattung über die Finanzlage als sachlichen, faktenorientierten Journalisten kennengelernt, und nun fasst er seine über ein Jahr gewonnenen Eindrücke in einem Satz zusammen, der der Realitität in keiner Weise gerecht wird: „Chapeau, MSV! Wer es schafft, so viel Geld zu verbrennen und sich gleichzeitig neues zu besorgen, den kann auch die Pflicht zum Aufstieg nicht schrecken.“

Es sollte dem Kollegen doch über dieses Jahr hinweg  deutlich geworden sein, dass er nicht von dem MSV schreiben kann, wenn die handelnden Personen völlig andere sind als jene, die zuvor mit unterschiedlichen Feuermitteln dem Geld zu nahe gekommen sind. Wie ist das in anderen Bereichen dieser Gesellschaft? Meinetwegen politischen Parteien. Wird nicht nach großem Versagen von Führungspolitikern immer von den Neuanfängen mit unverbrauchten Kräften gesprochen? Neue Frauen und Männer, die erstmal aufräumen müssen und wegen all der Fehler der Vergangenheit Schwierigkeiten haben, das große Schiff Partei auf Kurs zu halten. Kritik beim Aufräumen dieser Fehler ist natürlich erlaubt, aber niemand käme auf die Idee den neuen Führungskräften der Partei vorzuwerfen, dass sie bei der vorletzten Wahl die Partei haben schlecht aussehen lassen.

Oder die Kultur. Gerade eben beruhigt sich das Düsseldorfer Schauspielhaus nach der im November letzten Jahres offenbar gewordenen Finanzlücke im Etat.  Das Theater braucht Geld von Stadt und Land. Der neue Intendant als Hoffnungsträger ist ein alter, nämlich Gunter Beelitz, der nun mit knapperer Kasse ein Programm auf die Beine stellen muss, das mehr Zuschauer bringen soll. Im Grunde eine ähnliche Situation wie beim Sport in Duisburg. Wirft diesem Intendanten das jemand vor? Wird irgendwo geschrieben, Chapeau, Düsseldorfer Schauspielhaus! Erst das Theater leer spielen, dann Geld kassieren und nun mit konsolidiertem Etat ein populäres Programm auf die Beine stellen. Das soll mal einer nachmachen. Ich habe so etwas nirgendwo gelesen. Überall wird über die schwere Aufgabe von Gunter Beelitz geredet.

Nun ist mir klar, der MSV Duisburg als Fußballverein besitzt in Teilen nur jenen Kulturwert, der den etablierten Künsten in unserer Gesellschaft zugemessen werden kann. Zwar gab es Zeiten, da hätten es die Vereinsvorstände gerne so gehabt, dass sie mit Stadtttheatern und Opernhäusern gleichgestellt subventioniert werden, das ist aber mit Recht vorbei. So ein Fußballverein ist nämlich ein vielschichtiges Ding. Und der sarkastische Ton im Kommentar gilt ja vornehmlich dem Wirtschaftsunternehmen MSV Duisburg.

Doch auch in den Kommentaren der Wirtschaftsseiten einer Zeitung wird bei Unternehmskrisen zwischen dem Unternehmen und den handelnden Personen unterschieden. Als Heinrich Hiesinger den Vorstandsvorsitz von ThyssenKrupp übernimmt, wird das allerorten mit einem Wandel der Unternehmenskultur in Verbindung gebracht. Korruption, das war die Vergangenheit. So eine Differenzierung hätte ich mir in einem abschließenden Kommentar zur Finanzsituation beim MSV Duisburg auch gewünscht. Die Kosten der vergangenen Fehler für die Gesellschaft benennen und wahrnehmen, dass mit einem veränderten Personal beim MSV Duisburg auch eine veränderte Vereinskultur Einzug gehalten hat. So ist die Welt eben, sie kann immer überall auch noch ein bisschen besser werden.

Update 17.30 Uhr: Lé Rummel hat im Kommentar unten schon drauf hingewiesen und es gibt weitere Leser des Artikels von Ingo Blazejewski, die ihn als Beifall und Zuspruch für den MSV verstanden haben. Ich kann die andere Lesart  durchaus nachvollziehen, und sie passte auch besser zum Bild, das ich mir durch Ingo Blazejewskis bisherigere Artikeln über den MSV gemacht habe. Doch bin ich mit meinem Verständnis nicht allein. Wenn ich allerdings nur Sprachkritik an dem Artikel üben müsste, wüsste ich die Welt sofort ein bisschen besser. Eins ist für mich sicher, der negative Beiklang des Geld verbrennens ist nicht aus der Welt und wenn er damit den Schuldenschnitt gemeint haben sollte, hat er sich in der Wortwahl vergriffen. Das Geld verbrannt haben andere Verantwortungsträger als die jetzigen.

Halbzeitpausengespräch: Begeisterndes Kom’ma-Theater für das erwachsene Publikum

Als ein Ort für Kinder- und Jugendschauspiel ist das Kom’ma-Theater seit Jahren eine feste Größe in Duisburg. Nun wird das Repertoire  erweitert. Nach einer langen Pause wird wieder erwachsenenes Publikum gesucht und hoffentlich in großer Zahl gefunden. Denn „Gerolimenos“, das erste Stück dieses Neuanfangs, zeigt, welch originelles, frisches Theaterspiel im westlichen Pott möglich ist. Noch muss das weitererzählt werden. Noch blieben bei der Vorstellung am letzten Freitag Plätze frei. Wer das Stück gesehen hat, versteht das nicht.

Die Anfangsszene gibt die Tonlage des begeisternden Abends vor. Auf der karg ausgestatteten Bühne sitzt auf einem Sofa der Usbeke  in Pelzmantel und -mütze, eine Sonnenbrille tragend und strickt. Da macht sich Komik und Groteske sofort bemerkbar, zumal Renate Frisch den Usbeken mit brummiger Stimme,  herbem Charme  und slawischem Akzent gibt. Der Usbeke wartet auf das regelmäßige Treffen mit Chili und Gerolimenos. Die drei sind Labyrinth-Baumeister und erzählen über ihre Pläne für Projekte sowie das Leben.

Wenn dann Hilmi Sözer als Gerolimenos die Bühne betritt, wird noch etwas sofort deutlich. Die Schauspieler treten auch als Erzähler ihres Erlebens auf und durchbrechen immer wieder die Bühnenrealität. Der Rahmen der Handlung wird von Hilmi Sözer abgesteckt, indem er sich zum Publikum wendet. Die Hauptfiguren werden vorgestellt. Später begleitet die beschreibende Erzählung von Helle Hensen als Chili das Spiel der beiden anderen. Pantomime ersetzt Requisite. Einige Register modernen Theaters werden gezogen. Doch geht es dabei nicht um reine Effekte der Distanzierung und der Komik, letztlich dient alles Bühnengeschehen dazu, im kleinen Raum auch eine große Welt erfahrbar zu machen.

In diesen Anfangsminuten braucht das Stück ein wenig Zeit, um Fahrt aufzunehmen. Dann aber kennt die Spielfreude der drei Schauspieler kein Halten mehr. Die Schauspieler nehmen je nach Handlungsort weitere Rollen an, wechseln eindrucksvoll von jetzt auf gleich zwischen ihnen hin und her, und erschaffen auf der Bühne ein imaginäres schottisches Landgut, wo Geromilenos im Auftrag von dessen Besitzerin und auf Anraten Chilis ein einzigartiges Labyrinth erschaffen soll. Das Labyrinth steht aber auch als Sinnbild für  Gefühle. Schließlich ist in Schottland auf einem Landgut voller Frauen unterschiedlichen Alters mit der Liebe zu rechnen. Denn auch wenn Gerolimenos von sich glaubt, er bevorzuge die reiferen Frauen, kann er sich den Avancen von Elena, der ältesten Tochter seiner Auftraggeberin, nicht entziehen. Für sie scheint die Liebe aber ein Spiel zu sein. Und so zeigen sich neben aller Komik auch kleine berührende Momente.

Der belgische Theaterautors Geert Genbrugge hat für Gerolimenos nicht nur originelle Figuren samt verwickelter Handlung geschaffen. Auch seine Sprache ist besonders. Ungewohnt bildhaft lässt er zuweilen seine Figuren reden, und auch diese Sprache ist Quelle von Komik und Witz. Mit der Auswahl des Stückes beweist das Kom’ma-Theater Mut.  Zuschauer müssen für ein Stück gefunden werden, das weder von einem in Deutschland bekannten Namen gestützt wird, noch dass es sich ins im Ruhrpott beliebte Gegenwarts-Boulevardtheater einreiht mit potttypischen Figuren und Themen. Noch einmal: Belohnt diesen Mut. Erzählt weiter, welch wunderbarer Theaterabend am Kom’ma-Theater mit Gerolimenos zu erleben ist. Welch mitreißende schauspielerische Darbietung Renate Frisch, Helle Hensen und Hilmi Sözer auf die Bühne bringen. Welch neue alte Theaterbühne in Duisburg zu entdecken ist.

Mit einem Klick weiter geht es zu der Seite zum Stück samt Informationen zu Terminen und Kartenbestellung.

Uraufführung dieser „Abseitsfalle“ vom Theater Oberhausen

Wer als Fußballspieler in eine Abseitsfalle läuft, erhält beim nächsten Angriff seiner Mannschaft eine neue Chance, ein Tor zu erzielen. Wenn die Abseitsfalle aber auf Verhältnisse im wirklichen Leben anspielt, sieht es düster aus mit dieser neuen Chance. Dann geht es um ein dauerhaftes Abseits oder wenigstens um die Gefahr dort zu landen. In Oberhausen als einer der überschuldeten Städte des Ruhrgebiets kennen die Menschen diese Gefahr als Alltag. Jahr für Jahr sieht sich die Stadt zu neuen Sparmaßnahmen aufgefordert. Geschaut wird dann jeweils als erstes auf die freiwilligen Leistungen. Hinter diesen zwei Wörtern der Verwaltungssprache versteckt sich vieles, was ein Leben lebenswert macht. Dazu zählen Kultur, Sport und Bildung, so dass nicht selten Theaterleute und Sportler in einem Wettbewerb um kommunale Gelder stehen.

Diesen Moment des kommunalen Alltags greift Schorsch Kamerun für sein Theaterprojekt „Abseitsfalle“ auf und verwandelt ihn in eine märchenhafte Phantasie. Denn wenn die Stadt kein Geld hat, hilft mit „Arab Petrol“ vielleicht ein Sponsor aus dem Orient. Der Eigner von Arab Petrol, Herr Vorsprung genannt, weiß allerdings nicht so recht, ob er dem Theater Oberhausen oder dem ortsansässigen Fußballverein Rot-Weiß  sein Geld zukommen lassen soll. Bei einer „Vier-Chancen-Tournee“ treten deshalb an: „Team Theater“ mit Schauspielern, Pförtner und Dramaturgin gegen „Team RWO“ mit Vereinsvorsitzendem, Fans, Securitymitarbeiter und Sportjournalistem. Sie werben um die Gunst des Publikums, dessen Votum Herr Vorsprung sich zueigen machen möchte. Es ist ratsam, diese Entscheidung zum Ende der Vorstellung hin nicht spielerisch und leicht zu nehmen. Man sollte sich ihr bewusst stellen, denn darin liegt der Wert dieses Abends.

Etwa zehn Minuten dauert die Sonderfahrt mit dem Oberhausener Linienbus vom Theater der Stadt aus zur Dreifachsporthalle der Gesamtschule Osterfeld, wo die „Vier-Chancen-Tournee“ stattfindet. Auf dem Hinweg erfahren wir durch die Schauspielerin Anna Polke, wie die Industriearbeit aus Oberhausen verschwand und dass Europas größtes Einkaufszentrum stattdessen als „Neue Mitte“ für die Identität dieser Stadt wichtig ist. Die Wirklichkeit soll an diesem Abend nicht vergessen werden.

Es ist ein ungleicher Wettbewerb, der dann in Osterfeld stattfindet, nachdem das Publikum auf den Ausziehtribünen der Sporthalle Platz genommen hat. Zwar steht der RWO-Vorsitzende Hajo Sommers als Schauspieler auch auf anderen Theaterbühnen, doch seine Mitstreiter im „Team RWO“ sind Laien. So geht es für das Team RWO weniger um künstlerischen Ausdruck als um authentische Präsenz von Menschen, in deren Leben Fußball von Bedeutung ist. Da werden dann Fußballersprüche vorgelesen. Da wird ein Bild im Keith-Haring-Stil gemalt. Oder zur Vorstellung des neues Vereinslogos wird die von Schorsch Kamerun geschaffene Oberhausen-Hymne eher gerappt als gesungen sowie eine Cheerleader-Choreografie wird dazu getanzt. King Lear im „volksnahen“ Stil bildet den Abschluss dieser ersten Halbzeit.

Team RWO malt im Stil von Keith Haring ein Gastgeschenk für Arab Petrol. Auf der Leinwand ist eine Videoprojektion zu sehen von der gleichzeitig stattfindenden Aufführung einer Szene aus „King Lear“ durch das Team Theater.

Foto: Axel J. Scherer

Zeitgleich beginnen beide Teams in zwei der drei Querfelder der Sporthalle mit ihren Darbietungen und bald nach Beginn senkt sich eine Faltwand zwischen den beiden Hallenteilen herab. Erst in Halbzeit zwei wird man, nach einem Wechsel der Tribünenseite, vom jeweils anderen Team in Gänze sehen, was als Videoprojektion manchmal im Hintergrund auf eine große Leinwand eingespielt wird.

Das „Team Theater“ agiert selbstverständlich in professioneller Weise. Auch wenn die Darbietungen dabei den Anschein von Arbeitsproben annehmen, machen die Schauspieler Qualität und Möglichkeiten ihrer Kunst erlebbar. Da wird jene  Szene aus King Lear in klassischer Sprechtheatermanier gegeben, wobei die an Stars-Wars-Filme erinnernden Kostüme den Kontrapunkt Moderne bilden. Da wird Actionpainting per Gruppenaktionskunst persifliert. Da wird die Oberhausen-Hymne vom Männerchor gesungen, während die Schauspieler, maskiert als Kulturklassiker und Feuilletonstars der Gegenwart einen Ausschnitt des Kulturkanons auf die Bühne bringen.

Marek Jera spielt den „Prinz“, der den potentiellen Sponsor „Herrn Vorsprung“ vertritt und der als Spielleiter den Wettbewerb begleitet.

Foto: Axel J. Scherer

Auch wenn es in der Vorberichterstattung so angedeutet wurde, „Abseitsfalle“ kritisiert keineswegs Auswirkungen möglichen Sponsorings. Dazu geht das Stück nicht tief genug in die Wirklichkeit solcher Finanzierungsquellen. Da bewegt sich der Abend auf der Ebene bekannter Gags aus Comedy- und Kabarett-Zusammenhängen, wenn die Darbietung selbst sponsorgerecht inszeniert wird und während der Übergänge per Großleinwand der tatsächlich existierende lokale Sponsor präsentiert wird.

Klaus Zwick als Mitglied im Team Theater tritt als „King Lear“ auf. Im Hintergrund warten zwei seiner Töchter, gespielt von Annika Meier und Nora Buzalka.

Foto: Axel J. Scherer

Wenn wir der Prämisse des Stück vertrauen, so leben wir noch in zivilisierten Zeiten. Noch scheint es den Glauben an wirksame Verfahren der Entscheidung zu geben. Zumindest hält der Glaube bis zum Ende an, wenn sich Herr Vorsprung dann doch per Telefon als wahrer Machthaber erweist und mit einem Mal die Ökonomie als Entscheidungsgrundlage entdeckt.  Sonst deutet der Text des Stückes aber nirgendwo an, was da als heftigerer Verteilungskampf noch kommen mag. Da ist der Zuschauer auf sich gestellt und muss in sich selbst spüren, was passiert, wenn er sich auf den Wettbewerbsgedanken dieses Stückes wirklich einlässt. Nimmt der Zuschauer seine Macht als Juror ernst, bewegt der Abend.

„Abseitsfalle“ braucht nicht den Überbau einer kritischen Aussage, wie sie in der Pointe des Ende angelegt ist. Herr Vorsprung meldet sich telefonisch und setzt sich über das vermeintliche Publikumsvotum für das Theater Oberhausen hinweg. So eine Pointe macht nur jene Schublade mit Fragen auf, die von dem Stück nur unzulänglich behandelt werden. Es wäre nicht nötig gewesen. Es langt, die Zuschauer mit dem Gefühl alleine zu lassen, sich entscheiden zu müssen. Es reicht aus,  das Publikum vor die Wahl zu stellen, was wichtiger ist für die Stadt, für die Allgemeinheit und letztlich vielleicht nur für einen selbst. In dem Moment wirkt dieses Theaterstück in die Wirklichkeit hinein. Das aber muss man als Zuschauer zulassen.

Weitere Vorstellungen:

25. und 27. März 2010
13. und 29. April 2010
4., 14., 15. und 19. Mai 2010

Theater Oberhausen: Abseitsfalle von Schorsch Kamerun

Heute Abend werde ich mir eine Abseitsfalle auf der Bühne ansehen. Schorsch Kamerun hat sie für das Theater Oberhausen einstudieren lassen. Die Grundidee des Stücks: Rot-Weiß Oberhausen und das Theater der Stadt treten gegeneinander an, um einen reichen Investor zu überzeugen, das so sehr vermisste Geld fließen zu lassen.

Die Wirklichkeit schlägt sich schon in der Besetzung des Stückes nieder, wenn Hajo Sommers, Schauspieler und Vorsitzender von Rot-Weiß Oberhausen, als Vertreter seines Vereins auch auf der Bühne zu sehen ist. Ich bin neugierig, wie dieses Stück noch weiter seine Bezüge zur Wirklichkeit findet.

Zunächst kam mir der Gedanke, in der Realität gibt es den öffentlich wirksamen Wettstreit um allerdings kommunale Gelder ja eher zwischen den Sparten Kultur/Bildung, Jugendhilfe und Breitensport. Zumindest waren das in Duisburg die drei gesellschaftlichen Bereiche, deren Vertreter angesichts der angedrohten Sparmaßnahmen jede für sich zum Protest im Rathaus vorgesprochen haben. Mal sehen, wie es wird heute Abend. Spätestens übermorgen wisst auch ihr dann mehr.

Team RWO mit Schildträger Hajo Sommers (Foto: Axel J. Scherer)

Weitere Vorstellungen sind:

Donnerstag, 25. März, 19.30 Uhr
Samstag, 27. März, 19.30 Uhr
Donnerstag, 29. April, 19.30 Uhr

Fußballer am Theater

Dass Fußballer sich mit Haut und Haaren einem Verein verschrieben, das gäbe es fast nicht mehr. Es würden schon bei den ganz jungen Sonderbedingungen ausgehandelt. Die Situation beträfe aber alle Vereine, sogar den FC Bayern München, der ja nun wirklich in Geld schwimme.

Das, so meine ich, hat gestern Karin Beier, die Intendantin des Kölner Schauspielhauses, in einem Interview mit dem Kölner Stadt-Anzeiger gesagt. In dem Interview war sie auf die Perspektiven ihrer Arbeit zu sprechen gekommen. Da ging es um sie überraschende Publikumsbegeisterung, Probleme durch den anstehenden Neubau des Schauspielhauses, aber auch um allgemeine Entwicklungen in der Theaterlandschaft und das Verhältnis zu den Schauspielern. Aber wieso hat sie denn dann über Fußballer geredet?

Quatsch, das waren natürlich gar nicht Fußballer. Und ich begann gerade schon zu denken, mit ihren Bemerkungen hinkt sie der Zeit aber ganz schön hinterher. Damit keine Missverständnisse aufkommen, hier das Originalzitat:

Bei unserem vorhergehenden Gespräch bedauerten Sie, dass so etwas wie eine Ensemblebildung kaum noch stattfindet.

BEIER: Dass Schauspieler sich mit Haut und Haaren einem Theater verschreiben, das gibt es fast nicht mehr. Es werden schon bei den ganz jungen Sonderbedingungen ausgehandelt. Die Situation betrifft aber alle Bühnen, sogar das Burgtheater, das ja nun wirklich in Geld schwimmt. Ich verstehe es, aber ich finde es schade.

Einige Ihrer Schauspieler sind bereits an größere Häuser gewechselt.

BEIER: Da guckt einfach jeder für sich nach dem Besten. Ich versuche damit so umzugehen, dass ich mich nicht persönlich gekränkt fühle. Das ist mitunter nicht leicht. Man hat ja diesen Menschen auch eine Chance gegeben, sie groß gemacht. Aber das wird immer wieder passieren. Deshalb muss man auch eine gewissen Distanz halten. Was man so gemeinhin Professionalität nennt.

Kölner Stadt-Anzeiger, Nr. 156, 9. Juli 2009

Mit den Bindungen in unserer Gegenwart ist das also so eine Sache. Interessant und natürlich auch schon oft beredet und beleuchtet ist jedenfalls der Widerspruch zwischen dem tatsächlichen Verhalten und dem, was als Sehnsucht der Menschen immer wieder zum Ausdruck kommt. Da zeigt man sich im einen Augenblick flexibel und sucht die Chance zum nächsten Karriereschritt. Im nächsten Moment, eher als Konsument möchte man auf Kontinuität vertrauen, sucht man das Ideal der Dauerhaftigkeit. Da geht es um innere Bindung, die das Fortkommen hemmt und diesen Widerspruch tragen wir in uns selbst. Und schon gehen die wildesten Gedanken wieder durcheinander von Richard Sennets Kapitalismuskritik mit dem Blick auf die heute von Arbeitnehmern geforderte Flexibiliät bis hin zur Frage nach den persönlichen Werten.


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