Posts Tagged 'Tiago'

Have you really known this teammate of Lionel Messi?

„HE won a title in his homeland Brazil, is a former teammate of Lionel Messi, and learned his craft in three of the most competitive leagues in Europe.“ One of this „most competitive leagues in Europe“ is the deutsche 2. Liga, und der Verein, in dem er spielte, waren die so called Zebras. Der, von dem der Newcastle Herald sich ganz angetan zeigt, ist Tiago. Er spielte mit dem 17-jährigen Lionel Messie Messi in der B-Mannschaft vom FC Barcelona zusammen. Wie oft? Keine Ahnung. Aber ein Spiel reicht allemal aus, damit das strahlende Licht des Weltstars den neuen Spieler der Newcastle United Jets  noch ein wenig attraktiver wirken lässt. Das sind esoterische, von uns nicht wirklich verstandene Prozesse, die aus Tiago nun einen noch besseren Spieler machen. Das Putzen der Schuhe eines Weltstars hat dagegen zwar denselben Nachrichtenwert, weckt aber weniger Hoffnung auf Einflüsse beim Leistungsvermögen eines Fußballspielers. Tiagos Newcastle befindet sich übrigens in Australien, und Tiago ist auch wegen seines Heimwehs dorthin gewechselt. Heimweh nicht nach Brasilien, Heimweh nach Duisburg. Es dauerte einige Zeit, bis er mit den Newcastle United Jets  einen Verein in einer Stadt fand, in der die lebendige Geschichte von Kohle und Stahl seinem Defensivspiel zur alten Klasse verhelfen soll.

DFB sei Dank – A star of MSV is born

Jetzt sage niemand, die kurze Schlagzeile des Sport-Telegramms in der BILD verlange einfach nur knappe Hauptwörter. „DFB ermittelt gegen Zweitliga-Stars“, heißt es da, und wir Anhänger des MSV Duisburg erkennen nun die „Dritte Halbzeit mit Rudelbildung“ als schicksalhafte Fügung für das Ansehen unseres Vereins. Dank der Aktivitäten des DFB konnte ein Journalist der BILD die grundlegende Eigenschaft eines jeden Fußball spielenden Brasilianers entdecken. Ich vermute, bislang verdeckte die italienischen Linie seiner Vorfahren für die Presse die angemessene Wahrnehmung von Tiago. Hoffentlich wird Tiago keinen allzu hohen Preis für dieses auch uns geschenkte Wohlgefühl zahlen müssen. Ein Star wurde gestern nach dem Spiel im Schutz des Rudels geboren, und wir können sagen, wir waren dabei. Vergesst eure Enttäuschung über entgangene zwei Punkte, denkt in historischen Dimensionen.

Schade!

Manchmal verrennt man sich beim Nachdenken über ein Problem. Das Problem hieß: Misstrauen bei Betrachtung der zu erwartenden Leistung eines Fußballspielers zum Ende der Saison hin. Ich habe vorgestern die Verantwortung für die Lösung des Problems zu einseitig bei denjenigen gesehen, die mit dem Fußball ihr Geld verdienen. Die Zuschauer des Fußballs stehen aber ebenfalls in einer Verantwortung. Die Spieler kamen gestern ihrer Verantwortung nach, ein Teil der Zuschauer nicht. Diese Mannschaft des MSV Duisburg wollte gestern gewinnen. Diese Mannschaft versuchte, was ihr möglich war. Was sollen da Pfiffe im Stadion? Vor dem Spiel gegen Christian Tiffert, während des Spiels gegen die Mannschaft, als nach der Halbzeitpause zunächst die Versuche immer wieder scheiterten, den Ball kontrolliert in Tornähe zu bringen.

In den Fußballspielen der Gegenwart erleben wir sowohl in Bundesliga als auch in der 2. Liga so häufig solche Spielverläufe. Die Defensive  beider Mannschaften steht sehr gut und die fortwährenden Angriffe der einen Mannschaft wirken in Strafraumnähe oft hilflos. Es ist so viel einfacher, im Training die kollektive Bewegung gegen den Ball führenden Spieler zu üben als den Angriff. In Ballbesitz kommt es für den Erfolg viel mehr auf die technische Fertigkeit jedes einzelnen Spielers an. Es ist eine Binsenweisheit, dass der Raum für den Ball und damit der Raum, das Spiel zu gestalten, so gering geworden ist. Wo setzt man also beim Training an?

Zu sehen war eine zu Beginn sehr entschlossene Mannschaft des MSV Duisburg, die wusste, sie muss dieses Spiel gewinnen. Doch wir sahen wieder, wie schwierig es im heutigen Fußball ist, die Verantwortung für das Spielgeschehen zu übernehmen, ohne in der Defensive große Lücken zu schaffen. Gestern spielte der MSV Duisburg in der Defensive wirklich gut. Dennoch wurde Ballverlust manchmal gefährlich, weil unsere Außenverteidiger diese Vorwärtsbewegung mit unterstützen müssen, um den notwendigen Druck auf den Gegner zu erzeugen. Die Ballverluste geschehen aber. Diese Mannschaft steht also immer vor der Aufgabe, den notwendigen Druck zu erzeugen, ohne die Kontermaschinerie des Gegners zu füttern. Das gelang gestern gut, im Vergleich zu so vielen anderen Spielen der Saison, in denen die Mannschaft offensiv spielen sollte. Dass in der Vorwärtsbewegung eine gesicherte Ballkontrolle selten mit einer gefährlichen Aktion endete, ergibt sich aus dem Zusammenwirken von guter Defensive der Fürther und den spielerischen Möglichkeiten während der Vorwärtsbewegung des MSV Duisburg. Die Angriffe kann die Mannschaft über das gesamte Spiel hin nicht so präzise vortragen, wie es nötig wäre, weil die technischen Fähigkeiten der einzelnen Spieler bei der Ballverarbeitung nicht dauerhaft so gut sind, um Angriffe mit vielen zwingenden Chancen abzuschließen.

Die großen Chancen in der zweiten Halbzeit ergaben sich deshalb durch Standardsituationen. Wer darauf hinweist, um zu mäkeln, dem sei gesagt, das ist bei anderen Mannschaften, auch der Bundesliga, häufig nicht anders; und auch diese Standardsituationen müssen erst einmal erarbeitet werden. Außerdem: wann haben wir diese mehrmalige Torgefahr nach Ecken und Freistößen das letzte Mal gesehen? Fahrenhorst an den Pfosten und zweimal knapp vorbei.  Tiago, dessen wuchtigen Kopfball der Fürther Torhüter Max Grün mit einem beeindruckenden Reflex hält. Nicky Adler mit einem Kopfball kurz vor Spielende an den Pfosten. Das sind nur die Chancen, an die ich mich ganz klar erinnere. Es waren mehr, und es ist schade, dass nicht eine dieser Chancen zum Tor wurde.

Will man Kritik üben, muss man in der ersten Halbzeit ansetzen, als nach etwa 25 Minuten mit einem Mal Unsicherheit in der Mannschaft zu spüren war. Der Grund waren Fehlpässe im Mittelfeld. Im Gegensatz zur zweiten Halbzeit, in der die Angriffe des MSV Duisburg erst in Strafraumnähe mit einem zu unpräzisen Pass endeten, wurden in der ersten Halbzeit die Bälle auf einfache Weise hergegeben. Deshalb kamen die Fürther ins Spiel zurück und fühlten sich mit jeder Balleroberung wieder etwas stärker. So kam es zum von Caiuby verursachten Elfmeter, den Tom Starke mit eindrucksvoller Parade hielt. Die Begeisterung, mit der seine Mitspieler ihm danach gratulierten, zeigte ebenfalls, wie motiviert die Mannschaft war.

In einer idealen Fußballwelt würde dieses Spiel gegen die SpVgg Greuther Fürth von den Zuschauern genommen, um sich trotz aller Enttäuschung mit dem MSV Duisburg verbunden zu fühlen. In dieser idealen Fußballwelt könnte der Verein mit ein wenig Abstand die Fehler vor allem der ersten Halbzeit noch einmal benennen. Es könnte überlegt werden, dass im mittelfristigen Trainingsplan auf jeden Fall Laufwege beim Konterspiel einen Platz finden müssten. Und schließlich könnte auf kurze Frist mit dem Vertrauen auf die verbesserte Stimmung im Umfeld an das Spiel in Augsburg gedacht werden – das ja als Auswärtsspiel vielleicht mal wieder mit einem Sieg enden könnte. Ich bin gespannt, welche Momente der idealen Fußballwelt ich in der Wirklichkeit vorfinde.

Die Mannschaft unter Sasic lernt auch verlieren

Den ganz großen Wurf hat die von Ausfällen geplagte Mannschaft des MSV Duisburg nun doch nicht hinbekommen. Nach der 2:0-Heimniederlage gegen Alemannia Aachen muss das kurzfristige Projekt „Erreichen des dritten Tabellenplatzes“ auf die mittlere Frist der Rückrunde verschoben werden. Diese Niederlage stand allenfalls in den fünfzehn Minuten nach Beginn der zweiten Halbzeit in Frage. Schon der Elfmeter für den MSV Duisburg in der 64. Minute kam nicht mehr als zwangsläufige Folge eines ununterbrochenen Drängens auf den Ausgleich. Schon dieser Elfmeter wurde zu einem Zeitpunkt verhängt, als die Energie des Sich-Gegen-die-Niederlage-Stemmens zu verpuffen drohte. Der Elfmeter war die große Chance auf ein Tor der eigentlich unterlegenen Mannschaft. So passte es zum Spielverlauf, dass Christian Tiffert den Elfmeter verschoss und dieses Mal nicht wie im Spiel gegen den FC Augsburg eine Chance zum Nachschuss erhielt. Danach war deutlich bemerkbar, die Mannschaft zweifelte zu sehr an ihren spielerischen Möglichkeiten, als dass sie das Verpassen dieser großen Chance problemlos hätte wegstecken können.

Für mich war vor dem Spiel die entscheidende Frage, ob Chavdar Yankov den wegen Grippe ausfallenden Ivica Grlic würde ersetzen können. Er konnte es nicht. Er konnte es aber auch deshalb nicht, weil die schon aus Paderborn und Karlsruhe bekannten mäßigen zwanzig Anfangsminuten der gesamten Mannschaft dieses Mal auf 45 Minuten verlängert waren. Die Aachener taten von Anfang an mehr für das Spiel. Sie waren sowohl entschlossener und gedankenschneller in der Bewegung zum Ball hin. Sie konnten die Zweikämpfe in entscheidenden Momenten für sich entscheiden, außerdem wirkten sie mannschaftlich geschlossener. Angriffe wurden im schnellen Kurzpassspiel vorgetragen, während sich die Ball führenden Spieler beim MSV entweder in der Aachener Deckung festrannten oder den langen, hohen Ball auf den für solche Anspiele viel zu kleinen Nicky Adler versuchten.

Die Einzelkritik erübrigt sich angesichts der miserablen Mannschaftsleistung. Alleine Tom Starke konnte sich durch einige gute Reflexe auszeichnen und Christian Tiffert zeigte trotz des verschossenen Elfmeters die bekannte antreibende und ansprechende Leistung auf dem Feld. Halt, auch Caiuby enttäuschte mich dieses Mal nicht, weil ich ihn endlich dabei erlebte, wie er seine phlegmatische Ausstrahlung ablegte. Sein Einsatz war also da, spielerisch konnte er allerdings angesichts des Leistungsniveaus seiner Mannschaftskollegen nicht allzu viel falsch machen.

Tiago fällt mir auch noch ein, dem mal gesagt werden sollte, das Spiel geht immer weiter, wenn der Schiedsrichter nicht pfeift. Da stellt man nicht das Spielen ein und beschwert sich, während der Gegner den Konter einleitet. So ein mäkelndes Reklamieren stärkt den Gegner, selbst wenn in dem betreffenden Moment aus der sich ergebenden Chance kein Tor erzielt wird. Aber zu stärkerer psychischer Überlegenheit des Gegners trägt Tiago auf diese Weise mit Sicherheit bei. Wenn ich jemanden derart resignativ über den Schiedsrichter hadern sehe, triumphiere ich innerlich, weil ich die Aufmerksamkeit dieses hadernden Spielers für geraume Zeit zumindest in Teilen nicht beim Spiel weiß. Da gab sich Tiago unnötigerweise Blößen, weil er mit seinem eigenen Spiel wahrscheinlich nicht zufrieden war.

Außerdem frage ich mich, was diese Mannschaft immer wieder daran hindert ein schnelles Kurzpassspiel über die Flügel aufzunehmen. Als Standardvariante des Angriffs treibt der Ball führende Spieler den Ball über die Außenbahn bis in die Mitte der gegnerischen Hälfte, um von dort in die Mitte zu ziehen. Ein steiles Zuspiel über die Außenbahn bis auf Höhe der Strafraumgrenze kennt das Angriffsspiel des MSV Duisburg zurzeit kaum. Weil in der Mitte kein Kopfballspieler wartet? Dennoch verbreiteten sowohl in diesem Spiel als auch im Spiel gegen Paderborn solche Spielzüge die meiste Gefahr. Ich möchte ja lernen und wissen, warum das nicht öfter versucht wird. Vielleicht gibt es ja triftige Gründe. Sei es, dass das Vertrauen in die Durchsetzungsfähigkeit der Spieler fehlt, die auf der Außenbahn auf ein Zuspiel lauern. Keine Ahnung. Es fällt mir jedenfalls auf.

Nun lassen die Ergebnisse der Spiele aller oben platzierten Vereine an diesem Spieltag uns noch ein wenig beruhigter in die kurze Winterpause gehen. Alles ist weiterhin drin. Wir hoffen also auf wenigstens einen weiteren gesunden Stürmer für das nächste Jahr. Wenn sich dann noch zwei, drei andere Rekonvaleszenten als wieder spielfähig erweisen, sehe ich der Rückrunde voller Zuversicht entgegen. Zumal es derart kalt wie am Freitagabend mit großer Wahrscheinlichkeit nicht noch einmal werden wird.

Solche Siege tragen weit

Stand das Spielergebnis wenigstens einen Moment lang auf der Anzeigetafel im Borussia-Park? Bin ich als Trophäensammler in Zeiten der Digitalfotografie wegen zu ausdauerndem Jubel ungeeignet oder zog es die Stadionregie vor, dem Heimpublikum den Anblick des Unabweisbaren zu ersparen? Viel Spielzeit hatte es nicht mehr gegeben, damit die Borussia das Ausscheiden aus dem DFB-Pokal abwenden konnte. Etwa 20 Sekunden? Zu wenig Zeit, um das Ergebnis anzuzeigen?

Was war das für eine Explosion des Jubels in der Gästekurve, und was war das vorher für ein Rufen und Anfeuern. Noch irgendwelche Beschwerden, was die Stimmung angeht? Zehn Minuten vor dem Spielende war so deutlich zu spüren, wie groß die Angst in Mönchengladbach war vor diesem Tor des MSV Duisburg. Auf den anderen Rängen im Stadion wurde es immer stiller, und auf dem Spielfeld wurde die Borussia immer verzagter. Zehn Minuten vor dem Spielende war es in der Gästekurve so deutlich zu spüren, diese Mannschaft des MSV Duisburg dort unten hat jetzt, noch in der regulären Spielzeit, die Möglichkeit das Siegtor zu machen. Immer mehr MSV-Fans wollten den Ball ins Tor schreien. Kaum jemand saß noch.

Zwei (?) Angriffe werden in dieser Zeit ohne große Gefahr auszustrahlen vergeben. Dann folgt in der 90. Minute der Wechsel Ivo Grlic für Änis Ben-Hatira. Kurz der Gedanke ein sinnvoller Wechsel, ein Mann mit Erfahrung für die Verlängerung und das Elfmeterschießen. Das Tempo wird er nach den 90 Minuten der anderen mithalten können. Aber der Angriff läuft schon über den rechten Flügel. Grlic auf Andersen, der zieht in die Mitte, spielt sofort ab zu Larsen und erhält den Ball im schnellen Doppelpass auf Höhe der Strafraummitte zurück, um nun direkt auf das Tor zugehen zu können. Es ist vom Oberrang so klar erkennbar, dass der Weg frei sein könnte zum Tor, wenn dieser Andersen genügend Kraft hätte, um sich von den heraneilenden Verteidigern nicht irritieren zu lassen. Und wirklich, er behält die Laufrichtung. Wann wird er schießen? Jetzt. Jetzt! Doch er läuft weitere zwei Schritte. Das Tor wird immer möglicher. Und dann der Schuss in den rechten Winkel. Der Torwart fliegt vergeblich. Schockstarre der Mönchengladbacher, dann der Abpfiff und eine MSV-Mannschaft, die auf dem Spielfeld erst jubelnd kurz übereinander fällt und dann sofort in die Gästeecke zu den Fans kommt, um einzutauchen in diesen Jubel, der runter aufs Spielfeld schwappt.

Nach so einem Spiel braucht es ein wenig Zeit, bis die Spielbetrachtung etwas sachlicher werden kann. Den ersten Zweck hatte das Spiel für mich schon in der ersten Halbzeit erfüllt. Es war zu erkennen, diese Mannschaft lebte und trat wieder so auf, wie wir es in den ersten Spielen der Saison gesehen hatten. Es waren keine falschen Versprechungen, die Peter Neururer vor dem Spiel verkündet hatte. Seine Mannschaft hatte keine Angst vor diesem Gegner. Allerdings waren auch alte Schwierigkeiten dieser Mannschaft deutlich erkennbar. Das ist zwar zugespitzt formuliert, aber mir kam es nach und nach so vor, jeder Versuch, das Spiel langsam aufzubauen und die gegnerische Abwehr zu locken, wurde zur Gefahr für das Tor des MSV. Jedes schnelle Spiel führt aber auch fast immer zumindest so weit, dass die gegnerische Balleroberung dem defensiven Mittelfeld und der Verteidigung genügend Zeit ließ, sich zu organisieren.

Überlegen spielte Borussia Mönchengladbach allerdings nicht, obwohl die Mannschaft in der ersten Halbzeit die größeren Chancen besaßen. Vor allem im Kommentar der ARD-Zusammenfassung gestern Abend klang da ein deutliches Übergewicht der Borussia an und sorgte auch bei Tina für Empörung. Im Kicker erhält der Spielbericht ebenfalls diese Färbung. Da haben die Journalisten wohl einen Erstligisten-Bonus vergeben.  Dirk Retzlaff auf Der Westen oder Hermann Kewitz bei der Rheinischen Post treffen die Wahrheit des Geschehens da genauer.

Trotz des gelingenden Spiels nach vorne, mangelte es dem MSV in der ersten Halbzeit an Torgefährlichkeit. Mit Änis Ben-Hatira und Caiuby gab es zwar zwei Spieler, die auch auf engem Raum den Ball behaupten konnten. Zudem wurden die Flügel ordentlich besetzt, so dass gleichzeitig auch schnelles Passspiel möglich war. Doch an der Strafraumgrenze war dann Schluss. Da gab es weiterhin, verständlicher Weise, immer wieder Missverständnisse zwischen Sören Larsen und den Mitspielern. Die Flanken erhielt er zudem meist auf einer mittleren Höhe, die auch jeden anderen Stürmer seines Typs vor Schwierigkeiten bei der Annahme gestellt hätte. Änis Ben-Hatira übernahm die ihm aufgebürderte Verantwortung für das Offensivspiel gut, doch behielt er in der ersten Halbzeit noch nicht genügend Überblick. Oft versuchte er den Schuss, wenn er besser hätte abgespielt und umgekehrt. Die Abwehr stand wegen des passablen Offensivspiels dieses Mal nicht so häufig unter Druck. Zumal die Mönchengladbacher keineswegs so passsicher waren wie die Bielefelder im letzten Spiel. Tiago hat sich für mich in die Mannschaft gespielt. Vor allem in der zweiten Halbzeit wirkte er immer sicherer. Die Taktik von Peter Neururer schien also aufzugehen.

In der zweiten Halbzeit kam Borussia Mönchengladbach auf den Platz mit dem Vorhaben, den MSV früher anzugreifen und das Spiel überlegener zu gestalten. Doch das blieb ein kurzer Impuls, weil der MSV sich dreister Weise wehrte, die Rolle der unterlegenen Mannschaft anzunehmen. Um sich tatsächlich ein Übergewicht zu erspielen, hätte die Borussia viel mehr Einsatzbereitschaft zeigen müssen. Ein wenig erinnerte mich diese Mannschaft an den MSV aus dem Spiel gegen Bielefeld. Je länger das Spiel dauerte, wirkte es auf mich so, als müssten die Spieler der Borussia immer aufs Neue innere Widerstände überwinden, um an die Leidenschaft für dieses Spiel heranzukommen. In der zweiten Halbzeit hatte der MSV die größeren Chancen. Einen Kopfball von Änis Ben-Hatira konnte Bailly an den Pfosten lenken und kurze Zeit später konnte Ben-Hatira nach einem Konter sich halblinks durchsetzen und kam frei zum Schuss. Wieder hielt Bailly. Sorgen machte noch einmal ein frei stehender Oliver Neuville, dessen Schuss aber hoch über das Tor ging. Und schließlich näherten sich die letzten zehn Minuten.

Totalverlust von allem

Das war schlecht. Das war sehr schlecht. Das war ganz und gar nichts. Darüber gibt es hier keinen Zweifel und auch hier nicht. Einen großen Zweifel habe ich allerdings daran, irgendeinen Spieler des MSV Duisburg in dieser Partie besonders verantwortlich für diese Niederlage zu machen. Frank Fahrenhorst steht da ja zu seinem großen Glück leider nicht zu Verfügung. Was hätte er sich sonst alles anhören müssen. Wenn sich Sven Kowalski und Thomas Tartemann sich stattdessen die gesamte Abwehr vornehmen und Tiagos Leistung gesondert, halte ich das für ein wenig kurzsichtig. Was soll eine Abwehr machen, wenn der Ball bei der Vorwärtsbewegung in der eigenen Hälfte verloren geht? Diese Abwehr hatte keinen größeren Anteil an der Niederlage als das völlig überforderte Mittelfeld. Und was ist mit der taktischen Marschroute, die schon unter Bommer nicht funktionierte? Hohe, weite Bälle auf Sandro Wagner? Was ist mit der Einsatzbereitschaft, die mit nichts anderem zu tun hat als dem Willen gemeinsam und geschlossen aufzutreten? Was ist in dieser Mannschaft in den letzten 14 Tagen geschehen?

War Kouemaha das integrative Zentrum von etwa 20 Leuten? War er der große Bruder, der immer dafür gesorgt hat, dass dieser ganze Haufen mal auf den Vater Peter Neururer hört? Das kann ich mir gar nicht vorstellen. Und trotzdem wirkt das so, als habe diese Mannschaft gestern aus lauter Kleingruppen und Einzelspielern bestanden? Wie kann es sein, dass Änis Ben-Hatira nach ungefähr 20 Minuten den Eindruck erweckt, als ginge ihm irgendwas ganz gehörig gegen den Strich? Ist es ihm zu Kopf gestiegen, dass er kaum zurück in Duisburg bereits in der Startelf steht?

Haben die Ausfälle von Yankov und Caiuby das Spielvermögen derart beschränkt, dass das Mittelfeld nicht überbrückt werden konnte? Sören Larsen war natürlich noch nicht wirklich eingebunden in dieses Spiel. Aber wo sind Laufwege von Spielern geblieben, die die Vorbereitungszeit mitgemacht haben. Ist das alles weg, weil Yankov fehlte. Ist da ein Mann so wichtig? Aber in Kaiserslautern war er doch dabei. Ein so offensichtlicher Unterschied in der Spielanlage war die Sicherheit im Kombinationsspiel. Beim MSV Duisburg wurde der Ball nicht sofort gespielt, sondern von einem Spieler ersteinmal über Meter am Fuß geführt. Bielefeld versuchte fast immer diesen schnellen Pass. Und es war ebenso offensichtlich, dass es da diese Laufwege gab. Da ging der Ball dann manchmal ins Nirgendwo, weil der Spieler, der sich dort eigentlich hätte befinden müssen, noch nicht da war. Aber über die gesamte Spielzeit haben sie sich eben so ihre Chancen und letztlich die Tore erspielt.

Ich habe heute nicht viel Zeit, und womöglich gibt es morgen mit ein wenig Abstand einen etwas durchdachteren Text. Meinen Plan, den gesamten Text dem Niveau des gestrigen Abends anzupassen, habe ich fallen gelassen. Mein erster Gedanke war nämlich, die Leistung der Mannschaft ist so unbestreitbar schlecht gewesen, dass es müssig sei, sich dazu detailliert zu äußern. Da könne doch vielleicht wenigstens auf diese besondere Weise des Schreibens noch ein wenig Spaß herumkommen. Doch das Misslingen als im weitesten Sinne künstlerisches Schreiben auf eine unterhaltsames Weise zu gestalten ist harte Arbeit. Das wissen etwa Slap-Stick-Komiker ganz besonders. Und dieser Aufwand an Arbeit schien mir, nicht nur wegen der zu knappen Zeit, einem solchen Abend wie gestern nicht ganz angemessen.

Dass ich Karten für Mönchengladbach und Oberhausen habe, liegt mir außerdem heute mit Sicherheit auch noch schwer im Magen.

Fahrenhorsts Fieber und eine Mail aus Bern

Gehört es zu meiner Chronistenpflicht vor einem Spiel, in dem sehr wahrscheinlich Tiago auf der Position von Frank Fahrenhorst eingesetzt wird, von der Mail eines Bloggers aus Bern zu berichten? Es ging in dieser Mail nämlich um besagten Tiago. Aber wenn ich darüber schreibe, sieht das vielleicht so aus, als frönte auch ich einer besonders weit verbreiteten Lieblingsbeschäftigung von MSV-Fans, dem Unken und Meckern. Wo gerade jetzt durch die Nachricht von Frank Fahrehorsts anhaltendem Fieber zwar meine Stimmung nicht weiter beeinflusst wird, aber mit Sicherheit einige  andere Fans erleichtert und guter Laune sind. Der nachfolgende Hinweis soll also keinesweg  Stimmungen gefährden, sondern ist als Angebot für Fans mit Runduminformationsanspruch gedacht.

Die Mail aus Bern kam mit der Frage, wie Tiago sich in Duisburg mache. Viel zu erzählen gab es da aus verletzungsbedingten Gründen ja nicht – Tiagos Verletzung, nicht meine. Im Blog über Young Boys Bern liest sich das dann so:

Der “Champions League erfahrene” (O-Ton Sportchefgott Marcel Hottiger) Spieler Tiago kam von Barcelona II im Jahre 2005 zu YB. An Tiago wurden hohe Erwartungen gestellt, die er leider nur sehr selten wirklich vollumfänglich erfüllen konnte. Dies lag sicher auch daran, dass Tiago nicht der Abwehrchef war, als der er uns vorgestellt wurde. Trotzdem gehörte er zu den Leistungsträgern in der Defensive der Berner. Im Jahre 2008 verliess er dann Bern und wechselte nach Deutschland in die 2. Bundesliga zum MSV Duisburg.“

Das klingt nun noch nicht sonderlich stimmungstrübend. Deutlicher sind andere Worte der Wertung, die ebenfalls von gut informierten Berner Kreisen verbreitet wurden. „Unkonstant“, daran erinner ich mich, außerdem an  „gute Phasen“  und dabei leider immer  „wieder diletanttische Fehler“. Betrachtete ich jetzt die Zukunft des MSV in den bekannten düsteren Duisburger Fanfarben, hieße das für mich, passt wunderbar. Ein gleichwertiger Ersatz für „Gefahrenhorst“. Da ich das aber überhaupt nicht bin, sehe ich trotz Tiagos Verletzung anderthalb Jahre Entwicklungsmöglichkeiten für ihn und hoffe auf eine stabile Abwehr gegen einen Sturm, der von manchem vor der Saison als am torgefährlichsten in der Zweiten Liga angesehen wurde. Gegen den zurzeit torgefährlichsten Sturm hat der Verein aller Vereine im Auswärtsspiel nur zwei Tore hinnehmen müssen.  Arminia Bielefeld kommt übrigens, um zu gewinnen. Aber das wollte der MSV in Kaiserlautern ja auch.


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