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Für Integration, Respekt und Toleranz – Der blauweiß gestreifte Clip zur Botschaft

Manchmal gehen Gespräche vor und der Blick auf die Videoleinwand fällt weg. Das muss mir so beim Spiel gegen den 1. FC Saarbrücken gegangen sein. Denn wenn ich das richtig verstehe, wurde der unten gezeigte Clip anlässlich der Fare Aktionswoche 2013  vor jenem Spiel gezeigt.  Verantwortet haben diesen Clip Fanclubs des MSV Duisburg und das Fanprojekt Duisburg. Sie wurden vom Verein unterstützt.

Die Macher dieses Clips verdienen prasselnden Applaus. Der lässt sich heutzutage ja sogar sichtbar machen durch das Anwachsen der Klickzahl bei Youtube. Wenn für erstrebenswerte Haltungen in dieser Gesellschaft geworben wird, drückt oft die Last der Moral oder routiniert wird  Zustimmung gezeigt. Den Machern gelingt es auf beeindruckende Weise diesen Gefahren zu entgehen. Sie geben der notwendigen Botschaft  auf witzige und berührende Weise echtes Leben mit.

Dieser Clip verdient deutschlandweit Beachtung. Es ist an euch, ihn zu teilen, wann immer es geht. Für Integration, Respekt und Toleranz werben Fanclubs des MSV Duisburg und das Fanprojekt Duisburg auf beeindruckende Weise. Mit Michael Tönnies, Joachim Hopp und Tobias Willi stehen auch ehemalige Spieler für diese Botschaft ein.

Aus zweimal „Schwein gehabt“ wird doch kein Schweinespiel

Glaubt nur nicht, dass ich die ganze Winterpause hindurch auf dem Sofa gelegen habe. Die nahezu täglichen Trainingseinheiten brachten nur nichts Lesenswertes hervor. Ich war unter anderem noch zu sehr mit der Aufarbeitung des Pokalspiels in Köln und der hasserfüllten Atmosphäre dort, direkt neben dem Gästeblock, beschäftigt; vielleicht gibt es dazu in dieser Woche noch ein paar Fragmente. Vor dem gestrigen Spiel des MSV Duisburg gegen den VfL Osnabrück habe ich am Samstag dann noch ein paar Fingerübungen zum Warmmachen unter Ausschluss der Öffentlichkeit absolviert, und schon kann auch ich heute in die Rückrunde starten. Dabei hoffe ich, eine ebenso gute Leistung zeigen zu können, wie ich sie gestern von der Mannschaft des MSV Duisburg gesehen habe. Nicht das ganze Spiel über, das ist schon klar. Es redet niemand drum herum, dass der VfL Osnabrück ab etwa der 20. Minute bis zu den drei, vier Minuten kurz vor der Pause mindestens gleichwertig war und sich sogar Chancen erspielte, um in Führung zu gehen.

Dabei war der MSV Duisburg souverän gestartet. Wir sahen die Mannschaft kombinationssicher im Spiel nach vorne, dazu variabel auch immer wieder mit längeren Bällen den Erfolg suchend. Hinten geschah nicht viel, alleine Julian Koch war anzumerken, dass er sich erst wieder auf der rechten Außenverteider-Position einfinden musste. In den ersten 18 bis 20 Minuten sah es so aus, als ginge es nur um die Höhe Sieges. Schließlich schoss Filip Trojan bereits in der fünften Minute das Führungstor, nachdem er sich mit einer wunderbaren Einzelaktion auf der linken Seite von der Eckfahne aus in den Strafraum ziehend gegen zwei Osnabrücker Spieler durchgesetzt hatte. Doch mit einem Mal reihte sich Fehlpass an Fehlpass, und der Mannschaft gelang es nicht mehr, den Ball sicher über die Mittellinie zu bringen. Als dann auch der lange Ball auf Stefan Maierhofer die Osnabrücker Abwehr vor keine größeren Probleme mehr stellte, wurde das Spiel des VfL Osnabrück immer druckvoller.

Jeder Eckball der Osnabrücker schien Gefahr zu verheißen, und das Tor des VfL Osnabrück war dann nur die Bestätigung einer immer größer gewordenen Befürchtung. Danach hatte der MSV Duisburg noch einmal Glück, dass der Ball nach einer Parade von David Yelldell beim Aufspringen nicht mehr Effet erhielt. Der Ball flog nicht Richtung Tor, sondern Yelldell konnte ihn problemlos aufnehmen. Schwein gehabt, heißt das dann, was aus dem Spiel aber kein Schweinespiel machte, wie es Tobias Willi vor der Begegnung erwartet hatte.

Weder Glücks- noch Schweinespiel wurde die Begegnung deshalb, weil die Mannschaft des MSV Duisburg in der zweiten Halbzeit sich ihrer spielerischen Möglichkeiten wieder sicherer wurde. Dazu trug das frühe Führungstor bei, das nach einem beeindruckenden Flankenlauf von Oliver Veigneau Stefan Maierhofer mit einem Kopfball erzielte. Man merkte, die Verunsicherung durch die Fehlpässe war wieder verschwunden. Das gehemmte Spiel der ersten Halbzeit war vergessen, der unbedingte Siegeswille war wieder da.

So lässt sich das dritte Tor des MSV Duisburg als eine Geschichte dieses unbedingten Willens erzählen. Julian Koch trieb den Ball mit bekannter unbändiger Kraft nach vorne und setzte sich in allerletztem Moment gegen den Versuch des Wegspitzelns durch, um den Ball ein klein wenig zu kurz zum rechts frei stehenden Stefan Maierhofer zu spielen. Doch Maierhofer rutschte mit großem Risiko in diesen Pass hinein, um ihn vor dem Osnabrücker Abwehrspieler in die Mitte zurückzuspitzeln. Dort kann Sefa Yilmaz aus dem Lauf heraus schießen. Sehr fest war der Schuss nicht, doch für den Torwart wurde er unerreichbar abgefälscht.

Mit der Erfahrung aus der ersten Halbzeit wollten wir uns aber dem Siegesgefühl noch nicht ganz anvertrauen. Bei einem vierten Tor erst waren wir bereit, uns zu entspannen. Für einen möglichen Anschlusstreffer war uns die Mannschaft des MSV Duisburg nicht souverän genug. Deshalb schreckte uns noch einmal ein Osnabrücker Eckball, der im Fünfmeterraum aufsprang und am gesamten Tor in einer Höhe vorbeiflog, bei der alle Spieler den Ball knapp verpassten. Bei solchen herrenlosen Bällen wirkt jeder Spieler egal, was er auch tut, unbeholfen. Für uns Zuschauer sehen solche Bälle einfach so aus, als müssten sie getroffen werden können. Noch einmal „Schwein gehabt“.

Kurz danach durften wir uns endgültig entspannen, weil Olcay Sahan das Tor machte, was er inzwischen recht sicher machen kann. Er dribbelt sich so nah wie möglich ans Tor heran und schließt aus etwa fünf Meter vor dem Tor ab. An so einer Spielaktion wird deutlich, wie sehr sich Olcay Sahan weiter entwickelt hat. Vor einem Jahr noch wäre die Wahrscheinlichkeit groß gewesen, dass er diese Chance vergeben hätte. Wenn er einmal ohne vorheriges Dribbling sicher treffen wird und zudem aus größerer Entfernung, muss der MSV Duisburg stabil in der ersten Liga spielen, um ihn halten zu können. Aber Leistungsvermögen des einzelnen und Tabellenstände bedingen sich ja gegenseitig. Deshalb sehe ich der Rückrunde erwartungsfroh entgegen. Ivica Banovic war nicht anzumerken, dass er sein erstes Spiel für den MSV Duisburg nach nur kurzer Eingewöhnungszeit absolvierte. Er passt hervorragend zu der Mannschaft, und wenn seine Schusstechnik auch einmal wieder eine geringere Streuweite seiner Torschüsse möglich macht, wird die Mannschaft immer unberechenbarer. Dann könnten fast alle Spieler der Mannschaft torgefährlich werden, wenn es nötig ist. Dieses erste Spiel der Rückrunde vom MSV Duisburg lässt mich sehr ungeduldig auf das nächste Spiel warten.

Textbausteine Heimspiele, Saison 2009/2010

Wenn man seine wenigen Chancen nicht nutzt, …

… braucht man sich nicht zu wundern.

… wird es gefährlich/fällt das Gegentor/wird es am Ende eng.

… war oft hilflos vor dem gegnerischen Tor.

Der tief stehende Gast aus …

… die entblößte Abwehr.

… nach einem Ballverlust in der Vorwärtsbewegung.

Mit den schnellen Kontern brachten die  ………. die MSV-Abwehr immer wieder in Schwierigkeiten.

Es blieb noch genügend Zeit, um den Ausgleich/das Anschlusstor zu erzielen. Doch …

Mehrere Chancen des Gastes in der ersten Hälfte hätten schon …

Tom Starke behielt die Nerven, als ……. ……. auf ihn zukam.

… erzielt das 1:0 für den Gast aus …

Nach einem Fehler in der Abwehr …

Die Fehlpässe im Mittelfeld …

… auch durch die weiten, hohen Bälle …

… engagiert, aber ohne ausreichende spielerische Möglichkeiten.

… fehlte die Zuordnung.

… ließ der Gast keine Chance mehr zu/nichts anbrennen/keinen Zweifel an dem Wunsch, drei Punkte mitzunehmen.

… verzweifelte Versuche.

Endlich erzielte …. auch mal wieder ein Tor für den MSV Duisburg im eigenen Stadion.

Meine Geschichte vom Spiel geht so: Letzten möglichen Zug nach Duisburg verpasst. Am PC Radio Duisburg gehört. Marco Roehling und Tobias Willi sind gemeinsam am Mikrofon. Sie erzählen mir das, was ich aus den letzten Heimspielen kenne. Gedanken an Textbausteine machen sich breit. Zwischendurch immer mal wieder in einem anderen PC-Fenster Bilder aus allen Stadien. Pausenspaziergang. Nach dem Zurückkommen die Führung für den KSC. Auswärtssieg! Gedankennotiz: Morgen Gratulation bei Jekylla zum Aufstieg von St. Pauli nicht vergessen.

Mitten in Meiderich – Folge 16

Was bisher geschah … „Mitten in Meiderich“ ist die Mini-Doku über den MSV Duisburg. In der ersten Folge hieß es noch, wir begleiten den MSV bei dem Versuch, doch noch aufzusteigen. Die einzelnen Folgen aber sind bislang nicht mehr auf diese starke Grundidee hin ausgerichtet. Einen längeren Erzählfaden gibt es nicht. Das Serielle der Doku baut fast ausschließlich auf die äußere Form der Präsentation und dem unkonkreten Thema „MSV Duisburg“. Deshalb braucht eine jede Folge eigentlich eine einzelne starke Geschichte mit Anfang und Ende.  Wirklich gefunden werden diese Geschichten bislang nur im Ansatz. Deshalb bieten die Folgen ein kunterbuntes Allerlei, das manchmal etwas beliebig wirkt. In diesen Grenzen gewährt „Mitten in Meiderich“ in den besseren Momenten den Blick aufs Tagesgeschäft, der angesichts des Formats natürlich immer etwas flüchtig ist. Doch Anfang April hat die Niederlage des MSV Duisburg gegen Mainz 05 Spuren in der Doku hinterlassen. Flüchtige Blicke auf das Tagesgeschäft sind offensichtlich nur möglich, wenn Zuversicht im Verein und bei den Machern vorhanden ist …

Wie wir wissen, hatte „Mitten in Meiderich“ am Dienstag zum Zeitpunkt des ersten Netzauftritts der Folge 16 starke Konkurrenz. Das Spiel in der MSV-Arena ließ die Klick-Zahlen für diese Folge sicher später als sonst die gewohnten Höhen aufweisen. Denn wahrscheinlich machten es die meisten Zuschauer der Doku doch wie ich, die real erfahrbare Wirklichkeit ging vor. Eine Entscheidung, die ich im übrigen trotz aller im Nachhinein damit verbundenen ärgerlichen Gefühle nie in Zweifel zöge.

Zum Ende der Saison hin scheinen die Macher das Dokumentarische völlig aufgegeben zu haben. Womöglich ist sowohl ihnen als auch dem Verein als Akteur nicht klar gewesen, was es wirklich bedeutet, einen dokumentarischen Blick auf den Alltag beim MSV zu gewähren. So bleiben Macher und MSV Duisburg auf der sicheren Seite, und auch diese Folge lehnt sich in ihrer Machart jetzt deutlich an die Standardbeiträge der Sportsendungen öffentlich-rechtlicher Anbieter an.

Den thematischen Schwerpunkt der Folge finden die Macher mit dem Blick auf einen Fan. Über den MSV selbst wird so gut wie nichts mehr erzählt. Hier gibt es Versatzstücke aus der TV-Berichterstattung  über einen Fußballverein, der sich in enttäuschter Stimmung befindet. Das sind Standardbilder und -O-Töne vom ärgerlichen Trainer, von ratlosen Spielern und ein resumierender zweiter Fan als Stimme des Volkes.

Dennoch ist die Folge nicht belanglos, weil der im Zentrum stehende Willy B. – ich kürze seinen Namen mal im naiven Aufbegehren gegen Datensammelei ab – Willy B., also, ist in seinem sehr speziellen Sammelfieber und der aufscheinenden akribischen Ordung seines Fantums ein besonderer Fan. Nicht jeder Fan hat einen Archiv- und Reliquienraum für sein Interesse. Und nicht jeder Fan kauft sich Panini-Bilder in vierfacher Ausführung, weil er vier verschiedene Möglichkeiten sieht, sie zu sammeln. Mit und ohne Unterschrift, einmal ins Sammelheft eingeklebt und einmal nicht eingeklebt. Die Macher erzählen also weniger eine Geschichte über den MSV Duisburg als dass sie einen Ausschnitt des Menschseins vorstellen.

Am Rande dieser Geschichte über den Fan Willy B. erfährt man aber indirekt dennoch auch etwas über die Wirklichkeit beim MSV. Denn zum Gespräch mit dem Fan hatte sich Tobias Willi bereit erklärt. Das ist kein Zufall und hat mit seiner Persönlichkeit zu tun, die wiederum Einfluss auf seine Berufsauffassung hat. Auf eine andere Weise als Peter Neururer kann Tobias Willi den Machern der Doku jede Folge retten. Stellt ihn vor die Kamera, lasst ihn reden, egal über was,  und ihr bekommt mit Sicherheit sendefähige Bilder. Ohne dass irgendetwas über den MSV erzählt wird, hält er durch sein Auftreten im Clip den MSV-Alltag präsent. Denn tatsächlich ist er einer der wenigen Spieler, die beim öffentlichen Auftritt nicht alleine als Repräsentanten ihrer selbst wirken, sondern auch als Repräsentanten des Vereins. In Tobias Willis Haltung spürt man die Verantwortung des Profifußballers gegenüber den Fans und den Zuschauern, gegenüber denjenigen, ohne die das Berufsfeld Profifußball nicht existieren würde.

Eins muss ich noch zugeben, allmählich überkommt mich nach dem Ansehen einer Folge eine gewisse Lustlosigkeit, mich ans Schreiben zu begeben. Unbegründete Pauschalurteile sind ganz schön verführerisch. Anscheinend sitzen die Fußballer des MSV Duisburg, die Macher von „Mitten in Meiderich“ und ich alle in einem Boot. Serienarbeit ist nämlich schwer. Besonders wenn man meint, schon alles einmal durchlebt zu haben und nun nicht mehr genau weiß, wo es noch hingehen soll. Das als Trost vor allem an die Macher von „Mitten in Meiderich“.

Mitten in Meiderich – Folge 3

Das habe ich mir vorgestellt, als ich hörte, der MSV wird Mittelpunkt einer Mini-Doku. Liebe Leute vom DSF, die dritte Folge, das ist der Weg für „Mitten in Meiderich“. Ich möchte nicht wie in Folge 2 Bilder vom Trainer beim Interview mit den gleichen Worthülsen, wie ich sie jedes Wochenende in den Sportsendungen sehe. Und schon gar nicht möchte ich die xundnöffzigste Wiederholung vom immergleichen Fandasein. Ich möchte Bilder und Töne, wie ich sie sonst im Fernsehen nicht sehe. Wenn wie in dieser Folge nun die alten Kumpel Tobias Willi und Bernd Korzynietz am Innenhafen in der Sonne spazieren gehen und frotzelnd ein wenig vor sich hin erzählen, ist das im Grunde genommen  egal, was sie erzählen, weil durch die Art und Weise ihres „Gesprächs“ die Menschen hinter den Fußballspielern erkennbar werden. Wenn Peter Neururer nach dem Sieg gegen Wehen in die Präsidentenlounge geht und dort über Ben-Hatiras Freistoß in der Schlussminute schimpft, erkennen wir, ein Teil seines Trainerdaseins wurzelt immer noch in einem Leben als Fan von  – ich muss es hier sagen – wahrscheinlich Schalke 04. So reden wir alle auch über Fehler der Spieler unseres Vereins und die brenzligen Situationen, die dann doch noch gut ausgegangen sind. Deshalb ist Peter Neururer ein anderer Trainer als die Schwaben- und Badenser-Fraktion der deutschen Trainergilde wie sie von Ralf Rangnick, Joachim Löw oder Hans Flick verkörpert wird. Was ich nebenbei gesagt, hier nicht werte. Das alles will ich sehen. Dazwischen geschnitten ein Fan mit Resumee nach dem Sieg. Perfekt. Der Erzählbogen, der alles zusammenhält, ist der Sieg. Das ist dünn, aber mehr braucht man nicht, um die unterschiedlichen Sequenzen in 4 Minuten 44 Sekunden runter zu erzählen. Und noch eins: So wenig Kommentar wie möglich, auf keinen Fall versuchen witzig zu sein. Lasst die Bilder für sich sprechen. Gebt nur Orientierung, wo wir gerade sind im Clip. Erst dann wird es vielleicht auch für Leute interessant, die nicht so unbedingt mit dem Verein aller Vereine etwas am Hut haben. Meine Sorgen über die wenige Zeit, die zwischen Spieltag und Produktionstag zur Verfügung steht, waren dieses Mal unbegründet. Also, am nächsten Dienstag das Niveau halten, dann wird das was auf die lange Strecke.

Die Negativserie gegen Mannschaften mit Negativserie

Vor dem Spiel gestern, am frühen Abend, gegen St. Pauli hatte ein Freund aus Duisburg noch geunkt, in der WAZ am Morgen hätte er von der Negativserie St. Paulis bei Auswärtsspielen gelesen. Ob die denn verrückt seien? Das dürfe doch in Duisburg nicht bekannt werden. Diesen Wunsch muss man wohl zukünftig mit Unterschriftenaktionen und Leserzuschriften an die Duisburger Lokalpresse unterstützen. Statistiktabu für jeden MSV-Profi. Anscheinend hat das magische Wirkungen im Umfeld des Vereins aller Vereine, so eine Negativserie des Gegners. Was für eine Enttäuschung gestern Abend!

Eine derart harmlose Mannschaft gewinnt tatsächlich in Duisburg, ohne sich wirklich anzustrengen. Das Spiel ist verschenkt worden. Da reihte sich aber auch Fehler an Fehler an unglücklichen Umstand, um in die Niederlage zu münden. Jeder einzelne Moment für sich betrachtet, wäre kein Problem gewesen. In der Summe machten sie die Niederlage aus. Nehmen wir die Situation, die zum Ausgleich führte. Draußen wird ein Wechsel vorbereitet. Ede soll kommen, damit endlich der Sack zu gemacht wird. Gute Idee! Ede steht schon am Spielfeldrand. Gleichzeitig versucht sich Serge Branco zum zweiten Mal innerhalb von ein paar Minuten an einer Grätsche, die nur dann nicht zur Karte führen würde, wenn sein Gegenspieler schnell genug wäre, um ihm davon zu laufen. Aber er ist natürlich nicht schnell genug, der Stürmer aus St. Pauli. Er ist nicht mal so schnell, dass so eine Grätsche überhaupt notwendig wäre. Aber Branco grätscht, die Beine werden getroffen und dafür erhält er natürlich verdient die gelb-rote Karte. Übermotiviert? Oder was ist das gewesen? Zu einem Zeitpunkt, als das Spiel St. Paulis völlig aus den Fugen war. Unfassbar.

Da hatten sie die Abwehr St. Paulis nach dem 1:0 mehrere Male schwindelig gespielt, ohne das entscheidende Tor nachzulegen. Da kamen schon völlig resignierte Gesten auf Hamburger Seite. Je mehr ich drüber schreibe, desto ungeheuerlicher scheint mir diese Niederlage zu sein. Aber ich wollte ja eigentlich noch diesen Ausgleich in seine niederlagenträchtigen Momente zerpflücken. Zurück zu Branco und zu Ede, der noch am Spielfeld wartet und zu der Mannschaft, die zum Teil schon die beabsichtigte Auswechslung wahrgenommen hat. Nur geschieht jetzt keine Auswechslung. Verständlicher Weise, jetzt muss Branco ersetzt werden. Also, Tobias Willi heran, aber der muss sich erstmal den Trainingsanzug ausziehen. Das dauert. Währenddessen wird der Freistoß ausgeführt. Die Mannschaft aber scheint auf irgendwas zu warten. Anscheinend hat sich dieses Da-steht-jemand-am-Spielfeldrand-und-kommt-herein in manche Köpfe geschlichen. Kleiner Schreck durch gelb-rote Karte kommt hinzu. Konzentration entflieht. Und dann wird Spiel doch schon wieder frei gegeben. Der Ball segelt in den Strafraum, und da können dann zwei Stürmer unbedrängt köpfen. Natürlich nehmen die das Angebot zum Ausgleich gerne an.

Wäre jetzt auch nicht so dramatisch gewesen. Weil St. Pauli auch mit zehn Mann zu schlagen war. Es folgt ja auch fast sofort die Großchance von Sandro Wagner. Und auch die Geschichte vom Siegtor St. Paulis beginnt mit einem guten Angriff über den rechten Flügel. Tobias Willi ist auf und davon. Doch dann hat sich einer von St. Paulis Verteidigern gedacht, was Branco kann, kann ich auch und springt mit Anlauf und gestrecktem Bein in Willis Knochen. Gepfiffen wird nicht, denn Willi springt hoch, wird nur gestriffen und kann sogar trotzdem flanken. Die Flanke ist aber nun zu harmlos. Sie wird problemlos abgefangen und der Abschlag mit erfolgreich abgeschlossenem Konter schließt sich an. Natürlich ist Willi empört über den ausgebliebenen Pfiff des Schiedsrichters. Doch weniger er beim Linienrichter hätte seinen Ärger erst später rauslassen sollen, sondern seine Mitspieler, die ebenfalls anscheinend den Pfiff sicher erwartet hatten, hätten mehr im Spiel sein müssen. Aber sie waren ganz offensichtlich im Kopf in einer anderen Spielsituation. Womöglich hatten sie den Freistoß schon vor Augen. Der ausbleibende Schiedsrichterpfiff ist natürlich ungerecht, aber zwischen Abfangen der Flanke und Abschlag war genug Zeit, um sich wieder zu organisieren. Da fehlte Aufmerksamkeit und Schnelligkeit im Kopf.

Ohnehin war schon in der ersten Halbzeit zu spüren, dass dem Spiel der Mannschaft die kämpferische Note fehlte. Anscheinend braucht diese Mannschaft dieses Feuer, um gefährlich und wach zu sein. Gibt es einen Gegner, der diesen Kampf erstmal nicht nötig macht, weil er zu ungefährlich ist, dann plätschert das Spiel vor sich hin. Konstruktive Angriffe sind dann selten. So landete der Ball gestern immer wieder beim Versuch schnell nach vorne zu spielen beim Gegner. Das war alles nicht schön anzusehen. Und trotzdem hatte man das Gefühl, das kann was werden. Denn als Ergebnis wurde das Spiel zwar langsam, aber auch kontrolliert. Die Abwehr stand sicher. Der Ball wurde gestoppt, dann wurde geguckt, wo ist mein Mitspieler und notfalls auch zurück gespielt. Wie gesagt, nicht schön anzusehen, aber ich war eigentlich sicher, das erste Tor wird fallen.

Ich muss aufhören zu schreiben, ich merke allmählich, wie ich mich wieder gegen dieses Ergebnis aufbäume. Ich will es nicht wahr haben. Und Sandro Wagner, zur ersten Großchance, die er sich ja selbst erarbeitet hat, da will ich ja gar nichts sagen. Alleine auf den Torwart zulaufen und dann der Ball über das Tor. Da fehlt Gelassenheit. Hat im übrigen aus meiner Sicht was mit seiner Persönlichkeit zu tun. Das ist nicht seine Jugend, sondern sein unbedingter Wille im Zentrum zu stehen. Aber dieser zweite Ball, den er er freistehend am Elfmeterpunkt zwar direkt annimmt, aber ohne Kraft dem Torwart direkt in die Arme schießt. Seufz. Und wo ich schon dabei bin, welche Qualitäten hat Dorge Kouemaha, die ich bislang noch nicht gesehen habe und die in einem normalen Spiel des Vereins aller Vereine gebraucht werden. Ich verstehe schon, er soll die Anspielstation in der Spitze sein und mit seinem massigen Einsatz den Ball behaupten. Die kann er aber doch nur sein, wenn das Spiel über den Kurzpass nach vorne kommt. Was eher selten der Fall ist beim MSV. Für lange Bälle ist er viel zu langsam. Und diese hohen Bälle in den Strafraum fürs Kopfballspiel, da stehen die meisten Verteidigungsreihen immer sehr stabil. Also, ich habe da ein wirkliches Erkenntnisinteresse. Wer hilft?

Ein gutes Zeichen übrigens, wie ärgerlich Ivica Grlic im Interview mit Radio Duisburg nach dem Spiel war. Zeugt vom Anspruch und vom Willen zur Änderung. Ein zweites Interview mit Tom Starke hinterlässt bei mir einen faden Beigeschmack. Natürlich verstehe ich seine Enttäuschung und seinen Willen, wieder in der Startelf zu stehen. Aber zu einem guten Torwart gehört auch eine realistische Einschätzung der eigenen Stärken und Schwächen. Starke sieht sich in allen Belangen als den besseren Torhüter an. Im Strafraum ist er das so offensichtlich nicht, dass ihn diese Selbsteinschätzung schon jetzt für die Rückrunde zum zweiten Mann macht.  Seine Stimmung ist jedenfalls schlecht, und er versteht Bommer nicht, der ihm keine Argumente hat liefern können. Da sage ich, frage mal im Publikum. Lese mal die Blogs. Da gibt es schon den ein oder anderen Hinweis auf Schwächen.

Nur gut, dass wenigstens auch der FC gegen Dortmund verloren hat. Muss ich mir zumindest keine dummen Kommentare anhören. Drei Punkte in Koblenz, schön wär´s.


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