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Die Leidenschafts-Hochrüstungsspirale

Eigentlich hätten Spieler und Verantwortliche vom MSV Duisburg gestern zu Hause bleiben können. Es ist ja tatsächlich eine längere Busfahrt nach Ingolstadt, und wenn schon vorher klar ist, wie das Spiel heute ausgehen wird, warum dann nicht alles einfacher haben und zusätzlich auch noch Geld sparen. Das käme dann in den Pott für die Neuverpflichtungen, und alles wäre schön. Der FC Ingolstadt müsste natürlich mitmachen. Aber wenn schon beide Trainer das Spiel mit denselben Mitteln angehen wollen, wären sich die Vereine vielleicht schnell einig, dass ein Unentschieden das leicht vorhersehbare Ergebnis sein wird.

Kosta Runjaic setzt laut WAZ/NRZ auf „Vorsprung durch Leidenschaft“ und zeigt sich damit über den Markenclaim des Hauptsponsors gut informiert. Allerdings möchte Tomas Oral laut Donaukurier, dass seine Spieler „Leidenschaft auf den Platz bringen“. Da sollen die Spieler also mit denselben Mitteln erfolgreich sein. Schon sehe ich alle Spieler, wie sie mit dem ersten Betreten des Rasens beim Warmmachen den Rüstungswettlauf in Sachen Leidenschaft beginnen. Da gehen dann herausfordernde Blicke auf die jeweils andere Seite, während unauffällig im Hintergrund auf beiden Seiten das Leidenschaftslevel unentwegt abgeglichen wird. Jeder Ausfallschritt beim Dehnen kann dann die Androhung einer Grätsche sein. In jedem freundlichen Winken zu einem Zuschauer verbirgt sich der zum Stoß im Getümmel erhobene Arm. Und jeder nicht deutlich hörbare Satz des Gegners wird zur einpeitschenden Beschwörungsformel des Sieges. Überall lauert auf der anderen Seite ein Mehr an Leidenschaft, das die Intensivierung der eigenen Leidenschaft unbedingt nötig macht.

So haben sich das beide Trainer wahrscheinlich nicht gedacht. Die lachenden Dritten werden zukünftige Gegner sein, wenn sich in diesem einen Spiel sowohl der MSV Duisburg als auch der FC Ingolstadt für ihre Leidenschafts-Bereitschaft völlig verausgaben. Deshalb wäre das vorab vereinbarte Unentschieden ein die Zukunft unseres MSV sicherndes Leidenschafts-Friedensabkommen. Es sei denn, wir haben da noch was in der Hinterhand. Jürgen Gjasula etwa als eine Art Freiheitsversprechen in der Spielanlage. So ähnlich wurde ja schon mal ein vermeintliches Gleichgewicht der Kräfte  ausgehebelt. Das Wohlstandsversprechen lassen wir beim MSV Duisburg mal außer Acht.

Was Fans angeht, haben die auch Leidenschaft, schwarzrot in dem Fall und wir sehen, junge Frauen als Identifikationsfiguren geben dem Fußball sofort ein freundliches Image. Von Fans für Fans, so heißt es.

Tomas Oral über Orientierungslosigkeit in der gefährlichsten Liga Deutschlands

Wenn Tomas Oral in der Pressekonferenz des FC Ingolstadt vor dem Spiel gegen den MSV über die „gefährlichste Liga“ in Deutschland spricht, habe ich den Eindruck, eigentlich beschäftigt ihn irgendetwas anderes als das nächste Spiel seiner Mannschaft. Ich vermute, ihm kommen die öffentlichen Ansprüche ans eigene Team mehr oder weniger bewusst ständig in die Quere. So kann man völlig orientierungslos werden, in welche Richtungen Mannschaften gerade unterwegs sind, wenn sie sich über- oder unterschätzen. Das richtige Maß ist das Leitmotiv dieser Pressekonferenz von Tomas Oral, die vom Bild her übrigens eher wie die Generalprobe der Pressekonferenz wirkt. Das sind für mich die unterhaltsamen Momente vor dem Spiel

Kevin Wolze gibt hingegen die Standardstatements, die Fans erwarten. Die Mitwirkung bei der Pressekonferenz des MSV Duisburg war sicher auch Anerkennung für  seine Leistung in den letzten Spielen. Wollen wir hoffen, dass seine Versprechungen  im Namen der Mannschaft von allen gehalten werden können. Der Spieltag hat mit den Niederlagen von Aue und Dresden ja sehr günstig begonnen. Jetzt können wir schon anfangen, uns zu sorgen, ob die Spannung in der Mannschaft bei solchen Ergebnissen nachlässt. Probleme sehen, geht immer.

Wie ist noch mal der Brasilianer?

Lebenslustig und immer voller Sehnsucht, den Ball am Fuß zu spüren, so ist der Brasilianer. Auch ein Brasilianer in Ingolstadt macht da keine Ausnahme, das weiß der Donaukurier im  Vorbericht zum Spiel des MSV Duisburg gegen den FC Ingolstadt zu berichten. Diesen Brasilianer kennen wir auch, Caiuby ist sein Name und ich meine mich sogar zu erinnern, wie ich ihn einmal mit Ball am Fuß und Sambatrommeln schlagend durch die Duisburger Innenstadt habe ziehen sehen, um den trübsinnigen Duisburgern ein wenig von seiner Lebenslust zu schenken. Auf dem Spielfeld im Stadion hatte das damals ja nur unzureichend geklappt, da war seine Lebenslust ja immer wieder durch was auch immer – akute Versagensangst? – in triste Rumpelfußballer-Lethargie verwandelt worden. In Ingolstadt scheint das nun anders zu laufen. Was mich als Unterstützer eines brasilianischen Leitkultur-Gedankens zwar freut, den MSV-Fan in mir aber die Stirn runzeln lässt. Andererseits befinde ich mich in der komfortablen Lage, dass auch eine Niederlage in Ingolstadt bei meinem Plan zum Klassenerhalt eingerechnet ist. Im oben verlinkten Artikel stellt der Donaukurier einen Clip mit PK-O-Ton von Ingolstadts Trainer Tomas Oral ins Netz. Der nun geht davon aus,  35 Punkte sollten diese Saison reichen, um die Liga zu halten. Seit Rostocks Sieg gestern denke ich, vielleicht hat er ja doch recht, und meine Prognose nach der Niederlage von Aachen gegen Dresden wäre viel zu wagemutig. Meiner Rechnung gemäß langen sogar unglaubliche 28 Punkte, ein gutes Torverhältnis und, was auf jeden Fall hinzukommen muss, ein ebenso unglaublich stabiles Nervenkostüm aller Beteiligten, von Spielern, Verantwortlichen und uns Zuschauern. Ein Punktgewinn in Ingolstadt würde die Aufgabe für uns in Duisburg natürlich erleichtern. Aber wie wir Oliver Reck kennen gelernt haben, reicht ihm das nicht. Der will auch dort gewinnen. Meine Unterstützung hat er. MSV-Leitkultur voran.


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