Posts Tagged 'Trainerentlassung'

Fußballlyrik – Der neue Trainer

Der neue Trainer

Mit Wochen ohne Sieg
nun Letzter der Tabelle.
Nach Abstieg droht der Absturz.
Was hilft denn auf der Stelle?

Entlassungen von Trainern!
Statistik weiß Bescheid.
Erfolg kommt oder nicht.
Nur lindert Handeln Leid.

Statistik sagt egal,
ob Trainer bleiben, gehen.
Ein Team muss so und so
den Abstiegskampf bestehen.

Statistik sind die Fälle.
Wir aber sind der Fall.
Was wirklich wird, das zeigt
sich erst im Spiel mit Ball.

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Trainerentlassung bei Misserfolg? – Ein lehrreiches Fallbeispiel

Nicht viel spricht für Trainerentlassungen während einer Spielzeit. Egal wieviel Geld ein Verein zur Verfügung hat, kontinuierliche Arbeit in einem ruhigen Umfeld ist die Voraussetzung für sportlichen Erfolg. Es wird euch nicht überraschen, dass ich langfristiges Arbeiten eines Trainers mit einer Mannschaft grundsätzlich befürworte.

Die Sportpsychologie liefert zudem wissenschaftliche Argumente. Trainerentlassungen haben statistisch gesehen keinen nennnenswerten Einfluss auf den Erfolg einer Mannschaft. Erstmals wurde an der Universität Münster 2003 dieser Befund an die Öffentlichkeit gebracht und hier vom Handelsblatt als Meldung aufgenommen. Acht Jahre später scheint es eine Überarbeitung der Studie gegeben zu haben, wie auf der Seite der Universität zu lesen ist. Dort gibt es auch den Link zum wissenschaftlichen Artikel, der die Studienergebnisse auf Englisch zusammenfasst. Für den Artikel spricht der Zebrastreifenblog eine Statistikwarnung aus.

Diese rationale Einsicht ändert nichts daran, dass ich Gino Lettieris Arbeit nicht vertraue, und ich die irrationale Hoffnung habe, ein anderer Trainer könne durch seine Arbeit die Spieler des MSV zu einer erfolgreicheren Mannschaft formen. Ich staune also über mich selbst und überlege, wie es zu dieser Hoffnung kommt. Schließlich kenne ich das Training von Gino Lettieri gar nicht und erlaube mir in solchen Fällen eigentlich kein Urteil. Ich sehe nur das Ergebnis in den Spielen und könnte auf ein schlechtes Zeugnis hochrechnen. Doch dann beginnt sofort die klassische Diskussion: Gino Lettieri steht ja nicht auf dem Platz. Er ist nicht alleine verantwortlich für den Misserfolg. Es gibt Rahmenbedingungen, unter denen er arbeiten muss, die Spielstärke der einzelnen Spieler, die Verletzungen, Glück, Zufall. All das versuche ich immer mit zu beachten. Dennoch ändert das nichts an meinem Eindruck, Gino Lettieri geht unter den vorhandenen Bedingungen einen falschen Weg.

Meine Zweifel wären nur ausgeräumt worden, wenn ich diesen Weg besser erklärt bekommen hätte. Ich hätte eine Perspektive nach all den Misserfolgen gebraucht. Ich hätte eine Erklärung benötigt, warum es in der Offensive von Anfang an so aussah, als müsste jeder einzelne Spieler am Ball von neuem überlegen, was zu tun ist. Ich hätte eine Erklärung dafür gebraucht, warum Spieler, die schon in der letzten Saison zusammenspielten, so wirkten, als begegneten sie sich zum ersten Mal.

Für Gino Lettieri gab es außerhalb des sportlichen Bereichs beste Voraussetzungen. Er hat viel Kredit bei den Anhängern des MSV. Die Zuschauer waren bislang für Duisburger Verhältnisse sehr geduldig. Sie wussten, was sie in der Saison erwartet. Es gab also die Bereitschaft mit ihm den unsicheren Weg durch die 2. Liga zu gehen. Wenn der Misserfolg anhält, muss aber irgendjemand diesen Glauben an den Weg mit Argumenten befeuern. Ivo Grlic hat das neulich einmal gemacht. Dagegen wirkt es, gelinde gesagt, unglücklich, wenn Gino Lettieri seine Arbeit nach Niederlagen verteidigt und sich selbst bei der Analyse ausnimmt. So trägt seine öffentlich gezeigte Haltung der eigenen Arbeit gegenüber – wie schon einmal geschrieben – ebenfalls zu meinem Vertrauensverlust bei.

Mein Schluss aus der Selbstbeobachtung: Drei Komponenten geben mir Vertrauen in die Arbeit des Trainers. Erstens banal: der sportliche Erfolg. Zweitens: Im Misserfolg erkennen, dass die Spieler an ihre sportlichen Grenzen gekommen sind. Drittens: Im Misserfolg offensives Erklären der Trainingsarbeit und der Gründe für Misserfolg. Dann bliebe mein Vertrauen in die Arbeit eines Trainers stabil.

Übrigens empfinde ich es als unlauter, jetzt den Stab über die Verantwortlichen des MSV zu brechen. Wer in diesem Fall von Chaos hinter den Kulissen spricht, betreibt Brandstiftung, egal ob das von Anhängern des Vereins geschieht oder von den lokalen Medien wie hier im Reviersport. Hinterher ist man immer klüger und über den richtigen Zeitpunkt zu handeln lässt sich streiten. Mehr ist das nicht. Was beim MSV geschieht, ist exakt das Gegenteil von Chaos. Es wirkt wie die intensive Beschäftigung mit allen möglichen Entwicklungen. Und das war richtig so.

Natürlich war der Versuch richtig, den Teufelskreis der Neuverschuldung für den sportlichen Erfolg nach dem Schuldenschnitt zu durchbrechen. Jetzt ist es doch billig zu sagen, der Kader war von Anfang an nicht zweitligareif. Und natürlich war es richtig, auf Kontinuität bei der Arbeit von Gino Lettieri zu setzen. Etwas mehr Glück hier und dort, und selbst bei schlechtem Spiel der Mannschaft hätte sie dreimal erfolgreicher sein können. Was nicht viel ist, aber ausgereicht hätte, den Kontakt zu den Nichtabstiegsplätzen zu halten. Mein Lieblingsszenario war der Klassenerhalt mit Lettieri und die Verpflichtung eines neuen Trainers für die kommende Saison. Das war eine Träumerei.

Für den Trainerwechsel gibt es noch keine Bestätigung vom MSV. Wenn diese Bestätigung kommt, muss der Traum noch größer werden. Ein wenig haben sich meine Hoffnungen seit gestern schon wieder aufgerichtet. Zumal die Studie der Sportpsychologie sich auf die Daten der Bundesliga beschränkte. In der Zweiten Liga ist doch alles ganz anders. Da hat ein neuer Trainer doch viel mehr Einfluss, oder? Anders kann es doch gar nicht sein. Zumindest beim MSV Duisburg.

Die Entlassung nutzt nur, wenn …

Deutschland weiß bescheid. Schon beim Frühstück konnte ich es in einer kurzen Meldung des Kölner Stadt-Anzeigers lesen. Laut „Medienberichten“ habe sich der MSV Duisburg von Peter Neururer getrennt. Es sei die sechste Trainerentlassung der laufenden Saison. Mit diesen Medienberichten sind die Meldungen des „Kicker“, der „BILD-Zeitung“ oder diese „NRZ-Informationen“ gemeint. Anscheinend konnte das DSF wegen seiner guten Kontakte zu  Peter Neururer noch einen O-Ton von ihm erhalten, der beim DSF online nicht zu finden ist, aber hier von „Der Westen“, Sektion „NRZ“ indirekt wiedergegeben wird. Peter Neururer wies darauf hin, dass die Trennung „einvernehmlich“ vorgenommen wurde. Und was sagt der MSV Duisburg? Der sagt nichts. Denn die Pressekonferenz ist erst heute um 12 Uhr. Die Redseligkeit von Peter Neururer bei gleichzeitiger Zurückhaltung der Verantwortlichen des MSV Duisburg führt aber mitten hinein in Tinas gemischte Gefühle.

Betrachtet man alleine die Trennung, lässt sich nichts dagegen sagen. Sie kommt zum richtigen Zeitpunkt, so man Trainerentlassungen für ein geeignetes Mittel hält, die Leistung einer bestehenden Mannschaft zu verbessern. Auf den Abstiegskampf bezogene Statistiken zeugen zwar vom Gegenteil, dennoch kann der Einzelfall seine leistungssteigernden Besonderheiten der Trennung aufweisen. Die Trennung kann auch ein geeignetes Mittel sein, wenn die Chemie zwischen Trainer und Vereinsverantwortlichen  nicht mehr stimmt. Mir geht da ein Foto der letzten Woche durch den Kopf, das Walter Hellmich und Peter Neururer nach dem Erfolg gegen Rostock zeigt. Walter Hellmich wirkt auf diesem Foto nicht gerade beglückt durch die Umarmung von Peter Neururer. Das mag ganz andere Gründe haben als das unbewusste Bedürfnis, sich zu distanzieren. Vielleicht fühlte sich Walter Hellmich durch das Kapuzenfell einfach nur gekitzelt, doch gibt es einen Erklärungsrahmen dieses Bildes, der den Versuch der Distanzierung wahrscheinlich macht. Es gibt also viele Gründe für die Trennung und die schlechte Leistung der Mannschaft ist nur einer dieser Gründe.

Warum nun gibt es diese gemischten Gefühle, die nichts mit meinem Wunsch zu tun haben, Peter Neururer möge unbedingt weiter Trainer bleiben. Das hat mit etwas Grundsätzlichem zu tun, mit meinem Eindruck, wie im Verein so etwas wie eine Einheit im Verein selbst und mit dem Umfeld hergestellt wird. Es gibt meiner Meinung nach zu wenig Wissen im Verein darüber, wie dieses in einem finanzschwachen Verein wie dem MSV Duisburg für den Erfolg so notwendige Gefühl befördert werden kann. Wahrscheinlich nehmen es die meisten Beobachter des Fußballs als normal hin, wie die Nachricht von Peter Neururers Entlassung in den Medien ihre Runde machte. Da gibt es keine wirkliche Fehlleistung des Vereins aller Vereine. Die Nachricht als solche ist so wichtig, dass alles andere wenig Beachtung findet. Doch betrachtet man diese Kleinigkeit der Nachrichtenverbreitung genauer, lässt sie Rückschlüsse auf Arbeitsweisen im Verein zu. Ich halte es für nicht richtig, dass Peter Neururer beim DSF irgendetwas bestätigt, was noch kein Verantwortlicher des MSV Duisburg offiziell verkündet hat. Der Verein müsste das Heft des Handelns jederzeit in der Hand halten. Man hätte sich die Frage stellen müssen, kann man Peter Neururer zu Stillschweigen verpflichten? Ich weiß das nicht. Das müssen die wissen, die etwa ein Jahr mit ihm zusammen gearbeitet haben. Mein Eindruck ist aber, da er sein eigenes Interesse stets im Blick behält, warte ich besser nicht auf den kommenden Tag, um etwas zu verkünden, was nicht nur den Verein sondern auch so einen Mann mit Medienkompetenz betrifft.  Dann muss noch am selben Abend der Entscheidung zumindest eine kurze Stellungnahme her. Die offizielle Pressekonferenz in ruhigem Fahrwasser kann dann am nächsten Tag immer noch kommen.

Gerade aus solchen Gründen gibt es diese gemischten Gefühle in mir. Immer wieder kommt es dazu, dass die Verantwortlichen im Verein, und damit meine ich nur die Verwaltung, bei ihrem Handeln knapp daneben liegen. Das wirkt nach außen und gefährdet immer wieder das Gefühl, alle die den Verein unterstützen und alle, die beim Verein angestellt sind und für ihn arbeiten, ziehen an einem Strang. Nur Erfolg überdeckt diesen so grundsätzlichen Mangel. Doch gleichzeitig ist das auch mit ein Grund dafür, dass der Einfluss von Zufällen auf diesen Erfolg größer ist als nötig. Daran etwas zu ändern, braucht Zeit. Das muss wachsen, und zwar indem der Verein sich öffnet und die Verantwortlichen im Verein ihr Handeln mehr erkären. Alleine durch die Erklärung wären sie gezwungen, die interne Arbeit immer wieder zu überprüfen. Wenn sich dieser grundlegende Mangel nicht ändert, könnte Uwe Speidel zum Heiko Scholz der Zukunft werden. Vom Geld habe ich zudem noch gar nicht geredet.

Volkes Stimme trifft auf Einsehen

Spielbericht auf später verschieben, Tinas Brandmeldung nachlesen und mich dabei an den Spielanfang erinnern, als vor Spielbeginn nach dem ersten Bommer-Raus-Intermezzo kurz in unserer Runde die Frage aufkam, und dann? Luhukay fiel mir dazu ein. Nicht ganz ernst, aber bei genauem Hinsehen eigentlich ein Mann mit Perspektive. Denn dieser Trainer steigt gerne mit seinen Mannschaften auf, um dann unverzüglich oder kurz nach Saisonstart dem Nachfolger Platz zu machen. Gibt es eigentlich so was wie einen informellen Austausch zwischen den Vereinen? Was für ein Verhältnis pflegen wir mit Paderborn und Mönchengladbach? Und dem FC natürlich? Dort war Luhukay Co-Trainer unter drei verschiedenen Chefs von 2002 bis 2005. Sofort wird er noch ein wenig sympathischer, denn mir kölsche stonn zusammen, also, Hellmich und Hübner müssten bei der Vertragsgestaltung nur berücksichtigen, dass er nach dem Aufstieg maximal ein halbes Jahr bleibt. Tina berichtet übrigens, dass der Hollandse Nieuwe in spe bei uns gesehen wurde. Networking zwecks Arbeitsplatzsuche oder private Weiterbildung? Denn an nichts anderem lernt man besser als an dem, was nicht gelingt. Zu letzterem werde ich erst morgen früh mehr schreiben.


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