Posts Tagged 'Trainingslehre'

Manchmal ist weniger Trainer-Anweisung mehr

Hört man den Trainingskiebitzen zu oder liest ihre Trainingsberichte, soll Karsten Baumann im Training bei Fehlern im Mannschaftsspiel kaum korrigierende Anweisungen gegeben haben,  Gino Lettieri dafür um so mehr. Wie beides zu bewerten ist, ergibt sich natürlich durch den Erfolg der Mannschaft, aber bei näherer Betrachtung auch mit dem Blick auf die konkrete Spielweise der Mannschaft während der Saison.

Das richtige Maß für die spielstrukturienden Anweisungen im Training zu finden, ist jedenfalls nicht einfach, wie mir neulich ein Artikel in der  Süddeutschen Zeitung zu verstehen gab. Sebastian Herrmann schrieb über die Psychologie der Wahrnehmung und dem Phänomen, dass wir Menschen offensichtliche Dinge einfach übersehen.

Ein kurzer Abschnitt erinnerte mich an die Mannschaft des MSV zu Beginn beider Spielzeiten unter Gino Lettieri. Mir kam es manchmal so vor, als überlegten die Spieler zu viel, als seien sie zu sehr damit beschäftigt Anweisungen im Kopf abzuarbeiten. Erst einmal ist das Ganze Spekulation zu einer intuitiven Wahrnehmen, ob es mehr ist? Findet Ilija Gruev für seine Anweisungen einen Mittelweg, der die Köpfe der Spieler grundsätzlich freier macht und ihnen dennoch ein gutes Gerüst für das Spiel selbst gibt? Momentan sieht es für mich so aus.

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Den gesamten lesenswerten Artikel „Der unsichtbare Gorilla“ zur Psychologie der Wahrnehmung gibt es bei der Süddeutschen Zeitung mit einem Klick.

Fundstück: Bernhard Peters über Talentsichtung und Training von Kindern

Seit September arbeitet Bernhard Peters beim Hamburger SV als „Direktor Sport“ und soll „ein Förderkonzept von der Jugend bis zur Profi-Ebene entwickeln und umsetzen“. So steht es als Kommentar zum Interview, das Moritz Müller-Wirth und Kilian Trotier für DIE ZEIT mit ihm geführt haben.  Bernhard Peters ist jener überaus erfolgreiche Hockey-Bundestrainer, den Jürgen Klinsmann im Zuge seiner Reformarbeit rund um die deutsche Nationalmannschaft engagieren wollte. Beim DFB wurde aus dem Sportartwechsel nichts, dennoch war der Fußball auf ihn aufmerksam geworden. Wenig später arbeitete er bei der TSG 1899 Hoffenheim – ebenfalls in der Sport- und Nachwuchsförderung.

In dem am 27. November erschienenen Interview – online ist es nicht gestellt – verweist Bernhard Peters auf das Scheitern von zu früher Talentsichtung und erinnert daran, von welchen Bedürfnissen der Kinder Nachwuchstraining bestimmt werden sollte.

ZEIT: Woran erkennt man ein Talent?

Peters: Dieser Begriff Talent ist ja unwahrscheinlich kompliziert. Wie viel ist genetische Disposition, wie viel ist Umwelteinfluss? Ist dieses sieben- oder achtjährige Kind einfach viel weiter als ein anderes Kind, weil es fünftausendmal mehr gegen eine Garage geschossen hat als das andere? Dann ist es aber kein Talent, dann ist es einfach nur besser trainiert. Das wird immer verwechselt. Viele Trainer würden am liebsten schon in der E-Jugend und der F-Jugend Weltmeister werden. Die arbeiten sehr ergebnisorientiert, was den Kindern nicht hilft. Es muss rein ausbildungsorientiert und bedürfnisgerecht gespielt werden in dem Alter.

ZEIT: Was heißt das?

Peters: Kinder haben ein Bedürfnis nach Kreativität, freiem Spielen, Anerkennung, Lob, ungeordnetem Spielen und Wettkämpfen. Dem muss man gerecht werden.

Findet Kosta Runjaic auf dem Mittelweg Erfolg?

Gestern ging mir beim Schreiben über Kosta Runjaic zu dessen möglichem Erfolg beim MSV Duisburg ein Gedanke durch den Kopf, den ich für zu banal hielt, um ihn in einem Satz stehen lassen zu können. Viel mehr passte aber erstmal nicht in den Text, vielleicht fiel mir auch nur das passende nicht ein. Heute gibt mir Jürgen Klopp in einem langen und sehr lesenswerten Interview mit dem Tagesspiegel die Gelegenheit doch noch auf diesen Satz zurückzukommen. In einem Teil des Interviews geht es um den Nutzen der immer umfassender erhobenen Daten eines Fußballspiels. Wir steigen ein mit einer Bemerkung der Journalisten Lorenz Maroldt und Norbert Thomma:

Eine Untersuchung aus England sagt, die gefährlichsten Eckbälle sind „inswinger“, also solche auf den kurzen Pfosten.

Schön, das hätte ich Ihnen auch aus dem Bauch raus sagen können. Diese Erkenntnis gibt mir nicht viel. Denn ich muss einen Plan an den Fähigkeiten von Spielern orientieren und nicht an statistischen Gesetzmäßigkeiten.

Gestern ging mir genau diese Zusatzbedingung für den erhofften Erfolg von Kosta Runjaics Arbeit durch den Kopf. Seine unzweifelhaft vorhandene fachliche Kompetenz reicht nur bedingt.  Entscheidend wird sein, wie es ihm gelingt seine Vorstellungen vom Spiel mit den Fähigkeiten der Spieler in Einklang zu bringen.

Rückblickend scheint es mir so, dass Milan Sasics taktische Vorgaben einige Spieler überforderten  und er keinen angemessenen Umgang mit diesem Ungenügen fand. Ich vermute, Oliver Reck fand diesen Umgang, war aber begrenzt in seinen Fähigkeiten, die Spieler in ihren Möglichkeiten über das hinaus zu bringen, was sie im Zusammenspiel können und was für ein Bestehen in der 2. Liga nicht ausreicht.

Es geht also um Entwicklung, die aber nicht überfordert. Es geht für Kosta Runjaic darum, besagten Plan zu finden, der sich an den Fähigkeiten der Spieler orientiert. Das einfache Spiel Fußball ist doch in der Vorbereitung ein äußerst komplexes. Und nun am besten hingeklickt zum oben verlinkten Interview .


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