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Die Wahrheit ist die Pflicht

Gerade habe ich mir mal eben meinen Eindruck vom 1:0-Sieg des MSV Duisburg gegen TuS Dassendorf zusammengesucht. Kurzbericht hier, Kommentare im Netz dort und das Portals-Stimmengewirr dazu. Ich selbst hatte vom Spiel nämlich nichts mitbekommen außer dem Ergebnis. Dieses Ergebnis alleine hatte mich am Samstag schon gefreut, zumal es sich ja einreihte in die meisten anderen Pokalspiele höherklassiger Vereine gegen niederklassige gerade an diesem Samstag. Nicht oft konnte man in dieser ersten Runde durch das Ergebnis auf den Klassenunterschied rückschließen. Was nun keine Kritik verhindern soll, sondern nichts mehr als die Wahrheit ist.

Wer sich äußert und das Spiel gesehen hat, sagt meist dasselbe. Bewertet wird das allerdings sehr unterschiedlich. Die einen regen sich über ein schlechtes Spiel des MSV auf, die anderen sahen einen MSV, der den Gegner nicht unterschätzt hat und mit wenigen Ausnahmen keine Chance des Gegners zugelassen hat. Einig ist man sich darin, dass die Chancenverwertung hätte besser sein müssen. Das sagt selbst Ilia Gruev in der Pressekonferenz nach dem Spiel. Dennoch hat das Tor ein Stürmer erzielt. Darauf weist er auch hin.

Die einen nehmen das Spiel, um eine schwere Saison vorherzusagen, die anderen sehen keine Rückschlüsse für die nächste Ligabegegnung gegen Darmstadt. Rund um das Spiel gibt es also viel Spekulation und Deutung. Die einzige Wahrheit dieses Spiels ist das Ergebnis. Dieses Ergebnis war die Pflicht zu siegen. Womit ich wieder bei meinem Eindruck vom Samstag bin. Manchmal reicht das nackte Ergebnis für die leicht erzählte Wahrheit. Alles andere liegt nicht auf der Hand, sondern muss mühsam und langwierig begründet werden. Am besten mit Fakten.

Die einmalige Begegnung

Neulich beim Ehemaligen-Treffen meines Gymnasiums am Bierstand: Eine junge Frau sieht mich fortwährend an, während ich aufs Bier warte. Ich bemerke den Blick, schaue freundlich zurück und will mich wieder der Zapferin zuwenden. First things first.
Doch das Fragezeichen im Gesicht der jungen Frau neben mir fand zu Worten: „Kennen wir uns nicht?“
Überrascht sehe ich noch einmal genauer hin: „Eigentlich…ich weiß nicht. Woher denn? Hier von der Schule?“
Sie nickt verhalten und hebt die Schultern.
„Welcher Abi-Jahrgang denn?“. frage ich.
„2001“, sagt sie.
„Hm, ich habe 1981 Abitur gemacht.“
Während ich mein Bier bekomme, lächelt sie etwas gezwungen und wendet sich ab.

Hatte sich das Rätsel mit dieser Antwort denn wirklich gelöst? Ich weiß es nicht. Es blieb bei dieser einmaligen Begegnung und meiner noch besseren Laune an einem Bierstand, der in einem anderen Leben wohl mal Jungbrunnen gewesen ist. Die einmalige Begegnung  steht den Spielern vom MSV Duisburg morgen noch bevor. Die Spieler vom TuS Dassendorf werden die Zebras sicher nicht fragend ansehen. Sie werden wissen, woher sie die Zebras kennen und was sie vorhaben.

Natürlich hat der MSV im Hamburger Umland nicht viel zu gewinnen. Das Weiterkommen ist Pflicht, und der eigentliche Sieg wäre ein überlegen gestaltetes, souveränes Spiel. Wenn ich mich durch die Bildergalerie beim NDR als Vorbericht zum Pokalspiel klicke, klingen manche untertitelnden Worte über die Spieler eindrucksvoll. Es gibt Spielervergangenheiten in höherklassigen Ligen, den Versuch in Italiens Seria A Fuß zu fassen oder in Spanien beim UD Levante. Dann muss ich mich daran erinnern, dass wir in Drittligazeiten über Real Madrid gesprochen haben, in Zweitlagzeiten über Barcelona, und dann manchmal nicht so genau hingesehen wurde, um welche der Mannschaften es dort nun genau ging.

So souverän wie TuS Dassendorf in der letzten Saison Oberligameister geworden ist, hätte der Verein die Regionalliga ins Auge fassen können. Wie in den Jahren zuvor war auf den Aufstieg von vornherein verzichtet worden. Bei Elbkick.tv gibt es einen Vorbericht zum Spiel mitsamt den üblichen Statements von Trainer und Spielern. Wenn in den O-Tönen von „Highlight“ oder „alle freuen sich drauf“ gesprochen wird, hört man im journalistischem Begleittext von Hoffnung auf die „Sensation“. Eigentlich wissen wir aber, dass es nicht mehr so sensationell ist wie früher, wenn eine unterklassige Mannschaften den höherklassigen Gegner schlägt. Dazu geschieht das zu oft. Sowohl in Dassendorf als auch beim MSV finden sich Spieler, die diese Erfahrung schon gemacht haben. Hoffen wir auf den frühzeitig auch im Ergebnis erkennbar gewordenen Ligenunterschied. Hoffen wir, dass diese einmalige Begegnung uns morgen sehr gute Laune macht.


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