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Wenn ein MSV-Fan auch im TV arbeitet

Bei der überregionalen Wahrnehmung hat die eine Pressekonferenz des MSV zu einer zukünftigen TV-Dokumentation der anderen Pressekonferenz am selben Tag, abends nach dem 2:2-Unentschieden im Ligaspiel gegen den FC Bayern München II, wahrscheinlich den Rang abgelaufen. Der Grund: Joachim Llambi, ein MSV-Fans seit Jugendzeit, ist als RTL-Gesicht mit dem Schwerpunkt Tanzsendungen beim Sender gut gelitten. Da lässt sich schon mal ein neues Projekt anschieben, wo doch der Fußball in der letzten Zeit in immer mehr medialen Formen nach Publikum sucht.

Einzelnen Spielern sind Filmportraits gewidmet worden. Die Bayern haben ihren eigenen TV-Kanal. Der BVB verantwortet etwas, was der Verein Dokumentation nennt. Für ein Buch hat Christoph Biermann Union Berlin eine Saison lang begleitet. Und bei Netflix läuft „Sunderland ‚till I die“ mit großer Resonanz. Der Boden ist bereitet. Der Sunderland entsprechende angeschlagene Verein in Deutschland musste für eine Dokumentation nur gefunden werden. Gut, dass Joachim Llambi MSV-Fan ist. Seine Kontakte zum Verein führen also nun zu einer Langzeitdokumentation über den MSV, seine Fans und die Wirklichkeit in Duisburg.

So wurde es auf der PK angekündigt. Das klingt ambitioniert und macht neugierig. Gesendet wird die Doku bei TVNOW, der Streaming-Plattform der RTL-Gruppe. Der MSV hat nun einmal nicht die Manpower, um wie andere Vereine so ein Medienprojekt aus eigener Kraft zu initiieren. Deshalb ist es erst einmal gut, dass ein bekennder Fan sein Netzwerk nutzt, um eine mögliche win-win-Situation herzustellen.

Allerdings halte ich den Anspruch der Macher für eine mutige Ankündigung. Zum einen ist es schwierig, weil aufwändiger, neben der Fußballwelt noch etwas anderes aus der Duisburger Wirklichkeit zu erzählen. Zum anderen ist es ein heikles Unterfangen, aus der komplexen Fußballwelt den Hintergrund im laufenden Tagesgeschäft zu beleuchten. Man darf von einer solchen Doku ja keine vollständige Einsicht in die Wirklichkeit des täglichen Geschäfts erwarten. Das würde jedes seriöse Arbeiten des MSV Duisburg torpedieren. Die Offenheit aller beim MSV gegenüber Kamera und Mikro ist ein Balanceakt, und natürlich müssen Türen verschlossen bleiben. Ich hoffe sehr, dass die Verantwortlichen beim MSV sich der Gefahr von Bildern bewusst sind und dass Joachim Llambi sich in seiner Verantwortung weniger dem Format als dem MSV verpflichtet fühlt. Da gerät im Hinblick auf unkontrollierbare Folgen vermeintlich harmloser Bilder mein eigenes journalistisches Ethos unter Druck.

Das kann natürlich Auswirkungen auf die Qualität haben. Das muss es aber nicht. Es gibt genügend Inhalte, mit denen dennoch Hintergrund und das sonst Unbekannte gezeigt werden kann. Wieviel davon eingefangen wird, hängt aber vom Budget der Dokumentation ab. Zwar ist Joachim Llambi MSV-Fan, doch die Produktion insgesamt ist ja nicht von allen Mitarbeitern ein Herzensprojekt. Der Aufwand wird also seine Grenzen haben.

Vor einigen Jahren gab es schon einmal einen Versuch mit kurzen Clips beim damaligen DSF den MSV dokumentarisch zu begleiten. Ich habe damals jede Folge von Mitten in Meiderich in diesen Räumen hier besprochen. Es war deutlich bemerkbar, dass der Anspruch zu Beginn ein anderer war als zum Ende dieser Mini-Clips. Zu Beginn gab es den ambitionierten Hintergrundblick. Zum Ende hin wurde es das übliche Abfilmen von Fußballer-Köpfen in irgendwelchen x-beliebigen Zusammenhängen, die Authentizität suggerieren sollten, begleitet von belanglosen Interview als Beleg für den wahren Menschen im Profi-Fußballer. Diese veränderte Ausrichtung lag vermutlich an der Finanzierung. Letzteres geht schnell und verlangt wenig Arbeit beim Schnitt. Ersteres braucht sehr viel mehr Material und entsprechende Mehrarbeit bei der Fertigstellung.

Ich bin jedenfalls gespannt auf die Qualität der Dokumentation. Die Latte ist hoch gelegt mit dem Verweis auf die Sunderland-Serie. Aber Netflix wird wahrscheinlich deutlich mehr Geld in die Hand genommen haben als es TVNOW nun macht. Schaun wir mal. Unabhängig von der tatsächlichen Qualität könnte sich die Dokumentation aber für den MSV lohnen wegen der zusätzlichen öffentlichen Aufmerksamkeit.





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