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Notizen zu Präsidentenwechsel und Sponsoreneinfluss

Eins halte ich für sicher: Der MSV Duisburg ist auf dem Weg, ein Geschehen, wie das der letzten Tage als einfache Nachricht weitergeben zu können. Der Vorsitzende und der 2. Vorsitzende tauschen ihre Ämter. Noch ist der MSV Duisburg nicht so weit. Der Wechsel an der Vereinsspitze erfolgt zu einem überraschenden Zeitpunkt, was ihm eine besondere Bedeutung beimisst. Es gibt Raum für Spekulationen, die  der seriöse Teil der Lokaljournalisten sachlich und informierend vornimmt. Was wenig mit der Art und Weise zu tun hat, wie dieser Ämtertausch vom MSV kommuniziert wurde sondern mit der Haltung dieser Journalisten. Dirk Retzlaff liegt mit dem Bericht und seinem Kommentar des Geschehens wohl sehr nah an der Wirklichkeit dieses Wechsels, hingegen im Reviersport, wie es sich für den Boulevard gehört, jede Chance auf die populistische Empörungsgeste genutzt wird. Such die Emotion und den Konflikt in der Geschichte, dann blase alles auf und probiere mit dem halbtoten Story-Gaul  wenigstens den Nebenweg Randfigurenkommentar, so lautet einmal mehr die Devise.

Beim Wechsel an der Vereinsspitze lässt sich ein Grundmotiv erkennen, und das ist das Vertrauen in die handelnden Personen beim MSV Duisburg. Dieses Vertrauen ist wichtig, weil Menschen gefunden werden müssen, die bereit sind, dem MSV Duisburg Geld zu geben. Inzwischen ist wieder von fehlenden 4,5 Millionen Euro die Rede. Wir waren schon einmal bei fehlenden 2 Millionen. Dieser Unterschied in der Summe ist aber anscheinend nicht mehr wichtig. Es ist ein weiteres Zeichen dafür, dass das Vertrauen das zentrale Motiv beim Wechsel war und in der Folge dann natürlich das fehlende Geld. Wir wussten bislang übrigens auch nicht genau, welche Menschen den Vereinsverantworltichen vertrauen sollten. Waren es Sponsoren oder Investoren? Was selbstredend ein Unterschied ist, da Investoren Geld verdienen wollen. Sponsoren wollen aber immatierelle Werte geboten bekommen. Nach diesem Wechsel an der Vereinsspitze sieht es nun so aus, als werde die Aufmerksamkeit mehr auf die Sponsoren gerichtet. Aber auch das ist Spekulation.

Wenn von Sponsoren die Rede ist, taucht ein weiteres Mal das Vertrauen als Grundmotiv des Geschehens auf. Dieses Mal aber geht es um das Vertrauen der Fans in die Entscheidungsfreiheit beim MSV Duisburg. Nach der Hellmich-Zeit ist der Einfluss von Geldgebern auf den Verein ein heikles Thema. Verantwortliche und Anhänger eines Vereins wie dem MSV Duisburg kommen aber nicht umhin, sich mit diesem Thema auseinander zu setzen. Stellen wir uns vor, warum ein Unternehmen dem MSV Duisburg Geld gibt? Wirtschaftliche Argumente finden Unternehmen selbst in der 2. Liga nur selten. Ich erinnere mich an eine Studie zu Sponsoringeffekten im Fußball, die ich auf die Schnelle jetzt nicht finde. Bezogen auf Markenwert, Steigerung der Bekanntheit usw. hat sich für kaum ein Unternehmen das Engagement im Fußballl gerechnet. Das Geld wäre besser in reine Werbung investiert gewesen. Es muss also neben den wirtschaftlichen Gründen weitere Motive geben, warum ein Unternehmen einem Fußballverein Geld gibt.

In Duisburg sind das überaus begrüßenswerte Motive. Denn Schauinsland-Reisen sicherte die Existenz des MSV Duisburg immer auch in der Absicht, den Menschen in Duisburg zu Lebensqualität zu verhelfen. – Irgendwer wird diese Steilvorlage zu Ironie und Sarkasmus puncto Leidensgeschichte mit dem MSV sicher nutzen.  – Gerald Kassner verfolgt also indirekt soziale Absichten bei seiner Entscheidung. Stellen wir uns nun also den Idealfall sponsorenunabhängige Entscheidungen beim MSV Duisburg vor. Das Unternehmen beobachtet, was geschieht und erkennt, der MSV Duisburg geht in seiner Geschäftspolitik einen Weg, der mit unseren Absichten nicht in Einklang zu bringen ist. Wir ziehen uns zurück. Alles wird offen kommuniziert. Der MSV Duisburg hat also die freie Entscheidung, überall sein Geld zu suchen. Wir wissen alle, das ist eine Illusion. Für den MSV Duisburg in der 3. Liga interessieren sich nicht viele Sponsoren. Wenn ein Verein von einem Sponsor mehr Geld erhält als von anderen, enstehen Abhängigkeiten. Daran können die handelnden Personen nichts ändern. Das sind strukturelle Bedingungen. Die völlige Entscheidungsfreiheit ist also ebenfalls eine Illusion. Das hat aber nichts mit unbotmäßiger Einflussnahme seitens des Hauptsponsors zu tun. Das ist einzig und allein eine Einsicht in die Gegebenheiten und verlangt pragmatisches Handeln.

Aus dieser Einsicht gilt es meiner Ansicht nach Konsequenzen zu ziehen. Das ist meine kritische Anmerkung zu dem Geschehen. Denn auch die von Schauinsland-Reisen in Person von Andreas Rüttgers ausformulierte Meinung, es gebe keinen Einfluss auf den MSV Duisburg ist demnach eine idealistische Illusion. Natürlich stimmt das im Grundsinn der Worte. Doch es gibt Menschen, die mit einigem Recht das anders wahrnehmen, weil sich die Bedeutung des Unternehmens sehr wohl als Präsenz in informellen Zirkeln des Vereins zeigt. Der Alltag erfordert realistische Haltungen, und ich denke, es wäre eine sauberere Lösung, wenn sich die besondere Bedeutung des Hauptsponsors Schauinsland-Reisen in den Gremien des MSV Duisburg abbildete. Im Gegensatz zu Walter Hellmich vermischt Gerald Kassner sein Engagement beim MSV Duisburg nicht mit wirtschaftlichen Interessen seines Unternehmens. Die Vorgeschichte des MSV Duisburg verlangt, dass darauf noch einige Zeit lang hingewiesen wird. Kontinuität gehört übrigens auch in diesen Zusammenhang. Die Vorgeschichte macht die häufigen Wechsel an der Vereinsspitze völlig nachvollziehbar. Dazu ein anderes Mal mehr.

Am Vorgang des Wechsels ist für mich einzig zu kritisieren, dass der MSV Duisburg mit dessen Bekanntmachung wie von der Presse getrieben wirkte. Der Verein hatte beim Verkünden des Wechsels nicht die Deutungshoheit. Vielleicht gab es Hintergrundgespräche nach den ersten Gerüchten, und der Verein braucht nicht nur dankbar sein, für die ihm dieses Mal meist gesonnene Berichterstattung. Dennoch fehlt eine starke Geschichte von Vereinsseite für seine Anhänger, die sich direkt bei dem Verein ihres Interesses informieren wollen. Wenn man sich die Strukturen im MSV Duisburg genauer ansieht, ist das Fehlen nachvollziehbar. Die Presseabteilung ist in dem Wirtschaftsunternehmen angesiedelt und übernimmt die Meldungen für den Verein mit. Es zeigt sich so eine Leerstelle der Kommunikation, die sich auch andererorts bemerkbar macht und die Hermann Kewitz in der Rheinischen Post bei seiner Bestandsaufnahme des Geschehens ebenfalls wahrnimmt. In solchem fehlenden Reden mit der Öffentlichkeit geht es immer um mehr als um den eigentlichen Sport. Im Erfolgsfall fällt das übrigens nicht auf. Ein Aufstieg in der nächsten Saison hilft also auch in dem Fall.

 

 

 

Schlechte Presse auch schon ohne endgültiges Urteil – Causa Kentsch

Es gibt Tage, da nervt das Leben mit seiner fortlaufenden Geschichte einfach nur. Immer wieder hängt einem die Vergangenheit an.  An solchen Tagen sagen manche Menschen abends plötzlich, ich geh‘ noch mal eben zum Kiosk. Um was heutzutage eigentlich zu kaufen? Zigaretten werden es nicht sein. Wer so ein Zeug kauft, ist zu allem fähig. Da könnte so ein Mensch, der aus seinem alten Leben einfach abhauen will, auch gleich sagen: Weißt du was, ich will diesen ganzen Mist nicht mehr. Es ist nichts Persönliches. Nur all dieser alte Kram, der irgendwo immer wieder auftaucht. Schluss! Aus! Damit! Ich muss jemand anderer werden.

Als neuer Mensch hätte man nach einiger Zeit zwar wahrscheinlich wieder ähnliche Probleme an den Hacken, aber die Namen aller beteiligten Personen wären wenigstens andere. Wenn man etwa von Duisburg aus nicht gerade nach Bielefeld abhaute, spielte Roland Kentsch in diesem neuen Leben keine Rolle mehr. Dann interessierte einen seine Routine mit dem Einklagen von Geschäftsführergehältern überhaupt nicht. Dann müsste niemand beim MSV Duisburg bedauert oder kritisiert werden, dass fristlose Kündigungen zumindest im Urkundenverfahren keinen Bestand haben. Man bräuchte nicht den Trost, dass Roland Kentsch vermutlich auf jeden Fall geklagt hätte. Und man müsste nicht überlegen, ob man das Verfahren vollends verloren gibt.  Überschriften und Kommentare zum Prozess verursachten keine schlechte Laune.

Allen, die trotz der schlechten Laune nicht zum Kiosk gehen, sei nun zur Bewertung des Prozesses im MSVPortal die Diskussion zum Thema empfohlen. Vor allem der User Organic beleuchtet hier verständlich und ausführlich den Verfahrenshintergrund, Fehler und Chancen vom MSV und die mögliche Entwicklung im Nachverfahren, das der MSV Duisburg wie geplant anstrengen wird. Die Diskussion ist deshalb so aufschlussreich, weil Organic mehr die  Verteidigungslinie des MSV im Blick hat und Ballaballa etwa sowie zwei, drei andere User eher die Klagevoraussetzungen von Kentsch. Vor dem Prozess hatte Organic speziell Bedeutung und Konsequenz des Urkundenverfahrens erklärt, bei dem keine Zeugen gehört werden, sondern nur Dokumente als Beweismittel zugelassen sind.

Endgültig entschieden ist noch nichts, selbst wenn demnächst das Urteil in diesem Urkundenverfahren gesprochen wird. Doch irritieren widersprüchliche Aussagen auf Seiten des MSV Duisburg. Einerseits heißt es im Kommentar der Rheinischen Post, Udo Kirmse habe nicht gewusst, dass die Kündigung vor Gericht keinen Bestand haben werde. Andererseits heißt es im Berichtsteil, der Anwalt Peter Falk sei von den Aussagen der Richterin nicht überrascht gewesen. Er setze auf das Nachverfahren. Ist das nun einfach ein Problem der Kommunikation mit der Öffentlichkeit, oder zeigt sich darin schon der Ausgang des Verfahrens? Wenn beides zusammen an einem Tag geäußert wurde, sieht es so aus, als ob Udo Kirmse und der Anwalt des MSV sich nicht abstimmen. Was steht dahinter? Vielleicht ein Missverständnis? Vielleicht noch immer Naivität im Umgang mit der Öffentlichkeit? So vieles muss beim MSV Duisburg noch erledigt werden. So vieles, wobei Missverständnisse und öffentliche Meinung eine Rolle spielen. Ich mache mir Sorgen. Nur Erklärungen von Seiten der Verantwortlichen können diese Sorgen lindern. Zum Kiosk gehen, das bleibt nämlich für mich vollkommen uninteressant.

Die Finanzen – Verdrängen und hoffen

Der Januar ist fast vorbei. Ein Monat bleibt nun noch den Verantwortlichen des MSV Duisburg Zeit, die Finanzen grundlegend neu zu regeln. Am 1. März müssen die Lizenzunterlagen beim DFB eingereicht werden. Was vorher notwendig ist, sollte allgemein bekannt sein. Der Schuldenschnitt ist das eine, die dauerhafte Senkung der Stadionmiete das andere. Sinnvoller Weise gibt es von Vereinsseite ohne wirklich neue Fakten keine offiziellen Stellungnahmen mehr. Hin und wieder sprechen Verantwortliche – sei es Udo Kirmse, Jürgen Marbach oder Bernd Maas – beruhigende Worte über die Kontinuität der schweren Arbeit.

Nun muss ich seit eben ein paar Sorgen mehr verdrängen. Bei xtranews wird nämlich Duisburgs SPD-Landtagsabgeordneter Rainer Bischoff zitiert, die Ungeduld wachse. Stadt und Land hätten sich als kooperative Gesprächspartner bewiesen. Der Ball liege nun im Feld des MSV und große Eile sei dringend geboten. Meine Sorge wurde deshalb größer, weil die Verantwortlichen beim MSV Duisburg natürlich auch ohne die Hinweise von Rainer Bischoff wissen, wie wenig Zeit sie für die Lösung der Probleme haben. Rainer Bischoff wollte keine Ratschläge geben, er wollte vorsorgen, falls alles schief gehen sollte. Rainer Bischoff weiß, dass die am MSV interessierte Öffentlichkeit in größter Not versuchen wird, auch wieder die Politik in die Pflicht zu nehmen. Dem will er vorbeugen, und schon jetzt Verantwortung eindeutig bestimmen.

Das ist der zweite Teil, der mir die größte Sorge bereitet. Die wenigen Informationen über die Lage  legen nahe, dass die Verantwortlichen beim MSV Duisburg nicht allzu viel Spielraum in den Verhandlungen mit den Gläubigern haben. Ob das nun Walter Hellmich ist oder die Bodenseebank IBB, beide zentralen Verhandlungspartner für die grundlegende Lösung gehen meinem Eindruck gemäß entspannter in die Verhandlungen als der MSV. Vielleicht tatsächlich, weil auf der einen Seite nur Geld verloren wird, die andere Seite aber, der MSV, alles zu verlieren hat, seine Existenz. Und nun kommt Rainer Bischoff und erhöht den Druck alleine auf Seiten des MSV. Dieser MSV hat nun den schwarzen Peter, obwohl Rainer Bischoff eigentlich wissen müsste, wenn etwa Walter Hellmich und die Bodenseebank nicht wollen, geschieht gar nichts. Im Sommer hatte ich gehofft, die Politik werde Einfluss bei der Lösung des Finanzproblems nehmen. So hatte ich mir das nicht vorgestellt. Ich dachte eher an Hintergrundgespräche mit den Gläubigern. Nun also wieder, verdrängen und weiter hoffen.

Update:

Und schon flattert eine Pressemitteilung vom MSV ins Haus. Rainer Bischoffs Botschaft ist angekommen. Meine gerade erfolgreich verdrängten Sorgen machen sich sofort wieder bemerkbar.

Stellungnahme MSV Duisburg

Der MSV Duisburg hat in den vergangenen sieben Monaten mehrfach und offen verdeutlicht, dass die Verantwortung für einen erfolgreichen Schuldenschnitt und damit einer Zukunft für den Verein allein beim MSV und seinem Verhandlungsgeschick liegt. „Wir wissen, dass alle Partner und Fans, Mitglieder und Freunde des MSV in dieser schwierigen und komplexen Situation viel Geduld zeigen müssen“, erklärte Jürgen Marbach, Aufsichtsratsvorsitzender des MSV.

Der MSV betont, dass er auf dem Weg zur Lösung der Situation weitestgehend positive Ergebnisse erzielt hat. „Es gibt für eine solche Situation kein Patentrezept. Und so haben eben noch nicht alle Verhandlungspartner zugestimmt. Wir werden allerdings auch wie bislang weiterhin keine Zwischenstände kommentieren, sondern am Ende ein Gesamtergebnis präsentieren“, betont MSV-Präsident Udo Kirmse.

Seit Ende Juni 2013, nach der Lizenzverweigerung für die 2. Bundesliga durch die Deutsche Fußball Liga, arbeiten die „neuen“ Verantwortlichen des Traditionsvereins aus Meiderich intensiv daran, die enormen, aus der Vergangenheit stammenden finanziellen Probleme im Konsens mit allen unmittelbar Beteiligten zu berichtigen.

„Für die Umsetzung des von uns erarbeiteten zukunftsfähigen Konzeptes benötigen wir unbedingt den Kapitalschnitt“, macht Marbach noch einmal deutlich. Ein im November durch den MSV vorgelegter Kompromiss mit einer niedrigeren als zunächst im Sommer 2013 veranschlagten Quote für den Schuldenschnitt fand leider nicht die Zustimmung aller Gläubiger.

„Die konstruktiven Gespräche mit Politik und Wirtschaft in Duisburg und der Region waren und sind Triebfeder für uns, all‘ unsere Kraft weiterhin in das Bemühen um den Fortbestand des MSV zu stecken“, bekräftigt Kirmse. „Dass der 1. März 2014 dabei als Stichtag für die einzureichenden Lizenzierungsunterlagen steht, ist uns bewusst.“

Auf ins Zeitalter des Kopediludium

Wer unter uns Sportwissenschaftlern noch jung und hungrig ist, dem tut sich gerade ein weites unbestelltes Feld zur Universitätskarriere auf. Im Fußball ist das Zeitalter des Kopediludium  angebrochen. Natürlich weiß noch niemand, was das bedeutet. Das war aber in der Bildung Anfang der 1960er Jahre mit der Koedukation nicht anders. Man muss dem Forschungskind aber einen Namen geben, der schon jetzt zukünftige C3-Professuren garantiert. Sportlich ambitionierte Männer- und Frauenfußballmannschaften spielen unter einem gemeinsamen Vereinsnamen, darum geht es bei der neue Ära. Im Ruhrgebiet gehört der MSV Duisburg nun zu jenen Vereinen, die die Markenbildung im professionellen Fußballsport vorantreiben.

Interessant wird es für uns Sportwissenschaftler in Duisburg, weil diese Markenbildung sich nicht aus einem organischen Wachstum im namensgebenden Verein ergibt, sondern eine Fusion versucht wird. Interessant ist es um so mehr als zwei wirtschaftlich schwache Partner gemeinsam stärker werden wollen. Gerade weil ich diesen Zusammenschluss begrüße, sei noch einmal an die vor Weihnachten von mir aufgeführte Kannbruchstelle dieser Einheit hingewiesen. Das Populärere und trotz wirtschaftlicher Schwäche finanziell Stärkere begegnet dem sportlich Erfolgreicheren. Verteilungsfragen in Sachen Gelder stehen aber erst für die Saison 2015/2016 an. Laut Udo Kirmse ist die Finanzierung der Frauenfußball-Spielzeiten vorher gesichert.

Weil die wirtschaftliche Zukunft des MSV Duisburg, Sparte Männerfußball, allerdings längst noch nicht gesichert ist, kriegt so ein hoffnungsfroher Aufbruch, wie unlängst auf der Pressekonferenz verkündet, eine kuriose Note. Ohne Randbemerkung zur gegenwärtige Lage bei den Verhandlungen mit den Kreditgebern geht es selbstverständnlich nicht. Diese Randbemerkung ist eine Zustandsbeschreibung des Arbeitens. Alles andere wäre auch eine Überraschung gewesen. Schließlich sollten nur noch Abschlüsse berichtet werden. Wenn man nun recht überlegt, ist diese Randbemerkung die eigentliche Hauptsache der Pressekonferenz. Denn ohne Lösung der finanziellen Schwierigkeiten des Männerfußballs könnten die Verantwortlichen des Frauenfußballs ganz schnell darüber nachdenken müssen, wie sie ihrem noch recht eigenständig wirkenden Teil des MSV Duisburg erneut einen eigenen Vereinsnamen geben können. So macht mir im Umkehrschluss die Fusion auch wieder Hoffnung auf die Lösung der finanziellen Schwierigkeiten. Die Sache, um die es nun geht, ist noch größer geworden. Die Verhandlungsführer des MSV Duisburg haben nun ein wenn auch eher ideelles Argument mehr auf ihrer Seite, um die Verhandlungspartner zu finanziellen Zugeständnissen zu bewegen.

Wer sich selbst ein Bild von Udo Kirmses Worten machen möchte, die Pressekonferenz dank Duisburg365.de noch nachgereicht. Alle weiteren Bilder ebenfalls dank Frank-M. Fischer von Duisburg365.de

Später kamen die Mannschaftskapitänin Jennifer Oster und Trainer Sven Kahlert zu Wort

Noch ist ein ungewohnter Anblick, Frauenfußballerinnen im Zebra-Trikot beim sehenswerten Interview.

Wann stimmt Walter Hellmich dem Schuldenschnitt zu?

Dafür dass es wieder ums Ganze geht, ist die Stimmung sehr ruhig. Am 31. Oktober möchte der DFB eine grundsätzliche Lösung für die Finanzschwierigkeiten des MSV Duisburg. Ohne die Einigung mit Walter Hellmich über den Schuldenschnitt wird es diese Lösung nicht geben. Was der MSV Duisburg von Walter Hellmich braucht, ist also klar. Was Walter Hellmich vom MSV Duisburg möchte, wissen wir nicht genau.

Eines scheint mir aber sicher zu sein. Momentan fühlt sich Walter Hellmich gegenüber dem MSV Duisburg in einer besseren Verhandlungsposition. Das Warum spielt erst einmal keine Rolle. Mir geht es um das Einschätzen der Verhandlungsdynamik. Dieses Gefühl hatte Walter Hellmich schon immer. Das letzte Mal führte dieses Gefühl dazu, dass dem MSV Duisburg die Lizenz für die Zweite Liga entzogen wurde. Um das noch einmal deutlich zu sagen, sein Agieren als notwendiger Entscheider im seinerzeitigen Finanzkonstrukt führte erst zu dem Zeitdruck, unter dem die Lizenzunterlagen zusammengestellt wurden. Dieser Zeitdruck gehörte zu seinem Kalkül in der Verhandlung. Bislang war das ein probates Mittel, weil es vermeintlich immer nur um den Nachweis der notwendigen Liquidität ging. Walter Hellmich war im Mai so liquide, um das fehlende Geld dem MSV Duisburg zur Verfügung zu stellen. Mit der Verpflichtung zur Rückzahlung wohlgemerkt. So wollte er den größt möglichen Einfluss wahren.

Damals beschäftigte sich Walter Hellmich gar nicht erst mit dem Thema, um das es jetzt geht. Dieses Mal ist es also komplizierter, weil es nicht damit getan ist, mal eben Geld auf das Konto des MSV Duisburg zu überweisen. Der DFB verlangt vom MSV Duisburg grundsätzliche Lösungen in den Finanzfragen. Dieses Mal geht es um den Schuldenschnitt und in Folge um den Nachweis, dass die Stadionmiete dem Budget des MSV Duisburg entspricht. Wieder aber scheint Walter Hellmich den MSV Duisburg nicht als  Verhandlungspartner anzusehen, mit dem eine für beide Parteien best mögliche Lösung zu erreichen ist. Vielmehr sieht es so aus, als befänden sich zwei Verhandlungsparteien im Streit. Beide Parteien sind aber aufeinander angewiesen, um den Schaden jeweils möglichst gering zu halten. Da beide Parteien bei Nichteinigung verlieren werden, sollten eigentlich rationale Lösungen möglich sein. Nun führen Konflikte oft zu irrationalem Verhalten, egal ob es um Ehen geht oder um Geschäftsbeziehungen, ganz zu schweigen von denen im Fußball.

Die Ehe erwähne ich deshalb, weil viel von dem, was mir über Walter Hellmichs Position in den Verhandlungen berichtet wird, mich an einen enttäuschten Beziehungspartner erinnert. So jemand beschwert sich bei anderen, dass  ihm böse mitgespielt wurde und weil das im Reviersport auf offene Ohren trifft, steht das dann sogar in der Zeitung.  Thorsten Richter stellt als Tatsache dar, dass ehemalige und aktuelle Funktionäre des MSV Duisburg Walter Hellmich an den Pranger gestellt hätten. Ich kann mich beim besten Willen daran nicht erinnern. Zumal mir für die Erinnerung auch noch der HInweis fehlt, womit er denn konkret an den Pranger gestellt wurde. Und vor allem, wo befand sich der Pranger? In dem Zusammenhang sei WAZ/NRZ ausdrücklich gelobt, die keineswegs wie die Reviersport die Dauer der Verhandlung dem MSV Duisburg anlasten.

Ressentiments sind es also, die die Verhandlungen erschweren. Um welche sachlichen Fragen es Walter Hellmich überhaupt geht, das lese ich nirgendwo. Das ist mir völlig unklar und wird mit großer Wahrscheinlichkeit auch unklar bleiben. Dagegen steht eines für mich fest. Egal wer auch immer für den MSV Duisburg verhandelt, ob Jürgen Marbach, Udo Kirmse oder Bernd Maas, sie könnten nachdrückliche Hilfe von Seiten der Politik gut gebrauchen. Wenn sie nicht schon hinter den Kulissen dabei sind, sollten Sören Link, und beizeiten auch Ralf Jäger, Walter Hellmich zuerst daran erinnern, dass sein anfänglicher Einsatz für den MSV Duisburg ein paar Folgen für die Auftragslage seines Unternehmens gehabt hat. Ich kenne genügend Menschen, die sich nur für den Fußball des MSV Duisburg interessieren und dennoch  genau wissen, ab wann in Duisburg überall mit einem Mal die Fahnen des Bauunternehmens Hellmich wehten. Danach könnten sie ihn auch daran erinnern, dass dieser MSV Duisburg nicht nur ein Wirtschaftsunternehmen ist. Im Sommer wurde deutlich, wie wichtig der MSV Duisburg für die Menschen dieser Stadt ist. Im Sommer noch wirkte es so, als müsse auch Walter Hellmich unter dem Druck der vereinten Kräfte für die Rettung des MSV bei seinem Handeln den ideellen Wert dieses Vereins berücksichtigen. Der Sommer ist für Walter Hellmich offensichtlich schon lange her.

Versprechen kann ich genauso brechen wie Ranisav Jovanović

Eigentlich versprach ich, zu Ranisav Jovanović nichts mehr zu sagen. Denn schnell nervte mich dieser Epilog zu seinem Abgang, der gestern im Netz allerorten zu bemerken war, als das Reviersport-Interview mit ihm die Runde machte. Ich will mich nicht mit der Vergangenheit beschäftigen. Ich blicke nach vorne. Samstag beginnt die neue Saison. Ich will mich mit dem großartigen Niederrheinpokal beschäftigen, der, wie ich gestern erfuhr, ein zukunftsträchtiger Wettbewerb für die Zebras ist und ganz andere Sachen beschäftigen mich auch noch. Jovanović ist so was von vorbei und gehört zum Gestern. Soll er in Sandhausen doch absteigen und sich an dem auch für die 3. Liga gültigen Vertrag freuen.

Gleichzeitig denke ich, das darf doch nicht wahr sein und muss mein Versprechen brechen. Da möchte Thorsten Richter im Reviersport mal wieder mit ein bisschen Krawall die Leser anlocken und schon gibt es Verständnis für  Jovanović unter einigen Anhängern des MSV Duisburg nach dem Motto, wenn er die Chance hat in Liga 2… Aber darum ging es gar nicht. Das ist nämlich unstrittig, dass er wechseln kann, wenn er meint, einen besseren Arbeitsplatz gefunden zu haben. Auch für Andreas Rüttgers war das keine Frage. Es ging um die Art und Weise seines Wechsels. Andreas Rüttgers aber hat nun den schwarzen Peter beim MSV Duisburg. Er hat ihn für Udo Kirmse übernommen, weil er ihn nach seiner Ankündigung, Jovanović bliebe, nicht im Regen stehen lassen wollte. Das ist das eigentlich wichtige Thema für den MSV Duisburg, wie kommunizieren Verantwortliche des MSV Duisburg mit der Öffentlichkeit. Dazu später mehr.

Erst aber die Fakten: Denn falls jemand in einiger Zeit „Andreas Rüttgers“ googelt und diese Jovanović-Worte liest, weiß keiner mehr, wie was zu werten ist. Dann steht das Interview mit den verstümmelten Rüttgers-Zitaten neben den bei WAZ/NRZ aufgegriffenen Worten der Enttäuschung von Rüttgers, die er im MSVPortal schrieb. Der Original-Beitrag im MSVPortal wird wahrscheinlich nicht schnell zu finden sein. So ist das Internet. Das erleben wir gerade beim neuen Geschäftsführer vom MSV Duisburg. Über Bernd Maas ist manches im Netz zu lesen, und einiges davon gefällt einem auf Anhieb nicht gut. Andererseits gibt es entlastende Erklärungen, wie unangenehme Nachrichten, etwa die über seine Zeit in Dresden, zustande kamen. Alles steht plötzlich nebeneinander und niemand kann beurteilen, was von all dem zu halten ist, wenn er sich nicht intensiv mit diesen Gegebenheiten auseinandersetzt. Mit Bernd Maas habe ich das noch nicht gemacht. Mache ich das überhaupt? Vielleicht vertraue ich einem Gewährsmann? Was ist also mit der Wahrheit geworden?

Deshalb als Notiz für die zukünftig googelnden Interessenten Folgendes im Falle des Wechsels von  Ranisav Jovanović: Udo Kirmse verkündete am Tag der Lizenerteilung für die 3. Liga , er sei sehr, sehr sicher Ranisav Jovanović werde in der nächsten Saison beim MSV Duisburg spielen. Der Spieler habe ihm gesagt, er fühle sich in Duisburg sehr wohl. Die Botschaft war: „Rani“ bleibt. Zwei Tage später wurde die Nachricht verkündet, „Rani“ wechselt nach Sandhausen. Wie das? Von Seiten des MSV gab es nur  formelhafte Sätze zum Abschied ohne Bezug auf die nun voreilig wirkenden Worte von Udo Kirmse. Andreas Rüttgers machte noch einen Tag später im MSVPortal nachvollziehbar, wie es zu den Kirmse-Worten hat kommen können. Die wichtige Information lautet, es gab eine Zusage von Jovanović, dass er seinen Vertrag unterschriebe. Die Rüttgers-Worte sind der Anlass für das Reviersport-Interview. Später verdeutlicht Rüttgers nach Kritik an seinem Beitrag im MSVPortal in einem weiteren Beitrag seine Meinung.

Exkurs: Wie kam es zum Interview im Reviersport? Diese Frage möchte ich aufwerfen, weil in diesem Interview nichts, absolut nichts zum einzig wichtigen Thema des Jovanović-Wechsels steht. Die erste und allerwichtigste Frage an Ranisav Jovanović hätte lauten müssen, können Sie sich erklären, wie Udo Kirmse zu seiner Meinung kam, sie blieben in Duisburg? Dann wäre der Spieler gezwungen gewesen, sich mit Anstand zu bekennen oder rumzueiern oder seine Sicht genauer zu erklären. Alles andere interessiert nicht. Udo Kirmse bleibt aber völlig ausgeklammert. Denn es geht nicht um Aufklärung einer verworrenen Situation. Es geht mal wieder alleine um Emotionen und Krawall. Wie also ist das Interview zustande gekommen? Ob Jovanović Thorsten Richter angerufen hat mit der Bitte ihn  zu interviewen, um  Andreas Rüttgers abzuledern? Oder war es umgekehrt? Thorsten Richter ruft Jovanović an und wirft ihm einzelne Rüttgers-Sätze zum Anfüttern des Ärgers hin? Wir wissen das nicht. Wir wissen nur, die Rüttgers-Sätze in den Fragen sind verkürzt, und Jovanović hat keine Lust ein bad guy zu sein. Wieso kümmert er sich überhaupt noch um seinen Ruf in Duisburg? Ich vermute, wenn ihn einer mit der Nase drauf stößt. Bühne frei für den Krawall.

So weit der Vorgang als solcher, der uns eines zeigt. Die Verantwortlichen beim MSV Duisburg können nicht davon ausgehen, dass ihr idealistischer Ansatz für die Zukunft ausreicht, um die öffentliche Meinung auf ihrer Seite zu behalten. Denn Andreas Rüttgers ist in dem Fall ja nur der Strohmann für die MSV-Geschichte. So ist noch einmal alles gut gegangen. Dieses Mal wurde Udo Kirmse von keinem Journalisten der Vorwurf gemacht, er habe unprofessionell gehandelt. Was aber auffällt, offiziell erkärt der MSV Duisburg die Fehlinformation von Udo Kirmse nicht. Das ist eine offene Flanke für jeden Journalisten, der sich eine Geschichte zurecht basteln will. Thorsten Richter macht das dieses Mal eben nur auf indirekte Weise, weil er durch Andreas Rüttgers Worte die Gelegenheit dazu erhält. Er weiß, die öffentliche Stimmung um Udo Kirmse lässt eine Geschichte über ihn nicht zu. Andreas Rüttgers ist  umstrittener, da geht er kein Risiko ein.

Dennoch müssen der MSV und Udo Kirmse selbst das entstehende öffentliche Bild des Vereinsvorsitzenden Kirmse im Blick behalten. Mir geht es gar nicht darum, dass Udo Kirmse vorsichtiger mit seinen Worten wird. Mir geht es darum, dass der Fußball wie jedes Gesellschaftsegment oder Berufsfeld eigene Regeln und Normen hat, die niemand ignorieren kann. Das System ist auf Dauer stärker als der Einzelne. Zu diesem System Fußball gehören die Spielerwechsel trotz mündlicher Versprechen im allerletzten Moment, zu diesem System gehört aber auch die gern hervor geholte Deutung von Unvorhergesehenem als amateurhaftes Arbeiten gegenüber dem professionellen. Wie gesagt, es ist nicht dazu gekommen. Ich hoffe aber sehr, demnächst übernimmt der Verein selbst das, wozu sich Andreas Rüttgers aufgefordert fühlte. Dann wäre mir wohler.

Kann Udo Kirmse von RWO-Präsident Hajo Sommers etwas lernen?

Seit ich weiß, dass Ranisav Jovanović zum SV Sandhausen wechselt, muss ich an Hajo Sommers denken, den Präsidenten von Rot-Weiß Oberhausen. Ich habe nämlich Udo Kirmse, den Präsidenten vom MSV Duisburg, Montag am Stadion erlebt. Ich habe gesehen und gehört, mit welcher Freude und Zuversicht er über die bevorstehende Vertragsunterschrift von Ranisav Jovanović redete. Wer Udo Kirmse so erlebt hat, wird sich leicht ausmalen können, das Ausbleiben der Unterschrift war nicht einfach ein weiterer geschäftlicher Vorgang für ihn. Abgehakt, nächstes Thema. Das wird ihm wahrscheinlich schwer gefallen sein. Wer ihn so erlebt hat, wird vermuten dürfen, Udo Kirmse wurde persönlich enttäuscht. Und wir dürfen mit ihm froh sein, dass dieses Mal nicht schon wieder ein Lokaljournalist um die Ecke gekommen ist,  der zur Enttäuschung ungefragt ein Zeugnis ausstellt, weil Udo Kirmse etwas als nahezu sicher verkündete, was dann nicht eintraf. Udo Kirmse hat Ranisav Jovanović anscheinend zu sehr vertraut und die Gesetzmäßigkeiten des Profifußballbetriebs unterschätzt.

Hajo Sommers kam mir in den Sinn, weil er wie Udo Kirmse aus tiefer Verbundenheit zu seinem Heimatverein, nämlich Rot-Weiß Oberhausen, vor Jahren ebenfalls in einer Krise Verantwortung in seinem Verein übernahm. Präsident wurde er später sogar. Mit ihm zusammen gab es einen Kreis von Männern, die den endgültigen Verfall von Rot-Weiß Oberhausen verhindern wollten. Es ging ihnen um den Verein. Sie verbanden mit diesem Verein weder geschäftliches Interesse noch brauchten sie den Verein für ihren Ruf. Ihr ganzer Einsatz galt dem Gedanken, irgendwie müssen wir den Spielbetrieb am Laufen halten und wenn sich der sportliche Erfolg dazu einstellt, um so besser. Vorrangig war aber die solide finanzielle Basis. Dem war alles andere unterzuordnen. Ihr erkennt die Gemeinsankeiten?

Für das Fußballortebuch habe ich mit Hajo Sommers gesprochen. Seit dem Beginn seiner Amtszeit bei RWO waren einige Jahren vergangen. In dieser Zeit stieg Rot-Weiß Oberhausen in die 2. Liga auf, wieder ab und es drohte der Abstieg in die Regionalliga. Nach der Krise hatte die Wirklichkeit des Fußballbetriebs in Oberhausen wieder Einzug gehalten und damit eine nur schwer veränderbare Normalität des Profifußballs. Dazu gehören nicht unbedingt nur Spieler, die des Geldes wegen den Verein wechseln und somit die weichen, ideellen Faktoren eines Arbeitnehmerverhältnisses diesem Geld unterordnen. Soll ich das nun wertkonservativ nennen, weil sie damit das allgemeine Sinn- und Zielideal der zurückliegenden Jahre unserer Gesellschaft weiterhin leben? Das sind auch wir Zuschauer, von denen viele im Fußball mit dem sportlichen Erfolg des eigenen Vereins  Lebensglück suchen. Bleibt dieser Erfolg aus, entstehen öffentliche Stimmungen, die gar nichts mehr vom Zusammenhalt in Notzeiten haben. Ohne die Krise gibt es aber auch wieder im Umfeld des Vereins Menschen mit eigenen Interessen neben dem Sport, die sie im Verein versuchen durchzusetzen. Hajo Sommers wirkte desillusioniert. Hajo Sommers ist dennoch weiterhin Präsident von Rot-Weiß Oberhausen.

Ein Grund mehr für den Gedanken, Hajo Sommers und seine idealistisch gesonnenen RWO-Freunde aus den Krisenzeiten könnten bei einem informellen Treffen mit Udo Kirmse und seinen idealistisch gesonnenen Freunden aus dieser MSV-Krisenzeit mal aus dem Nähkästchen plaudern. Vielleicht gibt es ja Erfahrungen, die vereinsübergreifend nützen. Enttäuschungen lassen sich so natürlich nicht vermeiden, aber vielleicht die ein oder andere Fallgrube deutlicher erkennen. Und ein wenig Arbeit an gemeinsamer Pott-Identität kommt als Nebeneffekt hinzu. Denn eins ist gewiss, irgendwann kommt ein Lokaljournalist wieder um die Ecke auf der Suche nach einer Geschichte.

Eine neue Liga ist wie ein neues Leben – Sich freuen mit Bewegtbildern

Die Sorgen waren so klein wie die Hoffnung vor drei Wochen. So war die Stimmung der meisten, mit denen ich sprach. Jeder war eigentlich der Überzeugung, der DFB werde dem MSV Duisburg die Lizenz für die 3. Liga erteilen. Dennoch gab es ja diese winzig kleine Sorge, die sich um so deutlicher bemerkbar machte, je näher die Bekanntgabe der DFB-Entscheidung heranrückte. Es war eben genauso wie vor ein paar Wochen mit der Hoffnung, die auch zum Schluss immer hartnäckiger spürbar war. Und so spürten wir alle die Erleichterung, als ebenso wie vor drei Wochen, dieses eine zum Ende hin immer mächtigere Gefühl in dem tatsächlichen Geschehen keine Entsprechung fand.

Der MSV Duisburg erhält die Lizenz für die 3. Liga. Diese Nachricht ging schon kurz nach 14 Uhr rund. Erleichterung fühlte ich, keine überschwängliche Freude. Dazu war beim Warten der Bogen zu überspannt gewesen. Die Freude wuchs allerdings bei der Begegnung mit anderen Fans vom MSV am Abend vor dem Stadion. Und auch die Ansprachen von Björn Scheferling und Udo Kirmse taten das Übrige dazu. Endlich gab es Boden unter den Füßen. Endlich gibt es eine Wirklichkeit, auf die wir uns einstellen können, eine Wirklichkeit, über die nachzudenken es lohnt und einzig sinnvoll ist. Die nun eine Woche brach liegende Tatkraft hat ihr Ziel wieder gefunden. Der neuen Saison kann das Augenmerk endlich gelten. Dauerkarten her! Über 600 Fans hatten innerhalb von fünf Stunden sich zum Kauf einer Dauerkarte entschlossen. Die Aufbrauchstimmung ist ungebrochen. Es sind keine 14 Tage mehr bis zum ersten Spieltag. Die Fans sind bereit. Die Mannschaft wird es in kürzester Zeit sein. Diese Mannschaft und ihr neuer Trainer Karsten Baumann werden jede Unterstützung brauchen. Es scheint so, als würden sie sie bis auf weiteres auch von einer großen Zahl MSV-Fans bekommen.

Einmal noch stelle ich also die Bewegtbilder von einem besonderen Tag rund um den MSV Duisburg zusammen. Dann ist aber erstmal Schluss. Dann muss Alltag her, bis zu dem einen von uns erhofften nächsten besonderen Tag, der ein großer Feiertag sein wird. Und damit der Alltag gleich wieder da ist, nach altem persönliche Brauch, ausgesprochen wird das erstmal von mir nicht, was an diesem Tag zu feiern ist.

Winfried Krüssmann hat für VideoDu.de folgende Bilder vom Oberrang der Tribüne aus eingefangen; Ansprachen von Björn Scheferling,  Udo Kirmse und dem Zebratwist inklusive.

Die Bilder aus der Perspektive der Fans, aufgenommen etwas oberhalb der Augenhöhe von den Feiernden, von ZebraMoviez.

Die Ansprachen von Björn Scheferlin und Udo Kirmse in Gänze, sowie der Zebratwist, aufgenommen von pasibr1992 auf Augenhöhe der Feiernden.

Der Schlagerrefrain des Tages, aufgenommen von lariodoro auf Augenhöhe der Feiernden.

Mit einem Klick weiter geht es zum Interview mit Udo Kirmse bei Sky.

Und eine kleine Foto-Sammlung bei xtranews.

Der Kommentar – Ein Vorstand ergreift die Chance zur richtigen Entscheidung!

Normalerweise neige ich nicht zu starken Worten, wenn mein Wissen über ein Geschehen zu ungenau ist. Doch heute morgen hatte ich das Gefühl, es braucht trotz all der Dinge beim MSV Duisburg, die wir nur in Andeutungen und Gerüchten mitbekommen, und all dem, was nicht schwarz und weiß  ist, sondern verdammt grau, trotz all dem also muss ich eine starke Meinung formulieren. Allein der Gerechtigkeit halber. Denn Ralf Birkhan hat in der WAZ ebenfalls eine starke Meinung. So eine Meinung braucht ein Gegengewicht, weil die WAZ immer noch für viele Bewohner des Potts meinungsbildend ist. Ich maße mir nicht an, so viele Leser zu ereichen wie Ralf Birkhan, aber vielleicht erzählt ihr diese meine andere Sicht einfach weiter, damit das Schwarz von Ralf Birkhan wieder grauer wird durch das Weiß, das durch meine Meinung hinzukommt. Ralf Birkhans Urteil über die Arbeit des derzeitigen Vorstands halte ich nämlich für ungerecht. Deshalb habe ich mich zu einem starken Contra-Kommentar entschlossen. Mit deutlicher Parteinahme für den Vorstand. Übrigens bin ich ebenfalls der Meinung, im Grunde hätte nur ein Redakteur der Wirtschaft nach langem Einarbeiten in die Materie MSV Duisburg KGaA den Kommentar zur Personalentscheidung schreiben können.

Während die Profis auf dem Rasen ihre Arbeit erst aufnehmen,  befinden sich die Profis auf der Vorstandsebene schon in beachtenswerter Höchstform.

Gestern wurde der Geschäftsführer des MSV Duisburg Roland Kentsch entlassen. Zudem verließen den Aufsichtsrats der KGaA, dem Wirtschaftsunternehmen MSV Duisburg, jene Mitglieder, die die Interessen von Walter Hellmich besonders im Auge haben dürften. Es war nur eine Frage der Zeit, wann  Roland Kentsch von seinen Aufgaben hätte entbunden werden müssen. Es liegt aber auch auf der Hand, dass diese Entscheidung eng verknüpft ist mit den Möglichkeiten der Einflussnahme von Walter Hellmich. Von Walter Hellmich wurde Roland Kentsch angestellt, und neulich machten noch Spekulationen die Runde, Walter Hellmich hätte seine fortwährende Kreditgewährleistung davon abhängig gemacht, bei der Besetzung des Geschäftsführerpostens mitzureden.

Nun, da die öffentliche Meinung auf den Erhalt des Vereins MSV Duisburg sich konzentriert und nicht der Erhalt der Zweitligalizenz im Vordergrund steht, konnte der Vorstand endlich handeln. Erst die existenzbedrohende Krise schuf all die Handlungsfreiräume, die Udo Kirmse und seine Vorstandskollegen nun klug nutzen. Die Krise wird zur Chance, um die Einheit im Verein herzustellen, von der Andreas Rüttgers bei seinem Amtsantritt noch nur hatte träumen können. Die Krise verhilft diesem Vorstand erst zu jener Macht, die nötig ist, um die Einheit herzustellen.

Diesen Männern beim MSV Duisburg waren noch während des Lizenzierungsverfahrens die Hände gebunden, weil Walter Hellmich auf seine vertraglich zugesicherten Forderungen bestand. Der Zeitdruck in diesem Verfahren machte jegliche grundsätzliche Entscheidungen unmöglich. Und noch einmal: Roland Kentsch vorher zu entlassen, war wahrscheinlich unmöglich, weil Walter Hellmichs Mitarbeit im Lizenzierungsverfahren notwendig war. Wir träumen alle immer von hartem Durchgreifen und klare Kante zeigen. Das richtige Leben ist nicht danach. Besonders wenn es um die komplexen Finanzkonstrukte in einem Wirtschaftsunternehmen geht.

Wir können alle spekulieren, ob diese Entlassung irgendeinen Einfluss auf das weitere Lizenzierungsverfahren hat. Für manche ist das ein netter Zeitvertreib. Wissen können wir das nicht. Was wir aber wissen können: Dieser Vorstand verhilft dem MSV Duisburg zu einer Zukunft, die durch seine Fans getragen wird. Dieser Vorstand hat den richtigen Zeitpunkt für diese unumgängliche Entscheidung gesehen und gehandelt. Dieser Vorstand zeigt sich als Herr des Geschehens. Für den Ruf des MSV Duisburg und seine Außendarstellung sind im Moment ohnehin vor allem die Fans zuständig. Der Vorstand aber hat gestern seinen Teil für den guten Ruf des MSV Duisburg hinzugetan.

Jetzt ist auch Zeit für billige Worte

Bis zur endgültigen Entscheidung über die Zukunft vergeht noch viel Zeit. In dieser Zeit versuche ich mich von sämtlichen Spekulationen fern zu halten. Das ist mein Naturell. Mir geht es wie einem Schwerkranken, der versucht möglichst gelassen zu bleiben. Dennoch werden Menschen zu ihm kommen, die versuchen ihn aufzumuntern mit Geschichten von anderen Patienten, die es geschafft haben. Diese Geschichten haben aber oft Aspekte, die zu der eigenen Geschichte nicht passen und die bei genauerem Hinsehen manchmal sogar die eigenen Aussichten in schlechterem Licht erscheinen lassen. Deshalb bevorzuge ich Fakten. Mit nichts anderem möchte ich mich beschäftigten. Ich bin sehr dünnhäutig geworden in Sachen MSV Duisburg.

Heute morgen habe ich das wieder gemerkt, als ich dann doch wieder einen Kommentar  in der WAZ überflogen habe. So sind sie, diese Kommentare, habe ich gedacht. Billige Worte. Es war nicht der erste Kommentar dieser Art. Jeder kann ihnen zustimmen, doch konkret werden sie nicht. So viele Journalisten drücken nun ihr Mitgefühl für die Fans des MSV Duisburg aus. Denn seit der Verkündung der DFL, der MSV Duisburg erhalte keine Lizenz für die zweite Liga, gelingt es diesen Fans, in immer wieder neuen, zum Teil aufwendigen Aktionen ihre Verbundenheit mit dem Verein zu zeigen. Leicht fällt da das Mitgefühl. Doch genauso leicht fällt jedes Wort in Richtung eines namenlosen Vorstands. Als ob die Aussage irgendetwas bedeutet, die Fans hätten eine kompetente Vereinsführung verdient gehabt. Artur vom Stein schreibt über die Fan-Aktion: „Ob der Protest allerdings in die richtige Richtung geht, ist eine völlig andere Geschichte.“ Ersetzte Artur vom Stein  „Protest“ durch „Kommentar“ würde er seine eigene Haltung beschreiben.

Ich merke meine Dünnhäutigkeit daran, dass ich unwillig bin, in solchen Kommentaren irgendetwas anderes als Populismus zu sehen. Man könnte  mit gutem Willen die Worte auch so verstehen, dass tatsächlich irgendwer mitgemeint ist bei diesem Pauschalurteil über Verantwortliche beim MSV Duisburg. Vielleicht Walter Hellmich? Vielleicht Andreas Rüttgers? Vielleicht Dieter Steffen? Vielleicht Roland Kentsch? Ich weiß es nicht, ich kann mich aber gut fühlen, wenn ich wütend über alle bin. Gerechte Urteile sind Feines.

Man kann diesen guten Willen aber auch lassen. Ich möchte solche Worte eigentlich nicht lesen, weil sie auch Unmut gegenüber dem derzeitigen Vorstand rechtfertigen. Solche pauschalierenden Worte bedienen jene Stimmung unter Fans, die souveränes Handeln von einem Vorstand erwarteten, der von den Ereignissen überrollt wurde. Denn dieser so ungerechtfertigte Unmut gegenüber Udo Kirmse und seinen Vorstandskollegen blitzte einen Tag nach dem Verkünden der Nachricht über die Lizenzverweigerung vor dem Stadion auch einmal auf. Schon damals habe ich das nicht verstanden. Schon damals habe ich gedacht, was für ein Unsinn!

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