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Ich, Kees Jaratz – MSV-Anhänger und Gott per Tabellenrechner

Nachdem mir vor ein paar Wochen das Bekenntnis zur Derby-Gefühlslosigkeit einfach fiel, zögere ich jetzt mit den Worten. Das hat einen einfachen Grund. Unverständiges Kopfschütteln oder gar ärgerliche Empörung sind als Reaktion allemal leichter zu ertragen als spöttisches Lachen und sarkastische Kommentare. Dennoch gibt es innere Wahrheiten, die aus einem herausdrängen.

Deshalb verstehe ich im Gegensatz zu einigen anderen Fans des MSV Duisburg übrigens auch Christian Tiffert, der anscheinend bei Sky im Live-Interview nach dem Spiel gegen die TuS Koblenz Pfiffe der Zuschauer beim Stand von 3:1 kritisch kommentierte. Was genau er gesagt hat und in welcher Weise kann ich nirgendwo finden. Ein wenig wirkt das Ganze auf mich wie ein plötzlicher kurzer Schusswechsel nach einem allgemeinen und schon beendeten Schlachtengetümmel.

Alle Beteiligten rund um den MSV Duisburg, ob Spieler, Vereinsverantwortliche, Zuschauer oder Medienarbeiter, zu denen ich mich mit dem Blog im weitesten Sinn auch zähle, wir alle befinden uns noch in Alarmbereitschaft. Bei  jedem kleinen Gefahrenzeichen geht der Adrenalinspiegel hoch. Dann wird von einzelnen Zuschauern bei einem schwachen Torschuss gepfiffen, Spieler hören diese einzelnen Pfiffe besonders laut, und ich schreibe noch einmal ein paar Sätze mehr als nötig und beschwichtigend ums Wortschussgeplänkel drumherum.

Eigentlich haben wir nämlich am Freitag vom MSV Duisburg nicht nur ein passables Spiel gesehen, sondern auch das öffentliche Reden von Spielern und Vereinsverantwortlichen wirkte auf mich so, als wäre tatsächlich der Konflikt im Verein selbst als Chance genutzt worden. Das Bild des Vereins in der Öffentlichkeit zeigt trotz eines Milan Sasic mit dem Versprechen sich zu ändern weder Gewinner noch Verlierer. Eine gute Voraussetzung für die Beteiligten, sich im Konflikt nicht nur als Person weiter zu entwickeln sondern auch gemeinschaftlich dazu beizutragen, Strukturen im Verein zu verbessern. Davon ab, die Pfiffe im Spiel haben mir ebenfalls nicht gefallen.

Merkt ihr, wie meine Worte zu Konflikten mein Schweigen verhüllt? Kennt ihr das, wenn viele Worte das Aussprechen einer peinlichen Wahrheit hinauszögern. Tabellenrechner! Ohne diese Wahrheit bin ich kein ganzer Mensch. Es kommen in einer Fußballsaison mit dem MSV Duisburg immer wieder jene Wochen, in denen ich beginne meiner Allmachtssehnsucht heimlich zu verfallen. Mein Instrument dieser Allmachtssehnsucht ist der Tabellenrechner des Kicker. Seit gestern ist es wieder so weit. Augsburgs Auswärtsniederlage gegen Aachen war für mich wie der erste Schluck Bier für einen trockenen Alkoholiker. Als Gott der Zweitligatabelle bin ich kein Fantast. Der MSV Duisburg wird Dritter. Ich kriege das mit gut bedachten  Spielergebnissen hin, und empfinde mich dabei auch nicht als zu größenwahnsinnig.

Ein wenig glaube ich dann sogar im Alltag an solch eine Vollendung der Saison. Damit unterscheide ich mich nicht sehr von jenen Alkoholikern, die auch beim Trinken ihr Schicksal in dieser Welt alleine durch die Bilder in ihrem Kopf im Griff behalten. Fast immer tauchen sie aus diesen Bildern mit einem Kater auf und müssen weitertrinken, um die Wirklichkeit zu ertragen. Ganz, ganz selten aber, da nähert sich diese Wirklichkeit den Bildern im Kopf an und wird mit diesen Bildern identisch. Ich weiß gerade nicht genau, ob mir der Gedanken gut gefällt.


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