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Das Orakel Google weiß in Sachen Reck nicht weiter

Als Orakel macht Google nicht immer eine gute Figur. Vorgestern fiel der Suchmaschine nichts weiter ein, als jemanden zum Zebrastreifenblog zu leiten, der es  ganz genau wissen wollte. „Wann fliegt olli reck beim msv raus“, war da Google gefragt worden, und jetzt sollte ich die Arbeit der Vorhersage übernehmen? Nix da! Diese Frage soll dieses Suchmaschine schön mal alleine versuchen zu beantworten. So richtig nach Augurenart aus den Eingeweiden der eigenen gesammelten Daten lesend, Statistiken deutend und nicht einfach irgendwohin verweisend. Ich halte mich da raus. Mal ganz davon abgesehen, dass ich zu dem Thema im Gegensatz zu so vielen keine entschiedene Meinung habe. Da stecke ich immer noch angesichts der ersten beiden Spiele in einer Art Schockstarre und bin froh, ohne Verantwortung zu sein.

Ganz genau kann ich aber vorhersagen, selbst ein jetzt kaum zu erwartender Sieg im morgigen Pokalspiel gegen Halle wird keine Ruhe bringen. Dazu waren die beiden Punktespiele zu schlecht, dazu müsste erst einmal in drei, vier Punktespielen danach erkennbar werden, dass diese Mannschaft weiß, was und wie sie spielen soll. Dazu müssten Pläne des Trainerteams offenbar werden.

Es gibt doch zwei Stoßrichtungen der Kritik an Oliver Reck und Uwe Schubert. Den Zweifeln am fachlichen Können ließe sich ganz einfach begegnen, indem nach den Spielen die Analyse sehr viel konkreter öffentlich vollzogen wird als es bisher geschieht. Dann ließe sich nach dem Gestümpere auf dem Spielfeld überhaupt erst nachvollziehen, mit welchem Vorhaben jene Spiele hätten gewonnen werden sollen. An der Spielweise selbst war es jedenfalls nicht abzulesen. Da schien fast alles aus der Not heraus geboren zu sein.

Der andere Teil der Kritik zielt auf die Stimmung im Kader. Der ist aber zum großen Teil identisch mit jenem, dem Oliver Reck vor gerade einmal sechs Monaten zu großem Zusammenhalt und Gemeinsamkeit verholfen hat. Kann diese Fähigkeit jetzt schon wieder verloren gegangen sein? Ist der Fußball tatsächlich ein noch irrationaleres Geschäft als ich es bislang angenommen habe? Ich möchte das so gar nicht glauben.

Ich möchte eigentlich glauben, in dem Verein ziehen alle an einem Strang und es gibt keinen Zweifel, dass sich alle für den Erfolg, so gut es geht, einsetzen. Damit ich das glaube, reicht es aber nicht, billige Versprechen abzugeben. Glaubwürdig lassen sich Krisen nur bewältigen, indem die begangenen Fehler konkret benannt werden. Und noch einmal ich denke weniger an die Spieler, von Kevin Wolze etwa war die Einschätzung seiner Leistung während der Woche zu lesen gewesen. Versprechen aber sind billig zu haben. Lässt sich einfach ausprobieren und fühlt sich gut an. Einmal in der Woche so richtig was versprechen.

Ja, gut, in den letzten Tagen hat einiges nicht geklappt. Gestern gab es keinen Text, und davor habe ich auch nicht richtig zu Worten gefunden. Darüber ärger ich mich selbst am meisten, aber ich gebe immer alles für den MSV, auch wenn das manchmal nicht so richtig rüberkommt. Und ich verstehe auch, dass Leser dann unzufrieden sind. Und das dürfen sie auch. Aber ich stehe jetzt schon noch viel früher auf, und wenn wir gemeinsam weiter diesen Weg gehen, wird es auch wieder bessere Zeiten geben. Und morgen schon will ich nur eins, den Erfolg.

Mal sehen, ob mein Verein und ich unseren Versprechen Taten folgen lassen.

Ich mache mir den Hoffnungsschimmer selbst

Es hilft nichts, ich muss mir meine Gedanken zum Saisonverlauf erst einmal unabhängig von Ergebnissen machen. Nicht wegen der 2:0-Niederlage, sondern wegen der Spielweise der Mannschaft des MSV Duisburg beruhigt mich die Unabhängigkeit von dieser Mannschaft ein wenig und gibt mir einen versöhnlichen Ausblick auf diese Saison. Vielleicht passt sich die Mannschaft dem ja nach und nach an. Gedanke für Gedanke mit Rückkopplungseffekten ohne Garantie: Auch eine Welt als Wille und Vorstellung.

Im Moment kommt von der Mannschaft nämlich nichts. Von den Trainern kommt ebenfalls nichts. Zudem lässt sich Präsident Andreas Rüttgers von Journalisten aufs Glatteis führen, kommentiert die Trainerfrage im allgemeinen und gibt damit die Möglichkeit, irgendetwas zur Situation von Oliver Reck zu schreiben. Da hilft das Statement von Ivo Grlic auch nicht viel weiter, so etwas gehöre nicht in die Öffentlichkeit. Wo er meiner Meinung nach recht hat, war Andreas Rüttgers vielleicht naiv. Andererseits: Vielleicht war Andreas Rüttgers aber auch zeitgeistgemäß transparent, sodass Ivo und ich unrecht haben. Ach ja, worüber man sich alles so seine Gedanken macht, wenn die Mannschaft entsetzlich spielt. Was aber auch nicht weiter stört, da niemand im Verein anscheinend weiß, was gerade notwendig ist.

Es ist aber etwas notwendig. So dramatisch erlebe ich diese zwei Niederlagen, weil nicht zu begreifen ist, wieso ein wenig veränderter Kader, eine derart unzusammenhängende Spielweise abliefert. Das will ich erklärt haben und nicht mit allgemeinem nichtssagenden Trainer-Gerede. Ich will wissen, was sich das Trainergespann zur Spielweise überlegt hat, sonst kann ich nur den Schluss ziehen, sie können es nicht. Was ich aber nicht vermuten will, angesichts des Rückrundenverlaufs. Ich begreife nicht, was in diesem Kader vorgegangen ist. Ich begreife allerdings auch nicht, warum Maurice Exslager im Spiel gegen Regensburg hoch angespielt werden soll. Oder war das aus der Not mangelnder Spielgestaltung heraus geboren und eigentlich nicht so geplant? So etwas braucht längere Erklärungen der Trainer, sonst wird die Stimmung rund um den MSV Duisburg ganz schnell gekippt sein, so sehr, dass nach einem heute mir doch sehr wahrscheinlich vorkommenden Pokal-Aus gegen Halle nichts mehr geht. Darüber müsste sich Ivo Grlic im Klaren sein. Natürlich müssen Probleme intern geklärt werden. Derart schlechte Leistungen brauchen aber eine Erklärung in der Öffentlichkeit.

Selbst der Sportjournalist der Süddeutschen Zeitung Markus Schäflein widmet angesichts dieses Spiels dem MSV Duisburg einen ganzen Abschnitt Fragen. Man muss sich vor Augen führen, eigentlich erfolgt seine Berichterstattung aus eben jener süddeutschen Perspektive und der Schwerpunkt liegt beim Heimverein. Doch die Leistung des MSV Duisburg war zu schlecht, um sie nach einer freundlichen Einleitung zum Regensburger Erfolg unkommentiert zu lassen: „Es ist schade, dass man dieses kleine Märchen mit einigen Fragen an den MSV Duisburg unterbrechen muss. Wieso wirkte die Duisburger Verteidigung nicht nur bei diesem Gegentor so indisponiert? Warum reichte ein einziger Schlag, um Adli Lachheb in die Not zu bringen, den Elfmeter zu verursachen und mit Rot vom Platz zu fliegen? Wieso holte sich eien Viertelstunde vor Schluss Kevin Wolze mit einer unmotivierten Grätsche einen weiteren Platzverweis ab? Was ist überhaupt mit dieser Mannschaft los, die ja zum Auftakt schon 1:4 im Heimspiel gegen den VfR Aalen verloren hatte? Trainer Oliver Reck wählte jedenfalls die in solchen Momenten üblichen Worte. Man werde ‚jetzt noch enger zusammenrücken, kämpfen, beißen, uns wehren.'“ Online ist das noch nicht zu lesen.

Genau solche Worte von Oliver Reck reichen leider nicht aus. Niemand braucht am Anfang einer Saison Durchhalteparolen. Nötig sind Erklärungen zu den Absichten. Wie gesagt, es sind nicht die Ergebnisse dieser zwei Spiele, sondern es ist das völlig hilflose Agieren der Mannschaft. Beim sorgenlosen Blick in die Zukunft muss die Mitwirkung dieser Mannschaft deshalb leider ausgeblendet werden. Wenn die Verantwortlichen beim MSV Duisburg meine Haltung zu diesem Verein kennen würden, müsste dort nicht nur Unzufriedenheit herrschen und die übliche Fehleranalyse betrieben werden. Es müsste Alarm auf allen Vereinsebenen herrschen. Jedem müsste klar sein, die Katastrophe ist nicht mehr unwahrscheinlich, aber wir haben noch Zeit, etwas zu tun. In meinem Leben mit dem MSV Duisburg habe ich bei allen Mannschaften bis zum etwaigen schlechteren Ende immer auch Möglichkeiten erkennen können, wie sie im nächsten Spiel besser hätten spielen können. Wenn ich nun aber nach den ersten zwei Spieltagen an eine nächste Saison mit dem MSV Duisburg in der Zweiten Liga denke, kann ich auf die jetzige Mannschaft nicht zählen. Da muss ich mir meine Mannschaft selbst machen. Als einziger Hoffnungsschimmer mit Bezug zur Realität bleibt die Zeit. Erst der dritte Spieltag steht bevor.

Und wer sich für Oliver Reck im O-Ton nach dem Spiel interessiert:

 

Keine Experimente

Aus der Zwischenlösung, Oliver Reck zum Trainer der Mannschaft des MSV Duisburg zu machen und ihm Uwe Schubert zur Unterstützung an die Seite zu stellen, wird etwas anderes, was noch nicht ganz ersichtlich ist. Auf jeden Fall können beide mit der Mannschaft nun erst einmal weiter arbeiten, und in Deutschland wird verkündet, Oliver Reck bleibt Cheftrainer beim MSV Duisburg. Auf der Seite des MSV Duisburg finde ich keine Nachricht über die Dauer dieses Vertrages. Bei  Der Westen wird vage formuliert, bis zur Winterpause solle Oliver Reck die Mannschaft stabilisieren.

Für mich sieht das so aus, als hätten die Verantwortlichen beim MSV Duisburg aus einer unangenehmen Situation das beste gemacht. In den zwei letzten Spielen wurde deutlich, die Mannschaft des MSV gewinnt spielerische Qualität zurück. Dennoch wird in so einer Situation Entscheidungsstärke gefordert. Für die Öffentlichkeit muss es den Anschein haben, als werde etwas entschieden. Lässt sich aber in solch einer komplexen Situation genau genug bewerten, um neue Führungskräfte im Verein zu integrieren? Sie müssten auf Anhieb etwas viel besser machen, als es im Moment geschieht. Realistisch betrachtet, müsste für so einen Trainer viel Geld ausgegeben werden. Für alle anderen Trainer gilt, eine Verpflichtung wäre mit Risiko verbunden gewesen. Sowohl was den sportlichen Erfolg angeht, als auch was die zeitliche Dauer angeht. Welcher namhafte Trainer käme für den Rest der Saison? Was angesichts der finanziellen Situation eine notwendige Vertragsdauer wäre. Denn was wäre, wenn auch diese Verpflichtung scheiterte?

Ich glaube zudem, Oliver Reck kennt den Kader so gut, dass er Stärken und Schwächen der einzelnen Spieler besser mit seinen Vorstellungen von einem Spiel in Einklang zu bringen weiß, als es Milan Sasic konnte. In Aachen haben wir das etwa mit Aufstellung von Benjamin Kern auf der linken Abwehrseite gesehen.  Kurzum, die Entscheidungen haben die Stimmung rund um den Verein beruhigt und die Aussichten auf Erfolg nicht verringert. Jetzt gilt es, die ersten Verbesserungen weiter im Blick zu haben, daraus Selbstvertrauen zu ziehen und im besten Fall im nächsten Spiel gegen Eintracht Braunschweig zu siegen.

Bis dahin können wir beim Abschiedsspiel von Ivo Grlic am nächsten Samstag ein wenig sentimental werden. Da lese ich bei Der Westen die Mannschaftsaufstellungen:

„Ivo & Friends“:  Ivo Grlic (1. Halbzeit), Ivica Banovic, Max Eberl, Manasseh Ishiaku, Ulf Kirsten, Ivan Klasnic, Oliver Kreuzer, Willi Landgraf, Klemen Lavric, Erik Meijer, Karlheinz Pflipsen, Oliver Reck, Hans Sarpei, Olaf Thon, Filip Trojan, Olivier Veigneau, Tobias Willi, Marino Biliskov, Serafino Luzzi. Trainer: Frank Engel.

MSV-Allstars: Ivica Grlic (2. Halbzeit), Aziz Ahanfouf, Sven Beuckert, Stefan Blank, Alexander Bugera, Bernard Dietz, Joachim Hopp, Mo Idrissou, Markus Kurth, Norbert Meier, Olcay Sahan, Tom Starke, Mihai Tararache, Christian Tiffert, Sandro Wagner, Carsten Wolters, Stefan Maierhofer. Trainer: Heiko Scholz.


Wenn ich diese Namen lese, durchlebe ich in wenigen Sekunden nahezu ein ganzes Fanleben. Mit Bernard Dietz ist sogar fast die erste Spielergeneration meines Lebens mit dem MSV auf dem Platz dabei, und wenn ich den Namen Stefan Maierhofer lese, werden bis hin zur jüngsten Vergangenheit Erinnerungen wach. Das fühlt sich heute Morgen ganz merkwürdig an, wenn sich bei diesem Lesen nur noch die guten Erinnerungen der Vergangenheit über diese gegenwärtige Mischung aus Hoffnung und Sorgen rund um den MSV Duisburg schieben. Das fühlt sich groß an, ohne dass ich es genauer fassen kann. Da muss ich schlucken. Diese Namen zu lesen ist schön und macht gleichzeitig auch wehmütig.

Die Pressekonferenz zur Entlassung von Milan Sasic im Bewegtbild


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