Posts Tagged 'Uwe Speidel'

Differenzen zum dritten

Manchmal wäre es schön, ein anderer Mensch zu sein. Ich zum Beispiel fühlte mich dann heute weniger bedrückt. Dann spürte ich nicht all die Nachwehen eines Streites, von dem ich nicht mal etwas Genaues weiß. Dann könnte ich nicht schon erste Anzeichen jener Lähmung spüren, die schwelende Konflikte verursachen. Dann entständen nicht Bilder im Kopf von Männern, die aneinander vorbeisehen und die Luft im Raum mit angestrengter gegenseitiger Nichtbeachtung ausfüllen. All das bliebe mir erspart, nachdem ich erneut von ungeklärten Verhältnissen im Trainerteam beim MSV Duisburg gelesen habe – in andeutenden Worten bei Der Westen oder in jenen manipulativen Worten der Bild. Mir bleibt das aber nicht erspart, weil ich die sich gerade entwickelnde Einigkeit im Verein bedroht sehe. Ich komme mir vor wie ein Kind, dass am Abendbrottisch schon wieder eine gereizte Stimmung der Eltern bemerkt, obwohl diese Eltern sich und den Kindern gerade  noch versprochen hatten, die Zeit des Streitens jetzt aber wirklich und endgültig zu beenden.

Nun kann ich mich also ein zweites Mal zitieren:

„Heftige Differenzen“. Sind diese Worte wohl gewählt, wird Uwe Speidel wohl nicht mehr allzu lange dem Trainerteam angehören. Zwischen wem sonst als ihm und dem neuen Trainergespann soll es heftige Differenzen gegeben haben? Etwa mit Manfred Gloger, der Tom Starke den Ball anders zuwerfen soll als früher? Wohl kaum.

Da könnte der erste Gedanke zum Thema Differenzen dann doch in Teilen auch richtig gewesen sein. Manfred Gloger, der zunächst im Blickpunkt stand, wäre in der nun entstehenden Geschichte nur der langjährige Kollege, der sich solidarisch zeigte und dabei den Bogen überspannte. Bruno Hübner deutet die Übergangsprobleme als Machtfrage, wenn er bei Der Westen mit folgendem Satz zitiert wird: „Wenn ein neuer Trainer festlegt, dass nicht mehr rechts herum, sondern links herum gelaufen wird, müssen eben alle links herumlaufen”. Hinter dieser Machtfrage stehen aber Inhalte des Trainings und darum müsste es gehen, wenn die Auseinandersetzung produktiv sein soll.

Die Geschichte, die zurzeit in den unterschiedlichen Fassungen erzählt wird, macht da keine große Hoffnung. Was dennoch überhaupt nichts über den möglichen Erfolg von Milan Sasic aussagt. Was aber, wenn die Geschichte stimmt, etwas über Persönlichkeit und Konfliktlösungsstrategien verrät. Es bleibt abzuwarten, was von Vereinsseite nun dazu gesagt wird. Geklärt werden muss die Angelegenheit, so oder so. Die Unruhe im Verein ist auf jeden Fall nicht leistungsfördernd. Produktiv zu streiten braucht Übung, und auch ein Kind ist irgendwann durch Streite der Eltern so leidgeprüft, dass es zunächst vor allem Entspannung bemerkt, wenn nur noch ein Elternteil beim Abendbrot am Tisch sitzt.

Bündnis „Zukunft durch Vertrauen“ bereits aufgelöst?

Sollte es tatsächlich das Bündnis der Duisburger Sportjournalisten „Zukunft durch Vertrauen“ gegeben haben, hat es sich mit dem heutigen Tag bereits wieder aufgelöst. Heute lese ich bei  Der Westen ein paar Sätze zur Vorbereitung der Mannschaft des MSV Duisburg auf das Spiel gegen Fürth und habe schließlich das altbekannte Gefühl, so richtig rund läuft es beim Verein aller Vereine nicht.

Anscheinend wohnen zwei Seelen in Dirk Retzlaffs Brust. Noch immer möchte er Normalität beschreiben, wenn er darauf hinweist, „dass sich alle Beteiligten naturgemäß erst noch mit den neuen Begebenheiten arrangieren müssen.“ Doch schon im nächsten Satz ziehen ein paar dunkle Wolken auf: “ So etwas geht nicht immer reibungslos über die Bühne.“ Dem können wir uns noch anschließen und denken an sachliche Auseinandersetzungen über jenes Training, das der Mannschaft in den nächsten Wochen zum Erfolg verhelfen soll. Doch der letzte Satz des Artikels entlässt uns einmal mehr in die ohnmächtige Ratlosigkeit: „Dem Vernehmen nach soll es innerhalb des nunmehr neu formierten Trainerteams bereits heftige Differenzen gegeben haben.“

Das klingt beunruhigend.  „Heftige Differenzen“. Sind diese Worte wohl gewählt, wird Uwe Speidel wohl nicht mehr allzu lange dem Trainerteam angehören. Zwischen wem sonst als ihm und dem neuen Trainergespann soll es heftige Differenzen gegeben haben? Etwa mit Manfred Gloger, der Tom Starke den Ball anders zuwerfen soll als früher? Wohl kaum. Nach so einem Satz ist die Presseabteilung des MSV Duisburg sofort gefragt. Solche Worte dürfen nicht nachhallend im Raum stehen bleiben. Das sind Sätze, die gute Stimmungen töten. Solche Differenzen müssen erklärt werden und zwar mit Fakten über die „Differenzen“ und  nicht mit ausweichenden Beschwichtigungen nach dem Motto, wir haben uns in Wirklichkeit alle lieb und es ist überhaupt nicht so schlimm gewesen.

Die Entlassung nutzt nur, wenn …

Deutschland weiß bescheid. Schon beim Frühstück konnte ich es in einer kurzen Meldung des Kölner Stadt-Anzeigers lesen. Laut „Medienberichten“ habe sich der MSV Duisburg von Peter Neururer getrennt. Es sei die sechste Trainerentlassung der laufenden Saison. Mit diesen Medienberichten sind die Meldungen des „Kicker“, der „BILD-Zeitung“ oder diese „NRZ-Informationen“ gemeint. Anscheinend konnte das DSF wegen seiner guten Kontakte zu  Peter Neururer noch einen O-Ton von ihm erhalten, der beim DSF online nicht zu finden ist, aber hier von „Der Westen“, Sektion „NRZ“ indirekt wiedergegeben wird. Peter Neururer wies darauf hin, dass die Trennung „einvernehmlich“ vorgenommen wurde. Und was sagt der MSV Duisburg? Der sagt nichts. Denn die Pressekonferenz ist erst heute um 12 Uhr. Die Redseligkeit von Peter Neururer bei gleichzeitiger Zurückhaltung der Verantwortlichen des MSV Duisburg führt aber mitten hinein in Tinas gemischte Gefühle.

Betrachtet man alleine die Trennung, lässt sich nichts dagegen sagen. Sie kommt zum richtigen Zeitpunkt, so man Trainerentlassungen für ein geeignetes Mittel hält, die Leistung einer bestehenden Mannschaft zu verbessern. Auf den Abstiegskampf bezogene Statistiken zeugen zwar vom Gegenteil, dennoch kann der Einzelfall seine leistungssteigernden Besonderheiten der Trennung aufweisen. Die Trennung kann auch ein geeignetes Mittel sein, wenn die Chemie zwischen Trainer und Vereinsverantwortlichen  nicht mehr stimmt. Mir geht da ein Foto der letzten Woche durch den Kopf, das Walter Hellmich und Peter Neururer nach dem Erfolg gegen Rostock zeigt. Walter Hellmich wirkt auf diesem Foto nicht gerade beglückt durch die Umarmung von Peter Neururer. Das mag ganz andere Gründe haben als das unbewusste Bedürfnis, sich zu distanzieren. Vielleicht fühlte sich Walter Hellmich durch das Kapuzenfell einfach nur gekitzelt, doch gibt es einen Erklärungsrahmen dieses Bildes, der den Versuch der Distanzierung wahrscheinlich macht. Es gibt also viele Gründe für die Trennung und die schlechte Leistung der Mannschaft ist nur einer dieser Gründe.

Warum nun gibt es diese gemischten Gefühle, die nichts mit meinem Wunsch zu tun haben, Peter Neururer möge unbedingt weiter Trainer bleiben. Das hat mit etwas Grundsätzlichem zu tun, mit meinem Eindruck, wie im Verein so etwas wie eine Einheit im Verein selbst und mit dem Umfeld hergestellt wird. Es gibt meiner Meinung nach zu wenig Wissen im Verein darüber, wie dieses in einem finanzschwachen Verein wie dem MSV Duisburg für den Erfolg so notwendige Gefühl befördert werden kann. Wahrscheinlich nehmen es die meisten Beobachter des Fußballs als normal hin, wie die Nachricht von Peter Neururers Entlassung in den Medien ihre Runde machte. Da gibt es keine wirkliche Fehlleistung des Vereins aller Vereine. Die Nachricht als solche ist so wichtig, dass alles andere wenig Beachtung findet. Doch betrachtet man diese Kleinigkeit der Nachrichtenverbreitung genauer, lässt sie Rückschlüsse auf Arbeitsweisen im Verein zu. Ich halte es für nicht richtig, dass Peter Neururer beim DSF irgendetwas bestätigt, was noch kein Verantwortlicher des MSV Duisburg offiziell verkündet hat. Der Verein müsste das Heft des Handelns jederzeit in der Hand halten. Man hätte sich die Frage stellen müssen, kann man Peter Neururer zu Stillschweigen verpflichten? Ich weiß das nicht. Das müssen die wissen, die etwa ein Jahr mit ihm zusammen gearbeitet haben. Mein Eindruck ist aber, da er sein eigenes Interesse stets im Blick behält, warte ich besser nicht auf den kommenden Tag, um etwas zu verkünden, was nicht nur den Verein sondern auch so einen Mann mit Medienkompetenz betrifft.  Dann muss noch am selben Abend der Entscheidung zumindest eine kurze Stellungnahme her. Die offizielle Pressekonferenz in ruhigem Fahrwasser kann dann am nächsten Tag immer noch kommen.

Gerade aus solchen Gründen gibt es diese gemischten Gefühle in mir. Immer wieder kommt es dazu, dass die Verantwortlichen im Verein, und damit meine ich nur die Verwaltung, bei ihrem Handeln knapp daneben liegen. Das wirkt nach außen und gefährdet immer wieder das Gefühl, alle die den Verein unterstützen und alle, die beim Verein angestellt sind und für ihn arbeiten, ziehen an einem Strang. Nur Erfolg überdeckt diesen so grundsätzlichen Mangel. Doch gleichzeitig ist das auch mit ein Grund dafür, dass der Einfluss von Zufällen auf diesen Erfolg größer ist als nötig. Daran etwas zu ändern, braucht Zeit. Das muss wachsen, und zwar indem der Verein sich öffnet und die Verantwortlichen im Verein ihr Handeln mehr erkären. Alleine durch die Erklärung wären sie gezwungen, die interne Arbeit immer wieder zu überprüfen. Wenn sich dieser grundlegende Mangel nicht ändert, könnte Uwe Speidel zum Heiko Scholz der Zukunft werden. Vom Geld habe ich zudem noch gar nicht geredet.


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