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Auf neuem Rasen Auswärtssieg

Das brauche ich auch nicht jedes Mal. Mein Auswärtssieg-Fieber wollte wenigstens einmal im Leben so ein richtiges Fieber sein, und was so ein richtiges Fieber ist, das will auf keinen Fall jemanden mit Tastaturen teilen, geschweige denn mit lobenden Worten über die Mannschaft vom MSV Duisburg. Nun hat es das alles mal 36 Stunden ausprobiert, und allmählich habe ich den Eindruck, das Auswärtssieg-Fieber ist mit seinem Dasein als euphorisches Gefühl vollauf zufrieden.

Für euch und mich hat das Ganze aber nun den Vorteil, einen Tag später und damit länger den 2:1-Sieg des MSV Duisburg beim SC Paderborn noch einmal lebendig werden zu lassen. Die Energieteam Arena vulgo das Paderborner Stadion war vor dem Spiel gegen den MSV Duisburg mit einem neuen Rasen versehen worden. Das war kein Nachteil für den MSV Duisburg, auch wenn die Spieler vom SC Paderborn in der ersten Halbzeit nicht nur ballsicherer waren, sondern auch mit ihrem beeindruckenden Flügelspiel einen überlegeneren Spielaufbau zeigten. Doch die Spielweise vom MSV Duisburg verlangt im Moment ebenfalls einen möglichst ebenen Rasen. Diese Mannschaft merkt in diesen Wochen, was sie im Offensivspiel alles kann. Die technisch versierteren Spieler der Mannschaft probieren, was sonst nur im Training geht. Kurzpassspiel wird immer versucht, der Ball wird kontrolliert. Manchmal rumpelt und knirscht es, doch das wird in Kauf genommen. Nur zum Ende des Spiels hin kam es wieder zu altbekannter Gjasula- und Brosinski-Stimmungstöter-Körpersprache, die zum Glück keinen Schaden anrichtete. So etwas liegt tief in der Persönlichkeit und hindert Jürgen Gjasula etwa noch ein großartiger Spieler zu werden. Gegen den SC Paderborn war er das spielerische Zentrum dieser Mannschaft. In der entscheidenden Szene vor dem 1:0 behauptete er den Ball an der Strafraumgrenze gegen drei Paderborner Gegenspieler, dann spielte er noch einmal raus auf den Flügel zu Dzemal Berberovic, ist sofort wieder anspielbereit und gibt den Pass in die Mitte zum vollstreckenden Kevin Wolze. Allmählich gibt es auch das mannschaftliche Verständnis, das seine Pässe überhaupt erst zur Gefahr werden lässt. Pässe in den Raum wie vor dem Siegtor sind nur möglich, wenn Spieler aufeinander eingestimmt sind.

Pässe in den Raum bestimmten auch das Paderborner Spiel. Die erste große Chance in der 2. Minute bildete die Blaupause für alle gefährlichen Angriffe. Entweder kam ein weiter Ball auf die Flügel oder der Pass kam aus dem Mittelfeld zwischen Innenverteidiger und Außenverteidiger steil gespielt. Die Bälle erreichten die Flügelspieler in dieser ersten Halbzeit fast immer. Diese Präzision beeindruckte gerade bei den weiten Bällen. Das waren keine Verlegenheitspässe. Das war so gewollt und auf den Punkt genau ausgeführt. Nach zehn Minuten wünschte ich mir so etwas wie eine Auszeit des Basketballs, damit vor allem beiden Außenverteidigern Hinweise zum Verteidigungsverhalten für genau diese Angriffe hätten gegeben werden können. Sie hätten solche Anweisungen auch nach dem Führungstreffer für den MSV Duisburg gut gebrauchen können. Die Paderborner blieben weiter sehr gefährlich, und Felix Wiedwald erhielt Gelegenheiten genug zu zeigen, dass seine Großtat in der zweiten Minute kein Zufall gewesen ist.

Aber schon in der ersten Halbzeit wurde offensichtlich, dass die Mannschaft vom MSV Duisburg durch die gefährlichen Angriffe der Paderborner wenig beeindruckt war. Die Mannschaft suchte weiter den Weg nach vorne und zwar als geschlossene Einheit. Weites Aufrücken barg gegen die schnellen Paderborner zwar Risiken, doch auch weil der MSV Duisburg mitSPIELEN wollte, war das Niveau der Begegnung hoch. Dieses weite Aufrücken führte schließlich zum Ausgleichstreffer zu Beginn der zweiten Halbzeit. Bei einer Mannschaft, die so weit aufrückt, darf es in der letzten Reihe zu keiner unkontrollierten Spielaktion kommen. Ein Schussversuch ohne ausreichende Abdeckung nach hinten ist dann ein Fehler. War es Vasileios Pliatsikas, der einen aus der Paderborner Abwehr kommenden Ball direkt zu schießen versuchte? Im Ansatz war zu sehen, wenn das schief geht, ist der Weg frei zum Tor des MSV Duisburg. Und es ging schief.

Beeindruckend war der dann weiterhin vorhandene Wille, dieses Spiel zu gewinnen. Diese Mannschaft besitzt wieder Selbstbewusstsein. Die Einwechslungen von Valeri Domovchiysk und später Srdjan Baljak waren Zeichen der Stärke. Nun kamen die Pässe der Paderborner auch nicht mehr ganz so präzise. Der Ausgleich war keineswegs ein Signal für die Heimmannschaft, weiter aufzudrehen. Der MSV Duisburg hielt dagegen und erspielte sich seine Möglichkeiten. Deshalb empfinde ich die Kategorien verdient und unverdient für dieses Spiel als unpassend. Natürlich hatte Paderborn mehr Torchancen, aber sie haben sie nicht verwandelt. Und das unverdient käme für mich nur in Betracht, hätte sich der MSV hinten reingestellt und per Zufall wäre ein Kontertor möglich geworden. Dem war nicht so. Die Mannschaft vom MSV Duisburg versuchte das gesamte Spiel über, in den zweiten Halbzeit allerdings erfolgreicher, durch eigene Kreativität im Spiel Chancen zu schaffen.

Das ist neben dem Sieg, der uns alle begeistert, die entscheidende Nachricht über dieses Spiel, selbst wenn die Mannschaft ihre Qualitäten nicht ganz stabil über 90 Minuten zeigen kann. So kam es in den letzten fünf Minuten wieder zum einfachen Hergeben des Balles. Das kannten wir schon aus dem Spiel gegen Bochum. Die Mannschaft bekam plötzlich Angst vor dem Siegen. Noch einmal Bangen und Zittern, obwohl in meinem Tabellenrechner-Endstand nicht einmal ein Unentschieden in Paderborn vorgesehen war. Aber echt ist echt, und Planspiele sind Planspiele. Jedes Mal Gewinnen ist einfach schöner, als im Plan zu bleiben. Klassenerhalt gibt es in beiden Fällen. Und zu dem von der örtlichen Polizei gewollten Viehtrieb-Ambiente für die Bahnreisenden MSV-Fans schreibe ich noch gesondert was. Die gute Laune will ich mir heute nicht mehr verderben.

Alles war möglich – Wirklich wurde Überschwang und Erleichterung

In den letzten Minuten des Spiels vom MSV Duisburg gegen den VfL Bochum habe ich über zwei Einwürfe für die Zebras so gejubelt, als hätte die Mannschaft gerade das entscheidende Tor zum Klassenerhalt im allerletzten Spiel geschafft. Genauso sicher wie ich mir vor dem Spiel war, die Mannschaft wird nicht absteigen. Genauso sicher war ich mir in den letzten Minuten, würde der Ausgleich fallen, würde der Klassenerhalt nicht zu schaffen sein. Dieser 2:1-Sieg war nicht wichtig, er war unbedingt notwendig. Er gelang.

Was für eine Erleichterung im Stadion beim Abpfiff. Was haben wir gezittert. Wie unendlich lang wurden diese letzten zehn Minuten. Sie wurden deshalb so lang, weil es fünf Minuten Nachspielzeit gab und die Angriffe der Bochumer zwar abgefangen wurden, die Mannschaft es aber nicht mehr schaffte, den Ball sicher in den eigenen Reihen zu halten. Die Spieler kämpften und kämpften, kamen in Ballbesitz und die Erleichterung schwand sofort wieder, weil ein Fehler passierte. Ein Freistoß aus dem Mittelfeld auf den rechten Flügel geht zu weit, ins Aus. Vasileios Pliatsikas kann nach einem Sololauf über den linken Flügel nicht rechtzeitig flanken, wählt die richtige Option und zieht mit dem Ball zur Eckfahne. Sechs Beine von Gegenspielern stehen zum Abprallen ins Aus bereit. Doch ehe „Billy“ schießen kann, springt ihm der Ball schon selbst ins Aus. In dieser Weise verliefen die letzten Minuten, und deshalb jubelte ich, wenn ein Verteidiger den Ball ins Aus spielte und der Ball auf dem Weg dorthin noch einen Bochumer Spieler berührte.

In diesem Spiel war alles möglich. Es hätte den endgültigen Absturz bedeuten können, weil in ersten Halbzeit die Mannschaft so wirkte, als drohte sie psychisch zusammenzubrechen. Diese Mannschaft ist anfällig. Der Zusammenbruch drohte kurioser Weise nicht nach dem Rückstand. Den steckte die Mannschaft nach kurzer Enttäuschung weg, wenn auch noch nicht deutlich wurde, wie ihr ohne Hilfe des Bochumers Nikoloz Gelashvili ein Tor hätte gelingen können. Der Ausgleich kam, alle Zeichen standen wieder auf Anfang und dann kam diese Spielsitutation um die 33. oder 34. Minute herum. Ein Angriff der Bochumer offenbart Abstimmungsprobleme in der Duisburger Abwehr. Ich weiß nicht mehr, wer danach mit wem etwas deutlicher redete. Felix Wiedwald hatte den Ball, irgendjemanden möchte er anspielen, doch Abwehr und Mittelfeld rücken zwar nach vorne, aber niemand bietet sich für das Anspiel an. Alle gucken angestrengt auf den Boden. Für einen Moment habe ich geglaubt, der Schiedsrichter hätte gepfiffen und ich hätte es überhört, weil diese Mannschaft so aussah, als wolle sie nicht weiterspielen. Natürlich ging es dann weiter, aber für einen Moment war aufgeblitzt, warum es Niederlagen gegen Dresden und Rostock gegeben hat. Es gibt unter Druck jederzeit die Gefahr, dass diese Mannschaft sich überfordert fühlt und aufgibt. Sie strengt sich an und anscheinend wächst das Gefühl der Vergeblichkeit. Es sind Momente der psychischen Instabilität, die sie ohne Gegentor überwinden muss.  Der Halbzeitpfiff half dabei. Aber es sind auch die jungen Spieler wie Maurice Exslager, Felix Wiedwald oder André Hoffmann, die bei allen spielerischen Fehlern, den Willen im Spiel zu bleiben über die gesamte Zeit hin ausstrahlen. Das ist so wichtig für diese Mannschaft.

In der zweiten Halbzeit war dieses Zwischentief vergessen. Spielerisch kam da immer noch nicht viel. Aber der Wille unbedingt zu gewinnen war wieder da. Jürgen Gjasula zeigte vor allem in dieser zweiten Halbzeit neben spielerischer Klasse auch den Einsatz bei Ballverlusten, den ich zu Beginn der Saison von ihm erwartet hatte. Wer ihn für Fehlpässe kritisiert, sollte sich vor Augen führen, dass nicht alle seine Mitspieler die Freiräume auf dem Spielfeld sehen, die er sieht. Es sind immer zwei Spieler für das Gelingen eines Passes verantwortlich.

Zwei Spielsituationen habe ich beispielhaft vor Augen. Bei schnellen Gegenangriffen trieb Jürgen Gjasula den Ball aus dem Mittelfeld heraus in halbrechter Position. Er zieht zwei Gegenspieler auf sich, behauptet den Ball und ein dritter Gegenspieler kommt hinzu. Drei, vier Meter vor ihm läuft die ganze Zeit in nahezu derselben Laufbahn Daniel Brosinski mit. Er macht Jürgen Gjasula als eine Art vierter Bochumer den Weg zu. Nun kann man zu seiner Verteidigung sagen, er erwartet den Steilpass. Der war aber für Gjasula wegen der möglichen Abseitsposition von Brosinski viel zu risikohaft. Zumal er selbst sehr schnell war. Effektiver wäre Brosinkis Schritt raus Richtung Flügel gewesen, Anspielstation sein für den Doppelpass. Solche Momente gibt es im Spiel des MSV Duisburg häufiger.

Die Duisburger Abwehr stand in der zweiten Halbzeit sicherer, vermutlich auch weil Mimoun Azaouagh mit schwerer Verletzung ausgewechselt wurde. Vasileios Pliatsikas hatte einen schweren Stand gegen ihn. Ein ums andere Mal wurde er in der ersten Halbzeit von ihm ausgespielt. Auch Dzemal Berberovic macht mich im Moment gerade dann nervös, wenn er den Ball erobert hat. Gefährlich wurde es für den MSV Duisburg dann, wenn er in der eigenen Hälfte den Ball irgendwie nach vorne bringen musste. Dann ist er im Moment jederzeit für einen Raum öffnenden Pass zum Gegner gut.

Warum Maurice Exslager einen Stammplatz in dieser Mannschaft hat, wurde in diesem Spiel mehr als deutlich. Er gibt nie auf, trotz persönlicher Fehler. Er wird trotz dieser Fehler immer mutiger im Spiel eins gegen eins, und es gelingt ihm immer häufiger Anspiele zu behaupten.  Hoffen wir, dass sein Tor ihn weiter beflügelt. Er ist im Moment der Garant für Torgefährlichkeit überhaupt, es sei denn Valeri Domovchiyski kann die Leistung nach seiner Einwechslung stabilisieren. Was war das für ein technisches Kabinettstückchen, mit dem er fast das 3:1 erzielt hätte. Wieviele Bochumer hat er da ausgespielt? Vier? Fünf? Oder übertreibe ich? Schade. Dieses Tor hätte uns alle sehr entspannt. Andererseits suchen wir Gegenwartsmenschen nicht immer die intensiven Gefühle? Suchen wir alle nicht die Momente der Flucht aus dem alltäglichen Dahingehen der Zeit? Spart euch Bungee Jumping und Extremsport. Kommt zum MSV Duisburg, da bekommt ihr sie, eure gesuchten intensiven Gefühle zwischen Angst und überschwänglicher Freude.

Gestern so, heute so und morgen auch noch andersso

Wahrheit. Da haben die Menschen so ihre Probleme mit. Es gibt genügend Denker, die haben die Suche nach Wahrheit wegen widriger Umstände für eingestellt erklärt. Wahrheit? Jibbet nich. Du hast deine, ich hab meine. Irgendwas da draußen können wir eh nicht unabhängig von uns selbst erkennen. Also wird jede Behauptung über die Wirklichkeit dort erst mal richtig sein. Quatsch, die Behauptung ist die Wirklichkeit. Was wir dann als Gemeinsamkeit aushandeln, ist irgendwas Praktikables, aber Wahrheit, das kriegen wir nicht hin.

Andererseits, wir haben ja so was wie einen gemeinsamen Alltag, und da geht es uns doch immer wieder recht hartnäckig um die Frage, stimmt das oder stimmt das nicht? Wahr oder falsch? Da wollen wir es genau wissen. Und weil wir nicht überall gleichzeitig sein können, um alles selbst zu erleben, müssen wir immer wieder jemandem vertrauen, der behauptet, er wisse da etwas, was stimme und plötzlich geht es um Vertrauen.

Denn vor allem vom Vertrauen hängt es in dieser Woche ab, was wir über das Geschehen beim MSV Duisburg zu wissen glauben. Wenn ich aber an die letzten zwei Tage denke, muss ich sagen, mein Vertrauen ist aufgebraucht. Vergesst alles, was über den MSV gesagt und geschrieben wird. Wichtig ist ganz allein auf´m Platz. Anscheinend ist im Moment jede Aussage über den MSV Duisburg weder das Papier wert, auf dem sie steht, noch den Strom, der für die Datenübermittlung im Netz nötig ist.

Kurz stutzte ich schon bei der journalistischen Verkündung des Ultimatums an Oliver Reck. Berichtet wurde über den verlangten Sieg gegen die SpVgg Greuther Fürth nämlich, ohne dass einer der Verantwortlichen für dieses Ultimatum beim Namen genannt wurde, dafür klang es aber um so reißerischer. Gestern sprach MSV-Präsident Andreas Rüttgers mit einigen Fans an der Westender Straße und von dort hören wir nun, es habe kein Ultimatum gegeben. Sind das nun nur Wortklaubereien? Nachzulesen sind Augenzeugenberichte im MSVPortal oder in der Facebook-Gruppe Zebraktiv. Im selben Gespräch erzählte auch Vasileios Pliatsikas seine Geschichte vom Vortag auf ganz andere Weise, als es WAZ-Konzern und BILD berichteten. Im Auto schlafend sollte er die Mannschaftssitzung verpasst haben. Im Journalisten-Deutsch hieß das verpennt. Der MSV Duisburg dementierte schon am gleichen Tag, allerdings ohne die Angelegenheit näher zu erläutern. Aussage stand gegen Aussage. Wahrheit gegen Lüge? Gegen Halbwahrheit? Im Gespräch an der Westender Straße nun gab es die nähere Erläuterung, und die Wahrheit der Zeitungen zerbröselte weiter. Von Schlaf war nun keine Rede mehr. Und teilgenommen an der Mannschaftssitzung hatte er laut MSV am Vortag ja ohnehin.

Und heute lese ich ein Interview bei Der Westen mit Vasileios Pliatsikas, als hätte es den Artikel einen Tag zuvor in Der Westen nicht gegeben. Heute klingt alles harmloser. Die einzige Konsequenz kann doch nur sein, nichts mehr zu glauben, was in den lokalen Zeitungen über den MSV Duisburg berichtet wird. Die Ausnahme macht in dieser Woche die Rheinische Post. Gleichzeitig fehlte mir vom MSV Duisburg eine Reaktion auf die so entscheidende Behauptung vom Ultimatum. Und schon kratzt auch das an meinem Vertrauen. Wie gesagt, am besten verlass ich mich nur noch auf mich selbst und glaube nicht mehr als das, was ich auf dem Spielfeld sehe. Da weiß ich eins sofort, wenigstens das Endergebnis teilt uns eine Wahrheit mit.

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel mit dem Podcast vom letzten Donnerstag

Im Moment gerät der Zebra-Talk zu einem Podcast, über dessen tagesaktuelle Bezüge der Spieltag hinwegrauscht. Es mangelt an Zeit, um Routinen der Produktion und zeitnahen Veröffentlichung zu entwickeln. Während Tina im Urlaub weilt, trafen André und ich uns am Donnerstag vor dem Auswärtsspiel gegen die SpVgg Greuther Fürth und haben erneut das Mikro im „Badezimmer“ der Rheinschafe auf den dort vorhanden Tisch gestellt. Am Sonntag konnte André den Podcast dann auf die Facebook-Seite vom Zebra-Talk stellen. Seit dem ersten hier veröffentlichten Podcast habe ich mich noch nicht damit beschäftigen können, warum mein WordPress-Account mir als mögliche Audio-Dateien zum Hochladen ins Medienarchiv nur Bildformate anbietet und deshalb die mp3-Datei nicht erkennt. Darum gibt es erneut nur diesen Link. Wer möchte, höre also:

Zebra-Talk 5

Milan Sasic kann an einer Pointe nicht vorbei gehen

Täuscht mich eigentlich mein Eindruck, dass Komiker heutzutage im Privaten keine Melancholiker mehr sind? Früher war diese Erzählung sehr populär. Die so lustigen Komiker und Clowns guckten im wirklichen Leben immer ganz traurig in die Kameras von Fotografen. Heute gibt es eine andere populäre Erzählung für die Homestory über Komiker oder, zeitgemäßer, Comedians. Clowns spielen inzwischen in einer anderen Liga. Über die will niemand mehr was wissen. Heute neigen Komiker oder eben Comedians auch im Privaten zur Lustigkeit. Sie riskieren eher Freundschaften, als dass sie eine Pointe auslassen. Damals wird es die einen ebenso gegeben haben wie heute die anderen. Ich finde es einfach immer wieder interessant, welche Geschichten in welcher Zeit häufiger erzählt werden. Kleine Belege für die emotionalen Grundbefindlichkeiten einer Gesellschaft.

Milan Sasic hat mich auf diese Gedanken gebracht. Ich halte ihn ja schon seit einiger Zeit für einen Mann mit einem sehr guten Gespür für Komik. Ich denke, auch er gehört eher zu denen, die an den Pointen nicht vorbei gehen können. Ich gehe sogar so weit zu sagen, für einen guten Bühnenkünstler bringt er Talent mit. Er besitzt Witz, einen Sinn für Timing und verfügt über eine sehr gute Kontrolle seiner Mimik. Wenn das mit dem Trainer-Dasein entgegen unser aller Hoffnung einmal nicht mehr funktioniert, könnte er eine weitere Karriere starten.

Bei der gestrigen Pressekonferenz vor dem Spiel gegen die SpVgg Greuther Fürth gab es wieder eine dieser Situationen, in der Milan Sasic sich eine Pointe nicht verkneifen konnte. Das Publikum, sprich die Journalisten, waren auf Komik nicht eingerichtet. Deshalb blieb die Reaktion doch sehr verhalten. Doch wie Milan Sasic ab Minute 16:40 die SpVgg Greuther Fürth mit jedem Wort noch etwas großartiger macht, das schafft eine Fallhöhe für eine Pointe bei Minute 18:22, die mich sehr zum Lachen bringt.

Doch in der Pressekonferenz gibt es mehr als nur die Komik. Darüber hinaus gibt es auch interessante Ausführungen von Milan Sasic zu Vasileios Pliatsikas. Sie machen nicht nur sein Verhältnis zu ihm und dessen Spielweise deutlich, sondern sie analysieren auch noch einmal die Situation, die im Spiel gegen den FC St. Pauli zum Platzverweis führten. Ab Minute 20:10.

Vor allem tut mir Fromlowitz leid

Da haben sich gestern Abend mehr Menschen als sonst, das Spiel im Netz angesehen. Ab der zweiten Halbzeit ruckelte das Bild doch sehr, und manchmal musste ich bange Sekunden überstehen. Dann fror die Spielsituation genau in dem Moment ein, wenn der FC St. Pauli sich mal wieder eine Großchance erarbeite und der Stürmer gerade abschloss. Hoffnungsvolle Momente mit eingefrorenen Bildern gab es leider für mich nicht. Das sagt schon alles über dieses Spiel des MSV Duisburg beim FC St. Pauli. In der passablen ersten Halbzeit lief das Bild durch. Da konnte ich noch zufrieden sein, zumal ich ja nichts erwartet hatte.

Sicher kann man wie Milan Sasic sagen, ein Unentschieden wäre verdient gewesen. Die Mannschaft hätte sich das Ergebnis aufgrund ihres Kampfes verdient. Man kann aber auch wie der Trainer des FC St. Pauli Andre Schubert sagen, der Sieg sei verdient. Denn die spielerische Überlegenheit gerade in der zweiten Halbzeit war zu offensichtlich, und diese Überlegenheit war nicht nur die Folge der gelb-roten Karte für Vasileios Pliatsikas. Der FC St. Pauli kombinierte von Beginn der zweiten Halbzeit besser. Die einzelnen Spieler hatten weniger technische Schwierigkeiten bei der Verarbeitung des Balles.

Wir müssen der Wahrheit ins Auge sehen. Das angestrebte Saisonziel, eine Platzierung unter den ersten sechs Mannschaften, ist weit entfernt. Diese Mannschaft des MSV Duisburg spielte nicht auf Augenhöhe mit dem FC St. Pauli. Diese Mannschaft wählte das Mittel aller Kleinen einer Liga, sie wollte sich das Unentschieden in einer Abwehrschlacht erkämpfen.

Am meisten tut mir die Niederlage für Florian Fromlowitz leid. Er hätte dieses Unentschieden alleine für seine spektakuläre Fußbabwehr per Flugeinlage auf der Linie eine Spielsituation vor dem Ausgleich vedient. Er hat das gesamte Spiel über eine großartige Leistung gezeigt. Beim Schuss zum Siegtor nach dem kontrolliert herausgespielten Angriff in der letzten Minute der Nachspielzeit (!) war nichts halten. Gar nichts. Dieses Tor, fast in der letzten Sekunde des Spiels, zeigt die Qualität einer Mannschaft, die oben mitspielen kann. Dieser Angriff wurde nicht hektisch vorgetragen. Da gab es das Vertrauen auf das eigene Können. Da gab es klare Strukturen beim Bewegungsablauf im Angriff. Davon ist der MSV Duisburg noch entfernt.

Ich hoffe natürlich weiter, dass diese Mannschaft im Verlauf der Saison so eine Struktur bei den Offensivbemühungen in Gänze auf dem Spielfeld zeigen kann. Gestern ließ sich von so einer Struktur bis in das Mittelfeld in der ersten Halbzeit zwar schon etwas ahnen, doch wenn der Ball dann nur zehn Meter weiter Richtung Tor getrieben wurde, war zu viel vom Zufall abhängig, zerfiel meist die Andeutung von Struktur wieder und der Angriff geriet mal mehr, mal weniger zerfahren. Die Ordnung in der Defensive war dieses Mal nicht so ganz das Problem.

Ich hatte dieses Tor des FC St. Pauli schon früher erwartet, und je länger der MSV Duisburg das Unentschieden hielt, desto größer wurde die Freude über diesen möglich werdenden Punktgewinn. Ich habe gestern Abend tatsächlich den Fehler gemacht, mich zu früh zu freuen. Um so größer war mein  Ärger, der sich heute morgen wieder in dieses leise Kitzeln der Sorgen verwandelt hat. Gegen Dynamo Dresden kann sich der MSV Duisburg nicht so weit zurück ziehen wie gegen den FC St. Pauli. Das wird der Gegner schon selber tun. Zwei Mannschaften in der jeweils eigenen Hälfte sich gegenüberstehend, das verspräche wirklich kein gutes Fußballspiel. Hoffen wir also, dass die gesehenen Ansätze zur Struktur in der Offensive weiter ausgebaut werden können. Allmählich sollte ein vollendetes Erfolgserlebnis für die Mannschaft und uns Zuschauer mal drin sein.

Auftaktspielschwäche und die Bedeutung eines Scherbenhaufens

Wenn die Sommerferien in Nordrhein-Westfalen noch nicht einmal begonnen haben, können Fußballspiele keine Meisterschaftsspiele sein.  Für den 3:2-Sieg des Karlsruher SC gegen den MSV Duisburg gibt es doch keine drei Punkte.  Das muss ein Irrtum sein. Das war kein Meisterschaftsspiel. Dafür war es zu früh. Für beide Mannschaften. Das war ein Vorbereitungsspiel für die Saison, in dem in der ersten Halbzeit ein großes Spektakel geboten wurde und in dem während der zweiten Halbzeit Spieler sich den Trainern beweisen wollten.

Da passte nicht viel zusammen in der Mannschaft des MSV Duisburg. Darüber sind wir uns alle einig. Als verteidigende Mannschaft war der MSV jederzeit für Fehler gut. Wahrscheinlich wäre mit Branimir Bajic zumindest die Abstimmung in der Abwehrreihe besser gewesen. Hätten die Außenverteidiger dann auch den Zweikampf besser aufnehmen können? Fußball ist ein komplexes Spiel, da dreht man an einem Rädchen, und Auswirkungen gibt es drei Stationen weiter. Ich habe das Spiel am PC gesehen und hatte den Eindruck, jederzeit ist alles möglich. Nach vorne wie nach hinten. Ein Ausgleich hätte ebenso fallen können wie das vierte Tor der Karlsruher.

Der Sieg des KSC war aber verdient. Die Mannschaft zerstörte das Aufbauspiel des MSV Duisburg besser, als es den Zebras umgekehrt gelang. Zudem wirkten Klemen Lavric und Alexander Iashvilli immer etwas torgefährlicher als die Angreifer des MSV Duisburg. Deutlich wurde aber auch, diese Mannschaft des MSV Duisburg brennt vor Ehrgeiz. Sie scheint große Ziele zu haben. Es wird in den nächsten Spielen interessant, wie dieser große Ehrgeiz mit dem anscheinend ebenso großen Verbesserungsbedarf des Zusammenspiels harmoniert. Was einerseits gut für die Zukunft ist, birgt Gefahr von großer Unzufriedenheit, solange es nicht halbwegs rund läuft.

Ein Anschlusstor ist für diese Mannschaft jedenfalls kein Grund zur Freude. Das gefällt mir. Nur-Zum-Ausgleich-Jubeln-Wollen Wolze kriegte nach seinem Tor zum 2:3 fast noch Ärger mit den Karlsruhern. Deren Verteider lag zappelnd über dem Ball mit im Tor. Kevin schob und zog ein wenig an dem Mann, um besser an den Ball zu kommen. Schon eilten andere Karlsruher herbei. Dabei versuchte Kevin Wolze nur, diesen Ball schnellstmöglich zum Anstoßpunkt zu bringen. Er kannte die besondere Regel dieses Spiels, auf die sich die Vereine geeinigt hatten. Tore sind nur vor der Halbzeitpause erlaubt.

So richtig warm bin ich mit dem Spiel nicht geworden. Aber es gibt ja auch noch ein Randthema, das mich sehr beschäftigt. Vasileios Pliatsikas, Billy genannt, gab der Sportredaktion von Der Westen nach seiner gelb-roten Karte noch eine Steilvorlage zu einer überdramatisierenden Schlagzeile. „MSV Duisburg steht zum  Start vor einem Scherbenhaufen“. Da hat sich jemand in der Redaktion allzu sehr verführen lassen von den Scherben, die Vasileios Pliatsikas  mit dem Tritt gegen eine Tür des Kabinentrakts hinterlassen hat. Zweimal muss ich nun ausholen und sagen: So nicht!

Liebe Der Westen-Redaktion, manchmal dürfen beste Pointen-Chancen nur die Zuschauer auf den Rängen nutzen. Journalisten haben leider die Sorgfaltspflicht, der Wirklichkeit bei diesen Pointen Rechnung zu tragen. Die Mannschaft des MSV Duisburg hat schlecht gespielt, keine Frage. Ein „Scherbenhaufen“ ist da dennoch, außer in seiner tatsächlichen Bedeutung, nirgendwo zu erkennen. Doch dieser „Scherbenhaufen“ in der Artikelüberschrift wird unweigerlich auch bildhaft verstanden und damit als Charakterisierung der Mannschaft. Zu einem“Scherbenhaufen“ kann aber erst etwas werden, was vorher als Ganzes vorhanden war. Dazu hatte die Mannschaft bislang keine Gelegenheit. Auch wer Artikelüberschriften so verführerisch und raffiniert wie möglich machen möchte, darf die Wirklichkeit nicht vergessen.

Und nun zu Vasileios Pliatsikas Tritt in eine Glastür und Milan Sasics Reaktion darauf. Ich hoffe sehr, diesen ersten im Artikel zitierten Worten von Milan Sasic auf Pliatsikas Wutausbruch folgen morgen weitere. Was Milan Sasic sagt, hört sich für mich so an, als müsse das hingenommen werden, wenn einer randalierend durch die Welt läuft: „‚Die Emotionen waren nicht zu viel, das ist Fußball‘, nahm der Kroate den Neuzugang in Schutz: ‚Billy ist ein heißblütiger Grieche. Wenn wir Leute mit solcher Mentalität holen, dann müssen wir uns darauf einstellen. Der Junge weiß, was er getan hat. Ich finde ihn super. Er ist charaktervoll und hat sich unter Tränen bei der Mannschaft entschuldigt.‘ Hoffentlich denkt Milan Sasic bei seinen Worten nur an das Verhalten des Spielers auf dem Spielfeld.

Letzte Saison hat mich schon einmal eine beschwichtigende Haltung zu randalierendem Unfug geärgert. Da war es Lukas Podolski, der in Leverkusen für Scherben sorgte. Ein Verhalten verstehen, bedeutet nicht zugleich, dieses Verhalten auch gut zu heißen. Es gibt so etwas wie Verantwortung für Fehler. Die Zerstörung fremden Eigentums wird in unserer Gesellschaft gemeinhin nicht gerne gesehen. Was lernen jugendliche Fußballanhänger in Duisburg aber, wenn sie den Spielbericht lesen. Sie lernen, ich darf jederzeit die Sau raus lassen, ich bin doch nur wütend.

Weiß Milan Sasic, dass Lehrern und Erziehern diese Standardantwort von Kindern aus den Ohren heraus hängt? Wie kannst du den Stuhl durch Klasse schmeißen? – Aber ich war wütend, der xy will mich nicht mitspielen lassen. Nocheinmal: Verstehen heißt nicht, akzeptieren. Milan Sasic kann seinen Spieler in Schutz nehmen, und dennoch dessen Verantwortung einfordern. Selbstverständlich müsste Vasileios Pliatsikas die Kosten für die Reparatur der Tür übernehmen, und das muss in der Öffentlichkeit auch gesagt werden. Das ist keine moralische Frage, sondern eine des bürgerlichen Rechts. Schutz des Eigentums nennt sich das. Sonst funktioniert Zusammenleben nicht. Wenn Fans sich entsprechend verhalten, wird das auch nicht akzeptiert. Was war das Geschrei groß, als Ende der letzten Saison die 600.000 Euro teure Spezialkamera in Frankfurt von einem Fan der Eintracht zerstört wurde. Aber der Fan gibt alles für seinen Verein. Er hat nur überreagiert, weil seine Eintracht absteigen wird. So Fans braucht der Verein. Hat Heribert Bruchhagen das irgendwo so gesagt ? Ich glaube nicht.

Zurück zum Kerngeschäft des MSV Duisburg, dem Fußball. Wir werden nun im Spiel gegen den FC Energie Cottbus sehen, ob die Art und Weise der Auftaktniederlage noch viel Trainingsarbeit bedeutet oder ob das Spiel der Mannschft nur eine vorübergehende Auftaktsspielschwäche war. Für die erste Variante habe ich als Trost übrigens schon den Verlauf der letzten Saison für den VfL Bochum parat.

Saisonvorbereitung – Spieler kommen, Spieler gehen

Ich sagte es schon, in dieser Sommerpause geht mir alles zu viel schnell, und das liegt nicht nur an meinem Alltag. Allein die Abfolge der Spielerverpflichtungen für die neue Saison machte den MSV Duisburg zu einem heißen Anwärter auf den ersten von der DFL ausgelobten Speed-Transfering-Award. Oder wäre der DFB als Hüter der Tradition mit der Wolfgang-Fahrian-Medaille der besser geeignete Preisverleiher?

Wie viele neue Namen mussten wir lernen, und wie schnell musste der Verein sich für Schreibweisen dieser Namen entscheiden. So viel Bildung ist dabei ganz nebenbei möglich. Wann etwa wird statt der slawischen Endung „-ow“ die andere slawische Endung „-ov“ gechrieben? Der MSV Duisburg schreibt nun Karimow für den Karimov andererorts. Ebenfalls wäre herauszubekommen, wann das slawische Doppel-Binnen-i zum  „-iy“ wird? Oder welche der Buchstabenkombination ist überhaupt slawisch? Der MSV Duisburg schreibt  „Domovchiyski“. Vielleicht liesse sich lernen, dass slawisch gar nicht slawisch ist.

Und so einen asiatischen Namen wie Jiayi Shao könnte man bestimmt auch anders transkribieren. Vielleicht sogar Chinesischer? Etwas mehr Beijing statt Peking? Ich müsste ihn mal seinen Namen sprechen hören. Fremde Namen klingen immer gleich fremd. Doch für die Regeln, wie sie geschrieben werden, gibt es auch so was wie Zeitgeist.

Ich schweife ab, dabei haben wir so wenig Zeit. Die Spielzeiten gehen dieses Jahr ineinander über. Wollte ich nach dem Pokalfinale erstmal einen Moment durchschnaufen, schon war ich mit der möglichen Verpflichtung des nächsten neuen Spielers beschäftigt. Und schon verließ Bruno Hübner kurz darauf den Verein. Und schon änderte das überhaupt nichts an der Qualität der schon wieder gemeldeten nächsten Spielerverpflichtung. Wird hier denn gar nichts über neue Spieler geschrieben? Das, so dachte ich zwischendurch mal, wäre ein passender Titel für einen Beitrag. Ich kam nicht mit. Wollt ihr mal eine Chronologie der Kaderzusammenstellung per MSV-Seite sehen mit entsprechendem Speed-Commenting? Die Abfolge der Ereignisse war selbst für den Verein so schnell, dass es weder für den Wechsel von Sefa Yilmaz im Juni in die Türkei noch für die Ausleihe von Daniel Beichler eine offizielle Bestätigung auf der Seite gibt. Das ging nur per Pressemitteilung raus, und wurde von den Medien entsprechend verbreitet. Wenn sich die Ereignisse überschlagen …

30.3.  „MSV verpflichtet Stürmer Emil Jula für drei Jahre“. Früh werden die Weichen für die nächste Saison gestellt.  Gefällt mir sehr!

5.5.     „Aus Wolfsburg: Abwehrspieler Karimov wird ein Zebra„. Damals noch mit „-ov“ geschrieben. Der erste Eindruck bestätigt sich. Den Plänen wird gefolgt!

9.5.     „Perfekt: Shao wechselt zu den Zebras“. Mehr ein Zeichen für die  zurück gewonnene Attraktivität des MSV Duisburg als Arbeitgeber, als dass ich beim Namen in Jubel ausbreche.

12.5    „MSV verpflichtet Kevin Wolze vom VfL Wolfsburg„. Perspektive! Wenig Geld! Perfekter Sasic-Spieler.  Gute Erfahrung mit Wolfsburgs zweiter Reihe in der letzten Saison.

19.5.   „Neues Zebra: Gjasula kommt für zwei Jahre!“ Noch ein klassischer Sasic-Spieler, dieses Mal der älteren Art! Wird noch stärker beim MSV Duisburg als in der lezten Saison!

25.5.    „Sportdirektor Bruno Hübner verlässt den MSV Duisburg„. Schock! Schwere! Not! Enttäuschte Zuneigung. Dann geh doch!

27.5.   „MSV Duisburg leiht Mittelfeldspieler Zvonko Pamic aus“. Business as usual! Das Angefangene wird abgearbeitet. Gut so! Mir doch egal, wenn er weg ist.

29.5.  „Goran Sukalo bleibt – und verlängert bis 2013!
Na also, auch Spieler mit einem musternden Seitenblick
auf fremde Vereine, erkennen, beim MSV Duisburg sieht
die Zukunft vielleicht rosiger aus.

1.6.      „MSV leiht Mittelfeldspieler Vasileios Pliatsikas aus“. Noch eine alte Geschichte wird zum Ende gebracht.

13.6.   „Drei neue Zebras da: Domovchiyski, Fromlowitz & Brosinski!“ Was für eine Mischung! Alte Verhandlungen zum Abschluss gebracht, und offensichtlich etwas ganz Neues mit Fromlowitz eingestielt. Es läuft.

16.6.   „MSV verpflichtet Stürmer Flamur Kastrati„. Und noch ein einer, der unter Sasic seine Schwächen ablegen möchte und Konstanz in die schon gezeigten sehr guten Leistungen bringen möchte. Der MSV ist wieder eine gute Adresse.

18.6.   „Neu beim MSV: Markus Bollmann wird ein Zebra„. Günstig Erfahrung einkaufen. Die gelungene Mischung des Kaders wird im Blick behalten. Bruno Hübner ist endgültig Geschichte.

2.7.      „Klasse: „Baja“ mindestens bis 2013 in Zebrastreifen!
Und noch jemand, der weiß, was gut für ihn und den
MSV Duisburg ist.

4.7.      „Nach Leverkusen: David Yelldell verlässt den MSV“
Gibt dem Torwartgefüge eine weniger konfliktträchtige
Struktur. Bei finanziellem Gewinn.

6.7.    „Keeper Felix Wiedwald wird ein Zebra.“ Und schon ist die Alternative parat. Sagte ich schon, dass die Sache auch ohne Bruno Hübner sofort rund läuft?

Eigentlich halte ich es bei einem Verein wie dem MSV Duisburg nicht für sehr sinnvoll, jeden einzelnen Spieler zu bewerten. Bei einem Verein wie dem MSV Duisburg wirkt das noch mehr wie Kaffeesatz-Leserei als es sonst schon der Fall ist. Und ein Verein wie der MSV Duisburg ist nahezu jeder Verein in der 2. Liga – entsprechend den gesteckten Zielen.

Ich will das erklären. Natürlich lässt sich aus der Karriere eines Spielers etwas über den potentiellen Wert dieses Spielers für den Kader eines Zweitliga-Vereins hochrechnen, aber in dieser 2. Liga ist weniger der einzelne Spieler entscheidend für den möglichen Erfolg des Vereins als die Verwirklichung einer Strategie. Ob der einzelne Spieler die Mannschaft stärken wird, ist schon eine falsch gestellte Frage angesichts der Fluktuation in den Kadern während der Sommerpause. Zehn bleibende Spieler und 17 oder noch mehr hinzukommende. Da muss jemand vorher ein Bild vom Ganzen haben, in das er die Spieler möglichst vorteilhaft platziert.

Verfolgt man die Spielerverpflichtungen des MSV Duisburg, wird deutlich, dieses Bild ist im Verein vorhanden. Das hat bei aller Enttäuschung über den Zeitpunkt des Vereinswechsels von Bruno Hübner mit seiner Arbeit zu tun. Er hat schon früh in der abgelaufenen Saison begonnen, weiter an der Verwirklichung des auf drei Jahre angelegten Plans zum Aufstieg zu arbeiten. Wenn nach seinem Wechsel zu Eintracht Frankfurt die Nachrichten zu neuen Spielerverpflichtungen unterbrechungslos gemeldet werden konnten, wird er dafür Vorarbeit geleistet haben. Welcher Spieler genau als erster völlig ohne seine Dazutun verpflichtet wurde, lässt sich von außen gesehen gar nicht sagen.

Florian Fromlowitz erzählt etwa irgendwo – ich such jetzt nicht extra danach – , der erste Kontakt zum MSV Duisburg sei durch einen Anruf von Milan Sasic zustande gekommen. Da hätten wir die originäre Leistung ohne Bruno Hübner, die beweist, die kleine Krise durch seinen Weggang wurde sehr gut bewältigt. Das ist etwas, was übrigens David Nienhaus mit seinem Contra-Kommentar zur Fromlowitz-Verpflichtung ganz übersieht. Es geht bei diesen Verpflichtungen nicht nur um den einzelnen Spieler. Es geht um das Gefüge. Und das Gefüge auf der Position des Torwarts hat bei aller Leistung von David Yelldell in der letzten Saison nicht gestimmt. Zudem hat die Verpflichtung Strahlkraft, weil da ein Torwart kommt, der seine Erfahrung in der Bundesliga gemacht hat und zwar in einer Zeit, die überaus schwer für ihn gewesen ist. Das wirkt über die einzelne Spielerverpflichtung hinaus. Florian Fromlowitz hat bereits einen Namen, welche Schwächen  auch immer er hat. Seine Verpflichtung ist ein Zeichen für die Öffentlichkeit, für den Spielermarkt und für Gegner. Die Begründung für so eine Verpflichtung ist viel komplexer als ein direkter Vergleich des Leistunsvermögens von David Yelldell und Florian Fromlowitz. Genau das belegt die erfreute Reaktion von uns Fans.

Die Verpflichtung von Florian Fromlowitz bestätigt den Eindruck, beim MSV Duisburg wird planvoll gehandelt und Chancen werden nur im Sinne des Plans ergriffen. Ich erkenne anhand der Spielerverpflichtungen die Konturen eines Bildes, auf das ich hoffnungsfroh neugierig bin. Wenn ich recht überlege, ist die Sommerpause eigentlich doch mindestens eine Woche zu lang. Es könnte heute Abend endlich wieder beginnen.


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