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Saisonabschluss Teil 1 – Soll und Haben im Tabellenrechner: 38. Spieltag

Nach all dem Feiern des Aufstiegs will ich mich mal an den Saisonabschluss in diesen Räumen hier machen. Es gibt mit dem Tabellenrechner einen losen Faden, den ich mir als erstes vornehme – aus einem einfachen Grund: Zum zweiten Mal habe ich recht gute Erfahrungen damit gemacht. Zum zweiten Mal konnte ich schon früh meine Nerven beruhigen, weil der Tabellenrechner mir große Zuversicht gab, das Saisonziel des MSV wird erreicht.

Wenn also mal wieder Not am Mann ist, kurzer Hinweis und ich schaue wieder, wie unter möglichst schlechten Vorzeichen für den MSV eine Abschlusstabelle zustande kommt, die uns allen Freude macht. Ich gebe zu, ich habe großen Spaß daran, die alles entscheidenden Tabellenplätze recht genau kalkuliert zu haben.

Eines erweist sich bei diesem Abgleichen auch noch: Bis ungefähr zum letzten Viertel der Saison haben die Trainer der in einem Spiel favorisierten Drittligisten immer wieder darauf hingewiesen, in dieser Liga könne jeder jeden schlagen. Die Zahlen bestätigen das. Bei  meiner Prognose bin ich fast immer von Favoritensiegen ausgegangen. Der erste Blick auf die Tabelle zeigt, wieviel Punkte mehr die Vereine im unteren Tabellensegment geholt haben, als es die Prognose nach der einfachsten Bewertungsgrundlage erwarten ließ.

Um so klarer wird auch erkennbar, wie sehr die ersten drei Mannschaften sich vom Rest der Liga unterschieden. Sie zeigten in jeweils unterschiedlichen Phasen der Saison stabil positive Ergebnisse. Der MSV war im letzten Viertel des Saison erfolgreich, als es entscheidend wurde. Im Rückblick lassen sich die Unentschieden zu Beginn der Saison auch anders bewerten. Was in der Anfangsphase der Saison für das Ziel Aufstieg nicht erfolgreich genug war, erweist sich in dieser Perspektive als das Fundament des Aufstiegs. Diese Unentschieden machen die Siegesserie zum Saisonende zu einem Erfolgsendspurt.

Im Abgleich seht ihr die Abschlusstabelle samt Punkten; in der ersten Klammer steht meine Prognose der Platzierung, in der zweiten Klammer meine Prognose der Punktezahl am Saisonende, daneben die endgültig Punkteabweichung von dieser Punkteprognose.

1. (1.) Arminia Bielefeld  74  (77) -3
2. (2.) MSV Duisburg 71 (70) +1
3. (3.) Holstein Kiel 69 (69) 0
4. (4.) Stuttgarter Kickers 65 (67) -2
5. (12.) Chemnitzer FC 59 (50) +9
6. (10) Dynamo Dresden 56 (54) +2
7. (6.) Energie Cottbus 56 (60) -4
8. (5.) Preußen Münster 54 (65) -11
9. (9.) SV Wehen Wiesbaden 53 (55) -2
10. (11.) Hallescher FC 53 (53) 0
11. (8.) VfL Osnabrück 52 (57) -5
12. (7.) Rot-Weiß Erfurt 51 (59) -8
13. (14.) VfB Stuttgart II 47 (42) +5
14. (13.) Fortuna Köln 46 (43) +2
15. (17.) SG Sonnenhof Großaspach 46 (36) +10
16. (18) Mainz 05 II 42 (34) +8
17. (15) Hansa Rostock 41 (41) 0
18. (17) Borussia Dortmund II 39 (30) +9
19. (16.) SpVgg Unterhaching 39 (36) +3
20. (20) Jahn Regensburg 31 (27) +4

Drittliga-Live-Ticker? – Fragen Sie vorher Ihren Arzt

Wie war das noch mal? Geht man als Pessimist oder Optimist glücklicher durchs Leben? So eine grundsätzliche Lebenshaltung ist zwar nicht unbedingt eine Frage der Entscheidung, aber das Anwenden des Tabellenrechners verdeutlicht sehr schön, wie sich die jeweiligen Einstellungen auf das aktuelle Befinden auswirken. Als Pessimist erwartet man ja bis zum Saisonende einen MSV Duisburg, der seine Spiele nicht gewinnt und den Aufstieg vermasselt. Vorfreude schaffen solche Gedanken sicher nicht. Dafür aber ist das Glücksgefühl gegenüber dem Optimisten vielleicht größer in dem aktuellen Moment, wenn das erwartete schlechte Ergebnis nicht eintrifft, sondern alles besser ausgeht als angenommen. Der Optimist sieht sich ja nur bestätigt.

Für gestern war ich jedenfalls mit meinem Unentschieden-Tipp vorsichtshalber etwas pessimistischer gewesen, und so konnte ich dem 2:1-Auswärtssieg des MSV Duisburg bei der zweiten Mannschaft vom VfB Stuttgart noch mehr Freude abgewinnen. Der eigentlich von mir für das Heimspiel gegen Rostock erwartete Sieg wurde nachgeholt. Für Pessimisten und Optimisten gilt aber eins wahrscheinlich gleichermaßen. Beide sollten davor gewarnt werden, dass das Verfolgen eines Drittliga-Spiels am Live-Ticker gesundheitsgefährdende Folgen haben kann. Zumindest wenn kurz vor Spielende Michael Ratajczak eine rote Karte erhält, der Anschlusstreffer durch Elfmeter fällt und mit Kevin Scheidhauer bei vermuteten zehn Minuten Restspielzeit ein Feldspieler ins Tor muss.

Drittliga-Live-Ticker melden sich nur sehr sporadisch. Sie vermitteln nicht wirklich einen Eindruck vom Spiel. Sie sind Ereignis-Herolde ohne Vollständigkeits-Garantie. Drittliga-Live-Ticker funktionieren wie grobkörnige Fotografien. Nur mit deutlichem Abstand lässt sich erkennen, welche Leistung die eigene Mannschaft zeigte. Beim Lesen gleichen die Meldungen begrenzten Pixelflächen eines Fotos, anhand deren man nur erahnen kann, was sie zeigen. Man vermutet und rechnet mit Wahrscheinlichkeiten, wie sich der Verein der eigenen Zuneigung gerade hält. Die erste Halbzeit habe ich ganz entspannt verbracht, weil ich im Twitter-Account des MSV fast nur von Spielaktionen des eigenen Vereins lesen konnte. Zumal die Tore von Zlatko Janjic und Nico Klotz sehr beruhigten. Martin Dausch war beide Male beteiligt. Das klang alles vielversprechend. Das vom ZDF übertragene Pokalendspiel im Basketball brauchte ich nicht einmal zur Ablenkung. Vor dem Spiel des MSV hatte ich mir nämlich ausgemalt, wenn ich zu nervös werde, starre ich auf Bambergs Dreipunktewürfe und Oldenburger Rebounds.

Leicht beunruhigt wurde ich durch den Beginn der zweiten Halbzeit, weil mit einem Mal plötzlich nur noch von Chancen der Stuttgarter geschrieben wurde. Glück gehabt, knapp daneben, von der Linie gekratzt und solche Sachen. Geriet der MSV tatsächlich wieder einmal nach einer sicheren Führung unter Druck? Für die Augenzeugen sah das Ganze anscheinend weniger dramatisch aus. Im MSVPortal hat Mike Oldman, der vor Ort war, einen MSV gesehen, der trotz Stuttgarter Chancen auch in der zweiten Halbzeit überlegen war.   Bewertungen der einzelnen Spieler geben zudem NeckerChecker und freak01. Übereinstimmend wird nicht nur von diesen zwei Auswärtsfahrern einmal mehr die hervorragende Leistung von Martin Dausch betont. Auch der Spielbericht bei WAZ/NRZ beschreibt einen durchweg unterlegenen VfB Stuttgart, dem nur durch eine Unaufmerksamkeit von Dennis Grote und Kevin Wolze der Elfmeter, das Anschlusstor und die anschließende vergebliche Hoffnung auf den Ausgleich ermöglicht wurde.

Diese letzten Minuten aber waren für jeden, der das Spiel an einem Live-Ticker verfolgte, die Hölle. Zu lesen war nichts mehr, dafür hatte ich nur noch diesen einen Minifilm im Kopf. Egal welcher Stuttgarter Spieler sich dem Tor nähert, ab etwa 20 Meter schießt er aufs Tor. Natürlich sehe ich den Ball Richtung Winkel fliegen, und natürlich sehe ich, wie Kevin Scheidhauer dorthin springt. Ich sehe aber auch seine stürmerhafte und wenig torwartgleiche Sprungtechnik. Das Pokalendspiel im Basketball war zu dem Zeitpunkt schon zu Ende. Auch dort waren die letzten Minuten ungeheuer spannend gewesen. Oldenburg führte knapp, und Bamberg schien das Spiel noch einmal drehen zu können. Interessiert, aber entspannt hatte ich zugesehen.

Das Pokalendspiel fehlte mir in diesen letzten Minuten des Spiels vom MSV sehr. Es gab nichts, mit dem ich mich hätte ablenken können. Dennoch schaffte ich es, jeden meiner Minifilme mit einem offenen Ende zu versehen. Das letzte Bild war immer ein Kevin Scheidhauer, der eingefroren in der Luft schwebte, auf dem Weg in den Winkel des Tores. Der Ball dagegen war irgendwie unsichtbar geworden. Und schon begann die nächste Fassung dieses Minifilms. Dann endlich meldete ein zweiter Drittliga-Ticker den Sieg. Ich brauchte länger als sonst, um mich einigermaßen wieder zu beruhigen. Oft kann ich ein Spiel des MSV auf diese Weise nicht erleben. Da bin sicher. Ein Aufstieg des MSV wäre wegen der besseren Berichterstattung in der 2. Liga deshalb auch eine Maßnahme der Gesundheitsfürsorge. Zumindest die Tore sind übrigens in einem Kürzestbericht des SWR zu sehen.

Sonntag ist der Spieltag nach dem Samstag – Der Nachteil Nachlegen

Für das mittelfristige Erfolgsziel Aufstieg gilt es sämtliche Bedingungen, denen ein Fußballspiel unterliegt, im Blick zu halten. Frei nach dem Motto, der Gefahr begegnen, indem wir offensiv damit umgehen und etwas machen können. Der MSV Duisburg muss bis zum Ende der Saison meist sonntags antreten. Die Konkurrenten um den Aufstieg haben dann fast immer schon samstags gespielt. Durch diese Terminierung der Spiele wird der MSV Duisburg benachteiligt. Denn beim „Nachlegen“ gibt es ein größeres Risiko des Misserfolgs als beim Beginnen.

Empirisch nachgewiesen ist meine These nicht. Da das zu untersuchende Phänomen wahrscheinlich nicht oft im Fußball zu beobachten ist, wurde es bislang von der Wissenschaft nicht weiter beachtet. Viele Dinge müssen in diesem speziellen Forschungsfall ja zusammenkommen. Meine These formuliere ich aber nicht grundlos. Sie ist abgeleitet von zwei fundierten wissenschaftlichen Arbeiten zum Elfmeterschießen. Elfmeterschießen sind eine statistisch leicht auszuwertende Datenbasis.  Auf den Beitrag von Christian Hesse im Mathematik-Blog der ZEIT hatte ich schon einmal hingewiesen. In 60 Prozent aller Elfmeterschießen gewinnt die Mannschaft, die anfängt. Christian Hesse kommt alleine durch den Vergleich von Zahlen zu seinen Schlüssen und plädiert durch eine geänderte Abfolge der antretenden Elfmeterschützen für mehr Gerechtigkeit beim Elfmeterschießen.

Fußballer kennen intuitiv den Vorteil des Beginnens. Wie ebenfalls DIE ZEIT berichtet, haben Wirtschaftspsychologen der Londoner School of Economics Fußballer befragt, was sie nach dem gewonnenen Münzwurf vor dem Elfmeterschießen entscheiden würden. 96 Prozent der Fußballer entscheiden sich für das Beginnen.

Kurzum, wer beginnt, hat einen Vorteil. Die Psyche ist anscheinend weniger belastet. Dieser Vorteil ist nun nicht über die Maßen groß, doch wie wir gebetsmühlenartig in dieser Saison von allen Trainern erfahren, Kleinigkeiten entscheiden die Spiele. Die Gegenmaßnahme? Ich kenne nur so eine Art psychologisches Hausmittel. Es heißt, sich immer wieder aktiv den Erfolgsfall vorstellen, erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass das vorgestellte Geschehen auch eintrifft. Allerdings müssen das die Spieler machen. Wenn wir uns auf den Rängen den Sieg des MSV gegen die zweite Mannschaft vom VfB Stuttgart vorstellen, bewegen wir uns in esoterischen Gefilden. Das mag ja auch helfen – je nach Persönlichkeit uns selbst.

 

Der Blitz- folgt immer noch die Freezetabelle

Schön, wenn der Fußball uns Geschichten gibt, aus denen wir für das Leben lernen können. Schlecht, wenn der MSV Duisburg Held jener Art Parabel ist, deren Moral aus fehlgeleitetem Handeln des Helden geschlossen wird. Wenn ich höre und lese, wie fast alle Beteiligten vollkommen ratlos davor stehen, wie das Ausgleichstor des VfB Stuttgart zum 1:1 im Spiel gegen den MSV Duisburg gefallen ist, bekomme ich den leisen Verdacht, irgendetwas hat da ins Spiel eingegriffen.

Mag es der eine Schicksal nennen, mag der andere an ein höheres Wesen denken, ab der 34. Minute scheint es oder jemand ziemlich ärgerlich über leichtfertiges Selbstlob und Anflüge von Hochmut gewesen zu sein, als sich zu viele nicht über eine Momentaufnahme still freuten, sondern das länger feierten, was ohne andauernde Bedeutung ist. Für das Aufbrausen in der Nordkurve von „Spitzenreiter, Spitzenreiter“ hätte es ja wahrscheinlich noch Verständnis gegeben, aber als Stadionsprecher Stefan Leiwen auch noch meinte,  die Werbeeinblendug der Blitztabelle kommentieren zu müssen und einen historischen Moment aus dieser flüchtigen nichtssagenden Blitztabellenführerschaft zu machen, war es mit Sicherheit vorbei.

Diese voreilige Selbstbeweihräucherung hat eine Strafe verdient, wird jemand oder etwas gegrummelt haben, den knalle ich gleich mal sofort den Ausgleich vor ihren Blitztabellenführerlatz. Am besten in der 64. Minute, dann gibt es noch genügend Zeit, in der der MSV Duisburg und seine Anhänger sich erst noch vor dem Rückstand fürchten können. Wenn dann noch die Enttäuschung in den Schlussminuten über eine vergebene große Chance auf den Siegtreffer hinzukommt, sollten die ihre Lektion wohl lernen. So erkäre ich mir, warum der VfB-Trainer Jürgen Kramny auf der Pressekonferenz erstaunt bemerkt:  Da ging einfach ’ne Riesentür auf. Ich weiß nicht, wie das entstanden ist.“ Gino Lettieri weiß wenige Minuten später auch von nichts und muss sich das Ganze noch einmal ansehen. Tim Albutat weiß nichts nach dem Spiel gegenüber ZebraTV. Und auch Eric Hajri hat laut WAZ/NRZ nichts gesehen, geschweige denn, dass wir auf den Rängen etwas begriffen hätten. Plötzlich lief ein Stürmer vom VfB alleine auf Michael Ratajczak zu. Es blieb nicht einmal wirklich Zeit für die Hoffnung auf eine Rettungstat von Ratajczak.

Denke ich noch einmal zurück, kann diese Ratlosigkeit allerdings auch dadurch verursacht sein, dass bis zu diesem einen Angriff der VfB Stuttgart dem Tor des MSV Duisburg nicht gefährlich nahe gekommen war. Besonders die erste Halbzeit wirkte wahrscheinlich noch nach, in der die Stuttgarter sich weit zurück gezogen hatten und nicht ernsthaft versuchten, ein Tor zu erzielen. Der MSV kontrollierte das Spiel, ohne sich große Chancen zu erarbeiten. Dennoch konnten wir darauf hoffen, dass bei dieser Überlegenheit, ohne den Hauch eines gefährlichen Konterspiels des Gegners, irgendwann das Führungstor fallen könnte. Es gab ja hin und wieder auch die ruhenden Bälle. So einen Freistoß aus dem rechten Halbfeld konnte Steffen Bohl schließlich in der 34. Minute ins Tor köpfen. Leider folgte dem kein zweites Tor. In der ersten Halbzeit war das noch kaum möglich, als beide Mannschaften trotz des Tores ihre anfängliche Taktik einfach weiter spielten, als sei nichts geschehen.

Aber zu Beginn der zweiten Halbzeit wurde klar, die Stuttgarter agierten nun offensiver, entsprechend gab es auch für den MSV mehr Raum für deren Angriffspiel. Doch dazu hätten diese Angriffe schneller vorgetragen werden müssen. Das wurden sie nicht oft genug, auch weil diese Art Spiel nicht das Spiel von Kingsley Onuegbu ist. Ich hätte Michael Gardawski gerne früher für ihn eingewechselt gesehen. Nicht weil Kingsley Onuegbu zu schlecht gespielt hat, sondern weil seine Art Ballbehauptung, die in der ersten Halbzeit noch notwendig war, nun so wirkte, als würde sie  das Offensivspiel bremsen. Überhaupt blieb das Zusammenspiel im letzten Angriffsdrittel einiges schuldig. Viel zu oft wurde ein Pass zu wenig gespielt, viel zu oft wurde der freie Mann auf dem Flügel oder halbrechts und -links übersehen und der Weg durch die Mitte gewählt. Das war ein grundsätzliches Problem der Spielanlage und lässt sich, so meine ich, nicht auf die fehlende Übersicht eines einzigen Spielers beschränken.

Das Unentschieden haben sich die Stuttgarter verdient. Aus dem zweimaligen Spitzenreiter der Blitztabelle ist ein Tabellenfünfter geworden mit zwei Punkten Rückstand auf den Tabellenführer. Vier weitere Mannschaften haben wie der MSV 24 Punkte. Preußen Münster auf Platz 8 hat 21 Punkte. Momentan sieht es so aus, als werden sich noch recht lange viele Mannschaften Hoffnung auf den Aufstieg machen. Momentan ist es ratsam Blitztabellen nicht sonderlich ernst zu nehmen. Wir sollten besser darauf hoffen, dass uns am letzten Spieltag die Moral von dieser Geschichte noch etwas bringt und wir dann die Freezetabelle mit vollkommener Berechtigung richtig feiern können.

Bleibt noch die oben erwähnte Ratlosigkeit über den Ausgleich auf der PK sowie bei Tim Albutat und Steffen Bohl.

Von Pro-und-Contra-Simulationen und einem Siegertrikot

Ein Mann zwei Meinungen trifft manchmal sogar bei mir zu, zumuten möchte ich euch das Lesen zweier gegensätzlicher Ansichten in einem einzigen von mir geschriebenen Text vor dem Heimspiel gegen VfB Stuttgart II aber nicht. Wer weiß, ob die sensiblen Naturen unter euch nicht mit längerwierigen Orientierungs- und Verständnisstörungen reagieren und sie gleich auf den Rängen beim Support versagen. Deshalb habe ich mich für heute und vielleicht auch für die Zukunft an einen meiner Bekannten  erinnert. Fürs Publikum geschrieben hat er bislang noch kein Wort. Aber wenn einer starke Meinungen hat, ohne sich jedes Mal um Argumente zu kümmern, warum es nicht mal mit ihm versuchen. Im WAZ/NRZ/Reviersport-Konglomerat gibt es so was ja auch immer mal wieder. Der Stig  ist Däne, und Dänen lügen bekanntlich nicht. Was ein guter Kolumnen-Titel wäre, wenn alles gut läuft.

Der Stig soll heute eigentlich erstmal nur hospitieren. Aber er redet mir gerade ständig rein, ich solle jetzt schreiben: „Ich glaube, es hackt. Eigentlich reicht ein Wort für diesen Pro-und-Contra-Blödsinn: Überflüssig! Es geht um nichts. Man muss niemanden überzeugen, niemand hat Argumente, aber Meinungen haben wir alle. Da brauchen wir keine Zeitungen für.“

Ich sagte ja, starke Meinungen hat der Mann, aber so stimmt das natürlich nicht. So ein Pro und Contra kann ja sehr übersichtlich gegensätzliche Meinungen mit ihren Argumenten gegenüberstellen. Das steht doch sogar im Lehrplan des Deutschunterrichts. Für die 7. oder 8. Klasse? Kontroversen werden von verschiedenen Seiten betrachtet. Es wird geübt, Argumente für die verschiedenen Perspektiven zu finden, um schließlich einen Schluss daraus zu ziehen. Das Ganze mündet in der Pro-und-Contra-Klassenarbeit. Diese Klassenarbeit ohne die dort verlangte eindeutige Meinung taucht als Pro-und-Contra-Simulation eben in den Blättern der Funke-Gruppe gerne mal auf. Früher war es mal die Trainer-Frage, nach den Erfolgen der letzten Woche, war die Zeit reif für die Frage nach der Aufstiegsreife des MSV.

Dummerweise gibt mir die Funke-Gruppe kein Argument in die Hand, das ich dem Stig zur Ehrenrettung der Pro-und-Contra-Artikel entgegenhalten kann. Ich habe nicht das erste Mal das Gefühl, für die Contra-Position wird in der Reviersport-Redaktion Streichhölzchen gezogen. Dann muss einer ohne jegliches Wissen über die Situation beim MSV Duisburg schnell ein paar Sätze in die Tasten hauen. Den armen Stefan Loyda hat es dieses Mal getroffen. Die beste Lösung für ein Argument in so einem ahnungslosen Fall lautet, die Zukunft ist ungewiss. Der Winter wird kommen, aber ob Deutschland genügend Energie für alle Heizungen hat, bleibt die Frage. Erst an den  kältesten Tagen wird sich zeigen, ob das Land reif für den kommenden Winter ist. Ein Tipp des alten Deutschlehrers für die Klassenarbeit: Pro und Contra beziehen sich immer aufeinander. Am besten nimmt man die Argumente der Gegenseite und überlegt, ob sie nicht auch auf andere Weise betrachtet werden können. Thorsten Richter hat doch ein paar Argumente für die Aufstiegsreife gefunden. Oder sollte es einfach überhaupt keinen Grund,  der … Ich spreche es lieber nicht aus.

Der Stig sagt gerade zu mir: „Sach ich doch. Lass uns lieber über dein blödsinniges Waschen reden. Das ist unterhaltsamer und viel wichtiger.“ streifen_zeigenIch habe als Vorbereitung auf das heutige Spiel nämlich das Siegertrikot der letzten Heimspiele gewaschen. Stig war entsetzt, als er das hörte. Er ist der Meinung, Siegertrikots von Fans werden erst nach Niederlagen gewaschen. Punkt.

Da halte ich dagegen, ich unterstütze das Selbstvertrauen der Mannschaft. Deshalb habe ich gewaschen. Als Zeichen gegen den Aberglauben und das Vertrauen auf Glücksbringer. Die brauchen keine grünen Auswärtstrikots, um den Heimgegner zu schlagen. Wer endlich wieder auch zu Hause Streifen zeigt und dem aufkeimenden Aberglauben eigene Spielstärke entgegenhält, braucht jede Unterstützung der eigenen Stärke. Dieses ganze Glücksbringer und Aberglaubegedöns ist so irrational, das hilft niemandem, sich damit Unterstützung zu holen. Ich finde es gut, dass sie sich jetzt wieder alleine darauf verlassen, was sie können.

Tach, ich bin’s, der Stig. Kees habe ich mal kurz von den Tasten geschubst. Ich mag den Kerl ja, aber wenn er von etwas keine Ahnung hat, soll er den Mund halten. Schwachsinns-Pro-und-Contra. Da gibt es kein Contra. Es gibt nur Pro. Wenn es der Mannschaft hilft, soll sie die grünen Trikots wieder anziehen. Um gut zu sein, brauchst du ein gutes Gefühl. Das gilt auch für die Ränge. Jedes kleine Zeichen hilft. Geh mir weg mit dem Siegertrikot waschen. Immer schön die Serie ausbauen und niemals Siegertrikots waschen. Spart außerdem Wasser, Waschmittel und hilft der Umwelt.  Wenn einer auch auf so was steht, meine ich.

Ich frage mich gerade, ob ich Stig nicht wieder rausschmeiße. Ich mag ihn ja sonst gut leiden, aber  manchmal ist er etwas gewöhnungsbedürftig, wenn man längere Zeit mit ihm verbringt. Davon ab, ist es mir gerade egal, ob waschen oder nicht, Hauptsache, das Spiel endet gleich mit dem Ergebnis, das wir uns erhoffen.

Das Verhältnis vom einen zum anderen beim 0:0 des MSV

Eins nach dem anderen. Das galt für viele Anhänger des MSV Duisburg am Freitag im Stadion nicht immer. Während unten auf dem Rasen die Mannschaft vom MSV Duisburg noch gegen den VfB Stuttgart II versuchte, ein Tor zu erzielen, galt der Fangesang auf den Rängen immer wieder bereits dem Pokalspiel am nächsten Dienstag gegen Rot-Weiss Essen. Verständlich war das, weil gerade in der ersten Halbzeit das Spiel wenig bot, was die Aufmerksamkeit von uns Zuschauern ausschließlich an die Gegenwart gebunden hätte.

Im Gegensatz zu den Zuschauern hatten die Spieler beider Mannschaften die alte Lebensweisheit nämlich zutiefst beherzigt – die Stuttgarter sehr viel offensichtlicher als die Zebras. Im Grunde aber spielten beide Mannschaften mit dem Gedanken, das eine, nämlich die Defensive, kommt zuerst, und dann kümmern wir uns um das andere, die Offensive. Weil die Stuttgarter keine Scheu hatten, diese Spielhaltung auf die Spitze zu treiben und dem MSV Duisburg den Ball meist überließen, war sie bei den Zebras nur versteckt in deren Angriffsbemühungen zu erkennen. Wer den Ball in Richtung gegnerisches Tor bewegt, wird schließlich automatisch unter der Rubrik Offensive wahrgenommen.

Ruhig und kontrolliert sollte das Stuttgarter Defensivbollwerk bearbeitet werden. In der ersten Halbzeit zu ruhig, um viele Chance zu kreieren. Denn in diesem Abwehrverband gab es so wenig Lücken, dass die Spieler des MSV sich hätten viel mehr bewegen müssen bei ihrem kontrollierten Spiel, um die Abwehrspieler auseinander zu ziehen. Ich deute es so: wer sicher gehen möchte, hält sich erst einmal zurück und hofft in der langen Zeit bis zum Abpfiff dennoch zur einen todsicheren Chance zu kommen. So eine vermehrte Bewegung bringt nämlich auch Unruhe in die eigene geordnetete Formation und macht die Mannschaft anfälliger beim möglichen schnellen Umschaltspiel des Gegners. Diese eine große Chance hat es dann auch gegeben. Doch wenn so eine einzige Chance dann nicht genutzt wird, siehe oben, bleibt nichts mehr für ein  mögliches Tor. Nach einem steilen Pass von Phil Ofosu-Ayeh schoss Kingsley Onuegbu aus vollem Lauf, etwa drei Meter vor dem Tor, darüber.

Die bedächtige Spielweise war noch ein versteckter Hinweis auf Vorsicht bei den Zebras. Sehr viel deutlicher wurde es in der ersten Halbzeit bei genau solch einem Umschalten. Kurz hinter der Mittellinie eroberten die Zebras den Ball. Ein Angriff begann in Dreierformation gegen etwa sechs sich formierende Stuttgarter. Zaghaft nur rückte der Rest der Mannschaft nach. Ein großes Loch tat sich in genau jenem Moment auf, in dem der Rückpass auf die zweite Reihe hätte erfolgen müssen. Niemand war da. Drei Mann rannten sich in der Abwehrreihe fest.

Eins nach dem anderen bedeutete für den MSV aber auch, wenn es mit dem bedächtigen Spiell nicht klappt, versuchen wir es in der zweiten Halbzeit mit mehr Druck. Nun wurden beim Kurzpassspiel über die Flügel mehr Spieler eingebunden, die Laufbereitschaft war größer. Dennoch kam der MSV nicht einmal mehr zu einer Chance. Denn die Stuttgarter wollten noch mehr nur das eine. Es wurde immer dichter hinten, die Spieler ließen sich kaum noch aus ihrer gut funktionierenden Staffelung herauslocken. Um diese Staffelung zu überspielen hätte der MSV beim Spiel über Außen risikobereiter sein müssen. So wurde mit viel Aufwand die erste Verteidigungslinie überspielt, anschließend wären sie fast manchmal an der zweiten vorbei gewesen, doch dann folgte ein sicherer Rückpass, wenn der unsichere Steilpass nötig gewesen wäre. Eins nach dem anderen, eben.

Bessere Fähigkeiten beim Ball stoppen und präzisere Anspiele wären für so ein Kurzpassspiel zwar keine schlechten Voraussetzungen, aber  auch für Spieler mit besseren technischen Fähigkeiten ist es in solchen Spielen schwierig, das Risiko abzuwägen, wie sehr sie den Druck aufs gegnerische Tor intensivieren können, ohne die Defensive zu entblößen. So ist es vielleicht doch keine schlechte Idee, das eine vor dem anderen im Blick zu halten, weil die sportlich Verantwortlichen um die Möglichkeiten und Anfällligkeiten dieser Mannschaft wissen. Schön anzusehen ist das nicht. Ganz zu schweigen davon, wenn bei dem Ganzen ein 0:0-Unentschieden als Ergebnis herauskommt. Gut, dass wir auf den Rängen dann ein wenig freier im Umgang mit den Notwendigkeiten sind und uns um das andere vor dem einen kümmern können.

Der Kürzest-Spielbericht vom SWR von  circa 1.40 Minuten bedient sich mangels attraktiver Spielszenen einer Flut von O-Tönen. Was mir aber das schillernde Erlebnis beschert dem Mehmet Scholl aktiver Zeiten in der Person von Tobias Rathgeb vom VfB beim Interview wiederzubegegnen. Da morpht sich dessen Gesicht mir immer wieders ins Bewegtbild.

Denksport mit Huub und ein Flutlichtspiel der Funkel-Ära

Wenn der MSV Duisburg gegen gegen Zweitvertretungen von Bundesligavereinen antritt, können wir aus Pressekonferenzen des gegnerischen  Vereins eine Denksportaufgabe machen. Huub Stevens hat nämlich einiges über das Auswärtsspiel vom VfB Stuttgart II beim MSV Duisburg zu sagen. Ihr dürft euch nur nicht davon irritieren lassen, dass er andauernd einen anderen Gegner seines Vereins nennt. So erfahren wir das Khedira nicht spielt und Cacau auch nicht. Schon wissen wir, selbst wenn das Spiel des MSV gegen VfB II sonntags stattfände, so viele  Überraschungen wird die von Karsten Baumann auf der Pressekonferenz erwartete Wundertüte VfB II nicht bereiten. Die Bundesligaspieler werden in der Bundesliga gebraucht. Dagegen wäre es eine schöne Überraschung für mich, wenn den Zebras nicht nur ein vierter Sieg in Folge gelänge, sondern auch die passablen spielerischen Ansätze der letzten Begegnung gegen die defensiv ausgerichteten Saarbrücker auch vor dem heimischen Publikum zu sehen sein könnten.

Angesichts der guten Nachrichten in der letzten Woche rund um den MSV Duisburg, egal ob in sportlichen, wirtschaftlichen oder filmischen Belangen,  möchte ich uns den Rückblick auf ein anderes Flutlichtspiel des MSV Duisburg gegen den VfB Stuttgart gönnen. Damals, allerdings an einem Sonntag, am 24.11.1996,  kam die erste Mannschaft der Schwaben als Spitzenreiter ins Wedaustadion zum MSV, der als Aufsteiger in die Saison gegangen war. Vor dem Spieltag belegten die Zebras, trainiert von Friedhelm Funkel, den 15. Tabellenplatz, nach dem Spiel war die Mannschaft 13. und der VfB Stuttgart rutschte auf den 2. Platz ab. So etwas geschieht, wenn der MSV gewinnt. 3:1 lautete der Endstand. Die Daten zum Spiel gibt es mit einem Klick weiter beim Kicker. Ein paar Geschichten stecken in diesem Spiel, Geschichten, die längeren Vorlauf für das Schreiben brauchen. Joachim Löw war damals Trainer des VfB. Der heutige VfB-Sportdirektor Bobic hieß zusammen mit Balakov und Elber „Magisches Dreieck“, was seitdem unter VfB-Titelschutz steht. Auf Zebraseite gefielen mir ganz besonders mal ein paar Worte zum Duo Wohlert und Wolters. Ab auf den Notizzettel.

Hier aber nun die Bewegtbilder des damaligen Ran-Berichts mit dem Kommentar von Werner Hansch. Als Ansporn für die Zukunft auf wirtschaftlich gesunder Basis für die mittlere Frist und als vorbildhaftes Ergebnis für diesen Spieltag.

 


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