Posts Tagged 'VfL Bochum'

Bochum, wir war’n bei dir… und deinem VfL

Auf die eigene prophetische Gabe zu verweisen, kommt immer dann gut, wenn die Prophezeiung eingetroffen ist. Eigentlich braucht dieser 2:0-Sieg nichts anderes als den Verweis auf meine gestern online gestellte Fassung von Grönemeyers Bochum. Es fehlte nur das konkrete Ergebnis. Was für ein überzeugender Auswärtssieg. Was für ein selbstbewusster Auftritt von Mannschaft und Anhängern des MSV, und welch zerrüttetes Auftreten des VfL.

In Bochum ist gerade zu sehen, wie Funktionäre, Anhänger und Mannschaft in gemeinsamer Anstrengung versuchen,  aus einer Situation das Schlechteste zu machen, was möglich ist. Der MSV hat diese gemeinsame Anstrengung in Bochum von Anfang in jeglicher Hinsicht genutzt. Wir, in der Gästekurve, haben dieses Stadion zu einer Exklave Duisburgs gemacht, weil der Protest der Bochumer Anhänger gegen die Arbeit der Vereinsverwaltung den Heimsupport auf ein Minimum herunterschraubte.

Die Mannschaft des VfL tat ihren Teil, trat vorsichtig auf und schien immer ratloser zu werden. Das selbstbewusste, hohe Attackieren der Zebras machte einem anfänglich vorhandenen Versuch, das Spiel zu entwickeln, den Garaus. Die Bochumer bekamen so viel damit zu tun, das eigene Tor zu verteidigen, dass sie kaum mehr in die Nähe des Duisburger Strafraum kamen.

Ein einziges Mal ergab sich in der Mitte der ersten Halbzeit eine sehr torgefährliche Bochumer Chance. Kurz hatte ich die Sorge, es könne sich der Anfang der Saison wiederholen. Der MSV macht das Spiel und der Gegner die Tore. Doch zu fehlerhaft spielten die Bochumer inzwischen. Was war das für ein Festival an einfachen Ballverlusten, Pässen ins Aus und verstolperten Dribblings auf Bochumer Seite.

Die Zebras haben die Bochumer Spieler aber auch zu diesen Fehlern gezwungen. So viel Druck wurde auf jeden Bochumer nach der Ballannahme ausgeübt, und die zweiten Bälle blieben fast immer in den Reihen des MSV. Nach Balleroberungen ging es schnell Richtung Bochumer Tor, wenn auch zunächst die große Gefahr ausblieb. Doch einer dieser Konter führte schließlich zum Führungstreffer. Wieder war es Ahmet Engin, der Fahrt aufnahm, quer legte und Stanislav Iljucenko schoss dieses Mal von der Strafraumgrenze aus. Ein variables Konterspiel über mehrere Stationen mit dem Auge der Spieler für die Möglichkeiten. Das ist die Botschaft, die das Tor auch in sich trägt.

Neulich las ich, Enis Hajri träume von der WM. Gestern dachte ich, ja, richtig so. Dieser Traum macht dich immer besser. Das Bochumer Angriffsspiel lief in der ersten Halbzeit nur über seine Seite. Die Mannschaft stand hoch, entsprechend groß war die Möglichkeit mit einem weiten Pass überspielt zu werden. Das geschah zwei-, dreimal und war eben Folge der Taktik. Das machte mich erst nervös. Doch irgendwann hatte er sein Stellungsspiel perfekt im Griff. Sein Auftreten zeugt inzwischen von einem Selbstbewusstsein, das Staunen macht. Enis Hajri hat sich frei gespielt. Seine Dribblings werden immer geschmeidiger und lassen jeden staunen, der seine Ballführung aus Drittligazeiten noch vor Augen hat. Deshalb konnte er kurz vor dem Halbzeitpfiff über den Flügel gehen und in den Strafraum ziehen, wo er gefoult wurde. Kevin Wolze verwandelte den Elfmeter zur 2:0-Führung.

Diese Führung reichte dem MSV in der zweiten Halbzeit bis zum Schlusspfiff. Mir hat es nicht gefallen, dass die Mannschaft in den ersten 20 Minuten dieser zweiten Halbzeit passiver aufgetreten ist. Gegen einen anderen Gegner hätte das ins Auge gehen können. Erst im weiteren Verlauf wirkten die Spieler wieder so präsent, dass die Bochumer keine Ruhe mehr zur Ballverarbeitung besaßen. Diese Ruhe hatten die Zebras ihnen zunächst aber gegeben. Entsprechend druckvoller wurde der VfL. Das Risiko ein Gegentor zu erhalten, war für eine Zeit größer geworden. Und wie gesagt, dieses Risiko ist der MSV nach dem Wiederanpfiff eingegangen und hatte sich Bochum keineswegs erspielt.

Von etwa der 70. Minute an entspannte ich mich. Der MSV hatte das Spiel wieder vollkommen im Griff. Bochumer Angriffe wirkten wie das aufgeregte Anlaufen gegen eine Mauer. Die Spieler prallten ab oder schossen über und neben diese Mauer. Der MSV hatte Chancen, uns alle in der Gästekurve mit einem dritten Tor schon im Spiel vollkommen euphorisch zu machen. Diese Chancen wurden nicht genutzt. Womöglich hätte uns das auch überfordert mitten in der Woche. Solche ausufernde Feste vertagen wir auf die Wochenendspieltage.

Im Knödelgesang Grönemeyers nun alle zusammen: „Bochum, wir war’n bei dir. Bochum,  wir b’siegen dir. Tja, Glück auf. Duisburg.“

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Bochum, wir komm’n zu dir

Singbar nach einer altbekannten Weise des Herrn Grönemeyer

Richtung Osten,
wo`s den Verein g’rad zerhaut,
geht’s durcheinander,
viel schlimmer
viel schlimmer als man glaubt.
Von uns aus im Osten.
Von uns aus im Osten.

Man träumte vom Aufstieg
und spielte nur mau.
Der VauEfEl muss siegen.
Gibt sich als ehrliche Haut.
Leider wurd´s total versaut,
und das macht ihn g’rad aus.

In den Gremien herrscht Ärger.
Man hört ihn laut in der Nacht.
Nicht jeder ist so bescheiden,
dass er sich nur für die Sache ganz stark macht.
Du Club im Revier.

VauEfEl, wir komm’n zu dir.
VauEfEl, so siegen wir.
Tja, Glück auf.
Duisburg.

Es gibt keine Ruhe.
Trainer wechseln zuhauf.
Enttäuscht sind auch Spieler,
denn wenn das Herz nicht zählt,
bleibt nur noch großes Geld.
Wer bleibt dann beim VauEfEl?

VauEfEl, wir komm’n zu dir.
VauEfEl, so siegen wir.
Tja, Glück auf
Duisburg.

Das Stadion wird nicht einmal voll sein.
Trotz Derby, trotz Not.
Eine Mannschaft ohne Glauben
schafft keinen Doppelpass,
ist mutlos und bleibt blass,
dieser VauEfEl.

VauEfEl, wir komm’n zu dir.
VauEfEl, so siegen wir.
Tja, Glück auf.
Duisburg.

Zeitreisen mit Christian Hochstätter

Der MSV empfängt morgen den VfL Bochum zum ersten Heimspiel der Saison. Die Bochumer wollen in dieser Saison oben mitspielen. So salopp spricht das Sportdirektor Christian Hochstädter auf der Pressekonferenz vom VfL Bochum aus, als es zum wiederholten Male für die Journalisten um den Anspruch des VfL beim Spiel in Duisburg geht. Wer oben mitspielen will, möchte natürlich gewinnen bei einem Verein, der sich nichts anderes als den Klassenerhalt wünscht.

Gewinnen will auch VfL-Trainer Ismail Atalan, obwohl er weiß, wenn seine Mannschaft nur ein Prozent weniger als die von ihm erwartete Leistung zeige, werde sie verlieren. Werde der MSV doch durch die Euphorie getragen und vom Publikum nach vorne gepeitscht. Die Mannschaft habe Qualität und brauche kenne viele Abläufe, ohne sie überhaupt noch sehr trainieren zu müssen. Der Trainer hat Respekt vor den Zebras. Das klingt gut in meinen Zuschauerohren, und ich werde gewiss, morgen alles dazu beitragen, dass jenes Eregebnis eintritt, das Christian Hochstätter anscheinend schon gesehen hat.

Er wird gefragt, wie wichtig der Sieg im Derby sei gegen den MSV mit einem so anderen Anspruch als die Bochumer. Darauf antwortet er ab Minute 18.50, sie seien mit einem Anspruch in die Saison gegangen. Der erste Anlauf habe nicht geklappt. Dann folgt zwei Sätze später, gegen Duisburg (!) habe er viele Dinge gesehen, die er gut fand. Es seien auch Dinge dabei gewesen, die er nicht so gut fand. Eine Sensation, die untergeht. Christian Hochstätter kennt das Ergebnis vom Spiel morgen. Christian Hochstätter kann offensichtlich Zeitreisen. Er macht keine große Sache draus. Für uns aber zählt: So klingt kein Sportdirektor nach einem Sieg. Wie das Spiel ausgeht, verschweigt er. Dennoch verrät uns Christian Hochstätter eins, die Bochumer werden auch nach dem Spiel gegen den MSV enttäuscht sein. Auch beim zweiten Mal wird es mit dem Anspruch nicht geklappt haben.

 

Die ganze Region? Aber, Herr Weinzierl!

Wenn ein Bayer der Süddeutschen Zeitung in einem Interview über seinen Eindruck spricht, welche Bedeutung der FC Schalke 04 hat, dann weiß man als Ruhrstädter sofort, der Mann ist noch nicht lange im Ruhrgebiet zu Hause. Schalke-Trainer Markus Weinzierl weiß noch nicht viel über das Ruhrgebiet, wenn er die drei Wörter „ganze Region“ und „Schalke“ in einem Satz unterbringt. Also, Herr Weinzierl, Sie können ja nichts dafür, aber das sollten Sie Herrn Heidel auf jeden Fall  raten, der FC Schalke 04 braucht für seine neuen Mitarbeiter noch eine Einführung in Heimatkunde. Das Ruhrgebiet – eine Region der Fußballstadttteile, oder so ähnlich.

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Warum BILD-Nachrichten über den MSV immer unwichtig sind

Ich muss gerade mal ganz, ganz schnell daran erinnern, dass man BILD-Nachrichten über den MSV Duisburg niemals wichtig nehmen darf.  Niemals! BILD ignorieren. Grundsätzlich. Keine Ausnahme. Ich muss daran erinnern, weil gestern doch glattweg der BILD-Mann Joachim Droll mit seinem Text zu Bernd Maas und dem MSV das erreichte, was er bezweckte. Nämlich ein Gefühl der Zwietracht und Unzufriedenheit mit Menschen rund um den MSV bei einigen, denen der MSV sehr am Herzen liegt. Zwar hielt sich das in Grenzen, doch nur einer, der auf ihn reinfällt und sich Gedanken über Sponsoreneinfluss macht, ist einer zu viel, und wenn ich den einen mit meinem Appell erreiche, ist für das nächste Mal, wenn es wirklich ernst ist, viel gewonnen.

Joachim Droll ist der Tullius Destructivus des Pott-Fußballs. Ihr erinnert euch doch an Cäsars Sonderbeauftragten aus dem Asterix-Band XV Streit um Asterix? Cäsar schickt ihn ins gallische Dorf, um den Zusammenhalt dort zu zerstören. Überall wo Tullius auftaucht, intrigiert er. Sofort bricht Streit aus und alle schlagen sich gegenseitig die Köpfe ein. Beim VfL Bochum hatte der BILD-Tullius auch seine Finger im Spiel. Dort wurden Fragen von Joachim Droll im Dezember nicht mehr beantwortet, berichtet BILDBlog. Das hatte eine längere Vorgeschichte, die schon im September jene legendär gewordenen Worte von VfL-Trainer Gert Verbeek hervorrief.

Joachim Drolls Ansinnen ist also keine Berichterstattung sondern Zwietracht sähen. Das hat er mit seinem Text über Bernd Maas und den MSV wieder versucht. Entnommen habe ich das mancher Reaktion auf den Text, ihn zu lesen habe ich mir gespart. Unzweifelhaft unter den Anhängern ist die Leistung von Bernd Maas bei der Rettung des MSV. Ich möchte sie auch noch einmal hervorheben, weil ich durch die Interviews zu dem Buch über die zwei Drittligajahre noch einmal das Ausmaß der damals geleisteten Arbeit sehr lebendig vor Augen geführt bekam.

Bernd Maas installierte  beim MSV eine Controlling-Software, als die Nachricht von der ausbleibenden Lizenz die Runde machte. Er bot sofort seine Hilfe an. Nach der Entlasssung von Roland Kentsch war er der einzige Mann im gesamten Verein, der wenigstens ansatzweise einen Einblick in die Zahlen hatte. Kentschs Mann für die Finanzen hatte sich am Tag des Lizenzentscheids krank gemeldet, weil er zu Hause die Treppe herunter gefallen war und sich dabei verletzt hatte. Bernd Maas arbeitete sich innerhalb kurzer Zeit in die vollständige Finanzsituation des MSV ein. Schon damals war es aber keineswegs im Lebensplan von Bernd Maas vorgesehen gewesen, noch einmal Geschäftsführer eines Fußballsvereins zu werden. Dazu waren seine Erfahrungen in Dresden zu schlecht gewesen. In Duisburg übernahm er diesen Job dann schließlich doch, weil er im Ruhrgebiet zu Hause ist. Sein Entschluss ergab sich in einer Mischung aus geschaffenenen Tatsachen durch seine für den MSV geleistete Arbeit und bewusster Entscheidung. Das muss man wissen, wenn man sich fragt, warum der Vertrag mit ihm auslief.

Wer nun die Nichtverlängerung seines Vertrages dazu nutzt, irgendwen, der dem MSV Duisburg gewogen ist, zu diskreditieren, wirft mit Dreck, sonst nichts. Den Dreck findet er nicht beim MSV. Den Dreck holt er aus dem eigenen Haus. Dort liegt er haufenweise rum. Und wer noch einen Beweis dafür braucht, der lese meinen oben verlinkten Text, denn wir alle, wir Anhänger des MSV, sind ebenfalls schon mit diesem Dreck beworfen worden. Im Sommer 2013 sollen unsere Aktionen rund um den MSV Duisburg nämlich nichts anderes gewesen sein als ein blinder Reinfall auf Manipulationen durch Vereinsverantwortliche wie Markus Räuber und dem Vertreter des Hauptsponsors Andreas Rüttgers. Zu dummen Schäfchen hat er euch damals machen wollen, der Joachim Droll. Vergeblich. Ihr seid nur diese dummen Schäfchen, wenn ihr schon ein Wort von ihm glaubt, selbst wenn es zufällig einmal die Wahrheit sein sollte.

Erinnert euch ans „Streifen zeigen“ – Bengalos, Maas und Prügeleien

Einige von euch wissen, dass ich mich gerade für ein Buch sehr intensiv mit den Monaten nach dem Zwangsabstieg beschäftige. Was war das für eine Zeit in diesem Sommer 2013. Was haben alle Menschen rund um den MSV Duisburg damals geleistet. Welchen Einsatz für diesen Verein MSV Duisburg haben die Verantwortlichen, die Mitarbeiter auf allen Ebenen, die Anhänger in diesen Tagen gezeigt. Es gab nur ein Ziel, dieser Verein muss irgendwie weiterleben. Was für einen Zusammenhalt gab es damals.

Anscheinend geht es uns allen mittlerweile wieder zu gut. Wir können unsere eigenen Scharmützel pflegen, uns gegenseitig beschimpfen, die übelsten Motive für ein Handeln dem jeweils anderen unterstellen. Wir müssen nicht mehr respektvoll miteinander umgehen. Der Verein ist ja da. Was stören uns dessen weiterhin vorhandene finanziellen Schwierigkeiten. Wird schon nicht so schlimm werden. Es geht schließlich manchmal auch um mehr als den Verein, es geht um die Wahrheit. Und dagegen ist der MSV Duisburg ein kleines Licht. Denn der MSV Duisburg ist wieder nicht immer der MSV Duisburg. Der MSV Duisburg ist manchmal wieder irgendeiner der Verantwortlichen des Vereins, die ohnehin ihre Arbeit nie so gut machen, wie wir es jederzeit könnten. Und da gibt es keine Kompromissse. Wer meine Wahrheit nicht einsieht, ist mein Feind und schadet der guten Sache. Irgendwie ist diese gute Sache auch  der MSV, aber bitte ohne all diejenigen, die meine Wahrheit nicht einsehen. Die können wir nicht gebrauchen. Deshalb ist es nur richtig mal ordentlich auf die Kacke zu hauen, wenn einem jemand mit seinen anderen bescheuerten Ansichten über das, was richtig und wahr ist, in die Quere kommt.

Zugegeben, das ist nur der Eindruck, der sich im Netz ergibt, wenn die Anhänger des MSV über die Prügelei zwischen den Fans in der eigenen Kurve reden und über Bernd Maas, der mit seinem Gang in die Kurve nach dem Spiel als Auslöser dieser Prügelei gilt. Doch dort im Netz bewegt sich der aktivere Kreis der Anhänger des MSV. Dort entsteht eine Grundstimmung rund um den MSV. Deshalb ist es so enttäuschend für mich während meiner Beschäftigung mit dem Sommer 2013 so viele dieser laut schreienden Stimmen zu lesen.

Die Öffentlichkeit weiß aus der lokalen Presse nur von der Prügelei und nimmt sie schlechtenfalls als Makel für den MSV wahr. Was dahinter steckt, weiß diese Öffentlichkeit nicht. Das interessiert auch die meisten Anhänger dieses Vereins nicht. Den Verein aber muss das interessieren, weil es bei dieser Auseinandersetzung um den Kern der Fanszene geht, weil die öffentliche Wahrnehmung des Vereins durch so etwas in Mitleidenschaft gezogen wird und weil der Vorwurf im Raum steht, der MSV-Geschäftsführer Bernd Maas trage daran Schuld.

Die Fakten zur Prügelei: MSV-Geschäftsführer Bernd Maas geht nach dem Spiel mit einigen Spielern in die Kurve. Wütende Mitglieder der „Kohorte“ werfen Bierbecher in seine Richtung, ein Fahnenhalter fliegt auch. Das Fangnetz hält alles ab. Laut Augenzeugenberichten verstehen das andere noch anwesende Teile der Fanszene als Angriff gegen die Spieler. Die Prügelei beginnt.

Der Hintergrund: Im Spiel gegen den 1. FC Kaiserslautern werden im Gästeblock des MSV Duisburg Bengalos abgefackelt. Bei der DFL wird der MSV als Wiederholungstäter geführt. Noch während des Spiels postet Bernd Maas auf seinem privaten Facebook-Account mit klaren Worten seinen Unmut über die Bengalo-Aktion. Das Posting macht im Netz die Runde. In den Tagen nach dem Spiel bittet der Verein um Mithilfe bei der Identifizierung der Bengalo-Halter. Von Fanseite gibt es den Vorwurf, der Verein rufe zur Denunziation auf. Im Spiel gegen den VfL Bochum wird im Fanblock der Kohorte ein Spruchband hochgehalten mit der Aufschrift: „Gestern noch ‚Gänsehaut‘, heute Täter. MSV ihr Verräter!“ [„MSV“ und „ihr“ ist meine Vermutung, auf dem Foto nicht klar erkennbar] An der Bande hing ein Banner mit der Drohung „Noch so´n Spruch Spielabbruch“.

Es wäre schon viel gewonnen, wenn in dieser Diskussion gerade keine Mutmaßungen über Motive angestellt werden, sondern nur reines Handeln bewertet wird. Das reicht schon, um aus dem Ganzen zu lernen, wenn man es denn will. Vielleicht muss man sich dafür tatsächlich an den Sommer 2013 erinnnern, weil damals außer Frage stand, welches Motiv die Handelnden alle hatten. Das war damals das Wohl des MSV Duisburg. Bei allen unterschiedlichen Meinungen muss das immer mal wieder in Erinnerung gerufen werden, dass das auch heute die Grundlage für das Handeln der Verantwortlichen ist.

Wie ist nun das Handeln von Bernd Maas ohne Mutmaßungen genau zu bewerten? Ich meine, Bernd Maas hat sich unnötigerweise Weise angreifbar gemacht, indem er sich als Privatperson zu dem Bengalo-Vorfall schon in Kaiserslautern geäußert hat. Sein Unmut ist verstehbar. In einem sozialen Netzwerk mit seinem unkontrollierbaren Massenbewegungen sich zu positionieren halte ich aber für falsch. Schließlich ist diese Bengalo-Aktion ja nur symbolische Handlung in einem viel größeren, grundsätzlichen Konflikt, den der offizielle Fußball mit einem Teil der Fanszene bestreitet. Von Anfang an hätte nur der MSV Duisburg sich positionieren dürfen.

Nun zum Vorwurf des Denunziations-Aufrufs: Indem der MSV Duisburg am Spielbetrieb der DFL teilnimmt, unterliegt er den Regularien der DFL. Der MSV stand nach dem Spiel gegen Kaiserslautern unter Druck beweisen zu müssen, dass er zur Aufklärung des Geschehens seinen Teil leistet, und das öffentlich. Nichts anderes ist geschehen. Der 1. FC Köln hat das in der letzten Saison nach dem Platzsturm seiner Fans in Mönchengladbach auf genau dieselbe Weise gemacht. Damals hat dem 1. FC Köln niemand etwas vorgeworfen. Sollte jemand meinen, es seien auch unterschiedlich schwere Vergehen, so sage ich, das eine ist so verboten wie das andere. Und wer sich etwa an die Pyro-Aktion im Bochumer Block erinnert, wird vielleicht die Leuchtspurmunition noch vor Augen haben, die unter das Tribünendach geschossen wurde und als Querschläger zurückkam. Der Ordner, neben dem diese Munition vielleicht um Schultersbreite niederschlug, wird sicher immer wieder gerne stimmungsvolle Pyro-Technik sehen wollen.

Es war also im Hinblick auf die DFL nicht möglich, in dieser Woche das Geschehen lautlos aufzuklären. Die DFL möchte Signalwirkung, und daran kann ein MSV Duisburg nichts ändern, und schon gar nicht ein Bernd Maas. Der MSV Duisburg hat bei der DFL nicht das Standing, um solche Dinge lautlos zu regeln. Das müssen wir in Duisburg leider festhalten. Es gibt andere Vereine mit anderen Fankulturen, da geht das vielleicht. Ich weiß das nicht. Ich weiß nur, in Duisburg geht es keinesfalls.

Der Gang in die Kurve: Es gab während des Spiels die Banner. Im Grunde gleicht die Kurve den sozialen Netzwerken in der realen Welt. Dort geht es nicht um konstruktiven Austausch, sondern darum Flagge zeigen. Es stellt sich also die Frage, ob der Zeitpunkt richtig war. Gäbe es nicht eine stets  latent vorhandene Konfliktstimmung in der Kurve, wäre es womöglich ein Versuch wert gewesen. Hätte Bernd Maas die zusätzliche Brisanz in dem Moment erkennen müssen?  Im Nachhinein war es ein Fehler in die Kurve zu gehen. Er hat die Situation unterschätzt. Er sah sich zudem wahrscheinlich nicht als Teil eines größeren Konflikts im Fußball. Er sah sich als Teil des MSV, der mit Leuten, die auch Teil des MSV sind, sprechen kann. Das ist nicht mehr immer der Fall. Der Zusammenhalt des Sommers 2013 hört an dieser Stelle auf. Da dürfen wir uns nichts vormachen.

Es nutzt aber auch nichts mit den Fingern auf die Kohorte zu zeigen oder meinetwegen auf die PGDU, um auf diese Weise Schuld auf die andere Seite zu verteilen. Die Ultrabewegung ist ein Teil der Jugendkultur, und in solchen Jugendkulturen geht es immer um absolute Wahrheiten, um Gruppenzugehörigkeit, um soziale Heimat. Repression alleine stärkt dann den Gruppenzusammenhalt.  Diesen Spagat muss der MSV Duisburg leisten: Der Verein muss der DFL genüge tun und durch intensive Fanarbeit den Kontakt zu den Fangruppen nicht verlieren. Diese Fanarbeit wird nicht jeden der Fansszene erreichen. Auch da dürfen wir uns nichts vormachen. Geleistet werden muss sie dennoch. Die Anforderungen der DFL sind erfüllt worden. Nun gilt es, lautloser weiter zu machen, die entstandenen Konflikte wieder zu beruhigen. Die Fansszene des MSV ist zu klein, als dass solche Konflikte unbefriedet bleiben können.

Ohne Tore kann der Beste nicht gewinnen

Eine Szene kommt mir immer wieder in den Sinn, wenn ich an das Spiel des MSV Duisburg gegen den VfL Bochum denke. Sie kommt mir in den Sinn, während ich Mühe habe, ein paar Worte über dieses torlose Unentschieden gestern zu schreiben.

Erschöpfend war die Enttäuschung, das eine wichtige Tor vom MSV nicht gesehen zu haben. Erschöpfend bis heute morgen, und vielleicht sehe ich wegen dieser Enttäuschung James Holland immer wieder so lebendig vor mir, wie er zum Kopfball hochspringt, vollendet in der Bewegung, perfekt im Timing. Besser lässt sich ein Ball nicht treffen. Mit aller Kraft köpfte er, allerdings stand er vor dem eigenen Tor. Er klärte eine Flanke und köpfte knapp übers Eck. Wie oft sieht man einen verteidigenden Spieler vor dem eigenen Tor in solch einer Weise, die an das Offensivspiel der eigenen Mannschaft erinnert? Irgendwie scheint mir diese Szene sinnbildhaft für das Spiel zu sein.

Warum das so ist, weiß ich gerade nicht. Auf der Hand liegt das nicht. Wahrscheinlich kommt mir verrätseltes literarisches Schreiben in die Quere. Ich sage ja, ich bin zu erschöpft. Da gerät das Handwerkszeug schon mal durcheinander. Es fällt mir nicht leicht zu akzeptieren, dass eine gute Leistung des MSV nicht zum Sieg gereicht hat. Die Mannschaft hatte das Spiel im Griff. Sie begann stark und ließ den Bochumern keinen Raum für das eigene Spiel. Wie lange dauerte es, bis der VfL in den Anfangsminuten überhaupt einmal über die Mittellinie kam? Das war ein Zeichen. Allerdings kam der MSV bei diesem größeren Ballbesitz in dieser ersten Halbzeit dem Bochumer Tor kaum nahe, hingegen wir zweimal bei großem Tohuwabohu im Strafraum Angst hatten, den Bochumern könnte eine Zufallstreffer gelingen. Dem war nicht so, weil jeder Spieler des MSV sich mit großer Entschlossenheit dem Ball in diesen kurzen Szenen, ob bei Pass, Dribbling oder Schussversuch entgegenwarf. An der Stelle lässt sich nicht mehr verlangen. Die Spieler wollten den Sieg. Sie wollten ihn mit ganzem Herzen. Jeder in der Mannschaft.

Dennis Grote hat ja zu alten spielerischen Qualitäten zurückgefunden und war eine der Stützen dieses Spiels. Der ebenfalls stark spielende Tim Albutat hingegen hat sich auf ein Niveau entwickelt, das wir in Duisburg von ihm noch nicht kannten. Wie er gestern auch unter Druck in der Vorwärtsbewegung den Ball immer behauptete und den Anschlusspass noch sicher nach vorne an den Mann brachte, das machte Freude. Überhaupt wirkten alle Spieler wieder gefestigt und selbstbewusst. Ballsicherheit war zurückgekehrt. Ballsicherheit! Dass ich dieses Wort wieder schreiben kann. Eigentlich gab es die Grundlagen für starken Beifall. Wenn nur nicht die Abschlussschwäche gewesen wäre.

Nach der Halbzeitpause war das Spiel sofort offener. Beide Mannschaften versuchten entschiedener in den Strafraum zu dringen. Erneut gelang es dem MSV das Spiel in die Hand zu bekommen, und die Mannschaft schaffte es zu Abschlüssen. Wo zu Beginn der Saison der Gegner ohne Torwart hätte spielen können, musste VfL-Torhüter Manuel Riemann den Ball tatsächlich auch immer wieder aufnehmen. Allerdings hätte auch dessen Vorgänger im Tor, der suspendierte Andreas Luthe, keine Probleme bekommen. Die Torschüssse blieben zu harmlos. Der MSV erspielte sich nun Chancen, von denen die Offensivspieler einer besser platzierten Mannschaft doch sehr wahrscheinlich eine genutzt hätten. Wahrscheinlich ist das der Grund für meine wiederkehrende Erinnerung an die Szene mit James Holland, ein Sinnbild für das Unmögliche im Spiel des MSV gegen den VfL Bochum, ein eigenes Tor zu erzielen.

Wie gehen wir mit einer guten Leistung um, die ohne Sieg bleibt? Wie gehen wir mit einem torlosen Unentschieden um, wenn drei Punkte das Ziel gewesen sind? Rein rechnerisch wird die Chance auf den Relegationsplatz immer kleiner. Die Leistung der Mannschaft kann aber weiter Hoffnung machen. Einmal mehr heißt es, immer weiter, immer weiter. Die Stimme, mit der ich das sage, klingt allerdings noch ziemlich müde.


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