Posts Tagged 'VfL Bochum'



Selbst ist der Mann, wenn die Mannschaft chancenlos ist

Noch nicht jede Zweitligamannschaft habe ich ein ganzes Spiel lang gesehen. Das muss ich dringend nachholen. Einzelne Schwächen des Gegners wären schon mal eine erste Grundlage, um meine Hoffnung auf Erfolge des MSV etwas zu stärken. Die Mannschaft alleine gibt mir gerade kaum eine Möglichkeit zu glauben, dass Gino Lettieris Sätze vor dem Auswärtsspiel gegen den VfL Bochum eine realistische Aussicht beschreiben. Sinngemäß sagte er ja, es ginge nur darum, dass am Ende der Saison der MSV vor drei anderen Mannschaften stehen würde. Die Spiele gegen den VfL Bochum und den 1. FC Kaiserslautern stellen die Frage, wie das gelingen soll?

Ich halte es ja immer für möglich, dass etwas gut ausgeht, solange nicht das Gegenteil geschehen ist. Heute muss ich mir diese Hoffnung mit richtiger Arbeit herbeischreiben. Ich muss einzelne Szenen im Spiel des MSV gegen den VfL vergrößern, sie als möglichen Anfangspunkt einer Entwicklung interpretieren. Ich muss die erste Halbzeit von der zweiten trennen. Ich muss zum Spiel vom Samstag noch einzelne Elemente des Spiels gegen den 1. FC Kaiserslautern hinzufügen. Ich brauche Fantasie. Ich muss richtig arbeiten für eine kleine Aussicht auf einen Erfolg des MSV. Selbst ist der Mann. Die Leistung der Mannschaft alleine gibt keine Hoffnung.

Nach dem mutigen, offensiver ausgerichteten Beginn im Spiel gegen den 1. FC Kaiserslautern sahen wir im Spiel gegen den VfL Bochum das Gegenteil. Gino Lettieri ließ Thomas Meißner als fünften, zusätzlichen Spezialisten für abwehrende fußballerische Fähigkeiten auflaufen. Eine Halbzeit lang gelang die Stärkung der Defensive auch ganz gut. Den Bochumern wurde das Leben sehr schwer gemacht. Auch wenn der VfL Bochum das Spiel überlegen gestaltete, kam der Ball nur zwei-, höchstens dreimal etwas gefährlicher in Tornähe. Man konnte das Gefühl bekommen, in der Defensive kommt die Mannschaft des MSV allmählich in der Zweiten Liga an.

Um als Mannschaft insgesamt in der Zweiten Liga zu bestehen, fehlten aber gelungene Offensivaktionen. Wer so defensiv spielt wie der MSV, braucht nach dem Ballgewinn ein präzises Zusammenspiel im Mittelfeld oder Spieler, die sich dank ihrer individuellen Qualitäten in dem großen, durch den Gegner frei gelassenen Raum durchspielen können. Beides gibt es beim MSV momentan nicht. Immer wieder gaben die Spieler des MSV bei der Ballannahme den Bochumern die Zeit, ihre defensiven Aufgaben zum Wohlgefallen ihres Trainers zu erledigen. So wurde in der ersten Halbzeit auch deutlich, ein Tor kann die Mannschaft nur mit großem Glück erzielen. Fiele das Gegentor, wäre das Spiel verloren.

Wenn eine Mannschaft so defensiv spielt, ohne dass ihr Offensivaktionen gelingen, macht sie den Gegner zudem selbstsicherer. Der VfL konnte mit Beginn der zweiten Halbzeit ein immer höheres Risiko eingehen und den Druck auf das Tor des MSV entsprechend verstärken. Deshalb ist der abgefälschte Schuss von Timo Perthel zum Führungstreffer der Bochumer auch kein Pech. Wieder gilt es zu warnen. Dieses Tor war kein Zufall. Die Wahrscheinlichkeit für so ein Tor war größer geworden.

Die Folgen von diesem Tor waren vorherzusehen gewesen. Nach diesem 1:0 wussten die Spieler des MSV, alle Anstrengung war vergebens gewesen. Denn wer so defensiv spielt, sieht sich selbst als sehr unterlegen an. In solch einer Unterlegenheit lässt sich nur schwer zurück schlagen. Stattdessen fielen zwei weitere Tore für den VfL. Dennoch sagte Thomas Bröker nach dem Spiel, „Nadelstiche“ habe man setzen können. Dieser Eindruck gehört aber wohl mehr zu der Rubrik, Mut machen für die Zukunft, als dass damit Momente des Spiels realistisch beschrieben werden. Sicher, es gab zwei oder drei Flügelläufe von Rolf Feltscher, aber die Wahrscheinlichkeit nach einer Flanke ein Tor zu erzielen ist sehr gering. Wenn Offensivaktionen ohnehin selten sind, müsste der Ball eigentlich vor dem Strafraum schon in der Mitte des Spielfelds vorgetragen werden. In dem Fall agierte die Mannschaft weniger mit Nadeln als mit Papprollen zum wilden Herumfuchteln.

Hoffnung für die Zukunft macht die Defensivarbeit der ersten Halbzeit im Spiel gegen den VfL Bochum und die Offensivaktionen der zweiten Halbzeit des Spiels gegen den 1. FC Kaiserslautern. Gino Lettieri wird sich also hoffentlich überlegen, wie beides in einem Spiel zusammen zu bringen ist. Währenddessen halte ich schon mal Ausschau, bei welchen Gegnern wir damit Erfolg haben könnten.

Kees Jaratz befragt das Teide-Orakel

Einem alten touristischen Brauch auf Teneriffa folgend sind wir gestern zum Teide gepilgert. So weit ich es beobachten konnte, ziehen sich dorthin aber auch einige Einwohner Teneriffas in die Einsamkeit der Touristenmasse zurück. Ich vermutete sehr, auch sie folgten einem alten Brauch und befragten vor einem wichtigen Ereignis in ihrem Leben den Berg nach ihrem Schicksal.

2015-07_teide_orakelDas Teide-Orakel befragen konnte ich auch. Denn das Auswärtsspiel des MSV gegen den VfL Bochum steht bevor, und es kommt mir einigermaßen wichtig vor, dass in dem Spiel die Mannschaft nicht noch einmal im Drittliga-Modus zu bestehen versucht. Allerdings erhielt ich eine Antwort, die mich nicht überzeugte. Mir wurden keine Details über Siegertore und Verliererehrentreffer in die Hände gespielt. Alleine die Anzahl der erzielten Tore sollte ich an meinen Fingern abzählen können. Das Orakel versprach, acht Tore werden in dem Auswärtsspiel fallen. Ob das sein kann? Und wenn ja, wie verteilt?

Die hohe Trefferzahl beunruhigt mich ein wenig, wenn ich an den Offensivfußball denke, den der Trainer des VfL Gertjan Verbeek so gern seine Mannschaften spielen lässt. Im Kicker wird er mit der Erwartung zitiert, der MSV werde hinten reingedrückt und der Vfl zeige dann, was er könne. Schnelles Umschaltspiel kann der MSV aber auch, wenn etwas Platz ist. Macht das Zitat also gleichzeitig auch Hoffnung? Etwas unzufrieden bin ich ja mit den Worten Gino Lettieris vor dem Spiel. Mir stehen „individuelle Fehler“ und „Handlungsschnelligkeit“ zu unverbunden nebeneinander. Aber vielleicht ist das auch zu viel Feinheit für grobe Vorberichterstattung. Vielleicht brauchen wir nur die dicken Pinselstriche. Acht Tore! Ich kann es immer noch nicht glauben.

Saisonvorbereitung – Worte über und Tore der Neuzugänge: Thomas Bröker

Immer wieder mal machen Anliegerstädte des Rheins in NRW erste Schritte, um gemeinsam stark zu werden. Die „Rheinschiene“ wird dann beschworen. Die Zusammensetzung dieser „Rheinschiene“ variiert dabei. Mal sind es Köln und Bonn, die irgendetwas gemeinsam entwickeln wollen, mal Duisburg und Düsseldorf, mal gesellt sich Düsseldorf aber auch zu Köln und Bonn. Das Bemühen um diese gemeinsame Stärke ist gar nicht so einfach, weil in den Städten der Konkurrenzgedanke weiterhin recht lebendig bleibt.

Betrachtet man den Werdegang von Thomas Bröker, wüsste ich schon eine Perspektive nach seiner aktiven Zeit. Durch seine Erfahrungen als Fußballer in Köln, Düsseldorf und nunmehr Duisburg bietet er sich als Berater für solche „Rheinschienen“-Projekte geradezu an. Schließlich mögen sich die Fans dieser Vereine nicht besonders. So musste Thomas Bröker durch Leistung und Persönlichkeit überzeugen, womöglich Vorurteile überwinden, grundsätzliche Abneigungen vergessen machen und diplomatisch sein. Beste Beraterqualitäten.

Nimmt man die hochgeladenen Clips bei youtube zum Maßstab, hat Thomas Bröker in Düsseldorf die stärkste Zeit seiner Karriere erlebt. Auch wenn ich vor ein paar Tagen schon an ein Tor von ihm als Spieler des FC gegen den MSV habe erinnert. Es mag allerdings auch damit zusammen hängen, dass er in Düsseldorf zur Zeit des Aufschwungs der Fortuna Richtung Bundesliga spielte und deshalb seine Tore besonders gewürdigt wurden. Andere als Düsseldorfer Tore habe ich jedenfalls nicht gefunden. Verschossene Elfmeter aus der Kölner Zeit wollte ich jedenfalls zu Beginn seiner Saison in Duisburg nicht hier zeigen. Wir haben in Duisburg ja auch recht sichere Elfmeterschützen.

Bei Fortuna Düsseldorf hat er sich anscheinend so große Sympathie erspielt, dass ihm eigene kleine „Specials“ gewidmet wurden. Leider bestehen die vor allem aus dem Aufwärmen und nur aus wenigen Spielszenen. Deshalb habe ich das zweite „Special“ gar nicht erst hierhin geholt. Beim Aufwärmen zeigt sich spielerische Qualität nun doch eher selten.

Allerdings gibt es das ein oder andere Tor von Thomas Bröker im Netz zu finden. Im Juli 2011 verliert er im Spiel von Fortuna Düsseldorf beim VfL Bochum zunächst beim Dribbling den Ball nahe der Torauslinie. Nachdem die Kollegen den Ball sofort zurück erobert haben, erhält er eine zweite Chance. Sascha Dum ist damals im Getümmel auch dabei.

Aus der Zuschauerperspektive hinter dem Tor sieht sein Torschuss gar nicht mal gefährlich aus.

Fortuna Düsseldorf – KSC, September 2011, Thomas Bröker erzielt die Tore zum 3:1 und 4:1 – ab Minute 0.30

Fortuna Düsseldorf – FC Energie Cottbus, 15. November 2011

Dynamo Dresden – Fortuna Düsseldorf, April 2012, Endergebnis 2:1, Thomas Bröker erzielt den zwischenzeitlichen Ausgleich.

Als Höhepunkt dieser Torreihe erweist sich das Relegationsspiel zur Bundesliga Hertha BSC – Fortuna Düsseldorf, das 1:2 endete und in dem Thomas Bröker ein beeindruckendes Tor erzielte. Er zog in den Strafraum, setzte sich wuchtig gegen mehrere Spieler durch und erzielte den Ausgleich, mit dem das Spiel zugunsten von Fortuna kippte.

Heimatlied – Sektion Ruhrstadt – Folge 10: Ruhrpottkanacken -II-

Gestern erhielt ich nach der Veröffentlichung des „Ruhrpottkanacken Songs“ von Ralf Theinert den Hinweis auf ein weiteres Lied, in dem das Schimpfwort zur stolzen Selbstbezeichnung genutzt wurde. Der Macher von „Ruhrpottkanacken“ bleibt anonym, klein91anni hat das Stück bei youtube online gestellt. Auch hier fehlt jegliche dem Wort innewohnende Aggressivität in Text und Musik, obgleich das gängig Hymnische der Musik das Nachdenken darüber sofort ausbremst. Vielleicht erweist sich mit der Zeit das Ruhrpottkanackenthema ja als eigenständiges Subgenre des Ruhrstadt-Heimatlieds.

Die Bilder des Clips legen nahe, dass das Stück im Umfeld des MSV Duisburg anlässlich der Pokalfinalteilnahme 2011 entstanden ist. Im Text selbst aber wird von der Heimat Ruhrgebiet gesungen. So sieht für mich die Zukunft des Potts aus, die Verwurzelung im Stadtteil bleibt lebendig beim Blick auf die Gemeinsamkeit der Ruhrstadt.

Hinweise auf weitere online zu findende Ruhrstadt-Lieder nehme ich gern entgegen. Helft mit die Sammlung wachsen zu lassen.

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Heimatlied – Sektion Ruhrstadt – Folge 9: Ralf Theinert – Ruhrpottkanacken Song

Zwischen den Jahren, ohne deutschen Fußball, haben wir Zeit für das Bunte des Fußballs, dem Fußballlied, das heute zugleich Heimatlied der Ruhrstadt ist. Ralf Theinert lebt anscheinend in Bochum. Er textet, schreibt Lyrisches und steht musikalisch in der Liedermacher-Tradition. Auf mich wirkt er wie ein Amateur im besten Sinne. Rührig ist er in Sachen Texten mit Botschaft unterwegs. Auf Die Deutsche Gedichtbibliothek findet sich ein biographischer Eintrag. Er betreibt mit PhantasieRaum.de ein Portal mit angeschlossenem Forum, wo es um „wellness für die seele, geschichten, gedichte, songtexte, zitate, weisheiten, bilder, forum, kommunikation, wettbewerbe, kontakt“ geht.

Von ihm fand ich ein Lied, das kurios anmutet, weil ein eigentlich aggressiv gemeintes Wort in einer Welt der Sanftheit auftaucht: Ruhrpottkanacken. Ich weiß gar nicht, ab wann in den Stadien des Potts die Heimfans begannen, das als Schimpfwort gemeinte Ruhrpottkanacken den gegnerischen Fans zu entwenden und es selbst ihnen stolz entgegen zu singen. „Wir sind die Ruhrpottkanacken“ donnerte es durch die Stadien. Das kennt man von Selbstbezeichnungen stigmatisierter sozialer Gruppen. Nimm den anderen die Wörter und deute sie um. Entscheidend ist der tägliche Gebrauch.

Wenn man so will, hat Ralf Theinert dem Pottfussball eine mögliche Hymne geschrieben. Rein textlich, vor allem mit dem Refrain. Über die sanfte Anmutung des Stückes müsste wahrscheinlich noch mal geredet werden.

Hinweise auf weitere online zu findende Ruhrstadt-Lieder nehme ich gern entgegen. Helft mit die Sammlung wachsen zu lassen.

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Der Duisburger Gerd Hennig – Vom Straßenfußballer zum FIFA-Schiedsrichter – Folge 4

Unlängst habe ich begonnen, die Erinnerungen von FIFA-Schiedsrichter Gerd Hennig zu sichten. “Vom Straßenfußballer zum FIFA-Schiedsrichter” hat Gerd Hennig seine Erinnerungen genannt. Ein großer Packen Papier liegt bei mir zu Hause – Handschriftliches und Ausdrucke. Nur nach und nach werde ich diese Erinnerungen bearbeiten können und hier in loser Folge veröffentlichen.

Heute geht es in den Erinnerungen hauptsächlich um das sehr spezielle Thema Schiedsrichterbetreuer, das im letzten Drittel mit kurzen Erzählungen über – sagen wir – ungewöhnliches Linienrichterverhalten einen unterhaltsamen Einschub erhält. Ich habe etwas länger überlegt, ob ich diese in ihrer Art sehr spezielle Würdigung der ehrenamtlichen Helfer auch in dieser Länge veröffentlichen soll. Bis mir klar wurde, dass diese persönlichen Worte Gerd Hennigs die Unterschiede des Bundesligafußballs der 1960er bis Anfang 1980er Jahre gegenüber dem von heute auf eine ganz eigene und besondere Weise deutlich machen.

Vom Straßenfußballer zum FIFA-Schiedsrichter – Folge 4
Von Gerd Hennig

Insgesamt habe ich 161 Spiele in der 1. Bundesliga geleitet. In Verbindung mit diesen zahlreichen gepfiffenen Begegnungen  dürfen natürlich auch die lebhaften Erinnerungen an die damals fungierenden Schiedsrichterbetreuer, Vereinsbeauftragten oder Kontaktpersonen für uns Schiedsrichter-Teams nicht vergessen werden. Sie waren für die möglicherweise am Spielort vorhandenen Probleme und deren Behebung zuständig.

Die genannten Vereine ordne ich ungefähr von Nord nach Süd. Da waren die besonders erwähnenswerten Vertreter bei Hertha BSC Lothar Pötschke und der inzwischen verstorbene, allseits bekannte Wolfgang Holst. Beide kümmenerten sich bestens um unsere Belange. Beim Hamburger Sportverein empfingen uns die echten Hanseaten und „Malteser-Freunde“ Werner Otto und Kurt Petersen, während der SV Werder Bremen damals das „Urgestein“ Richard Ackerschott mit seiner leider oftmals etwas zu fanatischen Frau Lilly aufbot. Bei Hannover 96 begrüßte uns das Lehrer-Ehepaar Seide mit ihrem drolligen Dackel Piefke.

Im großen, glorreichen Westen hatte mein langjähriger Teamgefährte und Linienrichter Manfred Uhlig mit objektiver Ehefrau beim BV 09 Borussia Dortmund das große Sagen, und beim FC Schalke 04 hielt der bekannte Ex-Bundesliga-Schiedsrichter Manfred Wichmann das „Zepter“ fest im Griff. Der Vfl 48 Bochum hatte mit Dieter Hagen – dessen Sohn auch aktiver Linienrichter im Oberhaus war – einen emsigen Vertreter, der oft von seinem Präsidenten, dem geselligen Ottokar Wüst, unterstützt wurde.

Bei der Schilderung müsste nunmehr der Niederrhein folgen, von dem ich leider nicht berichten kann, da ich selbst diesem Verband angehöre und zu Spielen der Gladbacher Borussia, von Fortuna Düsseldorf sowie von Rot-Weiss Essen und Rot-Weiß Oberhausen, geschweige denn als Duisburger beim damaligen Meidericher SV und heutigen MSV Duisburg nach den Statuten keine Ansetzung erwarten konnte. Obschon mich die Niederrhein-Derbys Mönchengladbach gegen Düsseldorf oder Essen gegen Oberhausen schon gereizt hätten.

Am Mittelrhein hatte „Mattes“ Valentin für Bayer 04 Leverkusen stets im Ramada-Hotel sein Domizil. Dagegen setzte der 1. FC Köln unterschiedliche Betreuer ein, wobei sie meist nur vor dem Spiel zu sehen waren. Während man in Leverkusen mit „Mattes“ nach der Begegnung noch in gemütlicher Runde beisammen saß, musste man sich beim Nachbarn in Köln zumeist mit den spärlichen Räumlichkeiten des Müngersdorfer Stadions begnügen. Was keine Kritik sein soll, sondern nur eine sachliche Feststellung.

Wenn wir nun weiter südlich wandern, stoßen wir auf den 1. FC Kaiserslautern, wo ich laut meiner Einsatzstatistik am häufigsten zu Gast war. Hier hatte der leider viel zu früh verstorbene Rudi Merk, der Vater von Dr. Markus Merk, mit dem „blonden Karl“ aus Frankenthal das absolute Kommando. Ich erinnere mich, dass ich am Tage der Premiere von Markus Merk als Schiedsrichter in der Bundesliga rein zufällig dort verweilte. „Heut’ peift der Ma´kus sein 1. Spiel in der Bundesliga!“ waren pfälzisch-originalgetreu seine Worte und sein Stolz war unübersehbar.

Zweimal war in Kaiserslautern das Organisationsgeschick von Rudi Merk besonders gefragt. Vor einer Ansetzung waren einmal meine zwei Linienrichter und ich zu einem kleinen Imbiss ins Kaiserslauterner Rathaus geladen. Dieser Imbiss fand in einer der oberen Etagen des Rathauses statt. Danach wollten wir mit dem Aufzug nach unten fahren. Dabei drückte mein stets zu Unfug aufgelegter Linienrichter Wolfgang Krutzke auf den roten Alarmknopf, und wir saßen in der Mitte der Abfahrt  fest. Unserem Schiedsrichter-Betreuer Rudi Merk trieb das natürlich den Schweiß auf die Stirn. An einem Samstag dauerte es zwangsläufig sehr lange, bis wir befreit werden konnten. Um noch frühzeitig im Stadion zu sein, bestellte Rudi sofort die Polizei, welche uns nach einem Zwischenstopp im Hotel mit Blaulicht noch so eben zur Anstoßzeit am „Betze“ ablieferte. Bei einer weiteren Ansetzung musste die Polizei noch einmal helfen. Eine morgendliche Weinprobe in Bad Dürkheim war etwas zu lang ausgefallen, so dass wir verspätet zum vereinbarten Treffpunkt vor dem Hotel erschienen. Erneut chauffierte uns die von Rudi benachrichtigte Polizei mit Blaulicht ins Stadion. Es blieb vor dem Spiel sogar noch Zeit für eine kalte Dusche.

Mein Linienrichter Wolfgang Krutzke war stets zu Streichen und Späßen aufgelegt. Im edlen Frankfurter Hof hatte er zum Beispiel während einer kurzen Mittagspause meine Zimmertür mit einer Blumenbank blockiert. Erst das Hotelpersonal mit großem Auftrieb konnte mich befreien. Vor dem Spiel von Kickers Offenbach gegen den Hamburger SV hatte dieses Unikum sogar einmal in einem unbeobachteten Moment aus dem Spielball die Luft herausgelassen. Erst der Hamburger Torwart Rudi Kargus stellte das fest, als er sich vor dem Einlaufen kurz den Ball zur Prüfung geben ließ. So musste der Heimverein, die Offenbacher Kickers, in aller Schnelle einen neuen Ball beschaffen, und das Spiel konnte erst mit 10 Minuten Verspätung beginnen. Seitdem habe ich den Spielball nach Betreten der Umkleidekabine sofort in meiner Sporttasche  sicher unter Kontrolle behalten.

Zurück zur Schiedsrichterbetreuung. Wechseln wir weiter in den Süden, wo Lutz Combe beim 1. FC Nürnberg eine gute Regie führte. Daran reichte nur noch der unverwüstliche Addy Weber beim FC Bayern München heran, der mit dem seinerzeitigen Geschäftsführer Walter Fembeck ein vorbildlicher und echter Freund der Schiedsrichter war. Beim zweiten Münchener Verein, dem TSV 1860, wechselten sich Jürgen Kamann und Franz-Xaver Wengernmayer in der Betreuung ab.

Die Verdienste der namentlich nicht aufgeführten Schiedsrichterbetreuer sind sicher nicht geringer, haben wir Teams uns doch überall sehr wohl gefühlt. Ich möchte betonen, dass meine Worte nur für alle schon tätigen oder noch interessierten neuen Kollegen Anregung und Motivation sein mögen.

 

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Kevin Scheidhauers Arbeitsproben als Vorgeschmack

Vermutlich hatte Ivo Grlic eine DVD mit den Arbeitsproben von Kevin Scheidhauer auf dem Schreibtisch liegen. Einiges, was  youtube auch uns bietet, wird sicher dabei gewesen sein. Das Finalspiel um die deutsche Meisterschaft der U19 zwischen dem 1. FC Kaiserslautern und dem VfL Wolfsburg wird nicht gefehlt haben, weil  Kevin Scheidhauer wohl einer der besten Spieler am 19.6. 2011 gewesen ist.

Er bringt seine Mannschaft in Führung,  ab Minute 0.24. Er erzielt Tor Nummer 2, ab Minute 2.23 und trifft ein drittes Mal, ab Minute 3.14.

 

Am 2. September 2012 schießt er das erste Tor des VfL Bochum bei Jahn Regensburg – ab Minute 8.55:

 

Vom Elfmeterpunkt trifft er auch. Am 22. März 2014 erzielt er das Siegtor für die U23 vom VfL Wolfsburg im Auswärtsspiel gegen ETSV Weiche Flensburg, ab Minute 3.29.

Ich habe jetzt leider keine Zeit mehr zu suchen, aber wenn ihr noch mehr Sehenswertes findet, ab in die Kommentare, danke schön!

Spielte Dirk Bremser weiter Klavier?

Zwischendurch möchte ich eine kurze Anekdote über Herrmann Gerland zitieren, die eigentlich beispielhaft dessen Mentalität darstellen soll. Natürlich erzähle ich sie nur, weil es auch um den MSV Duisburg geht. Sie stammt aus Spieltage, dem so lesenswerten Buch von Ronald Reng über Heinz Höher und den Wandel des Bundesligafußballs von den Anfängen bis in die Gegenwart. Die Nebenrolle dieser Anekdote nun ist mit dem ehemaligen Spieler vom MSV Duisburg, Dirk Bremser, besetzt.

Dirk Bremser, der in der Jugend des VfL Bochum mit dem Fußball begann, spielte zwei Jahre für den MSV. Er kam in der Saison 1990/1991 und wurde Teil jener Mannschaft, die den Aufschwung nach den langen Jahren der Niederklassigkeit mit dem Aufstieg in die Bundesliga vollendete. Nach dem erneuten Abstieg des MSV Duisburg in der nächsten Saison wechselte er zu dem damaligen Bundesligaaufsteiger Bayer 05 Uerdingen, wie der KFC Uerdingen in seinen glorreichen Sponsorentagen noch hieß. Dirk Bremser wollte erstklassig bleiben, was aber auch wieder nur eine Saison gelang. Den weiteren Verlauf seiner Karriere bis hin zu seiner Arbeit als Co-Trainer von Dieter Hecking entnehmt ihr bitte dem Wikipedia-Artikel über ihn.

Als ich die Anekdote las, stellte sich mir die Frage, ob Dirk Bremser nicht doch hin und wieder Klavier gespielt hat während seiner Karriere im Fußball.

Hermann Gerland, am Ball nicht der Feinste, sah am eigenen Beispiel, dass Arbeit und Ehrgeiz viel Mängel ausgleichen konnte. Er spielte auch verletzt. Er erwartete von allen denselben absoluten Einsatz. Mit 29, als etablierter Bochumer Bundesligafußballer, lief ihm einmal ein VfL-Jugendspieler über den Weg, Dirk Bremser.

Bremser, ich habe gehört, du hast in der Rolandshalle Klavier gespielt.

Jawohl, Herr Gerland.

Dirk Bremser konnte am Klavier einen ganzen Saal zur andächtigen Stille bewegen, deshalb hatte ihn der Jugendleiter gebeten, etwas bei der Weihnachtsfeier vorzuspielen. Alle hatten Bremser dafür gelobt. Hermann Gerland sagte: Du musst dich entscheiden, ob du Klavier oder Fußball spielen willst.

Die Anekdote gibt euch als Appetithäppchen gleichzeitig natürlich einen schönen Eindruck vom stilistischen Können Ronald Rengs. Mit wenigen Sätzen schafft er Atmosphäre, macht er Menschen in ihren Beziehungen lebendig und gegenwärtig. Für die längere Besprechung muss ich euch noch einmal etwas vertrösten. Hier mit einem Klick weiter die Preview in der MSV-Perspektive, die ich vor ein paar Tagen vorgenommen habe.

Peter Közle im lesenswerten Interview bei 11 Freunde

Schon wieder möchte ich im Moment keine Nachrichten über den MSV  Duisburg mehr lesen. Zu viel Spekulation, zu viel Abschiedsschmerz. Schon wieder warte ich mit euch auf auf ein endgültiges Ergebnis. Bei diesem Warten zieht der Alltag vorbei, und mir fehlt das Gespür dafür, was in dieser Wartezeit über den MSV Duisburg hinaus interessiert. Seit ein paar Wochen möchte ich zum Beispiel auf ein Interview mit Herrmann Gerland hinweisen. Bislang habe ich noch nicht den passenden Moment dafür gefunden. Dieses leichte und so unterhaltsame Interview passte einfach nicht zu meiner Stimmung, sobald ich es mir im Zebrastreifenblog bequem machte. Pietät kam mir immer in den Sinn, wenn ich an dieses Interview dachte. Bei Peter Közle ist das heute anders.

Denn gleich zu Beginn der Fan-Aktionen war auch Peter Közle ans Stadion gekommen, um zusammen mit Bülent Aksen und Dagmar Albert Horn noch einmal ins Duisburg-Lied einzustimmen  Mit seinem improvisierten Sprechgesang meisterte er  den Auftritt und zeigte einmal mehr seine Unabhängigkeit – in diesem Fall von technischen Equipement, um seine Singstimme aufzupeppen. Weil dieses Lied vor jedem Spiel weiterhin im Stadion zu hören ist, war der Auftritt mehr als eine Erinnerung an alte Zeiten. Dieser Auftritt war lebendige Gegenwart, und das Interview bei 11 Freunde mit Peter Közle ruft ihn mir wieder in Erinnerung. Es ist ein sehr gelungenes Interview, weil Peter Közle sehr offen über seine Karriere spricht. Wir erinnern uns, neben den Höhen gab es auch unangenehme Tiefen im Verhältnis zwischen ihm und dem MSV.

Von Zahlenmystik, Zeitreise und Sounddesign

Das als mein Zeichen der Gastfreundschaft vorab: Ich gönne dem SV Sandhausen den Derbysieg gegen die TSG 1899 Hofffenheim in der nächsten Saison. Ich weiß, bis es dazu käme, muss noch viel zusammenkommen. Ein Abstieg hier, kein Abstieg dort und wahrscheinlich viel Sandhausener Glück im besagten Spiel. Hingegen ist sicher, dass jeder Anbieter des Unterhaltungsprodukts Fußball sich die Gelegenheit nicht entgehen ließe, aus dieser Begegnung zweier nachbarschaftlicher Vereine mit so unterschiedlicher Wirtschaftsstruktur eine große Geschichte zu machen. Wer also auf Verschwörungstheorien steht, hat hier ein gutes Argument, um sich seine eigene Welt zurecht zu erklären, wenn am Ende dieser Saison die Voraussetzungen für das zukünftige Derby geschaffen sein sollten.

Der MSV Duisburg möchte am Sonntag seinen Teil nicht dazu beitragen. So weit geht weder unsere Gastfreundschaft noch unsere Mitverantwortung für die Attraktivität des Gesamtprodukts Zweite Liga der kommenden Saison. Da ist uns – ich denke, ich spreche in dem Fall tatsächlich für die Mehrheit der MSV-Anhänger – der Verbleib des VfL Bochum in der Liga sehr viel wichtiger. Was machen die da für einen Unsinn in Bochum? Das Entsetzen dort nach der gestrigen desaströsen 0:3-Niederlage gegen den FC Erzgebirge Aue weckt in mir so etwas wie Demut. Beide Vereine sind sich doch sehr ähnlich in ihrem Ringen um den Erfolg und die gefestigte Position in diesem Fußball der Gegenwart. Und es ist eben noch gar nicht so lange her, dass wir in Duisburg genauso  fassungslos uns die Spiele des MSV angesehen haben.

Inzwischen ist alles anders geworden, und gerade im Vergleich mit dem östlicheren Pott-Pendant erweist sich die Arbeit von Kosta Runjaic als so grundlegend für die andere Perspektive in Duisburg. Jetzt kann der Verein in Pressekonferenzen vor Spielen sogar das allgemeine Bedürfnis nach den bunteren Geschichten bedienen. Wer in möglichen Siegen zahlenmystische Folgen erkennt, der hat den Kopf freier als die Konkurrenz. Das Spiel mit den Dreier-Reihen wird von den RP und WAZ/NRZ natürlich gerne aufgenommen. An der Konzentration der Mannschaft ändert das nichts. Es ist eben ein Unterschied, ob solche Geschichten permanent in Neururer-Manier in den Vordergrund gerückt werden oder ob sie neben der alltäglichen Arbeit als zusätzliche Möglichkeit zur Unterhaltung präsentiert werden. Den Auftritt von Ranisav Jovanović glaube ich übrigens erst, wenn er bei Anpfiff auf dem Platz steht.

Vom MSV Duisburg gibt es vor dem Sandhausen-Spiel keine multimediale Begleitung. Der SV Sandhausen dagegen schickt uns auf eine Zeitreise. Statt eines Video-Clips ist bei youtube ein Audio-Mitschnitt der Pressekonferenz online gestellt. Nicht nur das Rauschen versetzt uns in eine andere Zeit. Auch Sprachrhythmen und Stimmfarben werden von Zeitgeist getragen. In Sandhausen klingt es in dieser Pressekonferenz mit Hans-Jürgen Boysen auf eine sympathische Weise nach gestern. Die Informationen sind nicht wichtig. Hier geht es nur um Sound.

Dieser Sound ist ja übrigens bei den Produkten unserer Konsumgüterwelt oft kein Geräusch, das sich von selbst ergibt. Die Unternehmen versuchen den Wünschen ihrer Kunden entgegen zu kommen. Ihr kennt ja vielleicht die Geschichten von Autos, die sich nicht so anhören, wie es die Käufer wünschten. Nicht nur Motoren auch Gebläse können leistungsstark klingen. Oder da sind die Rasierer, die zu leise knistern und deshalb den Eindruck mangelnder Rasurkraft erwecken. Sounddesigner arbeiten deshalb allerorts am richtigen Geräusch. Vor kurzem wurde auch in Old Trafford, dem Stadion von Manchester United, das Sound-Problem grundsätzlich angegangen. Noch müssen die Zuschauer bei keinem Sound-Designer in Schulung gehen, doch, wie der Guardian berichtet, wurden Akustik-Ingenieure beauftragt nach dem Rechten zu sehen. In dem Stadion ist es einfach zu leise, selbst wenn die Zuschauer laut werden. Das Stadion hat nicht den Sound, den wir von einem richtigen Fußball-Hexenkessel erwarten dürfen. Mal abwarten, welche Feinjustierung nun vorgenommen wird. Fußball als Ware muss eben rundum so sein, wie es die Kunden erwarten.


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