Posts Tagged 'VfL Osnabrück'

Einstimmen auf die erste Pokalrunde

Alles, was ihr könnt, das könn‘ wir viel besser. Ja, wir könn‘ alles viel besser als ihr. Das können wir zur Einstimmung auf das Pokalspiel heute Abend alle gemeinsam laut singen. Heidi Brühl hat die Ich-zentrierte Fassung des Lieds zusammen mit Robert Trehy in der deutschen Version von „Annie get your gun“ hierzulande vor langen Jahren mal populär gemacht.

Natürlich poste ich hier nur das englischsprachige Original, weil ich die Entwicklung im Fußballgeschäft nicht verschlafen will. Der asiatische Markt birgt auch für uns in der 2. Liga und für den zebrastripesblog als special-interest-online-magazin Chancen. Waren Zebras in China nicht schon immer Glückstiere? Aber das nur am Rande.

Besser als der VfL Osnabrück müssen wir heute aber nicht sein. Nur genau so gut. Dort in Osnabrück wurde der HSV schon 2009 einmal aus dem Pokal geworfen. Zur Einstimmung hatte sich die Mannschaft ein Video von diesem Sieg angesehen. Und schon hat der VfL Osnabrück den HSV erneut aus dem Pokal geworfen.

Bevor wir also den Nürnbergern unser Mottolied des Tages singen, variieren wir das für die Osnabrücker und schauen uns ebenfalls Bewegtbilder vom letzten Pokalsieg gegen Nürnberg an. Also: Alles was ihr könnt, das könn‘ wir genauso. Übrigens wurde der letzte Pokalsieg gegen Nürnberg am selben Wochenende noch vom Weiterkommen im Niederrheinpokal begleitet. Damals dachte ich beim Schreiben über dieses Wochende vom MSV, „zwei auf einen Streich“ klingt gut. Sehr viel besser ist es aber, sich auf das Weiterkommen im DFB-Pokal beschränken zu können.

 

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Vorher emotional – Nachher rational – Teil 2: Ein Spiel hat glücklicherweise zwei Halbzeiten

Gerade eben hallte der Name Tönnies noch durch das Stadion, und die Kraft des Rufens aller auf den Rängen hatte das Leben wieder gegenwärtig gemacht. Dieses Leben forderte in den nächsten Momenten Leistung und Anstrengung. Dieses Leben war das Spiel des MSV gegen den VfL Osnabrück, auf dessen Anpfiff wir nun alle warteten. Die MSV-Hymne erklang, und schließlich kamen die Mannschaften auf das Spielfeld. Doch noch einmal wurde der normale Ablauf eines Spieltags mit einer Schweigeminute für Michael Tönnies unterbrochen. Die schon überwunden geglaubte Ergriffenheit kroch noch einmal heran. Dann begann das Spiel, und ehe ich mich versah, führte der VfL Osnabrück. Ich war auf keinen Fall schon richtig im Spiel angekommen. Ich hatte weder die Großchance des MSV kurz zuvor mit der entsprechenden Aufregung gesehen, noch ärgerte ich mich über den Rückstand.

Wie schon gestern in dem Text über die Trauerfeier für Michael Tönnies geschrieben, ich fühlte mich krank, gehörte womöglich eigentlich eher ins Bett und nahm alles nur gedämpft wahr. Aber wenn ich den Verlauf des Spiels sehe, klingt für mich noch etwas anderes plausibel. Vielleicht beschäftigten mich wie eben die Spieler des MSV die Momente vor dem Spiel noch, sodass es uns in unserer jeweiligen Leistung auf dem Stehplatz und Rasen beeinträchtigte. The show must go on, sagen die Bühnenkünstler und liefern ihr Unterhaltungsprogramm gegen alle Widrigkeiten ihrer Leben ab, wenn es sein muss. So ein Ligaspiel ist trotz aller Unterhaltungsaspekte dieses Fußballbetriebs etwas anderes, wenn eine kollektive Stimmung im Stadion entstanden ist, eine Stimmung, die so gar nichts mit der notwendigen Einstellung für einen Wettbewerb zu tun hat. Vielleicht kann so ein Spiel doch nicht so unbeeinträchtigt begonnen werden, weil eine Mannschaftsleistung im Sport mit ihren vielen Einflussgrößen eben sehr viel abhängiger von Stimmungen ist als ein stets gleiches Bühnenprogramm.

Die Mannschaft des MSV wirkte in der ersten Halbzeit häufig zu langsam im Kopf und nicht aggressiv genug im Kampf um die zweiten Bälle. Nicht die Grundhaltung war das Problem. Die Spieler setzten sich ein, gingen lange Wege und versuchten zum einen  ein Kombinationsspiel, das oft über die Flügel kam. Zum anderen wurde immer wieder auch vergeblich der lange Ball auf Simon Brandstetter versucht, der Meter um Meter rannte und dabei oft im letzten Moment den entscheidenden Schritt in die falsche Richtung machte. Der Passgeber wird seinen Anteil daran haben. Der MSV versuchte die Spielkontrolle zu bewahren, so weit es ging, aber viel zu oft ging es nur sehr kurz. Systematisch sollte der Ball in den Strafraum gebracht werden. Zur Not musste es eben auch noch einmal hinten rum gehen. Torgefahr entstand so nicht. Die Zebras waren unterlegen, die Osnabrücker schneller im Kopf und beim Kombinationsspiel ballsicherer. Sprints in der Offensive waren meist nicht vergeblich. Bälle kamen dorthin, wo sie gut verarbeitet werden konnten. Die Chancen auf ein weiteres Tor für die Osnabrücker ergaben sich. Die Defensive des MSV hatte viel Arbeit. Der Halbzeitpfiff kam und vereinzelte Zuschauerpfiffe folgten. Für mich war das vollkommen übertrieben und ein Rückfall in alte Mäkelzeiten des Duisburger Publikums.

Zunächst sah es nach Wiederanpfiff nicht so aus, als hätte die Halbzeitpause die vorhandene Stimmung unterbrochen. Zwar war Kingsley Onuegbu eingewechselt worden, doch es war nicht erkennbar, wie die Zebras torgefährlich werden wollten. Immer noch gelangen die Kombinationen nicht präzise genug. Stattdessen schlug Fabian Schnellhardt einen Freistoß zielgenau in den Strafraum und Dustin Bomheuer köpfte zum Ausgleich. Mit diesem Ausgleich wirkte das Spiel des MSV befreit. Nun erst brachte die Offensivkraft des MSV die Osnabrücker Gelassenheit im Defensivspiel ins Wanken. Dennoch ist es bezeichnend für die Möglichkeiten dieses Tages, dass auch das Führungstor für den MSV aus einer recht statischen Situation heraus fiel. Kingsley Onuegbu nahm einen Einwurf mit dem Rücken zum Tor auf halblinker Position an der Strafraumgrenze an. Sich selbst den Ball vorlegen, drehen und der Schuss ins lange Eck ergaben eine einzige fließenden Bewegung, ein wunderbares Stürmertor, Lehrbuchmaterial. Der MSV drang auf das dritte Tor. Es gab die Chancen und sie wurden nicht genutzt.

Weil der MSV weiter offensiv spielte und überlegen blieb, schien mir der Sieg wahrscheinlich, sicher ist er natürlich nie. In der Nachspielzeit kamen die Osnabrücker noch einmal druckvoll vor das Tor der Zebras. Der Ausgleich fast mit dem Schlusspfiff hatte als Drohung in der Luft gehangen. Zu viel Hektik und Durcheinander war plötzlich in der Hälfte des MSV entstanden. Enttäuschend war dieser Ausgleich dennoch, eine Enttäuschung, die für mich nicht lange anhielt, weil mein Verstand mir ein paar Auswege anbot. Der Vorsprung von drei Punkten in der Tabelle etwa war unverändert geblieben. Was wir erleben mussten, hatten die Osnabrücker beim Hinspiel schon hinter sich. Und gerecht war dieses Unentschieden auch. Was mit der Trauerfeier höchst emotional begonnen hatte, endete mit einem sehr rationalen Umgang mit dem Ergebnis.

Vorher emotional – Nachher rational – Teil 1: Abschied von Michael Tönnies

Fieber hatte ich wohl noch nicht. Aber mir war heißer als sonst. Der Kopf schmerzte, wenn ich ihn nur ein wenig senkte. Die Nasennebenhöhlen waren zu, sind es noch immer. Ich bewegte mich vorsichtig durch die Welt. Gedämpft, was vor dem Spiel des MSV gegen den VfL Osnabrück hilfreich war. Schon in dieser gedämpften Wahrnehmung war die halbe Stunde vor dem Spiel mit der Erinnerung und Würdigung von Michael Tönnies bewegend.

MSV-Präsident Ingo Wald erinnerte in einer kurzen Ansprache an den Menschen Michael Tönnies, an seine Persönlichkeit, an das was er durch seine Erfahrungen mit seiner Erkrankung auch der MSV-Welt hat weitergeben können. Geschäftsführer Peter Monhaupt verkündete, der Arena-Vorplatz werde Michael-Tönnies-Platz heißen und schließlich las Stadionsprecher Stefan Leiwen eine Grußbotschaft der Mutter von Michael Tönnies vor. Es war sicher mit die schwierigste Aufgabe, die Stefan Leiwen als Sprecher hat bewältigen müssen. Er und Michael Tönnies hatten die Stimmung vor den Spielen der Zebras in den letzten Jahren gemeinsam durchlebt. Sie waren Kollegen gewissermaßen, aber in der emotionalen Welt des Fußballs kommt man sich näher als Kollegen sonst. Sie waren auf diese Weise Gemeinschaft geworden. Nun musste Stefan Leiwen Worte des Danks an die MSV-Welt, an Fans und Menschen rund um den MSV vorlesen, die ihn auch selbst betrafen, Worte, in denen der Abschied so greifbar war.

Frau Tönnies Worte machten deutlicher als jedes Wort zuvor, was nicht mehr wieder kommt. Die überall diffus herumflirrende Trauer im Stadion hatte für eine Minute einen deutlich sichtbaren Ausdruck gefunden. Stefan Leiwen rang um Fassung, während er las. Auf das Verkünden der Mannschaftsaufstellungen wurde verzichtet. Im Stadion war es nun stiller geblieben als sonst kurz vor einem Spiel, und Stefan Leiwen stand immer noch auf dem Rasen, alleine, zum ersten Mal wieder, und es war so ungewohnt. So sehr war mir vor einem Spiel des MSV der Anblick zweier Männer auf dem Rasen vertraut, die ihre Köpfe immer wieder zusammen steckten und sich neben ihren eigentlichen Aufgaben zwischendurch austauschten.

Stefan Leiwen blieb, weil noch einmal der Name Tönnies durchs Stadionrund tosen sollte. Und so rief er in sein Mikro: „Mit der Nummer zehn…Tornado… Michael…“ Tönnies knallte es durchs Stadion. Stefan Leiwen wiederholte das, als ob der Tornado gerade ein Tor erzielt hatte. Das Ritual verlangt den Namen eiin drittes Mal. Bei diesem dritten Mal war schließlich die Zukunft wieder zu spüren. Als Stefan Leiwen dieses drittes Mal „Michael“ rief, war in seinem Rufen auch die Erleichterung spürbar, diese schweren Minuten vor dem Spiel bewältigt zu haben. Wir alle aber hatten uns in diesem dreimaligen Rufen dem Anpfiff im Spiel des MSV gegen den VfL Osnabrück genähert. In diesem Rufen des Namen Tönnies steckten alle Namen jener elf Spieler, die gegen den VfL Osnabrück um den Sieg spielen wollten. Mit diesem Rufen hatte uns das Leben wieder.

Dem MSV gelang nicht nur ein würdiger Abschied von Michael Tönnies. Die Verantwortlichen schafften es, an den Fußballer und Menschen Michael Tönnies zu erinnern, der Trauer Ausdruck zu verleihen und das Leben in der Zukunft dabei nicht zu vergessen.

Meine Worte zum Spiel erhalten heute oder morgen einen eigenen Platz. Wie der MSV mit der Mannschaftsaufstellung nicht einfach zur Normalität übergehen konnte, so lassen sich hier für mich keine Worte zum Spiel anschließen.

Ein früher Prüfstein für das „Top“ des Favoritendaseins

Wie schön, wenn ganz früh in der Saison eine erste etwas anspruchsvollere Prüfung für den MSV Duisburg ansteht. Wie schön, wenn diese Prüfung zudem zwar knapp, doch erfolgreich bewältigt wird. Wie schön, dass dieses knappe Bewältigen in einer so zugespitzten Weise geschieht, dass daraus nicht Erschöpfung folgt sondern zusätzliche Kraft. Der MSV Duisburg und der VfL Osnabrück trennen sich 1:1-Unentschieden. Hinter dem unspektakulären Ergebnis verbergen sich die Euphorie eines Ausgleichs durch den Torwart des MSV, Mark Flekken, in der allerletzten Spielaktion und ein paar Einsichten.

Lange Zeit sah es so aus, als werde der MSV Duisburg das Spiel gewinnen. In der ersten Halbzeit bestimmte die Mannschaft die Begegnung. Angriff um Angriff wurde ruhig aufgebaut und die wenigen Bemühungen der Osnabrücker in der Offensive wurden im Keim erstickt. Die Osnabrücker mussten auf Fehler des MSV hoffen. Zwei-, dreimal hielt ich den Atem an, weil der ruhige Aufbau im letzten Drittel der eigenen Hälfte misslang. Die kurzen Pässe wurden in die Füße des Gegners gespielt. Wenn das tornah geschieht, kann das auch torgefährlich werden. Die Osnabrücker konnten mit den  Geschenken von Tim Albutat, Kevin Wolze oder Branimir Bajic aber nichts anfangen.

Wieder bewies sich die neue Qualität des Aufbauspiels. Kontrolliertes Spiel war in den letzten Spielzeiten immer auch mit zu wenig Bewegung verbunden. Kontrolliertes Spiel bedeutete immer auch ein sehr statisches Spiel. Das ist Vergangenheit. Wieder ergaben sich aus der kontrollierten Spielweise heraus dynamische Angriffszüge. Es schien nur eine Frage der Zeit zu sein, wann die dynamischen Angriffszüge auch in Torgefahr mündeten. Zweimal hatte ich den Torschrei auf den Lippen. Ein drittes Mal holte ich tief Luft. Der Osnabrücker Torwart hielt großartig.

In dieser ersten Halbzeit wurde erkennbar, was uns diese Saison erwartet. Dichte Abwehrreihen,  viel Laufarbeit für die Offensive, viele vergebliche Sprints von Spielern abseits des Balls, um Anspielstationen zu schaffen. Eine schwierige Balance, die Defensive stabil zu halten, wenn aufgerückt werden muss. Denn anscheinend lassen sich die Gegner kaum aus der Defensive herauslocken. Immer wieder gibt es Kontergefahr. Nehmen wir das zusammen, muss die Verwertung der Torchancen besser werden. Sehr gute Chancen werden nur mit viel Arbeit zu erspielen sein. Das kostet Kraft. Sehr gute Chancen müssen genutzt werden.

In der zweiten Halbzeit schien die Mannschaft nahtlos an die Leistung der ersten anknüpfen zu wollen. Der Druck auf das Osnabrücker Tor wurde hoch gehalten. Zlatko Janjic kam nach einer schönen Kombination frei zum Kopfball. Wieder verhinderte der Osnabrücker Torwart mit einem großartigen Reflex die Führung. Nach dem Eckball brachten die Osnabrücker ihren ersten Konter des Spiels wirklich gefährlich in den Strafraum. Fast hätte der Querpass noch geklärt werden können. Doch der Osnabrücker Halil Savran lief in den zur Seite weggeschlagenen Ball und wehrte sich nicht dagegen, als Torschütze wahrgenommen zu werden.

Die Enttäuschung war zu spüren bei uns im Gästeblock und auf dem Spielfeld. Die Zebras waren zu überlegen gewesen, um dieses Tor in der 48. Minute einfach wegstecken zu können. Sie hatten zu viele Chancen vergeben. Es kitzelte die Befürchtung, der Ausgleich könne nicht mehr gelingen, obwohl noch so lange zu spielen war. Nach diesem Tor dauerte es einige Zeit, bis die Angriffe des MSV wieder die Klarheit besaßen, um Torgefahr zu entwickeln. Die Mannschaft bemühte sich zwar, doch die Osnabrücker Defensive konnte nicht stark genug unter Druck gesetzt werden. Stattdessen wurde aus der Kontergefahr die Konterwirklichkeit. Die Osnabrücker besaßen zwei Chancen auf ein zweites Tor, ehe der Druck des MSV in den letzten 15 Minuten wieder so groß war, dass die Osnabrücker nichts mehr riskieren wollten.

In diesen letzten 15 Minuten wurde alles von den Zebras versucht. Immer wieder drangen sie in den Strafraum. Ich erinnere mich allerdings nur an eine einzige halbwegs gute Chance. Gefährlich zum Abschluss kam die Mannschaft nicht. Dann aber folgte der Eckball, bei dem Mark Flekken mit in den Strafraum der Osnabrücker kam. Branimir Bajic köpfte Richtung Toreck, und Mark Flekken, mit dem Rücken zum Tor stehend, verlängerte den Ball mit der Hacke entscheidend ins Tor hinein. Der Jubel explodierte. Was wir in der letzten Saison erst im Saisonfinale erleben konnten, gibt es nun bereits am zweiten Spieltag. Lieblingsauswärtsgegner VfL Osnabrück, die Fahrt hat sich einmal mehr gelohnt.

Als Nebeneffekt des Spiels hat nun die Fußballwelt den Beleg dafür, René Müller, der Trainer des SC Paderborn, verfügt über einen großen Vorrat an Nebelkerzen auf seinem Trainingsgelände. Die braucht er um die Podeste unsichtbar werden zu lassen, auf die er Gegner und eigene Mannschaft je nach Wunsch vor und nach dem Spiel stellt. In Osnabrück hat Fußballdeutschland jedenfalls sehen können, der Müllersche „Topfavorit“ der Liga ist der MSV nicht. Für solch eine herausragende Rolle fehlte der Mannschaft Souveränität nach dem Rückstand. Sie schien doch einige Zeit verunsichert. Einige Spieler waren mehr mit der Enttäuschung beschäftigt als dass sie auf das Gelingen dank eigener Fähigkeiten vertrauten. Ich bin ohnehin zufrieden mit dem Aufstiegsfavoriten in einer Reihe mit ein paar anderen Mannschaften. Wieviel „Top“ dann noch hinzu kommt, wird sich die Mannschaft erarbeiten müssen.

Als ab Mitte der zweiten Halbzeit die Mannschaft sich gegen die drohende Niederlage stemmte, entwickelte sich im Gästeblock ein Dauersupport mit immer größerer Dynamik, der trotz Rückstand immer euphorischer wirkte und nach dem Schlusspfiff Feierhymne wurde: Du bist es schon immer gewesen. Du wirst es für alle Zeit sein. Die einzige ganz große Liebe. Mein Herz schlägt für dich, Spielverein. Kann man mal eine halbe Halbzeit singen.

 

 

Und nun bin ich auch fast schon in Münster. Das geht schnell diese Woche. Nach dem Spielverlauf kommt das der Mannschaft nur zugute. So lässt sich vielleicht noch etwas mehr von diesem selbstbegeisternden Gefühl des Last-Second-Tores mitnehmen.

Du bist es schon immer gewesen. Du wirst es für alle Zeit sein….

Saisonvorbereitung – Worte über und Tore der Neuzugänge: Stanislav Iljutcenko

Stanislav Iljutcenko spielte zwei Jahre beim VfL Osnabrück, hat einen Wikipedia-Eintrag und wurde bei seinem letzten Spiel für Osnabrück groß gefeiert, Teil dieser Feier und Anerkennung in Osnabrück ist bei youtube ein Clip mit dem Jubel zu einem Tor von ihm in diesem Spiel.

Diese Fan-Begeisterung sagt viel über die Persönlichkeit eines Spielers aus, ist sie doch zugleich Abschiedsgruß, denn die Verpflichtung von Stanislav Iljutcenko durch den MSV stand bereits fest. So ein Spieler wird dann nicht nur wegen der Tore für den Verein gefeiert, sondern auch für die Art und Weise, wie er zu seinem Verein gestanden hat. Auch die Osnabrücker Zeitung versteht den Abschied nach zwei Jahren: „Stani“ nutzt, und das ist nur legitim, seinen Entwicklungssprung, den er unter Walpurgis genommen hat, um künftig auf Zweitligabasis besser zu verdienen und seine Familie abzusichern.“ Ihm wird zugetraut, sich in der 2. Liga durchzusetzen.

Einige seiner Tore sind auf Clips bei youtube zu finden. Solche Clips sind ja Momentaufnahmen. So wird in ihnen Stanislav Iljutcenko als ein Spieler erkennbar mit sehr gutem Gespür für den freien Raum, Durchsetzungskraft und Coolness im Abschluss. Er steht an den oder läuft an die richtigen Stellen in den Abwehrketten, um anspielbereit zu sein oder per Kopf zu verwandeln. Er scheint aber auch immer wieder per Dribbling in den Strafraum zu ziehen, um alleine den Abschluss zu suchen.

Das war schon in der Oberliga bei Westfalia Rhynern mit zwei Toren im Spiel gegen Sprockhövel so – ab Minute 0.25 für etwa eine Minute.

Beim VfL Osnabrück erzielt er das dritte Tor für den VfL kurz vor Spielende – ab Minute 1.08.

Zwei Kopfballtreffer erzielt er im Spiel gegen den Chemnitzer FC – ab Minute 4.35 und ab 5.35.

Zwei Tore im Spiel gegen Arminia Bielefeld – ab Minute 1.30 und ab 2.10.

Vielleicht findet ihr noch weitere Clips mit Toren oder Skills von ihm?

Saisonabschluss Teil 1 – Soll und Haben im Tabellenrechner: 38. Spieltag

Nach all dem Feiern des Aufstiegs will ich mich mal an den Saisonabschluss in diesen Räumen hier machen. Es gibt mit dem Tabellenrechner einen losen Faden, den ich mir als erstes vornehme – aus einem einfachen Grund: Zum zweiten Mal habe ich recht gute Erfahrungen damit gemacht. Zum zweiten Mal konnte ich schon früh meine Nerven beruhigen, weil der Tabellenrechner mir große Zuversicht gab, das Saisonziel des MSV wird erreicht.

Wenn also mal wieder Not am Mann ist, kurzer Hinweis und ich schaue wieder, wie unter möglichst schlechten Vorzeichen für den MSV eine Abschlusstabelle zustande kommt, die uns allen Freude macht. Ich gebe zu, ich habe großen Spaß daran, die alles entscheidenden Tabellenplätze recht genau kalkuliert zu haben.

Eines erweist sich bei diesem Abgleichen auch noch: Bis ungefähr zum letzten Viertel der Saison haben die Trainer der in einem Spiel favorisierten Drittligisten immer wieder darauf hingewiesen, in dieser Liga könne jeder jeden schlagen. Die Zahlen bestätigen das. Bei  meiner Prognose bin ich fast immer von Favoritensiegen ausgegangen. Der erste Blick auf die Tabelle zeigt, wieviel Punkte mehr die Vereine im unteren Tabellensegment geholt haben, als es die Prognose nach der einfachsten Bewertungsgrundlage erwarten ließ.

Um so klarer wird auch erkennbar, wie sehr die ersten drei Mannschaften sich vom Rest der Liga unterschieden. Sie zeigten in jeweils unterschiedlichen Phasen der Saison stabil positive Ergebnisse. Der MSV war im letzten Viertel des Saison erfolgreich, als es entscheidend wurde. Im Rückblick lassen sich die Unentschieden zu Beginn der Saison auch anders bewerten. Was in der Anfangsphase der Saison für das Ziel Aufstieg nicht erfolgreich genug war, erweist sich in dieser Perspektive als das Fundament des Aufstiegs. Diese Unentschieden machen die Siegesserie zum Saisonende zu einem Erfolgsendspurt.

Im Abgleich seht ihr die Abschlusstabelle samt Punkten; in der ersten Klammer steht meine Prognose der Platzierung, in der zweiten Klammer meine Prognose der Punktezahl am Saisonende, daneben die endgültig Punkteabweichung von dieser Punkteprognose.

1. (1.) Arminia Bielefeld  74  (77) -3
2. (2.) MSV Duisburg 71 (70) +1
3. (3.) Holstein Kiel 69 (69) 0
4. (4.) Stuttgarter Kickers 65 (67) -2
5. (12.) Chemnitzer FC 59 (50) +9
6. (10) Dynamo Dresden 56 (54) +2
7. (6.) Energie Cottbus 56 (60) -4
8. (5.) Preußen Münster 54 (65) -11
9. (9.) SV Wehen Wiesbaden 53 (55) -2
10. (11.) Hallescher FC 53 (53) 0
11. (8.) VfL Osnabrück 52 (57) -5
12. (7.) Rot-Weiß Erfurt 51 (59) -8
13. (14.) VfB Stuttgart II 47 (42) +5
14. (13.) Fortuna Köln 46 (43) +2
15. (17.) SG Sonnenhof Großaspach 46 (36) +10
16. (18) Mainz 05 II 42 (34) +8
17. (15) Hansa Rostock 41 (41) 0
18. (17) Borussia Dortmund II 39 (30) +9
19. (16.) SpVgg Unterhaching 39 (36) +3
20. (20) Jahn Regensburg 31 (27) +4

Ein Spiel des MSV kann sich in Kunst verwandeln

Es ist mal wieder Zeit für experimentelles Schreiben in diesen Räumen hier. Ich habe nämlich keine Lust, angesichts des ärgerlichen Auftretens vom MSV Duisburg in Osnabrück an berichtende Sätze zum Spiel zu denken. Dieses Spiel ist das nicht wert. Schließlich geht es mir auch um die eigene Freude am Schreiben. Es wäre völlige Zeitverschwendung, mit meinen guten Worten etwas in Erinnerung zu rufen, was am besten so schnell wie möglich vergessen werden sollte. Wir sind uns alle einig, zusammen mit den teilnehmenden Fußballern und sportlich Verantwortlichen, diese Mannschaftsleistung der Zebras war mangelhaft.

Die Scham, dass dieser Auftritt der Mannschaft ein 1:1 als Ergebnis hatte, war in Osnabrück bei einigen Anwesenden spürbar. Auf dem Weg zum Unaussprechbaren wollen wir auf keinen Punkt verzichten, aber mit solch großzügigen Gastgeschenken wie bei diesem Auswärtsspiel ist schwer umzugehen. Mancheiner war geradezu fassungslos über die Spielweise des MSV. Gut, dass wenigstens Michael Ratajczak seinen Anteil zum Erreichen dieses Unentschiedens leistete.

Wir Menschen sind soziale Wesen, und so eine schlechte Leistung ist einfach ansteckend. Wieso sollte ich besser schreiben, als die Mannschaft des MSV Fußball gespielt hat?  So dachte ich nach dem Spiel. Beginn doch einfach mal deinen Text verhalten, farblos in der Wortwahl, ohne Mut und eigene Stimme. Vielleicht stellst du probehalber ein Wort wie Zebras in eine eigene Reihe? Dieses „Zebra“ kannst du dann in immer mehr eigenen Reihen halten, und verlierst es schließlich aus den Augen, weil dir ein halbgarer Gedanken dazwischengegrätscht kommt. Ununterbrochen wirst du ankommende E-Mails abwehren. Brachial wird das im Text vermerkt.

Hin und wieder wäre mal ein zaghafter Halbsatz dran, nur damit du mit dem nächsten Halbsatz das Gegenteil behaupten kannst und im überlangen Anschlussatz den Sinn vollends verlierst. Diese überlangen Anschlusssätze sollen natürlich den Text nach vorn bringen, doch ohne einleitenden Nebensatz bleiben sie in der Luft hängen. Du wirst natürlich am Anfang denken, du könntest auf diese Weise alles im Griff haben, doch immer mehr wirst du in Bedrängnis geraten, weil du keinen roten Faden mehr erkennst. In der Not erschaffst du dann als Einzelaktion wahre Wörterkaskaden, die vage eine Bedeutung vorgeben und immer länger anhalten, bis sie in einem Erstochern von Wörtern voller Rechtschreibfehler enden. Kurz blickst du dann erwartungsvoll zum Duden, der natürlich ohne Regung im Regal stehen bleibt. Wenn irgendein Sinn erkennbar ist, dann nur in behäbigen Sätzen.

Unterschiedliche Anfänge von ein paar Sätzen lässt du kommentarlos stehen und schiebst lasch ein paar Wörter an die Satzenden. In dem sich anschließenden freien Raum stellst du plötzlich jeweils Fotos. Sie lassen die große Chance aus, selbst zur Geltung zu kommen. Sie sind unscharf oder verwackelt. Die Ausrufewörter der Comicsprache nutzt du als Befreiungsschläge. Später, in einem ruhigen Moment nennst du sie Interjektion und lässt die gewohnte Souveränität aufblitzen. Zwei Sätze müssen sehr gut sein und als Sentenz einsam eine kluge Einsicht formulieren.

Am Ende bist du dank des MSV Duisburg einen paradoxen Weg gegangen. Denn auf diese Weise entsteht fast schon so etwas wie Bildende Kunst, eine Skulptur aus Wörtern, denn allein durch die Form kommt der Inhalt zum Ausdruck. Nur, Lesen will das keiner mehr. Was einem auf ähnliche Weise ja auch wiederum vom Spiel des MSV bekannt vorkommt.

Am Samstag schloss die Mannschaft des MSV Duisburg nahtlos dort an, wo sie das Spiel gegen Arminia Bielefeld vollends und gegen Fortuna Köln fast aus der Hand gegeben hat. Im Moment kann diese Mannschaft nicht abwartend spielen. Ihr gelingt es dann nicht, in der eigenen Hälfte aus dem Ballbesitz ein kontrolliertes Passspiel zu beginnen. Sicher wirkt das Spiel der Mannschaft nur, wenn die Mannschaft selbst in die Offensive geht und sie den Gegner in dessen eigener Hälfte genügend beschäftigen kann. Meine Hoffnung für das Spiel gegen die Stuttgarter Kickers muss ich mir hart erarbeiten. Sie steht auf tönernen Füßen nach dem, was von der Mannschaft in diesem Jahr zu sehen gewesen ist. Ich habe leise Angst, dass mir bald jegliche Lust zu Worten über den MSV vergeht, weil ich in den Jahren der Zweiten Liga über diese Gefühle der Enttäuschung schon zu oft geschrieben habe. Ich habe leise Angst davor, dass ich meinen Text über das Spiel gegen die Stuttgarter Kickers gar nicht erst schreiben werde, sondern meine Eindrücke vom Spiel zur Abwechslung mal tanzen muss.


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