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Der Aufstieg braucht kein gutes Omen

Vorgestern überlegte ich noch, ob ich mir eine Niederlage des MSV im Halbfinalspiel des Niederrheinpokals gegen Rot-Weiß Oberhausen wünschen sollte. Ein gutes Omen sollte her, damit der Aufstieg gelänge. Schließlich hatte der Aufstieg vor zwei Jahren genau dieses Vorprogramm einer Niederlage bei RWO. Nach dem 3:0-Sieg des MSV in Oberhausen sage ich, diese Mannschaft braucht kein gutes Omen. Diese Mannschaft schafft den Aufstieg vollkommen aus eigener Kraft. Das war ein so überzeugender Auftritt im Niederrheinstadion, dass meine Anspannung vor den letzten drei Spielen einer Art produktivem Lampenfieber gewichen ist.

Was wurde nicht alles vor dem Halbfinale geschrieben. Wenig von dem hatte ich ernst genommmen. Das Wort B-Elf zum Beispiel in den Schlagzeilen. Auch ohne einen Blick auf die Mannschaftsaufstellung hätte ich vorausgesagt, egal, welche Elf in Oberhausen auf dem Platz stände, mit der B-Elf von vor zwei Jahren wäre sie nicht vergleichbar gewesen. Dazu ist die Bank in dieser Saison in jeder Hinsicht besser besetzt. Der MSV hat gar nicht so viele Spieler im Kader, damit das Schlagwort B-Elf berechtigt gewesen wäre. Schließlich gab es während der gesamten Saison für einen Teil seiner Startelf wechselnde Besetzungen.

Im Niederrhein-Stadion fehlten dann sogar nur Fabian Schnellhardt und Branimir Bajic als stets startende Spieler. Als Stanislav Iljutcenko bereits in der 3. Minute das Führungstor erzielte, war schon klar,  dieses Mal wird RWO wahrscheinlich nichts gegönnt. Ohnehin war dieses Spiel nicht mit dem von vor zwei Jahren vergleichbar. Weniger Zuschauer auf beiden Seiten waren ein klarer Hinweis darauf, dass dieses Spiel nicht mit solch großer Bedeutung aufgeladen war wie vor zwei Jahren. Ich finde das bemerkenswert, weil es ähnliche Bedingungen gegeben hat. Der Aufstiegsaspirant der 3. Liga spielt gegen den Regionalligisten in sehr guter Form. Aber vielleicht war vor zwei Jahre bei beiden Seiten Heißhunger auf so ein Spiel mit Derby-Charakter vorhanden gewesen. Dieser Heißhunger war anscheinend gestillt, denn ich glaube nicht, dass das schlechte Wetter Einfluss auf die Zuschauerzahl hatte.

Alles in allem war die Atmosphäre im Stadion sehr viel entspannter als vor zwei Jahren. Dagegen spricht auch nicht die übliche Randale von Teilen der Fans rund ums Stadion sowie die unsäglichen Böllerwürfe aus dem MSV-Block, für die ich als Strafe im heiligen Zorn am liebsten das biblische Auge um Auge, Zahn um Zahn in Anspruch genommen sähe. Wer Böller anzündet und die Gesundheit der umstehenden Menschen gefährdet, wird mit Knalltrauma von mindestens drei Jahren und anschließendem Tinitus auf Bewährung bestraft. Was für eine Gefährdung der Menschen vor dem Zaun.

In der ersten Halbzeit hat RWO ganz gefällig mitgespielt. Der Ball lief gut, ohne dass die Mannschaft wirklich gefährlich abschließen konnte. Das war der Unterschied: Wenn der MSV sich in die Nähe des Strafraums gespielt hatte, wurde es gefährlich für RWO. Dieser Qualitätsunterschied ist auch für die Bewertung der MSV-Leistung in der Drittliga-Saison interessant. Denn das Problem von RWO hat der MSV in den Punktespielen ebenfalls. Zu wenig Torgefahr ergibt sich, weil rund um den Strafraum die Defensive dicht steht und beim kombinierenden Spielaufbau den Stürmern für deren technischen Möglichkeiten der Ballverarbeitung zu wenig Zeit gelassen wird. Umgekehrt war es so, dass RWO die eigenen Defensive nicht so intensiv spielen konnte, dass sie dem MSV die Schwierigkeiten der Liga-Spiele hätte bereiten können. Zumal der MSV als Favorit führte und RWO entsprechend offensiver denken musste. Das zweite Tor durch Simon Brandstätter wenige Minuten vor dem Halbzeitpfiff entschied für mich das Spiel endgültig.

In der zweiten Halbzeit ging es um ein würdiges Zu-Ende-Spielen dieser 90 Minuten. Stanislav Iljutcenko machte sein zweites Tor. Wenn es überhaupt einen Wermutstropfen in diesem Spiel gibt, so ist es die Erinnerung daran, dass Iljutcenko wegen seiner Gelb-Sperre gegen Lotte fehlen wird. Aber auch das wird die Mannschaft kompensieren. Mal sehen, ob am Samstag in Duisburg die Zuschauerzahl ebenfalls zeigt, welches Spiel das wirklich wichtige Spiel dieser Woche ist, egal ob Derby oder nicht.

Ein paar Fotos vom Abend habe ich auch noch. Kleiner Nachtrag punkto Medien und Selbstwahrnehmung. Der arme Enatz wurde beim laufenden Spiel nach etwa zehn Minuten von der Lokalzeit Duisburg des WDR um ein Interview am Spielfeldrand gebeten. So ein freundlicher Mensch wie er schlägt solche Bitten natürlich nicht ab. Es regnete aber. Man ließ ihn in diesem Regen warten, dann wurde er lächelnd befragt und durfte schließlich nass geworden zurück auf seinen Tribünenplatz. Selbst bei solchen Begegnungen auf Verbandsebene verschiebt sich zwischendurch die Bedeutung dessen, was bei einem Fußballspiel wichtig ist. Zur Erinnerung, es ist nicht das Fernsehen.

Halbzeitpausengespräch: Moderne Fotografie – Nachteile der Speicherkarte neben den Vorteilen der Intimbehaarung

Ruft an. Macht mit. Habt endlich mal ein großes Publikum, wenn ihr was meint. Call-In-Sendungen im Radio sind Wundertüten, und machmal bringen sie mich zum Lachen. Als ich Mittwoch von Köln nach Duisburg unterwegs war, blieb ich beim Sender-Zappen für einige Zeit bei WDR5 hängen. „Wie fotografieren Sie im digitalen Zeitalter“ hieß die von Randi Crott moderierte Sendung, – hier insgesamt online gestellt.

Die Stimmung war gerade kulturkritisch bedeutsam. Der Experte im Studio merkte an, die vielen Fotos heutzutage sehe sich jeder, wenn überhaupt, nur noch einzeln an. Erlebnisse würden als Erinnerung nicht mehr geteilt, wie es noch mit Abzügen zu analogen Zeiten geschah. Ein Anrufer stellte die Frage in den Raum, wieso Fotokünstler Facebook ihre Fotos überliessen, indem sie sie Fotos zu Werbezwecken dort hochladen würden? Die Widersprüche eines ganz normalen Sozialen-Netzwerk-Lebens standen im Raum.

Aber dann meldete sich Herr Schmied aus Euskirchen und brachte das Gespräch auf für ihn grundsätzliche Vorteile und Nachteile der Digitalfotografie.

Moderatorin: Wie fotografieren Sie?

Anrufer: Ich fotografiere im Prinzip zu jeder Möglichkeit. Was ich auf jeden Fall besser finde, sage ich mal, beziehungsweise was ich schlechter finde, sind zum Beispiel die Sachen mit den Speicherkarten…öhm…die haben ja so ne begrenzte Lebensdauer. Mir ist schon öfter vorgekommen…das soll man gar nicht meinen, dass das mal passiert…dass Bilder da drauf waren und ja, dass die Speicherkarte einfach die Lebensdauer erreicht hat und man hat die dann einfach nicht mehr darunter oder dadrauf bekommen.

Moderatorin: Von welchen Apparaten sprechen Sie? Mit welchen Apparaten fotografieren Sie denn meistens?

Anrufer: Also, ganz normale Digitalkamera mit ner Speicherkarte drinne, halt, und ehm…ja, was auf jeden Fall besser geworden ist, ist zum Beispiel in der Aktfotografie, halt, weniger Intimbehaarung…halt, nee.

Experte: Ehm, bitte? Das…ehm…

Anrufer:  Das wäre, sach ich mal, was sich nochmal so verbessert hat.

Experte: Das ist jetzt Geschmackssache, aber ok. Ich weiß jetzt nicht, was ich dazu sagen soll

Anrufer: Ich sach mal so, da sieht man dann halt einfach mehr, halt.

Experte: Ok, jaja, gut, das…von der Speicherkarte zur Intimbehaarung

Moderatorin: Ja. Bleiben wir mal bei der…

Anrufer: Nein, nein, ich meine grundsätzlich…grundsätzlich bei der Fotografie…

Moderatorin:... Speicher…

Anrufer: …nein, nein. das sind eben zwei verschiedene Sachen halt. Einmal was schlechter geworden ist..halt eben… dass wenn man Sachen auf der Speicherkarte hat,  dass das unterwegs verschütt gehen kann, weil man das nicht mehr abrufen kann. Was sich jetzt, sach ich mal, positiv entwickelt hat in der Fotografie heutzutage eben, durch die Intimbehaarung eben, dass man dann mehr sieht, halt.

Ein wenig kitzelt der Zweifel, ob Herr Schmied aus Euskirchen tatsächlich ein Herr Schmied aus Euskirchen war. Wenn nicht, war der verdammt gut simuliert. Ich habe jedenfalls lange noch gelacht. Ab Minute 25’20‘‚ auf dem oben verlinkten Beitrag.

Akzente inoffiziell: MS Franziska bringt 1978 TV-Deutschland die Binnenschifffahrt ins Haus

Wie im letzten Jahr begleite ich die 37. Duisburger Akzente mit einem inoffiziellen Programm. In diesem Jahr lautet das Akzente-Motto „Nah und Fern – 300 Jahre Duisburger Hafen“.

Noch bevor 1981 die erste Schimanski-Folge Ruhrort und damit Duisburg endgültig zum selbstverständlichen Handlungsort eines fiktionalen TV-Geschehens machte, nutzte schon 1978 die TV-Serie MS Franziska das erzählerische Potential von Duisburg und dem Ruhrorter Hafen als Teil der Binnenschifffahrtswelt. Regie führte Wolfgang Staudte, die Bücher hatte Heinz Oskar Wuttig geschrieben. Die ARD richtete mit der Erstausstrahlung der Serie seinerzeit den Montagabend als neuen Seriensendeplatz ein.

Wie sehr für mich die Welt der Binnenschifffahrt grundsätzlich mit meiner Ruhrorter Hafenwelt verschmolzen war, seht ihr daran, dass in meiner Erinnerung die gesamte Serie ihren Handlungsschwerpunkt in Duisburg besaß. Was nicht stimmt. Zwei Folgen nur spielen in Duisburg. Ein Binnenschiff liegt nun mal nicht vornehmlich vor Anker, sondern es ist in der MS-Franziska-Welt auch mal auf dem gesamten Rhein unterwegs.

Mit dem Anfang der ersten Folge sehen wir die MS Franziska im Mittelrheintal, und ein Grundkonflikt der Serie wird etabliert. Der von Paul Dahlke gespielte Binnenschiffer im Rentenalter Jakob Wilde ist ganz Patriarch alter Schule. Er glaubt weiterhin auf die Anforderungen des Lebens die besseren Antworten zu haben als seine Söhne. In dieser einführenden Szene geht es natürlich um die grundsätzliche Fähigkeit eines Binnenschiffers, das Steuern des Frachtschiffes, das er seinem von Ulrich von Dobschütz gespielten Sohn Paul in einer Gefahrensituation aus der Hand nimmt.

Die Folge 2, Zum Grünen Hahn, spielt vor allem in Ruhort und Homberg. Die MS Franziska liegt in Ruhrort vor Anker. Jakob und Paul warten auf einen lukrativen Frachtauftrag. Das Alltagsleben in der Binnenschifffahrt wird mit Fahrtauglichkeitsprüfung von Jakob und den Begegnungen mit dem Hafenpastor erzählt. Zudem beginnt für den von Jochen Schroeder gespielten Enkel Jakobs, Niko Wilde, ein zehnwöchiger Lehrgang auf dem im Homberger Eisenbahnhafen liegenden Schulschiff Rhein.

In der Folge 4, Probefahrt, liegt die MS Franziska mit einem Motorschaden in Duisburg fest. Dramatik erhält die Folge durch den Blinddarmdurchbruch von Paul. Für ihn muss Jakob einen Ersatz suchen muss, als er für die MS Franziska einen Frachtauftrag erhält.

Bei Wikipedia gibt es hauptsächlich die inhaltliche Zusammenfassung der einzelnen Folgen. Zusammen mit dem Episodenguide bei Fernsehserien.de erhält man ein gutes Bild vom Handlungsgeschehen.

Auf der Seite TV-Nostalgie gibt es Ausschnitte aus einem Interview, das der Seitenbetreiber mit dem Komponisten der Filmmusik, Peter Schirmann, geführt hat.

Sämtliche Folgen finden sich auf YouTube

 

Mit einem Klick weiter zu den bisherigen Beiträgen des inoffiziellen Akzente-Programms im Zebrastreifenblog.

Akzente inoffiziell: Der Ruhrorter Hafen im Bewegtbild

Wie im letzten Jahr begleite ich die 37. Duisburger Akzente mit einem inoffiziellen Programm. In diesem Jahr lautet das Akzente-Motto „Nah und Fern – 300 Jahre Duisburger Hafen“. Eine Gelegenheit zu einem Hafenfilm-Special.

Ein Zusammenschnitt alter Filmaufnahmen aus den 1920er und 1930er Jahre, die dank Wilfried Krüssmanns VideoDu.de bei YouTube zu finden ist.

 

Eine Dokumentation aus dem Jahr 1955

 

Noch einmal öffnet Wilfried Krüssmann sein Archiv mit einem PR-Film des Hafens, der wohl in den 1980er Jahren entstanden ist.

 

Der Gegenwart nähern wir uns mit den Hafenimpressionen von Wilfried Krüssmann.

 

Der WDR hat 2015 die Dokumentation „Geheimnis Duisburger Hafen“ gezeigt. Ich vermute, der Clip war zunächst Programmhinweis.  Die gesamte Doku wurde bei YouTube ebenfalls hochgeladen – nicht vom WDR. Mal sehen, wie lange sie online ist.

 

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Ausgezeichnet mit dem mediengeprüften Neururer-Siegel

Das hat man doch gerne, wenn der Ex über einen tratscht und gönnerhaft feststellt, doch, doch, die habe das Leben einigermaßen im Griff, scheint ganz gut klar zu kommen mit dem Neuen. Soll man zufrieden sein, wenn so ein Verflossener feststellt, man sei demnächst wahrscheinlich nicht ganz unten? Ist das nicht demütigend? Aber es ist ja nicht mal sicher, ob alle  Zuhörer überhaupt noch wissen, dass sie mal was miteinander hatten.

Der Peter hat nichts Böses im Sinn. Der Peter ist so. Der tratscht immer überall über alle, mit denen er mal was hatte. Der braucht das und findet immer  jemanden, der ihm die Bühne gibt für seinen Tratsch. Unterhaltsam soll er ja sein, und unterhaltsam, das muss heute, wenn es um Fußball geht wie bei Sport und Musik im WDR 2. So eine Redaktion möchte eben möglichst reibunglos und unaufwändig die Arbeit erledigt wissen, und beim Peter wissen sie, woran sie sind.

Als ich Samstag auf dem Weg nach Duisburg war, habe ich beim Zappen durch die Radiosender nur noch Peters abschließendes Urteil mitbekommen, mit dem Abstieg würden sie nichts zu tun haben. Die unglaublich aufgeräumte Moderatorin schmetterte daraufhin dem zweiten Gesprächspartner am Telefon irgendwas Erwartungsvolles entgegen, nach dem Motto: „Was sagen Sie denn jetzt dazu?“ Es klang nach: „Begeistert sie die frühe Rettung vor dem Abstieg nicht?“ Erst als Ivo zu sprechen begann, wusste ich das Urteil von Peter, dem Fußballgütesiegel-Verwahrer, hatte dem MSV gegolten. Ich musste Ivo bewundern, dass er der Moderatorin sachlich antwortete und ihr nicht durchs Telefon an die Gurgel ging.

Stattdessen ärgerte ich mich für ihn. Ich will von Peter Neururer kein einziges Wort mehr über den MSV Duisburg hören. Von jetzt auf gleich klang alles, was er gesagt hatte, so anmaßend für mich. Worte, die ich ja fast alle gar nicht gehört hatte. Ich war plötzlich mit dem MSV seine Ex, und ich fand es unverschämt, dass er es aus der Ferne wagte zu urteilen. Irgendwie hatte ich was Persönliches mit ihm. Vielleicht weil mir momentan ohnehin manches Geschehen im Fußball gehörig auf die Nerven geht. Vielleicht war Peter Neururer pötzlich mein Symbol für das Mediencredo, Fußball als Spaß- und Unterhaltungsangebot zu inszenieren. Mich nervt das. Mich nervt dieser pseudosachliche Umgang mit Peter Neururer, der seinen Werdegang als Trainer völlig außer Acht lässt. Mich nervt diese aufgesetzte Seriösität, wenn Urteile gewünscht sind und gleichzeitig klatschen alle Medienmacher nur begeistert in die Hände und rufen, unterhaltsam, wir preisen dich, unterhaltsam, wir loben dich, unterhaltsam, großer Peter.

Ich war auf dem Weg zum Spiel des MSV gegen den FC Porto. Viel will ich dazu gar nicht schreiben. Es war ein früher Abend zum Wohlfühlen für mich. Ich erwartete nichts und freute mich, wie der MSV in der ersten Halbzeit mithalten konnte. Ich finde nicht, dass das zu Beginn der zweiten Halbzeit noch anhielt. Direkt nach Wiederanpfiff war klar, nun war es nur noch eine Frage der Zeit bis der Führungstreffer des FC Porto fiel. Der Druck wurde größer.

Mithalten bedeutet, frühes Pressing machte dem FC Porto das Aufbauspiel schwer. Bälle konnten erobert werden und ein schnelles Spiel des FC Porto konnte meist unterbunden werden. Mithalten bedeutet auch, schnelles Umschaltspiel funktionierte gut. Ein Aufbauspiel aus der Abwehr heraus funktionierte gegen einen Gegner wie den FC Porto gar nicht. Dazu brauchten die Spieler des MSV zum einen zu viel Zeit, um Bälle unter Kontrolle zu bekommen. Jeder Ball, der einem Spieler des MSV nur ein wenig versprang, war schon ein toter Ball. Zum anderen fehlten überraschende Laufwege, die Räume öffneten. Die Defensive des FC Porto war zu gut organisiert.

Dennoch waren die Spieler des MSV Duisburg gegen diese sehr gute Defensive präsent. Alleine Zlatko Janjic stemmte sich nicht gegen diese stete attackierende Defensive. Er tauchte ab. Was wir auch aus der Hinrunde der letzten Saison kennen, wenn ein Spiel mal nicht so gut lief. Ich kann mir dennoch vorstellen, dass mit dieser Offensivleistung des MSV Gegner in der Zweiten Liga in Bedrängnis gebracht werden können. Die Defensiv als Grundlage des Mannschaftsspiel wirkte ohnehin schon sehr eingespielt. Wenn wir davon ausgehen, dass der MSV in dieser ersten Saison  meist nicht das Spiel wird machen müssen, scheinen mir die Voraussetzungen für ein Erreichen des selbst gesteckten Ziels nicht schlecht zu sein.

Bei einem immer überlegeneren Gegner konnte Michael Ratajczak zeigen, was er auf der Linie und im Fünfmeterraum kann. Solche überragende Torwartleistung kannten wir schon von ihm. Viel verblüffender für mich war die Entwicklung, die sein fußballerisches Können genommen hat. Seine Abschläge kamen fast immer dorthin, wo er hinspielen wollte. Er zeigte sich nicht nur entschlossener und mutiger beim Rauslaufen, sondern auch wenn er das Spiel schnell machen wollte. Ich hoffe sehr, dass dieses Können stabil bleibt. Ohne Neuverpflichtung wäre die Mannschaft mit einem Schlag sowohl defensiv als auch offensiv deutlich besser aufgestellt. Der 1. FC Kaiserslautern soll also am Freitag mal kommen.

Programmhinweis: TV

Wer heute Abend um 20:15 Uhr nach dem dann hoffentlich vollbrachten Sieg in Frankfurt die gute Stimmung lieber mit Freunden beim Bier teilen will, sollte sich den Rekorder, analog oder digital, programmieren. Im dritten Programm des WDR läuft dann nämlich der erste Teil einer zweiteiligen Dokumentation über die Anfänge des Profifußballs im Nordrhein-Westfalen der 60er Jahre. „Als Arbeiterjungs Profifußballer wurden …“ ist der Titel der Dokumentation, deren erste Folge „Für´n Appel und ´n Ei“ heute zu sehen ist. Die zweite Folge heißt „Gesunde Härte“ und wird am 15.5. gesendet.

Als WDR2 mich kurz hinter Bielefeld zum Deppen machen wollte

Was ist die Erkenntnis vom gestrigen Spieltag? Ich kann erzählen, warum ich seit Jahren WDR2 trotz Zielgruppenverträglichkeit fast nur noch am Samstagnachmittag bei der Fußballkonferenz höre, und ich fühle mich einmal mehr als optimistischer Realist. Denn wider besseren Wissens gebe ich die Hoffnung erst auf, wenn – und nun alle im Chor – rein rechnerisch nichts mehr möglich ist. Aber der Reihe nach.

Da sind sich ja alle einig, ob Sportjournalisten oder Tina im Liveblog, der Verein aller Vereine schrappte zum zweiten Mal hintereinander an einem enttäuschenden Ergebnis vorbei. Oder ist das Uentschieden nicht doch eine halbe Enttäuschung, wenn man hinfährt, um zu gewinnen? Oder ist es nicht doch enttäuschend, dass ich mit allen geschriebenen Worten sehr an die zweite Halbzeit gegen Wehen erinnert werde? Vor allem im Bericht des „Kickers“ springt mich das „Probleme im Spielaufbau“ an und zeigt mir, um oben mithalten zu wollen, fehlt es weiterhin an spielerischer Qualität als Mannschaft. Sprich: Ich sehe zwar die Verbesserung, aber die Zeit zur weiteren Vervollkommnung braucht es auch und damit ganz, ganz viel Glück, um die kleine Chance zum Aufstieg weiter zu haben. Denn mindestens bei den ersten drei Mannschaften hängt ein mangelhafter Spielaufbau von der schlechten Tagesform ab, grundsätzlich stimmt er dort. Beim MSV ist es genau umgekehrt. Ein guter Spielaufbau hängt von sehr guter Tagesform ab, grundsätzlich stimmt er nicht. Noch, sagt der Optimist in mir.

Und damit wende ich mich den ganz unerfreulichen Dingen des gestrigen Nachmittags zu, dem Moment, als ich mir kurz hinter Bielefeld vom WDR, vertreten durch die Programmmacher von WDR2,  sehr verarscht vorkam. Denn wie ich am Freitag vermutet hatte, saß ich mitsamt Familile während des Spiels gegen Augsburg gestern im Auto. Die Fahrt begann allerdings mit einem wunderbaren Erweckungserlebnis. Nach fast durchfeierter Geburtstagsfestnacht und wenig Schlaf setze ich mich gegen halb drei müde und zerschlagen ans Lenkrad, schalte das Radio ein, und als erstes höre ich bei NDR2 ungefähr das hier: In Osnabrück steht es zurzeit – ich hab´s schon wieder vergessen – und in Augsburg führt der MSV mit 1 : o. Jaaaa! Ich war so wach, dass es für die fast vier Stunden Fahrt reichte.

In der zweiten Halbzeit begleitete uns dann WDR2, wo die Moderatorin die Spielstände zweimal durchgab zusammen mit einer Kürzestschalte nach Aachen, das aber jedes Mal als irgendwie besondere Leistung für die zahlreichen Fußballfans verkaufen wollte. Zudem erinner ich mich an die sensationsheischende und spannungserweckende Ankündigung, bei der Schlussphase live dabei zu sein. Nur in Aachen versteht sich. Ich schätze mal für ca. 30 Sekunden. Fast ohne Spielgeschehen. Aber mit anschließendem Jingle, der etwa halb so lang war wie diese Pseudo-Liveschalte. „WDR2 – Hier schlägt das Herz des Fußballs“. So heißt das doch, glaube ich. Auch das weiß ich nicht mehr ganz so genau und habe auch keine Lust, nun deshalb bei der WDR-Pressestelle Zeit zu vergeuden. Ja, halten die mich für debil? Denken, die dass ich das Zeitgefühl eines Kleinkindes habe? Jeder ist Moment ist ein ewiger Moment?

Der Sender hat natürlich alle Freiheit bei Programmentscheidungen. Ich kann ja schließlich abschalten. Der WDR braucht – aus welchen Gründen auch immer – über Fußball am Sonntagnachmittag nicht ausführlich zu berichten. Es gab ja auch schon mal andere Zeit. „Sport und Musik“ hatte aber anscheinend nicht genug Hörer. Sei´s drum. Was mich nun wirklich aufregt, ist diese unverfrorene dicke Tünche Eigenwerbung, die die kaum vorhandene sonntägliche Berichterstattung für den Hörer einordnen soll. Samstags mag das funktionieren, aber sonntags wirkt das zynisch von den Verantwortlichen, weil ich vermuten muss, sie halten mich, den Hörer, für so dumm, auf diese werbende Lüge hereinzufallen.  Sie nehmen meine Intelligenz nicht ernst.  Deshalb höre ich dieses Programm natürlich auch so gut wie nicht mehr. WDR2 erreicht mich hin und wieder für maximal drei bis vier Stunden. Samstagsnachmittag.


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