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Mitten in Meiderich – Abspann

So ganz habe ich mich von „Mitten in Meiderich“ noch nicht verabschiedet.  Das Serielle solcher Formate berührt doch das zutiefst menschliche Bedüfnis nach der Rhythmisierung des Lebens. Wenn ich mir vorstelle, am nächsten Dienstag keinen neuen Clip über den MSV Duisburg mehr zu sehen, fühle ich diesen leichten Stich eines Verlustes. Ich fühle ihn, obwohl ich zum Ende der Saison eher unzufrieden als zufrieden war und sogar meine Lust über die jeweilige Folge zu schreiben keineswegs stabil vorhanden war. Dennoch, das weiß ich jetzt schon,  mir wird in Zukunft das Sehen der Videoclips und genau dieses Schreiben fehlen. Gefühle des Abschieds können schillernd sein.

„Mitten in Meiderich“ gewährte mir nicht nur die kurze, unterhaltsame Pause vom Alltag. Unterhaltsam deshalb, weil auch als gerecht empfundenes  mildes Ärgern unterhält. Das ist meine Perspektive als Fan und es ist offensichtlich, dass meine Ansprüche als Fan durch das Serielle der Form vollauf bedient waren. Einmal in der Woche ein paar bewegte Bilder vom Verein meines Interesses. Das ist gut, egal ob sie jedes Mal mir etwas wirklich Interessantes zeigen. Sie bieten auf jeden Fall Anlass, mich mit etwas zu beschäftigen, was sehr fest mit meinem Leben verbunden ist.

Darüber hinaus habe ich durch „Mitten in Meiderich“ aber auch die Gelegenheit erhalten, meine eigenen Vorstellungen von gelungenen Dokumentationen auf vielfältige Weise zu durchdenken und damit zu schärfen. Sowohl für den MSV-Fan in mir als auch für mich als Nutznießer einer Art Self-Made-Weiterbildung musste aber erst einmal jemand etwas schaffen, das mein Fühlen berührte und mein Denken anstieß. Im Selbstverständnis von Kultur- oder Medienkritik wird das als gegeben vorausgesetzt und gilt als nicht weiter erwähnenswert.  Hier aber sei den  Machern von „Mitten in Meiderich“ auch noch einmal ausdrücklich gedankt. Denn selbst wenn die einzelnen Folgen sich in ihrer Qualität sehr unterschieden, eines war jederzeit spürbar: den Machern lagen die Inhalte am Herzen und ihnen ging es nicht nur um das Erfüllen eines Jobs.

Mitten in Meiderich – Folge 18

Was bisher geschah … „Mitten in Meiderich“ ist die Mini-Doku über den MSV Duisburg. In der ersten Folge hieß es noch, wir begleiten den MSV bei dem Versuch, doch noch aufzusteigen. Die einzelnen Folgen aber sind bislang nicht mehr auf diese starke Grundidee hin ausgerichtet. Einen längeren Erzählfaden gibt es nicht. Das Serielle der Doku baut fast ausschließlich auf die äußere Form der Präsentation und dem unkonkreten Thema „MSV Duisburg“. Deshalb braucht eine jede Folge eigentlich eine einzelne starke Geschichte mit Anfang und Ende.  Wirklich gefunden werden diese Geschichten bislang nur im Ansatz. Deshalb bieten die Folgen ein kunterbuntes Allerlei, das manchmal etwas beliebig wirkt. In diesen Grenzen gewährt „Mitten in Meiderich“ in den besseren Momenten den Blick aufs Tagesgeschäft, der angesichts des Formats natürlich immer etwas flüchtig ist. Doch Anfang April hat die Niederlage des MSV Duisburg gegen Mainz 05 Spuren in der Doku hinterlassen. Flüchtige Blicke auf das Tagesgeschäft sind offensichtlich nur möglich, wenn Zuversicht im Verein und bei den Machern vorhanden ist. Nach kurzzeitiger Orientierungslosigkeit machte man die einzelnen Folgen der beabsichtigten Doku dann zur Kurzreportage der üblichen Sportberichterstattung …

Mit der 18. und letzten Folge von „Mitten in Meiderich“ sollten auch meine medienkritischen Betrachtungen eigentlich ein Ende finden. Die neu eingerichtete DSF-Seite aber lässt mich überlegen, ob ich nicht demnächst noch so was wie Webseiten-Kritik betreibe, den Auftakt könnte dann die Bewertung der DSF-Seitengestaltung sein. Fehlen mir auf der ersten Seite für die TV-Tipps am Rand doch die deutlichen Grenzen der jeweiligen Themen, für die die Bilder als Anreißer funktionieren sollen. „Mitten in Meiderich“ verliert auf diese Weise, weil es zu wenig als eigenständiges Format wahrgenommen wird.  Die als Mini-Doku angekündigte Serie dann auch noch mit dem Portrait von Peter Neururer zu bebildern, halte ich bei aller Mediengewandtheit des Trainers für unpassend, schließlich soll es ja um mehr als um diesen Trainer gehen. Das weist im Übrigen einmal mehr auf Entscheidungsprozesse hin, die die Intensität des Nachdenkens über das Format offenbaren. Bei der Navigation ist „Mitten in Meiderich“ auch eine Hierarchieebene nach unten gerutscht, und ich frage mich, ob die Technik noch nicht ganz sicher funktioniert, weil ich keinen Link zur einzelnen Folge erhalte, sondern nur zum Gesamtmenü von „Mitten in Meiderich“. Ihr müsst euch also gegebenenfalls von hier aus selbst auf der Seite durchklicken.

Genug der Anmerkungen zur DSF-Seite und nun zur Folge 18, die fast ausschließlich aus Interview-Schnipseln zusammengeschnitten ist. Peter Neururer hadert noch einmal mit den Schiedsrichterentscheidungen in den Spielen gegen Mainz und St. Pauli, sieht Verstärkungsbedarf auf allen Positionen mit Ausnahme des Torwarts und telefoniert. Der „Boss“, namentlich Walter Hellmich, zieht das Fazit „Saisonziel nicht erreicht“, glaubt an Verpflichtungserfolge Bruno Hübners, sieht den MSV in der kommenden Saison im Anwärterkreis für den Aufstieg und telefoniert. Bruno Hübner erläutert die Stärke der 2. Liga in der nächsten Saison, sieht den MSV im Favoritenkreis, falls die Leistung der Rückrunde wiederholt werden kann und telefoniert.

Wir erfahren also, die Führungsebene ist immer für den Verein im Gespräch mit der Welt. Sie arbeiten noch an der erhofften Zukunft, während die Spieler schon das Trainingsgelände verlassen, um in den Urlaub zu fahren. Inhaltlich erfahren wir nichts Neues aus der Führungsebene und der kleine Bewertungsunterschied über die Aussichten des MSV in der nächsten Saison zwischen Walter Hellmich und Bruno Hübner verschwindet bei näherem Hinsehen. Bruno Hübner schränkt seine Bewertung „Favorit“ ein, indem er die Leistung der Rückrunde als Voraussetzung ansieht. Das entspricht ungefähr dem „Anwärterkreis“ von Walter Hellmich, der sich anscheinend nach den großen Worten vor der letzten Saison nicht mehr allzu weit aus dem Fenster lehnen will. Wenn er seiner Wertung Anwärterkreis ein „mehr nicht“ beifügt, so spricht hier das gebrannte Kind. Der Anspruch oben mitzuspielen bleibt aber bestehen.

Dazu bedarf es noch Neuverpflichtungen und Vertragsklarheit, so bei Markus Brzenska, der auch noch einmal in die Kamera sagen darf, er fühle sich beim MSV wohl und wolle bleiben. So steht am Ende von „Mitten in Meiderich“ nicht der Blick hinter die Kulisse sondern auf die Köpfe von Entscheidungsträgern und -spielern mit ihren gewohnten Worten der Verlautbarung, wie sie in der üblichen Sportberichterstattung als Hintergrundbericht gern gesendet werden. Wenn es einem nur um das Erscheinen des  MSV in einem öffentlich wahrgenommenen Medium geht, reicht das. Für den Anspruch eine Dokumentation sein zu wollen, ist es zu wenig. Anstatt mich nun weiter zu wiederholen, schließe ich mich lieber den Worten des Kommentators  an, hoffe auf die von Walter Hellmich prophezeite erfolgreiche Arbeit Bruno Hübners und freue mich ebenfalls schon ein wenig auf die nächste Saison.

Mitten in Meiderich – Folge 17

Was bisher geschah … „Mitten in Meiderich“ ist die Mini-Doku über den MSV Duisburg. In der ersten Folge hieß es noch, wir begleiten den MSV bei dem Versuch, doch noch aufzusteigen. Die einzelnen Folgen aber sind bislang nicht mehr auf diese starke Grundidee hin ausgerichtet. Einen längeren Erzählfaden gibt es nicht. Das Serielle der Doku baut fast ausschließlich auf die äußere Form der Präsentation und dem unkonkreten Thema „MSV Duisburg“. Deshalb braucht eine jede Folge eigentlich eine einzelne starke Geschichte mit Anfang und Ende.  Wirklich gefunden werden diese Geschichten bislang nur im Ansatz. Deshalb bieten die Folgen ein kunterbuntes Allerlei, das manchmal etwas beliebig wirkt. In diesen Grenzen gewährt „Mitten in Meiderich“ in den besseren Momenten den Blick aufs Tagesgeschäft, der angesichts des Formats natürlich immer etwas flüchtig ist. Doch Anfang April hat die Niederlage des MSV Duisburg gegen Mainz 05 Spuren in der Doku hinterlassen. Flüchtige Blicke auf das Tagesgeschäft sind offensichtlich nur möglich, wenn Zuversicht im Verein und bei den Machern vorhanden ist …

Das große Ziel ist nicht mehr zu erreichen, aber zum Ende der Saison hin wird noch einmal alles gegeben, so könnte ein Fazit für Folge 17 von „Mitten in Meiderich“ lauten. Bei Fußballern heißt das dann, sie spielen befreit auf. Dieses Mal besitzt der als Doku vorgegebene Reportage-Beitrag auch mehr erzählerische Substanz, weil die Hälfte des Clips Olcay Sahan als Hauptfigur zeigt und in dem was Sahan sagt und wie die Kamera sein Gesicht einfängt, man einen für diese kurzen Minuten tiefen Einblick in die Persönlichkeit Sahans erhält.

Zunächst gibt es aber einen kurzen Rückblick auf das turbulente Auswärtsspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern. Tom Starke schildert seine Eindrücke, Peter Neururer findet wieder einmal launige Worte und Christian Tiffert zeigt sich zum dritten Mal hintereinander als ein Spieler, der etwas zu sagen hat und sich hinter keiner der vorgefertigten Sprachhülsen der Branche versteckt. Abgerundet wird das Ganze durch einen kurzen Blick in die Kabine, wo gerade herumgefrotzelt wird. Entspannung allerorten.

Für die Bilder mit Sahan geht es erst ins Auto, dann in den Landschaftspark Nord, wo Spieler und Journalist den Hochofen besteigen. Da soll die repräsentative Industriekulisse des Ruhrgebiets als belebendes Bildmoment wirken für das Gespräch mit dem „Düsseldorfer Jung“. Man erkennt in Sahans tastenden Sätzen über seinen Platz in der Welt auch die Konzentration seines Denkens auf den Fußball. Er spricht über seinen Traum Nationalmannschaft aus, was er wirklich denkt und ich hoffe sehr, dass ihm diese Sätze niemals von irgendwelchen kleingeistigen Idioten zum Vorwurf gemacht werden. Es berührt sehr, wieviel Kraft ihm offensichtlich seine Familie gibt und wie durch die Weise seines Erzählens die tiefe Dankbarkeit für die Unterstützung seines Vaters deutlich wird.

Diese als Reportage angelegte Folge ist deshalb gut, weil ich ich die meisten Bilder und O-Töne nicht vorhersehen konnte. Sie hat mir etwas gezeigt, was ich noch nicht wusste. Das ist meine Erwartung an eine Reportage. Dass eine Dokumentation dann noch ganz anders funktioniert, wiederhole ich nur der Vollständigkeit halber.  Ich hoffe auf eine ähnliche Spielfreude der Macher zum Saisonabschluss.

Mitten in Meiderich – Folge 16

Was bisher geschah … „Mitten in Meiderich“ ist die Mini-Doku über den MSV Duisburg. In der ersten Folge hieß es noch, wir begleiten den MSV bei dem Versuch, doch noch aufzusteigen. Die einzelnen Folgen aber sind bislang nicht mehr auf diese starke Grundidee hin ausgerichtet. Einen längeren Erzählfaden gibt es nicht. Das Serielle der Doku baut fast ausschließlich auf die äußere Form der Präsentation und dem unkonkreten Thema „MSV Duisburg“. Deshalb braucht eine jede Folge eigentlich eine einzelne starke Geschichte mit Anfang und Ende.  Wirklich gefunden werden diese Geschichten bislang nur im Ansatz. Deshalb bieten die Folgen ein kunterbuntes Allerlei, das manchmal etwas beliebig wirkt. In diesen Grenzen gewährt „Mitten in Meiderich“ in den besseren Momenten den Blick aufs Tagesgeschäft, der angesichts des Formats natürlich immer etwas flüchtig ist. Doch Anfang April hat die Niederlage des MSV Duisburg gegen Mainz 05 Spuren in der Doku hinterlassen. Flüchtige Blicke auf das Tagesgeschäft sind offensichtlich nur möglich, wenn Zuversicht im Verein und bei den Machern vorhanden ist …

Wie wir wissen, hatte „Mitten in Meiderich“ am Dienstag zum Zeitpunkt des ersten Netzauftritts der Folge 16 starke Konkurrenz. Das Spiel in der MSV-Arena ließ die Klick-Zahlen für diese Folge sicher später als sonst die gewohnten Höhen aufweisen. Denn wahrscheinlich machten es die meisten Zuschauer der Doku doch wie ich, die real erfahrbare Wirklichkeit ging vor. Eine Entscheidung, die ich im übrigen trotz aller im Nachhinein damit verbundenen ärgerlichen Gefühle nie in Zweifel zöge.

Zum Ende der Saison hin scheinen die Macher das Dokumentarische völlig aufgegeben zu haben. Womöglich ist sowohl ihnen als auch dem Verein als Akteur nicht klar gewesen, was es wirklich bedeutet, einen dokumentarischen Blick auf den Alltag beim MSV zu gewähren. So bleiben Macher und MSV Duisburg auf der sicheren Seite, und auch diese Folge lehnt sich in ihrer Machart jetzt deutlich an die Standardbeiträge der Sportsendungen öffentlich-rechtlicher Anbieter an.

Den thematischen Schwerpunkt der Folge finden die Macher mit dem Blick auf einen Fan. Über den MSV selbst wird so gut wie nichts mehr erzählt. Hier gibt es Versatzstücke aus der TV-Berichterstattung  über einen Fußballverein, der sich in enttäuschter Stimmung befindet. Das sind Standardbilder und -O-Töne vom ärgerlichen Trainer, von ratlosen Spielern und ein resumierender zweiter Fan als Stimme des Volkes.

Dennoch ist die Folge nicht belanglos, weil der im Zentrum stehende Willy B. – ich kürze seinen Namen mal im naiven Aufbegehren gegen Datensammelei ab – Willy B., also, ist in seinem sehr speziellen Sammelfieber und der aufscheinenden akribischen Ordung seines Fantums ein besonderer Fan. Nicht jeder Fan hat einen Archiv- und Reliquienraum für sein Interesse. Und nicht jeder Fan kauft sich Panini-Bilder in vierfacher Ausführung, weil er vier verschiedene Möglichkeiten sieht, sie zu sammeln. Mit und ohne Unterschrift, einmal ins Sammelheft eingeklebt und einmal nicht eingeklebt. Die Macher erzählen also weniger eine Geschichte über den MSV Duisburg als dass sie einen Ausschnitt des Menschseins vorstellen.

Am Rande dieser Geschichte über den Fan Willy B. erfährt man aber indirekt dennoch auch etwas über die Wirklichkeit beim MSV. Denn zum Gespräch mit dem Fan hatte sich Tobias Willi bereit erklärt. Das ist kein Zufall und hat mit seiner Persönlichkeit zu tun, die wiederum Einfluss auf seine Berufsauffassung hat. Auf eine andere Weise als Peter Neururer kann Tobias Willi den Machern der Doku jede Folge retten. Stellt ihn vor die Kamera, lasst ihn reden, egal über was,  und ihr bekommt mit Sicherheit sendefähige Bilder. Ohne dass irgendetwas über den MSV erzählt wird, hält er durch sein Auftreten im Clip den MSV-Alltag präsent. Denn tatsächlich ist er einer der wenigen Spieler, die beim öffentlichen Auftritt nicht alleine als Repräsentanten ihrer selbst wirken, sondern auch als Repräsentanten des Vereins. In Tobias Willis Haltung spürt man die Verantwortung des Profifußballers gegenüber den Fans und den Zuschauern, gegenüber denjenigen, ohne die das Berufsfeld Profifußball nicht existieren würde.

Eins muss ich noch zugeben, allmählich überkommt mich nach dem Ansehen einer Folge eine gewisse Lustlosigkeit, mich ans Schreiben zu begeben. Unbegründete Pauschalurteile sind ganz schön verführerisch. Anscheinend sitzen die Fußballer des MSV Duisburg, die Macher von „Mitten in Meiderich“ und ich alle in einem Boot. Serienarbeit ist nämlich schwer. Besonders wenn man meint, schon alles einmal durchlebt zu haben und nun nicht mehr genau weiß, wo es noch hingehen soll. Das als Trost vor allem an die Macher von „Mitten in Meiderich“.

Mitten in Meiderich – Folge 15

Was bisher geschah … „Mitten in Meiderich“ ist die Mini-Doku über den MSV Duisburg. In der ersten Folge hieß es noch, wir begleiten den MSV bei dem Versuch, doch noch aufzusteigen. Die einzelnen Folgen aber sind bislang nicht mehr auf diese starke Grundidee hin ausgerichtet. Einen längeren Erzählfaden gibt es nicht. Das Serielle der Doku baut fast ausschließlich auf die äußere Form der Präsentation und dem unkonkreten Thema „MSV Duisburg“. Deshalb braucht eine jede Folge eigentlich eine einzelne starke Geschichte mit Anfang und Ende.  Wirklich gefunden werden diese Geschichten bislang nur im Ansatz. Deshalb bieten die Folgen ein kunterbuntes Allerlei, das manchmal etwas beliebig wirkt. In diesen Grenzen gewährt „Mitten in Meiderich“ in den besseren Momenten den Blick aufs Tagesgeschäft, der angesichts des Formats natürlich immer etwas flüchtig ist. Doch Anfang April hat die Niederlage des MSV Duisburg gegen Mainz 05 Spuren in der Doku hinterlassen. Flüchtige Blicke auf das Tagesgeschäft sind offensichtlich nur möglich, wenn Zuversicht im Verein und bei den Machern vorhanden ist …

Nach den Wochen der Enttäuschungen hat sich die Stimmung beim MSV Duisburg wieder aufgehellt. Der Sieg gegen die SpVgg Greuther Fürth am Montagabend gibt den letzten vier Spieltagen die Perspektive Aufstieg als winzige Hoffnung zurück. Was für den MSV gut ist, hilft auch „Mitten in Meiderich“. In Folge 15 konzentrieren sich die Macher wieder auf das eigentliche Geschäft des MSV und seiner Spieler, den Fußball. Stilistisch bleibt man aber auf dem sicheren Terrain des gebauten Beitrags einer Sportsendung. Das Dokumentarische klingt zwischendurch manchmal etwas an, kann aber wahrscheinlich wegen des Zeitdrucks bei der Produktion stilistisch nicht durchgehalten werden. Der Tagesjournalismus hilft dann mit Bildern von Pressekonferenz und den O-Tönen von Fans.

Die Frage, wie es mit Änis Ben-Hatira weitergeht, bildet eine thematische Klammer für die Folge. Am Anfang kommt Ben-Hatira selbst zu Wort, kurz vor Ende Bruno Hübner. Ben-Hatira weiß nichts genaues und scheint Spielball fremder Mächte zu sein, weil er vorgibt, gerne bleiben zu wollen. Bruno Hübner rät ihm zu bleiben und weist Ben-Hatira auf diese Weise indirekt Mitspracherecht und Verantwortung bei der Entscheidung zu. Die zwei Stimmen sind interessant, weil sie Widersprüche des Vertragsgeschäfts aufzeigen; weil sie uns zumindest verraten, öffentliches Reden beschreibt immer nur die Oberfläche eines Geschehens, dahinter gibt es eine andere Wirklichkeit. Wir werden von dieser Wirklichkeit nichts erfahren, dennoch brauchen wir die Oberfläche nicht mehr zweifellos glauben. Neben Ben-Hatiras nächster Saison klingt die Zukunft auch durch die ausgebliebene Vertragsverlängerung von Heiko Scholz an. Auch da gibt es unter der Oberfläche der Nachricht ein Geschehen, das indirekt erzählt wird. Ein Fan bedauert, und „Heiko Scholz schweigt“. Was uns Enttäuschung von Heiko Scholz vermuten lässt.

Zwischen diesen Bildern zur Personalplanung wird die Hoffnung bei Fans in unterschiedlichen O-Ton-Facetten gezeigt. Zudem hat Peter Neururer mit seinem Statement auf der Pressekonferenz nach dem Spiel gegen Fürth das letzte Wort. Die Mannschaft will alles tun, um die winzige Chance auf den Aufstieg möglichst lange zu behalten. Das nur hat man selbst in der Hand, und wie wir alle wissen, ist man ansonsten abhängig von den Ergebnissen der anderen Vereine.

Angesichts der letzten mich enttäuschenden Folgen bin ich also dieses Mal mit einer durchwachsenen Folge halbwegs zufrieden. Es gab nach meinem Geschmack zu viele O-Töne der Fans, mir kommt das vor wie der sichere Pass nach hinten im Spiel des MSV. Da will ich lieber Bilder vom Training oder aus den Katakomben des Stadions sehen. Denn dort haben die Macher ja anscheinend eine Dreherlaubnis, und Fans und ihre Sprüche kenne ich zu genüge. Ich bin selbst einer und regelmäßig von dieser Art Menschen im Stadion umringt. Der Blick auf verschwitzte Fußballer auf dem Weg zur Kabine oder die Atmosphäre hinter den Kulissen bleibt mir auf den Rängen aber normaler Weise verwehrt.

Mitten in Meiderich – Folge 14

Was bisher geschah … „Mitten in Meiderich“ ist die Mini-Doku über den MSV Duisburg. In der ersten Folge hieß es noch, wir begleiten den MSV bei dem Versuch, doch noch aufzusteigen. Die einzelnen Folgen aber sind bislang nicht mehr auf diese starke Grundidee hin ausgerichtet. Einen längeren Erzählfaden gibt es nicht. Das Serielle der Doku baut fast ausschließlich auf die äußere Form der Präsentation und dem unkonkreten Thema „MSV Duisburg“. Deshalb braucht eine jede Folge eigentlich eine einzelne starke Geschichte mit Anfang und Ende.  Wirklich gefunden werden diese Geschichten bislang nur im Ansatz. Deshalb bieten die Folgen ein kunterbuntes Allerlei, das manchmal etwas beliebig wirkt. In diesen Grenzen gewährt „Mitten in Meiderich“ in den besseren Momenten den Blick aufs Tagesgeschäft, der angesichts des Formats natürlich immer etwas flüchtig ist …

Der Tagesjournalismus hatte in Folge 13 Einzug in das als Mini-Doku angekündigte Format von „Mitten in Meiderich“ gehalten. Das setzt sich nun mit einem nächsten Clip fort, der bereits letzte Woche, am Donnerstagabend, ohne weitere Zählung in die Doku-Folgen eingereiht wurde. Die Vertragsverlängerung von Peter Neururer wurde zur „Doku Breaking News“. Das Zerfasern des Inhalts erhält nun also eine gleichsam folgerichtige Entsprechung bei der Präsentation der Doku. Allmählich denke ich daran, meinen Einleitungstext umzuschreiben.

Soll ich es noch einmal sagen? Der Grund für dieses Ausfransen des Formats ist der Verzicht auf die starke Idee, auf die alle Folgen hin ausgerichtet sind. Weil  ein Leitinstrument für das Erkenntnisinteresse fehlt, gerät mit der Zeit und unter dem Produktionsdruck nicht nur jedes beliebige Bild mit dem Oberbegriff „MSV Duisburg“ zum potentiellen Sendematerial, sondern auch die tagesaktuellen Meldungen werden zum Wert an sich für die Macher. Da wir uns ohnehin im Graubereich hin zur PR bewegen, ist aus der Mini-Doku eine Art Zebra-TV mit Sendefenster auf der DSF-Seite geworden.

Auch in Folge 14 kreisen die Macher vor allem um Peter Neururer. Erst ist nochmals die Vertragsverlängerung Thema samt neuerlichen Trainingskiebitze-als-des-Volkes-Stimme-O-Töne zur allgemeinen Lage, dann sehen wir den boulevardesken Mittelteil „Harley-Fahren ist das große Hobby von Peter Neururer“, um schließlich bei nichtssagenden Statements von Spielern über Ziele des Vereins zu landen.

Die Macher haben anscheinend endgültig Abschied von jedem dokumentarischen Interesse genommen und sehen stattdessen den Fünf-Minüter der sonntäglichen ZDF-Sportreportage in noch weicher gespülter Form als leuchtendes Vorbild für ihr Produkt. Solche O-Töne etwa, wie ich sie heute gehört habe, schreibe ich im Schlaf, falls Nachwuchsfußballer beim Interviewtraining Textvorlagen brauchen. Die Zukunft vom MSV? Wir wissen, der Verein will in die 1. Liga, und wir sehen, wie alle alles dafür tun. Und es ist gut, dass Peter Neururer nun weiter dabei ist. Ach, und die Saison ist noch gar nicht zu Ende? Lasst doch Peter Neururer noch was dazu sagen, der nimmt kein Blatt vor den Mund. Aber auch der O-Ton von Peter Neururer hätte in meinem Script gestanden. Es sind noch fünf Spiele und der MSV hat nicht vier Punkte Rückstand auf den Dritten in der Tabelle. Drei besser platzierte Mannschaften wollen auch Dritter werden.

Wollten die die Macher nochmal ein bisschen an den Aufstieg erinnern? Sollte schließlich vor langer Zeit mal das Thema der Doku sein, der MSV und sein Versuch wieder aufzusteigen. Und da ist die stets nahe liegendste Frage, geht noch was? Auf den Fan als Zuschauer kann man bei solchen Fragen auf jeden Fall zählen. Denn welcher Fan hört nicht gerne aus des Trainers Munde, was er ohnehin zwar weiß, was aber immer noch die heimliche Hoffnung einfärbt? Ist schließlich der Trainer, der erst realistisch die Lage klärt und dabei ohne wirklich etwas zu sagen, doch vage etwas Zukunft aufscheinen lässt. Wie gesagt, Medienprofi ist Peter Neururer auch, und es deutet sich an, die Macher der Doku wissen, wen sie zur Not fragen müssen, damit noch irgendwas geht. Für sie selbst und weniger für den Verein aller Vereine.

Mitten in Meiderich – Folge 13

Was bisher geschah … „Mitten in Meiderich“ ist die Mini-Doku über den MSV Duisburg. In der ersten Folge hieß es noch, wir begleiten den MSV bei dem Versuch, doch noch aufzusteigen. Die einzelnen Folgen aber sind bislang nicht mehr auf diese starke Grundidee hin ausgerichtet. Einen längeren Erzählfaden gibt es nicht. Das Serielle der Doku baut fast ausschließlich auf die äußere Form der Präsentation und dem unkonkreten Thema „MSV Duisburg“. Deshalb braucht eine jede Folge eigentlich eine einzelne starke Geschichte mit Anfang und Ende.  Wirklich gefunden werden diese Geschichten bislang nur im Ansatz. Deshalb bieten die Folgen ein kunterbuntes Allerlei, das manchmal etwas beliebig wirkt. In diesen Grenzen gewährt „Mitten in Meiderich“ in den besseren Momenten den Blick aufs Tagesgeschäft, der angesichts des Formats natürlich immer etwas flüchtig ist …

Kritisch wollte ich „Mitten in Meiderich“ begleiten und über die Zeit merke ich, wie mir mein Schreiben immer mehr zu einer Art Weiterbildung in Sachen Medienkompentenz gerät. Das geschieht, weil ich mich in der Rolle des tadelnden oder lobenden Kritikers unwohl fühle. Denn gleichzeitig macht sich der Fan in mir immer wieder bemerkbar und will jedem kritischen Wort Einhalt gebieten. Schließlich gefällt es mir als Fan zunächst ungeachtet aller Qualität, dass der MSV Duisburg überhaupt Aufmerksamkeit von einem Fernsehsender erhält. Indem ich also auf Entstehenszusammenhänge verweise und Gezeigtes, wann immer es geht, eher einordne als werte, entgehe ich einerseits dem inneren Konflikt ein wenig und gebe andererseits den Zuschauern damit hoffentlich Mittel an die Hand, Produktionen ähnlicher Art besser einzuordnen.

Für den so entstehenden „Baukasten zur Medienkompetenz“ (Anfragen bitte unter „Kontakt“) ist diese Folge mit ihren 4 Minuten und 55 Sekunden ein gelungenes Beispiel für Etikettenschwindel. Denn aus der beabsichtigten Dokumentation ist unter der Hand Tagesjournalismus geworden, der sich vor allem die Zukunft von Peter Neururer beim MSV Duisburg zum Thema gemacht hat. Mancheiner mag nun denken, warum hat er nun daran wieder etwas auszusetzen, wo er doch die ganze Zeit einfordert, die Doku müsse den Alltagsbetrieb beim MSV Duisburg zeigen? Diese Unstimmigkeiten und Schwierigkeiten nach der Niederlage gegen Koblenz zwischen Vereinsführung und Trainer sind doch ein gelungenes Beispiel für den Alltagsbetrieb.

Das stimmt grundsätzlich, doch in dem Clip missfällt mir die Perspektive des Gezeigten und das liegt einmal mehr daran, dass den Machern meist das dokumentarische Bewusstsein für ihr Produkt fehlt.  Und damit wären wir wieder beim Thema Medienkompetenz. Von einer Dokumentation, sei die einzelne Folge auch noch so kurz, erwarte ich mehr als Verlautbarungsjournalismus. Folge 13 ist aber nichts anderes als der Versuch der im Betrieb des MSV beteiligten Hauptpersonen, Walter Hellmich und Peter Neururer, sich ein gutes Bild in der Öffentlichkeit zu schaffen. Diesen beiden Personen räumen die Macher den Platz ein, um unhinterfragt ihre Positionen darzustellen. Dazu kommen ein paar Standard-O-Töne von Spielern zu Spielwertung und dem Ausblick auf die Zukunft. Dieser Clip ist wie ein Standardnachrichtenbeitrag der Tagesschau, der den Menschen das Gefühl von Sicherheit gibt. Das Leben ist ein langer, ruhiger Fluss.

Auch von einer Mini-Doku erwarte ich etwas anderes. Und nun kommt der entscheidende Moment in Sachen Medienkompetenz. Die Form, in dem wir über die Wirklichkeit erfahren, bestimmt den Inhalt mit. In diesem Fall verleiht das Format Dokumentation dem Gezeigten eine überdauernde Wahrhaftigkeit, die sich in den Aussagen von Walter Hellmich und Peter Neururer aber nicht findet. Sowohl Walter Hellmich als auch Peter Neururer positionieren sich in dem Clip für die zukünftigen Verhandlungen. Die Wahrheit ihrer Worte ist gefärbt durch Interesse und Taktik. Ihre deutlichen Worte darf man in diesem Clip, selbst wenn man zugesteht, dass beide sie für wahr halten, zu diesem Zeitpunkt nicht glauben. Der Überbau Dokumentation macht sie wahrer als sie zu diesem Zeitpunkt sein können. Im Format  Tagesjournalismus wären sie als Momentaufnahme sofort richtig einzuordnen.

Wenn die Macher ihren Anspruch vom Anfang ernst nehmen würden, hätten sie selbst diese Einordnung in diesem Fall vorgenommen. Es bewahrheitet sich wieder, dass die Macher ihre eigene Position innerhalb der Produktion, ihr Verhältnis zum Thema und damit die Perspektive ihrer Berichterstattung immer wieder neu suchen. Das Bewusstsein über diese Position aber bestimmt die Qualität der Bilder. Vielleicht haben die Zuschauer ohnehin längst dieses Versprechen der dokumentarischen Form aus dem Blick verloren und nehmen die Dinge wie sie sind. Wenn sich für mich wie von selbst ein „Baukasten zur Medienkompetenz“ entwickelt, können sich bei den anderen Zuschauern ihre Erwartungen an die Doku doch ebenfalls den Gegebenheiten angepasst haben.

Mitten in Meiderich – Folge 12

Was bisher geschah … „Mitten in Meiderich“ ist die Mini-Doku über den MSV Duisburg. In der ersten Folge hieß es noch, wir begleiten den MSV bei dem Versuch, doch noch aufzusteigen. Die einzelnen Folgen aber sind bislang nicht mehr auf diese starke Grundidee hin ausgerichtet. Einen längeren Erzählfaden gibt es nicht. Das Serielle der Doku baut fast ausschließlich auf die äußere Form der Präsentation und dem unkonkreten Thema „MSV Duisburg“. Deshalb braucht eine jede Folge eigentlich eine einzelne starke Geschichte mit Anfang und Ende.  Wirklich gefunden werden diese Geschichten bislang nur im Ansatz. Deshalb bieten die Folgen ein kunterbuntes Allerlei, das manchmal etwas beliebig wirkt. In diesen Grenzen gewährt „Mitten in Meiderich“ in den besseren Momenten den Blick aufs Tagesgeschäft, der angesichts des Formats natürlich immer etwas flüchtig ist …

Dem Projekt „Mitten in Meiderich“ begegne ich in jeder Woche von Neuem grundsätzlich mit Wohlwollen. Das sollte trotz meiner Kritik hoffentlich deutlich geworden sein. Ich wollte mich auch mit weniger zufrieden geben als dem, was die Macher der Doku am Anfang versprochen hatten. Doch auch innerhalb dieser immer wieder genannten Grenzen möchte ich etwas sehen, was ich nicht kenne und was mir am besten zudem etwas über den Fußball beim MSV erzählt. Nach dieser Folge ging mir aber nun zum ersten Mal durch den Kopf, hätte ich mir nicht vorgenommen wöchentlich zur Doku etwas zu schreiben, wäre ich sicher nicht schon am nächsten Dienstag wieder auf der DSF-Seite.

Auch in Folge 12 erfahre ich weder über den Fußballbetrieb beim MSV etwas noch lerne ich einen der Spieler näher kennen. Zwar wurde mit Olivier Veigneau eine Art B-Promi-Beitrag eines Boulevardmagazins nachgestellt, Thema: der Franzose und das Essen, doch blieben diese Bilder so klischiert und so vorhersehbar, dass es auch jeder andere MSV-Spieler hätte sein können mit ähnlichen Sätzen zu Currywurst in Duisburg, zu Ratatouille im Hotel „Duisburger Hof“ oder zu den eigenen Kochkünsten. Ein Rentner wurde dann am Rand des Trainingsgeländes vor dem Spiel gegen St. Pauli um seine Meinung zu den Aussichten des Vereins gebeten, und die hat er natürlich gewohnt rentnermäßig putzig zum Besten gegeben. Ich vergaß noch den Anfang mit einer Impression aus der Umkleidekabine auf dem Traininigsgelände. Wir wissen nun, MSV-Profis mögen im Gegensatz zum Funktionsteam den deutschen Schlager weniger. Und zwischendurch sehen wir Peter Neururer, der sattsam bekannte Sätze formuliert über die Notwendigkeit der Vertragsverlängerung von Olivier Veigneau und die Möglichkeit am Ende doch noch auf Platz zwei oder drei zu landen.

Dieses Mal macht sich das fehlende  Konzept im Sinne einer langfristigen Dokumentation doch wieder störend bemerkbar, da die Perspektive innerhalb der Folge schwankt und statt des Betriebsalltags am Trainingsplatz plötzlich die vermeintliche Tagesaktualität in den Vordergrund rückt. Das Thema Vertragsverhandlung und Veigneau war längst abgehandelt, jedes Wort dazu war überflüssig.

Nach Folge 11 dachte ich, die Belanglosigkeit der dort zu sehenden Inhalte hätte etwas mit der Niederlage gegen Mainz zu tun. Heute beginne ich zu fürchten, es fehlt den Machern der lange Atem, um sehenswerte Inhalte bis zum Ende der Saison zu finden. Da gehen entweder die Ideen oder die Bilder aus. Dabei gibt es noch genügend Spieler im Kader, die noch nicht im Zentrum einer Folge standen. Gleichzeitig will ich das aber gar nicht wirklich schreiben, spüre ich doch nach dem Satz ein leichtes Unbehagen. Zwischen Form und Inhalt solcher Medienprodukte gibt es ja immer Wechselwirkungen. Nicht dass die Qualität der Doku am Ende zurückwirkt auf die der Mannschaft? Nein, das wird so nicht kommen. Es wird den langen Atem bei Doku und dem Verein aller Vereine gleichermaßen geben, denn noch sind die Punkte in sieben Spielen zu vergeben.

Mitten in Meiderich – Folge 11

Was bisher geschah … „Mitten in Meiderich“ ist die Mini-Doku über den MSV Duisburg. In der ersten Folge hieß es noch, wir begleiten den MSV bei dem Versuch, doch noch aufzusteigen. Die einzelnen Folgen aber sind bislang nicht mehr auf diese starke Grundidee hin ausgerichtet. Einen längeren Erzählfaden gibt es nicht. Das Serielle der Doku baut fast ausschließlich auf die äußere Form der Präsentation und dem unkonkreten Thema „MSV Duisburg“. Deshalb braucht eine jede Folge eigentlich eine einzelne starke Geschichte mit Anfang und Ende.  Wirklich gefunden werden diese Geschichten bislang nur im Ansatz. Deshalb bieten die Folgen ein kunterbuntes Allerlei, das manchmal etwas beliebig wirkt. In diesen Grenzen gewährt „Mitten in Meiderich“ in den besseren Momenten den Blick aufs Tagesgeschäft, der angesichts des Formats natürlich immer etwas flüchtig ist …

Wenn ich immer wieder auch an das erste Versprechen von „Mitten in Meiderich“ erinnere, den Versuch des Aufstiegs zu begleiten, so geschieht das inzwischen weniger aus kritischem Impuls heraus als aus dem Wunsch, damit weiterhin auf die Entstehensbedingungen hinzuweisen. Denn diese Bedingungen geben Auskunft über den Gehalt dessen, was man zu sehen bekommt. Die Frage, ob wir einem Produkt aus dem Celebrity-Genre begegnen oder einer journalistischen Doku, entscheidet sich lange vor dem Dreh und die Macher haben diese Entscheidung nicht alleine in der Hand.

Die Niederlage gegen Mainz zeigt nun erneut, dass der Blick aufs Alltagsgeschäft für „Mitten in Meiderich“ nur als flüchtiger möglich ist. Diese Folge nach der Niederlage steht nicht wie geplant seit Dienstagnachmittag im Netz, sondern erst seit dem Mittwochmorgen. Ich vermute, das kommt nicht von ungefähr. Wahrscheinlich sind sich die Macher der Doku im Verlauf des Produktionsprozesses immer bewusster über die Grenzen ihres Produkts geworden. Die Niederlage besitzt samt der damit verbundenen Emotionen sehr viel erzählerisches Gewicht und stört den Blick auf die harmlosen Gegebenheiten des Alltagsgeschäfts, die wir bislang zu sehen bekommen haben. Also muss eine Form gefunden werden, die die Niederlage auf ebenso harmlose Weise integriert. Die Lösung des Problems scheint länger gedauert zu haben als geplant.

Es lag dann nahe, den Haarschnitt Peter Neururers aufzugreifen. Zudem wird ihm Gelegenheit zu einer Standard-Bewertung des Spiels gegeben. Dagegen geschnitten ist das Alltagsgeschäft Rasenpflege im Stadion, ein kleiner Einblick ins Training vor dem Spiel und die Beschäftigung mit dem zu dem Zeitpunkt noch wirksam vermuteten Glücksritual Kartoffelsalat und Bockwürstchen. Viel mehr gibt es über Folge 11 nicht zu sagen. Es ist der Kontrast zwischen all dem, was über das große Thema Niederlage nicht gezeigt werden kann und dem Möglichen, der hier wirkt und die Folge so unbedeutsam erscheinen lässt.

Noch einmal, die wirkliche Beschäftigung mit der Verarbeitung der Niederlage kann so zeitnah nicht im Interesse des Vereins und der Mannschaft sein.  Zu viel Unruhe könnte das nach sich ziehen. Ich habe den Eindruck, die Macher bewegen sich inzwischen innerhalb der Grenzen des Möglichen auf einem zufrieden stellenden Niveau. Im Fall der Niederlage aber erweisen sich diese Grenzen als so eng, dass das Gezeigte nicht mehr von Belang sein kann. Weil die Doku nicht in die Tiefe geht, herrscht ein Ungleichgewicht zwischen der Bedeutung des Spiels für den Verein und dem was wir an Allerweltsgeschichte in 4 Minuten 48 Sekunden zu sehen bekommen. Natürlich hat es seine Berechtigung zu zeigen, wie so ein Rasen im Stadion in Ordnung gehalten wird. Das Interessante wäre aber jetzt etwas ganz anderes.

Mitten in Meiderich – Folge 10

Was bisher geschah … „Mitten in Meiderich“ ist die Mini-Doku über den MSV Duisburg. In der ersten Folge hieß es noch, wir begleiten den MSV bei dem Versuch, doch noch aufzusteigen. Die einzelnen Folgen aber sind bislang nicht mehr auf diese starke Grundidee hin ausgerichtet. Einen längeren Erzählfaden gibt es nicht. Das Serielle der Doku baut fast ausschließlich auf die äußere Form der Präsentation und dem unkonkreten Thema „MSV Duisburg“. Deshalb braucht eine jede Folge eigentlich eine einzelne starke Geschichte mit Anfang und Ende.  Wirklich gefunden werden diese Geschichten bislang nur im Ansatz. Deshalb bieten die Folgen ein kunterbuntes Allerlei, das manchmal etwas beliebig wirkt. In diesen Grenzen gewährt „Mitten in Meiderich“ in den besseren Momenten den Blick aufs Tagesgeschäft, der angesichts des Formats natürlich immer etwas flüchtig ist …

Vielleicht denkt sich hier mancher Mitlesende längst schon, kann der Mann denn nicht einmal zufrieden sein? Da zieht er die Grenzen für das Mögliche schon recht eng und hat trotzdem an jeder Folge etwas auszusetzen. Das war bislang so – ich erinner aber auch an die Ausnahme nach Folge  3 – und ich hoffe, ich habe meine Unzufriedenheit immer nachvollziehbar machen können. Nun aber die Folge 10 und natürlich ahnt Ihr schon längst, der Mann kann auch zufrieden sein. Rundum gelungen ist nämlich diese Folge, und ich möchte daher noch einmal auch auf die Produktionsbedingungen hinweisen. Es hat schon Vorteile, wenn nicht ein Spieltag vom Wochenende unbedingt hinein muss bis Dienstag in die nächste Folge. Es hätte schon große Vorteile, wenn der Clip erst Donnerstag erschiene und etwas mehr Zeit bliebe für die Produktion.

Dann könnten vielleicht öfter kleine Geschichten gefunden werden wie die um Tom Starke und die Besetzung der Torwartposition der Mannschaft. Marcel Herzog kommt dabei auch zu Wort, aber kein anderer Spieler stört die Einheit dieser Folge. Dass nach und nach die einzelnen Spieler des Kaders in den Mittelpunkt einer Folge gerückt werden, zeichnet sich ja längst ab. Doch das bietet sich nur dann an, wenn es gelingt, die Persönlichkeit dieser Spieler etwas zu zeigen. Oder aber der Spieler hat eine interessante Geschichte aus seiner Laufbahn zu erzählen. Im besten Fall kommt beides zusammen.

In dieser Folge ist das so, weil es mit der Auseinandersetzung um die Besetzung des Stammtorwarts während der Hinrunde einen konfliktträchtigen Hintergrund für das Starke-Portrait gibt. Wir sehen also, wie Tom Starke als der wahrscheinlich stärkste Zweitliga-Torwart vorgestellt wird. Peter Neururer sagt das, der Kommentator auch. Man scheut aber keinesfalls den Blick auf den Konflikt und lässt Marcel Herzog zu Wort kommen, nachdem seine Qualitäten von Peter Neururer ebenfalls in höchsten Tönen gelobt wurden. Durch sein Statement zeigt Marcel Herzog erneut, dass er nicht nur ein sehr guter Torwart ist, sondern auch auf beeindruckende Weise für seine Angelegenheiten eintreten kann. Es zeugt von großer persönlicher Reife, wie sachlich er seine Unzufriedenheit mit der Situation ausdrückt und gleichzeitig die eigene Leistung mit in Erinnerung ruft. Was für eine professionelle Einstellung steht dahinter! Sie macht verstehbar, wieso die Verantwortlichen im Verein auch Marcel Herzog so sehr loben.

Wenn „Mitten in Meiderich“ erst einmal abgedreht ist, kann man übrigens ein Special zusammenschneiden. Das heißt dann, „Auto fahrende Fußballprofis“.  Denn auch Tom Starke sehen wir im Interview auf dem Weg irgendwohin. Das kommt wahrscheinlich daher, dass nicht allzu viel zusätzliche Zeit der Profis für die Produktion aufgewendet werden soll. Sehr schön ist dann auf dieser Fahrt zu hören, wie das Spiel gegen Mainz einerseits sehr wichtig ist, dann aber kein Endspiel und schließlich könnte es vielleicht doch den Charakter eines K.o.-Spiels annehmen. Was zeigt uns das? Ein Fußballprofi braucht bei der Vorbereitung auf ein Spiel auch große geistige Beweglichkeit, um die Wertung der Dinge kontinuierlich seiner aktuellen Befindlichkeit anzupassen. Das ist ein ständiges Schwanken zwischen Verdrängung und Steigerung des Ehrgeizes. Eine wahrscheinlich sehr schwierige Leistung der Psyche und je perfekter ein Profi das Ausbalancieren hinbekommt, desto konzentrierter wird er im Spiel sein. Folgt man den Aussagen Tom Starkes, sehe ich deshalb seiner Leistung gegen Mainz mit sehr großer Zuversicht entgegen.

Wir sehen Tom Starke und Marcel Herzog auch beim Torwart-Training, was uns nicht nur das Wissen zu ein paar Übungseinheiten bescherrt, sondern auch beweist, im Fußball haben traditionelle Männerbilder unserer Gesellschaft weiterhin ihren Platz. Torwart-Trainer Manfred Gloger bevorzugt jedenfalls die derbe Ansprache und auch seine O-Töne zur Leistung von Tom Starke machen ihn zu einer sehr originellen Person dieses Vereins. Schon immer fiel uns Manfred Gloger durch seinen sehr individuellen Laufstil auf, wenn er vor den Spielen den Torwart eintrainiert. Nun hat er zudem eine Stimme bekommen, und ich weiß, in welchen Worten er über den Fußball spricht. Ich erkenne da eine Unverwechselbarkeit, die an einen Fußball anderer Tage erinnert, an einen Fußball ohne Interviewtraining für Profis. Ich wage zu behaupten, Manfred Gloger ist ein unentdeckter Schatz des Vereins aller Vereine. Im Hinblick auf die Öffentlichkeitsarbeit sollten sich die Verantwortlichen einmal Gedanken über Manfred Gloger machen. Und ich weiß natürlich von der Paradoxie dieses Vorschlags und dem möglichen Zynismus, der sich daraus ergibt, die authentische Haltung eines Menschen zu instrumentalisieren. Da geraten wir jetzt ganz schnell zu einem anderen Thema, über das sich das Nachdenken immer auch lohnt. Das aber soll erst dann geschehen, wenn es nötig ist und ich sehe nun lieber voller Vorfreude dem Freitag entgegen, wenn Manfred Gloger in seiner unnachahmlichen Art auf unsere Plätze hinter dem Tor zutraben wird, um dort Tom Starke für einen hoffentlich grandios heraus gepielten Heimsieg warm zu spielen.


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