Posts Tagged 'Wegen dem Brauchtum'

Ein dreimal blau-weiß gestreiftes Zebras alaaf!

Ihr kennt mich hier als großen Freund des Karnevals im Veedel. Die Innenstadtkarnevalsexzesse in Köln tue ich mir ja nicht an.  Heute ist es nun wieder so weit, und ich freue mich drauf.  Daran merke ich auch mein Leben zwischen der Kultur des Ruhrgebiets und der Kölns. Früher, in Duisburg, hat mich Karneval nicht sonderlich interessiert. Da lebe ich also zwischen den Kulturen, nehme mir dies und das und habe damit keine Schwierigkeiten. Kenne ich irgendwoher, wird da aber immer als problematischer beschrieben. In der letzten Zeit war ich auch im gesamten Ruhrgebiet viel unterwegs, und überall hingen diese Plakate, die im jeweiligen Ort die große Altweiber-Party dort und dort ankündigten. Hat sich da auch etwas gewandelt? Oder werden heute die Anlässe zum Feiern eben genommen, wo man sie gerade herbekommt. Wahrscheinlich ein wenig von beidem. So viele Fragen.

Da bin ich froh, dass mir in diesem Jahr eine erspart bleibt: Veedelszoch oder Heimspiel. Endlich passt der Spielplan mal wieder einigermaßen zu meinem persönlichen Karnevalskalender. Außerdem darf ich mich freuen, dass Flamur Kastrati wieder spielfähig ist. Vielleicht kann er sich ja im Spiel gegen den FC St. Pauli, klein wie er ist, in den Strafraum schleichen und so herumstehen, dass ein Schuss Richtung Eckfahne an ihm abprallt, sodass der Ball ins Tor rollt. Vielleicht sind die Stürmer der Mannschaft aber auch von vornherein viel besser, als wir es gerade erwarten. Ich bin da grundsätzlich immer zuversichtlich. Auf irgendeine Weise wird es gut ausgehen.

Manchmal ist solch grundsätzliche Zuversicht allerdings nicht angebracht. Dem Spieler des 1. FC Köln Mišo Brečko etwa hätte ein wenig Realismus gut getan, als er mit seiner Fußballer-Standardgroßlimousine das Gleisbett der KVB Richtung Heumarkt befahren wollte. Sein Auto hatte weder die richtige Spurweite für die Gleise, noch war er mit 1,6  Promille so fahrtüchtig, dass er dieses Auto genau auf den Schienen hätte steuern können.  In Köln sind Fußballprofis eben durch den Karneval anderen Verpflichtungen und damit verbundenen Risiken ausgesetzt. Wenn der Spielplan es erlaubt, besteht bei der FC-Sitzung wahrscheinlich Anwesenheitspflicht. Es sollte mal ein Arbeitsgericht klären, ob der Verein deshalb nicht eine besondere Fürsorgepflicht für seine von überall her kommenden Fußball spielenden Angestellten nach einer solchen FC-Sitzung hat. Die sehen, wie es in Köln zugeht, und das wollen die dann womöglich auch so haben. Die denken dann zurecht, Maßhalten ist im Karneval nicht vorgesehen. Ist der Sinn des Ganzen nicht die Regelüberschreitung?

Die Regelüberschreitung verhindern will  die Polizei. Ich bin gespannt, ob Journalisten für ihre Berichte zu den Polizeiaktionen während des Karnevals wieder den besonderen Medienservice der Kölner Polizei in Anspruch nehmen. Während der landesweiten Geschwindigkeitskontrollen neulich waren jedenfalls drei Laienschauspieler als Polizisten im Einsatz. Der Kölner Stadt-Anzeiger hat das dokumentiert.

Es heißt die drei Laienschauspieler seien im Hauptberuf Polizisten, deshalb der Rat an alle Feiernden. Auch Darsteller von Polizisten haben sämtliche Polizeibefugnisse, wenn sie sich als Polizisten ausweisen können.

Und was den Karnevalsauftakt angeht, noch etwas zur Einstimmung: Wir im Stadion kennen ja auch diese Momente der Selbstvergessenheit, in denen jegliche Hemmung gegenüber den eigenen Sangesfähigkeiten dahin geht und das Mitsingen gefühlsduseliger Lieder Energie bringt und Glück verheißt. Im Karneval ist nicht anders, wie im Folgenden das Publikum am Ende einer Stunksitzung dieser Session beweist. Doch auch hier gilt: Selbst die schlechtesten Stimmen können ein schönes Lied wie „Wegen dem Brauchtum“ von Köbes Underground nicht kaputt machen. In dem Sinne schönen Karneval und heute noch ein dreimal blau-weiß gestreiftes Zebra alaaf. Morgen im Stadion beim unerwarteten deutlichen Heimsieg gegen den FC St. Pauli auch gerne wieder helau!

Begeistertes Köln feiert Duisburgs Pokalsieg

In Duisburg, der Stadt, wo man sich notorisch selbst unterschätzt, wird der  Einzug des MSV ins DFB-Pokalendspiel beim Halbfinale gegen den FC Energie Cottbus, wenn überhaupt wahrscheinlich nur noch leise gefeiert. Das ist in Köln, der Stadt, wo man sich notorisch selbst überschätzt, natürlich ganz anders. Dort führt  der Einzug des Nachbarstadtteils der imaginären Kees-Jaratz-Stadt-am-Rhein dem Selbstbild der Kölner gemäß noch heute zu überbordender Begeisterung. Das Feiern, so habe ich den Eindruck, wird von Stunde zu Stunde maßloser. Der Kölner, der sonst immer glaubt, alles was es gibt auf der Welt, „dat-jibbet-so-nur-nur-nur-in-Kölle“, sah am Dienstagabend nach Duisburg, erinnerte sich an ein Gebot des Rheinländers und dachte, man muss och jönne könne. Da fiere mer ewe met, und dabei hätt uns noch keiner wat vürjemaacht. Die lokalpatriotischen Kölner können aber ihre sie selbst überraschende Freude über den Sieg des MSV Duisburg natürlich nicht offen zeigen. Was für ein Glück, dass heute mit Weiberfastnacht der Straßenkarneval beginnt. So können sie sich hinter der Maske des Frohsinns verstecken und behaupten, sie ständen bei diesem sonnigen Wetter doch nur „wegen dem Brauchtum“ auf der Straße.

Doch schon im Anschluss des Spiel am Dienstag waren in der Sportredaktion des Kölner Stadt-Anzeiger die Sportjournalisten aus dem Häuschen. Anscheinend waren sie so begeistert über den Einzug des MSV Duisburg ins Pokalendspiel, dass in ihnen der Wunsch entbrannt sein muss, dieses Endspiel mit Duisburger Beteiligung unbedingt in Köln sehen zu wollen. Oder wie soll der Untertitel für den Vorbericht zum Frauenpokalfinale zwischen Turbine Potsdam und dem FFC Frankfurt gedeutet werden, das ja bekanntermaßen am 26. März in Köln stattfindet? Etwa, dass an ein Frauenpokalfinale ohne den FCR 2001 Duisburg nicht zu denken ist?

Am Nachmittag werde ich mich als Duisburgstämmiger Kölner oder Duisburger mit Kölner Wohnsitz oder Kölner mit Duisburger Wurzeln oder auch als Imi unter die feiernden Menschen begeben und vorbildhaft für ein gelungenes integriertes Leben mit beiden Kulturen und in beiden Städten werben. Ich werde die Freude über den Finaleinzug keinesfalls hinter der Maske des rheinischen Frohsinn verstecken, dennoch allerlei kölsches Liedgut lauthals mitsingen und dabei auch in diesem Jahr sämtliche FC-Jubelgesänge allerhöchstens nachsichtig summen.

Nachtrag: Ich bemerke gerade, dass der Kölner in mir manchmal ein wenig übermütig wird und ich die Duisburger Bodenhaftung verliere. „Pokalsieg“ hört sich in der Überschrift einfach gut an, selbst wenn es nur ein Halbfinal- oder Pokalspielsieg. Ich lasse das stehen und betrachte es als Aufmunterung. Diese Überschrift hat überhaupt nichts mit möglichen Folgen von verfrühten Glückwünschen zu tun.


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