Posts Tagged 'Zuschauerstatistik'

Fundstück: Fußballpublikum bei Mainz 05

Heute Morgen habe ich in der Süddeutschen Zeitung in einem Artikel von Tobias Schächter zu Mainz 05 gedacht, da sollten die Verantwortlichen vom MSV mal hinschauen. Steht Mainz 05 doch vor der Frage, wie besonderes Interesse in alltägliche Verbundenheit umgewandelt werden kann. Mit realistischem Blick lässt sich nämlich vermuten, dass beim MSV in nicht allzu ferner Zeit ähnliche Fragen im Raum stehen. Die Perspektive 2. Liga. In den Träumen spielt das natürlich keine Rolle. Da dauert es noch ein paar Jahre, bis diese Frage beantwortet werden muss. Weil die Zeit bis dahin so aufregend in den oberen Tabellenregionen im jeweiligen neuen Ligenleben ist. So, jetzt habe ich es geschafft, den realistischen Blick im hoffenden Träumen unterzubringen. Auch nicht schlecht für einen Dienstagmorgen.

 

2017-01-24_sz_mainz_05

 

Losglück lässt „Pele“ Wollitz auf Anerkennung hoffen

Für den Trainer vom FC Energie Cottbus Claus-Dieter Wollitz ging bei der Auslosung des DFB-Pokal-Halbfinales ein Traum in Erfüllung. Endlich dürfen er und seine Mannschaft im Pokalwettbewerb bei einer Gastspiel-Reise ihr Können zeigen. Endlich werden sie in Duisburg vor einem Publikum auftreten, das Fußballkunst zu schätzen weiß. Das wahre Brot des Fußballers ist der Applaus, und den vermisst der „Pele“ genannte Claus-Dieter Wollitz in Cottbus im Moment sehr. Für ihn war es eine schwere Aufgabe beim FC Energie Cottbus etwas Neues aufzubauen, doch zur gesundheitsgefährenden Anstrengung wird sie für Wollitz nur deshalb, weil in Cottbus die von ihm inszenierte DFB-Pokal-Kunst mit den nur etwas über 15.000 Zuschauern im Grunde unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindet.

Wenn man Claus-Dieter Wollitz für einen akribischen Arbeiter und genialen Taktiker hält, wird er einem nicht gram. Die Lausitzer Bevölkerung aber hat ihn nun zu einem radikalen Vertreter der Publikumsbeschimpfung gemacht. Nach dem Sieg des FC Energie Cottbus im Viertelfinale des DFB-Pokals gegen die TSG Hoffenheim war es für ihn offensichtlich geworden, die  Lausitzer Bevölkerung braucht die Erziehung zum Fußballpublikum durch einen Mann wie ihn. Er und seine Mannschaften haben das Recht, für ihre Leistung wahrgenommen zu werden. Sollten die Lausitzer etwa ihr Glück auf andere Weise finden wollen als durch den Fußball, den er dem FC Energie Cottbus beigebracht hat? Das war unvorstellbar. Manchmal müssen Menschen eben zu ihrem Glück gezwungen werden.

Nun ist er froh, ersteinmal in Duisburg das bisschen Anerkennung, das er braucht, zu finden. Er wollte diese Gastspiel-Reise auf jeden Fall. Sofort nachdem in Cottbus durchgesickert war, dass Daniel Brühl das Halbfinale des DFB-Pokals auslost, lag innerhalb von zwei Stunden die DVD mit den besten Spielszenen Daniel Brühls auf dem Schreibtisch von Wollitz. Obwohl Wollitz sich kurze Zeit später beschwerte, es seien zu wenig Ballkontakte Brühls zu sehen gewesen, kannte er  Stärken und Schwächen des großen Multitalents Daniel Brühl, als er zusammen mit der Mannschaft im TV-Raum des Energie-Trainingszentrums zur Pokalauslosung antrat.

Wie er es seiner Mannschaft vor der Auslosung eingetrichtert hatte, zog Brühl die Lose mit seiner starken linken Hand.  Die Mannschaft setzte sich konzentriert zu Werke, und saß ab dem Moment sofort sicherer, als Daniel Brühl den MSV Duisburg als erstes Team des Halbfinales zog. Nur kein Heimspiel in den ersten fünf Minuten, war die Marschroute von Claus-Dieter Wollitz für seine Mannschaft. Dass es dann in diesen fünf Minuten sofort zum Auswärtsspiel reichen könnte, war die insgeheime Hoffnung des Taktik-Fuchses „Pele“ Wollitz.

Der Gastspiel-Reise nach Duisburg sieht Wollitz mit Vorfreude auf die Zuschauerzahl entgegen. Er wird das Bad in der Menge genießen und betrachtet das Spiel auch als erzieherische Maßnahme für die Bevölkerung in Cottbus. „Ich habe schon mit dem Bürgermeister von Cottbus gesprochen und wir lassen eine kurzfristige Rechtsverordnung zur TV-Pflicht beim Halbfinale prüfen“, so Claus-Dieter Wollitz beim Morgeninterview mit dem Zebrastreifenblog. Wenn alle Lausitzer am Fernsehen das Spiel sehen müssten, werden sie sicher merken, was sie immer verpassten, vermutet Wollitz. Er war sich sicher, dass manch TV-Zuschauer vor dem Fernseher weinen werde, wenn er den FC Energie so „geil“ Fußball spielen sehe. Nächste Saison könnten die Cottbusser dann beweisen, ob sie aus der Lektion etwas gelernt hätten. Claus-Dieter Wollitz verriet, sein alter Freund Peter Neururer hätte ihn schon per SMS beglückwünscht. Sie seien aus demselben Holz geschnitzt, erklärte Wollitz, schließlich habe auch Peter zu seiner Zeit in Duisburg mal den Zuschauern in den Hintern treten müssen, damit sie kommen. Der Peter habe ihm versichert, das habe großartig funktioniert. Ein Wort nur vor dem Spieltag, und das Stadion war voll. Doch Wollitz weiß, in Cottbus ist es noch ein langer Weg, bis seine Worte diese Wirkung haben werden.

Zuschauerzahlen – Daten und ein lang gewordener Text

11.249 Zuschauer waren am Samstag, dem 6. November, ab 13 Uhr im Stadion, als der MSV Duisburg sein Heimspiel gegen die SpVgg Greuther Fürth bestritt. Angesichts der Bedeutung des Spiels und der in dieser Saison gezeigten Leistung der Duisburger Mannschaft war das eine enttäuschende Zahl für viele MSV-Fans. Etwas zurückhaltender bewertet man auf Vereinsseite die Zuschauerzahl, gleichwohl natürlich der Wunsch nach einem gefüllteren Stadion besteht. Diese Haltung hebt sich wohltuend ab von den Zeiten, als ein Peter Neururer noch Mindestzuschauerzahlen verkündete, die seine Mannschaft im März letzten Jahres verdient haben sollte. Schon damals war es unter anderem auch in diesen Räumen zum Nachdenken über das Publikum des MSV Duisburg gekommen. Damals ging es mir vor allem um die Mentalität des Duisburger Publikums.

In diesen Tagen ist das Nachdenken umfassender angelegt. Fans des MSV Duisburg haben so viel Freude am Spiel ihrer Mannschaft, dass sie dieser Mannschaft ein volleres Stadion gönnen.  So begann im MSVportal eine Diskussion über die Frage: „Warum kommen, trotz Heimstärke, so wenig zu den Heimspielen?“ Wenige Tage später hat Der Westen das Thema aufgegriffen, und schnell wuchs die Zahl der Kommentare unter dem Artikel. Dort erklärten dann auch ehemalige MSV-Zuschauer, warum sie nicht mehr ins Stadion gehen. Zu lesen ist also inzwischen ein vielfältiger Chor von Erklärungen für das Fernbleiben, von Spekulationen über das Fernbleiben oder das Gar-Nicht-Erst-Kommen und von Überlegungen, wie der Zustand zu ändern ist. All das reiht sich gleichgewichtig aneinander, und es wäre Aufgabe des MSV Duisburg das auszuwerten. Gleichzeitig erinnert mich diese Vielzahl der Stimmen aber auch an ein Bonmot von Kurt Tucholsky,  nämlich alles sei richtig, auch das Gegenteil.

Mich beschlich beim Lesen dieser vielen Meinungen zudem ein komisches Gefühl. Irgendetwas gefiel mir nicht an dem Ton, der vorherrschte. Richtig greifen konnte ich das nicht, weil da Fans, vor allem im MSVportal, meist doch sehr konstruktive Vorschläge zur Veränderung der Situation machten. Erst allmählich konnte ich fassen, was ich da als Überbau dieses Redens wahrnahm. Dieser Überbau versteckt sich schon in der Frage. Diese Frage und auch der Artikel in Der Westen behaupten einen Mangel, von dem wir gar nicht wissen, ob es ihn überhaupt gibt.

Ich will das genauer erklären. Der Maßstab für die Erkenntnis von Mangel ist das ausverkaufte Stadion. Aber es macht einen Unterschied, ob ich den Wunsch habe, mehr Zuschauer für das Fußballspiel des MSV Duisburg zu begeistern,  und ich versuche das mit neuen Mitteln zu erreichen, oder ob ich davon ausgehe, es kommen einfach zu wenig Zuschauer dafür, wie es eigentlich sein könnte. Der Unterschied leuchtet vielleicht manchem nicht ein, doch ich glaube die jeweiligen Problembeschreibungen unterscheiden sich sehr in ihren Folgen für die psychische Dynamik, die sie bei denen entfalten können, die sich um mehr Zuschauer kümmern. Im ersten Fall handel ich aus eigener Stärke heraus und versuche andere Menschen, von dem, was ich mache, zu überzeugen. Im zweiten Fall kann sich bald ein Vorwurf einschleichen und dieser Vorwurf  richtet sich an alle, die nicht kommen, obwohl man doch schon alles Mögliche für dieses Kommen getan hat.

Außerdem stellt sich mir die Frage, ist es wirklich so, dass so wenig Zuschauer kommen? So wenig heißt, zu wenig für das, was möglich wäre. Vielleicht findet sich in der Historie eine Perspektive für die Bewertung der gegenwärtigen Zuschauerzahlen. Vielleicht halten wir uns noch einmal an Fakten, und schauen stichprobenartig, wie groß der Zuschauerzuspruch in Duisburg über die Jahre hinweg war. Die Daten stammen aus dem Netz von weltfussball.de. Einzelne Zahlen habe ich bei transfermarkt.de gegengeprüft. Die Zahlen unterscheiden sich nur geringfügig. Weil ich den Zuschauerschnitt für die  90er Jahre nicht glauben konnte, habe ich sogar mit den Zuschauerzahlen aus dem Kicker die Saison 1997/98 nachgerechnet. Diese Rechnung bestätigte die Zahlen der beiden anderen Seiten.

Aber beginnen wir in der Gegenwart: In der  laufenden Saison hatte der MSV Duisburg bislang durchschnittlich 13.670 Zuschauer. Damit befindet er sich auf Rang 8 der Zuschauertabelle vor dem VfL Bochum auf Rang 11 mit durchschnittlich 12.151 Zuschauern. Ich stelle den VfL Bochum bewusst im Vergleich dazu, weil dieser Verein in Deutschland in Struktur und Lage dem MSV Duisburg am ähnlichsten ist. Jedes Schielen auf andere Vereine halte ich für wenig erhellend. Für das Ruhrgebiet liegt das beim FC Schalke 04 und Borussia Dortmund auf der Hand. Am Niederrhein aber wirkt der Blick ins Landesinnere nach Mönchengladbach oder den Rhein abwärts nach Düsseldorf auf manchen MSV-Fan allzu verführerisch.

Nun denn, wie war das also mit den Zuschauerzahlen?

2. Liga, 2009/2010: 14.070; Rang 10

2. Liga, 2008/2009: 14.747;  Rang 10

1. Liga, 2007/2008: 25.041; Rang 12 vor dem VfL Bochum auf Rang 14 mit 24.399 Zuschauern im Schnitt

2. Liga 2006/2007: 18.028; Rang 6

1. Liga, 2005/2006: 25.183; Rang 14

2. Liga  2004/2005: 16.819; Rang 5

2. Liga 2003/2004: 9.464; Rang 9

Machen wir einen Sprung über die Zeiten von etwa 7.500 Zuschauern im Schnitt hinweg in die 90er.

1. Liga 1999/2000: 15.115; Rang 17

1. Liga 1998/1999: 17.318; Rang 16 nach dem VfL Bochum auf Rang 13 mit 23.734 Zuschauern im Schnitt.

1. Liga 1997/1998: 16.623; Rang 18 nach dem VfL Bochum auf Rang 13 mit 26.698 Zuschauern im Schnitt.

1. Liga 1996/1997: 19.417; Rang 17 nach dem VfL Bochum auf Rang 10 mit 28.404 Zuschauern im Schnitt.

2. Liga 1995/1996: 11.545; Rang 4 nach dem VfL Bochum auf Rang 2 mit 15.573 Zuschauern im Schnitt.

1.Liga 1994/1995: 21.103; Rang 15 nach dem VfL Bochum auf Rang 13 mit 24.585 Zuschauern im Schnitt.

1. Liga 1993/1994: 23.299; Rang 12

2. Liga 1992/1993: 11.947; Rang 2

1. Liga 1991/1992: 21.654; Rang 10 vor dem VfL Bochum auf Rang 11 mit 18.737 Zuschauern im Schnitt

2. Liga 1990/1991: 12.905; Rang 2

Überspringen wir die Jahre in der Amateurliga und gönnen wir uns noch den Blick in die glorreichen 70er Jahre:

1. Liga 1979/80: 16.882; Rang 15 nach dem VfL Bochum auf Rang 11 mit 21,471 Zuschauern im Schnitt.

1. Liga 1978/79: 15.835; Rang 18 nach dem VfL Bochum auf Rang 10 mit 26.235 Zuschauern im Schnitt.

1. Liga 1978/77: 18.529; Rang 17 nach dem VfL Bochum auf Rang 12 mit  23.888 Zuschauern im Schnitt.

1. Liga 1977/76: 19.800; Rang 14 vor dem VfL Bochum auf Rang 17 mit 16.059 Zuschauern im Schnitt.

1. Liga 1975/76: 13.824; Rang 18 nach dem VfL Bochum auf Rang 12 mit 20.000 Zuschauern im Schnitt.

Für den MSV Duisburg gab es in dieser frühen Zeit der Bundesliga nur in den ersten drei Jahren einen Zuschauerschnitt über 20.000. Die meisten Zuschauer kamen im ersten und sportlich erfolgreichsten Jahr der Bundesligazugehörigkeit: im Schnitt 28.400.  Danach gingen Jahr für Jahr die Zuschauerzahlen zurück, um sich Ende der 60er Jahre auf etwa 17.500 einzupendeln. Mit Beginn der 70er Jahre sank der Schnitt noch einmal auf etwa 15.000 um die nächsten Jahre stark zu schwanken zwischen etwa 19.000, 17.000 und den oben angeführten 13.824 Zuschauern im Schnitt.

Eigentlich sind diese Durchschnittszahlen nun nur der Anfang einer Datenbestandsaufnahme. Um diese Durchsschnittszahlen zu deuten, müssten sie in Relation gesetzt werden zum sportlichen Erfolg, zu Entwicklungen im Fußball und rund um den Verein sowie letztlich den Entwicklungen in der Stadt Duisburg selbst. Diese notwendige exakte Analyse überlasse ich den Angestellten des Vereins.

Ich belasse es bei einigen Anmerkungen; Sätze, meistens Fragen, die mir beim Auflisten der Daten durch den Kopf gingen. Betrachte ich die Zuschauerzahlen des MSV Duisburg über die Jahre, so habe ich den Eindruck, die gegenwärtigen Zuschauerzahlen sind gar nicht so schlecht, wie es den Anschein hat. Dabei ist mir klar, die absoluten Zahlen müssen heute höher sein als in der Zweitliga-Vergangenheit. Mir geht es aber um die Tatsache, dass das Stammpublikum in dieser Vergangenheit im Vergleich mit anderen, ähnlich erfolgreichen Vereinen nie wirklich groß gewesen ist. Ich habe aber den Eindruck, das gegenwärtige Stammpublikum wird trotz zweier schlechter Spielzeiten erreicht und das auf einem Niveau von etwa 14.000 Zuschauern im Schnitt. Das Spiel gegen Fürth werte ich als Ausreißer durch die ungünstige und viel zu frühe Anstoßzeit am Samstag.

Das entbindet den MSV Duisburg natürlich nicht von der Verantwortung, Maßnahmen zu ergreifen, die Zuschauerzahl zu steigern. Diese Einsicht könnte aber helfen, den Blick weg vom Mangel zu rücken hin zu einem realistischen Selbstbewusstsein, mit dem das Stadion weiter gefüllt werden könnte. Es gab höhere Zuschauerzahlen vor allem nach dem Bau der MSV-Arena. Aus meiner Sicht war das neue Stadion zusammen mit der nach einigen Jahren der Entbehrung wieder sportlich erfolgreichen Mannschaft ein besondere Grund für den Zuspruch der Zuschauer. Aber Erfolg ist ein wankelmütiges Ding und als Grundlage für den Stadionbesuch ganz schnell nicht mehr vorhanden.

Ich glaube nicht an ein vorhandenes Zuschauerpotential, das unerschöpft ist und durch die richtigen Instrumente modernen Marketings und einer vernünftigen Öffentlichkeitsarbeit schnell erreicht werden kann. Betrachte ich die Vergangenheit, so deute ich die Zahlen so: Es gibt statt eines großen Anhangs des MSV Duisburg viele Duisburger, die immer mal wieder für einen Stadionbesuch zu begeistern sind. Es gibt also kein großes MSV-Publikum, das zurückgewonnen werden kann.

Ein weiterer Gedanke zu den 90er Jahren, in einer Phase des sportlichen Erfolgs gab es dennoch keinen Sprung der Zuschauerzahlen über den 20.000er-Schnitt. Vielleicht ist das ein Hinweis darauf, dass Erfolg alleine auch nicht ausreicht, um Fußballzuschauer in Duisburg an den Verein zu binden. Vielleicht hat der Duisburger auch ein gespaltenes Verhältnis zu seiner Identität? Ein Quergedanke, der etwas zu weit führt. Aber der MSV Duisburg hat keine überregional wirksame Geschichte über sich selbst zu erzählen. Er ist ein Verein, der seine Anhänger mit ganz wenigen Ausnahmen in der Region finden muss. Deshalb gehören Überlegungen zur Identität der Menschen in dieser Region mit zu den Überlegungen, die ein Verein auf der Suche nach seinen Zuschauern anstellen muss.

Diese merkwürdige und widersprüchliche Mischung von Kultur, Sport und Geschäft macht es einem Verein wie dem MSV Duisburg mit viel Konkurrenz drumherum besonders schwer, Zuschauer langfristig an sich zu binden.  Wenn eins aus dem bisherigen Verlauf der Saison zu lernen ist, dann das: für den Erfolg braucht es als allererstes es eine Idee, eine Vorstellung davon, was der Verein erreichen will. Die Aussage, es sollen mehr Zuschauer ins Stadion kommen, ist nur eine scheinbare Antwort. Dieser quantitativen Antwort fehlt die inhaltliche Begründung. Und für diese inhaltliche Begründung langt guter Fußball oder sportlicher Erfolg nun einmal nur begrenzt. Unstreitbar ist das Spektakel in Gelsenkirchen oder Dortmund zurzeit größer. Wer das Event sucht, wird dorthin gehen. Wer den erstklassigen Fußball sucht, wird ebenfalls dorthin gehen und nicht in die zweite Liga. Wobei ich mir die Bemerkung natürlich nicht verkneifen kann, dass diese Gelsenkirchen-Fahrer vielleicht in der nächsten Saison sich dann doch nach anderen Angebote umschauen könnten – das aber nur am Rande. Wegen dieser nicht ausreichenden Bindungskraft des MSV Duisburg durch den Fußball alleine ist es so wichtig, dass zum einen auch andere Bereiche des Vereins als erfolgreich arbeitend wahrgenommen werden. Die Jugendabteilung ist da gerade ein großes Vorbild. Darüber hinaus aber braucht es ein lebendiges Umfeld des Vereins. Und auch da sehe ich große Energie und Kraft, viel kreatives Potential und Entwicklung. Vielleicht lässt sich in zehn Jahren eine Geschichte über den MSV Duisburg erzählen, die über die Stadtgrenzen hinaus attraktiv wirkt und so die Bindungskraft innerhalb der Region erhöht. Das ist dem FC St. Pauli gelungen, und das gelang nur, weil es um den Verein herum Zuschauer gab, die machten, was sie machten. Eines ist aber gewiss, so eine Entwicklung geschieht nicht innerhalb einer Saison und deshalb sollten wir nicht jedes Mal aufs Neue enttäuscht über Zuschauerzahlen sein. Wir können für diese Saison zufrieden sein. Und das erzähle ich gerne jedem weiter.


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