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Auswärtssieg als Regel und die ganze Wahrheit über Halbzeitpausen

Was wäre das für ein Leben, wenn es für den MSV Duisburg nur Auswärtsspiele in Paderborn gäbe? So ein MSV könnte sich vor Erfolgsfans nicht mehr retten. Der Verein wäre im Nu schuldenfrei, weil keine Miete mehr für lästige Heimspielstätten bezahlt werden müsste. Stattdessen würden in Paderborn Arbeitsplätze für Busfahrer geschaffen, die den Strom der Duisburger Zuschauer ins Stadion vor Ort bewältigen müssten. Und im Möbelladen vom Walter Hellmich des SC Paderborn, Wilfried Finke, sähe man bei Samstagsspielen immer wieder ein paar blau-weiß gekleidete Hektiker auf der Suche nach einem schicken, leicht transportablen Möbel,  um endlich mal all die gesammelten 5-Euro-Einkaufsgutscheine der Eintrittskarten loszuwerden.

Ein verdienter 2:0-Auswärtssieg in Paderborn! Ich rate es jedem Anhänger des MSV Duisburg: Fahrt in die ostwestfälische Metropole des Katholizismus, wenn die Zebras dort spielen. Die Wahrscheinlichkeit ist sehr, sehr groß, gut gelaunt, die Rückreise anzutreten.  Dabei gab es in der ersten halben Stunde kaum einen Unterschied zu den letzten Spielen. Zunächst spielten die Zebras wie in Pauli oder gegen Union Berlin einigermaßen mit. Das Spiel fand vornehmlich außerhalb der beiden Strafräume statt, und der Gegner suchte dabei etwas konsequenter den Weg zum Tor. So ließ jede Ecke des SC Paderborn meinen Puls etwas höher schlagen. In solchen Momenten geschahen in der letzten Woche die Fehler, die zu den leichten Toren der Gegner führten. Doch wirkliche Aussetzer gab es nicht, dennoch hatten die Paderborner nach etwa 25 Minuten die erste große Chance des Spiels, bei der Roland Müller erneut zeigen konnte, wie stark er auf der Linie ist. Er zeigt unglaublich starke Reflexe kombiniert mit explosiver Sprungkraft. Großartig!

Doch kurz darauf schon zeichnete sich der Unterschied zu den letzten Spielen ab. Die Mannschaft erarbeitete sich wirkliche Torchancen. Ein guter Kopfball von Ranisav Jovanović gegen die Laufrichtung des Torwarts konnte dieser gerade noch mit dem Fuß abwehren, und kurze Zeit später köpfte Branimir Bajic nach einer klugen Kopfballweitergabe durch Goran Sukalo knapp am Tor vorbei. Auch die Paderborner kamen noch zu guten Chancen. Auf der Gegenseite landete der Ball auf der Latte, und ein weiteres Mal verhinderte  Roland Müller mit einer großartigen Parade den Führungstreffer der Paderborner.

Mut machte mir, dass die Zebras sich nicht nur auf reines Konterspiel verließen und die Mannschaft sich bei ruhigem Aufbau dennoch Chancen erarbeitete. Sprich: im Mittelfeld gab es das Spiel öffende Pässe, Lücken in der Defensive wurden gesucht und manchmal gefunden. Verantwortlich dafür vor allem Julian Koch und Zvonko Pamic als Passgeber aber auch Maurice Exslager und Sören Brandy, die mehr zur Mitte hin immer wieder steil liefen und Daniel Brosinski, der auf dem Flügel seine Offensivmöglichkeiten als Verteidiger gut nutzte.

Als Ranisav Jovanović dann, wunderbar frei gespielt, alleine aufs Tor zulief, hätte ich es lieber gesehen, er hätte den Ball über die Linie schieben können. So groß war meine Sorge, dieser Elfmeter könnte vergeben werden. Benjamin Kern aber schoss mutig, wuchtig und ließ keinen Zweifel, dass er dieses Tor wollte. Dass Paderborn nach der roten Karte für  Torwart Lukas Kruse nur noch zu zehnt spielte, war für mich zunächst nicht unbedingt ein Vorteil für die Zebras.

Gut zusammen agierende Mannschaften können diesen fehlenden Spieler problemlos kompensieren, wenn der Gegner nicht sehr schnell spielt. Und an dieser Schnelligkeit beim Umschalten hapert es in der Mannschaft des MSV weiterhin. Schnelligkeit muss diese Mannschaft bei einem Angriff am besten ruhig entwickeln. Ging es in der ersten Halbzeit sofort nach der Balleroberung in die andere Richtung, waren die Pässe nicht präzise genug.  Doch wer Selbstvertrauen durch eine Führung gewinnt, wird auch im Passspiel präziser. Konter konnten gespielt werden, und ein, zwei Chancen durch Einzelaktionen waren alles, was die Paderborner sich erspielen konnten. Mannschaftlich geschlossen erarbeiteten Druck auf das Tor der Zebras gab es nicht. Bliebe noch das Tor von Timo Perthel, der mit Betreten des Spielfelds sofort große Präsenz ausstrahlte. Ich bin so dankbar für jeden Spieler, der bei seinem ersten Schuss aufs Tor nicht drüber oder daneben schießt. Das macht Hoffnung für die Zukunft. Schlusspfiff, und nach dem letzten Spiel der Hinrunde zum ersten Mal nicht auf einem Abstiegsplatz. Sieht gut aus, die Tabelle! So kann das bleiben.

Die Pressekonferenz und die Stimmen von Goran Sukalo, Benjamin Kern, Sören Brandy und Timo Perthel nach dem Spiel:

Neben der Nachricht vom Auswärtssieg ist aus Paderborn noch etwas anderes zu berichten. Wir durften nämlich nach der ersten Halbzeit, ganz versteckt in der Pausenbeschallung , die ganze Wahrheit über die Kabinen-Wirklichkeit in Halbzeitpausen hören. In den letzten Jahren ist dieses Lied an mir vorbei gegangen, oder es ist neu, ich weiß es nicht. Jedenfalls: Vergesst die Mär von Traineransprachen! Vergesst Fußballer, die regenieren! Vergesst alles, was Medien jemals über schimpfende Sportdirektoren gesagt haben! Das alles gibt es nur, weil wir Zuschauer so was erwarten.

Die ganze Wahrheit kennen Schlagertexter aus dem Ostwestfälischen. Anonym und unter dem Siegel der Namens-Verschwiegenheit haben Fußballer aus allen Ligen den recherchierenden Schlagertextern ein großes Geheimnis verrraten. Nicht der Ball steht als Fußballers Freund oder Feind im Zentrum eines Fußballerlebens, die Halbzeiten sind des Fußballers wahre große Lieben. Und was machen Männer, wenn eine große Liebe irgendwann mal vorbei ist? Männer lassen es dann richtig krachen. Abschiedsparty! Und dann her mit der neuen Beziehung:

Halbzeit, es ist so weit,
Halbzeit, ich bin bereit
erste Hälfte ade, du bist Vergangenheit
Halbzeit, es ist so weit,
Halbzeit, die Party steigt
zweite Hälfte, hallo,
ich bin für dich bereit.

In dem Sinn: Spieltag, es ist so weit. Spieltag, wir sind bereit. Letzter Spieltag, ade, du bist Vergangenheit. Spieltag, es ist so weit. Spieltag, die Party steigt. Nächster Freitag, hallo. Ein Sieg in Aalen macht froh!

Der Spielbericht von Sky mit einem Klick weiter hier.

Stimmen des SC Paderborn im Bewegtbild mit einem Klick weiter auf der Seite der Neuen Westfälischen.

Der Spielbericht als Verdrängungsarbeit

Gute Geschichten brauchen ein starkes Thema, auf das sich das Erzählte hin ausrichten lässt. Das ist selbst bei einem kurzen Text über ein Fußballspiel so. Das nahe liegende zentrale Thema bei einem Fußballspiel ist meist das Ergebnis des Spiels. Heute morgen allerdings kommt jedes starke Thema für die Geschichte vom  Spiel des MSV Duisburg beim FC St. Pauli in einen Konflikt mit einem sehr viel stärkeren Thema. Wenn es um den Tod geht, interessiert jedes Unglück ohne lebensbedrohliche Folge nur noch am Rande. Bis Donnerstag brauche der Verein 2,3 Millionen Euro, so meldet die WAZ.

Wenn 2.500 Duisburger Anhänger durch eine fünf Mann starke Sicherheitskontrolle mit bekannter Leibesvisation müssen, bilden sich schon mal längere Schlangen. Ich weiß nicht, ob alle zum Anpfiff dann im Stadion waren.

Bei dieser Nachricht muss ich schon einige Verdrängungsarbeit leisten, um mir die Bilder vom Auswärtsspiel der Zebras in Hamburg wieder in Erinnerung zu rufen. Und auch dann fällt mir nicht als erstes das Spiel selbst ein oder eine Szene aus dem Spiel. Mir fällt so eine merkwürdig leichte Stimmung ein, die ganz oft bei Begegnungen mit anderen Zebra-Fans zu spüren war und mich sehr an die Zeit vor dem Pokalendspiel in Berlin erinnerte. In Gesprächen war die drohende Insolvenz zwar Thema, aber was war daran in Hamburg im Moment zu ändern? Genauso wenig, wie an der Verletztenmisere etwas zu ändern war. Und so schien eine Stimmung zu entstehen, die sich unabhängig machte von der Gegenwart, die wieder enthüllte, dass Fußball mehr ist als das Spiel.

In Hamburg war wieder all das beobachtbar, was jede im Verein handelnde Person überdauert, so es in den Anhängern des MSV Duisburg, egal in welcher Liga spielend, lebendig bleibt. Und das war zu spüren, ob ich nun auf Anhänger der Zebras traf, die in Gruppen unterwegs waren, im Familienverband angereist waren oder sich gar alleine zum Stadion auf den Weg gemacht hatten. Diese Stimmung war entstanden unabhängig vom Alter. Es gab die jugendlichen Fans, die am Samstag eindeutig vorhatten die Nacht zum Tag zu machen. Da waren die Eltern von fast erwachsenen Kindern. Es waren die Rentner da und ihre Frauen.

Die fünf jungen MSV-Fans sammelten und nahmen Pfandflaschen an.

Anschließend fallen mir auch die bekannten Firmenschilder in gelb mit dem blauen Namen Hellmich ein, und ich denke an die rührigen jungen Pfandflaschensammler, die mit allem Einsatz ein Zeichen setzen wollten und niemals in auch mehr als drei Tagen annähernd so viele Flaschen sammeln könnten, um solch eine Summe Geld zusammen zu bringen. Oder ich denke an Chris Schulze, den Stadionsprecher, der mit dabei ist, eine „Retterparty“ am 14.12. in der Alten Feuerwache in Hochfeld zu organisieren. Ab 21 Uhr, Eintritt als Spende von € 5,02.

All das fällt mir ein,  und dann erst ärgere ich mich, weil mir die Geschichte von einem der kuriosesten Unentschieden vom MSV der letzten Jahre nur wegen weiterer drei Tore des FC St. Pauli zur 1:4-Niederlage durch die Lappen gegangen ist.  Was war das für ein unerwartetes Tor durch Benni Kern zum Ausgleich fast mit dem Pausenpfiff. Eine Flanke aus Verlegenheit schlug er in den Strafraum, so hoch und so langsam, dass sie wahrscheinlich von fast allen Zuschauern längst abgehakt war. Wir hatten keinen kopfballgefährlichen Stürmer im Strafraum, wir hatten nicht einmal einen Spieler im Strafraum. Und dann lassen die Verteidiger den Ball für den Torwart durch. Der aber dachte wahrscheinlich, mein Verteidiger wird schon köpfen. Und so titschte der Ball einmal auf und sprang über den Torwart hinweg ins Tor. Großartig! Von diesem Tor mussten sich eine Menge Zuschauer im Stehplatzbereich des Gästeblocks erzählen lassen. Wir standen ganz oben in Vierreihen mit oft sehr eingeschränkter Sicht. Der Umbau des Stadions durch das Unternehmen von Walter Hellmich ist noch nicht vollendet.

Die Hoffnung auf das Unentschieden blieb in der zweiten Halbzeit einige Zeit lebendig. Der FC St. Pauli kombinierte auch nicht sonderlich sicher, viele Pässe gingen ins Nichts. Die Heimfans brauchten die von Michael Frontzeck angekündigte Geduld. Michael Frontzeck konnte darauf setzen, weil seine Stürmer im Strafraum technisch sehr gut waren und so auf engem Raum sich durchsetzen konnten. Diese Durchsetzungskraft fehlte den Spielern der Zebras fast immer. Da gab es keinen der im Eins gegen Eins gefährlich wurde. Aber auch im Zusammenspiel wurde kein Druck entwickelt. Es fehlten die spielerischen Mittel, um gefährlich vor das Tor des FC St. Pauli zu kommen. Dennoch hielt sich die Mannschaft bis zum zweiten Rückstand im Spiel. Das Ergebnis klingt deutlicher als es der Spielverlauf bis dahin erwarten ließ.

Nach der gelb-roten Karte für Zvonko Pamic aber funktionierte die Defensivarbeit nicht mehr zuverlässig. Immer wieder fanden die Spieler vom FC St. Pauli nun die Lücken in der Abwehr, und die Hamburger Spieler genossen es, endlich ihrer Spiellaune nachgeben zu können. Auch deshalb fielen zwei weitere Tore, die Mannschaft hatte nach der gelb-roten Karte wirklich Spaß am Spiel, während die Zebras immer deutlicher ihre Schultern hängen ließen.

Mitzunehmen bleibt als Erkenntnis aber noch das Wissen, mit Roland Müller gibt es einen wirklich guten Torwart im Kader, der auf der Linie unglaublich stark ist. Unfassbar wie er zu Beginn der zweiten Halbzeit einen fulminanten Schuss vom Rand des Elfmeterraums durchs Gewühl hindurch noch hat halten können. Für einen Torwart ist er nicht sehr groß, und deshalb ist zudem zu vermerken, wie sicher und mutig er beim Herauslaufen wirkt. Warten wir ab, ob dieses Wissen über Roland Müller am Freitag noch von Belang für die Zukunft des MSV Duisburg ist.

Und Pressekonferenz mit realistischer, sehr präziser Einschätzung des Spiels von Kosta Runjaic, sowie die Stimmen nach dem Spiel gibt es ja auch noch.

Auch ohne Tore fühlt sich das nach Sieg an

Im Moment fällt mir kein torloses Unentschieden ein, dass ich derart bejubelt habe wie dieses am Freitagabend gegen den 1. FC Köln. Nachdem der MSV Duisburg ab der 21. Minute nur mit zehn Mann spielte, fühlte sich das Ergebnis nach einem Sieg an. Das ging den meisten in der begeisterten Gästekurve so, aber auch den Spielern, wenn man sich weiter unten anhört, was Julian Koch gesagt hat. Die letzten Minuten hatten es aber auch in sich. Zweimal ging der Ball an die Latte des Duisburger Tores, nach einem Freistoß und nach einer Ecke, und einmal hatten wir gefühlte Ewigkeiten Zeit bei einem wilden Getümmel im Strafraum den jeweils nächsten drohenden Schussversuch der Kölner im Netz einschlagen zu sehen. Doch immer wieder warf sich ein weiterer Duisburger Spieler vor den Ball, bis schließlich der Gewaltschuss nicht mehr zu verhindern war. Aus vielleicht sieben Metern Entfernung knallte der Ball rechts neben das Tor in die Bande. Aufatmen.

Dabei war die Kölner Mannschaft über das Spiel hin gesehen harmlos, verunsichert und ohne Mittel, den Zebras gefährlich zu werden.  Aus Zebra-Sicht  wäre es nach dem Überstehen dieser wenigen wirklich gefährlichen Minuten sogar fast zur perfekten Dramaturgie des Spiels gekommen. Einen ersten Ansatz zum Konter konnten die Kölner gerade noch verhindern, nachdem auf Höhe der Mittellinie der eingewechselte Zvonko Pamic den Ball  einem erneut zögerlichen Kölner Spieler den Ball abgenommen hatte. Doch nach der nächsten Balleroberung  wurde Srdjan Baljak steil geschickt. Aus unserer Perspektive von der Westtribüne auf Höhe des Kölner Strafraums war aber schon nach der Ballannahme zu sehen, dass er nicht in idealer Linie aufs Tor würde schießen können. So hielt sich meine Hoffnung in Grenzen. Vielleicht war ich aber auch nur  zu sehr mitgenommen von den Chancen der Kölner Mannschaft und der Nachricht von vier Minuten Nachspielzeit.

Bis zur 80. Minute hielten sich meine Sorgen aber in Grenzen. Wir sahen eine Kölner Mannschaft, die sehr an den MSV der Heimspiele erinnerte. Es fehlte den Kölnern an Dynamik und Ballsicherheit, um eine die meiste Zeit perfekt verteidigende Mannschaft der Zebras zu überwinden. Alleine Sascha Bigalke zeigte in vergeblichen Einzelaktionen Zug zum Tor. Einzelaktionen bestimmten auch die Entlastungsangriffe beim MSV Duisburg. Vor dem Halbzeitpfiff setzte sich Daniel Brosinski auf der rechten Seite wunderbar durch, doch kam in der Mitte kein Spieler rechtzeitig in den Rückraum, wohin der entscheidende Pass hätte gespielt werden müssen. Sören Brandy versuchte sich unermüdlich, aber vergeblich in langen Sprints mit dem Ball. Auch ihm fehlte die Anspielstation. Das Provozieren eines Foulspiel gelang ihm gar nicht. Ich möchte darauf wetten, dass er beim Schiedsrichter recht bald schon in der Schublade „lässt sich fallen“ lag und unklare Situationen nicht mehr für ihn gepfiffen wurden. Mich beruhigte zudem, dass Antonio da Silva  im Mittelfeld gegen die Überzahl pressender Kölner den Ball behauptete und dann den Pass in den freien Raum spielen konnte. So mussten die Kölner vorsichtiger werden bei ihrem frühen Angreifen, konnten nicht mehr so offensiv auf den Ball gehen.

Julian Koch wurde nun das zweite Mal eingewechselt, und erneut war im Ansatz zu sehen, welche Dynamik er dem Spiel des MSV Duisburg verleihen kann. Schon jetzt, wo er natürlich noch etwas langsamer wirkt als in seiner ersten Saison bei uns, schon jetzt besitzt sein Antritt jene Grundschnelligkeit, dass er mit dem Ball am Fuß sicher in die Lücken der Abwehrreihen stoßen kann, um anschließend den entstandenen Freiraum zu nutzen. Er hat dann das Auge für den Pass. Für den ganz langen Sprint braucht er noch etwas Zeit. Noch sorgt mich zudem jeder seiner langen Schritte bei den Balleroberungen in der Defensive. Das ist sein Spiel schon früher gewesen. Aber es ist auch genau dieses Spiel, das zu seiner schweren Verletzung geführt hat. Dann denke ich und hoffe, er wird sehr genau lernen, wann dieser lange Schritt einfach zu risikoreich ist. Felix Wiedwald braucht übrigens nicht nur wegen der vor allem durch ihn verschuldeten roten Karte für Branimir Bajic zusätzliche Trainingseinheiten im weiten Abschlag beziehungsweise Passen.

In diesem Spiel das torlose Unentschieden gehalten zu haben, wird die Mannschaft weiter zusammenschweißen. Dieses Spiel gibt uns Zuschauern aber auch eine Lektion, weil die spielerische Qualität vom 1. FC Köln, wie erwartet, nicht besser war als die des MSV Duisburg. Das Kölner Publikum war unzufrieden mit der Leistung seiner Mannschaft und pfiff sie schon zu Beginn der Halbzeitpause aus, ganz zu schweigen von der Verabschiedung nach dem Spiel. Mich freute diese Unmutsbekundung, weil ich hoffte, sie könnte die Kölner Mannschaft noch mehr verunsichern. Diese Mannschaft bemühte sich. Sie bemühte sich so, wie es der MSV Duisburg in seinen Heimspielen auch immer tat. In solchen Spielen hat es die verteidigende Mannschaft einfach leichter, die Zuschauer  zu begeistern. Sie braucht nichts mehr zu tun, als sich der angreifenden Mannschaft mit Leidenschaft entgegen zu stellen. Die angreifende Mannschaft braucht spielerische Lösungen, um diese Defensive zu überwinden. Die Leidenschaft der angreifenden Mannschaft kann meist nur unsichtbar bleiben. Spieler etwa, die steil laufen und nicht angespielt werden, wirken nicht stimmungshebend. Obwohl sie sich bei ihrem Lauf anstregen, also Leidenschaft zeigen.

Deshalb war ich auch nicht glücklich über diese in der Öffentlichkeit kolportierte Brandrede von Ivica Grlic vor dem Spiel gegen den 1. FC Köln. Es ginge jetzt nur um drei Buchstaben, oder was hat er nochmals gesagt? So etwas geht in Heimspielen nach hinten los, weil es einen ungerechten Vorwurf befördert, eine Stimmung befeuert, die die Mannschaft nur weiter verunsichert. Noch einmal, im Spiel nach vorne sind Mannschaften wie der MSV Duisburg und, wie wir gesehen haben, der 1. FC Köln nicht präzise genug, um leidenschaftliche Eindrücke zu hinterlassen. Um in der Offensive ein Bild von Leidenschaft zu wecken, braucht es Schnelligkeit und Dynamik. Bei engen Räumen auf dem Spielfeld sind dazu große Präzision im Zusammenspiel und sehr gute technische Fähigkeiten nötig. Beides ist beim MSV Duisburg nicht stabil vorhanden. Was nicht bedeutet, dass ein Spiel sich nicht dahin entwickeln kann. Aber die Stimmung trägt dazu mit bei. Deshalb wäre das Duisburger Publikum gut beraten, es nicht dem Kölner Publikum gleich zu tun und die immer mögliche Enttäuschung gegen die Mannschaft zu richten. Man braucht sie nicht zu  bejubeln, wenn sie schlecht spielen. Der Vorwurf mangelndens Einsatzes ist bislang aber durchweg ungerecht. Das Spiel gegen den FC Erzgebirge Aue wird, so meine ich, deshalb nicht nur zur Prüfung für die Mannschaft. Auch wir Zuschauer können uns wieder beweisen.

Und nun noch die Stimmen zum Spiel von Felix Wiedwald, André Hoffmann und Julian Koch.

Nur ein wenig „egal wie“ gesiegt

Einen Spieltag lang hat sich der MSV Duisburg wieder auf dem 16. Tabellenplatz befunden, dem Relegationsplatz. Wenn ich meine eigene Haltung dazu genauer in den Blick nehme, ahne ich, wie es einigen Fußballern des MSV Duisburg gehen muss. Diese Fußballer sind mit Hoffnung auf größere Erfolge nach Duisburg gekommen und müssen sich nun damit beschäftigen, andere Ziele zu verfolgen. Ich muss mich immer wieder zur Ordnung rufen. Schnell schleicht sich ein: Eigentlich sind wir ja besser. Ich bemerke eine sich gerne einstellende, grundlose Sorglosigkeit. Ich schaffe mir mit dem Verein meiner Zuneigung das gesicherte Mittelfeld selbst und muss mich dann ermahnen, die Wirklichkeit im Kopf zu behalten.

Um so besser, dass sich gestern durch den Sieg des MSV Duisburg gegen Eintracht Braunschweig inneres Bild und Wirklichkeit angenähert haben. Erneut haben die Spieler gezeigt, sie wissen, worum es geht. Eigentlich gab es diese Bereitschaft zur bedingungslosen Anstrengung, bereits im Spiel gegen den SC Paderborn, als Milan Sasic noch Trainer war. Mit Oliver Reck aber ist das Selbstvertrauen aller Spieler zurück gekommen, und der Mut von allen ist wieder spürbar. Dieser Wandel der Einstellung ist ohne Frage Oliver Reck zu verdanken.

Welch ängstlicher Spieler wurde etwa Daniel Brosinski unter Milan Sasic immer wieder. Seine Laufwege vermittelten oft den Eindruck, das Sprinten ist allein ein Zeichen für die Bank. Es schien zu verkünden, ich setze mich so sehr ein, wie ich nur kann, aber bitte spielt mich nicht an.  Unter Oliver Reck lebt Daniel Brosinski auf. Nicht seine zwei Tore gestern machen dieses Urteil möglich, sondern seine dauerhaft vorhandene Bereitschaft, sich auch auf ungewohntem Weg für den Pass anzubieten und im Spiel etwas zu riskieren.

Egal wie, so sagte Oliver Reck, solle gewonnen werden. Es wurde nur ein wenig egal wie. Schon lange fühlte ich mich nicht mehr so zufrieden wie nach der ersten Halbzeit. Eine Führung mit zwei Toren Unterschied. Das war das glückliche, frühe 1:0, bei dem Daniel Brosinskis Kopf nach Emil Julas scharfer Reingabe dem Ball im Weg war, so dass er nicht anders konnte als zu köpfen. Da war dann das zweite Tor von Daniel Brosinski, nachdem er einen von Emil Jula lang geschlagenen Ball  aus der Luft heraus annimmt, ihn dabei über den Torwart hebt und anschließend ins leere Tor einköpfen kann. Und in diesen ersten 45 Minuten kaum Gefahr für das Duisburger Tor durch die Eintracht.

Dieses „egal wie“ zeigte sich dann vor allem in der zweiten Halbzeit, als die Braunschweiger druckvoller spielten. Doch entweder blieb die Eintracht beim letzten Pass zu harmlos, oder der Abschluss geriet zu ungenau. Eine Ausnahme gab es. Felix Wiedwald parierte den Kopfball. Felix Wiedwald stand an Stelle von Florian Fromlowitz im Tor. Was dieser wohl nicht erwartet hatte und nur schwer ertragen konnte. Er sah sich „mental“ nicht dazu in der Lage, ins Stadion zu kommen. Florian Fromlowitz gehört mit Sicherheit zu den Spielern, die sich ganz andere Vorstellung vom Verlauf der Saison gemacht haben. Nach den Patzern in den letzten Spielen ist die Entscheidung von Oliver Reck nachzuvollziehen. Für Felix Wiedwald war es aber auch ein angenehmes Spiel, um zu debütieren. Die Braunschweiger stellten ihn auf die Probe, ohne ihm alles abzuverlangen.

An Abschlag und Abwurf allerdings sollte er noch stark arbeiten. Die Braunschweiger nahmen seine Bälle oft dankbar auf. Vielleicht wollte er aber auch nur seinen Kollegen Bollmann und Bajic nicht nachstehen. Wobei mir Bajics Fehlpässe als so leichtfertig erscheinen, dass ich sogar schon vermutet habe, ihnen lägen grandiose Spielideen zugrunde, die seine Mitspieler nur noch nicht erkennen können.

Nach den Fehlpässen im Spielaufbau wurde dem Ball sofort im Mannschaftsverband wieder hinterher gegangen. Da war das „egal wie“ der bedingungslose Einsatz um die Kontrolle des Spiels. Dieses „egal wie“ wurde aber nicht zu dem berühmten „dreckigen“ Spiel. Dieses „egal wie“ war nur das Wissen, wir müssen rennen und rennen und rennen. Wie es zu den leichtfertig wirkenden Fehlern kommt, ist nicht so genau auszumachen. Liegt es an mangelnde Abstimmung oder am unzureichenden Spielvermögen einzelner Spieler? In Aachen sah der Spielaufbau jedenfalls besser aus. Trotz der Zwei-Tore-Führung zweifelte ich noch lange am Sieg, und erst nach dem Tor von Zvonko Pamic verschwanden diese Zweifel. In diesem Spiel gegen Eintracht Braunschweig zählt nicht nur das Ergebnis. Es war nur ein wenig „egal wie“ gesiegt. Weil der Sieg gerade trotz der Fehler in der zweiten Halbzeit so deutlich wurde, macht er mich sicher, es wird nicht mehr lange dauern, bis mein inneres Bild und die Wirklichkeit endgültig wieder übereinstimmen.

Saisonvorbereitung – Spieler kommen, Spieler gehen

Ich sagte es schon, in dieser Sommerpause geht mir alles zu viel schnell, und das liegt nicht nur an meinem Alltag. Allein die Abfolge der Spielerverpflichtungen für die neue Saison machte den MSV Duisburg zu einem heißen Anwärter auf den ersten von der DFL ausgelobten Speed-Transfering-Award. Oder wäre der DFB als Hüter der Tradition mit der Wolfgang-Fahrian-Medaille der besser geeignete Preisverleiher?

Wie viele neue Namen mussten wir lernen, und wie schnell musste der Verein sich für Schreibweisen dieser Namen entscheiden. So viel Bildung ist dabei ganz nebenbei möglich. Wann etwa wird statt der slawischen Endung „-ow“ die andere slawische Endung „-ov“ gechrieben? Der MSV Duisburg schreibt nun Karimow für den Karimov andererorts. Ebenfalls wäre herauszubekommen, wann das slawische Doppel-Binnen-i zum  „-iy“ wird? Oder welche der Buchstabenkombination ist überhaupt slawisch? Der MSV Duisburg schreibt  „Domovchiyski“. Vielleicht liesse sich lernen, dass slawisch gar nicht slawisch ist.

Und so einen asiatischen Namen wie Jiayi Shao könnte man bestimmt auch anders transkribieren. Vielleicht sogar Chinesischer? Etwas mehr Beijing statt Peking? Ich müsste ihn mal seinen Namen sprechen hören. Fremde Namen klingen immer gleich fremd. Doch für die Regeln, wie sie geschrieben werden, gibt es auch so was wie Zeitgeist.

Ich schweife ab, dabei haben wir so wenig Zeit. Die Spielzeiten gehen dieses Jahr ineinander über. Wollte ich nach dem Pokalfinale erstmal einen Moment durchschnaufen, schon war ich mit der möglichen Verpflichtung des nächsten neuen Spielers beschäftigt. Und schon verließ Bruno Hübner kurz darauf den Verein. Und schon änderte das überhaupt nichts an der Qualität der schon wieder gemeldeten nächsten Spielerverpflichtung. Wird hier denn gar nichts über neue Spieler geschrieben? Das, so dachte ich zwischendurch mal, wäre ein passender Titel für einen Beitrag. Ich kam nicht mit. Wollt ihr mal eine Chronologie der Kaderzusammenstellung per MSV-Seite sehen mit entsprechendem Speed-Commenting? Die Abfolge der Ereignisse war selbst für den Verein so schnell, dass es weder für den Wechsel von Sefa Yilmaz im Juni in die Türkei noch für die Ausleihe von Daniel Beichler eine offizielle Bestätigung auf der Seite gibt. Das ging nur per Pressemitteilung raus, und wurde von den Medien entsprechend verbreitet. Wenn sich die Ereignisse überschlagen …

30.3.  „MSV verpflichtet Stürmer Emil Jula für drei Jahre“. Früh werden die Weichen für die nächste Saison gestellt.  Gefällt mir sehr!

5.5.     „Aus Wolfsburg: Abwehrspieler Karimov wird ein Zebra„. Damals noch mit „-ov“ geschrieben. Der erste Eindruck bestätigt sich. Den Plänen wird gefolgt!

9.5.     „Perfekt: Shao wechselt zu den Zebras“. Mehr ein Zeichen für die  zurück gewonnene Attraktivität des MSV Duisburg als Arbeitgeber, als dass ich beim Namen in Jubel ausbreche.

12.5    „MSV verpflichtet Kevin Wolze vom VfL Wolfsburg„. Perspektive! Wenig Geld! Perfekter Sasic-Spieler.  Gute Erfahrung mit Wolfsburgs zweiter Reihe in der letzten Saison.

19.5.   „Neues Zebra: Gjasula kommt für zwei Jahre!“ Noch ein klassischer Sasic-Spieler, dieses Mal der älteren Art! Wird noch stärker beim MSV Duisburg als in der lezten Saison!

25.5.    „Sportdirektor Bruno Hübner verlässt den MSV Duisburg„. Schock! Schwere! Not! Enttäuschte Zuneigung. Dann geh doch!

27.5.   „MSV Duisburg leiht Mittelfeldspieler Zvonko Pamic aus“. Business as usual! Das Angefangene wird abgearbeitet. Gut so! Mir doch egal, wenn er weg ist.

29.5.  „Goran Sukalo bleibt – und verlängert bis 2013!
Na also, auch Spieler mit einem musternden Seitenblick
auf fremde Vereine, erkennen, beim MSV Duisburg sieht
die Zukunft vielleicht rosiger aus.

1.6.      „MSV leiht Mittelfeldspieler Vasileios Pliatsikas aus“. Noch eine alte Geschichte wird zum Ende gebracht.

13.6.   „Drei neue Zebras da: Domovchiyski, Fromlowitz & Brosinski!“ Was für eine Mischung! Alte Verhandlungen zum Abschluss gebracht, und offensichtlich etwas ganz Neues mit Fromlowitz eingestielt. Es läuft.

16.6.   „MSV verpflichtet Stürmer Flamur Kastrati„. Und noch ein einer, der unter Sasic seine Schwächen ablegen möchte und Konstanz in die schon gezeigten sehr guten Leistungen bringen möchte. Der MSV ist wieder eine gute Adresse.

18.6.   „Neu beim MSV: Markus Bollmann wird ein Zebra„. Günstig Erfahrung einkaufen. Die gelungene Mischung des Kaders wird im Blick behalten. Bruno Hübner ist endgültig Geschichte.

2.7.      „Klasse: „Baja“ mindestens bis 2013 in Zebrastreifen!
Und noch jemand, der weiß, was gut für ihn und den
MSV Duisburg ist.

4.7.      „Nach Leverkusen: David Yelldell verlässt den MSV“
Gibt dem Torwartgefüge eine weniger konfliktträchtige
Struktur. Bei finanziellem Gewinn.

6.7.    „Keeper Felix Wiedwald wird ein Zebra.“ Und schon ist die Alternative parat. Sagte ich schon, dass die Sache auch ohne Bruno Hübner sofort rund läuft?

Eigentlich halte ich es bei einem Verein wie dem MSV Duisburg nicht für sehr sinnvoll, jeden einzelnen Spieler zu bewerten. Bei einem Verein wie dem MSV Duisburg wirkt das noch mehr wie Kaffeesatz-Leserei als es sonst schon der Fall ist. Und ein Verein wie der MSV Duisburg ist nahezu jeder Verein in der 2. Liga – entsprechend den gesteckten Zielen.

Ich will das erklären. Natürlich lässt sich aus der Karriere eines Spielers etwas über den potentiellen Wert dieses Spielers für den Kader eines Zweitliga-Vereins hochrechnen, aber in dieser 2. Liga ist weniger der einzelne Spieler entscheidend für den möglichen Erfolg des Vereins als die Verwirklichung einer Strategie. Ob der einzelne Spieler die Mannschaft stärken wird, ist schon eine falsch gestellte Frage angesichts der Fluktuation in den Kadern während der Sommerpause. Zehn bleibende Spieler und 17 oder noch mehr hinzukommende. Da muss jemand vorher ein Bild vom Ganzen haben, in das er die Spieler möglichst vorteilhaft platziert.

Verfolgt man die Spielerverpflichtungen des MSV Duisburg, wird deutlich, dieses Bild ist im Verein vorhanden. Das hat bei aller Enttäuschung über den Zeitpunkt des Vereinswechsels von Bruno Hübner mit seiner Arbeit zu tun. Er hat schon früh in der abgelaufenen Saison begonnen, weiter an der Verwirklichung des auf drei Jahre angelegten Plans zum Aufstieg zu arbeiten. Wenn nach seinem Wechsel zu Eintracht Frankfurt die Nachrichten zu neuen Spielerverpflichtungen unterbrechungslos gemeldet werden konnten, wird er dafür Vorarbeit geleistet haben. Welcher Spieler genau als erster völlig ohne seine Dazutun verpflichtet wurde, lässt sich von außen gesehen gar nicht sagen.

Florian Fromlowitz erzählt etwa irgendwo – ich such jetzt nicht extra danach – , der erste Kontakt zum MSV Duisburg sei durch einen Anruf von Milan Sasic zustande gekommen. Da hätten wir die originäre Leistung ohne Bruno Hübner, die beweist, die kleine Krise durch seinen Weggang wurde sehr gut bewältigt. Das ist etwas, was übrigens David Nienhaus mit seinem Contra-Kommentar zur Fromlowitz-Verpflichtung ganz übersieht. Es geht bei diesen Verpflichtungen nicht nur um den einzelnen Spieler. Es geht um das Gefüge. Und das Gefüge auf der Position des Torwarts hat bei aller Leistung von David Yelldell in der letzten Saison nicht gestimmt. Zudem hat die Verpflichtung Strahlkraft, weil da ein Torwart kommt, der seine Erfahrung in der Bundesliga gemacht hat und zwar in einer Zeit, die überaus schwer für ihn gewesen ist. Das wirkt über die einzelne Spielerverpflichtung hinaus. Florian Fromlowitz hat bereits einen Namen, welche Schwächen  auch immer er hat. Seine Verpflichtung ist ein Zeichen für die Öffentlichkeit, für den Spielermarkt und für Gegner. Die Begründung für so eine Verpflichtung ist viel komplexer als ein direkter Vergleich des Leistunsvermögens von David Yelldell und Florian Fromlowitz. Genau das belegt die erfreute Reaktion von uns Fans.

Die Verpflichtung von Florian Fromlowitz bestätigt den Eindruck, beim MSV Duisburg wird planvoll gehandelt und Chancen werden nur im Sinne des Plans ergriffen. Ich erkenne anhand der Spielerverpflichtungen die Konturen eines Bildes, auf das ich hoffnungsfroh neugierig bin. Wenn ich recht überlege, ist die Sommerpause eigentlich doch mindestens eine Woche zu lang. Es könnte heute Abend endlich wieder beginnen.

Der Missbrauch des MSV Duisburg verpufft im Nichts

Manchmal trifft es sich gut, wenn zu wenig Zeit ist, um den immer fließenden Strom des Welt- und Provinzgeplappers sofort zu kommentieren. Am Montag nach dem Pokalendspiel schrieben die einen in Duisburg vom „Sauerland-„, die anderen vom „Pokal-Eklat“. Seid empört, Skandal, Skandal, hörte ich es skandieren. Doch nach der Gratisbewirtschaftung der Lokalzeitungen durch den MSV-Aufsichtsratsvorsitzenden Hans-Werner Tomalak wurde nur eine Pseudo-Geschichte hochgerülpst, über die heute niemand mehr spricht. Mir gibt der Rülpser aber gleich Gelegenheit, an einem Beispiel, das in Duisburg jeder versteht, meinem soziologischen Hobby zu frönen und ein wenig die öffentliche Meinungsbildung unter die Lupe zu nehmen.

Statt mich also darum kümmern zu müssen, wie der MSV Duisburg von Vereinsverwaltern für eigene Zwecke missbraucht wird, sehe ich zufrieden, die für den Fußball bezahlten Menschen beim Verein erledigen trotz aller Widrigkeiten professionell alles, um in der nächsten Saison möglichst erfolgreich zu sein. Es beruhigt mich, wie die Aufgaben von Bruno Hübner so umverteilt werden, dass der Spielerkader weiter Form annimmt. Daniel Beichler und Zvonko Pamic werden ausgeliehen, Goran Sukalo verlängert seinen Vertrag. Milan Sasic macht sich um die Position des Torwarts Gedanken.

Inzwischen hat sich Milan Sasic außerdem so viel Reputation erworben, um als Stimme des Vereins in die Öffentlichkeit zu treten. Seine Sätze auf der Internet-Seite des MSV Duisburg waren notwendig, um nach der Duisburger Lokalpolitikposse den Blick auf das Notwendige zu lenken. Das Unternehmen MSV Duisburg im Verein MSV Duisburg hat nicht nur die sportlichen Belange gut im Blick, der Unternehmensbereich Kommunikation weiß auch um die notwendig gute Stimmung im Umfeld.

Im Verein MSV Duisburg machte sich nun bemerkbar, dass niemand aus eigenem Impuls heraus, die Führungsaufgabe Vereinsvorsitz hat übernehmen wollen. Der Vereinsvorsitzende besitzt nicht nur eine Verwaltungsfunktion. So eine Person bündelt im besten Fall die verschiedenen Strömungen im Verein, vor allem wirkt er als erster Repräsentant für die Idee des Vereins in der Öffentlichkeit. Er steht mit seinem Namen für den Verein. Wahrscheinlich muss Dieter Steffen erst noch ein Gespür für diesen notwendigen Teil seiner Aufgabe entwickeln. Sonst werden sich immer wieder Stimmen vernehmen lassen, die in der Öffentlichkeit allein durch ihre dortige gleichgewichtige Präsenz den Eindruck erwecken, ihre Stimme hätte dieselbe Bedeutung wie die des Vereinsvorsitzenden vom MSV Duisburg.

Diese Aufgabe Dieter Steffens ist um so wichtiger, wenn die anderen Stimmen für den MSV Duisburg in der Öffentlichkeit Interessen verfolgen, die über Vereinsbelange hinausgehen. Als das CDU-Mitglied Hans-Werner Tomalak der Rheinischen Post gegenüber nicht allzu viel Wert auf das Briefgeheimnis legte und die eigenen Worte an den Parteifreund Adolf Sauerland der Redaktion steckte, kümmerte er sich doch wenig bis gar nicht um den Ruf des MSV Duisburg, sondern um den des Oberbürgermeisters aus den eigenen Reihen.

Interessant an dieser Geschichte ist nun keineswegs die Frage, ob Adolf Sauerland vom MSV Duisburg eingeladen war oder nicht. Der MSV Duisburg schreibt in einer Pressemitteilung, er sei eingeladen gewesen. Interessant ist viel mehr die Tatsache, dass diese Frage nicht nur vierzehn Tage später keine Rolle spielt, sondern sie noch am Tag der Berichterstattung in den meisten Online-Kommentaren zu der Geschichte ohne Belang war. Das Ganze wurde meist abgehakt unter Parteiengezänk. Darüber hinaus hatte die Sauerland-muss-weg-Fraktion einmal wieder einen Anlass, sich zu äußern; und die Sauerland-ist-nicht-an-allem-schuld-Fraktion konnte ebenfalls endlich mal wieder vom Leder ziehen.

Die Meinungen beim Thema Adolf Sauerland sind fest zementiert, und ein aktuelles Geschehen weckt nur die nach der Loveparade-Katastrophe entstandenen Haltungen. Adolf Sauerland müsste der NRW-Landesregierung dankbar sein, die gesetzliche Grundlage für ein Abwahlverfahren gegen ihn geschaffen zu haben. Erst dieses Abwahlverfahren wird helfen, die Lethargie und die Zerrissenheit Duisburg zu überwinden, egal ob der Oberbürgermeister abgewählt wird oder nicht. Selbst wenn er sein Amt behalten sollte, hätte Adolf Sauerland zumindest endlich wieder ein Argument, um Mitarbeiter zu überzeugen und zwar nicht unbelastet, aber mit gutem Recht vor die Öffentlichkeit zu treten. Im Moment besitzt er nichts als seinen Willen durchzuhalten. Als ob das  ein Wert an sich ist. Wer eine Stadt so spaltet wie Adolf Sauerland, kann unabhängig von allen anderen Fragen nur erster Bürger dieser Stadt sein, wenn er kraftvolle Visionen für sein Wirken in dieser Stadt hätte. Adolf Sauerland macht diesen Eindruck nicht. Wäre ich Bürger Duisburgs, ich würde für seine Abwahl stimmen.

Der MSV Duisburg reagierte übrigens mit einer Pressemitteilung auf die Vorwürfe von Hans-Werner Tomalak, die hier ausschnittweise zitiert sei:

Anders als unter Bezugnahme auf das Schreiben des Aufsichtsrates des MSV Duisburg 1902 e.V. dargestellt, ist der Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland regulär und frühzeitig vom MSV zum Bankett am Abend nach dem DFB-Pokalfinale zwischen dem MSV und Schalke 04 in Berlin eingeladen worden. Von einer kurzfristigen Einladung kann keine Rede sein; der Oberbürgermeister ist zum selben Zeitpunkt wie alle anderen Gäste des Abends eingeladen worden.

Der MSV ist nach Abpfiff des Pokalfinales am Samstag, 21. Mai 2011, also unmittelbar vor Beginn des festlichen Abends im Ritz-Carlton am Potsdamer Platz, von Sicherheitskräften unmissverständlich angewiesen worden, sowohl den Verlauf des Abends als auch das Placement an den Tischen so zu gestalten, wie es dann geschehen ist. Trotz Protestes des MSV hat sich der Club diesen Anweisungen fügen müssen.

„Der Aufsichtsratsvorsitzende des MSV e.V. Hans-Werner Tomalak ist von mir unmittelbar am gleichen Abend über diese Umstände informiert worden. Deshalb kann ich den Schritt des Aufsichtsrates, ein nicht den Tatsachen entsprechendes Bild zu verbreiten, nicht nachvollziehen. Wir sind auch deswegen so stark geworden, weil wir es in den vergangenen Monaten geschafft haben, alle Probleme intern zu diskutieren und zu lösen, und das werde ich weiter so halten. Die jetzt getätigten, unrichtigen Aussagen beschädigen das Bild und Ansehen des MSV enorm“, sagte Dieter Steffen, Vorstandsvorsitzender des MSV Duisburg 1902 e.V.

Nach dieser Pressemitteilung weiß ich mich glücklich, keine Einladung zu dem Empfang erhalten zu haben. Wie unentspannt muss eine Veranstaltung sein, wenn Sicherheitskräfte – die von Hannelore Kraft? – den Abend bestimmen. Aber so kennen wir sie ja, die Männer mit Sonnenbrille und Ohrknopf, mit unbeweglicher Miene starren sie durch die Gegend und letztlich weiß man nicht, ob dahinter nicht das heimliche Lächeln eines Schalke-Fans steckt.

Wäre die Frage einer Einladung von Adolf Sauerland durch den MSV Duisburg wirklich wichtig gewesen, hätte der ein oder andere Journalist nachfragen können, was das denn zu bedeuten habe, Sicherheitskräfte schreiben den Verlauf des Abends vor. So verhilft uns die Berichterstattung zum „Eklat“ sogar noch zu ein wenig Sicherheit in der unübersichtlich gewordenen Welt. Erinnerte sich die Rheinische Post mit CDU-Tomalak doch an die christlich-konservative Grundhaltung von ehedem. Ob es beim WAZ-Konzern sich verbietet, mit einem CDU-Mann so offensiv wie die Rheinische Post ins Horn zu stoßen oder ob in diesem Medienhaus rein journalistische Prinzipien zur Geltung kamen, lässt sich allerdings nicht genau sagen.


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