Der Duisburger Gerd Hennig – Vom Straßenfußballer zum FIFA-Schiedsrichter – Folge 11

Vor einiger Zeit habe ich begonnen, die Erinnerungen von FIFA-Schiedsrichter Gerd Hennig zu sichten. “Vom Straßenfußballer zum FIFA-Schiedsrichter” hat Gerd Hennig diese Erinnerungen genannt, die ich nach und nach bearbeite und hier in loser Folge veröffentliche.

Heute geht es um die Bewertung von Schiedsrichtern und Gerd Hennigs Sorge um die Zukunft des Schiedsrichterwesen

Vom Straßenfußballer zum FIFA-Schiedsrichter – Folge 11
Von Gerd Hennig
Herausgegeben und bearbeitet von Kees Jaratz

Unter den Schiedsrichtern gilt wie bei den Vereinsmannschaften das Leistungsprinzip. Nur wer die besten Bewertungen erhält, kann in der höchsten Spielklasse pfeifen. Jetzt, während ich meine Erinnerungen schreibe, stehen den deutschen Schiedsrichtern in den internationalen Wettbewerben wie Champions League und Euro League zehn Plätze zur Verfügung, die jährlich neu besetzt werden können. In meiner Zeit waren das noch sieben Plätze.

Dazu gibt es bei je 18 Vereinen in der Ersten und Zweiten Bundesliga pro Woche jeweils 9 Paarungen, für die meines Wissens im Moment insgesamt 24 Unparteiische der DFB-Liste zur Leitung anstehen. Hinzu kommt noch der Spielplan der 3. Bundesliga sowie die Begegnungen der Regionalligen, die alle neben den Spielen der Frauen-Bundesligen sowie den Staffeln der A-und B-Junioren dem Ansetzungsbereich des DFB unterliegen.

In allen Spielklassen gibt es bekanntermaßen einen feststehenden Auf- und Abstiegsplan je nach dem Punktestand am Ende der jeweiligen Spielsaison. Dieses Leistungsprinzip ist natürlich auch bei den Schiedsrichterinnen und Schiedsrichtern gegeben. Der Auf- oder Abstieg entscheidet sich für sie durch die von den Schiedsrichterbeobachtern ermittelten Punktezahlen. Allerding kommt das jeweilige Alter bei der Bewertung hinzu. Entsprechend ist mit dem Schiedsrichterwesen das Beobachtungswesen eng verbunden. Die Schiedsrichterbeobachtung geschieht selbstverständlich auch auf internationaler Ebene. Schließlich sollen etwa bei Welt- und Europameisterschaften die besten Referees zum Einsatz kommen. Bei der Vielzahl der beteiligten Nationen kann diese Auswahl sicher nicht immer gänzlich ohne Kritik vollzogen werden.

Die Beobachtung von Schiedsrichtern mit all ihren Konsequenzen für die Karrieren der Schiedsrichter werden national über alle Ligen bis in die verbandseigegen Verbände weiterverfolgt. Auch auf Kreisebene geschieht das, dort vor allem mit dem Hinblick auf Lehrzwecke. Dazu werden die Beobachtungsbögen auf besondere Weise gestaltet. Denn für jeden Schiedsrichteranfänger gilt das Motto: „Sich auf das Pferd setzen, kann jeder, doch richtig reiten, muß jeder für sich alleine!“

Damit sind die Aufstiegsmöglichkeiten für alle Neulinge aufgezeigt, doch weiß ich natürlich, leider ist hiermit der Schiedsrichtermangel nicht zu beheben, und die für den Nachwuchs vorrangig verantwortlichen Vereine zahlen zumeist lieber das dadurch verordnete Ordnungsgeld, um die Kosten für die Ausstattung ihrer eigenen Schiedsrichter zu umgehen. Dazu muss man auch wissen, dass alle Vereine, die ein Übersoll an Schiedsrichtern aufweisen, vom Verband eine eine finanzielle Belobigung erhalten. Wenn bei dieser Misere unsere wenigen Kandidaten aber oft mit den ordinären Worten bedacht werden wie etwa: „Du Drecksack/Hurensohn, bleib´ demnächst lieber zuhause!“ hört der Glaube an eine Sportart auf, die so schön sein könnte.

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Die Losung der Stunde nach dem Heimsieg

Damit eines vorab klar ist, Kingsley Onuegbu erzielte nicht nur zwei Tore an diesem Spieltag und war wieder einer der besten Spieler auf dem Rasen. Er sprach zudem die wichtigsten Worte dieser Zeit nach dem Spiel. Seine Worte unterschreibe ich sofort: “Für mich ist es ganz wichtig, ich will diese schöne Spiele nicht mehr, sondern für mich ist es ganz wichtig, dass wir drei Punkte holen. Egal wie, ob mit der Hand, ob mit dem Fuß, egal, Hauptsache das Ball geht rein, scheißegal wie, Hauptsache drei Punkte, egal wie, immer.” (Ab Minute 5.44)

Rumms! Das war eine klare Ansage. Deutlich in der Wortwahl und offen im Bekenntnis zum Ganzkörpereinsatz bei gleichzeitigem Schiedsrichter-Blackout. Aber wir wissen, wie er es gemeint hat, und wir wissen auch, der King hat recht. Wenn solche Worte momentan ein Spieler dieser Mannschaft sagen darf, dann ist es Kingsley Onuegbu. Denn für das Verkünden solcher Worte gibt es unausgesprochene Regeln. Paradoxerweise gehört dazu, dass einzelne Spieler einer Mannschaft auch mal besonders gut und damit oft auch schön spielen, und diese Spieler können dann problemlos solche Worte sagen – selbst wenn damit die Wahrheit des gerade vergangenen Spiels stellenweise verschleiert wird.

2:0 hat der MSV Duisburg gegen Fortuna Köln gewonnen. Dieser Sieg war ein Pflichtsieg. Er war besonders wichtig, weil der MSV Duisburg bislang schon zu oft seine Pflicht in Spielen gegen Mannschaften der unteren Tabellenhälfte nicht erfüllte und sich mit einem Unentschieden begnügen musste. Der MSV Duisburg spielte tatsächlich nicht schön, genauer gesagt, der MSV spielte einen Teil der zweiten Halbzeit nicht schön. Doch eigentlich müssen wir noch genauer sein. Für eine halbe Stunde etwa spielte der MSV Duisburg nicht “nicht schön” sondern schlecht. Und das ist ein beträchtlicher Unterschied, den auch MSV-Trainer Gino Lettieri wahrnimmt, wie auf der Pressekonferenz nach dem Spiel erkennbar wird.

Dabei sahen wir die erste Halbzeit ganz entspannt. Die Zebras hatten das Spiel im Griff, und die Fortuna strahlte aus dem Spiel heraus keinerlei Gefahr aus. Der MSV ging seine Pflichten also konzentriert an, auch wenn Torgefahr zunächst ausblieb. Ich hatte den Eindruck, die Defensive der Fortunen ließ den Zebras nach deren Balleroberungen geradezu zu viel Raum. Es schien mir, als hätten die jeweiligen Ball führenden Spieler, je näher sie zum Straufraum kamen, zu viele Möglichkeiten den Angriff abzuschließen. Selbst gehen, den nächst stehenden Mann anpassen oder doch den noch freieren übernächsten Spieler? Zu solchen Gedanken schienen die Offensivspieler die Zeit zu haben, und schnelle Spielzüge wurden nicht sauber ausgespielt. Entsprechend fiel das Führungstor durch den King auch nach einem weiten Ball, der einmal aufsprang und den er danach über den herauseilenden Torwart hinwegspitzelte. Ein Tor begleitet von einem Hauch Überraschung und Kuriosität.

Gefährlich wurde Fortuna Köln nur nach Einwürfen in die Nähe des Fünfmeterraums. Denn diese Bälle fielen oft erst einmal zu Boden. Gestocher in dieser Zone wirkt immer gefährlich. Wir konnten ja nicht wissen, dass die Fortuna dieses Mal ohne Spieler anreiste, die wissen, wie aufs Tor geschossen wird und wo man dazu stehen muss. Diesem Manko alleine ist es zu verdanken, dass in der zweiten Halbzeit der Ausgleich nicht fiel.

Wenn Fortunas Trainer Uwe Koschinat auf der Pressekonferenz von einem für den MSV ruhigen Nachmittag im Strafraum spricht, hätte er mal von der 50. bis zur 83. Minute bei uns auf den Rängen stehen sollen. Da war aber jegliche Gelassenheit der blanken Sorge gewichen, dass wieder einmal einem spielerisch so limitierten Gegner der Ausgleich gelingt. Dieser Ausgleich schien in diesen Minuten jederzeit möglich. Denn der Ball kam viel zu oft in die Nähe des  Duisburger Fünfmeterraums. Irgendein zufällig herbeistolpernder Fortune hätte genügt, um ein Tor zu machen. Souverän war der MSV zu dieser Zeit nicht mehr. Nicht durch die eigene Leistung wurde die Führung gehalten, sondern durch die katastrophale Qualität der Fortuna beim Offensivspiel an diesem Tag.

Vereinzelt kam der MSV nur noch vor das Tor der Fortuna, obgleich bei jedem Angriff die Hoffnung auf das zweite Tor für den sicheren Sieg bei uns groß war. Schließlich schien das Können der einzelnen Spieler des MSV so viel größer zu sein als das von den Spielern der Fortuna. Dennoch brauchte es einen Freistoß für das zweite Tor in Verbindung mit  der Unsicherheit des Linienrichters, ob Steffen Bohl den von Martin Dausch getretenen Freistoß noch berührte und damit Kingsley Onuegbu im Abseits stand. Das Tor wurde gegeben, und die Erleichterung auf den Rängen war überall spürbar. Zwischendurch hatte es zwei-, dreimal auch dort dieses Aufbäumen gegeben. Plötzlich war das Stadion da und versuchte die Mannschaft zu wecken, sie ihrem zu langsamen Tempo zu entreißen, sie aus diesem gefährlichen Trott herauszuschreien, den jeder Mannschaftssportler kennt.

In solchen Momenten weiß man als Spieler, eigentlich ist das eigene Tempo für dieses Spiel zu gering. Eigentlich muss man intensiver spielen, schneller sein. Im Kopf und auf den Beinen. Doch ständig kommt man irgendwo auf dem Spielfeld einen Schritt zu spät, eigene Pässe kommen einfach nicht mehr an, man lässt sich einfach überspielen, und anstatt sich aufzuschwingen, wird man immer weiter herabgezogen. Auch auf den Rängen wissen wir also, um was es geht. Wir brauchen kein schönes Spiel, wir wollen drei Punkte. Immer. Damit das Unaussprechliche wirklich wird, egal wie, egal mit welchem Begleitprogramm. Mickie Krauses Drohung wiederzukommen beim Unaussprechlichen, zeigt mir, auch wir auf den Rängen müssen eben alles geben. Wenn es sein muss, höre ich mir also den Typen vor, während und nach jedem der kommenden Spiel an. Alles für den MSV, alles für das Unaussprechliche.

Zum persönlichen Heimatstadtderby das Heimatlied – Sektion Ruhrstadt – Folge 16: Sebel

Für mich sind Spiele zwischen Kölner Vereinen und dem MSV ja immer auch Derbys zwischen Stadtteilvereinen meiner imaginären heimatlichen Großstadt. Immer spielt dann Nord- gegen Südstadtverein, und all meine Hoffnung gilt dem Norden. Gleichzeitig wird diese Hoffnung von großer Vertrautheit mit beiden Stadtteilen getragen: Heimat. Eine Facette davon besingt Sebel, der sich zwar vom Ruhrstadt-Stadtteil Wanne-Eickel inspirieren lässt, dessen Lied “Heimat” aber mit Sicherheit in der gesamten Ruhrstadt auf ein Wiedererkennen von Gefühlen trifft.

Anlässlich einer kurzen Klub-Tournee erzählt er im Interview bei den Ruhrbaronen mehr von seinem Verhältnis zur Heimat in der Ruhrstadt. Tourdaten gibt´s oben drauf. Also: Heimat! Und dann ab zum Nordstadtverein, auf dass die Südstadt mal wieder was auf den Boden geholt wird. Kann Köln immer mal zwischendurch vertragen.

 

Hinweise auf weitere online zu findende Ruhrstadt-Lieder nehme ich gern entgegen. Helft mit die Sammlung wachsen zu lassen.

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Der Duisburger Gerd Hennig – Vom Straßenfußballer zum FIFA-Schiedsrichter – Folge 10

Vor einiger Zeit habe ich begonnen, die Erinnerungen von FIFA-Schiedsrichter Gerd Hennig zu sichten. “Vom Straßenfußballer zum FIFA-Schiedsrichter” hat Gerd Hennig diese Erinnerungen genannt, die ich nach und nach bearbeite und hier in loser Folge veröffentliche.

Heute geht es um das, was ein Schiedsrichter neben dem eigentlichen Fußballspiel in Berlin noch so erlebt.


Vom Straßenfußballer zum FIFA-Schiedsrichter – Folge 10
Von Gerd Hennig
Herausgegeben und bearbeitet von Kees Jaratz

Im April 1979 waren mein Team und ich angesetzt, das Bundesligaspiel zwischen Hertha BSC und Eintracht Frankfurt zu leiten. Meine Linienrichter waren Dieter Pauly aus Rheydt und Heinz-Theo Heymann aus Krefeld. Im Berliner Olympia-Stadion gewann die Hertha dieses Spiel 4:1.

Der DFB hatte uns zur Übernachtung den renommierten „Schweizer Hof“ angewiesen. Als wir freitags im Hotel eincheckten, stellten wir fest, dass im selben Domizil auch Dieter-Thomas Heck samt Familie weilte. Den Jüngeren muss man vielleicht sagen, Dieter-Thomas Heck moderierte die ZDF-Hitparade. Das war damals eine sehr populäre Musiksendung, die am frühen Samstagabend gesendet wurde und in der deutsche Schlager präsentiert wurden. Alle in der Hitparade auftretenden Künstler übernachteten ebenfalls in unserem Hotel.

Mein Linienrichter Dieter Pauly war trotz der Bedenken von uns beiden anderen erpicht darauf,  uns noch drei Eintrittskarten für die Abendveranstaltung zu beschaffen. Er schrieb einen kurzen Brief und ließ seine Bitte um Karten am Samstagmorgen im Schlüsselfach von Dieter-Thomas Heck hinterlegen. Zu unserer Überraschung erhielten wir nach unserem gemeinsamen Stadtbummel eine positive Antwort. Zudem bat mich der Moderator, in seine Suite zu kommen. Wir begrüßten uns und er versicherte mir, wir könnten gerne kommen. Zu seiner Ehefrau Ranghild gewandt sagte er noch: “Wir haben eigentlich keine Plätze mehr frei, aber daraus machen wir einen Gag.”

Dann wandte er sich wieder mir zu: “Das wird das erste Mal sein, dass eine meiner Sendungen mit einem Schiedsrichterpfiff eröffnet wird. Kommen Sie mit ihren Kollegen pünktlich in die UNION-Filmstudios. Da halte ich drei Plätze im Künstlerbereich für sie reserviert.”

Sofort nach dem Spiel im Olympia-Stadion fuhren wir mit dem Taxi zu den Studios. Dort bat mich Dieter-Thomas Heck auf die Sekunde genau auf eine Treppe zwischen den Zuschauern, damit ich mit einem unüberhörbaren Pfiff die allseits beliebte Sendung des ZDF startete. An diesem Abend traten in der Sendung unter anderem Heino, Gaby Baginsky sowie Tina York auf. Letztere ist die Schwester von Mary Roos.

Nach dem Ende der Show waren wir noch zu einem Bankett an Stehtischen im Forum des Studios eingeladen. So lernten wir beim amüsanten Plausch einige der Schlagerstars kennen. Gekrönt wurde dieser Tag, als ich zur mitternächtlichen Stunde im Foyer unseres Hotels noch zufällig Tina York begegnete. Schon als Jugendlicher hatte ich von ihr geschwärmt. Kurz wechselten wir ein paar Worte, und ich erhielt zu meiner großen Freude ein Autogramm.

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Halbzeitpausengespräch – erster Teil: Brandschutz und Park-Kult-Tour

Vorletztes Wochenende sprachen Gerhard Polt und Michael Well vor der Premiere ihres neuen Bühnenprogramms Ekzem Homo mit der Süddeutschen Zeitung. Es war ein langes Gespräch (online ist es frei nicht zu lesen), in dem Gerhard Polt betont, dass es in dem Programm nicht um aktuelle politische Themen, um die Aktualität ginge, sondern um das “Akute”.  Das sei nach wie vor der Mensch, der dem Mensch ein Mensch ist.

Well fügt aber hinzu, mit den “Gstanzln” könnten sie immer schnell etwas einbeziehen. Da käme auch das Thema Steuern vor. “Und Brandschutz”, merkt Well an, “da machen wir wir eine Feuerwehrschul-Nummer.” Erstaunte Rückfrage: “Brandschutz?” Wieder Well: “Das ist mittlerweile, seit Duisburg, der größte Kulturkiller in Deutschland.”

Seit gestern Abend macht die Nachricht die Runde: Mit Park-Kult-Tour 2015 gibt es ein weiteres Opfer. Das Meidericher Open-Air-Festival fällt dieses Jahr aus. Wer die Stellungnahme der Stadt im O-Ton lesen möchte, klickt zu Duisburg365.de weiter. Gerhard Polt und Michael Well könnte die Nachricht gefallen, nicht inhaltlich, alleine aus der Autorenperspektive betrachtet.  Das Gstanzl könnte mit einer zusätzlichen Duisburg-Strophe vielleicht eine vollkommene, runde Form finden.

 

 

Heimatlied – Sektion Duisburg – Folge 18: Günter Wewel – Der Duisburger Hafen

Öfter schon habe ich gedacht, der Hafen taucht mir im Heimatlied der Sektion Duisburg als Motiv viel zu selten auf. Allein im “Ruhrortlied” von Thommie und Klaus gibt der Hafen die Stimmung vor, und auch Reina Ilona Vildebrand steigt mit der Hafenatmosphäre in ihr “Duisburglied” ein. Doch dann wird es schon dünn.

Nun bin ich heute auf “Der Duisburger Hafen” gestoßen, ein Lied vom Kammersänger Günter Wewel, das musikalisch und textlich in jener klassische Heimatliedtradition steht, die ich mit meiner Sammlung aufbrechen will. Viele Informationen habe ich über das Lied nicht gefunden. Womöglich ist es tatsächlich, wie beim youtube-Clip vermerkt, erst 2002 entstanden.

Bei Liedern dieser Art darf man den Text ja nicht allzu ernst nehmen, “Der Duisburger Hafen” wird sogar zum puren Nonsens. Ich muss jedenfalls sehr schmunzeln, wenn die Natur- und Dorfidyllen dieser alten Heimatliedwelten ungebrochen auf diesen von der Montanindustie geprägten Hafen übertragen werden. Dann verblüfft uns die “grüne Flur”, in der der Hafen “gleich vor unserer Haustür” liegt. Und auch die Bergwelt darf in diesem Sinnzusammenhang nicht fehlen: “Der mächtige Strom trägt die Schiffe von den Alpen stromab bis hierher”, eben nach Duisburg. Allzuviel Ladung werden solche alpentauglichen Schiffe nicht mitnehmen können. Schmunzelt also mit.

 

Hinweise auf weitere online zu findende Duisburg-Lieder nehme ich gern entgegen. Helft mit die Sammlung wachsen zu lassen.

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Zu viele Schwächen machen stark

Prolog am frühen Samstagabend

2015-02-14_#dscmsv

Gespieltes Spiel

Erzieherische Hinweise auf Fehler wirken nur, wenn Fehler Folgen haben. Altes Elternwissen gilt auch für die Sportschau-Redaktion und Reinhold Beckmann. Dieser Fehler in der Sportschau vom Samstag bei der Prognose der möglichen Drittliga-Tabelle hat nun gar keine Folgen, weil die Spieler vom MSV Duisburg mir in den Rücken gefallen sind. Nach der 4:2-Niederlage der Zebras gegen Arminia Bielefeld werden sie bei der Sportschau weiterhin denken, sie hätten die Tabellen der Welt fest im Griff und irgendein öffentlich-rechtlicher Social-Media-Mitarbeiter sagt sich, was labert uns der MSV-Typ von der Seite an?

Dabei hat dieses Spiel des MSV Duisburg bei Arminia Bielefeld sehr überzeugend begonnen. Die Zebras strotzten vor Selbstbewusstsein. Vom Anpfiff an war spürbar, die Mannschaft spielt auf Sieg. Diese Mannschaft will in Bielefeld drei Punkte holen. Mit den ersten 15 Minuten verschaffte sich der MSV Duisburg Respekt. Die Bielefelder kamen vielleicht einmal überhaupt in Tornähe, während der MSV mit schnellen Kombinationen, ob nun durch sicheres Kurzpassspiel oder per halblangem Pass auf den Flügel samt Flanke, bereits Torgefahr ausstrahlte.

Kingsley Onuegbu beeindruckte erneut, und zwar über das gesamte Spiel hinweg, mit seiner  Präsenz und Ballsicherheit. Inzwischen kommt ein dritter gegnerischer Spieler zu ihm, um den Ball zu erobern, wenn der Pass erst einmal bei ihm angekommen ist.  Als die Arminia etwas besser ins Spiel gefunden hatte, waren aber auch schon erste Schwachstellen beim MSV zu erkennen. Für den verletzt ausgefallenen Thomas Meißner spielte Christopher Schorch, der nicht ganz die Ruhe und Souveränität von Meißner ausstrahlte. Als Fehler machte sich das auch bemerkbar. Zweimal nacheinander klärte er per Kopf in die gefährliche Zone an der Strafraumgrenze. Es waren misslungene Versuche, einen Angriff der Bielefelder sofort in einen kontrollierten Spielaufbau zu verwandeln.

Auch Rolf Feltscher zeigte in der Rückwärtsbewegung Schwächen. Die Bielefelder selbst waren in dieser Spielphase noch zu unpräzise, um diese Fehler zu nutzen. Aber wir wussten, worum wir uns Sorgen zu machen hatten. Zumal Kevin Wolze auf seiner linken Verteidigerseite schon früh eine gelbe Karte erhielt. Für mich eine zu harte Entscheidung, nachdem der Ball ihm gegen den Oberarm gesprungen war. Die gelbe Karte kurz darauf erhielt Branimir Bajic allerdings zurecht. Er war der Retter in höchster Konternot, nach einem leichten Ballverlust im Mittelfeld. Noch ein Hinweis auf mögliche Gefahren.

Doch alle Hinweise auf die Gefahren waren schnell vergessen, als Zlatko Janjic das wunderbar herausgespielte Führungstor erzielte. Auch Trainer reden manchmal ziemlichen Blödsinn. Wie Norbert Meier bei der Pressekonferenz nach dem Spiel auf die Idee kommt, dieses Tor sei aus dem Nichts heraus gefallen, ist mir schleierhaft. Sicher, große Torchancen hatte es zu diesem Zeitpunkt nicht gegeben, obwohl das Spiel hin und her  ging. Aber ein Tor aus dem Nichts bedeutet für mich: eine harmlose Mannschaft hat unverdient Erfolg. Dem war nicht so, noch immer wirkten die Angriffe des MSV durchdachter und souveräner als die der Bielefelder, wo vieles Ergebnis eines Zufalls war. Die Flanke von Rolf Feltscher ging in den offenen Raum nahe der Strafraumgrenze und Zlatko Janjic stieß in diesen leeren Raum hinein, um den Ball auf artistische Weise, volley ins Netz zu schießen. Ein sehenswertes Tor, und Zlatko Janjic legte nach.

Etwa 30 Meter vor dem Tor erhielt der weiter angreifende MSV einen Freistoß. Zlatko Janjic führte aus, traf perfekt und der Ball vollzog den bekannten Strich nach bis ins Netz hinein. Eine nur vermeintlich beruhigende Führung. Obwohl die Arminia immer noch spielerisch wenig überzeugte, kam sie zu Chancen. Denn der hohe Ball in den Strafraum, ob bei Standardsituation oder aus dem Spiel heraus, sorgte schon für Gefahr. Gesucht wurde dabei Fabian Klos, der im Strafraum unermüdlich arbeitete. Kurz vor der Halbzeitpause stürzte er bei einer Flanke, nachdem Christopher Schorch geschoben hatte und Dennis Grote von der anderen Seite her in den Weg kam. Nicht immer wird solch körperliches Spiel abgepfiffen. Aber die Zweifelsfälle der Regelauslegung gingen in dem Spiel zugunsten der Bielefelder aus. Der Elfmeter brachte den Anschlusstreffer.

Aus der Halbzeitpause kamen die Bielefelder sehr entschlossen. Der stärker gewordene Druck der Arminia machte offensichtlich, nicht nur die Defensivreihe des MSV hatte keinen guten Tag. Der Abwehrreihe fehlte auch genügend Unterstützung durchs Mittelfeld. Jede Schwäche für sich genommen war nicht so groß. Zusammengenommen aber machten diese Schwächen die Arminia nun stark. Der Ausgleich durch einen Kopfball von Fabian Klos fiel schnell, und der MSV wirkte von nun an hilflos. Das Spiel war gekippt, kein kein geordneteter Spielaufbau gelang mehr. Es ging nun noch darum, dem Druck der Arminia irgendwie stand zu halten. Erfolgreich eine ganze Halbzeit lang? Das war ein verwegener Gedanke. Flanke auf Flanke kam in den Strafraum, und Fabian Klos ist nun einmal ein sehr guter Kopfballspieler. In der 76. Minute ging die Arminia in Führung. Fast sofort danach flackerte kurz die Hoffnung auf den Ausgleich auf, als noch einmal eine schöne Kombination gelang. Schussversuch Nummer eins landete am Pfosten. Als Michael Gardawski den Abpraller verwandelte, soll er abseits gestanden haben. Erneut eine knappe Entscheidung zugunsten der Bielefelder. Damit solche Unklarheiten nicht mehr für Unruhe im Stadion sorgen konnten, entschied Fabian Klos wieder nur ein, zwei Minuten später das Spiel mit einem weiteren Treffer. Und wie sollte es anders sein? Per Kopfball.

In diesem Spiel hat sich gezeigt, so breit der Kader des MSV auch ist, der Ausfall von vier Defensivspielern kann nicht ohne Verlust an spielerischer Qualität der Mannschaft kompensiert werden. Eine starke Offensive reicht bei der in dieser Spielzeit einzig überlegenen Mannschaft der 3. Liga nicht, um diese Mannschaft zu bezwingen. Aber nicht jeder Gegner hat einen Fabian Klos in der Mannschaft. Der MSV muss in den nächsten Wochen an die Leistung der ersten Hälfte anknüpfen und kann dabei hoffentlich bald auf die gegen Bielefeld ausgefallenen Defensivspieler zählen. Dann ist weiterhin machbar, was ich von nun an erst einmal wieder nicht aussprechen möchte.

Epilog

2015-02-15_#dscmsv



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