Auswärtssieg Teil 1 – Das Elfmetertor in Bildern

Dieses Tor durch Elfmeter im Spiel des MSV Duisburg gegen die SG Dynamo Dresden sollte etwas mehr als zehn Minuten vor dem Schlusspfiff mit allen Mitteln verhindert werden. 1:0 führte der MSV schon, die Niederlage Dresdens bahnte sich endgültig an. Niemand auf Dresdner Seite wollte sich mit diesem Elfmeter abfinden. Die Spieler Dynamos versuchten ihr Möglichstes, um seine Ausführung zu verzögern. Zwei Spieler bewegten sich nicht vom Elfmeterpunkt weg, auch noch nachdem sie das erste Mal vom Schiedsrichter aufgefordert worden waren. Andere Spieler liefen dem Elfmeterschützen des MSV Duisburg Zlatko Janjic in den Weg, als er von der Nähe der Torauslinie zum Elfmeterpunkt gehen wollte. Die Einwechselspieler bildeten eine Art Voodoo-Kreis über dem gefoulten Kingsley Onuegbu, der links neben dem Tor im Toraus nach dem Foul liegen geblieben war.

Und dann gab es noch die schwarz-gelbe Wand hinter dem Dresdner Torwart Benjamin Kirsten. Diese Wand schien sich auf Zlatko Janjic zuzuschieben. Sie war ein Körper mit tausenden fuchtelnden Armen, drohenden Fäusten und peitschenden Schals. Sie schrie mit einer Stimme von unfassbar Lautstärke. Das Schreien und Pfeifen hätte mit seinem Schalldruck jeden langsamen, auf die Linie zurollenden Ball problemlos aufgehalten.

Dann endlich konnte Zlatko Janjic sich den Ball auf dem Elfmeterpunkt zurecht legen. Er lief an und traf. Der schwarzgelbe Zorn auf den Rängen verwandelte sich eine einzige tobende, dem Irrsinn nahe Enttäuschung. Dennoch war der Lärm dieser schwarzgelben Wand zu leise, um den explodierenden Jubelschrei in der Gästekurve gegenüber zu übertönen. Der Auswärtssieg begann wirklich zu werden.

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Soll und Haben im Tabellenrechner – 34. Spieltag

Großartig! Der MSV hat die zweite Möglichkeit genutzt, um meine Erwartungen zu übertreffen. Was ohnehin schwierig für die Mannschaft ist, weil ich fast nur Siege habe getippt. Beim Einsatz des Tabellenrechners vor dem 31. Spieltag war ich dem MSV insofern nicht übermäßig gewogen, als ich die Konkurrenten um den Aufstieg so erfolgreich wie möglich sein ließ. Das Ergebnis ganz unten: Der 2. Platz für den MSV Duisburg.

Im Abgleich seht ihr die aktuelle Tabellenplatzierung samt Punkten, in der ersten Klammer die Platzierungs-Prognose, in der zweiten Klammer meine Prognose der Punktezahl am Saisonende, daneben die momentane Punkteabweichung von dieser Punkteprognose.

1. (1.) Arminia Bielefeld  68 Punkte (77) +1
2. (3.) Holstein Kiel 63 (69) -2
3. (2.) MSV Duisburg 62 (70) +2
4. (4.) Stuttgarter Kickers 58 (67) -2
5. (5.) Preußen Münster 54 (65) -3
6. (6.) Energie Cottbus 52 (60) 0
7. (11.) Hallescher FC 50 (53) +2
8. (9.) SV Wehen Wiesbaden 49 (55) -4
9. (12.) Chemnitzer FC 49 (50) +7
10. (7.) Rot-Weiß Erfurt 46 (59) -9
11. (10) Dynamo Dresden 44 (54) -1

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SGD-Trainer Peter Németh scheint Herrn Zimmermann nicht zu mögen

Wenn es wirklich um was geht, machen mich Sonntagsspiele des MSV Duisburg zum Ende der Saison hin sehr unruhig, geradezu missmutig. Der Samstag ist mir dann sehr im Weg. Du wachst auf, und vor dir liegt ein Tag voller lästiger Stunden, die verbracht werden müssen. Geht mir bloß weg, mit den schlauen Ratgebersprüchen vom Leben im Hier und Jetzt. Völliger Unsinn ist das. Hier? Hier passiert diesen Tag nichts von Interesse. Hier ist Berlin. Was für eine langweilige Stadt. Die Neustadt Dresdens ist das bessere Friedrichshain, haben mir irgendwelche Neustadt-Hipster-Tester auf den Journaillien-Seiten für junge Leute einmal geflüstert. Hier und Jetzt kann ich nur sagen, die hatten recht. In Dresden spielt die Musik. Naja, zwar auch nicht jetzt, aber morgen.

Wer sich das Leben im Hier und Jetzt als leicht abschüssige Allee zu dem idyllischsten Ort der Menschheitsgeschichte vorstellt, hat keine Ahnung. Auch das Leben im Hier und Jetzt kennt die mühselige Steilstrecke mit Schlaglöchern und Kopfsteinpflaster. Dann kann ich noch so sehr jeden einzelnen Schritt mit vollem Bewusstsein erleben. Anstrengend ist das doch, und unangenehmes Umknicken ist auf solch holprigen, steilen Straßen gerne auch mal dabei. Dann soll Hier und Jetzt ganz schnell Dahinten und Gerade Eben gewesen sein. Erst wenn aus Dort und Bald Hier und Jetzt geworden sind, kommt meine gute Laune zurück. Bis morgen ist es für mich gerade so eine Steilstrecke.

Einen kleinen Teil dieser Strecke konnte ich vorhin mit der Pressekonferenz von Dynamo Dresden bewältigen. Beim Warten auf das Spiel des MSV hatte ich meine Freude mit dem besonderen Verhältnis des Dynamo-Trainers zu einem Journalisten, das ich sofort in Klatsch verwandel. Schon gehört? Momentan sind Dynamo-Trainer Peter Németh und MDR-Journalist “Herr Zimmermann” anscheinend keine besonders guten Freunde. Der Einstieg in die Pressekonferenz mit der Frage nach der Trainingswoche scheint Peter Németh – ab Minute 0.41 – jedenfalls an irgendwas zu erinnern, was ihm nicht gefallen hat. Gut, dass noch was Zeit bleibt, damit die Atrmosphäre in dem Raum, wieder auftauen konnte.

Wir erfahren außerdem, 21.000 Zuschauer werden erwartet. Das ist eine ansehnliche, erwartungsvolle Kulisse. Zwischen vier- und fünfhundert dieser Zuschauer werden aber etwas anderes erwarten als der Rest. Immer noch sind es mehr als vierzwanzig Stunden bis zum Anpfiff. Gibt es noch mehr Pressekonferenzen, die mich zum Schmunzeln bringen? Mal sehen.

Lokführer-Streik verhilft zu guter Stimmung im Umfeld des MSV Duisburg

Wenn ich gestern wegen des Streiks von Lokführern Berlin mit der DB schneller und komfortabler erreiche, als es der im Februar eigentlich geplante Reiseablauf vorgesehen hatte; diese Zugfahrt nach Berlin zudem eine erste frühe Etappe auf der Fahrt zum Auswärtsspiel nach Dresden ist, kann ich mit einiger Gewissheit sagen, der GDL-Streik trägt zur guten Stimmung im Umfeld des MSV Duisburg bei. Viele Bahnreisende werden der GDL für den Streikaufruf wohl nicht so dankbar sein wie ich. Immer auf der Suche nach den Vorzeichen für den Erfolg bin ich gestern für das Auswärtsspiel Dresden auf eine Goldgrube gestoßen. Mein Tabellenrechner sagt, mit einem Unentschieden bleibt der MSV im Soll. Dank der GDL kann ich mir und uns berechtigte Hoffnungen machen, alles, was mit dem MSV Duisburg zusammenhängt, geht gerade besser aus als erwartet.

Heimatlied – Sektion Ruhrstadt – Folge 19: Erwin Weiss – Ährwin

In einer zu erzählenden Geschichte des Heimatlieds – Sektion Ruhrgebiet, erhielte Erwin Weiss, unter uns Heimatliedkennern auch “Ährwin” genannt, ein großes Kapitel. Zum einem war er wahrscheinlich der erste Sänger, mit dem von einer Plattenfirma das Marktsegment Ruhrpott-Schlager besetzt wurde, zum anderen ließe sich genau deshalb mit ihm auch die Entwicklung deutscher Popmusik näher beleuchten. Begann seine regionale Karriere doch in den 1970er Jahren, als deutscher Schlager für fast alle junge Menschen eine Musik zum Weglaufen war. Das Heimatlied – Sektion Ruhrstadt war damals etwas für die Älteren.

In den Schlagern von Erwin Weiß finden sich manchmal auch Spuren Volksmusik, und die Texte zeigten eine rosige, weichgezeichnete Kumpel-Welt des Ruhrgebiets, das Heimatglück des genügsamen, einfachen Pott-Typen. In der Wirklichkeit lagen die großen Demonstrationen gegen die Zechenschließungen gerade ein paar Jahre zurück. Nun machten die Zechen ohne lauten begleitenden Protest ihre Tore zu. Erst die Schließung der Stahlwerke brachte die Menschen wieder auf die Straßen.

Im Grunde sind alle Schlager von Erwin Weiß Heimatlieder der Sektion Ruhrstadt. Eine Auswahl kann es hier nur sein. Dat muss doch auch ma’ sein  ist der 1970er-Jahre-Schlager in der Pott-Variante und besingt eher eine Art Lebensmotto für den Pott-Menschen

Das Ruhrgebiet selbst wird in anderen Liedern als idealer Lebensort besungen.

Bei uns anne Ruhr

Ich bau mich mein Häusken nur anne Ruhr

Zudem wird Erwin Weiß  heute meist auch mit dem Liedgut vom FC Schalke 04 in Verbindung gebracht. Anscheinend war er dort zur rechten Zeit am richtigen Ort, so dass dieser Teil seiner Schlagerkarriere mehr in Erinnerung blieb als seine BVB-Vergangenheit zu Beginn seiner Karriere.  “Wir halten fest und treu zusammen” hat in den 1970er Jahren so dicke Wurzeln in noch weiter zurückliegenden Zeiten, dass die Gegenwartspflanze BVB-Vereinslied diesen Wurzeln gegenüber kaum auffällt. Zumindest habe ich ständig Schwarz-Weiß-Bilder im Kopf, wenn ich das höre.

Ein paar Jahre später ist moderner Schlager-Lack übers Fußballied drübergepinselt worden. Die Vereinsfarben sind nun blau-weiß, und anscheinend ist Erwin Weiß beim FC Schalke 04 erfolgreicher gewesen als bei den Schwarz-Gelben. Es blieb nicht nur bei einem Lied.

Schalke, Schalke

Schalke 04, Liebe in Revier

Ist dieser Wechsel der Vereinsliebe eigentlich in Schalker und BVB-Fankreisen irgendwann mal Thema gewesen, diese doppelte emotionale Bindung des Erwin Weiß? Hat er sich dazu mal geäußert? Wäre interessant zu wissen.

Hinweise auf weitere online zu findende Ruhrstadt-Lieder nehme ich gern entgegen. Helft mit die Sammlung wachsen zu lassen.

Mit einem Klick weiter findet ihr Heimatlied – Sektion Ruhrstadt – Alle Folgen

Dänen lügen nicht – Kritikerlob für 111 Orte im Ruhrgebiet, die uns Geschichte erzählen

Wenn Kees es nicht selbst hier online stellt, mache ich es eben. Wie neulich schon gesagt, ich kann auch anders. Ich will doch gar nicht immer nur meckern. Ich rede zum Beispiel gerne darüber, wenn jemand darüber redet, dass Kees was Gutes getan hat, eigentlich ja nicht Kees, aber Kees, wenn er als Ralf Koss unterwegs ist, ihr wisst schon, irgendwie ist der eben schon auch Kees.

111_Ruhr_Historisch_Cover_kleinUnd wenn ich das nicht weiter erzähle, kriegt ihr das doch niemals mit. Oder lest ihr Zeitschriften über die Geschichte des Potts? Eine heißt Geschichtskultur Ruhr,  und in der hat Christoph Wilmer 111 Orte im Ruhrgebiet, die uns Geschichte erzählen besprochen. Er meint, das Buch lade “zum Spazieren durch die Region und ihre Geschichte” ein. Das Wichtigste vom Rest habe ich euch einfach kopiert. Geschichtskultur Ruhr, 01/2015 –  da steht das drin.

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Online ist der Artikel nicht zu lesen. Ein Eindruck von der Zeitschrift vermittelt das Inhaltsverzeichnis, zu dem es weiter mit einem Klick geht. 

Zunächst wollte Kees auf der Seite Orte im Ruhrgebiet, die Geschichte erzählen die Arbeit am Buch kommentieren. Inzwischen nutzt er sie für alles, was ihm über Geschichte des Potts begegnet.

Endlich schreiben: Martin Dausch, Fußballgott!

Bei irgendwem, vielleicht auch bei irgendetwas muss ich als allererstes um Vergebung bitten. Ist noch jemand mit dabei? Ich war es doch nicht alleine am Samstag im Stadion? Seid ehrlich. Es gab doch noch ein paar andere auf den Rängen, die es auch ausgesprochen haben und die es nicht nur immer dringlicher gedacht haben. In der 89. Minute geschah es. Ich wollte diesen Sieg des MSV Duisburg so sehr, dass ich meinen Mund nicht halten konnte. Meine Freunde um mich herum begannen aber auch schon, sich zu entspannen. Ich war so froh. Wir sahen uns an, und dann sagte ich die vor dem Abpfiff verbotenen Worte: “Ich glaube, jetzt können wir doch sagen, wir gewinnen.” 3:1 war das Ergebnis. Der MSV war dem FC Energie Cottbus in dieser zweiten Halbzeit so deutlich überlegen gewesen. Chance auf Chance hatte sich die Mannschaft erspielt. Zwei Tore waren gefallen, es hätten mehr sein können. Zwei Einzelaktionen waren klägliche Cottbusser Lebenszeichen gewesen. Wenige Momente später fiel das Anschlusstor. War die Nachspielzeit von zwei Minuten nicht längst schon vorbei?

Stimmt also mit ein: Oh, du unergründliche Macht des Schicksals, oh, du gütiger Herr, oh, ihr allmächtigen Fußballgötter, wir haben die Warnung verstanden. In Demut bitten wir um Vergebung. Niemals wieder werden die verbotenen Worte über unsere Lippen kommen. Niemals wieder werden wir bei einem Spiel des MSV Duisburg etwas vorwegnehmen, was niemals in unserer Hände und vor allem Füße sein wird. Wir waren hochmütig und haben gefehlt. Oh, du unergründliche Macht des Schicksals, oh, du gütiger Herr, oh, ihr allmächtigen Fußballgötter, befreit uns von unserer Sünde.

Dieses Gegentor kurz vor dem Schlusspfiff war ein Partykiller. Jegliche Vorfreude wich der Angst vor dem Unfassbaren. Anstatt dass auf den Rängen die Begeisterung immer lauter wurde, gab es mit einem Mal dieses Stimmenwirrwarr aus verzweifeltem Sehnen und Empörung. Schlusspfiff! Der soll endlich abpfeifen. Mir kommt es immer  noch so vor, als habe Cottbus nach dem Anschlusstreffer unzählige Bälle des MSV sofort erorbert. Mir kommt es so vor, als sei jede Spielunterbrechung ein Freistoßpfiff für den Gast gewesen. Ich war offensichtlich nicht mehr ganz bei Bewusstsein.

Denn gleichzeitig dämmern mir andere Erinnerungen, sehe ich einen Spieler des MSV, der sich den Ball für einen Freistoß im Mittelfeld zurecht legt, sehe ich erneut hilflose Hektik auf Cottbusser Seite. Wahrscheinlich war der Raum verändert, in dem wir uns befanden und als Folge die Zeit gedehnt. Den Schlusspfiff muss es gegeben haben. Ich erkannte ihn nur, weil die Bewegungen auf dem Spielfeld sich mit einem Mal verlangsamten. Einige Spieler blieben auf der Stelle stehen. Wahrscheinlich habe ich tief durchgeatmet. Das alles weiß ich nur noch schemenhaft. Anscheinend habe ich dem Sieg größere Bedeutung zugemessen.

Die Spieler vom MSV Duisburg müssen von Anfang an derselben Meinung gewesen sein. Das Spiel begann, und die Zebras übernahmen sofort die Kontrolle dieses Spiels. Gleichzeitig wirkte die Mannschaft sehr souverän. Kein Spieler ließ sich aus der Ruhe bringen, wenn er beim Ballvortrag durch das allerdings auch nicht sehr intensive Cottbusser Pressing um die Mittelfeldlinie herum angegriffen wurde. Ein anderer Weg in die Cottbusser Hälfte wurde genommen. Das machte Hoffnung.

Diese Hoffnung verwandelte sich bereits in der achten Minute in erste Freude. Martin Dausch, Fußballgott! Bislang hätte seine Leistung es jederzeit möglich gemacht, das zu schreiben. Doch stimmten die Spielergebnisse noch nicht. Dieses Mal ist es anders. Zwar stach seine Leistung nicht so hervor wie in manch anderem der letzten Spiele. Das lag aber nicht an ihm, sondern an den ebenfalls sehr guten Leistungen seiner Mitspieler.

Martin Dausch, Fußballgott! Mit welcher Dynamik tauchte er an der rechten Seitenlinie weit in der Cottbusser Hälfte auf, als Torsten Mattuschka den Ball annahm und wohl denken musste, so weit von der Mittellinie entfernt bliebe ihm Zeit, in Ruhe den Ball nach vorne zu bringen. Wie symbolhaft war dieser Moment für das gesamte Spiel. Torsten Mattuschka und Martin Dausch, zwei Spieler, die sich eine Saison zuvor noch bei Union Berlin für gemeinsam Ziele eingesetzt hatten, standen nun auf verschiedener Seite. Die Zukunft gehörte in diesem Privatduell zweier ehemaliger Mannschaftskameraden Martin Dausch. Die Zukunft gehörte dem MSV Duisburg. Zu schnell geschah alles für Torsten Mattuschka. Ehe er sich versah, hatte Martin Dausch ihm den Ball vom Fuß genommen und zog rasant Richtung Cottbusser Tor davon. Dem heraneilenden Cottbusser Verteidiger spielte Martin Dausch in fließender harmonischer Bewegung durch die Beine. Die nächste Ballberührung schon war ein wunderbarer Außenristpass auf den heraneilenden Kingsley Onuegbu, der zum Führungstor einköpfte. Solch Tore, bei denen alle Spieler aus der Bewegung heraus den Ball derart elegant verarbeiten, lassen an andere Spielklassen denken. Martin Dausch, Fußballgott!

Zwar versuchte der FC Energie Cottbus durch frühes Attackieren und schnelles Umschalten mehr Spielanteile zu erhalten, doch von gefährlichem Offensivspiel konnte keine Rede sein. Für die Torgefahr brauchte es schon in der 31. Minute die Mithilfe des Schiedsrichters. Ein Freistoß war gepfiffen worden, der Ball flog von der linken Seite nahe der Mittellinie in den Strafraum. Branimir Bajic legte den Arm auf die Schulter seines Gegenspielers, so wie es heute nach Ecken und Freistößen nahezu immer geschieht. Der Gegenspieler fällt. Der Schiedsrichter pfeift Elfmeter. Die Vergangenheit, Torsten Mattuschka, verwandelte zum Ausgleich und konnte glauben, noch sei alles nicht vorbei für ihn und den FC Energie Cottbus.

Denn auch der MSV musste sich erst einmal diesem Schatten der Vergangenheit mit ganzem Bewusstsein stellen. Viel geschah nicht mehr bis zur Halbzeitpause. Erst danach war wieder der unbedingte Wille zum Sieg zu spüren, spielerische Leichtigkeit war zurückgekommen, der Drang aufs Cottbusser Tor wurde größer. Das 2:1 fiel in dieser besonderen Mischung aus Wille und spielerischer Eleganz. Ein Cottbusser Abwehrspieler und Kevin Scheidhauer konnten sich beim Kampf um einen freien hohen Ball nicht entscheidend gegeneinander durchsetzen. Eine Mischung von Abwehrversuch und Weiterleiten per Kopf brachte den Ball auf die linke Seite, knapp außerhalb des Strafraums. Aus dem Rückraum preschte Kevin Wolze heran und trieb den Ball einmal kurz Richtung Torauslinie, um ihn danach volley aufs Tor zu schießen. Der Ball senkte sich über den Torwart hinweg ins lange Eck. Es war eines jener schönen Tore, bei denen ein Spieler noch lange in Interviews Absicht behaupten muss, damit es die Welt glaubt. Kevin Wolze allerdings darf man schon etwas mehr glauben als anderen.

Zehn Minuten später köpfte Branimir Bajic nach einem Freistoß das 3:1. Dieses klassische Bajic-Kopfballtor haben wir schon lange nicht mehr gesehen. Es war die Rache für einen übertriebenen Elfmeterpfiff. Die Chancen zu einer noch höheren Führung waren vorhanden. Die Überlegenheit der Mannschaft war so groß, und die Cottbusser blieben harmlos. Vielleicht wird in Zukunft niemals mehr in der Schlussphase noch ein Gegentor fallen, wenn wir alle beim MSV Duisburg bis zum Schlusspfiff die nötige Einstellung bewahren, auch bei vermeintlich schon geschlagenen Gegnern. Die Mannschaft zeigt weiterhin ihre Abwehrstärke und wir auf den Rängen unsere Demut vor all den Mächten, die das Spiel noch so bestimmen, wie auch immer sie jemand nennen möchte.

Zum knapp zehnminütigen Spielbericht vom MDR weiter mit einem Klick. Es berichtet Bodo Boeck. Dessen manchmal blumige Kommentare zusammen mit seiner leicht historisch anmutenden Sprechweise bereitet mir inzwischen immer wieder leise Freude. Siege des MSV vorausgesetzt.



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