Fürths Trainer-Statement macht mir endlich Hoffnung

Morgen spielt der MSV gegen die SpVgg Greuther Fürth. Im Vorbericht beim Kicker zum Spiel wird Fürths Trainer, Stefan Ruthenbeck, zitiert: “Ich sehe Duisburg nicht so schlecht, wie es die Tabelle derzeit zeigt.” Das ist ein Klassiker des Trainer-Statements, eine Art Grußformel, ein Zeichen der Freundlichkeit und des Respekts, inhaltlich diffus, ohne konkrete Botschaft, außer der, dass eine Mannschaft natürlich jeden Gegner ernst nimmt. Unglaublich, aber es ist so: Dieser Klassiker hat mir gerade von jetzt auf gleich die Laune besser gemacht.

Ich bin ein armer pawlowscher MSV-Fan, dem noch das leiseste Lobgeklingel die Hoffnungsdrüsen zum Strömen bringt und der nun wieder zuversichtlich und siegeshungrig dem Spiel entgegensehen kann. Vergessen, jede niedergedrückte Schicksalsergebenheit angesichts weiterer Spielerausfälle. Vergessen, das vorzeitige Wappnen gegen weitere Enttäuschung. Ich hoffe nur, dass bei den auflaufenden Spielern des MSV entweder ebenfalls solch belebende Reiz-Reaktions-Ketten wirken können oder aber sie sich von den Erfahrungen der ersten Spiele besser haben befreien können als ich.

Der MSV braucht Streichresultate in einem Spiel

Fast hätte Stig mir vorhin, die Tastatur unter den Fingern weggerissen. Manchmal spreche ich eben in Gedanken so halblaut Sätze vor mich hin, bevor ich anfange zu schreiben. Ich probiere aus, wie es klingt, so was wie “allmählich gut ins Spiel gekommen während der ersten Halbzeit.” Es ging natürlich um das Spiel vom MSV beim Karlsruher SC. Dann dachte ich noch, oder müsste nicht im Vordergrund der KSC stehen, der die Zebras immer mehr mitspielen ließ?

Währenddessen fauchte mich Stig schon an: “Hast du sie noch alle?”

Zwar habe ich mich inzwischen an seine raue Herzlichkeit gewöhnt, doch so grimmig ist er auch nicht jeden Tag.

“Und nächste Woche bist du dann wieder bei sieben Minuten, in denen die Mannschaft gezeigt hat, dass sie was kann. Stell dich doch gleich vor so ‘ne Sponsorenwand. ‘An diese Leistung müssen wir im nächsten Spiel anknüpfen’. Als Fußballerkatastrophe bist du ja schon lange genauso gut wie die.”

Die 2:0-Niederlage hat ihm mal wieder das Wochenende versaut. Jetzt sitzt er da am Tisch und zetert immer noch. In so einer Stimmung kann ich ihm nie helfen. Man muss ihn dann lassen.

Also, zum Spiel; bringen wir es hinter uns. Fast die gesamte erste Halbzeit gelang es dem MSV ein torloses Unentschieden beim Karlsruher SC zu halten. Das sah eigentlich gut aus, was die Mannschaft leistete. Nach der kurzen druckvollen Anfangsphase des KSC war es den Zebras gelungen, das Spiel zu beruhigen. Die Mannschaft wirkte in der Defensive zunehmend souverän. Selbstverständlich erwartete ich aber bei jedem Angriff des KSC einen entscheidenden Fehler. Beide Mannschaften arbeiteten bei der nachlassenden Offensivkraft des KSC Fuß in Fuß. Der Fehlpass wurde für einige Zeit zu einem gern genommenen spielerischen Mittel beider Mannschaften. Für fehlende Torraumaktionen des MSV waren allerdings die Duisburger alleine verantwortlich. Wie sollten Tore erzielt werden, wenn jeder konterähnliche Flankenlauf mit einer Reingabe im Nichts endete? Jede, wirklich jede Flanke flog über den Elfmeterraum hinaus ins Torwart-Traumland der Offensiv-Harmlosigkeit. Oft befand sich dort nicht einmal ein Spieler des MSV.

Dagegen wirkte die Defensive im Zweikampf stabil. Jedes Dribbling im eins gegen eins konnte aufgehalten werden, in fast jeden Kurzpass grätschte ein Bein hinein. Lange Bälle wurden erlaufen. Ich hatte dennoch weiter Angst vor dem Fehler. Denn einmal mehr war überaus deutlich, die Karlsruher Führung würde augenblicklich die endgültige Niederlage bedeuten. Im Auswärtsstadion wäre nicht noch einmal so etwas wie im Heimspiel gegen die Arminia möglich, das war klar. Der Fehler geschah kurz vor dem Halbzeitpfiff. Auf dem rechten KSC-Angriffsflügel trafen Torres und Bajic zusammen, und dieses Mal überwand Schnelligkeit das coole erfahrene Stellungsspiel. Die freie Flanke kam in den Strafraum, wo am kurzen Pfosten sich der Rest der MSV-Defensive versammelte, um die Mitte für irgendeinen aus dem Rückraum kommenden Karlsruher einladend frei zu lassen. Dieses Kopfballtor hätte sogar ich mit meiner Brille auf der Nase gemacht, ohne dass sie dabei beschädigt worden wäre.

Diese Tore frustrieren so ungemein, weil ihnen kein wirklicher Druckaufbau des Gegners vorangeht. Deshalb wirkt die Mannschaft in dieser 2. Liga auch komplett chancenlos. Dieses Tor fiel nicht nach einem individuellen Fehler. Viele  Spieler wirkten zusammen, angefangen vom Ballverlust im Spielaufbau bis hin zur Ordnung nach der Flanke. Weil diese Fehler selbst bei dieser grundsätzlich gelingenden defensiven Spielanlage geschehen, müsste die Mannschaft eigentlich offensiver spielen. Dann würde die Defensive allerdings anfälliger. Ein Teufelskreis. Man braucht Mut, um diesen Teufelskreis vom Anpfiff an zu durchbrechen. Allerdings braucht die Mannschaft dann auch Glück dazu.

Den Karlsruhener gab das Tor die Sicherheit für die zweite Halbzeit zurück. Wie zu erwarten war, konnten die Zebras dagegen ihre Spielaktionen Richtung Karlsruher Tor nicht in ein kontinuierliches druckvolles Offensivspiel verwandeln. Das zweite Tor des KSC fiel schon früh nach Wiederanpfiff. Die Niederlage war besiegelt. Dennoch gab es danach einige gelingende Einzelaktionen beim MSV, von denen eine sogar zum Elfmeter hätte führen müssen. Nico Klotz war etwa zehn Minuten vor Spielende innerhalb des Strafraums angespielt worden und wollte mit einer schönen Bewegung an seinem Gegenspieler vorbeiziehen; der aber drückte erst den Ball mit der Hand aus dem Strafraum und streckte sicherheitshalber auch noch sein Bein in den Lauf von Nico Klotz. Der Pfiff blieb aus. Ob ein Elfmeter was geändert hätte? Dass dieser ausgebliebene Elfmeterpfiff nach dem Spiel kaum zum Thema wurde bei Spielern, Gino Lettieri oder auch bei uns Zuschauern, zeigt, wie unterlegen sich Mannschaft und Verantwortliche des MSV gefühlt haben, wie unterlegen wir den MSV wahrgenommen haben.

Die Frage bleibt, wie gelingt der Mannschaft die Balance zwischen Offensive und Defensive? Jeder  neue Rückstand wird zu einer immer höheren Hürde. Wie kann es dieser Mannschaft gelingen in einem Spiel in Führung zu gehen? Wie kann sie offensiv genug sein, um mehr Tore zu erzielen als durch die momentan unweigerlich geschehenden Fehler in der Defensive hereingelassen werden? Natürlich fragt sich inzwischen fast das gesamte Duisburger Publikum, wieso Dustin Bomheuer besser sein soll als Thomas Meißner. Aber dieser Wechsel in der Defensive ist doch nur eine kleine Stellschraube. Fußball ist ein vom Zufall geprägter Sport. Ich beginne gerade sehr auf plötzliches Glück zu hoffen.

Der Stig sitzt da immer noch. Allmählich nervt das. Ich schreibe später zu Ende. Geht das Ding eben erst Montag online.

Endlich ist Kees weg. Ich bin’s, Der Stig, jetzt mal hergehört. Ich sage euch mal was. Egal, was Kees bis hierhin geschrieben hat. Der glaubt selbst nicht dran. Der gute Herr Jaratz hat letzte Woche den Mund nämlich verdammt zu voll genommen. Mehr Zebrastreifenblog für Gino Lettieri und so. Wenn ihr den Kees beim Spiel gegen den KSC gesehen hättet, wüsstet ihr auch Bescheid. Der zwingt sich. Der will  an die Möglichkeiten des MSV glauben. Das kommt nicht von selbst, versteht ihr? In Wahrheit bläst der jede noch so kleine gelungene Aktion zum Überfußball auf und er hofft und hofft und hofft. Fußball ist kein Springreiten. Da gibt es keine Streich-Halbzeiten. 90 Minuten dauert das Spiel. Und 90 Minuten kriegen die das nicht hin. Basta. Da gibt es nichts Positives, egal, was Kees schreibt. Fertig.

Mehr Zebrastreifenblog für Gino Lettieris Stimmung

Gestern war die Pressekonferenz des MSV Duisburg vor dem Auswärtsspiel beim Karlsruher SC. Wenn ich zu dieser Pressekonferenz den Artikel in WAZ/NRZ lese, weiß ich zwei Dinge. Gino Lettieri liest zu wenig den Zebrastreifenblog, und Gino Lettieri fühlt sich schnell angegriffen. “Ich habe nicht ein gutes Wort gehört”, so wird Gino Lettieri in dem Artikel zitiert, als er über die zweite Halbzeit des Spiels gegen Arminia Bielefeld sprach. Anscheinend war er nicht einverstanden mit der öffentlichen Meinung über das Spiel. Schon zu Beginn der zweiten Halbzeit habe der MSV besser gespielt, nicht erst nachdem die Bielefelder nur noch zehnt haben spielen müssen.

Einige gute Worte, auch über den Anfang der zweiten Halbzeit, hätte er am Montag im Zebrastreifenblog lesen können. Wenn ich an die Zukunft des MSV denke, sollte er öfter mal einen Blick hier reinwerfen. Sich hier in diesen Räumen ein wenig positive Stimmung abholen wäre wahrscheinlich einfacher, als grundlegend die Persönlichkeit zu verändern. Die negative Bewertung des Spiels war ja nicht völlig aus der Luft gegriffen. Gino Lettieri hat es nicht leicht bei manchem Fan des MSV. Er macht es ihnen aber auch nicht leicht.

Natürlich lässt sich sagen, Gino Lettieri stellt sich vor die Mannschaft. Nun sehe ich zu Beginn der Saison die Gefahr, dass sich die schlechte Laune bei einem Teil des Publikums vom MSV und bei Gino Lettieri gegenseitig aufschaukelt. Deshalb sollte er mehr hier lesen. Das Gute im Spiel des MSV entdecke ich, sobald es das gibt. Das könnte ihm helfen die eigene Stimmung zu stabilisieren, damit er dann entspannter mit den negativen Stimmen nach einem Spiel umginge.

Darum geht es mir eigentlich: Weil wir nicht wissen, wie knapp der Klassenerhalt werden kann; weil wir nicht wissen, mit wieviel Niederlagen wir Zuschauer in dieser Saison umgehen müssen, kann die Mannschaft kein widerständiges Publikum im Stadion gebrauchen. Es geht darum, dass Gino Lettieri einem ohnehin leicht erregbaren Publikum nicht zusätzlich Futter für dessen Lust am Frustgeschrei gibt, indem er seine Sicht der Dinge mit einem vorwurfsvollen Unterton versieht. Gino Lettieri wird sich nicht verbiegen. Deshalb Lesezeichen setzen: Zebrastreifenblog.

Einen Klickhinweis habe ich auch noch: Wer sich für die Spielkultur in der 2. Liga interessiert und mehr über Rahmenbedingungen für die Spielanlage des MSV wissen möchte, ist beim Rotebrauseblogger heute sehr gut aufgehoben. Eine erste umfassende Wertung der Klasse nach 3 Spieltagen.

Halbzeitpausengespräch: Platzhirsch 2015 – Bewegtbildschau nebst ein paar Worten

Sonntag vor einer Woche endete in Duisburg das Platzhirsch-Festival 2015. Von Freitag an waren Bühnen auf und am Dellplatz bespielt worden. Für drei Tage war das Viertel Duisburgs Zentrum der Kultur. Drei Tage im August. Zum dritten Mal. Wer nur an einem Tag dort gewesen ist, weiß, dieses Festival ist ein Geschenk für Duisburg. Es ist ein Geschenk, das die freie Kultur-Szene der Stadt vor zwei Jahren gemacht hat, weil viele Leute die damalige Absage des Traumzeit-Festivals als Aufforderung verstanden haben, selbst aktiv zu werden.

Dieses Platzhirsch-Festival pumpt Energie in die Stadt und gibt Energie in diese freie Szene zurück. Denn der Dellplatz ist an diesen drei Tagen ein Ort, an dem sich Bands, Musiker präsentieren; ein Ort, in dessen Umfeld Kunst ausgestellt wird, all dem widmet sich das Publikum zwar auch, zugleich ist der Dellplatz aber ein Ort der Begegnung, des gemeinsamen Feierns; ein Ort, wo Menschen miteinander sprechen und wo sie das Gefühl bekommen, sie sind mit ihrer Art zu leben nicht vereinzelt in dieser Stadt.

Die Wirtschaftsförderer dieser Region arbeiten sich seit Jahren an der Unterstützung der Kreativbranche ab. Eigentlich müssten sie den Organisatoren des Platzhirsch-Festivals auf Knien danken. Eigentlich müssten sie längst angeklopft haben, um zu fragen, ob sie das Festival unterstützen können. So etwas wie das Platzhirsch-Festival ist für diese Kreativbranche eine Art Profilbild. Denn dieses Festival macht ein für dieses Wirtschaftssegment notwendiges Milieu im westlichen Ruhrgebiet sichtbar. Es zeigt, dass man nicht unbedingt nach Köln oder Düsseldorf fahren muss, um gleichgesinnten Menschen zu begegnen.

Im Netz sind längst Clips vom Festival zu finden. Meist sind es kurze Mitschnitte von Bühnenauftritten. Mit den Bildern von Frank M. Fischer lässt sich aber auch ein Eindruck von der Atmosphäre auf dem Dellplatz gewinnen.

Freitag

Frank M. Fischer von  Duisburg365.de war auch beim Platzhirsch-Festival mit seiner Kamera unterwegs.

Impressionen vom Freitag

Moderatitonseinlage von Thommie Black und Klaus Steffen.

Die Musik auf den Bühnen

Jaya the Cat

The Dad Horse Experience

Kochkraft

Samstag

Joel Sarakula und Band

Friling

Windspiel

Ivan Ivanovich & the Kreml Krauts

Har Belex  mit Die Weiße Rose

Sonntag

Birdland, The Power of Silence – mehr von diesem Auftritt beim user wkoschi0

Hinweise auf weitere Clips gerne als Kommentar

Heimatlied – Sektion Ruhrstadt – Folge 23: Snaga mit Glück auf

Für manchen Hiphop-Künstler des Potts ist seine Heimatregion ein immer wiederkehrendes Thema in seinen Stücken. Manchmal habe ich den Eindruck, im Hiphop geschieht das nicht nur wegen des autobiografischen Zugangs vieler Hiphop-Künstler zu ihren Tracks sondern auch, weil die Ruhrstadt als Thema gleichermaßen Größenfantasien und Outcast-Empfinden transportieren kann. Das passt bestens zu den sich aggressiver gebenden Subgenres des Hiphop.

Der aus Gladbeck stammende Snaga hat auf einer unlängst erschienenen CD mit Glück auf wieder ein Heimatlied der Sektion Ruhrstadt dabei. Das Stück klingt düster und aggressiv. Die Sprache ist roh und nicht jugendfrei. Wenn ich solche Stücke höre, weiß ich, warum der Umgangston in manchen Cliquen, den ich zufällig mitbekomme, sich für mich so anhört, als ob die Jugendlichen sich gerade beschimpfen und beleidigen. Sei es drum, Ruhrstadt als Thema heißt Heimatlied. So sind die Regeln für diese Sammlung.

Hinweise auf weitere online zu findende Ruhrstadt-Lieder nehme ich gern entgegen. Helft mit die Sammlung wachsen zu lassen.

Mit einem Klick weiter findet ihr Heimatlied – Sektion Ruhrstadt – Alle Folgen

Die erste Etappe auf der Route zum Klassenerhalt

Sagte ich vor dem Spiel nicht, ein Unentschieden im Heimspiel gegen Arminia Bielefeld stimmte mich unzufrieden? Gut, dass es die Wirklichkeit gibt, die mich vom Gegenteil überzeugen kann. Nach diesem Spiel des MSV Duisburg gegen Arminia Bielefeld bin ich mit dem 2:2-Unentschieden nicht nur zufrieden, in diesem Spiel gegen Arminia Bielefeld habe ich sogar zum ersten Mal in dieser Saison einen MSV gesehen, der mir ein Bild vom Klassenerhalt am Ende der Saison gibt. Wenn ich die Gespräche auf dem Weg und im Stadionbus richtig deute, können nicht viele Zuschauer dieses Spiels diese Meinung teilen. Die Anfangsphase des Spiels etwa ist durch die Hilflosigkeit und Angst der Spieler im zweiten Teil der ersten Halbzeit völlig aus dem Blick geraten. Allmählich gewöhne ich mich aber an meine Minderheitenmeinung.

Im Verlauf der ersten Halbzeit begann es schon damit. Ich musste mich nicht nur über das schlechte Spiel meiner Mannschaft ärgern, sondern auch noch über die Zuschauer des MSV. Also: Wer kräftig austeilt, muss auch einstecken können. Ich meine jene Zuschauer des MSV, die ihren Unmut über das Spiel der Mannschaft im Stadion schnell zum Ausdruck bringen mussten. Im dritten Punktespiel dieser Saison eine völlig verunsicherte Mannschaft auspfeifen, das ist das Publikum des MSV, das ich schon lange kenne. Da zeigten sich Seiten, die so gar nichts mit dem viel beschworenen “Alles für den Verein” zu tun haben. Das hat mehr mit dem Blick auf sich selbst zu tun. Den kann ich beizeiten verstehen, aber nicht zu Beginn der Saison. So etwas gefällt mir ebensowenig wie ein Zlatko Janjic, der einen halben Meter neben einem Bielefelder steht, der gerade den Ball erobert hat und der vorsichtshalber nochmal zwei Meter weg läuft, um nicht in den Zweikampf gehen zu müssen. Vielleicht hat er sich ja sogar etwas dabei gedacht, wie sich die Zuschauer etwas beim Pfeifen dachten. Erfolg verspricht beides nicht.

Denn solche Gedanken trugen nicht zum Wiedererstarken der Mannschaft bei. Wer in dieser ersten Halbzeit den “Wir-wollen-euch-kämpfen-sehen”-Klassiker anstimmt, stellt mich vor die Frage, wieviel er gerade vom Spiel wahrnimmt. Trotz ihrer Verunsicherung, trotz ihrer Angst vor weiteren Fehlern gab es auf dem Spielfeld immer wieder Pässe als Risiko in den Augen der Spieler. Zumal die offensiv ausgerichteten Pässe dann meist zum Gegner gingen. Es gab Dribbling im eins gegen eins. Es gab Tackling. Was es nicht gab, ein klares Spiel, Spielzüge. Die meisten der Spieler des MSV kämpften an zwei Fronten, zum einen gegen ihre eigene Angst vor weiteren Fehlern, zum anderen gegen den Gegner. Ich sah das Ringen des MSV, Kontrolle über die eigene Spielweise zu gewinnen. Bei all dem wirkten die Spieler des MSV überfordert. Das Timing beim Defensivverhalten stimmte nicht. Es schien so, als sei jedes Anlaufen des Gegners zugleich von der Angst bestimmt, eine Lücke hinter sich zu lassen, die genutzt werden könnte. So entstand natürlich kein Druck auf das Bielefelder Spiel, gleichzeitig gab es die Lücken dennoch, weil die Bielefelder eben zu viel Raum hatten. Die Hilflosigkeit des MSV war  nicht zu übersehn. Mit diesem Niveau der Mannschaft hat das Publikum des MSV aber in der ersten Halbzeit mühelos mitgehalten.

Kurzum, ein Tor der Arminia aus dem Nichts erschütterte in der 8. Minute die zuvor gezeigte Absicht des MSV die Oberhand in diesem Spiel zu gewinnen. Ein weiter Ball in Richtung Strafraumgrenze wirkte harmlos, ebenso die Kopfballbogenlampe Richtung Tor. Dummerweise wurde das Kopfballduell nicht nur verloren, ebenso stand Michael Ratajczak weit vor der Linie. Es sah so aus, als ob keiner der Defensivspieler rund um den Ball exakt dort stand, wo es für diesen Angriff hätte sinnvoll sein können. Das Freistoßtor circa eine Viertelstunde später gab dem MSV vermeintlich den Rest. Eroberte Bälle wurden sofort wieder abgegeben. Verlegenheitspässe landeten im Nichts oder trieben den umtriebigen Simon Brandstetter in aufreibende Zweikämpfe. Aufbauspiel gab es kaum mehr. Auch die Einwechslung von Kingsley Onuegbu konnte meine Hoffnung auf einen Anschlusstreffer nicht erhöhen. Ich sehnte die Halbzeitpause herbei und hoffte auf eine Neuausrichtung des Spiels durch Gino Lettieris Anweisungen. Ich hoffte darauf, dass der MSV sich die Arminia zum Vorbild nehmen könnte, als sie in der letzten Saison das Spiel gegen den MSV nach dessen 2:o-Führung noch drehte.

Ganz reichte es dazu dann nicht. Die Einwechslung von Nico Klotz brachte etwas mehr Schwung in die Offensive. Doch hohe Bälle auf Onuegbu in den Strafraum hatten wie in den Spielen zuvor kein Potential. Im Mittelfeld aber bot er die bekannte Anspielstation und hatte nun auch Mitspieler, auf die er ablegen konnte. Dort wirkte er so gefährlich, dass der Bielefelder Brian Behrendt ihn trotz einer bereits erhaltenen gelben Karte umriss. Gelb-rot war die Folge. Diese Karte war ein Signal. Nicht weil aus der Überzahl als solcher sich ein überlegenes Spiel ergab. Auf mich wirkte es so, als befreite diese Überzahl von Angst. Hinzu kam die Einwechslung von Stanislav Iljutcenko für Zlatko Janjic. Mit einem Mal wurde der MSV nun in seinen Offensivaktionen sicherer, Kombinationen gelangen, der Druck auf das Tor von Bielefeld wurde größer.

In der 70. Minute gelang dann Kingsley Onuegbu der Anschlusstreffer. Halbhoch wurde er an der Strafraumgrenze angespielt, Ballkontrolle, Drehung und Volleyschuss waren eine einzige fließenden Bewegung. Ein wunderbares Tor, technisch perfekt. Großartig. Der Ausgleich fiel nur wenige Minuten später: Flanke auf den langen Pfosten, Kopfball Iljutchenko. Für etwas mehr als zehn Minuten war nun alles möglich. Der MSV drückte weiter und wollte das dritte Tor. Gleichzeitig fürchtete ich die Konter der Bielefelder. Zweimal kamen sie noch vor das Duisburger Tor. Doch die Kraft fehlte für präzise Abschlüsse. Eine Direktabnahme von Thomas Bröker (?) außerhalb des Strafraums hätte der Siegtreffer noch sein können. Ein Abwehrspieler schmiss sich dem in den Weg. Danach schienen beide Mannschaften am Ende ihrer Kräfte. Das Publikum vom MSV schien wieder versöhnt. Die Emotionen waren hochgekocht. Erst auf dem Heimweg hörte ich wieder die Unzufriedenheit. Für mich wirkt dieses Unentschieden so, als habe die Mannschaft endlich eine Karte aufgeschlagen, auf der die Route zum Klassenerhalt eingetragen ist. Die erste kleine Etappe auf dieser Route ist nun zurück gelegt. Den Weg muss die Mannschaft jetzt weitergehen.

Vorbildhafte Zebras 1997

Vor dem Spiel morgen gegen Arminia Bielefeld braucht es nicht viele Worte. Im dritten Zweitligaspiel der Saison kommt der erste Gegner, mit dem der MSV zweifellos mithalten muss; mehr noch, gegen diesen Gegner müssen im Heimspiel eigentlich drei Punkte geholt werden. Der MSV sollte gewinnen. Als Notausgang gegen die Enttäuschung versuche ich mir schon seit vorgestern einzureden, ich sei auch mit einem Unentschieden zufrieden. Richtig überzeugen kann ich mich aber nicht.

Ihr wisst natürlich auch, dieser von mir gesuchte Notausgang ist der Leistung in den ersten beiden Spielen geschuldet. Wir haben noch keinen Anhaltspunkt dafür, dass wir der Mannschaft in irgendeiner Weise vertrauen können. Vielen von euch wird es genauso gehen, und wenn ich mir die Worte von Gino Lettieri und Dustin Bomheuer anhöre, habe ich den leisen Verdacht, ihrer Sache sicher sind sich Spieler und Trainer noch nicht. Beide wissen zwar, es gibt keinen Zweifel über das Ziel, mit einem Wort benannt wird es aber nicht.

Für mich klingt es milder, wenn Gino Lettieri davon redet “zu Hause zu punkten” und Dustin Bomheuer davon, die Punkte zu behalten. Als ob es ein schlechtes Omen wäre, das Ziel auf den Punkt zu bringen. Ich will gewinnen. Wir müssen zu Hause punkten. Probiert das mal aus. Das macht einen Unterschied. Der MSV muss sich sein Selbstvertrauen noch erspielen. Bei der Arminia hat deren Torwart Wolfgang Hesl im Interview-Portrait seines Vereins über ihn weniger Schwierigkeiten das Wort “gewinnen” auszusprechen. Auch daran ist zu erkennen, die Arminia geht etwas entspannter in das Spiel als der MSV. Noch mehr wird dort über das Auswärtsspiel der Arminia gegen den MSV aber nicht gesagt.

Zurück zum Selbstvertrauen des MSV.  Erfolg stellt sich dann eher ein, wenn man sich vor der zu lösenden Aufgabe, den Erfolg vorstellt. Wer an das Scheitern denkt, verschlechtert seine Chancen. Es gibt also innere Bilder, die beflügeln, und schön ist es, wenn man die Bilderflut heute dazu nutzen kann, diese inneren Bilder hervorzurufen. Im September 1997 hat eine andere Mannschaft des MSV mit 2:1 gegen eine andere Mannschaft der Arminia gewonnen. Probleme, Tore aus dem Spiel heraus zu erzielen, gab es damals auch.  Carsten Wolters hat damit damals sehr beeindruckend ein Ende gemacht.



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