Jetzt bestellen: Mehr als Fußball – Das Buch über Duisburg im Sommer 2013 und den Wiederaufstieg des MSV

Es ist so weit. Mehr als Fußball ist lieferbar. Mehr als Fußball – so  habe ich das Buch genannt, in dem ich vom Geschehen im Sommer 2013 rund um den MSV Duisburg bis zum Wiederaufstieg des Vereins in die 2. Liga zwei Jahre später erzähle. Was im Sommer 2013 geschah, schuf die Voraussetzung für den Erfolg zwei Jahre später. Diese besondere Geschichte des Sports ist zugleich eine besondere Geschichte Duisburgs, eine Geschichte zum Weitererzählen.

Ralf Koss, Kees Jaratz: Mehr als Fußball, 363 Seiten, € 14,90
ISBN 978-3-00-054423-1
(plus € 2,10 Versand)

Bislang habe ich das Buch immer sofort nach dem Mail-Eingang versendet im Vertrauen auf Bezahlung. Leider gab es  so viele Besteller, die nicht bezahlt haben, dass ich nur noch nach Vorkasse verschicke.

Falls ihr Interesse am Buch habt, das Kontaktformular ausgefüllt und abgeschickt.

Rechtliche Hinweise und Datenschutz.

Wenn ihr einen ersten Eindruck gewinnen wollt, klickt auf die Vorschaubilder. Vorwort und die ersten Seiten der Geschichte des Sommers habe ich online gestellt.

Filterblasen waren gestern – Such doch mal was anderes als was zum MSV

Neulich bei Pinterest: Meine Filterblase rund um den MSV ist endlich geplatzt. Deshalb demnächst in diesem Internet: Kees Jaratz, der Food-Blogger, mit einem großen Herz für Nudeln.

Fußball unser – Ein Saisonabschluss-Gebet

Fußball unser, der du wirst gespielt
auf heiligen Rasen.
Dein Torschuss komme,
dein Wettkampf geschehe.
Wie in Arenen
so auf Bezirkssportanlagen.
Unser sehenswertes Spiel gib uns heute
und beschenke uns mit großem Sport.
Und zeige dich nicht nur als Arbeit,
sondern erlöse uns vom Alltag.
Denn nach dem Anpfiff
ist allen alles möglich.
Stets neu
und immer wieder.

Mit elf

Geht in die Sommerpause in Frieden, murmeln gerade sämtliche alten Pfarrer meiner Kindheit mir zur Erlösung der Sonntagsmessen-Langeweile. Was diese Langeweile angeht, nicht dass ihr denkt, in der Sommerpause sind hier Betriebsferien. Zu schreiben gibt´s immer was.  In dem Sinne, wahrscheinlich bis morgen.

Heimatlied – Sektion Ruhrstadt – Folge 35: Mottek – Kommsse rauf, kannze kucken

Ein paar Mal habe ich schon darüber nachgedacht, ob ich in der Heimatliedsammlung neben dem Ruhrstadt-Stadtteil Duisburg auch die anderen Stadtteil-Sektionen eröffnen sollte. Wenn ich das mache, muss eine eigene Seite her. Heute erwähne ich das, weil der Gasometer in Oberhausen als besungene Landmarke zum zweiten Mal im Ruhrstadt-Heimatlied auftaucht. „Oberhausen“ von den Misfits ist hier eben nur nicht aufgenommen, weil es sich auf diesen Ruhrstadt-Stadtteil konzentriert. Alleine wegen dieses Lieds müsste ich meine Sammlung ausweiten. So sehr gefällt es mir.

Nun habe ich von Mottek den Gasometer ein weiteres Mal besungen gefunden – mit der Perspektive Ruhrstadt, die man von Dortmund bis zum Rhein sehen kann, wenn man oben steht. Das ist nun etwas übertrieben, aber Heimatlieder nehmen es oft nicht ganz genau. Es geht ja mehr ums Gefühl, wenn man dort oben auf die Städtelandschaft sieht. Eigentlich ist Mottek eine Coverband und spielt Rock quer durch die Musikgeschichte. Anscheinend haben sie aber auch ein paar eigene Stücke gemacht. Es sei denn, auch „Kommsse rauf, kannze kucken“ hat ebenfalls einen anderen Original-Interpreten, den ich auf die Schnelle nicht gefunden habe.

Wenn in Köln ohne den Dom in den Standardkarnevalsschlagern nichts geht, so könnte nach und nach der Gasometer der Kölner Dom des Ruhrstadt-Heimatlieds werden.

Und die Gelegenheit zu „Oberhausen“ von den Missfits lasse ich mir nun auch nicht nehmen.

 

Hinweise auf weitere online zu findende Ruhrstadt-Lieder nehme ich gern entgegen. Helft mit die Sammlung wachsen zu lassen.

Mit einem Klick weiter findet ihr Heimatlied – Sektion Ruhrstadt – Alle Folgen

Niederrheinpokalsieger…EM…ES…VAU…weiß und blau…EM…ES…VAU

Die Mannschaft des MSV war gestern sehr viel motivierter als ich heute. Ein Text für das Ruhrort-ABC wartet, und der wird  sehr viel länger gelesen werden, als die Worte heute über den Sieg des MSV im Niederrheinpokal 2017. Das Ruhrort-ABC benötigt also meine Aufmerksamkeit sehr viel mehr als dieses Finale. Welch brisante Spiele waren das in den ersten beiden Drittligajahren vom MSV in diesem Wettbewerb. Viel war davon nicht mehr zu spüren. Das war schon im Spiel gegen RWO so.

Zum einen habe ich den Eindruck, die letzte Saison in der 2.Liga hat für viele von uns den Wert dieses Wettbewerbs gemindert. Wir sind in diese Saison mit dem Selbstbewusstsein eines Zweitligisten gegangen. Auch deshalb waren wir so oft unzufrieden mit der Leistung der Mannschaft in den Punktespielen. So war der Aufstieg das einzig wichtige Ziel und entsprechend gering war die Aufmerksamkeit für den Niederrheinpokal. Doch gerade im Niederrheinpokal war zu erkennen, das Selbstbewusstsein hat es zurecht gegeben. Am Sieg des MSV gegen RWE gab es keinen Zweifel.

Die Zebras spielten souverän. Jeder einzele Spieler schien sich seiner überlegenen Fähigkeiten sicher. Als einziger fiel Mael Corboz im defensiven Mittelfeld etwas aus der Reihe. Offensichtlich sollte er währnd der Saison im Niederrheinpokal Spielpraxis gewinnen. Er wirkte sehr vorsichtig und fast immer darauf bedacht, nur keinen Fehler zu machen. Er lief mit und muss für Einsätze in anderen Wettbewerben deutlich mehr Verantwortung übernehmen.

In der ersten Halbzeit hatte die Mannschaft das Spiel komplett im Griff. Ruhig, kontrolliert, aber stets mit Zug zum Tor wurden die Angriffe heruntergespielt. Die Führung durch Simon Brandstetter nach hervorragender Vorarbeit von Fabian Schnellhardt war verdient. Nach der Halbzeitpause dann die Pyroshow auf beiden Seiten. Fußball als Bühne für Selbstdarstellung und den Versuch, sich in dieser Gesellschaft wichtig zu fühlen. Ihr seht, ich versuche meinen Ärger etwas zu bändigen, indem ich Erklärungen anbiete. Nach der längeren Spielunterbrechung passierten den Essenern leichtere Stockfehler, die die Zebras zu gefährlichen Offensivaktionen nutzten. Die Folge: ein Freistoß nahe der Strafraumgrenze, den Kevin Wolze sehr gefühlvoll ins Toreck hob.

Die Freude von Ilia Gruev an der Seitenlinie zeigte so deutlich, wie sehr er nach dem Aufstieg in Köln auf diesen perfekten Saisonabschluss hingearbeitet hat, wie sehr er ihm am Herzen lag. Danach gelang es RWE ab der 60. Minute etwa etwas Druck zu entwickeln. Zum ersten Mal kam ein wenig Pokalkampf auf. Mit etwas Glück wäre vielleicht ein Anschlusstreffer gefallen. Ein Abseitstor fiel ja sogar, aber der MSV wirkte weiter sehr souverän angesichts der beschränkten Offensivmöglichkeiten der Essener in Strafraumnähe.

Nach dem Schlusspfiff leerte sich das Stadion schnell. Dieser Niederrheinpokal war also auch für die Essener als Wettbewerb nicht wirklich wichtig gewesen. Es gab nichts auszukosten. Auch die Spieler von RWE erhielten schließlich eine Medaille bei der Siegerehrung. Diese Siegerehrung war unscheinbarer als vor drei Jahren in Duisburg. Sie entsprach der Bedeutung dieses Wettbewerbs, der ja durch den Titel „Tag der Amateure“ und der Dauerpräsenz durch die TV-Übertragung sämtlicher Länderpokalspiele aufgewertet werden soll. Dabei offenbart sich einfach nur der Widerspruch, den professionellen Unterhaltungsbetrieb Fußball mit dem Breitensport des Amateurbereichs auszusöhnen.

Wenn ich darüber wirklich nachdenke, werde ich genauso ärgerlich wie über die Pyro-Selbstdarsteller auf beiden Seiten. Zu Ärger nach einem Finalsieg des MSV habe ich aber keine Lust. Also, Niederrheinpokalsieger EM-ES-VAU, und damit Schluss für heute, höchstens noch ein paar Fotos anschauen und Bewegtbilder.

 

Die Mannschaft wartete auf die Siegerehrung und vertrieb sich die Zeit beim gemeinsamen Feiern mit den Fans.

Lyrischer Niederrheinpokalfinalistenvergleich

RWE-MSV

Doch, gut, die Hafenstraße weist drauf hin,
was Becken am Kanal für Essen sind.
Doch, ja, das macht für Essen wirklich Sinn,
das sind so Häfen für ein kleines Kind.

Mit wenig Schiffsverkehr, kaum Fläche Wasser,
der Name nur verspricht die weite Welt.
Wenn man dorthin fährt, wird die Aussicht blasser.
Für Essener aber gilt, die Stimmung hält.

Demnächst soll es die Fußballstraße geben.
An die Pokalestraße wird gedacht.
Erst so kann Essen dann auch damit leben,
wie Duisburg Wirklichkeit aus Namen macht.

 

Gastbeitrag: Klaus Hansen überfällt die „Postsaisonale Melancholie“

In gewisser Weise geht es heute schon wieder um eine Debatte – nämlich die, wie sich der Fußball als Unterhaltungsbranche entwickelt und was dabei verloren geht. Nachdem sich Klaus Hansen über den Aufstieg des MSV gefreut hatte, wurde er wehmütig und hat die Gründe dafür im Fußball der Gegenwart gefunden. Dabei hatte er zunächst nur über die Spielweise des MSV nachgedacht. Allerdings muss ich hinzufügen, Klaus Hansen hatte das letzte versöhnliche Spiel gegen Zwickau noch nicht gesehen, als er den Text geschrieben hatte. Der Sozialwissenschaftler Klaus Hansen kommt seit der ersten Bundesliga-Saison zu den Spielen des MSV. Mehrmals waren in diesen Räumen hier schon Gastbeiträge von ihm zu lesen.

Postsaisonale Melancholie

Paul Auster sagt, dass es im Sport „Gewinner und Verlierer gibt“; aber das ist banal. Nicht banal und geradezu tiefgründig ist seine Feststellung: Im Sport gibt es „viel mehr Verlierer als Sieger“. Eine Erkenntnis, die selbst auf höchster Erfolgsstufe gilt: Bayern München hat 27mal die die Deutsche Fußballmeisterschaft errungen – 83mal aber nicht. Real Madrid hat 11mal das europäische Championat gewonnen – 51mal aber nicht. Brasilien ist 5mal Weltmeister geworden – 15mal aber nicht.

Was Paul Auster nicht wissen kann, weil er Amerikaner ist und die großen amerikanischen Sportarten kein Unentschieden kennen, ist die Tatsache, dass nicht verloren haben muss, wer nicht gewonnen hat. Der genossenschaftlichen Punkteteilung sei Dank! (Leider durch die 3-Punkte-Regelung verwässert.) Das Remis erlaubt es sogar, dem Nichtverlieren Priorität vor dem Gewinnen einzuräumen.  Dazu passt natürlich die Zielsetzung für die kommende Saison in der 2. Liga: nicht absteigen!

Ans Gewinnen denkt in Meiderich schon lange keiner mehr. – Wie kann ein Verein ohne Titel, dem der Glauben abhanden gekommen ist, je auch nur einen Titel von Belang erringen zu können, vor seinen Fans, zumal den nachkommenden, bestehen? Indem er ohne Unterlassung für Spannung sorgt. Schon seit Jahren ist der Abstiegskampf in der Bundesliga spannender als der Meisterschaftskampf, und darum interessanter.

Sorgt für Spannung, Zebras, und überwindet den „Beamtenfußball“ dieser Saison, geht Risiko ein, macht Dinge, für die euch der liebe Gott nicht vorgesehen hat! Und wenn es nach unten geht, aber spannend, bleiben auch die Fans bei der Stange. Denn mit eben dieser Spannung kann es auch wieder nach oben gehen. – Dies schreibt ein Herzensfan, der alle ökonomischen Belange des modernen Fußballs hier einmal außen vor lässt.

Aber wir alten Fans, die wir zwischen 60 und 70 sind, kommen alle aus dem Amateurfußball, der uns geprägt hat. Vielleicht ist es gut, dass wir aussterben. Denn der Berufsfußball kann mit uns und wir mit ihm wenig anfangen. Die neuen Fußballfans sind von ESC-Fans nicht mehr zu unterscheiden. Die neuen Stadion-Sprecher – siehe RB Leipzig – sind von glamourösen Show-Moderatoren des Unterhaltungsfernsehens auch nicht mehr zu unterschieden. Das geht alles in eine Richtung, die nicht mehr meine Richtung ist. Das Schlimme ist die Ausweglosigkeit. Ich gehe zu einem Spiel letzten Kreisklasse Rhein-Erft, wo man nicht mehr absteigen kann, weil es darunter nichts mehr gibt. Aber auch da tragen die Spieler Trikots mit Sponsoren-Namen auf der Brust; selbst da bedankt man sich vor dem Anpfiff über Megaphon beim edlen Spender, „der für das heutige Spiel den Ball zur Verfügung gestellt hat.“ Der Fußball als Werberahmenprogramm ist nicht mehr mein Fußball.

Mit welcher Botschaft weht eine türkische Fahne im MSV-Stadion?

Ein Debattenkommentar von Jens-Christian Rabe in der Süddeutschen Zeitung gibt nun den Ausschlag. Zeiten wie diese, so meint er, bräuchten mehr Deutungsmut. Sie bräuchten mehr Interpreten und zwar solche, die nicht eitel auf ewige Wahrheiten schielen, sondern einfach „frohen Mutes den klügstmöglichen Vorschlag zum Weiterreden und Weiterdenken machen.“ Ich nehme ihn also mal beim Wort und versuche mich in einer solchen Deutung, weil mir seit dem Spiel am Samstag eine türkische Fahne nicht aus dem Kopf geht.

Ich vermute, Familie und Freunde von Tugrul Erat saßen auf der Tribüne. Jemand aus der Gruppe schwenkte während des Spiels schon sehr ausdauernd die türkische Fahne. Tugrul Erat hat einen türkischen Pass. Sie galt ihm als Unterstützung, und diese Fahne kann natürlich alleine seine Wurzeln in der türkischen Kultur ausdrücken. In etwa so wie ich in Köln meine Verbindung zum Ruhrgebiet weiter pflege und sie mit meinem Kölnersein munter mische. In so einem Sinne wäre es kein Problem, dass Tugrul Erat nach dem Schlusspfiff die Fahne gegeben wurde und er sie sich vor der Ehrung umhing.

Die Pfiffe im Stadion in dem Moment zeigten aber schon, es gibt sehr wohl ein Problem. Diese Fahne der Türkei trägt in den letzten Wochen mehr als die Botschaft türkischer Kultur in die Welt. In den letzten Wochen hat diese türkische Fahne im öffentlichen Raum  eine politische Botschaft transportiert. Die türkische Fahne war von den Anhängern des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan okupiert worden.

Wer die türkische Fahne in der deutschen Öffentlichkeit zeigte, wollte damit auch seine Unterstützung der Politik Erdoğans zeigen. Der türkische Staatspräsident schafft die Demokratie in der Türkei ab. Der Terrorismusverdacht ist sein Mittel, um die Meinungsfreiheit im Land zu unterbinden. Eine freie Presse ist so gut wie verschwunden. Unzählige Journalisten sind in Haft. Rechtsanwälte geraten in Gefahr, wenn sie auf die Einhaltung von Gesetzen drängen. Willkürverhaftungen sind an der Tagesordnung. Enteignungen gibt es. All das ist bekannt und wird in der deutschen Presse immer wieder von sehr unterschiedlichen Stimmen berichtet. Deutsche Journalisten schreiben darüber. Deutsche Zeitungen geben unabhängigen türkischen Journalisten und Schriftstellern Platz, damit sie über ihre Erfahrungen schreiben können. Zum Teil sind diese Menschen aus der Türkei geflohen. Der deutsch-türkische Korrespondent der Welt Deniz Yücel sitzt seit Wochen in Haft.

All das steht momentan mit der türkischen Fahne als Botschaft in der Öffentlichkeit. Ich will kein Wasser in den Meisterschaftsfeierwein schütten. Dennoch möchte ich in Zeiten wie diesen so eine Botschaft nicht auf dem Rasen meines Vereins sehen. Später hat Tugrul Erat die Fahne zusammengefaltet. Vielleicht ist ihm dann erst der Gedanke gekommen, was diese Fahne zur Zeit alles auch bedeutet. Es mag sein, dass andere weniger empfindlich sind und nur die Freude des Moments sehen. Ich bin so empfindlich, weil ich sehe, dass in Europa überall demokratische Werte von immer mehr Menschen nicht mehr als notwendige Bedingungen für die eigenen Lebensmöglichkeiten angesehen werden. Deshalb müssen wir über diese türkische Fahne auf dem Rasen des Stadions reden.


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