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Zurück in die Zukunft mit 1991er-Bewegtbildern vom Spiel Fortuna – MSV

Neulich habe ich allerlei Bewegtbilder aus alten MSV-Zeiten bei YouTube für einen anderen Zweck als diese Räume hier zusammengesucht. Einer dieser Clips passt nun als Vorprogramm zum Spiel am Montag. Leider fehlt mir die Zeit, um ein paar Worte mehr über dieses 1:1-Unentschieden im September 1991 vom damaligen Bundesliga-Aufsteiger MSV gegen Fortuna Düsseldorf zu schreiben. Vielleicht habt ihr ja Erinnerungen an den Abend. Lasst uns teilhaben und ab damit in die Kommentare. Fürs Fangedächtnis des MSV wäre das natürlich dann sofort auch was.

So viel von mir nur: Der MSV führte damals mit 1:0 durch einen Distanzschuss von Toni Puszamszies. Dieser wunderbare Treffer war eines der wenigen Tore des vor vier Jahren verstorbenen Mittelfeldspielers. Ein wenig Nostalgie befällt mich angesichts des schnörkellosen Torjubels der Spieler. Auf beiden Seiten – denn Fortuna Düsseldorf gelang sieben Minuten vor Spielende der Ausgleich. Es war ein Freitag, aber eben auch ein Abend, und so ein Verlauf wie vor 26 Jahren könnte mir schon gefallen am Montag. Besser geht natürlich immer. Späte Ausgleichstore müssen sich die Zebras der Gegenwart ja nicht unbedingt zum Vorbild nehmen.

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Halbzeitpausengespräch: Alexander Gauland glaubt, wir alle gehören der AfD

Über das Wahlergebnis selbst brauchen wir in diesen Räumen nicht auch noch zu reden. Das geschieht gerade überall. Das Ergebnis überrascht ja nicht. Wir hatten Zeit, uns darauf vorzubereiten. Ich möchte nur, dass auch im Zebrastreifenblog, in diesen Räumen hier, jeder, der vorbeikommt, lesen kann, dass der AfD-Spitzenkandidat Alexander Gauland, glaubt, die Bürger Deutschlands zu besitzen. Nicht das Land wohlgemerkt, vielleicht noch bildlich gesprochen die Kultur Deutschlands, nein, Alexander Gauland meint, die Menschen zu besitzen, die in Deutschland leben, in seinen Worten, „unser Volk“, das er mit der AfD sich zurückholen will.
Seine Sprache enthüllt sein Verhältnis zu den Wählern. Nachdem der Einzug der AfD ins Parlament feststand, sagte er vor den Afd-Anhängern den heute schon viel zitierten Satz: „Wir werden Frau Merkel oder wen auch immer jagen, und wir werden uns unser Land und unser Volk zurückholen.“ Der Fokus der Berichterstattung liegt auf der Drohung gegenüber Angela Merkel. Auch diese Drohung klingt martialisch, aber sie liegt nicht so fern im Ton von mancher Bierzeltrede. Entlarvender ist für mich diese potentielle Inbesitznahme von Menschen. Dass die AfD-Politiker gegenüber Deutschland sich in einem Besitzverhältnis wähnen, das ist längst bekannt.
Entscheidend ist deshalb für mich die Reihung „unser Land und unser Volk“. Damit macht Alexander Gauland uns alle zu seinem potentiellen Besitz. Ich bin nicht ein Bürger des Volkes von Alexander Gauland, das er in seine Gewalt bringen kann. Das bin ich nicht, weil ich die Politik seiner Partei ablehne, sondern weil ich ein Bürger Deutschlands bin, der keiner Partei gehört. Alexander Gauland sieht keine Wähler, die Politikern ihre Stimme geben. Er sieht Menschen, die im Besitz von anderen sind, Menschen, die eigentlich der AfD gehören. Deshalb meint er, „unser Volk“ zurückholen zu können. Noch einmal deutlich: Alexander Gauland kehrt nicht nur das Machtverhältnis zwischen Wählern und Politikern um, in seinem Verständnis gibt es ein Besitzverhältnis. Im Besitzverhältnis verflüchtigt sich jede Demokratie. Alexander Gaulands Sprache öffnet die Tür zur Gewalt. Alexander Gaulands Sprache ist antidemokratisch. Im Parlament sitzen nun Feinde der Demokratie, auch wenn die Politiker der AfD das jederzeit bestreiten.

Ein 1:3 ist definitiv kein 1:6

So ein 1:3 kann einen schon mal ins Nachdenken bringen, wenn das Heimspiel davor mit 1:6 verloren ging. Ich erkläre gleich warum. Der schlechtesten ersten Halbzeit der Saison folgten nach der Pause drei, vier Minuten Anlaufzeit, um danach für etwa 20 Minuten die Kieler in der eigenen Hälfte einzuschnüren. Wer darüber nachdenkt, dass das Spiel nach einem Ausgleich hätte anders laufen können, muss sofort auch darüber nachdenken, dass die Kieler vor dem Halbzeitpfiff auch gut 2:0 oder 3:0 hätten führen können. Derlei Nachdenken bringt also gar nichts. Holstein Kiel hat verdient gewonnen.

Nach diesen zwanzig Minuten Powerplay des MSV bahnte sich das zweite Tor der Kieler an. Zweimal hatte ich den Ball schon im Tor der Duisburger gesehen, ehe es dann tatsächlich passierte. Damit war das Spiel in der 73. Minute entschieden. Ich hoffte nicht mehr, sondern hielt aus bis zum Abpfiff. Alles, was nach dem zweiten Tor der Kieler kam, war ohne Bedeutung. Zu tief saß die Enttäuschung über die erste Halbzeit in mir. Verbunden mit dem Anrennen ohne Torerfolg, brauchten meine Nerven Schutz. Abfinden mit der Niederlage war das Rezept dazu.

Man muss es drastisch sagen, in der ersten Halbzeit schienen zwei Mannschaften aus unterschiedlichen Spielklassen auf dem Spielfeld zu stehen. Die Mannschaft des MSV bettelte von der ersten Minute des Spiels an um ein Gegentor. Die Kieler waren immer einen Schritt schneller als die Zebras. Hilflos wirkte die Defensive immer wieder, nicht eng genug an den Gegenspielern, egal, ob diese einen Ball führten oder Pässe erwarteten. Die wenigen Offensivaktionen entstanden fast alle zufällig aus der Verlegenheit, weite Bälle spielen zu müssen, weil das Mittelfeld den Kielern gehörte. Die frühe Verletzung von Boris Tashchy war nur noch ein zusätzlicher Wackerstein, der mitgeschleppt werden musste.

Die zweite Halbzeit tröstet mich nicht über diese katastrophale Leistung in den ersten 45 Minuten hinweg. Und damit komme ich zu meinem  Nachdenken. Interessant ist doch die Frage, ob das vom Ergebnis her schlechtere 1:6 nun wegen der spielerisch guten Leistung besser bewertet werden kann als die für das Torverhältnis bessere 1:3-Niederlage. Schon bin ich bei grundsätzlichen Fragen zum Wesen dieser Gesellschaft. Bei dieser Frage spielt die Überlegung eine Rolle, ob das Ergebnis, also Zahlen alleine von Bedeutung sind oder ob wir uns auch etwas anderes leisten können, Freude am Spiel etwa. Irgendwann heißt die Antwort ohne Zweifel, es geht nur um das in Zahlen ausgedrückte Ergebnis. Aber beginnt nicht Irgendwann eigentlich schon jetzt? Wenn das so ist, gibt es aber gar kein Irgendwann. Ich weiß diese Art Nachdenken ist nicht jedermanns Geschmack. Probieren könnt ihr es ja trotzdem mal. Paradoxien lassen einen so schön verwirrt zurück ohne jegliche Erinnerung an die Beweggründe für das Nachdenken.

Spieltagslyrik – Lernen am Modell

Lernen am Modell

Lernen am Modell gelingt nicht oft so schnell.
Den Alltag miteinander teilen,
Vorbild sein und Vorbild sehen,
so denkt man sonst beim Lernen am Modell.
Die Mannschaft aber braucht den Alltag nicht.
Es reichte ihr ein Tag mit einem Spiel,
um in sich aufzunehmen,
was der Gegner ihr als Beispiel zeigte.
So effizient wie dieser war,
wenn er zu einer Torchance kam,
das kann noch jede Mannschaft gut gebrauchen.
Wie selbstverständlich zeigten sie
beim nächsten Spiel, dem Auswärtsspiel,
dass Chancen Tore werden.
Und nicht mal viele Chancen brauchte es
für dieses Unentschieden,
weil der Gegner sich so irrte bei seinem Lernen am Modell.
Das Vorbild war wohl bei dem Spiel in Duisburg
sein Gegner in dem Spiel von heute,
die andere Mannschaft,
die noch lernen musste,
was Effizienz im Spiel bedeutet.

Notizen zum Spiel samt Spieltagslyrik

Nach dem ersten Heimspiel im August gegen den VfL Bochum habe ich schon darauf hingewiesen: Im Zebrastreifenblog geht es in dieser Saison immer mal wieder etwas anders zu. Experimenteller. Die Gründe will ich nicht wiederholen. Wen´s interessiert, ein Klick oben. Nicht nach jedem Spiel habe ich noch Spaß an einem erzählerischen Text.

Eigentlich braucht die 1:6-Niederlage gegen den 1. FC Nürnberg sehr viele Worte. Müsste doch ein sehr seltener Eindruck erklärt werden, den der Nürberger Trainer mit einer Wertung auf den Punkt bringt, die jeden, der nicht im Stadion war und nur das Ergebnis sieht, überraschen wird. Er sprach auf der Pressekonferenz von einem engen Spiel. Tatsächlich geben sämtliche anderen statistischen Daten aus dem Spiel als das Endergebnis keinerlei Hinweis auf die Höhe der Niederlage. Ballbesitz, Torschussverhältnis, Zweikampfstärke, egal welche Kategorie, der MSV war besser oder ebenso gut. Knappe Niederlagen kennt man trotz solcher Werte. Solch hohe Niederlage dagegen macht zunächst sprachlos. Dann aber müssen umso mehr Worte gefunden werden, weil erster Eindruck und das so schlechte Ergebnis ins Verhältnis gesetzt werden müssen.

Der MSV Duisburg hat ein eindrucksvolles Offensivspektakel geboten, das ertraglos blieb. Die Schwächen in diesem Spiel sind derart offensichtlich, dass sie von einem Trainer öffentlich besser nicht genannt werden. Denn dieser Trainer muss mit den Spielern dieses Spiels weiter arbeiten. Die Schwächen sind so offensichtlich, dass sie überall schon zur Sprache kamen. Die Mannschaft hat ein Problem beim sicheren Abschluss im Strafraum, wenn ein Spieler frei gespielt wurde, aber eben nur den bekannten kurzen Moment Zeit hat für seinen Torschuss. Die Mannschaft hat ebenfalls ein Problem auf beiden Außenverteidigerpositionen. Auf der rechten Seite deutlich mehr als auf der linken. Wenn ein Gegner bei solchem ergebnislosen Angriffswirbel des MSV derart präzise zu kontern versteht wie die Nürnberger, liegt der MSV schnell mit zwei Toren zurück. Dazu kam ein Schiedsrichter der im Zweifel immer für den Gegner entschied. So fiel das dritte Tor nach einem Freistoß an der Strafraumgrenze, der nicht unbedingt hatte gepfiffen werden müssen. Ein Grund für die Niederlage war der Schiedsrichter allerdings nicht.

Die restlichen Tore fielen, weil der MSV weiter seine Chancen in der Offensive suchte. Mit fliegenden Fahnen untergehen – so etwas gefällt den meisten von uns auf den Rängen besser als der ängstliche Versuch den Schaden zu begrenzen. Wie oft uns so etwas gefallen kann, hängt vom Abstand zum Abstiegsplatz ab. Es wird eine anstrengende Saison.

 

Fußballbinse

Wenn Riesenchancen keine Tore werden
hilft nicht einmal der Fußballgott auf Erden.

Denn vorn kein Tor und hinten welche kriegen,
gewöhnlich langt das Gegnern, um zu siegen.

 

Heimatlied – Sektion Duisburg – Folge 35: Philipp Eisenblätter – Duisburg-Lied

Am 7. September stellte Phillipp Eisenblätter sein „Duisburg-Lied“ bei Facebook und YouTube online. Kurz nach der Veröffentlichung wurde mir das Stück zum ersten Mal in meiner Timeline angezeigt, weil jemand es geteilt hatte. Innerhalb der nächsten 24 Stunden wurde mir das Lied bei Facebook aus sehr verschiedenen Richtungen immer wieder in die Timeline gespült. Das Lied teilten Menschen, von denen ich wusste, wie unterschiedlich ihr Musikgeschmack war. Das Lied hat einen Nerv getroffen. Knapp eine Woche später ist das Lied bei Facebook über 150.000 mal gesehen worden. Bei YouTube ist die Klickzahl nicht ganz so hoch. Was mehr über das Funktionieren der Social-Media-Welt verrät als über das „Duisburg-Lied“.

Philipp Eisenblätters „Duisburg-Lied“ gehört fraglos zu den schönsten Stücken meiner Sammlung über den Ruhrstadt-Stadtteil Duisburg. Es vermittelt das Lebensgefühl von Duisburgern, die wachen Auges durch ihre Stadt gehen, nichts verherrlichen und zugleich innig verbunden sind mit der Stadt, in der sie leben. Das Stück verdichtet in seiner Gebrochenheit von Stimme, Text und Melodie das vielschichtige Heimatgefühl von Menschen, die Duisburg mit Wohlwollen betrachten und die ein realistisches Verhältnis zu den Möglichkeiten ihrer Stadt besitzen. Das „Duisburg-Lied“ ist große Singer-Songwriter-Kunst, von der ich gerne noch sehr viel mehr hören möchte.

 

Hinweise auf weitere online zu findende Duisburg-Lieder nehme ich gern entgegen. Helft mit die Sammlung wachsen zu lassen.

Mit einem Klick weiter findet ihr Heimatlied – Sektion Duisburg – Alle Folgen

Spieltagslyrik – In Bielefeld blieb Cauly Oliveira Souza stehen

Nach dem ersten Heimspiel im August gegen den VfL Bochum habe ich schon darauf hingewiesen: Im Zebrastreifenblog geht es in dieser Saison immer mal wieder etwas anders zu. Experimenteller. Die Gründe will ich nicht wiederholen. Wen´s interessiert, ein Klick oben. Nicht nach jedem Spiel habe ich noch Spaß an einem erzählerischen Text. Auch wenn gerade der furiose 4:0-Auswärtssieg gegen Arminia Bielefeld nur durch die Leistung eines jeden Spielers in Gänze gewürdigt werden könnte, richte ich meinen Blick heute nur auf Cauly Oliveira Souza. Sein erstes Tor in diesem Spiel verlangt nach einem Gedicht. Vielleicht erkennt ihr darin dann, dass ich Cauly Oliver Souza nur beispielhaft für die Entwicklung der gesamten Mannschaft besondere Aufmerksamkeit widme.

Seit Bielefeld bleibt Cauly Oliveira Souza stehen

Entschlossen wirkte jeder Antritt,
sicher lag der Ball am Fuß.
Cauly Oliveira Souza
betrat die andere Welt.
Der Rasen grün wie in der Dritten Liga,
die Gegenspieler aber schneller, härter.
Wenn Einzelspieler Abwehrreihen formen
und räumliche Gebilde in großer Vielfalt,
waren sie noch mehr kompakter Körper,
als er es je erlebt hatte.
Doch Cauly Oliveira Souza war sich seiner sicher
und suchte Raum,
ob mit, ob ohne Ball.
Im Gegenkörper, im bewegten, entdeckte er die Lücken
und fand zu oft doch wieder Körper nur.
Sicher lag der Ball an seinem Fuß,
doch er auch auf dem Boden,
abgeprallt von Muskelmassen,
die den Raum schon länger kannten.
Ist das Spiel in Liga Zwei doch auch nur Fußball
verwandelt sich der Sport schon wieder etwas.
Aufgestiegen
Cauly Oliveira Souza
in eine andere Welt,
in der die Regeln anders ausgelegt werden.
Und Cauly Oliveira Souza lernt.
Er lernt von Spiel zu Spiel,
so schnell wie Kinder eine ganze Welt in jedem Augenblick
als ihre voll und ganz begreifen.
Die freien Räume sieht er wie zuvor.
Er muss nur diese Körper jeden Gegners anders in die Läufe einbeziehen.
Er kennt die Größe seiner Gegenspieler.
Sie waren immer schon so groß.
Fünf Spiele brauchte
Cauly Oliveira Souza,
Fünf Spiele, um in neuer Welt
sich gegen die kompakten Körper so durchzusetzen,
dass er in Ruhe sich in Richtung Tor bewegen kann.
Der freie Raum,
der lange Ball,
im Sprint mit einem Gegenspieler,
der größer war, den einen Kopf der Standarddefensive,
dazu auch muskulöser.
Der Kampf um diesen Ball, er musste jetzt beginnen.
Das alles kannte Cauly Oliveira Souza aus vier Spielen.
Und wieder stieß der Abwehrspieler mit seinem Oberkörper
diesen kleinen Cauly Oliveira Souza,
um ihn aus dessen Bahn zu bringen.
So sicher war er seiner Sache.
So sicher wie er selber fiel.
Er wusste immer noch nicht, wie ihm das geschehen konnte,
als Cauly Oliveira Souza schon alleine vor dem Torwart stand.
Der Schuss, das Tor.
Der Blick des Abwehrspielers suchte seine Mannschaft.
So groß war er, der dennoch fiel.
Denn Cauly Oliveira Souza betrat die Welt der Zweiten Liga.
Er lässt nun Abwehrspieler an sich abprallen
und geht seit Bielefeld
trotz starken Rempelns unbeirrt auf seinem Weg.



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