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Koss und Jaratz im Radiogespräch

Am nächsten Samstag lese ich in Ruhrort in der Galerie RuhrKUNSTort um 20 Uhr. Fabrikstraße 23 ist die Adresse. Es wird eine Mischung aus kurzer Prosa, Komischer Lyrik, Ausschnitten aus Mehr als Fußball und aus den Sachbüchern über die Ruhrstadt geben. Diese Lesung war Anlass für ein Radiogespräch mit Klaus Brüggenwerth für „DunkelWeiss“, der Radiosendung im Bürgerfunk Duisburg über die freie Kunst- und Kulturszene Duisburgs. Nach mir sprach Klaus Brüggenwerth mit Klaus Großpietsch, der am Sonntag in Ruhrort liest.

Ich hätte das Gespräch gern hier eingebunden, aber es gilt: Nur mit einem Klick weiter zum Radiogespräch.

Und hier nochmals die Ankündigung der Lesung.
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Akzente 2017 inoffiziell: Vom Akzente-Vorwort und Ruhr hoch n nebst Spardosen-Terzett sowie Reuter/Eisenberg

Am Freitag sind die  38. Duisburger Akzente eröffnet worden. In diesem Jahr lautet das Motto des Kulturfestivals Umbrüche. Ich begleite die Akzente mit einem inoffiziellen Programm im Zebrastreifenblog nunmehr im dritten Jahr. Ob ich an jedem Tag Zeit und Idee für einen Programmbeitrag habe, weiß ich am offiziellen Eröffnungstag nie. Eine Unwissenheit, die zum Motto der Akzente in diesem Jahr passt. Wenn sich etwas umfassend verändert, eben das geschieht, was gemeinhin mit einem Umbruch einhergeht, dann ist eins gewiss, wie das Leben nach einem solchen Umbruch aussieht, weiß niemand genau. Behauptet wird zumeist etwas anderes.

Im Vorwort des Akzente-Programmhefts spricht Duisburgs Oberbürgermeister Sören Link mit seinem ersten Satz selbstbewusst davon, die Wirtschaft- und Sozialgeschichte der letzten 150 Jahre habe die Duisburger zu „Fachleuten des Umbruchs“ gemacht. Das klingt sehr technisch. Diese technische Sprache verweist für mich auf ein grundsätzliches Problem Duisburgs, wobei Duisburg nur stellvertretend für das Ruhrgebiet steht.

Es gibt ja eine Wahrheit in diesem Satz, die im Alltag der Bürger dieser Region zu finden ist. Die Bürger des Ruhrgebiets nehmen seit Generationen Wandel sehr bewusst wahr. Denn über Jahre war dieser Wandel ein meist von außen auferlegter Teil ihrer Lebens- und spezieller Arbeitswelt. Im technischen Klang der Sprache nun zeigt sich der Zugang zu diesem Wandel durch die politischen- und ökonomischen Eliten dieser Region. „Fachleute“ haben ihre Angelegenheiten im Griff. Obwohl Sören Link mit seinem Satz die Duisburger gerne alle zu Fachleuten machen möchte, geht dieser Satz an der Lebenswirklichkeit der Duisburger vorbei.

In dem Wort „Fachleute“ scheint ein Selbstbild dieser Region auf, dass diese Bürger nach meinem Eindruck gerade außen vor lässt. Ich vermute, nur wenige Duisburger werden sich als Fachleute des Umbruchs verstehen, auch nicht bildhaft. Die technische Sprache erinnert daran, wie schwer es das Ruhrgebiet mit dem Bild seiner selbst hat.

Andererseits gibt mir dieser Satz die Gelegenheit an einen Song vom Spardosen-Terzett zu erinnern, den ich schon längere Zeit in die Heimatliedsammlung Sektion Ruhrstadt habe aufnehmen wollen. In regelmäßigen Zyklen wird im Ruhrgebiet versucht außerhalb der Region ein gutes Bild abzugeben. Das führt dann schnell dazu, dass „Fachleute“ so ein Bild kommunizierbar machen sollen. Manchmal sind das Imagekampagnen, 2008 aber ging es nur um einen Slogan. Anstatt vor Ort im Ruhrgebiet über solch einen Slogan nachzudenken, wurde eine Düsseldorfer Agentur beauftragt. Ruhr hoch n – Team-Work-Capital war das gut bezahlte Ergebnis. Der  Slogan war zwar ohne große Wirkkraft aber gut geeignet, ihn in die Mangel zu nehmen.

 

Mit einem Klick weiter findet ihr Heimatlied – Sektion Ruhrstadt – Alle Folgen

Auch Matthias Reuter und Benjamin Eisenberg hatten sich des Slogans angenommen.

 

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Wenigstens war gestern noch ein zweites Spiel

An das Champions-League-Vorbild Barcelona habe ich in der 65. Minute nicht gedacht. Der MSV lag gegen Holstein Kiel 2:0 zurück. In einem Kölner Döner-Imbiss saß ich und sah den Livestream auf einem kleinen Smartphone-Bildschirm. Ich steckte das Smartphone weg, zahlte und ging rüber auf die andere Straßenseite zur Turnhalle des Deutzer Gymnasiums Schauertestraße. Das vorletzte Heimspiel meiner Basketballmannschaft hatte schon begonnen. Ein Kreisligabasketballspiel von älteren Herren versprach bessere Laune als dieses Starren auf den Bildschirm in der vergeblichen Hoffnung auf ein Tor des MSV.

Das Bemühen können wir der Mannschaft nicht absprechen. Der Ball lief nach dem 1:0-Rückstand passabel in den eigenen Reihen, nur erarbeiteten sich die Zebras dadurch kaum Torchancen. So stand Ilia Gruev nach dem Spiel vor der Aufgabe, das ertraglose Bemühen seiner Mannschaft bewerten zu müssen, ohne die eine Wahrheit auszusprechen. Denn nun geht es auch um die Stimmung in der Mannschaft, um Selbstbewusstsein. Vier Spiele ohne Sieg und Tore, zwei Niederlagen nacheinander. Wenn Spieler darüber zu lange nachdenken, kann das Grundvertrauen in die eigenen Stärken schnell irritiert sein.

Die eine von Ilia Gruev unbeachtet gelassene Wahrheit des Spiels kennen wir die ganze Saison. Der MSV bekommt in einem Spiel nicht viele Chancen ein Tor zu erzielen. So kann Ilia Gruev nur mit Recht von einem guten Spiel seiner Mannschaft sprechen, wenn er die Torausbeute außen vor lässt. Das ist natürlich ein Problem, weil es in diesem Fußball um Tore geht. Ob die Stellschraube für die Torgefahr nun die Fähigkeiten der Stürmer sind oder etwas komplexer gedacht die Spielanlage, lasse ich erstmal dahin gestellt, irgendwie müssen diese fehlenden Tore aber erklärt werden. Gruev bemüht das fehlende Glück. So ein Schicksal hält die Stimmung aufrecht. Ich hoffe sehr auf die bewusst gesetzte öffentliche Wertung im klaren Blick auf das, was weiter zu verbessern ist und was weder Spieler noch Trainer dem Schicksal überlassen sollten.

Als Basketballer habe ich gestern übrigens auch verloren, aber wir wollen auch nicht aufsteigen. Wir spielen ein Spiel, bei dem wir immer gewinnen, spätestens beim Bier danach. Ich hätte nicht gedacht, dass ich dieses andere Spiel als Ausgleich für meine Enttäuschung mit den Zebras in dieser Saison noch einmal brauche. Vielleicht führte genau diese meine vermeintliche Sicherheit zur Niederlage? Ich hätte nach dem Spiel gegen Wiesbaden den Mund nicht so voll nehmen sollen. Um den Angstgegner Wiesbaden brauchen wir uns keine Gedanken machen, schrieb ich gestern. Der MSV steige ohnehin auf. Ein wenig Demut, Herr Jaratz, hat Herr Koss noch gerufen. Da war es schon zu spät. Ich gelobe Besserung. Nichts ist sicher in dieser Welt. Nicht einmal der Aufstieg des MSV Duisburg.

Akzente 2017 inoffiziell – Die Goldenen Zitronen mit Duisburg

Am Freitag sind die  38. Duisburger Akzente eröffnet worden. In diesem Jahr lautet das Motto des Kulturfestivals Umbrüche. Ich begleite die Akzente mit einem inoffiziellen Programm im Zebrastreifenblog nunmehr im dritten Jahr. Ob ich an jedem Tag Zeit und Idee für einen Programmbeitrag habe, weiß ich am offiziellen Eröffnungstag nie. Eine Unwissenheit, die zum Motto der Akzente in diesem Jahr passt. Wenn sich etwas umfassend verändert, eben das geschieht, was gemeinhin mit einem Umbruch einhergeht, dann ist eins gewiss, wie das Leben nach einem solchen Umbruch aussieht, weiß niemand genau. Behauptet wird zumeist etwas anderes.

Seit Jahren möchten das Ruhrgebiet und als ein Stadteil dieser Ruhrstadt auch Duisburg anders wahrgenommen werden. Dahinter steht ein Streben nach großstädtischer Bedeutsamkeit, das in großen Teilen durch ein ökonomisches Bedürfnis angetrieben wird. Das Ruhrgebiet soll als attraktiver Standort für Unternehmen und Arbeitskräfte wahrgenommen werden. Im Kulturhauptstadtjahr 2010 führte dieser Wunsch nach großstädtischer Bedeutsamkeit zum Unglück bei der Loveparade. Die Goldenen Zitronen haben 2013 einen Song über das Unglück gemacht. Zu hören ist zunächst keine eingängige Musik, sondern der Song erinnert an Klangkunstwerke. Erst später entwickelt sich eine Melodie und im Text wird die Kritik an den Organisatoren der Veranstaltung zum Abgesang auf die kulturelle Kraft der Loveparade-Bewegung insgesamt.

 

Hinweise auf weitere online zu findende Duisburg- und Ruhrstadt-Lieder nehme ich gern entgegen. Helft mit die Sammlung wachsen zu lassen.

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Akzente 2017 inoffiziell – Eröffnung des inoffiziellen Programms mit Norbert Elias

Am Freitag sind die  38. Duisburger Akzente eröffnet worden. In diesem Jahr lautet das Motto des Kulturfestivals Umbrüche. Etwas später als geplant beginne ich nunmehr mein drittes inoffizielles Akzente-Programm im Zebrastreifenblog. Ob ich an jedem Tag Zeit und Idee für einen Programmbeitrag habe, weiß ich am offiziellen Eröffnungstag nie. Eine Unwissenheit, die zum Motto der Akzente in diesem Jahr passt. Wenn sich etwas umfassend verändert, eben das geschieht, was gemeinhin mit einem Umbruch einhergeht, dann ist eins gewiss, wie das Leben nach einem solchen Umbruch aussieht, weiß niemand genau. Behauptet wird zumeist etwas anderes.

Meinen Festival-Premierentag im Zebrastreifenblog möchte ich mit  Norbert Elias beginnen. Seine Worte erinnern an etwas, was beim Hören des Wortes Umbruch schnell aus dem Blick gerät. Die Beschäftigung mit Umbrüchen weckt in besonderer Weise Gegenbilder des Unveränderlichen. Diese vermeintlichen anderen Möglichkeiten Leben oder Gesellschaft zu gestalten sind  Kraftquellen für die Autokraten dieser Tage und Parteien wie die AfD. Der besondere Blick auf den Umbruch suggeriert eine Gegenwelt ohne Veränderung. Manche dieser nicht aufhaltbaren, immer vorhandenen Veränderungen nennen Menschen Umbruch und werten sie damit auf besondere Weise. Wenn Norbert Elias den Mensch als einen Prozess bestimmt, rückt er diese ständige Veränderung ins Zentrum einer Beschäftigung mit dem oder den Menschen.

Hier genügt es daran zu erinnern, dass der Mensch ein Prozeß ist. Dies gehört zwar zu den elementarsten Erfahrungen eines Menschen, wird aber in der Reflexion aufgrund einer überwältigend starken Tendenz zur Zustandsreduktion gewöhnlich unterdrückt. Man spricht vielleicht davon, daß der Mensch einen Prozeß durchläuft, wie man ja auch sagt, daß der Wind weht, obgleich doch eben das Wehen der Wind ist. So mag sich auch das sprachliche Herkommen in uns etwas sträuben, wenn man den Satz hört: Der Mensch ist ein Prozeß.

Norbert Elias: Engagement und Distanzierung, Frankfurt am Main, 1983

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Wenigstens ist morgen schon das nächste Spiel

„Wenn zwei Mannschaften, deren Ziel es ist, ein Tor mehr als der Gegner zu erzielen aufeinandertreffen, entsteht ein spannendes Spiel. Wenn beide ausschließlich defensiv denken und die Tor-Verhinderung im Vordergrund steht, leidet der Zuschauer.“ Eigentlich stammt dieser Satz aus dem Spielbericht in der Süddeutschen Zeitung über das 1:1-Unentschieden vom SC Freiburg gegen TSG Hoffenheim, und er ist als Anfang eines Lobes gemeint, aber warum soll ich nicht mal einen vorbeifliegenden Satz nehmen, wenn er zugleich auf das Spiel vom MSV Duisburg gegen Wehen Wiesbaden passt und von mir keinesfalls als Lob gemeint ist.

Der MSV führte vor diesem Wochenende mit Abstand die Tabelle der 3. Liga an. Zu Gast war mit dem SV Wehen Wiesbaden der 14. der Tabelle, der 16 Punkte weniger gesammelt hatte. Doch auf dem Spielfeld sah es von Anfang an so aus, als ginge es den Spielern des MSV vor allem darum ein Tor des SV Wehen Wiesbaden zu verhindern. Das war ein Problem, und so haben wir am Samstag gelitten beim Spiel des MSV Duisburg gegen Wehen Wiesbaden. Da sind wir uns einig, Ilia Gruev als Trainer und wir Zuschauer. Wie die Spieler dieses Spiel ausgehalten haben, weiß ich nicht so genau.

Diese Spieler des MSV haben mich in der ersten Halbzeit jedenfalls derart eingeschläfert, dass ich in der Pause die frei werdenden Stehplatzräume nutzte, um den Wellenbrecher neben mir zu erobern und mich fortan anzulehnen. Soziale Ansteckung nennt man das. Die Spieler haben mich kraftlos gemacht und desorientiert. Das Stadion um mich herum, das Spielfeld vor mir waren zwar noch vorhanden, aber ich war nicht mehr im Spiel. Ich war hundemüde, kämpfte darum stehen zu bleiben und sehnte den Schlusspfiff herbei. Dabei war noch eine Halbzeit zu spielen. Was für eine immense Aufgabe. Wie sollte ich jemals in dieser zweiten Halbzeit ein Tor bejubeln können. Das war unvorstellbar für mich. Zu meiner großen Erleichterung brachte mich die Mannschaft des MSV nicht in die Verlegenheit, meine Leistung als Zuschauer abrufen zu müssen.

Ich konnte mich über das Gegentor zwar noch ein wenig ärgern, aber Unmut passt energetisch besser zur Kraftlosigkeit. Er stellt sich auch dann noch ein, wenn Freude unerreichbar scheint.  Ich werde heute nicht mehr ins Detail des Spiels gehen. Dank der englischen Woche könnte die Leistung der Mannschaft morgen Abend schon wieder alles vergessen machen. Im Grunde bestätigte das Spiel gegen Wehen Wiesbaden nur, was wir schon länger wissen. Der Versuch ein Spiel zu kontrollieren gerät dem MSV sehr schnell zur Spielverwaltung. Den Rhythmus eines Spiels zu gestalten ist für die Mannschaft schwierig, wenn die Räume in der Offensive sehr eng sind. In den engen Räumen mangelt es den Offensivspielern an Ballsicherheit, um Tempo aufzunehmen. Besteht die Möglichkeit zum schnellen Pass fehlt oft der Mut, weil das Denken der Spieler auf Sicherheit ausgerichtet ist. Dieser Mut entsteht manchmal im Spiel nach gelungenen Aktionen. Manchmal aber, wie im Spiel gegen Wehen Wiesbaden verflüchtigt er sich völlig, weil die Spieler zu oft im eins gegen eins oder im eins gegen zwei, drei scheitern. Wenn dann der Gegner sehr gut kontern kann, ist die Niederlage nah. Wir haben das im Hinspiel gesehen. Das Rückspiel bestätigte das. Da der MSV Duisburg dennoch aufsteigen wird, müssen wir vom Angstgegner Wehen Wiesbaden gar nicht erst sprechen. Andere Liga, andere Gegner.

Wirklich Schuld an der Niederlage sind ohnehin die Stadionregie und Stadionsprecher Stefan Leiwen. Als vor dem Spiel von dieser Serie des Erfolgs die Rede war, von diesen dreizehn Spielen ohne Niederlage, wussten wir bei uns in der Ecke schon, damit war das Fundament für eine Niederlage gelegt. Das Einblenden der Blitztabelle im Spielverlauf war dann gar nicht mehr nötig.

In eigener Sache: Lesung am 18.3. um 20 Uhr in Ruhrorter Galerie RuhrKUNSTort

Welche Texte genau ich am nächsten Samstag für die Lesung in Ruhrort auswählen werde, weiß ich noch nicht. Sicher werden Texte mit dabei sein, in denen es um Fußball geht. Wenn es sich ergibt, werde ich in meine Schreibwerkstatt blicken lassen. Wahrscheinlich wird es dabei dann auch um „Mehr als Fußball“ gehen , dem Buch über die Energie in Duisburg, als im Sommer 2013 die Existenz vom MSV Duisburg bedroht war. An Prosa über Ruhrort denke ich noch, an den Sound und die Komik von Lyrik und an Worte über die Ruhrstadt, also das Ruhrgebiet als identitätsstiftender Bezug für die Menschen der einzelnen Städte in der Region. Und eins ist ebenfalls sicher: Ich freu mich auf euch.

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