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20 Anmerkungen zum MSV-Spiel gegen den 1. FC Magdeburg, die die Welt noch nicht gesehen hat

  1. Am Donnerstag in einer englischen Woche muss ein Text schneller als an einem Montag nach einem Wochenendspiel entstehen. Deshalb gibt es keine Rücksicht auf stilistische Feinheiten.
  2. Das 3:3-Unentschieden des MSV gegen gegen den 1. FC Magdeburg hat mich an den Rand der mir erträglichen Verzweifelung gebracht. Verzweifelung über den Lauf der Dinge. Verzweifelung über kurz unaufmerksame Spieler des MSV. Verzweifelung über eine Schiedsrichterentscheidung.
  3. Nach dem 2:1-Rückstand dachte ich kurz, ich könne mir das Spiel im Neudorfer Ostende nicht weiter ansehen. Im Stadion ertrage ich jegliche Spielverläufe. Vor dem Fernseher geht das nicht. Dort komme ich an gesundheitsgefährdende Grenzen. Als durch den Freistoß das zweite Tor für Magdeburg fiel, wurde die Ohnmacht unerträglich, einer erneuten Niederlage des MSV ausgesetzt zu sein. Ich merkte, jegliche Hoffnung meines Lebens war in diesem Moment auf den MSV gerichtet. Das war zu viel Hoffnung an der falschen Stelle. Ich wollte aus dem Ostende fliehen. Kevin Wolzes schnell folgendes Freistoßtor zum Ausgleich war ein betäubendes Schmerzmittel. Ich konnte es nicht bejubeln. Die Ohnmacht war einer gefühllosen Beruhigung gewichen.
  4. In der ersten Halbzeit hat der MSV gut gespielt. Die Magdeburger wurden früh bei ihrem Aufbauspiel gestört. So konnte immer wieder schnell umgeschaltet werden. Der MSV wirkte auf mich für Phasen spielbestimmend.
  5. Diese Wahrheit gab es aber auch: Das einer Balleroberung folgende Umschaltspiel führte auch hin und wieder zu spekulierenden Pässen ins Nichts. Es waren hilflose Pässe im Wissen darum, auf diese Weise bleibt der Ball nicht im Spiel. Auf diese Weise unterbindet man einen Konter der Magdeburger. Solche Pässe sind dann weniger ein Instrument der Offensive als der Defensive. Besser geht es in dem Moment nicht. Das müssen wir akzeptieren.
  6. Vier sehr gute Torchancen ohne Torerfolg für Magdeburg in der ersten Halbzeit belegen nicht das Glück für den MSV sondern die Tatsache, dass es in der Liga Mannschaften gibt, die mit denselben Schwierigkeiten umgehen müssen wie der MSV. Diese vier Torchancen sind eigentlich ein Beleg dafür, wie schwer es für den MSV in dieser Saison ist und wie wenig ein anderer Trainer als Ilia Gruev an der Situation ändern können wird.
  7. Die Mannschaft des MSV spielt offensiv so gut, wie sie es kann. Sie spielen inzwischen gut genug, um ein Spiel zu gewinnen.
  8. Die Führung des MSV war verdient. Nach einem schlechten Versuch zu flanken, verlor Kevin Wolze den Ball und eroberte ihn sofort zurück. Der Flankenversuch zwei in den Lauf von Stanislav Iljutcenko gelang. Der Raum für den Stürmer war da und souverän schob er den Ball ins Tor.
  9. Zuvor schon hatte der MSV mit variablem Spiel die Defensive von Magdeburg unter Druck gesetzt – zum einen über die Flügel, gefahrvoll oft durch Andreas Wiegel; zum anderen durch Mittelfeldläufe von Cauly Souza und Fabian Schnellhardt mit folgendem Pass ins Zentrum auf Tashchy oder Iljutcenko.
  10. Die Spieler des MSV sind defensiv bei Spielunterbrechungen immer wieder nicht präsent. Der Ausgleich zum 1:1 fiel auf dieselbe Weise wie in Dresden das Tor zur Niederlage. Das Tor wäre einfach zu verhindern gewesen, wenn Sebastian Neumann den Ball die ganze Zeit im Blick gehalten hätte und der Einwurfsituation nicht den Rücken gekehrt hätte. Die Spieler des MSV versuchen bei Spielunterbrechungen aber oft als erstes, ihre Position in der Defensivformation einzunehmen und verlieren den Blick dafür, dass das Spiel unterdessen weitergeht. Grundsätzlich muss beides zugleich beachtet werden, wo ist der Ball und wo bin ich im Verhältnis zu meinen Mitspielern. Das geschieht immer wieder einmal nicht. Das führt zu Toren vom Gegner. Das führt zu Wut und Verzweifelung bei mir, weil ich schon vor der Ballberührung des Gegners sehe, dass Gefahr droht. Ich kenne das aus dem Basketball. Dort ist es am Spielfeldrand oder auf dem Spielfeld einfacher. Spieler reagieren, wenn ich schreie. Sebastian Neumann hat mich in Magdeburg nicht gehört.
  11. Schon der Klärungsversuch von Sebastian Neuman, der zum Ausball führte, war der Anfang der Fehlerkette. Er hatte sich nicht entscheiden können zwischen präzisem steilen Pass und Ballwegschlagen. Es wurde irgendwas dazwischen, so dass der Ball zu nah am eigenen Tor ins Aus flog.
  12. Kurz darauf folgt ein Freistoß für Magdeburg nahe der Strafraumgrenze. Die Mauer bei diesem Freistoß stand nicht gut. Der Ball brauchte nicht viel Effet, um rechts dran vorbei zu fliegen. Magdeburg führte 2:1.
  13. Die Anforderungen an Kevin Wolzes Schusstechnik bei dem Freistoß zum 2:2-Ausgleich waren größer. Solche Freistoßtore kennen wir von ihm.
  14. Nach dem 2:2 entwickelte sich ein offenes Spiel. Ist meine Vereinsbrille der Grund dafür, dass ich den MSV mit leichten Vorteilen sah? Auf mich wirkten die Zebras spielerisch variabler als Magdeburg, sicherer im Ballbesitz, bissiger beim Stören der Gegenspieler.
  15. Jeder ruhende Ball für die Magdeburger machte mir Sorgen. Deshalb verzweifelte ich schon vor dem Eckstoß, der zum 3:2 führte über die Fehlentscheidung des Schiedsrichters. In welchem Winkel stand der Schiedsrichter zu Kevin Wolze und dessen Gegenspieler? Der Gegenspieler sprang nicht nur höher, sondern befand sich auch zwischen Wolze und der Torauslinie. Unabhängig vom TV-Bild schien es mir unmöglich zu sein, dass ein von Wolze berührter Ball auf direktem Weg ins Aus hat gehen können. Quasi überall um ihn herum war sein Gegenspieler, der von einem über Wolze kommenden Ball danach berührt werden musste.
  16. Ich habe keine Erinnerung an eine solche dichte Abfolge von Fehlentscheidungen der Schiedsrichter, die so spielbeeinflussend gewesen sind. Denkt nur nicht, dass ich damit die Niederlagen erklären will. Dennoch sind diese Fehlentscheidungen Mühlsteine angesichts der momentanen spielerischen Möglichkeiten des MSV.
  17. Die Ecke war die klassische Gegentor-Ecke der Zebras. Die erneute Führung der Magdeburger erschöpfte mich. Ich fügte mich ins Schicksal der Niederlage.
  18. Die Spieler des MSV fügten sich nicht in die Niederlage. Sie hielten an ihrem Plan fest. Die Mannschaft brach nicht in sich zusammen.
  19. Der Ausgleich zum 3:3 war verdient und gerecht. Im Moment des Ausgleichs kam ein wenig Glück hinzu. Denn Lukas Daschner drückte einen eroberten Ball ins Netz, der zuvor im Magdeburg Strafraum einmal herumgeflippert war. Das Glück hatte aber erarbeitet und erspielt müssen. Dem Glück zuvor gingen Glaube der Mannschaft an die Mischung von spielerischer Lösung und hohem Ball in den Strafraum sowie Gedankenschnelle von Lukas Daschner. Daschner musste erst einmal im rechten Moment am rechten Ort sein. Das ist Können und kein Glück.
  20. Im Stadion beim notwendigen Sieg gegen Regensburg werde ich die Anspannung leichter ertragen als vor dem Fernseher.
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Ab in die Sammlung Lieblingsgegner

Nach Osnabrück fahre ich inzwischen genauso gern wie nach Paderborn, wenn der MSV Duisburg ein Auswärtsspiel bestreiten muss. Die Wahrscheinlichkeit ohne Niederlage die Heimreise antreten zu können ist bei Spielen dort recht groß. Dabei sah es lange nur nach einem torlosen Unentschieden aus, für die jedenfalls, die sehen konnten. Der Stehplatzbereich des Gästeblocks war deutlich überfüllt, weil die Ordner anscheinend unterschiedliche Handlungsanweisungen bekommen hatten. Blau-weißer Fanartikel plus beliebige Karte war irgendwann zur Zugangsberechtigung geworden. Was dem einen behagliches Heimatgefühl in der Herde bescherrte, machte dem anderen Angst vor in Duisburg wohl bekanntem Massengedränge und seinen Folgen. In der Halbzeitpause war dann auch von Stürzen beim Geschubse auf den Rängen zu hören, die Gott sei Dank ohne schwer wiegende Folgen blieben.

Wer sich aber den Blick aufs Spielfeld einigermaßen frei halten konnte, sah ein Spiel, das unterschiedliche Einschätzungen möglich machte. Ein großer Fortschritt gegenüber dem Spiel gegen die Stuttgarter Kickers. Wenn die Qualität des Spiel strittig ist, muss es bei den Zebras zumindest gute Ansätze gegeben haben. Zu Halluzinationen positiver Art neigt das Duisburger Publikum weiß Gott nicht. Ich jedenfalls habe in der ersten Halbzeit den MSV Duisburg recht sicher in der Defensive gesehen und einmal mehr ohne Durchschlagskraft im Spiel nach vorne. Wenn Konterspiel das Mittel für den Erfolg sein sollte, fehlte nach der Balleroberung einfach zu oft die kontinuierliche Schnelligkeit oder die Präzision beim Passspiel, manchmal fehlte beides. Dennoch gab es unermüdlich den Versuch eines schnellen Zusammenspiels. Manchmal waren Ansätze erkennbar, die in Zukunft die Grundlage einer spielerisch guten Leistung bilden können. Das war anders als im letzten Heimspiel gegen die Stuttgarter Kickers. Weil es den Osnabrückern mit ihrer Spielweise genauso ging, machte ich mir keine großen Sorgen um ein Gegentor.

Was ich als sicheres Spiel des MSV Duisburg in der ersten Halbzeit erlebte, sah der Kapitän der Osnabrücker Sebastian Neumann ganz anders. Im unten verlinkten Interview erzählt er von Chancen seiner Mannschaft und anscheinend hatte er den Eindruck, seine Mannschaft sei den Zebras überlegen gewesen. Wie gesagt, ich habe eher ein Spiel gesehen, in dem beide Defensivreihen gute Arbeit leisteten und beide Mannschaften offensiv zu schwach waren, um wirklich gefährlich werden zu können.

Dennoch setzte ich in diesem Spiel nicht nur aufs Glück. Dazu gelang der Mannschaft des MSV immer wieder spielerisch genug,  um in Strafraumnähe des Gegners zu gelangen, und wie wir alle wissen, ist das eine gute Voraussetzung, um zumindest eine Standardsituation zu erzwingen. Auch hier sah ich den MSV Duisburg grundsätzlich im Vorteil. Keine der vielen Ecken der Osnabrücker schien mir gefährlich, hingegen ich – erneut im Gegensatz zu den letzten Spielen –  tatsächlich einige Hoffnung auf die wenigen Ecken der Zebras setzte. Für Enttäuschung blieb wenig Zeit, als nach einer dieser Ecken der Kopfball von Branimir Bajic noch – fast auf der Linie – geklärt werden konnte. Den zweiten Ball nahm Michael Gardawski auf. Sehen, er hat sogar noch die Gelegenheit, sich den Ball zurecht zu legen, hoffen auf den zielsicheren Schuss und Ball im Tor sehen war nahezu eins. Der Lieblingsgegner VfL Osnabrück nahm Formen an.

Bis ich den Verein in die Sammlung aufnehmen konnte, waren allerdings noch zwei, drei brenzlige Situation zu überstehen, in denen in der Defensivreihe das wilde Ball wegschlagen als letzte taktische Maßnahme erst nach mehrmaliger Wiederholung gelang. Der VfL Osnabrück machte das möglich, weil deren letzte taktische Maßnahme das wilde Ball aufs Tor schießen überlegtes Angreifen erschwerte. Großer Jubel beim Abpfiff und das starke Bedürfnis mich aufzuwärmen, weil ich am Morgen nicht an einen möglichen ersten wirklich kalten Spieltag gedacht hatte.

Im Zeitalter von Verschwörungstheorien können wir uns das Spiel übrigens auch als das Ergebnis eines heimlichen Abkommens der Lokalzeitungsverleger mit den Vereinen denken. Vielleicht haben Interessenvertreter der Funke Mediengruppe für WAZ/NRZ, der Rheinische Post Verlagsgesellschaft und vom Verlag Neue Osnabrücker Zeitung bei den Vereinen einen Versuchsballon gestartet, um auch überregional mal einen einzigen Sportjournalisten für sämtliche Zeitungen einen emotionalisierten Text schreiben lassen zu können. Lese ich den Spielbericht aus Osnabrücker Sicht, müsste man nur Namen austauschen und schon könnte der auch in Duisburg als Meinung zum Spiel durchgehen. So weit ich mich erinnere hat die Funke Mediengruppe diese Kostensenkungsmaßnahmen für das Ruhrgebiet schon mal erwogen. Ich suche jetzt nicht den Link zur anschließenden Diskussion im Lokalen seinerzeit. Wer den Hinweis geben kann, bitte, danke.

Ein Maggi-Würfel Spieleindruck:

Die Pressekonferenz nach dem Spiel mit einer sehr stimmigen Wertung von Karsten Baumann sowie Stimmen nach dem Spiel von Michael Ratajczak und Sascha Dum.

Mit einem Klick weiter zum NDR, wo einige zusammengeschnittene Spielszenen aus der zweiten Halbzeit zu sehen sind sowie Interviews nach dem Spiel mit Karsten Baumann, Michael Ratajchzak und dem Trainer vom VfL Osnabrück, Maik Walpurgis, sowie dem VfL-Kapitän, Sebastian Neumann.


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Kees Jaratz bei Twitter

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