Archive for the 'Fußball und Kultur' Category

Die Superleague, MSV-Gemeinsinn und die Causa Flick

Momentan bekommen wir in unseren unterschiedlichen Rollen im und um den MSV Duisburg den Spagat einigermaßen hin zwischen den idealistischen Vorstellungen von Unterstützung und Mitbestimmung in einem Verein sowie der unternehmerischen Arbeit für wirtschaftliche Solidität und sportlichen Erfolg. Um im Bild zu bleiben: Eine Gruppe von MSV-Anhägern versucht sich seit jüngstem an einer Turmkonstruktion von Anhängern im Spagat. Sie haben mit den Zebra-Genossen eine Genossenschaft gegründet und sich damit in eine lange Tradition von wirtschaftlichen Solidargemeinschaften gestellt, die in der Arbeiterbewegung ihre Wurzeln hat.

In Genossenschaften ist ökonomisches Handeln gebunden an Ziele, die vom Gemeinsinn getragen werden. Ihr könnt euch vorstellen, dass mir diese Genossenschaftsgründung sehr gefällt. Was nichts damit zu tun hat, dass Gründungsmitglieder der Genossenschaft Bekannte von mir sind und wir zum Teil denselben Fanclubs angehören.

Das schreibe ich nur der Transparenz wegen. Das Ringen um Erkenntnis in dieser Gesellschaft braucht mehr Wissen über die sozialen Verbindungen derjenigen, die sich über ein Thema äußern. Es geht dabei nicht ums Skandalisieren sondern um Einordnen. Das ist idealistisch gedacht, ich weiß. Aber wenn ich mich schon mal für dieses Bewusstsein einsetzen kann, dann mache ich das nun mal. Demnächst also in diesen Räumen etwas mehr Hintergrund zu der Genossenschaft. Ich denke an ein Gespräch mit einem der Vordenker der Genossenschaft.

Das ist der Fußball in Duisburg. Der Fußball in Europa erlebt gerade den sich doll drehenden Turbokapitalismus. Zwölf Vereine aus England, Spanien und Italiene haben die Katze aus dem Sack gelassen. Seit langer Zeit ist die Superleague im Gespräch, der feuchte Traum von Geldanlegern im Fußballgeschäft. Verlustrobust im Niederlagenfall durch ewige Zugehörigkeit. Natürlich ist so eine Entwicklung konsequent in diesen Corona-Tagen. Die leeren Stadien haben gezeigt, Fußball funktioniert auch ohne Anhänger. Nun ist sogar niemand präsent, der den Plänen laut in die Quere kommen kann. Die Gründung ist auch die konsequente Fortschreibung der ökonomischen Leitgedanken der letzten 20 Jahre. The winner takes it eben all.

Dass deutsche Vereine nicht dabei sind, zeigt für mich einerseits, dass handelnde Protagonisten bei Bayern München und auch Borussia Dortmund sich trotz gegenteiligem Eindruck im deutschen Binnenmarkt mit der deutschen Wirtschaftskultur des Ausgleichs identifizieren. Andererseits ist die kulturelle Kraft des Vereinsgedanken und der Mitbestimmung in Deutschland offensichtlich sehr viel mächtiger als in den anderen europäischen großen Fußballnationen. Was dann wiederum einigen Druck auf Fußballunternehmen und deren leitende Mitarbeiter ausübt. Ob das so bleiibt, ist mir völlig egal. Letzte Woche im Podcast habe ich noch gesagt, sollen sie ihre Superleague doch gründen. Damit meinte ich auch die Bayern und den BVB. Mein Fußball wird dadurch nicht schlechter. Mein Fußball wird dadurch nicht gefährdet. Mich interessiert dieser Fußball nicht mehr. So eine Superleague wird wie jeder schlechte Hollywoodfilm sein weltweites Publikum finden. Kulturelle Kraft hat so ein Fußball nicht mehr. Besorgnis erregend finde ich das nicht.

Dass im deutschen Fußball trotz momentaner Abwesenheit in der Superleague bei den Großvereinen auch Gepflogenheiten von Großunternehmen herrschen, versteht sich von selbst. Schmunzelnd lese ich, dass der FC Bayern Hansi Flicks Stellungnahme am Samstag missbilligt. Als versierter Offensivtaktiker hatte er verkündet, er beende seine Arbeit bei den Bayern am Saisonende. So eine Geschichte steht normalerweise auf den Wirtschaftseiten, wenn über Machtkämpfe in Großunternehmen berichtet wird.

In Deutschland redet die Fußballbranche aber seit Wochen über die Bayern so, als ginge es dort um Meinungsverschiedenheiten über Kaderstärken, die zu persönlichen Animositäten wurden. Dabei zeigt sich in diesem Konflikt einmal mehr nur der immerselbe Widerspruch. Ein Unternehmen handelt nach unternehmerischen Prinzipien. Im Geschäftsfeld Sport zählt zwar Erfolg, aber in Deutschland nun auch die Sportkultur. In dem Fall vertritt Hasan Salihamidzic das Unternehmen FC Bayern München gegenüber dem leitenden Mitarbeiter Hansi Flick. Das Unternehmen sieht nun unternehmerische Prinzipien verletzt, muss aber klein beigeben. In dem Fall ist nicht das Unternehmen FC Bayern bedeutender als Hansi Flick. Denn dessen Erfolge sind in der öffentlichen Wahrnehmung Vereinserfolge. Sie machen ihn unabhängig vom Unternehmen. Selbst beim FC Bayern wirkt noch immer die kulturelle Kraft von Vereinen, auch wenn die nur im Konflikt bemerkbar wurde.

Fußballlyrik – Melancholische Hymne auf gedrehte Spiele

Melancholische Hymne auf gedrehte Spiele

Gedrehte Spiele sind die besten.
Ein Stehplatzspruch vom Stehplatzfreund.
So oft gehört in all den Jahren,
manchmal gefolgt von der Enttäuschung.
Doch wahr bleibt wahr. Das 6 zu 3.
Die Bayern, siebensiebzig,
den Rückstand gab es gleich zweimal.
Als Ennatz Tor um Tor erzielte
und Rummenigge kalt düppierte.

Gedrehte Spiele sind die besten.
Burghausen, Mai, Zweitausendfünf.
Der Druck zu groß? Zwei Tore hinten.
Der Aufstieg schien schon abgehakt.
Doch als Ahanfouf anfing vorn
zu wirbeln, machten alle mit.
Zwei Tore von ihm, eins mit Macht
erzwungen. Ausgleich. Siegtor Kurth.
Das 4 zu 3 zerstörte Zweifel.

Gedrehte Spiele sind die besten.
Sie lassen uns den Tod erleben,
gefolgt von Wiederauferstehung
und sehr paradiesischen Gefühlen.
Wir brauchen nicht ein Leben lang
nur glauben und zu hoffen, bis erst
gestorben die Erfahrung folgt.
Vielleicht, eventuell. Man weiß es nicht.
Und wer es weiß, ist richtig tot.

Da lob ich mir gedrehte Spiele.
Mit ihnen lebt sich’s deutlich länger.
Auch zwanzigeinundzwanzig noch.
Das 3:2, Türkgüncü München,
im März. So wichtig für das Ziel,
die Abstiegszone zu verlassen. 
Zwei Tore waren aufzuholen.
Das Siegtor fällt dann kurz vor Schluss
nach erstem Ballkontakt Ademis.

Die Stille aber auf den Rängen
statt Feier der Unsterblichkeit.
Corona offenbart uns Leere.
Vereinzelt jubeln führt nicht weit.
Erinnert das sogleich ans Hoffen
auf weltliche Unsterblichkeit,
wenn eine Menge Körper wird.
Gedrehte Spiele sind die besten.
Zum weiteren erst bei Gelegenheit.








Catenaccio und Riegel-Rudi – Der Link zum Online-Vortrag

Manchmal haben meine Vorträge oder Texte besondere Anlässe. Für diesen Vortrag am 8. März war es das Motto der 42. Duisburger Akzente. Dem Programm gaben in diesem Jahr „Mauern“ die inhaltliche Orientierung. Da ließ sich in Verbindung mit dem Fußball etwas draus machen.

Nun wurden die Duisburger Akzente zwar abgesagt, mein Online-Vortrag anlässlich der Akzente an der VHS Duisburg aber nicht. Am Montag, ab 20 Uhr  gibt es was über Mauerfußball und dessen sozialen sowie kulturellen Hintergründe zu hören. Ich spreche ’ne Stunde etwa, Schwerpunkte sind Catenaccio, Rudi Gutendorf mit dem Meidericher SV in der ersten Bundesligasaison und der Ruhrgebietsfußball, danach Fragen, Gespräch, mal schauen.

Kost‘ nix, ist bekömmlich und hält länger vor.

Wenn ihr weiterklickt, kommt ihr zum unaufwändigen Anmeldungsraum. Das ist online dann anders als bei Präsenz. Wenn ihr da vier Tage vorher aufkreuzt, wäre niemand da. Jetzt aber kriegt er einen Zugangslink geschickt, den ihr am Montag dann nur noch anklicken müsst. Schon seid ihr im virtuellen Vortragsraum.

 
Der Ankündigungstext sieht übrigens so aus:

Und vorne hilft der liebe Gott

Wenn beim Fußball von einer mauernden Mannschaft gesprochen wird, geht es weniger um die Einordnung von taktischen Mitteln als um das Urteil über eine Spielweise. Oft missfällt es Zuschauern, wenn eine Mannschaft sich zu sehr zurückzieht. Doch kein Team mauert von Anpfiff an. Beginnen damit denn nur die Schwachen gegen Starke? Was hat die Spielweise mit Selbstbewusstsein sowie mit lokalen und nationalen Identitäten zu tun? Der Autor Ralf Koss begibt sich für seinen Vortrag auf die Spurensuche in Literatur, Fußball- und Kulturgeschichte. Er berichtet von ermauerten Siegen und dem Anrennen gegen Bollwerke. Er findet Deutungen und Werturteile. Welche Geschichten über das Mauern aber wirken auf uns alle, selbst wenn wir uns nicht für Fußball interessieren

Und vorne hilft der liebe Gott – Online-Vortrag
Montag, den 8. März 2021
VHS Duisburg
Gebühr: Kostenlos

Enthält Spuren von MSV-Fans

Jüngst tauchten im Stadtbild Duisburgs viele neue Bekenntnisse zum MSV auf durch Plakate, Banner und Aufkleber. Letztere schätze ich übrigens nur bedingt. Das gehört zu meinem Vorrecht eines älter gewordenen Anhängers dieses Vereins. Erinnern mich Aufkleber im öffentlichen Raum doch immer auch daran, wie an mancher Stelle dieser Stadt der Konflikt zwischen dem ungestörten Anblick eines geschlossenen, womöglich gar kunstvoll gedachten Ensembles und dem Ausdruck von Vereinsliebe zum Nachteil des MSV gereicht. Die dann nur schwer zu beseitigende Spuren von MSV-Zuneigung ärgern mich doch mehr, als dass sie mich freuen.

Das aber nur am Rande. Denn schon bevor diese konzertierte Aktion sichtbar wurde, hatte sich die Künstlerin Stacey Blatt aufgemacht, um Spuren des MSV im Stadtbild zu finden. Stacey Blatt kommt gebürtig aus Los Angeles und lebt seit dem Jahr 2000 in Duisburg. Schon bald begeisterte sie sich für die besondere Atmosphäre im Stadion und den MSV Duisburg. Sie gründete den MSV-Hermann-Kurz-Gedächtnis Fanclub, der nicht nur die MSV-Fans unter den Duisburger Künstlern sammeln sollte, sondern auch besagten Hermann Kurz ehren.  Auch der 2006 verstorbene Duisburger Künstler war MSV-Fan.

Ihre Spurensuche war eine Art Therapie gegen die entstandene Melancholie, kein Spiel des MSV im Stadion sehen zu können. Aus ihren Funden schnitt sie einen kurze Clip zusammen mit ganz unterschiedlichen Bekenntnissen zum MSV. Die knapp 13 Minuten wirken geradezu meditativ auf mich. Allerdings bin ich ich mir im nachhinein nun nicht sicher, ob all diese Bekenntnisse meine Melancholie nicht vergrößern. Vielleicht schafft Abhilfe nur die kreative Arbeit selbst, getreu bekannter Erklärungen der Psychologie zu Kreativität und Kunstproduktion.

In eigener Sache: Mauerfußball und Kultur – Ein Online-Votrag

Manchmal haben meine Vorträge oder Texte besondere Anlässe. Für diesen Vortrag am 8. März war es das Motto der 42. Duisburger Akzente. Dem Programm gaben in diesem Jahr „Mauern“ die inhaltliche Orientierung. Da ließ sich in Verbindung mit dem Fußball etwas draus machen.

Nun wurden die Akzente zwar abgesagt, der Vortrag aber nicht. Im Rahmen der Montagsvorträge der VHS Duisburg werde ich also am 8. März über das Mauern im Fußball erzählen. Uhrzeit entweder 19 oder 20 Uhr, das steht noch nicht fest.

Die Freistoßmauer habe ich beim Vortrag außen vorgelassen. Sie bietet wenig Erzählenswertes über den Fußball hinaus. Das ist beim „mauern“ anders. Darin stecken Urteile, Hoffnungen und Ziele, die viel darüber verraten in welcher Welt das Fußballspiel gerade stattfindet, in dem gemauert wird.

 

Und vorne hilft der liebe Gott

Wenn beim Fußball von einer mauernden Mannschaft gesprochen wird, geht es weniger um die Einordnung von taktischen Mitteln als um das Urteil über eine Spielweise. Oft missfällt es Zuschauern, wenn eine Mannschaft sich zu sehr zurückzieht. Doch kein Team mauert von Anpfiff an. Beginnen damit denn nur die Schwachen gegen Starke? Was hat die Spielweise mit Selbstbewusstsein sowie mit lokalen und nationalen Identitäten zu tun? Der Autor Ralf Koss begibt sich für seinen Vortrag auf die Spurensuche in Literatur, Fußball- und Kulturgeschichte. Er berichtet von ermauerten Siegen und dem Anrennen gegen Bollwerke. Er findet Deutungen und Werturteile. Welche Geschichten über das Mauern aber wirken auf uns alle, selbst wenn wir uns nicht für Fußball interessieren?

Unter dem folgend Link könnt ihr euch schon anmelden. Dann wird euch der Zugangslink zum Vortrag demnächst zugesendet. Für Kurzentschlossene werde ich vor dem 8. März den Link aber auch hier noch teilen.

Und vorne hilft der liebe Gott – Online-Vortrag
Montag, den 8. März 2021
VHS Duisburg
Gebühr: Kostenlos

Der Zebratwist auf Platz 9 beim Grand Prix de la Vereinslieder Song Contest

Dem Oppa MSV geht es seit Samstag leicht besser. Auf der Intensivstation liegt er immer noch, aber er ist ansprechbar und hat uns auch schon wieder mal zugelächelt. Wir werden heute sehen, ob sein Zustand stabil ist. Natürlich hoffen wir, er kommt zu weiteren Kräften.

Bis zum Anpfiff in München muss ich mit meiner leisen Enttäuschung klar kommen. Hinterrücks war ich in Sachen Zebratwist beim Grand Prix de la Vereinslieder Song Contest doch ehrgeizig geworden. Ich hatte tatsächlich auf einen der ersten drei Plätze gehofft. Nun ist es Platz 9 geworden. Was mich nachdenklich macht, auch die Redaktion vom Millernton.de hatte den Song als einen der Favoriten gesehen.

Mein magisches Denken mit dem Zebratwist hatte beim Sieg des MSV gegen Wiesbaden zwar Wirkung in Sachen Sport gezeigt, bei der Abstimmung im November für den Zebratwist war ich von solchem Ausschöpfen letzter Mittel zur Leistungssteigerung aber sehr weit entfernt. Mir kommt es heute so vor, als sei die Platzierung des Liedes ein Sinnbild für die momentane Situation beim MSV im Speziellen und für Erfolg im Allgemeinen.

Denn auch bei diesem Grand Prix de la Vereinslieder, bei diesem Spaßwettbewerb ging es um Zusammenhalt und die Konzentration auf das Ziel. Diese Konzentration war mir selbst im Zuge der Entlassung von Torsten Lieberknecht abhanden gekommen. Im Halbfinale noch habe ich während der letzten Abstimmungstage täglich in den sozialen Medien an das Abgeben der Stimme erinnert. Das konnte ich jetzt im Finale nicht mehr. Es war mühsam, an den MSV zu denken, und das strahlte auf mein Engagement für den Zebratwist ab. Der Zusammenhalt und die Konzentration musste erst wieder entstehen. Dass das gelang, zeigte mein „magisches Denken“ mit dem Zebratwist. Für den Erfolg des Vereinslieds kam das zu spät.

Doch entscheidend ist ja auf dem Platz. Der Sport ist das Wesentliche, und das geht hoffentlich weiter in die richtige Richtung auch ohne die letztlich hilflosen Versuche von uns Fans, Spielglück zu erzwingen.

Wer die Punktevergabe für den Zebratwist beim Grand Prix de la Vereinslieder Contest anschauen will, einmal klicken.  Thees Uhlmann kommentiert mit Hochachtung die Mühe und den Aufwand bei der Produktion des Liedes.  Außerdem komme ich auf Platz 9 für den Zebratwist, ein Verein pro Tag seit dem 1. Dezember.

  • Platz 9: MSV Duisburg
  • Platz 10: Saarbrücken
  • Platz 11: SV Darmstadt 98
  • Platz 12: 1.FC Köln
  • Platz 13: Eintracht Frankfurt
  • Platz 14: HSV
  • Platz 15: Holstein Kiel
  • Platz 16: SV Sandhausen
  • Platz 17: SV Werder Bremen
  • Platz 18: Hansa Rostock
  • Platz 19: SC Freiburg
  • Platz 20: Borussia Mönchengladbach
  • Platz 21: FC Schalke 04
  • Platz 22: Arminia Bielefeld
  • Platz 23: Fortuna Düsseldorf
  • Platz 24: Hannover 96

Magisches Denken mit dem vorbildhaften Zebratwist

Der Oppa MSV liegt weiter auf der Intensivstation. Noch immer wissen wir nicht, ob die behandelnden Ärzte gut genug sind, um den Patienten vor dem Abstieg zu retten. In solcher Unsicherheit erinnere auch ich mich ans magische Denken, weniger weil ich der Wirkung vertraue als um den Tag gelassener zu verbringen.

Magisches Denken lindert Gefühle der Ohnmacht, und in Sachen MSV ist so ein Denken auch völlig harmlos. Jeder sollte heutzutage so einen MSV in seinem Leben hegen und pflegen als eine Art Blitzableiter in Sachen Corona-Ohnmacht. Denn auch im täglichen Umgang mit der Pandemie gibt es ja nicht wenige Menschen, die hoffen, durch magisches Denken der Ansteckung zu entgehen. Sie bannen die Gefahr, indem sie sie bei den Fremden suchen. So ein Denken wirkt selbstermächtigend. Man bekommt das Gefühl, Lösungen für die nur schwer zu begreifenden Probleme des Lebens zu finden. In abstrakten Wahrscheinlichkeiten zu denken fällt schwer.

Wenn der gegnerischen Mannschaft im Spiel nur ein Schuss auf das Tor gelingt, muss viel zusammenkommen, damit dieser Schuss auch am Torwart vorbei geht. Je öfter auf das Tor geschossen wird, desto wahrscheinlicher wird ein Torerfolg. Die Niederlage als Ergebnis geht aber nicht nur den Torwart an. Auch der Stürmer ist betroffen. Also, strengen sich zuvor alle gemeinsam an, um die Wahrscheinichkeit geringer zu machen. Oft rennen Spieler dann vergeblich und erleben keinen persönlichen Erfolg. So kommt es einem bei der Kontaktreduzierung ja auch oft vor. Man nimmt etwas auf sich, ohne genau zu wissen, welchen möglichen Infekt man dadurch verhindert hat. Zumal manche Kontakte sich durch widersprüchliche Regeln dann doch ergeben. Eine Logik ist nicht erkennbar, und dennoch hat jeder vermiedene Kontakt einen Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit.

Zurück zum MSV,  für den der Zebratwist sich vorbildhaft beim Grand Prix de la Vereinslieder Contest schlägt. Dass er im Finale mit dabei ist und insofern zur Ersten Liga der deutschen Vereinslieder gehört, werdet ihr schon mitbekommen haben. Inzwischen aber hat er mit dem Abstieg nichts mehr zu tun. 11 Türchen des Adventskalenders sind geöffnet. Heute sind wir schon bei Platz 14 im gesicherten Mittelfeld und der MSV war immer noch nicht dabei. Die Tabelle sieht bislang so aus.

  • Platz 14: HSV
  • Platz 15: Holstein Kiel
  • Platz 16: SV Sandhausen
  • Platz 17: SV Werder Bremen
  • Platz 18: Hansa Rostock
  • Platz 19: SC Freiburg
  • Platz 20: Borussia Mönchengladbach
  • Platz 21: FC Schalke 04
  • Platz 22: Arminia Bielefeld
  • Platz 23: Fortuna Düsseldorf
  • Platz 24: Hannover 96

Thees Uhlmann kommentiert übrigens jeden Song. Wenn wir nun uns vorstellen, wieviel Energie in die Abstimmung für den Zebratwist geflossen sein muss, so werden die Spieler vom MSV davon doch irgendetwas aufnehmen können in sämtlichen noch kommenden Spielen, ganz davon zu schweigen, dass schon das Ansehen von guten Platzierungen in der Tabelle eine selbst erfüllende Wirkung haben kann. Am besten sofort vor dem Spiel gegen Wiesbaden wirken lassen.

Wie schön wäre sorgenlose Freude über den Grand Prix de la Vereinslieder Song Contest

Als ich zum Abstimmen für den Zebratwist beim Finale des Grand Prix de la Vereinslieder Song Contest aufrief, schien mir der Oppa MSV so erkrankt, dass ihm die Intensivstation drohte. Was ich befürchtete, trat ein. Nun liegt der Oppa schon seit ein paar Wochen dort. Allerdings sieht es momentan so aus, als arbeiteten im Krankenhaus nicht die besten Ärzte. Es geht dem siechen Körper täglich schlechter. Die Behandlung scheint neue medizinische Erkenntnisse wenig zu berücksichtigen. Wahrscheinlich sehen wir bald Blutegel am Patientenkörper, weil das Beatmungsgerät dauerhaft ausfällt.

Ich verrenne mich in Worten, das macht meine schlechte Laune etwas besser. So kann ich zumindest meine Chronistenpflicht erfüllen. Der Adventskalender mit den Platzierungen im Grand Prix de la Vereinslieder Contest ist seit gestern online. Später wäre ja auch schlecht gewesen. Ich weiß, mir seht ihr die Verzögerung des Hinweises wegen allgemein mieser Stimmung nach. Wenn ihr jeden Tag vorbei schauen wollt, nutzt den Link oben. Ich werde aber für die Platzierung des Zebratwists noch einen gesonderten Hinweis geben.

Der Song aus Hannover erreichte den 24. Platz, der aus Düsseldorf Platz 23.

Wer im August die Regionalentscheidung hier nicht mitbekommen hat kann noch einmal mit den Links unten nachvollziehen, was passiert ist. In einer Vorrunde hatte ich 18 Kandidaten vorgestellt.
Die ersten drei Kandidaten hört ihr nach dem Klick
Startnummer 1: Die treuen Bergvagabunden – Oh, mein MSV
Startnummer 2: Rüpels Royal – Zebrastreifen
Startnummer 3: MSVD1902only – Wir sind die Fans vom MSV

Die Kandidaten 4 – 7 hört ihr nach dem Klick
Startnummer 4: Los Placebos – Nur für dich, Meiderich
Startnummer 5: Der Zebra-Twist
Startnummer 6: Pilz Herb – Heimspiel
Startnummer 7: TOBZ – Meidericher Spielverein

Die Kandidaten 8 – 11 hört ihr nach dem Klick
Startnummer 8: Die Melodicons – Im Stammlokal
Startnummer 9: Duisburg-Lied
Startnummer 10: Eat the Unicorn – Auf’er Köpi
Startnummer 11: Dagmar Albert Horn – Wenn ich samstags ins Stadion gehe

Die Kandidaten 12 – 18 hört ihr nach dem Klick
Startnummer 12: Besser deutsch – MSV
Startnummer 13: MSV-Hymne
Startnummer 14: Chantal – Wir sind die Zebras
Startnummer 15: 1. Liga – Duisburg ist dabei
Startnummer 16: The Gummibärenzebras – Spielverein
Startnummer 17: MSVD1902only – Niederrheinpokalsieger
Startnummer 18: Tears for BeerZ – 1902

Das Ergebnis des Regionalentscheids findet ihr hier.

Fundstück – Marco Bode zu einer Verantwortung des Profifußballs

Am letzten Samstag erschien in der Süddeutschen Zeitung ein Interview mit Marco Bode. Thomas Hürner und Ralf Wiegand hatten mit ihm gesprochen. Schon die einleitenden Worte stimmen auf das große Thema dieses Interviews ein: „Seit 2014 ist Bode, 51, Aufsichtsratsvorsitzender des Klubs – und auf der Suche nach Koalitionen, um den deutschen Fußball wieder gerechter zu machen.“ Dass er selbst Profifußballer bei Werder war, füge ich für die jüngeren Leser hier hinzu.

Dieses Thema Gerechtigkeit steht für Marco Bode und andere Verantwortliche bei Werder Bremen offensichtlich in einem größeren Zusammenhang. Wenn es zunächst um die wirtschaftlichen Bedingungen für sportlichen Erfolg geht, rückt der Fußball als Teil der Unterhaltungsindustrie in den Vordergrund. Doch im Laufe des Gesprächs wird deutlich, Marco Bode geht es um sehr viel mehr als um die Spannung des Wettbewerbs, um den Fußball als attraktive Unterhaltungsmöglichkeit zu bewahren.

Marco Bode geht es um den Fußball als Kultur. Seine Worte unten sind vorbildhaft.

Das gesamte Interview gibt es online nur mit Abo. Zusammenfassend mit einem Klick.

Als Gedenken – Manu Chao

Ein Leben, gepackt in einen Songtext. Das ist Kunst. Einen Fußballkünstler angemessen gewürdigt.


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