Archive for the 'Fußball und Kultur' Category

Das Kartellamt und das Selbstbild des deutschen Profifußballs

Es ist zwar schon ein paar Tage her, dass das Interview mit dem Präsidenten des Kartellamts Andreas Mundt in der Süddeutschen Zeitung veröffentlicht wurde, aber diese elegante Spitze von ihm gegen den Profifußball möchte ich euch nicht vorenthalten.

Das Interview wurde geführt, nachdem das Bundeskartellamt veröffentlichte, wie es die 50-plus-1-Regel wettbewerbsrechtlich bewertet. Die Prüfung geschah auf Bitten der DFL hin. Die sportpolitischen Ziele dieser Regel wurden nicht in Frage gestellt. Problematisch seien aber die Ausnahmeregeln für die TSG Hoffenheim, Bayer Leverkusen und den VfL Wolfsburg.

RB Leipzig ist ein Sonderfall, da der Verein formal nicht von der 50-plus-eins-Regel ausgenommen ist. Im Interview warf Andreas Mundt allerdings die Frage auf, ob die sportpolitische Zielsetzung mit der findigen Auslegung des Vereinsrechts bei RB Leipzig zusammen passe. Seiner Meinung nach müsse auch das bei der DFL mitdiskutiert werden.

Schön war es zu lesen, wie beiläufig und elegant er die besondere Rolle, die dem Fußball in der Gesellschaft zugemessen wird, ins Leere laufen ließ. Die DFL hat nun eine Aufgabe. Nicht mehr und nicht weniger. Wenn der Fußball nun mal zum Wirtschaftszweig der Unterhaltungsindustrie geworden ist, gilt es eben auch entsprechende Regeln zu beachten. Der gern genommene Ausweg ist das Verweisen auf die kulturelle und soziale Bedeutung, die entsprechende Sonderbehandlung ermöglichen soll. So geht das seit Gründung der Bundesliga. In diesem Spannungsfeld bewegen auch wir Anhänger uns.

Süddeutsche Zeitung Nr. 146, 29. Juni 2021

Von Heroes, Aziz und Koch – Plauderstimmung am Montag

Kaum denke ich an den MSV, komme ich heute unweigerlich ins Plaudern. Wahrscheinlich bin ich für manchen von euch zu entspannt. Ich habe eine Vermutung, warum es mir so geht, und die lautet: Sonntagsspiele der 3. Liga. Durch den Sieg von Unterhaching gestern gegen die Bayern kann ja nur noch Uerdingen den MSV einholen. Was nicht geschehen wird. Ich glaube das einfach nicht. Jemand müsste mal nachschauen, wie oft die Fußballbinse „rein rechnerisch“ auch ein Ergebnis brachte, das Beweiskraft bewies für eine Mathematik des Hoffens. Der MSV hat zwar gegen Magdeburg verloren, aber so einen niedlichen Punkt für den Klassenerhalt wird es in den ausstehenden zwei Spielen schon noch geben.

Mir verhilft das Spiel in Magdeburg aber noch zur Gelegenheit auf das in diesen Räumen schon mal genannte und mit einigen Ehrungen bedachte HEROES-Projekt hinzuweisen. Ihr wisst, ich spreche in gewisser Weise pro Domo, weil ein großer Teil der Heroes-Arbeit im Jugendzentrum Zitrone in Obermarxloh stattfindet. Vom Fördervein dieses Jugendzentrums Lemonhaus e.V bin ich der Vorsitzende. Bei den HEROES Duisburg machen sich per Schneeballprinzip Jugendliche, junge Männer und inzwischen auch junge Frauen aus sogenannten “Ehrkulturen” mit aufklärerischem Denken vertraut. Die Religion ist dabei nur Teil all dessen, was im Alltag der Teilnehmer wirksam wird.

Ich erzähle davon, weil in Magdeburg Aziz Bouhaddouz vom Magdeburger Alexander Bitroff provoziert wurde. Mir geht es nicht um die Details des Vorgangs und die anschließende Verleumdung durch die lokalen BILD-Journalisten. Dazu hat der MSV eine offizielle Erklärung abgegeben. Aber ich füge hinzu, mein Verständnis für Aziz Bouhaddouz ist deutlich größer als für Alexander Bitroff, wenn ich berücksichtige, dass anscheinend Bitroff kein Interesse an einem versöhnlichen Austausch hatte. Ich erinnere mich, während des Spiels konnte Aziz Bouhaddouz eine entschuldigende Geste nicht annehmen. So wird das schnell unübersichtlich für Außenstehende, wer jetzt wann wie zum dynamischen Geschehen beigetragen hat. Unzweifelhaft aber ist die verleumderische Falschmeldung der BILD. Wenigstens auf das Gift dieses Organs dürfen wir uns verlassen.

Nun denke ich aber auch darüber nach, wie schön es für Azis Bouhaddouz und letztlich für den MSV gewesen wäre, die Wut in seine fußballerische Leistung verwandeln zu können und dem Gegner Bitroff allenfalls im Vorbeigehen beim Trash-Talk was zurück zu geben. Und da kommen die HEROES Duisburg ins Spiel, wo ein anderer Zugang zum Begriff der Ehre und Umgang mit Beleidigungen zur Sprache gebracht wird. Aziz wird sicher auch ohne die HEROES in der Welt zurecht kommen. Er hat seinen eigenen Weg im Sport gefunden, wo Gegner dann manchmal vielleicht leichteres Spiel mit ihm haben, wenn Sie einen Nerv bei ihm treffen. Für die jüngeren Männer aber gilt, es gibt auch andere Wege. Die HEROES Duisburg helfen dabei und befördern damit die Grundlagen einer humanistischen Gesellschaft.

Komisch, dass ich dabei sofort an den DFB-Vizepräsidenten Rainer Koch denken muss. Rache ist nämlich nicht eindeutig ein humanistischer Gedanke. Aber als ich gestern in einem Clip seine Reaktion auf die Frage von Katrin Müller-Hohenstein nach einer E-Mail gesehen habe, stimmten mich seine Nöte und sein offensichtliches Unwohlsein sehr zufrieden. Das schmeckte nach Rache. Zwiespältig. Aber ich hatte seit April/Mai letzten Jahres im Namen des MSV mit ihm noch eine Rechnung offen. Was er und seine Kollegen vom DFB damals über den MSV während der Saisonunterbrechung gesagt hatten, verzerrte die Wahrheit. Sie waren von eigenen Interessen geleitet, die sie zunächst öffentlich nicht aussprachen.

Im folgenden ist das Gespräch in einen längeren Beitrag hineingeschnitten. Das Begleichen meiner offenen Rechnung geschieht ab Minute 13.30.

Wenn ein MSV-Fan auch im TV arbeitet

Bei der überregionalen Wahrnehmung hat die eine Pressekonferenz des MSV zu einer zukünftigen TV-Dokumentation der anderen Pressekonferenz am selben Tag, abends nach dem 2:2-Unentschieden im Ligaspiel gegen den FC Bayern München II, wahrscheinlich den Rang abgelaufen. Der Grund: Joachim Llambi, ein MSV-Fans seit Jugendzeit, ist als RTL-Gesicht mit dem Schwerpunkt Tanzsendungen beim Sender gut gelitten. Da lässt sich schon mal ein neues Projekt anschieben, wo doch der Fußball in der letzten Zeit in immer mehr medialen Formen nach Publikum sucht.

Einzelnen Spielern sind Filmportraits gewidmet worden. Die Bayern haben ihren eigenen TV-Kanal. Der BVB verantwortet etwas, was der Verein Dokumentation nennt. Für ein Buch hat Christoph Biermann Union Berlin eine Saison lang begleitet. Und bei Netflix läuft „Sunderland ‚till I die“ mit großer Resonanz. Der Boden ist bereitet. Der Sunderland entsprechende angeschlagene Verein in Deutschland musste für eine Dokumentation nur gefunden werden. Gut, dass Joachim Llambi MSV-Fan ist. Seine Kontakte zum Verein führen also nun zu einer Langzeitdokumentation über den MSV, seine Fans und die Wirklichkeit in Duisburg.

So wurde es auf der PK angekündigt. Das klingt ambitioniert und macht neugierig. Gesendet wird die Doku bei TVNOW, der Streaming-Plattform der RTL-Gruppe. Der MSV hat nun einmal nicht die Manpower, um wie andere Vereine so ein Medienprojekt aus eigener Kraft zu initiieren. Deshalb ist es erst einmal gut, dass ein bekennder Fan sein Netzwerk nutzt, um eine mögliche win-win-Situation herzustellen.

Allerdings halte ich den Anspruch der Macher für eine mutige Ankündigung. Zum einen ist es schwierig, weil aufwändiger, neben der Fußballwelt noch etwas anderes aus der Duisburger Wirklichkeit zu erzählen. Zum anderen ist es ein heikles Unterfangen, aus der komplexen Fußballwelt den Hintergrund im laufenden Tagesgeschäft zu beleuchten. Man darf von einer solchen Doku ja keine vollständige Einsicht in die Wirklichkeit des täglichen Geschäfts erwarten. Das würde jedes seriöse Arbeiten des MSV Duisburg torpedieren. Die Offenheit aller beim MSV gegenüber Kamera und Mikro ist ein Balanceakt, und natürlich müssen Türen verschlossen bleiben. Ich hoffe sehr, dass die Verantwortlichen beim MSV sich der Gefahr von Bildern bewusst sind und dass Joachim Llambi sich in seiner Verantwortung weniger dem Format als dem MSV verpflichtet fühlt. Da gerät im Hinblick auf unkontrollierbare Folgen vermeintlich harmloser Bilder mein eigenes journalistisches Ethos unter Druck.

Das kann natürlich Auswirkungen auf die Qualität haben. Das muss es aber nicht. Es gibt genügend Inhalte, mit denen dennoch Hintergrund und das sonst Unbekannte gezeigt werden kann. Wieviel davon eingefangen wird, hängt aber vom Budget der Dokumentation ab. Zwar ist Joachim Llambi MSV-Fan, doch die Produktion insgesamt ist ja nicht von allen Mitarbeitern ein Herzensprojekt. Der Aufwand wird also seine Grenzen haben.

Vor einigen Jahren gab es schon einmal einen Versuch mit kurzen Clips beim damaligen DSF den MSV dokumentarisch zu begleiten. Ich habe damals jede Folge von Mitten in Meiderich in diesen Räumen hier besprochen. Es war deutlich bemerkbar, dass der Anspruch zu Beginn ein anderer war als zum Ende dieser Mini-Clips. Zu Beginn gab es den ambitionierten Hintergrundblick. Zum Ende hin wurde es das übliche Abfilmen von Fußballer-Köpfen in irgendwelchen x-beliebigen Zusammenhängen, die Authentizität suggerieren sollten, begleitet von belanglosen Interview als Beleg für den wahren Menschen im Profi-Fußballer. Diese veränderte Ausrichtung lag vermutlich an der Finanzierung. Letzteres geht schnell und verlangt wenig Arbeit beim Schnitt. Ersteres braucht sehr viel mehr Material und entsprechende Mehrarbeit bei der Fertigstellung.

Ich bin jedenfalls gespannt auf die Qualität der Dokumentation. Die Latte ist hoch gelegt mit dem Verweis auf die Sunderland-Serie. Aber Netflix wird wahrscheinlich deutlich mehr Geld in die Hand genommen haben als es TVNOW nun macht. Schaun wir mal. Unabhängig von der tatsächlichen Qualität könnte sich die Dokumentation aber für den MSV lohnen wegen der zusätzlichen öffentlichen Aufmerksamkeit.




Die Superleague, MSV-Gemeinsinn und die Causa Flick

Momentan bekommen wir in unseren unterschiedlichen Rollen im und um den MSV Duisburg den Spagat einigermaßen hin zwischen den idealistischen Vorstellungen von Unterstützung und Mitbestimmung in einem Verein sowie der unternehmerischen Arbeit für wirtschaftliche Solidität und sportlichen Erfolg. Um im Bild zu bleiben: Eine Gruppe von MSV-Anhägern versucht sich seit jüngstem an einer Turmkonstruktion von Anhängern im Spagat. Sie haben mit den Zebra-Genossen eine Genossenschaft gegründet und sich damit in eine lange Tradition von wirtschaftlichen Solidargemeinschaften gestellt, die in der Arbeiterbewegung ihre Wurzeln hat.

In Genossenschaften ist ökonomisches Handeln gebunden an Ziele, die vom Gemeinsinn getragen werden. Ihr könnt euch vorstellen, dass mir diese Genossenschaftsgründung sehr gefällt. Was nichts damit zu tun hat, dass Gründungsmitglieder der Genossenschaft Bekannte von mir sind und wir zum Teil denselben Fanclubs angehören.

Das schreibe ich nur der Transparenz wegen. Das Ringen um Erkenntnis in dieser Gesellschaft braucht mehr Wissen über die sozialen Verbindungen derjenigen, die sich über ein Thema äußern. Es geht dabei nicht ums Skandalisieren sondern um Einordnen. Das ist idealistisch gedacht, ich weiß. Aber wenn ich mich schon mal für dieses Bewusstsein einsetzen kann, dann mache ich das nun mal. Demnächst also in diesen Räumen etwas mehr Hintergrund zu der Genossenschaft. Ich denke an ein Gespräch mit einem der Vordenker der Genossenschaft.

Das ist der Fußball in Duisburg. Der Fußball in Europa erlebt gerade den sich doll drehenden Turbokapitalismus. Zwölf Vereine aus England, Spanien und Italiene haben die Katze aus dem Sack gelassen. Seit langer Zeit ist die Superleague im Gespräch, der feuchte Traum von Geldanlegern im Fußballgeschäft. Verlustrobust im Niederlagenfall durch ewige Zugehörigkeit. Natürlich ist so eine Entwicklung konsequent in diesen Corona-Tagen. Die leeren Stadien haben gezeigt, Fußball funktioniert auch ohne Anhänger. Nun ist sogar niemand präsent, der den Plänen laut in die Quere kommen kann. Die Gründung ist auch die konsequente Fortschreibung der ökonomischen Leitgedanken der letzten 20 Jahre. The winner takes it eben all.

Dass deutsche Vereine nicht dabei sind, zeigt für mich einerseits, dass handelnde Protagonisten bei Bayern München und auch Borussia Dortmund sich trotz gegenteiligem Eindruck im deutschen Binnenmarkt mit der deutschen Wirtschaftskultur des Ausgleichs identifizieren. Andererseits ist die kulturelle Kraft des Vereinsgedanken und der Mitbestimmung in Deutschland offensichtlich sehr viel mächtiger als in den anderen europäischen großen Fußballnationen. Was dann wiederum einigen Druck auf Fußballunternehmen und deren leitende Mitarbeiter ausübt. Ob das so bleiibt, ist mir völlig egal. Letzte Woche im Podcast habe ich noch gesagt, sollen sie ihre Superleague doch gründen. Damit meinte ich auch die Bayern und den BVB. Mein Fußball wird dadurch nicht schlechter. Mein Fußball wird dadurch nicht gefährdet. Mich interessiert dieser Fußball nicht mehr. So eine Superleague wird wie jeder schlechte Hollywoodfilm sein weltweites Publikum finden. Kulturelle Kraft hat so ein Fußball nicht mehr. Besorgnis erregend finde ich das nicht.

Dass im deutschen Fußball trotz momentaner Abwesenheit in der Superleague bei den Großvereinen auch Gepflogenheiten von Großunternehmen herrschen, versteht sich von selbst. Schmunzelnd lese ich, dass der FC Bayern Hansi Flicks Stellungnahme am Samstag missbilligt. Als versierter Offensivtaktiker hatte er verkündet, er beende seine Arbeit bei den Bayern am Saisonende. So eine Geschichte steht normalerweise auf den Wirtschaftseiten, wenn über Machtkämpfe in Großunternehmen berichtet wird.

In Deutschland redet die Fußballbranche aber seit Wochen über die Bayern so, als ginge es dort um Meinungsverschiedenheiten über Kaderstärken, die zu persönlichen Animositäten wurden. Dabei zeigt sich in diesem Konflikt einmal mehr nur der immerselbe Widerspruch. Ein Unternehmen handelt nach unternehmerischen Prinzipien. Im Geschäftsfeld Sport zählt zwar Erfolg, aber in Deutschland nun auch die Sportkultur. In dem Fall vertritt Hasan Salihamidzic das Unternehmen FC Bayern München gegenüber dem leitenden Mitarbeiter Hansi Flick. Das Unternehmen sieht nun unternehmerische Prinzipien verletzt, muss aber klein beigeben. In dem Fall ist nicht das Unternehmen FC Bayern bedeutender als Hansi Flick. Denn dessen Erfolge sind in der öffentlichen Wahrnehmung Vereinserfolge. Sie machen ihn unabhängig vom Unternehmen. Selbst beim FC Bayern wirkt noch immer die kulturelle Kraft von Vereinen, auch wenn die nur im Konflikt bemerkbar wurde.

Fußballlyrik – Melancholische Hymne auf gedrehte Spiele

Melancholische Hymne auf gedrehte Spiele

Gedrehte Spiele sind die besten.
Ein Stehplatzspruch vom Stehplatzfreund.
So oft gehört in all den Jahren,
manchmal gefolgt von der Enttäuschung.
Doch wahr bleibt wahr. Das 6 zu 3.
Die Bayern, siebensiebzig,
den Rückstand gab es gleich zweimal.
Als Ennatz Tor um Tor erzielte
und Rummenigge kalt düppierte.

Gedrehte Spiele sind die besten.
Burghausen, Mai, Zweitausendfünf.
Der Druck zu groß? Zwei Tore hinten.
Der Aufstieg schien schon abgehakt.
Doch als Ahanfouf anfing vorn
zu wirbeln, machten alle mit.
Zwei Tore von ihm, eins mit Macht
erzwungen. Ausgleich. Siegtor Kurth.
Das 4 zu 3 zerstörte Zweifel.

Gedrehte Spiele sind die besten.
Sie lassen uns den Tod erleben,
gefolgt von Wiederauferstehung
und sehr paradiesischen Gefühlen.
Wir brauchen nicht ein Leben lang
nur glauben und zu hoffen, bis erst
gestorben die Erfahrung folgt.
Vielleicht, eventuell. Man weiß es nicht.
Und wer es weiß, ist richtig tot.

Da lob ich mir gedrehte Spiele.
Mit ihnen lebt sich’s deutlich länger.
Auch zwanzigeinundzwanzig noch.
Das 3:2, Türkgüncü München,
im März. So wichtig für das Ziel,
die Abstiegszone zu verlassen. 
Zwei Tore waren aufzuholen.
Das Siegtor fällt dann kurz vor Schluss
nach erstem Ballkontakt Ademis.

Die Stille aber auf den Rängen
statt Feier der Unsterblichkeit.
Corona offenbart uns Leere.
Vereinzelt jubeln führt nicht weit.
Erinnert das sogleich ans Hoffen
auf weltliche Unsterblichkeit,
wenn eine Menge Körper wird.
Gedrehte Spiele sind die besten.
Zum weiteren erst bei Gelegenheit.








Catenaccio und Riegel-Rudi – Der Link zum Online-Vortrag

Manchmal haben meine Vorträge oder Texte besondere Anlässe. Für diesen Vortrag am 8. März war es das Motto der 42. Duisburger Akzente. Dem Programm gaben in diesem Jahr „Mauern“ die inhaltliche Orientierung. Da ließ sich in Verbindung mit dem Fußball etwas draus machen.

Nun wurden die Duisburger Akzente zwar abgesagt, mein Online-Vortrag anlässlich der Akzente an der VHS Duisburg aber nicht. Am Montag, ab 20 Uhr  gibt es was über Mauerfußball und dessen sozialen sowie kulturellen Hintergründe zu hören. Ich spreche ’ne Stunde etwa, Schwerpunkte sind Catenaccio, Rudi Gutendorf mit dem Meidericher SV in der ersten Bundesligasaison und der Ruhrgebietsfußball, danach Fragen, Gespräch, mal schauen.

Kost‘ nix, ist bekömmlich und hält länger vor.

Wenn ihr weiterklickt, kommt ihr zum unaufwändigen Anmeldungsraum. Das ist online dann anders als bei Präsenz. Wenn ihr da vier Tage vorher aufkreuzt, wäre niemand da. Jetzt aber kriegt er einen Zugangslink geschickt, den ihr am Montag dann nur noch anklicken müsst. Schon seid ihr im virtuellen Vortragsraum.

 
Der Ankündigungstext sieht übrigens so aus:

Und vorne hilft der liebe Gott

Wenn beim Fußball von einer mauernden Mannschaft gesprochen wird, geht es weniger um die Einordnung von taktischen Mitteln als um das Urteil über eine Spielweise. Oft missfällt es Zuschauern, wenn eine Mannschaft sich zu sehr zurückzieht. Doch kein Team mauert von Anpfiff an. Beginnen damit denn nur die Schwachen gegen Starke? Was hat die Spielweise mit Selbstbewusstsein sowie mit lokalen und nationalen Identitäten zu tun? Der Autor Ralf Koss begibt sich für seinen Vortrag auf die Spurensuche in Literatur, Fußball- und Kulturgeschichte. Er berichtet von ermauerten Siegen und dem Anrennen gegen Bollwerke. Er findet Deutungen und Werturteile. Welche Geschichten über das Mauern aber wirken auf uns alle, selbst wenn wir uns nicht für Fußball interessieren

Und vorne hilft der liebe Gott – Online-Vortrag
Montag, den 8. März 2021
VHS Duisburg
Gebühr: Kostenlos

Enthält Spuren von MSV-Fans

Jüngst tauchten im Stadtbild Duisburgs viele neue Bekenntnisse zum MSV auf durch Plakate, Banner und Aufkleber. Letztere schätze ich übrigens nur bedingt. Das gehört zu meinem Vorrecht eines älter gewordenen Anhängers dieses Vereins. Erinnern mich Aufkleber im öffentlichen Raum doch immer auch daran, wie an mancher Stelle dieser Stadt der Konflikt zwischen dem ungestörten Anblick eines geschlossenen, womöglich gar kunstvoll gedachten Ensembles und dem Ausdruck von Vereinsliebe zum Nachteil des MSV gereicht. Die dann nur schwer zu beseitigende Spuren von MSV-Zuneigung ärgern mich doch mehr, als dass sie mich freuen.

Das aber nur am Rande. Denn schon bevor diese konzertierte Aktion sichtbar wurde, hatte sich die Künstlerin Stacey Blatt aufgemacht, um Spuren des MSV im Stadtbild zu finden. Stacey Blatt kommt gebürtig aus Los Angeles und lebt seit dem Jahr 2000 in Duisburg. Schon bald begeisterte sie sich für die besondere Atmosphäre im Stadion und den MSV Duisburg. Sie gründete den MSV-Hermann-Kurz-Gedächtnis Fanclub, der nicht nur die MSV-Fans unter den Duisburger Künstlern sammeln sollte, sondern auch besagten Hermann Kurz ehren.  Auch der 2006 verstorbene Duisburger Künstler war MSV-Fan.

Ihre Spurensuche war eine Art Therapie gegen die entstandene Melancholie, kein Spiel des MSV im Stadion sehen zu können. Aus ihren Funden schnitt sie einen kurze Clip zusammen mit ganz unterschiedlichen Bekenntnissen zum MSV. Die knapp 13 Minuten wirken geradezu meditativ auf mich. Allerdings bin ich ich mir im nachhinein nun nicht sicher, ob all diese Bekenntnisse meine Melancholie nicht vergrößern. Vielleicht schafft Abhilfe nur die kreative Arbeit selbst, getreu bekannter Erklärungen der Psychologie zu Kreativität und Kunstproduktion.

In eigener Sache: Mauerfußball und Kultur – Ein Online-Votrag

Manchmal haben meine Vorträge oder Texte besondere Anlässe. Für diesen Vortrag am 8. März war es das Motto der 42. Duisburger Akzente. Dem Programm gaben in diesem Jahr „Mauern“ die inhaltliche Orientierung. Da ließ sich in Verbindung mit dem Fußball etwas draus machen.

Nun wurden die Akzente zwar abgesagt, der Vortrag aber nicht. Im Rahmen der Montagsvorträge der VHS Duisburg werde ich also am 8. März über das Mauern im Fußball erzählen. Uhrzeit entweder 19 oder 20 Uhr, das steht noch nicht fest.

Die Freistoßmauer habe ich beim Vortrag außen vorgelassen. Sie bietet wenig Erzählenswertes über den Fußball hinaus. Das ist beim „mauern“ anders. Darin stecken Urteile, Hoffnungen und Ziele, die viel darüber verraten in welcher Welt das Fußballspiel gerade stattfindet, in dem gemauert wird.

 

Und vorne hilft der liebe Gott

Wenn beim Fußball von einer mauernden Mannschaft gesprochen wird, geht es weniger um die Einordnung von taktischen Mitteln als um das Urteil über eine Spielweise. Oft missfällt es Zuschauern, wenn eine Mannschaft sich zu sehr zurückzieht. Doch kein Team mauert von Anpfiff an. Beginnen damit denn nur die Schwachen gegen Starke? Was hat die Spielweise mit Selbstbewusstsein sowie mit lokalen und nationalen Identitäten zu tun? Der Autor Ralf Koss begibt sich für seinen Vortrag auf die Spurensuche in Literatur, Fußball- und Kulturgeschichte. Er berichtet von ermauerten Siegen und dem Anrennen gegen Bollwerke. Er findet Deutungen und Werturteile. Welche Geschichten über das Mauern aber wirken auf uns alle, selbst wenn wir uns nicht für Fußball interessieren?

Unter dem folgend Link könnt ihr euch schon anmelden. Dann wird euch der Zugangslink zum Vortrag demnächst zugesendet. Für Kurzentschlossene werde ich vor dem 8. März den Link aber auch hier noch teilen.

Und vorne hilft der liebe Gott – Online-Vortrag
Montag, den 8. März 2021
VHS Duisburg
Gebühr: Kostenlos

Der Zebratwist auf Platz 9 beim Grand Prix de la Vereinslieder Song Contest

Dem Oppa MSV geht es seit Samstag leicht besser. Auf der Intensivstation liegt er immer noch, aber er ist ansprechbar und hat uns auch schon wieder mal zugelächelt. Wir werden heute sehen, ob sein Zustand stabil ist. Natürlich hoffen wir, er kommt zu weiteren Kräften.

Bis zum Anpfiff in München muss ich mit meiner leisen Enttäuschung klar kommen. Hinterrücks war ich in Sachen Zebratwist beim Grand Prix de la Vereinslieder Song Contest doch ehrgeizig geworden. Ich hatte tatsächlich auf einen der ersten drei Plätze gehofft. Nun ist es Platz 9 geworden. Was mich nachdenklich macht, auch die Redaktion vom Millernton.de hatte den Song als einen der Favoriten gesehen.

Mein magisches Denken mit dem Zebratwist hatte beim Sieg des MSV gegen Wiesbaden zwar Wirkung in Sachen Sport gezeigt, bei der Abstimmung im November für den Zebratwist war ich von solchem Ausschöpfen letzter Mittel zur Leistungssteigerung aber sehr weit entfernt. Mir kommt es heute so vor, als sei die Platzierung des Liedes ein Sinnbild für die momentane Situation beim MSV im Speziellen und für Erfolg im Allgemeinen.

Denn auch bei diesem Grand Prix de la Vereinslieder, bei diesem Spaßwettbewerb ging es um Zusammenhalt und die Konzentration auf das Ziel. Diese Konzentration war mir selbst im Zuge der Entlassung von Torsten Lieberknecht abhanden gekommen. Im Halbfinale noch habe ich während der letzten Abstimmungstage täglich in den sozialen Medien an das Abgeben der Stimme erinnert. Das konnte ich jetzt im Finale nicht mehr. Es war mühsam, an den MSV zu denken, und das strahlte auf mein Engagement für den Zebratwist ab. Der Zusammenhalt und die Konzentration musste erst wieder entstehen. Dass das gelang, zeigte mein „magisches Denken“ mit dem Zebratwist. Für den Erfolg des Vereinslieds kam das zu spät.

Doch entscheidend ist ja auf dem Platz. Der Sport ist das Wesentliche, und das geht hoffentlich weiter in die richtige Richtung auch ohne die letztlich hilflosen Versuche von uns Fans, Spielglück zu erzwingen.

Wer die Punktevergabe für den Zebratwist beim Grand Prix de la Vereinslieder Contest anschauen will, einmal klicken.  Thees Uhlmann kommentiert mit Hochachtung die Mühe und den Aufwand bei der Produktion des Liedes.  Außerdem komme ich auf Platz 9 für den Zebratwist, ein Verein pro Tag seit dem 1. Dezember.

  • Platz 9: MSV Duisburg
  • Platz 10: Saarbrücken
  • Platz 11: SV Darmstadt 98
  • Platz 12: 1.FC Köln
  • Platz 13: Eintracht Frankfurt
  • Platz 14: HSV
  • Platz 15: Holstein Kiel
  • Platz 16: SV Sandhausen
  • Platz 17: SV Werder Bremen
  • Platz 18: Hansa Rostock
  • Platz 19: SC Freiburg
  • Platz 20: Borussia Mönchengladbach
  • Platz 21: FC Schalke 04
  • Platz 22: Arminia Bielefeld
  • Platz 23: Fortuna Düsseldorf
  • Platz 24: Hannover 96

Magisches Denken mit dem vorbildhaften Zebratwist

Der Oppa MSV liegt weiter auf der Intensivstation. Noch immer wissen wir nicht, ob die behandelnden Ärzte gut genug sind, um den Patienten vor dem Abstieg zu retten. In solcher Unsicherheit erinnere auch ich mich ans magische Denken, weniger weil ich der Wirkung vertraue als um den Tag gelassener zu verbringen.

Magisches Denken lindert Gefühle der Ohnmacht, und in Sachen MSV ist so ein Denken auch völlig harmlos. Jeder sollte heutzutage so einen MSV in seinem Leben hegen und pflegen als eine Art Blitzableiter in Sachen Corona-Ohnmacht. Denn auch im täglichen Umgang mit der Pandemie gibt es ja nicht wenige Menschen, die hoffen, durch magisches Denken der Ansteckung zu entgehen. Sie bannen die Gefahr, indem sie sie bei den Fremden suchen. So ein Denken wirkt selbstermächtigend. Man bekommt das Gefühl, Lösungen für die nur schwer zu begreifenden Probleme des Lebens zu finden. In abstrakten Wahrscheinlichkeiten zu denken fällt schwer.

Wenn der gegnerischen Mannschaft im Spiel nur ein Schuss auf das Tor gelingt, muss viel zusammenkommen, damit dieser Schuss auch am Torwart vorbei geht. Je öfter auf das Tor geschossen wird, desto wahrscheinlicher wird ein Torerfolg. Die Niederlage als Ergebnis geht aber nicht nur den Torwart an. Auch der Stürmer ist betroffen. Also, strengen sich zuvor alle gemeinsam an, um die Wahrscheinichkeit geringer zu machen. Oft rennen Spieler dann vergeblich und erleben keinen persönlichen Erfolg. So kommt es einem bei der Kontaktreduzierung ja auch oft vor. Man nimmt etwas auf sich, ohne genau zu wissen, welchen möglichen Infekt man dadurch verhindert hat. Zumal manche Kontakte sich durch widersprüchliche Regeln dann doch ergeben. Eine Logik ist nicht erkennbar, und dennoch hat jeder vermiedene Kontakt einen Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit.

Zurück zum MSV,  für den der Zebratwist sich vorbildhaft beim Grand Prix de la Vereinslieder Contest schlägt. Dass er im Finale mit dabei ist und insofern zur Ersten Liga der deutschen Vereinslieder gehört, werdet ihr schon mitbekommen haben. Inzwischen aber hat er mit dem Abstieg nichts mehr zu tun. 11 Türchen des Adventskalenders sind geöffnet. Heute sind wir schon bei Platz 14 im gesicherten Mittelfeld und der MSV war immer noch nicht dabei. Die Tabelle sieht bislang so aus.

  • Platz 14: HSV
  • Platz 15: Holstein Kiel
  • Platz 16: SV Sandhausen
  • Platz 17: SV Werder Bremen
  • Platz 18: Hansa Rostock
  • Platz 19: SC Freiburg
  • Platz 20: Borussia Mönchengladbach
  • Platz 21: FC Schalke 04
  • Platz 22: Arminia Bielefeld
  • Platz 23: Fortuna Düsseldorf
  • Platz 24: Hannover 96

Thees Uhlmann kommentiert übrigens jeden Song. Wenn wir nun uns vorstellen, wieviel Energie in die Abstimmung für den Zebratwist geflossen sein muss, so werden die Spieler vom MSV davon doch irgendetwas aufnehmen können in sämtlichen noch kommenden Spielen, ganz davon zu schweigen, dass schon das Ansehen von guten Platzierungen in der Tabelle eine selbst erfüllende Wirkung haben kann. Am besten sofort vor dem Spiel gegen Wiesbaden wirken lassen.


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