Archive for the 'Fußball und Kultur' Category

MSV beim Platzhirsch-Festival – Dein tollstes Fußballerlebnis und andere junge Texte auf der Bühne

Von Jugendzentrum Zitrone aus engagiere ich mich seit einigen Jahren für das literarische Schreiben von Kindern und Jugendlichen. Dort improvisiere ich dauerhaft eine Art Literaturbüro für den schreibenden Nachwuchs. Letzte Woche habe ich in Kooperation mit der Stadtbücherei Hamborn zum elften Mal die Offene Lesebühne durchgeführt. Auch in diesem Jahr wird die Lesebühne am ersten Septemberwochenende beim Platzhirsch-Festival am Dellplatz ein stadtweites Angebot sein.

Dieses Festival der freien Kulturszene macht das Erleben von Musik, Literatur und Kunst zu einer gemeinsamen fröhlichen Feier in Duisburg. Es bereichert das städtische Leben, und ich freue mich sehr, dass der MSV wieder bei dieser Feier dabei ist. Denn für diese Lesebühne beim Platzhirsch-Festival wird eine Gruppe der Teilnehmer durch einen Schreibwettbewerb ausgesucht, den der MSV mit auslobt. MSV-Profi Thomas Blomeyer, der Kindertheatermacher Tom Teuer und Kollege Koss werden die besten Texte aussuchen.

Erzählt von einem besonderen Stadionbesuch. Schreibt über den Fußball, den ihr spielt. Schreibt Siegeslieder oder Geschichten, wie ihr Niederlagen weggesteckt habt! Erzählt von besonderen Momenten mit eurem Team, ob als Fußballer oder als Zuschauer in der schauinsland-reisen-arena. Oder ihr lasst eure Fantasie spielen und erfindet die tollsten Geschichten rund um den Fußball.

Ihr könnt Aufsätze schreiben und kurze Geschichten. Oder ihr verfasst einen Rap oder Gedichte. Ihr könnt die Texte mit dem Computer schreiben und per E-Mail einschicken. Ihr könnt aber gerne auch handgeschriebene Texte per Post einreichen.

Einsendeschluss ist der 20. August 2017. Schickt eure Text bitte entweder per Post an MSV Duisburg, ZebraBande, Margaretenstraße 5 – 7, 47055 Duisburg oder per E-Mail an Riccarda.Schroeder-Lorenz@msv-duisburg.de.

Den kompletten Ausschreibungstext findet ihr mit einem Klick – auf der Seite des MSV Duisburg.

Unabhängig von dem Wettbewerb können sich aber auch Kinder und Jugendliche mit Texten anderer Inhalte für einen Auftritt bewerben. In dem Fall gilt ebenfalls, was gelesen wird, bestimmen die jungen Duisburger selbst. Das können sowohl Rap als auch Liedtexte sein oder Gedichte. Es kann eine Kurzgeschichte sein oder der Ausschnitt einer längeren Erzählung. Auch hier wählt eine Jury aus den Einsendungen aus. Ich werde die Veranstaltung moderieren und bei Lampenfieber zur Seite stehen. Bis zum 20. August sollten die Texte an  ralf.koss[at]web.de geschickt sein, dann haben die jungen Autoren die Möglichkeit sie am ersten Septemberwochenende auf der Bühne zu präsentieren.

Fußball unser – Ein Saisonabschluss-Gebet

Fußball unser, der du wirst gespielt
auf heiligen Rasen.
Dein Torschuss komme,
dein Wettkampf geschehe.
Wie in Arenen
so auf Bezirkssportanlagen.
Unser sehenswertes Spiel gib uns heute
und beschenke uns mit großem Sport.
Und zeige dich nicht nur als Arbeit,
sondern erlöse uns vom Alltag.
Denn nach dem Anpfiff
ist allen alles möglich.
Stets neu
und immer wieder.

Mit elf

Geht in die Sommerpause in Frieden, murmeln gerade sämtliche alten Pfarrer meiner Kindheit mir zur Erlösung der Sonntagsmessen-Langeweile. Was diese Langeweile angeht, nicht dass ihr denkt, in der Sommerpause sind hier Betriebsferien. Zu schreiben gibt´s immer was.  In dem Sinne, wahrscheinlich bis morgen.

Gestern war der Fußball König

Jeder Fußballnachmittag im Stadion hat seine Liturgie. Der DFB als Kirche des Fußballizismus wirkt dabei als ordnende Instanz. Als ich gestern an die Lesung bei Tausendundein Buch gedacht habe, gefiel mir die Vorstellung für solch eine Lesung mit Fußball-Texten eine Liturgie zu begründen. Wenn schon der Stadionbesuch Messfeiern gleicht, müsste doch auch einer Lesung dieser Geist innewohnen. Lobpreisende Worte, ritualhafte Gesänge, und schon sind wir auf dem Weg zu einer freien Kirche des Fußballizismus.

Nach dem Anpfiff alles möglich – Infos zum Programm mit einem Klick
Ort: Tausendein Buch, Oststraße 125, Duisburg-Neudorf
Zeit: 19. Mai, 19.02 Uhr

So eine Liturgie kann sich dann durchsetzen, wenn sie sich auf eine Tradition berufen kann. Mir kam dabei der Gesang der deutschen Nationalmannschaft vor der Fußballweltmeisterschaft 1974 in den Sinn. „Fußball ist unser Leben. König Fußball regiert die Welt“.  Das haben die Nationalspieler damals – ja, was? – gesungen kann man das nicht wirklich nennen.

 

Kurze Nebenbemerkung in Klammer. Unter anderem war Klaus Wunder bei der Aufnahme ein Jahr vor der Weltmeisterschaft dabei. Damals hatte er noch Chancen auf die WM-Teilnahme.

 

Wie fremd sich das heute anhört: König Fußball. Was die Bedeutung dieses Sports für die Gesellschaft angeht, war diese Metapher zwar visionär. Allerdings wirkt der bildhafte Rückgriff auf Ständeordnung und Aristokratie tatsächlich so, als ob unsere Großeltern von ihrer Jugend erzählen. Den Fußball der Gegenwart beschreiben andere Bilder der Bedeutung. Was einer Liturgie übrigens nicht schadet. Da kann es schon eine gehörige Portion Großelternsprache sein.

Fundstück: Paul Auster über Sport und Verlieren

Neulich habe ich den Briefwechsel von Paul Auster und John M. Coetzee gelesen, zwei internationale Stars der Literatur, um mal in der spartenübergreifenden Schlgzeilensprache der Unterhaltungsbranchen zu bleiben. Auster schreibt als US-Amerikaner mit starken Wurzeln in der europäischen Literaturtradition, und Coetze ist Nobelpreisträger aus Südafrika. Die Nähe zu englischer Kultur liegt auf der Hand. Ihre Briefe wirken auf mich wie eine nette Plauderei. Manchmal tauchen Gedanken auf, die zu vertiefen sich lohnen. Das geschieht ohne große Systematik. Sie beschreiben Phänomene und versuchen sich und die Welt zu verstehen und zu ordnen. Plaudernd ergeben sich viele Worte in der Zeit zwischen Juli 2008 und August 2011.

Beide Schriftsteller interessieren sich sehr für Sport, sowohl aktiv als auch vor dem Fernsehen. Dadurch kommen sie auch auf ihre Sportleidenschaft zu sprechen. Paul Auster macht sich anlässlich der Fußball-WM 2010 ein paar Gedanken über die Bedeutung von Sport im Allgemeinen und Verlieren im Besonderen.

Im Sport gibt es Gewinner und Verlierer; was keiner gern sagen will (ist es zu offensichtlich?): Es gibt viel mehr Verlierer als Sieger. […] Sport lehrt uns mehr über das Verlieren als über das Siegen, weil einfach so viele von uns nicht gewinnen. Vor allem aber lehrt er, dass es okay ist zu verlieren. Verlieren ist nicht das Schlimmste auf der Welt, weil im Sport, anders als im Krieg, dem Verlierer nicht vom Sieger die Kehle durchgeschnitten wird.

Man denke an den außerordentlich interessanten Moment im Leben eines kleinen Jungen, wenn er vom Sport als Spiel, bei dem ihn die Erwachesen oder älteren Jungen die ganze Zeit haben gewinnen lassen und ihm ganz allgemein das Gefühl verschaffen, dass er ein kleiner König ist, zum Echten übergeht, bei dem man, wenn man den Ball nicht trifft, ausscheidet […] Das versetzt der Psyche des Jungen einen Schock. Er möchte heulen, einen Wutanfall haben […] Er möchte die Realität seinem Ego unterwerfen. Aber damit erreicht er nichts. „Stell dich nicht so an, Kleiner!“ Aber auch: „Stell dich nicht so an, Kleiner – du bekommst eine neue Chance.“

Weil das die große Lehre des Sports ist. Man verliert die ganze Zeit, aber solange du im Spiel bleibst, gibt es immer ein Morgen, wieder eine Chance, sich hervorzutun.

Paul Auster, J.M. Coetzee: Von hier nach da. Briefe 2008 – 2011, Fischer Verlag 2014, S. 191f

Das können wir jetzt natürlich weiterdenken. Paul Auster spricht von der Erfahrung, selbst Sport zu treiben, ist aber angeregt worden durch sein so großes Interesse am professionellen Sport. Da scheinen die Widersprüche am Horizont auf. „Solange du im Spiel bleibst“. Darum geht´s.

Der MSV etwa bleibt zwar im Spiel, aber wir brauchen nicht weiter darüber zu reden, wie groß die „neue Chance“ tatsächlich ist, nicht nur für den MSV sondern für die meisten Vereine in dieser Unterhaltungsbranche Fußball. Wir glauben trotzdem an diese neue Chance. Wir haben schließlich dasselbe gelernt wie Paul Auster. Wir glauben trotzdem daran, dass der MSV nach einem Aufstieg mit einem Mini-Etat den Klassenerhalt in der 2. Liga schaffen wird.

Wenn ich allerdings an mein immer weniger vorhandenes Interess an Bundesliga, Champion League denke, so merke ich, der Widerspruch bohrt untergründig etwas in mir an, was der Unterhaltungsbranche Fußball die Grundlage seiner Existenz entzieht. Da bewegt sich was. Ich weiß noch nicht, wohin.

In eigener Sache: Lesung am 19. Mai bei 1001 Buch in Neudorf

Am übernächsten Freitag gebe ich abends das Vorprogramm zur Aufstiegskür des MSV gegen Zwickau bei der Neudorfer Buchhandlung 1001 Buch in der Oststraße. Ich freue mich sehr auf den Abend in der wunderbaren Atmosphäre bei Petra Lohrberg und Kolleginnen. 5 Euro Eintritt kostet das Ganze. Bier wird´s geben, Snacks, und ich bringe mein Fußball-Programm „Nach dem Anpfiff alles möglich“ zur Premiere. Ich habe ein persönliches Best-of meiner Fußballtexte zusammengestellt. Das sind Kurzgeschichten, Glossen, Lyrik, und Ausschnitte aus dem letzten Buch „Mehr als Fußball“ werden nicht fehlen. Petra Lohrberg hat den Anpfiff auf 19.00 Uhr festgelegt. Ich werde mir die Freiheit nehmen, erst um 19.02 Uhr zu beginnen. Eins sei euch gesagt: Von dann an wird es wie bei einem Fußballspiel: Denn nach dem Anpfiff ist alles möglich.

Verkaufsranking – Mehr als Fußball

Auch wenn der Kauf von „Mehr als Fußball“ direkt bei mir oder über das Kontaktformular im Zebrastreifenblog meine Arbeit am meisten unterstützt, ist das Buch natürlich auch in den Duisburger Buchhandlungen und beim Online-Oligarchen der Branche erhältlich. Für die Umsatzprovision hat mir Amazon gestern eine kleine Nettigkeit mit dem Bestseller-Ranking gegönnt. Zufrieden konnte ich mir ansehen, dass „Mehr als Fußball“ für einige Zeit unter den 80 best verkauften Fußballbüchern von Amazon gelistet war. Heute dann wieder nicht mehr. Im Aktienhandel heißt so etwas wohl volatil. Auf meiner internen Bestsellerliste vom Zebrastreifenblog ist davon übrigens nichts zu spüren. Dort besetzt „Mehr als Fußball“ seit Wochen unangefochten den ersten von zwei Plätzen.

Auch manche MSV-Fans nehmen ohne zu bezahlen

Gibt es einen geeigneteren Tag als den Karfreitag, um mal etwas Grundsätzliches zu aufrichtigem Handeln loszuwerden? Mit seinem Tod durch die Kreuzigung nahm Jesus die Sünden aller Menschen auf sich. Wenn ich darauf mit meinem Anliegen Bezug nehme, fühlt sich das für mich nach Blasphemie an – obwohl  das Behalten unbezahlter Ware nicht nur ein Rechtsbruch ist, sondern sicher auch im christlichen Glauben eine Sünde. Jesus nimmt die Schuld aller Menschen auf sich. Erst durch seinen Tod ist Sündenvergebung und ewiges Leben möglich. Das ist verkürzt, und gegenüber Schuld der ganzen Menschheit sind vier nicht bezahlte Bücher ein Fliegendreck. Dennoch geht es um die Schuld dieser drei Menschen, die bei mir im Dezember „Mehr als Fußball“ bestellt haben und die Bücher trotz mehrmaliger Erinnerung nicht zahlten.

Es geht nicht um viel Geld, insgesamt sind es vier Bücher gewesen. Es gibt natürlich ein festgelegtes Mahnverfahren mit entsprechenden rechtlichen Schritten. Bei meinem sehr improvisierten Ein-Mann-Buchhandelsunternehmen habe ich vielleicht irgendeinen Verfahrensfehler gemacht. Ich weiß das nicht so genau. Das ist aber hier auch nicht wichtig, mir geht es gar nicht um dieses Geld. Mir geht es um die Ignoranz dieser drei Männer. Denn das berührt eine Einsicht, die über meine persönliche Erfahrung hinausgeht. Das ist eine Einsicht, die ich weitergeben möchte, weil ich immer noch davon ausgehe, es muss Gründe für dieses Nichtbezahlen geben, die andere sind als bewusster Diebstahl.

Ich habe auch schon für Zeitungen und Verlage geschrieben, ohne mein Honorar zu erhalten. Die Unternehmen waren pleite. Das Verhalten war jeweils dasselbe wie bei meinen drei Bestellern. Der Kontakt wurde abgebrochen. Es wurde sich tot gestellt. Dabei haben mich die Männer bei ihrer Bestellung freundlich und persönlich angesprochen. In Radolfzell wollte jemand mehr zahlen für meine Mühen. Für Geldern sollte es besonders schnell gehen, was ich vor Weihnachten gut verstand und erledigte. In Mündelheim war es eine Doppelbestellung. Alle drei Buchbesteller leben noch. Ich wollte das herausfinden, und ich denke, in Mündelheim werde ich demnächst vorbei fahren.

Euch möchte ich mit dieser kurzen Karfreitagspredigt mit auf den Weg geben, solltet ihr in finanzielle Schwierigkeiten geraten, stellt euch nicht tot. Nehmt Kontakt auf zum Gläubiger. Erklärt, was geschieht. Mein Ärger ohne Antwort zu bleiben ist mindestestens ebenso groß wie der Ärger über den Geldverlust. Wenn ich genau überlege, ist er sogar größer. Für die Bewältigung des einen Ärgers ist der Rechtsstaat zuständig, für den anderen Ärger aber der einzelne Verursacher selbst. Es wäre schön, wenn Jesus bei seiner Schuldbewältigung für die Menschheit etwas abgenommen würde.


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