Archive for the 'Fußball und Kultur' Category

Ein utopischer Gedanke von Almuth Schult

In der ZEIT vom letzten Donnerstag, dem 17. November, gibt es ein Interview mit der Torhüterin Almuth Schult. Da es für die Rubrik „Schule des Lebens“ geführt wurde, geht es um den Fußball vor allem in seiner Funktion als Teil ihrer biografischen Entwicklung. Doch einmal blitzt der Fußball als ökonomisches System in einem utopischen Gedanken auf, der durch ihre Erfahrungen in den USA beim Angel City FC inspiriert ist. Auch auf eine Art eine Gegenbewegung zur Weltmeisterschaft.

DIE ZEIT, Nr. 47, 17. November 2022

Werbung

Ik hou van mensenrechten, maar ich jubel ohnehin nicht mehr

Solange der MSV nicht aufsteigt, hat mich der Fußball oberhalb der 3. Liga verloren. Deshalb stehe ich auch nicht vor der moralischen Entscheidung, ob ich mir die Weltmeisterschaft anschaue oder nicht. Eine solche mögliche Entscheidung gibt es in meiner Wirklichkeit nicht mehr. Sie besäße keinen symbolischen Mehrwert, weil mir der Fußball unabhängig vom MSV abhanden gekommen ist. Ein Fußball wie der der Nationalmannschaft steht als Unterhaltungsangebot neben anderen. Er begegnet mir aus Langeweile und nicht aus Interesse. Ich nehme nichts auf mich, um ihn zu sehen oder nicht zu sehen.

Davon ab fehlt dieser WM durch den unpassenden Zeitraum die für mein Leben nötige Dramaturgie. Es fehlt die Einstimmung durch den Abschluss einer Saison, die zunächst fußballlose Zeit und die allmähliche Zunahme der Bedeutung des Geschehen. All das zusammen macht diese WM für mich belanglos. Dennoch wird es Spiele geben, die ich sehe. Damit werde ich mich in den Widerspruch begeben, in dem die meisten stehen, mit denen ich gesprochen habe. Die Fan-Initiative #boycottqatar beförderte in der Zeit vor der WM die Beschäftigung der deutschen Öffentlichkeit mit der kritikwürdigen Menschenrechtssituation in Katar, einen vollständigen Boykott im Privaten gibt es in meinem Umfeld allerdings nicht.

Dieser Widerspruch für Fußballfans wurde in der niederländischen TV-Show plakshot mit einem Song satirisch zugespitzt. Durch Untertitelung leicht verständlich. Wer es nicht aus alten Holland-Urlauben noch weiß: Ik hou van heißt ich liebe und juichen bedeutet jubeln. Mal schauen, wie das bei mir dann aussehen wird.

Goed gedan und bitte schön, Ton ab:

Bundesliga, ich komm‘ aus dir – Lesung Bissingheim MSV Fußballfibel – 29. September, 19.02 Uhr

Sicher, man kann sich entscheiden, ob man jetzt jeden unbedingt regelmäßig sehen muss. Mancher bricht ja sogar den Kontakt zu den Eltern ab. Aber sie bleiben deine Eltern. Der du bist, bist du auch durch sie. Neben vielem anderen. So ähnlich geht es mir mit dem MSV.

Ralf Koss alias Kees Jaratz: Fußballfibel – MSV Duisburg, Culturcon medien, 2022

Meine kleine Septembertournee mit dem Buch über mein Leben mit den Zebras seit den 70ern bis heute geht am Donnerstag in Bissingheim zu Ende. Momentan machen wir uns den Spaß mit den Zebras eben selbst. Meinen Teil trage ich diese Woche dazu bei mit der Lesung aus der MSV Duisburg Fußballfibel am Donnerstag, den 29. September, 19.02 Uhr, im Zum Hocker, Vor dem Tore 76 , in Bissingheim. Eintritt frei.

Hier der Link zur Veranstaltungsankündigung bei Facebook.

Bundesliga, ich komm‘ aus dir

Was Ralf Koss in der „MSV Duisburg Fußballfibel“ von Fußballspielen, Auswärtsfahrten mit Freunden und verloren geglaubten Spielen erzählt, stößt bei Fans aller Vereine eigene Erinnerungen an. Dabei heißt es, kein Verein in Deutschland verschafft seinen Anhängern mehr Aufregung als der MSV Duisburg. Was ein Datenspezialist mit komplizierter Formel errechnete, weiß der Schriftsteller seit jeher. Die Dauerkarte kennt Ralf Koss noch als Abrissblock während der 1970er Jahre. Damals hielt er die Zebras als Teilnehmer im UEFA-Pokal für unabsteigbar. Er feierte die Erfolge vom Lienen- und Funkel-Fußball der 90er ebenso, wie er später skeptisch auf das Wirken von Walter Hellmich schaute. Nun erzählt er in der „Fußballfibel MSV Duisburg“ die berührende, oft komische und tief emotionale Geschichte seines Lebens mit dem Herzensverein. Seine Erlebnisse und Erinnerungen geben Duisburg und dem Ruhrgebiet Kontur. Ein Fußballbuch, das zum Portrait der Region wird.

Briefe aus Westende – Von Fußball-Wanderarbeitern und erster Trikotwerbung

Geschichten über gescheiterte Karrieren von Jugendfußballern kommen mir inzwischen wie ein Subgenre der Fußballberichterstattung vor. Besonders geeignet dafür sind solche Jugendnationalspieler, die als Senioren etwa in der der Oberliga landen. So ein Werdegang hat die passende Fallhöhe für Geschichten, die einerseits berühren, aber auch nicht allzu sehr beunruhigen. Denn natürlich hören wir von all den Anstrengungen der Jugendleistungszentren, für die jungen Menschen auch den Lebensweg ohne die Bundesligakarriere zu ermöglichen.

So bekommen wir bestätigt, wie hart die Auslese in der Profiwelt ist, während der Spieler selbst mit seinem unerfüllt gebliebenen Traum berührt. Zugleich bleibt der soziale Zusammenhang unangetastet. So ist nun mal die Welt. Nicht jeder kann zu den Allerbesten gehörten. Im versöhnlichen Ende gewinnt der Fußball in der Spielerbiografie seine Kraft zurück, weil bei Ausbildung oder Studium mit der Unterstützung durchs verdiente Geld mit Oberliga-Fußball alles einfacher wird.

Senad Jarovic war zwar kein Nationalspieler, aber bis zur U17 bei Fortuna Düsseldorf. Jetzt ist er 24 und spielt wie nebenan ablesbar bei Sloboda Tuzla in Bosnien-Herzegowina, für ihn als Senior bereits sein neunter Verein. Kürzlich las ich in der ZEIT eine längere Geschichte über ihn von Henning Sußebach (hinter der Paywall).

Senad Jarovics Weg geht nicht in einer so leicht zu deutenden Geschichte auf. Sein Traum, Fußballprofi zu werden, mündete in den Beruf des Fußball-Wanderarbeiters. Zu Zweitliga-Zeiten unter Walter Hellmich gab es solche Spieler auch in Duisburg. Deren Namen erinnere ich nicht mal mehr ohne Hilfe aus dem unerschöpflichen Datenschatz des Netzes. So viele Zufälle spielten bei der Karriere eine Rolle, neben Trainerwechseln auch das Vetrauen in Spielerberater, die statt in Deutschland in Südosteuropa ihre Kontakte besitzen. Er verdient nicht viel Geld in Bosnien-Herzegowina. Dennoch übt er den Beruf aus, den er anstrebte. Das ist ein anderer Weg als einer in Deutschland. Er rückt die ökonomischen Hintergründe des Gegenwartsfußballs mehr in den Blick. Er führt zudem zu der Frage nach dem Sinn und was Zufriedenheit mit dem Leben bedeutet.

Davon ab habe ich kurz besonders aufgemerkt, als ein Datenanalyst in Deutschland nach der Spielstärke Senad Jarovics befragt wurde. Der meinte, er könnte zumindest ein Zweitligaspieler sein. Girth war schon verletzt, und es war absehbar, wie schwer es für den MSV in der Offensive wird. Jarovic ist wohl ein spielender Mittelstürmer, technisch sehr gut, aber weniger Kopfballstark, als es sein Größe erwarten lässt. Der braucht nur das passende Umfeld. Ein Portrait als Bewerbungsunterlage – vielleicht sollte ich Ralf Heskamp den Link zum Artikel schicken.

Und nun zu etwas anderem: einmal mehr gilt, jede Geschichte hat eine Vorgeschichte. Bislang dachte ich,  Trikotwerbung habe Günter Mast zuerst in Deutschlands Fußballwelt ausprobiert, als er das Jägermeister-Emblem bei Eintracht Braunschweig einführte. Doch dort blieb Trikotwerbung nur das erste Mal unangetastet. Schon 1967 hatte es einen Versuch bei Wormatia Worms gegeben, Trikots mit Werbung zu versehen. Deutschlandfunk Nova widmete diesem Geschehen Eine Stunde History – als Podcast bei den üblichen Anbietern oder hier abrufbar in der ARD-Mediathek. Allerdings geht es in der zweiten Hälfte kaum mehr um die Historie, sondern um die Gegenwart. Von Grundlagen des Sponsorings erzählt der unvermeidliche Experte aus der Branche. Viel Substanz kommt nicht dabei herum. Dass Verein und Unternehmen zusammen passen müssen, ist kein nur Experten vorbehaltenes Wissen.

Über Trikotsponsoren und über die Halbjahresengagements von längst vergessenen Profis beim MSV können wir übrigens auch persönlich sprechen. Entweder am kommenden Donnerstag nach der Lesung im Gleis 3 um 20 Uhr in Großenbaum oder eine Woche später, am 29., bei gleichem Anlass in Bissingheim, im „Zum Hocker“. Dort beginne ich um 19.02 Uhr mit meinem Programm zur Fußballfibel MSV Duisburg „Bundesliga, ich komm‘ aus dir“ – Geschichten aus einem Leben mit den Zebras.

Bundesliga, ich komm‘ aus dir – Lesung Großenbaum MSV Fußballfibel – 22. September, 20 Uhr

Sicher, man kann sich entscheiden, ob man jetzt jeden unbedingt regelmäßig sehen muss. Mancher bricht ja sogar den Kontakt zu den Eltern ab. Aber sie bleiben deine Eltern. Der du bist, bist du auch durch sie. Neben vielem anderen. So ähnlich geht es mir mit dem MSV.

Ralf Koss alias Kees Jaratz: Fußballfibel – MSV Duisburg, Culturcon medien, 2022

Fortsetzung der Septembertournee mit dem Buch über mein Leben mit den Zebras seit den 70ern bis heute. Aber wie schnell ist der Spaß mit dem Fußball unseres Herzensvereins nun schon wieder vorbei. Vor der Lesung in Moers am 9. 9. noch sprach ich davon, wie der mir für die Lesung Rückenwind gab. Nun müssen wir für den Spaß zunächst mal wieder alleine sorgen. Meinen Teil trage ich diese Woche dazu bei mit der Lesung aus der MSV Duisburg Fußballfibel am Donnerstag, den 22. September, im Gleis 3, Angermunder Straße 2-4, in Großenbaum. Eintritt 10 Euro.

Hier der Link zur Veranstaltungsankündigung bei Facebook.

Am 29. September geht es in Bissingheim beim Zum Hocker weiter.

Bundesliga, ich komm‘ aus dir

Was Ralf Koss in der „MSV Duisburg Fußballfibel“ von Fußballspielen, Auswärtsfahrten mit Freunden und verloren geglaubten Spielen erzählt, stößt bei Fans aller Vereine eigene Erinnerungen an. Dabei heißt es, kein Verein in Deutschland verschafft seinen Anhängern mehr Aufregung als der MSV Duisburg. Was ein Datenspezialist mit komplizierter Formel errechnete, weiß der Schriftsteller seit jeher. Die Dauerkarte kennt Ralf Koss noch als Abrissblock während der 1970er Jahre. Damals hielt er die Zebras als Teilnehmer im UEFA-Pokal für unabsteigbar. Er feierte die Erfolge vom Lienen- und Funkel-Fußball der 90er ebenso, wie er später skeptisch auf das Wirken von Walter Hellmich schaute. Nun erzählt er in der „Fußballfibel MSV Duisburg“ die berührende, oft komische und tief emotionale Geschichte seines Lebens mit dem Herzensverein. Seine Erlebnisse und Erinnerungen geben Duisburg und dem Ruhrgebiet Kontur. Ein Fußballbuch, das zum Portrait der Region wird.

Eine Veranstaltung im Rahmen des Sonderprogramms Aufgeschlagen! des Landes Nordrhein-Westfalen

Bundesliga, ich komm‘ aus dir – Lesung Moers MSV Fußballfibel – 9. September, 20 Uhr

Sicher, man kann sich entscheiden, ob man jetzt jeden unbedingt regelmäßig sehen muss. Mancher bricht ja sogar den Kontakt zu den Eltern ab. Aber sie bleiben deine Eltern. Der du bist, bist du auch durch sie. Neben vielem anderen. So ähnlich geht es mir mit dem MSV.

Ralf Koss alias Kees Jaratz: Fußballfibel – MSV Duisburg, Culturcon medien, 2022

Was für Zweifel während der Sommerpause bei der Planung der Lesungen für September Wie soll das nur was werden, wenn wir wieder mäßig bis desaströs in die Saison starten? Und nun das! Wieviel Spaß macht dieser MSV wieder. Wieviel Rückenwind durch die Zebras für den ohnehin immer vorhandenen Spaß bei den Lesungen. Am Donnerstag, den 9. September lese ich aus der Fußballfibel – MSV Duisburg im Bollwerk 107, Zm Bollwerk 107, bei freiem Eintritt in Moers.

Hier der Link zur Veranstaltungsankündigung bei Facebook.

Bundesliga, ich komm‘ aus dir

Was Ralf Koss in der „MSV Duisburg Fußballfibel“ von Fußballspielen, Auswärtsfahrten mit Freunden und verloren geglaubten Spielen erzählt, stößt bei Fans aller Vereine eigene Erinnerungen an. Dabei heißt es, kein Verein in Deutschland verschafft seinen Anhängern mehr Aufregung als der MSV Duisburg. Was ein Datenspezialist mit komplizierter Formel errechnete, weiß der Schriftsteller seit jeher. Die Dauerkarte kennt Ralf Koss noch als Abrissblock während der 1970er Jahre. Damals hielt er die Zebras als Teilnehmer im UEFA-Pokal für unabsteigbar. Er feierte die Erfolge vom Lienen- und Funkel-Fußball der 90er ebenso, wie er später skeptisch auf das Wirken von Walter Hellmich schaute. Nun erzählt er in der „Fußballfibel MSV Duisburg“ die berührende, oft komische und tief emotionale Geschichte seines Lebens mit dem Herzensverein. Seine Erlebnisse und Erinnerungen geben Duisburg und dem Ruhrgebiet Kontur. Ein Fußballbuch, das zum Portrait der Region wird.

Eine Veranstaltung im Rahmen des Sonderprogramms Aufgeschlagen! des Landes Nordrhein-Westfalen

Gastbeitrag: Klaus Hansen mit einem Gedenkblatt für Uwe Seeler

Seit der ersten Bundesliga-Saison kommt der 1948 geborene Sozialwissenschaftler Klaus Hansen zu den Spielen des MSV. Er reiste aus der Eifel an und kommt inzwischen aus Pulheim. Schon mehrere Male war er in diesen Räumen  zu Gast.

In einem Teil seiner künstlerischen Arbeit beschäftigt er sich mit Konkreter Poesie. Wenige Tage nachdem Uwe Seeler am 21. Juli verstorben war, schickte er mir ein Gedenkblatt für „Uns Uwe“. Klaus Hansen wie der große Teil einer ganzen Generation hatte durch Uwe Seeler das Fußballspiel lieben gelernt.

Erst jetzt komme ich dazu, dieses poetische Gedenkblatt von Klaus Hansen zu veröffentlichen.

Das war der Tag der Trinkhallen – Die Fotogalerie

Am Tag der Trinkhallen drehte sich an Rosis Stübchen in Duisburg alles um den Fußball und den MSV. Die zwiespältigen Gefühle durch das Unentschieden im Derby gegen Rot-Weiss Essen verschwanden am Samstag schnell. Im Programm Lesungen von Tina Halberschmidt und mir, unterhaltsame Erinnerungen von Michael Bella an den Fußball ganz anderer Zeiten, die vom MSV Museum unterstützte Trikotmodenschau, ein Konzert von Philipp Eisenblätter und das Quiz der Zebraherde. Großer Dank an alle, die zum Gelingen des Tages beigetragen haben.

Der Dank für die Fotos gilt der Zebraherde, Marion Basteck, Volker Baumann, Tina Halberschmdit und Marc Oliver Hänig.

Euer ältestes Trikot und vieles mehr beim Tag der Trinkhallen am 6.8.

Nicht nur zur Extraschicht ist die Ruhrstadt unterwegs. Auch am Tag der Trinkhallen werden Konzerte, Lesungen und allerlei Kultur quer durch das Ruhrgebiet geboten. Die Büdchenkultur wird an diesem Tag gefeiert.

Ein besonderer Duisburger Ort als Programmbude für Fußballfans ist an diesem Tag Rosis Stübchen auf der Münzstraße. Dort spielt der MSV von 15 bis 22 Uhr eine gewichtige Rolle. Ich freue mich auf die Moderation an dem Tag. Und ja, Weinfest ist in Duisburg zugleich. Die Veranstaltungskolision ist mal wieder ein Fall für die Diskussion um die Einheit der Ruhrstadt. Für den Samstag bedeutet das aber auch, mal ein bisschen Bewegung, um hin und her zu pendeln. So haben wir das früher immer gemacht, wenn es in die „Stadt“ zum Einkauf ging. Das Wort „Shopping“ gab es noch nicht, doch die Einkaufsralley von Münzstraße bis Bahnhof war auch immer wieder mal ein Hin und Her.

Besonders wichtig an diesem Tag ist euer ältestes Trikot. Denn von 16 bis 17 Uhr gibt es eine Trikotmodenschau, für die das MSV Museum Trikots der Vergangenheit zusammengestellt hat. Ihr könnt mit euren Trikots und euren Geschichten zu diesen Trikots diese Modenschau bereichern. Bedingung, das Trikot müsst ihr noch tragen können. Im Notfall reichen auch die Hände. Ich hoffe, ihr enttäuscht mich nicht und wir werden am Ende der Schau ein Foto von uns allen machen können, das die Geschichte des MSV auf einen Blick erfahrbar macht.

Was wird es noch geben? Die Zebraherde ist mit einem Special des Kneipenquiz zu Gast von 20 bis 21 Uhr. Im MSVPortal habe sie schon erste Hinweise gegeben, wie das aussehen wird. Tina Halberschmidt kommt um 15 Uhr und erzählt Interessantes aus der MSV-Historie. Dann etwa wird auch das Zebramaskottchen Ennatz vor Ort sein. Mit Michael Bella erzählt zwischen 17 und 18 Uhr eine der absoluten Legenden des MSV über glorreiche Zeiten. Ich hoffe auf einen weiteren Überraschungsgast bis 19 Uhr. Ich selbst lese aus der MSV Fußballfibel gegen 18 Uhr. Philipp Eisenblätter gibt ein Konzert zwischen 19 und 20 Uhr. Und zum Abschluss veranstalten Jörg Kaiser und ich mit euch zusammen ein Rudelsingen von Fußballschlagern und Stadionsongs zwischen 21 und 22 Uhr.

Der „Deepsky“ fehlt seit Freitag für immer – Holger Glücks †

Manchmal bleibt die Welt mit einem mal für einen Moment stehen. Plötzlich und unerwartet, so wird später eine ritualisierte, formelhafte Sprache für diesen Moment angeboten. Mich traf die Nachricht vom Tod Holger Glücks zudem mit einer Wucht, die ich nicht erwartet hätte. Unbemerkt von mir war meine Verbindung mit ihm durch den MSV als gemeinsames Zentrum über Jahre entstanden. Obwohl wir uns nicht näher kannten, war er mir seit nunmehr über zehn Jahren stets präsent. Immer wenn ich über die mögliche Bedeutung des MSV schrieb und mehr als den Fußball meinte, hatte ich auch ihn vor Augen mit seinen Aktivitäten abseits des Stadions sowie seinen Meinungen zum MSV-Geschehen, die ich im MSVportal las.

Im MSVportal schrieb er als Deepsky. Er meinte nichts, ohne es mit klaren Argumenten zu begründen. Er suchte den Austausch und seinen Worten war das Suchen nach der Wahrheit eines Geschehens jederzeit anzumerken. Er war klar in seiner Sprache und legte großen Wert darauf, Mensch und zu diskutierende Sache auseinander zu halten. Ich erzähle das so genau, weil darin eine Lebenshaltung erkennbar wird, die auch durch Handeln deutliche Spuren hinterließ.

Für Holger Glücks ergab sich aus der Freude am Stadionbesuch selbstverständlich das Engangement mit anderen MSV-Fans für etwas Gemeinsames, das Menschen dauerhafter zueinander bringt als nur für die Zeit eines Fußballspiels. Kennengelernt habe ich Holger Glücks in der krisenhaften Zeit zum Ende der Hellmich-Präsidentschaft. Vor dem Zwangsabstieg war er für mich ein prägendes Gesicht der Zebraherde mit all ihren Aktivitäten, die so spürbar von zutiefst demokratischen Ideen durchdrungen waren. Transparenz und Aufklärung stand damals angesichts der finanziellen Lage des MSV im Vordergrund. Minutiös wurden Zusammenhänge mit großer Geduld erklärt. Aber auch Teilhabe, Debatte und Gemeinschaft spielten wie beim Engangement für das MSVportal eine große Rolle.

Später begann die Zebraherde Kinder und Jugendliche in Tansania zu unterstützen. Dass Holger Glücks stets über Strukturen nachdachte, um für anstehende Aufgaben beste Gelingensbedingungen zu schaffen, zeigte sich auch, als diese Aktivitäten in Tansania in dem eigens gegründeten Verein ZAC – Zebras active community e.V. ausgegliedert wurden. Er wurde dessen Vorsitzender und konnte regelmäßig über den Erfolg dieses Projekts berichten. Immer wieder suchte er für die gute Sache die Verbindung mit anderen Fanclubs und Anhängern des MSV. Dass auch die Strukturen beim MSV ein wiederkehrendes Debattenthema für ihn waren, versteht sich in dem Zusammenhang von selbst.

Alle meine Eindrücke erhielt ich bei zufälligen Begegnungen und im MSVportal. Holger Glücks lebte seinen MSV und sein Engagement im (halb)öffentlichen Raum. Sein plötzlicher Tod im Alter von 69 Jahren erschüttert viele Anhänger des MSV. Seit Freitag ringen sie im MSVportal im Thread Ruhe in Frieden Deepsky um Worte für ihre Trauer und versuchen den Menschen Holger Glücks kenntlich zu machen. Viele kannten ihn näher als ich und so zeigt neben vielen anderen lesenswerten Beiträgen etwa die Würdigung des Portalisten mit dem Nick JimPanse weitere Facetten seiner Persönlichkeit.

Über den Tag mit vielen Erinnerungen an Gespräche, Diskussionen, Streits, Versöhnungen und einfach launigen Blödeleien, habe ich viel über Holgers einzigartige Fähigkeit des Ausgleiches nachgedacht.
Holger war ein ziemlicher Anker dieser Fanszene, ein Kitt der das brüchige Mauerwerk wenigstens etwas zusammenhalten konnte.
Ich kann mich da nur aus unserer intensiveren, gemeinsamen Zeit rund um die ganze Hellmich-Rebellion, den Anfangsjahren des Zebraherde e.V., die vielen schönen AGC-Turniere, das Museums-Wochenende, der Fan-Sonderzug zum Pokalfinale erinnern.

Die MSV-Fanszene trägt, wie wir ja alle wissen, teilweise tiefe Gräben in sich.
Es gibt wenige Personen die in viele Richtungen dieser Szene wirken können.
Eine davon war definitiv Holger.

Er konnte Brücke sein für Aktionen um Kutten, Hools, Ultras und Normalos zusammenzubringen.
Er war streitbar und ehrlich, vertrauenswürdig und verlässlich.
Er war Argumenten niemals verschlossen und konnte ( was eine unglaubliche Stärke ist) seine Meinung auch ändern.
Er konnte seine Meinung aber ebenso gut verteidigen und wiederum andere überzeugen.
Er war unglaublich fleißig und akribisch, konnte begeistern und anfeuern.

Seine weitere große Stärke war Ideen zu entwickeln, sie zu analysieren und dann in eine umsetzbare Form zu bringen.
Dies war ihm dann durch sein umfangreiches Netzwerk möglich, welches ihm vertraute und sich oftmals anstecken ließ von seiner Begeisterung.

Er war MSV durch und durch.

Ich muss mich wiederholen, wir haben hier einen ganz wichtigen Baustein der Fanszene verloren.

Ruhe nun zwischen deinen geliebten Sternen.

MSVportal

JETZT IM BUCHHANDEL
Die berührende, oft komische und tief emotionale Geschichte über ein Leben in Duisburg mit dem MSV

Und sonst

Statt 14,95 € nur noch 8,90 € Hier bestellen

Oder das und einiges andere mehr mit Klick

Hier geht es zum Fangedächtnis

Kees Jaratz bei Twitter

Sponsored

Bloglisten


%d Bloggern gefällt das: