Archive for the 'Fußball und Kultur' Category

Was offenbart die RAG-Stiftungs-Fantasie eines Jahrhundertheimspiels über das Ruhrgebiet?

So ein Montagsspiel des MSV Duisburg verschafft mir Zeit für eine kurze Betrachtung über das Ruhrgebiet. In dieser Region macht sich das unzureichende Vertrauen in sich selbst immer wieder bemerkbar, manchmal an überraschender Stelle, beim Fußball und dem Bergbau dieses Mal. Vom „Jahrhundertheimspiel“ oder auch nur „Jahrhundertspiel“ war letzte Woche nämlich die Rede. Der RAG-Stiftungs-Leiter, Werner Müller, hatte am Dienstag über das besondere Jahr 2018 geredet. Es ist das Jahr des Abschieds vom Steinkohlebergbau in Deutschland, und dieser Abschied soll im Ruhrgebiet angemessen gewürdigt werden. Als eine der geplanten herausragenden Veranstaltungen wurde ein besonderes Fußballspiel angekündigt. Eine Mannschaft des Ruhrgebiets unter Führung vom BVB und Schalke soll gegen die polnische Nationalmannschaft spielen. Die Nachricht sorgte für Verwirrung allerorten, weil anscheinend keiner der namentlich Beteiligten definitive Zusagen für dieses Spiel gegeben hat.

Nun kann man sagen, bei der Planung des Jahresprogramms ist etwas schief gelaufen. Die RAG-Stiftung ist vielleicht vorgeprescht, und alles war  ein handwerklicher Fehler dieser Planung. Für mich ist dieser Fehler aber ein Symptom für eine tiefer verwurzelte Haltung der Entscheider im Ruhrgebiet der eigenen Region gegenüber. In dieser Haltung paart sich die Sehnsucht nach Größe mit einem ausgeprägten Minderwertigkeitskomplex. Diese Haltung lässt Entscheider bei vermeintlich öffentlich wirksamen Ereignissen wie diesem Fußballspiel fasziniert ja rufen, ohne die Verankerung für dieses Vorhaben in der Wirklichkeit geprüft zu haben.

Dieser Haltung entspringt auch ein Kulturangebot wie die lit.ruhr, für die viel Geld von den im Ruhrgebiet ansässigen Stiftungen nach Köln zur lit.cologne fließt. Statt die im Ruhrgebiet vorhandenen Strukturen zu nutzen und ein eigenes populäres Literaturfestival des Ruhrgebiets aufzubauen, wird auf die Aura der lit.cologne gehofft. Die Sehnsucht nach populärer Größe des Kulturellen steckt in der lit.ruhr, mit deren Premiere in diesem Jahr eine fünfjährige Fördermaßnahme der Kölner Literaturszene beschlossen wurde. Der Leiter des Literaturbüros Ruhr, Gerd Herholz, hat dazu bei den Revierpassagen die entsprechenden Anmerkungen gemacht.

Diese Sehnsucht nach Größe zeigt sich schon im PR-Sprech der Veranstaltungsankündigung. Tatsächlich steht das Wort „Jahrhundertheimspiel“ in der Pressemitteilung der RAG-Stiftung. Diese Sehnsucht nach Größe kann konstruktiv wirken, wenn sich darin der Wunsch nach wahrgenommener Bedeutung verbirgt. Aber diese Bedeutung muss aus der Wirklichkeit des Ruhrgebiets heraus entstehen. Viel zu oft wird diese Bedeutung woanders gesucht. Beim „Jahrhundertheimspiel“ etwa geht es nicht um das Fußballspiel, mit dem eine Region den Bergbau würdigt. Es geht um ein von oben nach unten verordnetes Bild für die Menschen außerhalb des Ruhrgebiets.

Deshalb stehen BVB und Schalke im Zentrum der Pressemitteilung. Es sind jene Mannschaften mit überregionaler Strahlkraft und der populären Geschichte einer Feindschaft. Es geht um das Bild für die Welt, dass für dieses besondere Fußballspiel die Feindschaft aufgehoben ist. Wen soll das Fußballspiel aber würdigen? Eigentlich sollen doch die dem Bergbau verbundenen Menschen im Ruhrgebiet damit gewürdigt werden. Eigentlich geht es um die gesamte Städtelandschaft.

Hat irgendjemand nach der ersten Idee zu diesem Fußballspiel genauer darüber nachgedacht, was Fußball im Ruhrgebiet bedeutet? Das besondere Interesse für Fußball macht einen Teil des Ruhrgebiets ja tatsächlich aus. Aber dieses Interesse gilt vielen Vereinen, und wenn man eine Ruhrgebietsmannschaft spielen lassen will, darf nicht ein einziger Vereinsname im Vordergrund stehen. Selbst wenn man dabei die bundesweit erzählte Rivalität vom BVB und Schalke überwinden will. Eine Ruhrgebietsauswahlmannschaft braucht eine Entwicklung aus der Lebenswelt dieser Region heraus. Demgegenüber war man blind angesichts der Faszination über ein „Jahrhundertheimspiel“, das die verfeindeten Marktführer der Region zusammenbringt.

Die Pressemitteilung zu dem Fußballspiel bestätigt meine Vermutung. Nahezu alles, was dort rund um diese Idee des Fußballsspiels erklärend steht, ist schlichtweg falsch. Ein deutlicheres Zeichen für mangelndes Nachdenken kenne ich nicht.

Ziel von „Glückauf Zukunft!“ war immer auch, Zukunftsimpulse und die Würdigung des deutschen Steinkohlenbergbaus und seiner Leistungen in die richtige Balance zu bringen. Im Jahr 2018 wird es daher einen Fokus auf Abschiedsveranstaltungen geben. Einer der Höhepunkte wird das Jahrhundertheimspiel sein. Als Zeichen besonderer Verbundenheit mit dem Bergbau wird eine Ruhrgebietsauswahl unter der Führung von Borussia Dortmund und dem FC Schalke 04 gegen die polnische Nationalmannschaft antreten. Polnische Arbeitnehmer waren die ersten Gastarbeiter im Ruhrgebiet. Sie trugen erheblich zum Wiederaufstieg Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg bei. Aus Polen stammende Fußballspieler sind zu Leistungsträgern in ihren Vereinen geworden. Ernst Kuzorra und Jakub „Kuba“ Błaszczykowski sind zwei Spieler in einer ganzen Reihe von polnischen Spitzenfußballern in Ruhrgebietsvereinen.

Weder waren polnische Arbeitnehmer die ersten Gastarbeiter im Ruhrgebiet, noch war Ernst Kuzorra Pole. Kuzorras Eltern stammen aus Masuren. Sie waren polnischstämmig, hatten als Ostpreußen einen deutschen Pass. Zwar wurden sie im Zweifel auf jeden Fall als „Polacken“ beschimpft, doch Ernst Kuzorra selbst wurde in Gelsenkirchen geboren. Er verstand sich als Gelsenkirchener. Durch die Hintertür schleicht sich eine Diskussion der Gegenwart ein. Was sind noch einmal die türkischstämmigen Kinder und Enkel?
Polen waren auch nicht die ersten Gastarbeiter im Ruhrgebiet. Sie waren die ersten, die in so großer Zahl kamen, dass ihre Lebensweise in einzelnen Teilen des Ruhrgebiets den Alltag bestimmten. Die erste größere Gruppe von Gastarbeitern waren aber Belgier und Italiener, erstere wegen ihrer Erfahung im Bergbau, zweitere wegen ihrer Erfahrung im Tunnelbau. Erst ab der Reichsgründung 1871 wurden so viele Arbeitskräfte im Bergbau gebraucht, dass auch in anderen Regionen, eben im Osten, gezielt geworben wurde. Allerfeinste Pressemitteilungs-Komik schließt sich übrigens an, wenn diese ersten polnischen Gastarbeiter im Ruhrgebiet noch zum Wiederaufstieg Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg beigetragen haben. Das waren eben noch harte Männer damals, die Kumpel ohne Presslufthammer, die waren anderes gewöhnt und wollten auch noch mit 80 und 90 in den Pütt.
Wenn man durch die Berichterstattung zusätzlich weiß, dass eigentlich ein Spiel gegen die deutsche Nationalmannschaft geplant war, zerfällt auch der letzte Rest an innerer Folgerichtigkeit dieses Spiels. Zurück bleibt der schale Geschmack eines Events um des Events Willen. So zeigt sich das Ruhrgebiet einmal mehr in der Sehnsucht nach verlorener Bedeutsamkeit und Größe, ohne sich um die tatsächlich vorhandenen Chancen einer selbstbewussten Identität zu kümmern.
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Nach dem Anpfiff alles möglich – Kees Jaratz beim Platzhirsch Festival

In 14 Tagen beginnt das Platzhirsch Festival. Dieses Festival bereichert Duisburg auf eine sehr eigene Weise, weil es an einem zentralen Ort der Stadt Menschen im Zeichen freier Kultur zusammenbringt. Das Platzhirsch Festival macht Duisburg lebenswerter. Umso mehr freue ich mich, in diesem Jahr dort mit meinem Programm „Nach dem Anpfiff alles möglich“ dabei zu sein. Um 18.30 Uhr lese ich im SG1 Kunstraum. Die Galerie befindet sich in der Schmalen Gasse 1. Und was euch erwartet? Bitte schön:

Zur Veranstaltung bei Facebook.

Keine Angst vor dem FC-Bayern-Museum – Der MSV Museumsvereinsvorsitzende Volker Baumann im Interview

Museums-Verwirklicher
Volker Baumann (r.),
Thomas Heine

Beim Cup der Traditionen gab der MSV Museumsverein einen Eindruck von seinen Aktivitäten. Erste Impressionen von der kleinen Ausstellung zu den vier Pokalfinalen waren im Zebrastreifenblog schon zu sehen.  In den letzten Tagen In den letzten Tagen hatte ich Interviews mit den Sammlern Willi Blomenkamp, Detlef Luderer und  Wolfgang Berndsen veröffentlicht. Die drei engagieren sich im MSV Museumsverein.

Vorgestern kam nun Volker Baumann zu Wort, der Vorsitzende des Vereins MSV Museum. Er war treibende Kraft der Vereinsgründung, die sechs Jahre nach dem „MSV Museumswochenende“ in Buchholz erfolgte. Im ersten Teil des Interviews erklärte er, warum die Vereinsgründung wichtig war und welche Arbeit mit dem Aufbau eines MSV Museums verbunden ist. Heute erzählt Volker Baumann von den Begegnungen mit den Museumsmachern anderer Vereine und von der Haltung der Stadt Duisburg zu einem MSV Museum.

Zebrastreifenblog: In Dortmund gibt es mit BVB-Museum und DFB-Museum ja zwei gut besuchte Museen in der Nähe. Auch in Gelsenkirchen gibt es ein Museum. Gibt es auf solcher Seite womöglich Erfahrungen, von denen ihr profitiert könnt?

Volker Baumann: Auf jeden Fall, es gibt in Deutschland ein Netzwerk der deutschen Fußballmuseen und Archivare. Dort sind die Fußballvereine der 1., 2. Und 3. Bundesliga vertreten. Die Mitglieder treffen sich zweimal im Jahr. Es gibt Vorträge und man diskutiert miteinander, tauscht sich aus. Dort erhalten wir große Hilfe. Wirklich alle dort teilen ihre Erfahrungen, erklären, worauf in unserer Situation jetzt zu achten ist. Da hilft der Dortmunder dem Schalker, der 60er dem Bayern.

Man sieht natürlich auch die riesigen Unterschiede. Zwischen uns beim MSV zum Beispiel, wo alles ehrenamtlich passiert und einem FC Bayern, wo es eine gewisse Anzahl Festangestellte gibt. Dazwischen liegen Welten. Vor solcher Art Museum darf man sich nicht verschrecken lassen. Das ist eben so, trotzdem kann man auch von denen lernen.

Nach solchen Veranstaltungen wurde ich auch schon angeschrieben, von Union Berlin, vom SC Freiburg. Wir haben hier noch alte Stadionhefte von Spielen gegen den MSV, hieß es. Wir misten gerade aus. Wollt ihr die Hefte haben? Die wurden mir dann zugeschickt.

Wie steht die Stadt Duisburg zu dem Projekt „MSV Museum“?

Ich habe mit Herrn Krützberg, dem Kulturdezernenten, gesprochen. Die Stadt war natürlich eine der ersten meiner Ansprechstationen. Die sagten natürlich, Geld könnt ihr nicht von uns erwarten. Klar, Duisburg ist eine arme Stadt. Thomas Krützberg sagte aber auch, sie unterstützen gerne, sei es bei Räumlichkeiten, seien es Ideen für Kontakte.

So entstand die Verbindung zum Stadthistorischen Museum. Von dort habe ich zum Beispiel sämtliche Unterlagen zu der Ausstellung zum hundertjährigen Vereinsjubiläum einsehen dürfen, und mir wurde gezeigt, wie dort Ausstellungen gemacht werden.

Jetzt gibt es hier diese Ausstellung zu den vier Pokalfinalen. Gibt es schon weitere Vorhaben in der nächsten Zeit?

Im Landesarchiv NRW findet am 10. September, dem Tag des offenen Denkmals, eine Ausstellung zur Sportgeschichte des Ruhrgebiets statt. Dort werden wir als MSV Museum einige Vitrinen  bestücken. Außerdem werde ich 2018 mit einem Sporthistoriker aus Berlin, Zentrum für deutsche Sportgeschichte, eine Vortragsreihe zum Thema „DDR-Fußball und der MSV Duisburg“ mache. Solche Institutionen treten im Augenblick an uns deshalb heran, weil wir öffentlich präsent sind über unsere Homepage, über die Homepage des MSV und über die Gemeinschaften. Es wird auf unsere Arbeit reagiert und das hilft uns wiederum sehr, dass freut uns aber auch sehr. Denn das bedeutet, dass wir einiges richtig machen.

Habt ihr Interesse daran eure Sammlung zu erweitern, etwa wenn Menschen mit Fundstücken zum MSV nicht wissen wohin?

Sofort, einfach über unsere Homepage Kontakt mit uns aufnehmen und dann melden wir uns. Wir haben einen eigenen Archivraum, der abgeschlossen und versichert ist. Dort lagern wir Dinge, die uns zur Verfügung gestellt werden. Das wird auch mit einem Vertrag geregelt, sei es mit einer Schenkungsurkunde, wenn es eine Schenkung ist oder einem Leihvertrag, wenn es eine Leihgabe ist. Das wird alles juristisch einwandfrei geregelt. Wir haben einen Juristen bei uns im Vorstand.

Wenn jemand etwas für uns hat, wird das Exponat archiviert. Es wird aber nicht einfach nur eingelagert, wir wollen die Geschichte dahinter auch hören. Wir wollen wissen, wo das Teil herkommt, die Geschichte dahinter hören. Das gehört mit zum Exponat. Und wenn es in Vitrinen ausgestellt wird, steht dann dort natürlich „Schenkung von …“, keine Frage.

Wer das MSV Museum unterstützen will, findet auf der Seite des Museum alle nötigen Informationen. 

Das MSV-Museum hat eines der besten Archive Europas – Der MSV Museumsvereinsvorsitzende Volker Baumann im Interview

Museums-Verwirklicher Volker Baumann (r.), Thomas Heine

Beim Cup der Traditionen gab der MSV Museumsverein einen Eindruck von seinen Aktivitäten. Erste Impressionen von der kleinen Ausstellung zu den vier Pokalfinalen waren im Zebrastreifenblog schon zu sehen.  In den letzten Tagen hatte ich Interviews mit den Sammlern Willi Blomenkamp, Detlef Luderer und  Wolfgang Berndsen veröffentlicht. Die drei engagieren sich im MSV Museumsverein.

In der letzten Folge meiner kleinen Reihe kommt nun Volker Baumann zu Wort, der Vorsitzende des MSV Museumsvereins. Er war treibende Kraft der Vereinsgründung vor vier Monaten. Im ersten Teil des Interviews erklärt Volker Baumann, warum die Vereinsgründung wichtig war und welche Arbeit mit dem Aufbau eines MSV Museums verbunden ist. Den zweiten Teil des Interviews stelle ich übermorgen online. Darin geht es u. a. um die gegenwärtigen Kontakte zu anderen Museen und die Haltung der Stadt Duisburg zu dem Projekt

Zebrastreifenblog: Eine Ausstellung mit Sammelstücken rund um dem MSV Duisburg gab es mit dem „MSV Museumswochenende“ vor sechs Jahren in Buchholz. Schon damals war auf dieser Ausstellung ein zukünftiges MSV Museum im Gespräch. Sechs Jahre später wird nun ein MSV Museumsverein gegründet. Wie ist es dazu gerade jetzt gekommen?

Volker Baumann: Nach dem Museumswochenende im März 2011 haben sich im Grunde zwei Parteien unabhängig voneinander und ohne Wissen von dem Anderen Gedanken zu einem Museum gemacht. Da waren zum einen Wolfgang Berndsen und Holger Glücks von der Zebraherde, die es schließlich auch geschafft haben, dass der MSV Duisburg die Unterstützung für ein MSV Museum in die Präambel der aktuellen Satzung aufgenommen hat, und zum Zweiten Randolf Wiederer vom Fanomenal und ich, die sich als Privatpersonen Gedanken gemacht haben. Beide Gruppen wussten wirklich nichts voneinander. Dies war auch ein wenig den turbulenten Zeiten des MSV geschuldet. Ich wollte immer ein Museum, dass die hundertprozentige Unterstützung des MSV Vorstands hat, und da der MSV gerade in den vergangenen Jahren doch sehr turbulente Zeiten mit immer wechselnden Vorständen durchleben musste, kamen wir auch nicht wirklich weiter mit dem Museum.

So ein Museum muss unabhängig vom Verein gegründet werden, braucht aber die Unterstützung vom Verein. Nun haben wir mit Ingo Wald an der Vereinsspitze jemanden, mit dem ich mich zu einem ersten Gespräch habe treffen können. Er war offen für unsere Ideen und wusste nun auch von beiden Gruppen. So hat er uns vorgeschlagen, und das war natürlich sinnvoll, dass beide Gruppen sich erst einmal zusammensetzen. Also habe ich mit Holger Glücks und den anderen ein Treffen organisiert. Dabei haben wir sämtliche Ideen zusammengeschmissen und unsere Vorstellungen übereinander gelegt, um zu sehen, wie wir das Museum durch die Gründung eines Vereins vorantreiben können.

Ich habe dann zu einer Gründungsversammlung eingeladen und für die Besetzung des Vorstands engagierte Mitstreiter gefunden. Und es war schön, dass bei dieser Gründungsversammlung alle mir bekannten Sammler anwesend waren und das Gründungsprotokoll mit unterschrieben haben. Den Aufbau des Museums müssen wir auf der einen Seite strategisch angehen, auf der anderen Seite aber auch mit einer wirtschaftlichen Grundlage. Damit die Arbeit für das Museum eine Basis erhält, mussten wir den Verein gründen. Der Vorstand des MSV musste zudem hinter dem Verein stehen. Und nun müssen wir als Verein beweisen, dass die Idee Museum lebt.

Du stellst die Anwesenheit der Sammler bei der Gründungsversammlung so besonders heraus.

Ja, weil sie die Basis für das Museum legen. Wir haben mit Wolfgang Berndsen, Willi Blomenkamp, Detlef Luderer und Randolf Wiederer die Sammler, die letztlich aus der Geschichte des MSV die Unikate gesammelt haben, Spielberichte, Aufstellungen, Stadionzeitungen, Trikots, Plakate, Fotos und so weiter. Und das ab 1902. Wir haben mit dem MSV-Archiv eines der besten Archive Europas.

Der MSV ist natürlich ein Verein, der nur wenige Auszeichnungen hat. Deshalb sagt unser Leitspruch eigentlich das aus, was wir im Museum präsentieren wollen. „Geschichte erleben, Tradition bewahren, Zukunft gestalten“. Wir wollen die Geschichten des MSV Duisburg und der Stadt Duisburg aufarbeiten und erzählen. Damit bewahren wir unsere Tradition und geben sie weiter an die folgenden Generationen, also Zukunft gestalten.

In Duisburg kann man Geschichten erzählen. Das müssen wir als Museum machen. Wir haben keine großen Meisterschaften und damit Pokale, die wir ausstellen können. In der letzten Saison sind ja Gott sei Dank mal zwei Pokale gewonnen worden. Wir haben aber Unikate, die man nicht kaufen kann, wie etwa die Schuhe von Dietmar Linders aus dem Pokalfinale 1975. Nur so können wir ein Museum aufbauen, indem wir Geschichten erzählen.

Auch die Stadtgeschichte soll dann eine Rolle spielen. Wir haben schon über eine Ausstellung Stahlstandort Duisburg und der MSV nachgedacht – mit besonderem Blick auf die Spieler, die am Hochofen arbeiteten, wie Joachim Hopp oder Michael Bella etwa. Wir sehen auch einen Lehrauftrag für das Museum. Da gibt es viele Themen. Duisburger Hafen und MSV. Sportpark und MSV. Wir haben schon viele Ideen.

Gibt es denn bei euch im Verein jemanden, der bereits Erfahrungen mit Museumsarbeit hat?

Nein, den gibt es nicht. Noch nicht. Wir haben uns mit der Zeit schon viele andere Fußballmuseen angesehen. Eine Ausstellung einrichten, ist außerdem nur das eine. Das andere ist später das Museum in Betrieb zu halten. Das ist wieder etwas ganz anderes als ein Museum aufzubauen. Wir haben viele Ideen, aber die professionelle Hand eine Dauerausstellung einzurichten, fehlt noch im Moment. Wir brauchen etwa Innendesigner, um die Ausstellungsfläche zu kreieren. So eine reine Schau von Sammelstücken kann auch langweilig sein. Es nützt nichts, wenn ich alle Trikots von 1902 bis jetzt irgendwo aufhänge. Da kommen dann die Leute rein, gucken einmal rum und dann ist das Thema durch. Wir werden das anders angehen. Wir werden dieses Wissen uns beschaffen. Davon bin ich überzeugt.

Es wird also später mal einen festen Ort für das Museum geben, die Ausstellung wird eigene Räumlichkeiten irgendwo haben, und es wird auch Angestellte des Museums geben. Ein Museumsarchiv wird es geben, das gepflegt werden muss. Gibt es eine zeitliche Perspektive für euch?

Ich habe immer wieder erklärt, wenn wir in fünf Jahren unser Museum haben, bin ich glücklich. Wir brauchen auch locker ein bis zwei Millionen, um irgendwo Räumlichkeiten zu erwerben, zu bauen, oder eben ein tolles Konzept, wie wir Miete zahlen können. Die Standortfrage ist noch ungeklärt. Wir werden Angestellte haben müssen, die bezahlt werden wollen. Es gibt noch sehr viel Arbeit, mit der wir überhaupt noch nicht angefangen haben.

Das hat einen ganz bestimmten Grund: Wir sind ein wirklich junger Verein, existieren erst seit vier Monaten. Wir als Verein müssen uns nun erst einmal selbst finden. Jeder hat seine eigenen Vorstellungen, seine eigenen Ideen. Auch die müssen übereinander gelegt werden. Kompromisse müssen gemacht werden.

Gleichzeitig haben wir schon einen so hohen Zuspruch, dass damit erst einmal viel Arbeit gebunden ist. Wir brauchen zunächst ein bis anderthalb Jahre, um zu beweisen, dass wir ein seriöser Verein sind. Die Leute müssen merken, da entsteht wirklich etwas. Das sind nicht nur irgendwelche Spinner-Sammler, die sagen, wir gründen mal einen Verein. Die Leute sollen sehen, der Verein arbeitet wirklich im Sinne eines MSV Museum, im Sinne des Vereins MSV. Die Verantwortlichen im MSV Museumsverein machen wirklich etwas mit Sinn und Verstand. Das möchte ich bis Mitte nächsten Jahres schaffen. Und ich hoffe, dann können wir den nächsten Schritt machen und größere Sponsoren ansprechen.

Denn ohne die großen Sponsoren werden wir das Museum nicht finanziert bekommen. Ohne dass wir auch mal eine sechsstellige Summe erhalten, kann so ein Museum nicht auf seriöse Weise geführt werden.

Teil 2 des Interviews folgt übermorgen.

Wer das MSV Museum unterstützen will, findet auf der Seite des Museum alle nötigen Informationen. 

Das MSV Museum – Die Sammler III

Museums-Verwirklicher         Wolfgang Berndsen, 2. v. r.

Beim Cup der Traditionen gab der MSV Museumsverein einen Eindruck von seinen Aktivitäten. Erste Impressionen von der kleinen Ausstellung zu den vier Pokalfinalen waren im Zebrastreifenblog schon zu sehen.  Nun kommen hier in loser Folge Menschen zu Wort, die sich sich für die Eröffnung eines MSV Museums engagieren. Wolfgang Berndsen gehört zu den Gründungsmitgliedern vom MSV Museumsverein. Er ist einer jener Sammler, die mit ihren Exponaten die Grundlage für eine zukünftige Dauerausstellung bilden. Abschließend wird der Vorsitzende des Museumsvereins Volker Baumann noch über die notwendige Vereinsgründung, Perspektiven und Visionen zu lesen sein. Per Klick geht es zum Interview mit dem Sammler Willi Blomenkamp, sowie zum Interview mit dem Sammler Detlef Luderer.

Zebrastreifenblog: Wann hast du mit dem Sammeln begonnen.

Wolfgang Berndsen: Die ersten Zeitungsausschnitte habe ich schon in den 1970er gesammelt. Richtig gesammelt habe ich dann erst ab 86, als ich hier bei uns Pressesprecher war und das Zebramagazin geschrieben habe. Früher, in den 70er Jahren habe ich auch bei Auswärtsspielen mal ein Programmheft mitgenommen und so ein paar Sachen gesammelt, aber nie so intensiv wie ab 1986.

Dann bist einer der Sammler, die erst im Erwachsenalter ihre Leidenschaft entdeckt haben?

So kann man das auch nicht sagen. Ich habe schon als Kind die ganzen Sammelalben gesammelt, die Bergmann-Alben und Panini. Aber auch früher als Jugendlicher, ich bin in Meiderich zur Schule gegangen, da habe ich Trikots abgestaubt von den Spielern. Die Diebels-Alt-Trikots oder die Trikots mit der Eigenwerbung. Da gab es auch mal die kleinen Bergmann-Bilder, wie Autogrammkarten, die habe ich als Schüler gesammelt. Irgendwann hast du dann die Heimprogramme gesammelt, und wenn du auswärts warst eben die Auswärtsprogramme. Irgendwann hast du natürlich alles gesammelt.

Wo lagerst du die Sachen momentan?

Die sind alle bei mir zu Hause im Dachgeschoss auf 60 m² etwa.

Wie findest du dich in deiner Sammlung zurecht?

Ich habe alles in Excel-Dateien katalogisiert. Ich habe auch die ganzen Spieler archiviert. Jeden Spielbericht seit 1902 habe ich im Original vorliegen. Das sind mittlerweile über 7000 Spiele, die wir aufgelistet haben. Mit allen Freundschaftspielen.

Ich bin sprachlos.

Lückenlose Leidenschaft, ja.

Und diese Spielberichte von 1902, wie hast du die bekommen? Bist du in Archive gegangen?

Die habe ich teilweise von Presseleuten bekommen, die ihre Sachen vererbt haben. Viele Sachen habe ich von Herrn Köppen senior bekommen. Er hat die bekommen von einem Herrn Wende. Der war damals Spielausschussobmann in den MSV-Gründerzeiten. 20 Jahre hat er alles archiviert und festgehalten. Dann hat Herr Köppen das vererbt bekommen, und er hat weitergesammelt. Und dann habe ich das bekommen.
Was anderes sind natürlich Stadionhefte, von Auswärtsspielen, so was, die bekommst du bei ebay für viel Geld.

Die Lücken werden also durch Ankäufe gefüllt?

Genau, da wirst du ein Vermögen los. Aber meine Lücken sind nicht groß.

Ärgern diese Lücken?

Ich sag’ mal, wenn ich der Höchstbietende bin, ist das kein Thema. Da habe ich keine Schmerzgrenze.

Nun warst du als Mitglied der Zebraherde schon lange mit dem Gedanken an ein Museum beschäftigt?

Eigentlich hat das noch früher begonnen. Schon Mitte der 1980er Jahre habe ich zusammen mit Klaus Dings so Ideen gehabt. Später dann mit Holger Glücks bei der Zebraherde. Wie so ein Museum nicht aussehen soll, weiß ich auch. Ich bin jetzt in mehreren Museen gewesen. In Frankfurt war alles wie Kraut und Rüben, ohne zeitliche Einteilung. Auch Bayern München zum Beispiel, die haben zwar ein tolles Museum, aber von der Historie fehlt vieles. In München geht es erst ab 1965/66 richtig los. Oder in Barcelona – da kommst du rein, gehst 150 Meter und hast nur Pokale von den Handballern, dann 200 Meter nur Pokale von Basketballern. Dann gehst du in den goldenen Saal der Fußballer rein, und brauchst eine Sonnenbrille. Aber auch die haben kaum alte Sachen. Die haben zwei, drei Trikots. Von Kubala, Stojkovic, Neeskens und wie sie alle hießen. Eine Lederchronik gibt es noch und  irgendwelche Panini-Bildchen.

Aber das ist keine Ausstellung. Für mich beginnt die Geschichte eines Vereins mit der Gründung, beim MSV eben 1902. Die Geschichte eines Vereins soll auch mit alten Sachen belegt werden. Und viele Vereine haben keine alten Sachen. Es gibt viel Neuzeit. Bayern München etwa mit Multimedia und Räumlichkeiten, die mich natürlich interessieren würden. Aber als ich da rausgekommen bin, habe ich mich totgelacht. Ich denke schon, wenn wir Sammler alle zusammen schmeißen, spielen wir Champions League. Da bin ich sicher.

Wer das MSV Museum unterstützen will, findet auf der Seite des Museum alle nötigen Informationen. 

Das MSV Museum – Die Sammler II

Museums-Verwirklicher         Detlef Luderer, 4. v. l.

Beim Cup der Traditionen gab der MSV Museumsverein einen Eindruck von seinen Aktivitäten. Erste Impressionen von der kleinen Ausstellung zu den vier Pokalfinalen waren im Zebrastreifenblog schon zu sehen.  Nun kommen hier in loser Folge Menschen zu Wort, die sich sich für die Eröffnung eines MSV Museums engagieren. Detlef Luderer gehört zu den Gründungsmitgliedern vom MSV Museumsverein. Er ist einer jener Sammler, die mit ihren Exponaten die Grundlage für eine zukünftige Dauerausstellung bilden. Der Vorsitzende des Museumsvereins Volker Baumann sowie der Sammler Wolfgang Berndsen werden folgen. Zum Interview mit dem Sammler Willi Blomenkamp geht es mit einem Klick.

Zebrastreifenblog: Wann hast du angefangen zu sammeln?

Detlef Luderer: In ganz frühen Jahren war das. Da war ich ungefähr zehn, zwölf. Denn ich hatte das große Vergnügen, in einem Bungalow in Homberg groß zu werden, neben dem Kurt Jara, und der hatte einen Sohn. Mit dem habe ich immer gespielt und bin bei den Jaras rein und rausgegangen. Damals hatte ich schon jede Menge Zeitungen: Sportreport, Stadionzeitungen etc. Irgendwann ist das im jungen erwachsenen Leben in den Karton gewandert und hat sich da zehn, zwölf Jahre allein amüsiert. Dann habe ich das irgendwann mal wieder hervor geholt, und schon war der Bann wieder gebrochen.

Wo bekommst du deine Exponate her?

Von überall – von anderen Sammlern, von ehemaligen Spielern, von aktuellen Spielern, Ebay natürlich, das ist auch klar. Trödelmärkte. Überall gibt es die Möglichkeit, etwas zu finden.

Du bist also immer unterwegs mit dem Blick auf mögliche MSV-Sammelstücke?

Ja, ich war neulich zum Beispiel bei einem ehemaligen Spieler der MSV-Amateure. Der hat mir ein Trikot gegeben von einem Spieler aus der Ersten Mannschaft zu seiner Zeit. Das hatte er selber bekommen.

Das bekommst du dann geschenkt? Du bezahlst aber auch, wenn du etwas unbedingt haben willst?

Genau, manches bekomme ich ohne Geld auszugeben, aber meistens ist das mit einer Gegenleistung verbunden. Die Spieler sind immer scharf darauf, aus ihrer Zeit Zeitungsberichte etc. zu bekommen. Dann kopiere ich die denen und lege denen praktisch einen Ordner an. Oder auch Fotos wollen sie auch immer gerne haben. Und dann kriegt man schon mal ein Paar Schuhe, ein Trikot. Aber Geld gebe ich natürlich auch aus.

Wer das MSV Museum unterstützen will, findet auf der Seite des Museum alle nötigen Informationen. 

Aufräumen bei den Gesammelten Links mit eurer Hilfe

Letztes Jahr bin ich vor der neuen Saison nicht dazu gekommen, bei meinen Gesammelten Links Ordnung zu machen. Das lag nicht nur an der fehlenden Zeit. Facebook und Twitter sind auch für mich Eintrittsportale für  Netzauftritte in Sachen MSV und Fußball geworden. Interessant. Entsprechend verlieren  direkte Links zu Blogs und Seiten an Gewicht.

Die Pflege einer solchen Sammlung kostet ja auch Zeit. Es müsste regelmäßig geprüft werden, ob nicht längst ein Link im Nichts endet, ob Seiten überhaupt noch belebt sind und so weiter. Ich habe heute zumindest in Sachen MSV mal angefangen, und nun seid ihr dran. Helft mir die Sammlung zu vervollständigen. Weist auf fehlende Blogs und Seiten hin, auf tote Links, auf eingestellte Produktionen. Schaut mal, was ich schon in der Sammlung verlinkt habe und schreibt mir als Kommentar des Zebrastreifenblogs, was fehlt.

Entsprechendes gilt für den überregionalen Fußball. Um es vorsichtig zu formulieren, ich habe nur noch einen ungefähren Überblick über die gelisteteten Online-Auftritte. Schaut mal rein, ob euer Blog fehlt. Ich arbeite nach und nach ein.



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