Archive for the 'Fußball und Kultur' Category

Verkaufsranking – Mehr als Fußball

Auch wenn der Kauf von „Mehr als Fußball“ direkt bei mir oder über das Kontaktformular im Zebrastreifenblog meine Arbeit am meisten unterstützt, ist das Buch natürlich auch in den Duisburger Buchhandlungen und beim Online-Oligarchen der Branche erhältlich. Für die Umsatzprovision hat mir Amazon gestern eine kleine Nettigkeit mit dem Bestseller-Ranking gegönnt. Zufrieden konnte ich mir ansehen, dass „Mehr als Fußball“ für einige Zeit unter den 80 best verkauften Fußballbüchern von Amazon gelistet war. Heute dann wieder nicht mehr. Im Aktienhandel heißt so etwas wohl volatil. Auf meiner internen Bestsellerliste vom Zebrastreifenblog ist davon übrigens nichts zu spüren. Dort besetzt „Mehr als Fußball“ seit Wochen unangefochten den ersten von zwei Plätzen.

Auch manche MSV-Fans nehmen ohne zu bezahlen

Gibt es einen geeigneteren Tag als den Karfreitag, um mal etwas Grundsätzliches zu aufrichtigem Handeln loszuwerden? Mit seinem Tod durch die Kreuzigung nahm Jesus die Sünden aller Menschen auf sich. Wenn ich darauf mit meinem Anliegen Bezug nehme, fühlt sich das für mich nach Blasphemie an – obwohl  das Behalten unbezahlter Ware nicht nur ein Rechtsbruch ist, sondern sicher auch im christlichen Glauben eine Sünde. Jesus nimmt die Schuld aller Menschen auf sich. Erst durch seinen Tod ist Sündenvergebung und ewiges Leben möglich. Das ist verkürzt, und gegenüber Schuld der ganzen Menschheit sind vier nicht bezahlte Bücher ein Fliegendreck. Dennoch geht es um die Schuld dieser drei Menschen, die bei mir im Dezember „Mehr als Fußball“ bestellt haben und die Bücher trotz mehrmaliger Erinnerung nicht zahlten.

Es geht nicht um viel Geld, insgesamt sind es vier Bücher gewesen. Es gibt natürlich ein festgelegtes Mahnverfahren mit entsprechenden rechtlichen Schritten. Bei meinem sehr improvisierten Ein-Mann-Buchhandelsunternehmen habe ich vielleicht irgendeinen Verfahrensfehler gemacht. Ich weiß das nicht so genau. Das ist aber hier auch nicht wichtig, mir geht es gar nicht um dieses Geld. Mir geht es um die Ignoranz dieser drei Männer. Denn das berührt eine Einsicht, die über meine persönliche Erfahrung hinausgeht. Das ist eine Einsicht, die ich weitergeben möchte, weil ich immer noch davon ausgehe, es muss Gründe für dieses Nichtbezahlen geben, die andere sind als bewusster Diebstahl.

Ich habe auch schon für Zeitungen und Verlage geschrieben, ohne mein Honorar zu erhalten. Die Unternehmen waren pleite. Das Verhalten war jeweils dasselbe wie bei meinen drei Bestellern. Der Kontakt wurde abgebrochen. Es wurde sich tot gestellt. Dabei haben mich die Männer bei ihrer Bestellung freundlich und persönlich angesprochen. In Radolfzell wollte jemand mehr zahlen für meine Mühen. Für Geldern sollte es besonders schnell gehen, was ich vor Weihnachten gut verstand und erledigte. In Mündelheim war es eine Doppelbestellung. Alle drei Buchbesteller leben noch. Ich wollte das herausfinden, und ich denke, in Mündelheim werde ich demnächst vorbei fahren.

Euch möchte ich mit dieser kurzen Karfreitagspredigt mit auf den Weg geben, solltet ihr in finanzielle Schwierigkeiten geraten, stellt euch nicht tot. Nehmt Kontakt auf zum Gläubiger. Erklärt, was geschieht. Mein Ärger ohne Antwort zu bleiben ist mindestestens ebenso groß wie der Ärger über den Geldverlust. Wenn ich genau überlege, ist er sogar größer. Für die Bewältigung des einen Ärgers ist der Rechtsstaat zuständig, für den anderen Ärger aber der einzelne Verursacher selbst. Es wäre schön, wenn Jesus bei seiner Schuldbewältigung für die Menschheit etwas abgenommen würde.

Die Attraktivität von Fußball – Funny van Dannen kennt das Geheimnis

Es gab schon mal besser zusammengestellte Kader des MSV Duisburg. Dabei denke ich nicht an die spielerische Qualität, ich denke ganz allein an meine sehr persönlichen Interessen. Als Ein-Mann-Unternehmer des Zebrastreifenblogs schaue ich nämlich hin und wieder auch auf Clickzahlen und staune über all die Suchbegriffe, die die Menschen in diese Räume hier führt.

maierhoferIn den besseren Zeiten schrieb ich etwa einen Spielbericht, erwähnte Stefan Maierhofer und, schwupps, schon brauchte ich keine nackte Spielerfrau mehr in einem Text zu erwähnen, wenn ich mal wieder mehr Reichweite erzielen wollte. Natürlich weiß ich um Reichweiten-Qualitäten und wer sich für die sexuelle Orientierung von Stefan Maierhofer interessiert, ist für mein überaus seriöses Werbekunden-Portfolio vielleicht kein Vorzeigeleser. Aber wer weiß – kenn ich mich mit der Ethik des Kapitalismus aus? Guck ich einem Google-Clickgeschenk ins homophobische oder verliebte Köpfchen? Ich weiß das alles nicht.

Ich weiß nur, Homophobie ist weiter Thema in dieser Gesellschaft. So ist es schön, dass Funny van Dannen manches Geschehen im Fußball mal anders anschaut. Spiegel vorhalten nennt sich das. Ist nämlich überhaupt nicht schlimm, wenn Männer sich lieben.

 

 

Wer hier schon länger mitliest, weiß, wie sehr ich Funny van Dannen schätze. „Latente Homosexualität“ ist auf seiner letzten CD „Come on – Live im Lido“ zu finden. Nur eine von vielen deren Kauf sich lohnt – und natürlich geht das direkt beim Künstler.

Gewalt im Fußball, Respekt und Hannelore Kraft

Als ich Neujahr im Radio einen kurzen Ausschnitt aus der Neujahrsansprache unserer Ministerpräsidentin hörte, überkam mich für einen Moment der Drang, Hannelore Kraft schnell dazwischen zu rufen. „Oh nein, Frau Kraft“, wollte ich rufen, „was haben ihre Redenschreiber denn da zusammen gemischt?“ Das war so eine Art bedauerndes Seufzen, weil ich ihrem Wunsch nach mehr Respekt untereinander ja gewogen war. Sie wollte mahnen. Das machen Politiker in Neujahrsansprachen gerne. Aber weil Politiker in Neujahrsansprachen dann oft solche Sätze sagen wie Hannelore Kraft, klingen die Mahnungen gleich substanzlos und beliebig.

Ab Minute 2.35 beginnt Hannelore Kraft von ihrem Wunsch für 2017 zu sprechen. Sie wünscht sich mehr Respekt untereinander und weiß, vielen Bürgern in NRW ginge es ebenso. Sie stellt fest, etwas sei in Rutschen gekommen. Als Beleg führt sie drei Beispiele an, die in den vergangen Monaten immer wieder in Schlagzeilen zu lesen gewesen seien. Doch schon als ich „Gewaltsame Ausschreitungen auf Fußballplatz“ hörte, stöhnte ich leise auf. Es folgte noch „Rettungskräfte behindert und angegriffen, oder sogar Morddrohungen gegen Kommunalpolitiker.“

Gewalt in und vor Stadien hat es seit jeher gegeben. Was ist also dort ins Rutschen gekommen? Wofür soll diese Gewalt im Stadion ein Beleg sein? Das ging mir durch den Kopf. Schnell wirkte deshalb der Appell zu mehr Respekt hilflos auf mich, weil er auf beliebige Konflikte dieser Gesellschaft angewendet wurde. Und nur der Deutlichkeit halber, das gehört für mich nicht in die Schublade pauschale Verurteilung von Fußballfans. Es wurde nur nicht genau genug über die Bedeutungsweite des Begriffs Respekt nachgedacht.

Im Grunde hätte sich Hannelore Kraft entscheiden müssen, welchen Respekt sie meint. Sprechen wir über das Klima, die Atmosphäre, in der Konflikte dieser Gesellschaft ausgetragen werden? Oder redet sie von etwas noch Allgemeinerem, etwas, in dem auch die Höflichkeit mitschwingt, die Wertschätzung des anderen im Alltag unabhängig von Konflikten, der Blick aufs Wir statt aufs Ich?

Gerade wenn es um eine allgemeine Haltung zur Welt geht, muss man präzise sein in der Erfassung der Wirklichkeit, die von dem angemahnten Defizit berührt wird. Nur dann wirkt die Mahnung, sich dem entgegen zu stellen, was als beklagenswert beschrieben wird. Konkret Handeln lässt sich bei den oben genannten Beispielen nur im Falle der Rettungskräfte, die behindert werden. Die zwei anderen Beispiele haben wenig mit Respekt und viel mit Fragen der Politik zu tun. Sie dienen als Wohlfühlgelegenheit für alle, die sich beim Thema Respekt auf der sicheren Seite wähnen.

Interessant, je näher ich dem Begriff Respekt komme, desto weniger scheint er mir hilfreich zu sein. Obwohl auch ich zu den von Hannelore Kraft erwähnten Mitbürgern gehöre, die ein respektvolleres Klima in unserer Gesellschaft für erstrebenswert halten.

Die Magie des Fußballs

Der Fußball lässt mit seinen Zufällen im Spiel Raum für das Unerwartete. Mit dem Fußball proben wir 90 Minuten lang das Leben in unserer Suche nach Glück und spüren immer wieder, wie schmerzhaft es sein kann, dieses Glück zu verlieren. Wir erleben diesen Verlust in aller Ernsthaftigkeit, und können das Glück als wirkliches Glück der Erfüllung für Momente empfinden. Doch wir alle, selbst jene, die immer wieder sagen, ihr Verein sei alles in ihrem Leben, bewältigen die Niederlagen mit einem dünnen Puffer Linderung durch das Spiel. Das Glück des Erfolgs bleibt lebendig. Die Enttäuschung aber, die Trauer wird hervorgerufen und zugleich gelindert durch das Spiel. Das ist die Magie dieses Fußballs.

 

MSV beim Platzhirsch-Festival – Dein tollstes Fußballerlebnis und andere junge Texte auf der Bühne

Neunmal fand bislang die Offene Lesebühne für Kinder und Jugendliche von DU schreib(s)t in der Hamborner Stadtbücherei statt. Die jüngsten Teilnehmer waren neun Jahre alt. Der älteste war 20 Jahre alt. Zweimal im Jahr gibt es im Duisburger Norden die Gelegenheit für die junge und jüngste Autoren, eigene Texte auf einer Bühne zu präsentieren. Am ersten Septemberwochenende nun wird die Offene Lesebühne beim Platzhirsch-Festival zum ersten Mal ein stadtweites Angebot sein.

Für diese Premiere beim Platzhirsch-Festival wird eine Gruppe der Teilnehmer in Kooperation mit dem MSV Duisburg durch einen Schreibwettbewerb ausgesucht:

Erzählt von einem besonderen Stadionbesuch. Schreibt über den Fußball, den ihr spielt. Schreibt Siegeslieder oder Geschichten, wie ihr Niederlagen weggesteckt habt! Erzählt von besonderen Momenten mit eurem Team, ob als Fußballer oder als Zuschauer in der Arena. Oder ihr lasst eure Fantasie spielen und erfindet die tollsten Geschichten rund um den Fußball.

Ihr könnt Aufsätze schreiben und kurze Geschichten. Oder ihr verfasst einen Rap oder Gedichte. Ihr könnt die Texte mit dem Computer schreiben und per E-Mail einschicken. Ihr könnt aber gerne auch handgeschriebene Texte per Post einreichen.

Einsendeschluss ist der 20. August 2016. Schickt eure Text bitte entweder per Post an MSV Duisburg, ZebraBande, Margaretenstraße 5 – 7, 47055 Duisburg oder per E-Mail an Riccarda.Schroeder-Lorenz@msv-duisburg.de.

Den kompletten Ausschreibungstext findet ihr mit einem Klick – auf der Seite des MSV Duisburg.

Unabhängig von dem Wettbewerb können sich aber auch Kinder und Jugendliche mit Texten anderer Inhalte für einen Auftritt bewerben. In dem Fall gilt ebenfalls, was gelesen wird, bestimmen die jungen Duisburger selbst. Das können sowohl Rap als auch Liedtexte sein oder Gedichte. Es kann eine Kurzgeschichte sein oder der Ausschnitt einer längeren Erzählung. Auch hier wählt eine Jury aus den Einsendungen aus. Ich werde die Veranstaltung moderieren und bei Lampenfieber zur Seite stehen. Bis zum 20. August sollten die Texte an  ralf.koss[at]web.de geschickt sein, dann haben die jungen Autoren die Möglichkeit sie am Freitag, den 2. Septeber, auf der Bühne zu präsentieren.

Gastbeitrag: Klaus Hansen über das Wembley-Tor, den Fußball damals und den der Gegenwart

Egal ob Wedaustadion, MSV-Arena oder Schauinsland-Reisen-Arena, der Sozialwissenschaftler Klaus Hansen kommt seit der ersten Bundesliga-Saison zu den Spielen des MSV. Mehrmals waren in diesen Räumen hier schon Gastbeiträge von ihm zu lesen. Mit drei Tagen Verspätung kann ich heute von ihm ein Zeitzeichen online stellen. Er erinnert an das Wembley-Tor vor 50 Jahren und nimmt das zum Anlass, sich an das Wesen des Fußballs jener Zeit zu erinnern. Den Fußball der Gegenwart stellt er ihm kritisch gegenüber. Bitte schön!

30. Juli 2016 – ein Zeitzeichen zum Tage

Von Klaus Hansen

Heute wird an den 30. Juli 1966 erinnert. 50 Jahre ist es her. In London findet das Endspiel der 8. Fußball-Weltmeisterschaft statt, England gegen Deutschland. Dank eines 2:2-Unentschiedens nach 90 Minuten geht das Spiel in die Verlängerung. In der 11. Minute der Zusatzzeit fällt das 3:2 für England, das “Wembley-Tor”. Bis heute ist es umstritten; bis heute weiß man nicht mit Sicherheit, ob der Ball im Tor war oder nicht; bis heute wird darüber debattiert – und erst recht am heutigen Jubiläumstag. Die englischen Spieler sahen den Ball damals “drin”, die deutschen nicht. So tun sie es noch heute. Auch der Schweizer Schiedsrichter wusste damals nicht, was Sache war und befragte darum seinen sowjetischen Linienrichter. Der habe mit dem Kopf genickt und “Goal” gesagt, woraufhin der Schiri den Treffer gab. Viele Jahre später und kurz vor seinem Tod soll der sowjetische Linienrichter auf die Frage, warum er auf Tor entschieden habe, nur mit einem Wort geantwortet haben: “Stalingrad”.

Die Schlacht um Stalingrad war 1942/43, das Wembley-Tor fiel 1966, der, der es verifizierte, ein sowjetisierter Aserbaidschaner vom Jahrgang 1925, starb 1993. Und heute, 2016, wird uns das ganze Geschehen zu einem Symbol für das “Jahrhundert der Extreme”, wie Eric Hobsbawm das 20. Jahrhundert genannt hat: Dem Widerspiel von Stalinismus und Hitlerismus ist auch noch 20 Jahre nach dessen Ende das “dritte Tor” zu verdanken, wie wir heute, 50 Jahre später, erkennen müssen. – Das ist doch die spannende Frage aller “Fußballkritik”: Wie wirkt die Zeitgeschichte auf den Fußball ein, wie spiegeln sich die Zeitläufte im Fußballspiel wider?  Worin entsprechen sich die “Adenauer-Zeit” in der Nachkriegspolitik mit der “Herberger-Zeit” im Nachkriegsfußball? Hat der “Libero” der 70er-Jahre mit dem libertinären 68er-Geist zu tun, so wie heute das von der “Ballbesitz-Ideologie” abgeleitete “Gegenpressing” mit dem modernen Börsenkapitalismus, der “Gewinnwarnungen” ausgibt, wenn er auf Verluste spekuliert?

Aus subjektiver Perspektive ergibt sich ein wiederum anderes Bild.

Zum Zeitpunkt des Endspiels 1966 war ich gerade 18 geworden. Ich befand mich zusammen mit meinen Pfadfinderkameraden auf dem Weg zum großen Sommerlager im Fichtelgebirge, ein Zeltlager mit Selbstversorgung für drei Wochen. Erstmals durften auch Pfadfinderinnen mitfahren. Für sie war eine in der Nähe unserer Lagers gelegene Jugendherberge vorgesehen. Auch Marion war dabei, auf die ich ein Auge geworfen hatte. Wir saßen alle zusammen, 48 Jungen und Mädchen, in einem Reisebus vom Ruhrgebiet ins Frankenland. Im Autoradio lief in miserabler Akustik und mit vielen Unterbrechungen die Reportage vom Endspiel in London, aber das kümmerte uns nicht besonders. Obwohl wir alle sportlich interessiert und aktiv waren. Viele Fußballer waren unter uns, zwei gute Leichtathleten und ein Ausnahme-Schwimmer, der später Deutscher Meister im Wasserball werden sollte. Ich selbst war gerade mit der A-Jugend meines Vereins Niederrhein-Meister im Handball gworden. Der Fußball hatte für uns eine gewisse Bedeutung, aber keinen alle anderen Sportarten deklassierenden Stellenwert. Die Bundesliga war noch jung, die Profis waren noch halbe Amateure und der WM-Erfolg der Nationalelf von 1954 hatte es noch nicht zum allseits verklärten “Wunder von Bern” in den allgemeinen Sprachgebrauch geschafft.

Wir nahmen das Geschehen in London also gelassen hin. Auch in den Tagen danach, während unserer Zeltlagers, war das “dritte Tor”, das noch nicht “Wembley-Tor” hieß, kein Thema. Heute aber ist es ein Thema, immer noch! Vielleicht auch deshalb, weil wir ahnen, dass uns so etwas heute fehlt? Weil unsere Unterdrückungswut auf den “subjektiven Faktor” solche Themen heute gar nicht mehr aufkommen lässt? Aus dem “Spiel mit Fehlern”, das der Fußball nun einmal ist, möchte man auf Teufel komm raus alle Fehler eliminieren – und den Zufall obendrein. Wir fürchten, dass der Fußball an einem Mangel an Mängeln und einem Übermaß an Vorhersehbarkeit zugrunde gehen könnte.

Heute wäre das Geheimnis um das “Wembley-Tor” schon nach Sekunden keines mehr. Wenn der vollsynthetische Fußball des Jahres 2016, der fälschlicherweise noch “Leder” heißt, von der Querstange aus Aluminium, die fälschlicherweise noch “Latte” heißt, auf den Boden prallt, der noch – aber nicht mehr lange – “Rasen” heißt, dann schickt die Software des mit sieben Torkameras munitionierten “Hawk-Eye”-Systems das Signal direkt auf die Armbanduhr des Schiedsrichter-Technokraten: Ob Tor oder Nicht-Tor, hinter der Linie oder nicht, ist dann binnen Sekunden definitiv. Weder die Ratlosigkeit Schweizer Schiedsrichter noch das Ressentiment weltkriegsgeschädigter Linienrichter hätten heute noch eine Chance.

Warum überhaupt noch organische Mängelwesen bei der Regelüberwachung einsetzen, wenn selbst der Fußball inzwischen von gewissenlosen Robotern mit humanoidem Antlitz gespielt wird? – Bitte antworten Sie selbst, nostalgischer Freund der fußerzeugten Kunst!


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