In eigener Sache: 111 Orte im Ruhrgebiet, die uns Geschichte erzählen

Immer mal wieder blicke ich hier auch über den Fußball-Tellerrand. Heute mache ich das in eigener Sache. Der ein oder andere wird es schon mitbekommen haben, seit einer Woche ist 111 Orte im Ruhrgebiet, die uns Geschichte erzählen im Buchhandel erhältlich. Inzwischen weiß ich manchmal nicht mehr, wer zunächst das Alter Ego des anderen war, jedenfalls hat dieses Buch nicht Kees Jaratz geschrieben sondern Ralf Koss.

Als Der Stig mich neulich beim Erscheinen fragte, was es denn mit diesen 111 Orten auf sich habe, erzählte ich ihm, mit diesen 111 über das Ruhrgebiet verteilten Orten wollte ich die gesamte Geschichte des Ruhrgebiets von der Antike bis in die jüngste Vergangenheit auf unterhaltsame Weise erzählen. Ich wollte die unbekannteren Geschichten an manchen bekannten, klassischen Orten dieser Region erzählen. Ich wollte an überraschenden Orten Bedeutsames für die Region vorstellen und den Bogen schlagen – wenn möglich oder nötig –  zur allgemeinen deutschen Geschichte. Ich wollte den Lesern des Ruhrgebiets zeigen, da kommt ihr her und  ihr habt eine gemeinsame Geschichte. Außerdem sollten historische Bilder der Orte zu sehen sein und mit einem aktuellen Bild sollte gezeigt werden, wie es heute dort aussieht. Ich hatte mir also viel vorgenommen.

Anschließend habe ich Dem Stig das Vorwort des Buchs zu lesen gegeben. Vielleicht hilft es euch ebenfalls einen Eindruck zu gewinnen, worum es mir bei der Arbeit an dem Buch ging.

Das Ruhrgebiet in der Vergangenheit, das sind Kohle und Stahl. So wird es meist erzählt. Tatsächlich führte erst die Industrialisierung in den Städten der Region zu dem Bewusstsein, eine gemeinsame Geschichte zu besitzen. Tatsächlich richtete sich die Aufmerksamkeit meist auf das Geschehen in der Montanindustrie. Hoffnung, Auseinandersetzungen und Sorgen brachte sie mit sich, oft stellvertretend für ganz Deutschland, sei es im Deutschen Reich oder nach dem Zweiten Weltkrieg, sei es im Zuge des so genannten Strukturwandels.
Doch so sehr die Industrie noch das gegenwärtige Bild des Ruhrgebiets prägt, diese Stadtlandschaft bietet selbstverständlich auch andere Geschichte(n). Ob es Ereignisse in den Hanse- oder Ackerbürgerstädten fernerer Zeiten sind oder Begebenheiten der jüngeren Vergangenheit, die im Ruhrgebiet nicht vermutet werden, weil sie selten erzählt sind. In Kultur und Sport geschah Bemerkenswertes. Was gibt es zur Identität des Ruhrgebiets zu sagen?
Bestimmte Plätze, Häuser, manchmal auch Schächte, einzelne Orte des Ruhrgebiets bestimmen diese Geschichten. Etwas geschah und wirkt weiter, auch jetzt, wo die Bevölkerung sich nicht mehr zu großen Teilen aus Bergleuten und Stahlarbeitern sowie ihren Familien zusammensetzt. Mit den erzählenswerten Geschichten der Vergangenheit geht es eben auch um die Frage, was diese Region für wichtig nimmt, und wohin sie vielleicht gehen wird.
Mit unseren Geschichten wollen wir auch Alltag und Lebenswirklichkeit des Ruhrgebiets durch die Zeitläufte einfangen. Wir wollen zum Weiterlesen anregen, zum Nachdenken darüber, wie die Vergangenheit in die Gegenwart hineinwirkt. Wo sie bestimmend ist, ohne wahrgenommen zu werden. Wo sie hilfreich sein kann, weil mit ihr Stärken dieser Region aufscheinen.

Wer einen Blick ins Inhaltsverzeichnis werfen will, klickt einmal weiter zu der Seite im Netz, auf der nicht nur zusätzliche Informationen rund um das Buch online gestellt werden, in Zukunft wird es dort regelmäßig um weitere Orte im Ruhrgebiet gehen, die Geschichte erzählen. 

 

Ralf Koss und Stefanie Kuhne
111 Orte im Ruhrgebiet, die uns Geschichte erzählen
240 Seiten
Emons Verlag
€ 14,95

In der Parallelwelt kam die Entscheidung in der Nachspielzeit

Für uns Duisburger bringt das Pokalspiel nachträglich einen Beweis dafür, dass wir nicht zu jeder Zeit in der besten aller Welten leben. Irgendwo und irgendwie gab es am Dienstagabend eine Parallelwelt, zu der der Kölner Stadt-Anzeiger den Zugang gefunden hatte.

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Der Dank fürs Finden gilt dem Kölner Andreas Peters bei Twitter.

Die Mitarbeiter des Kölner Stadt-Anzeigers wollen übrigens anscheinend keine Unruhe in Physik, Philosophie und DFB. Sie erklären den Blick in die Parallelwelt mit den Mitteln dieser Welt. Ein Produktionsfehler bei wenigen Ausgaben sei diese Schlagzeile gewesen. Doch wenn dort schon in dieser Welt geblieben wird, fehlt mir noch der Grund für diesen Fehler: die große Sorge der Kölner Sportjournalisten vor dem Siegtor des MSV.

Ein großes Pokalspiel ohne glückliches Ende für den MSV

Heute morgen bin ich immer noch völlig erschöpft, nachdem für die lange Anspannung beim Pokalspiel des MSV Duisburg gegen den 1. FC Köln die Nacht viel zu kurz gewesen ist. Meine innere Leere aber füllen langsam die Worte. Gestern Abend noch habe ich mir nicht vorstellen können, einen einzigen Satz über das Spiel schreiben zu können.

Ich hatte das Elfmeterschießen gefürchtet und offensichtlich nicht nur ich. Mit Beginn dieses Elfmeterschießens schien das gesamte Stadion mit Ausnahme der Gästeblöcke wie gelähmt. Es war still geworden. Es gab nur noch Hoffnung und nicht mehr das Vertrauen auf das eigene Können. Wenn es uns auf den Rängen schon so geht, müssen Fußballspieler besondere Fähigkeiten haben, sich völlig aus der Gegenwart herauszuziehen in eine eigene Welt. Das gelang Dennis Grote und Zlatko Janjic nicht. Sie besaßen wie wir nur noch Hoffnung und waren sich ihres Schussvermögens nicht mehr sicher. Dem MSV Duisburg erging es gestern wie den Essenern im Niederrheinpokal. Auch die Essener mussten beim Elfmeterschießen auf die Gästekurve zulaufen. Auch die Essener spürten von jetzt auf gleich die ungeheure Last, dass dieses Weiterkommen im Pokal nur noch von wenigen völlig freien Schüssen abhängt. Auch die Essener hatten während des Spiels den klassenhöheren Gegner MSV an den Rand der Niederlage gebracht. So viel Einsatz war vergeblich geleistet worden, und nun hing alles von den freien Schüssen ab. Ich habe mir die ersten beiden Elfmeter vom MSV Duisburg nicht ansehen können. Für mich wie für die ersten beiden Schützen war dieses Elfmeterschießen zu viel.

Der MSV Duisburg hat dem 1. FC Köln ein offenes Spiel geliefert. Von Anpfiff an zeigte diese Mannschaft, dass sie sich zutraut dem zwei Klassen höher spielenden Gegner offensiv zu begegnen. Die Kölner waren zunächst viel zu sehr damit beschäftig, sich der Angriffe des MSV zu erwehren, als dass sie selbst in die Nähe des Duisburger Strafraums hätten kommen können. Erst nach einiger Zeit gelangen erste Angriffe und in jedem einzelnen Angriff blitzten überlegene individuelle spielerische Qualitäten der Kölner Spieler zwar auf, dennoch gelang es der Defensive des MSV diese Angriffe fast immer in ungefährliche Spielaktionen zu verwandeln.

Die Mannschaft des MSV hat so sehr als Einheit gewirkt, dass ich lange nachdenken muss, um mich an einzelne Spielaktionen zu erinnern. Das Spiel wogte hin und her und war im ständigen Fluss. Auch die Kölner wirkten in dieser ersten Halbzeit als einziger Körper, der sich mal hierhinschiebt und mal dorthin, der sich ausbuchtet, je nachdem, wo sich der Ball gerade befindet. Es gab kaum Ruhephasen. Ständig passierte etwas. Es war ein sehr gutes Pokalspiel, in dem es schließlich auch auf beiden Seiten zu Torchancen kam. Nur bei diesen Torchancen deutete sich der Klassenunterschied an, die der Kölner waren klarer herausgespielt und eine ihrer Chancen war zudem die größte des Spiels. Michael Ratajczak war schon in die eine Ecke gesprungen, während der Ball in die andere Richtung trudelte. Die Fußabwehr sah sehr nach einer Spitzentanzfigur im Liegen aus und womöglich wäre der Ball im Tor gewesen, trüge Michael Ratajczak zwei, drei Größen kleinere Fußballschuhe.

Wie wir erwartetet hatten, versuchte der FC in der zweiten Halbzeit überlegener aufzutreten. Man spürte das Bemühen, mehr Torgefahr zu entfalten und zu zeigen, welche Mannschaft zwei Ligen höher spielt. Ein paar der Kölner Spieler schienen dann genervt davon zu sein, dass sich der MSV Duisburg davon nicht beeindrucken ließ. Den Zebras gelang es immer wieder die vermeintliche spielerische Überlegenheit im Keim zu ersticken, auch wenn es einzelne Situationen gab, in der ein einzelner Kölner Offensivspieler drei, vier Duisburger Defensivspieler beschäftigte. Dennoch begann ich mir Sorgen zu machen, die augenblicklich verschwanden als der eingewechselte Slawomir Peszko die rote Karte erhielt. Ich nehme an, in der nächsten Session wird er als “Doof Nuss” im Karneval auf die Bühne gehen. Ein Freistoß war den Kölner zugesprochen worden. War es Tim Albutat, der die schnelle Ausführung mit Dazwischenstochern behindern wollte? Peszko hatte schon zum Tritt ausgeholt und zog dann einfach durch, als der Ball wegkullerte und sich das Schienbein Albutats als Ballersatz anbot. Da lässt sich eine wunderbare Slapsticknummer draus machen. Am Timing müsste Tim Albutat dann nur ein wenig arbeiten. Er fiel etwas spät. Sei es drum. Köln spielte fortan mit nur zehn Mann sehr viel defensiver.

Geduldig versuchte der MSV diese dicht gestaffelte zwei Reihen auszuspielen. Für mich war es überraschend, dass das sogar besser gelang als in der 3. Liga. Die Mannschaft ging das Risiko ein, was nötig ist, um mit Pässen freie Räume zu nutzen. Dennoch gelang es nicht, die eine große, unfehlbar auszunutzende Torchance zu erspielen. Es war einfach schwierig, den Druck zu erhöhen und gleichzeitig defensiv keine Blößen zu geben.

Wie gefährlich die Kölner auch in Unterzahl sein können, zeigte sich in der Verlängerung. Ihr präzises Passpiel auch über große Strecken machte ihnen einen Konter möglich, bei dem Michael Ratajczak schon ausgespielt war und der Ball aus halbrechter Position langsam auf das leere Tor zurollte und ich schon verzweifelte über diese nun doch eintretende Enttäuschung, die aber erst einmal noch verschoben wurde. Unfassbar langsam kullerte der Ball an den Pfosten und die Siegchance war noch da.

Unfassbar waren auch die zwei Pfiffe, mit der der Schiedsrichter zwei Spielaktionen von Kingsley Onuegbu nacheinander am Ende der ersten Hälfte der Verlängerung unterband. Eine gelbe Karte zeigte er dem Spieler sogar nach dem ersten Pfiff. Was hat er da gesehen? In beiden Situation setzt sich der “King” zwar eckig, aber ohne Foulspiel durch. Das waren Pfiffe nach Augenschein, aus Sorge ein kämpferisches Spiel könne in rohe Gewalt umschlagen. Anders kann ich es mir nicht erklären. Aus beiden Spielsituationen hätte Torgefahr entstehen können. Ich darf nicht darüber nachdenken, sonst wird aus Enttäuschung nur wieder Ärger.

Das Siegtor für den MSV fiel nicht mehr. Eine große Chance durch Dennis Grote gab es noch kurz vor Schluss, und als das Spiel abgepfiffen wurde, mischte sich meine Hoffnung bereits mit dem Aufbäumen gegen eine drohende Enttäuschung. Keine guten Voraussetzungen für ein Elfmeterschießen.

Als Trost erträumte ich mir auf dem Heimweg einen sicheren Aufstiegsplatz  ab Mitte März. Vielleicht kann Fabian Schnellhardt ein Gewinner dieses Spiels werden. War doch zum ersten Mal erkennbar, wie sehr der Mannschaft bei engen Räumen seine technischen Fähigkeiten nützen. Vielleicht aber kann auch die gesamte Mannschaft noch etwas gewinnen, wenn sie das Selbstbewusstsein in den Ligaalltag mitnimmt, ein Spiel bei engen Räumen auch gestalten zu können.

Trainerstimmen sowie: effzeh.com fragt – Kees Jaratz antwortet

Noch wenige Stunden bis zum Anpfiff des Pokalspiels vom MSV Duisburg gegen den 1. FC Köln. Dank Kevin Scheidhauer herrscht in Köln über die Spielstärke des MSV keine vollständige Klarheit. Wenn ich FC-Trainer Peter Stöger auf der Pressekonferenz des 1. FC Köln höre, so verstärkt sich mein Eindruck, die gelb-rote Karte gegen Kevin Scheidhauer ist alles in allem ein Vorteil für den MSV Duisburg gewesen. Nicht nur, dass sich deshalb zwangsweise die Taktik im Spiel gegen Dynamo Dresden so verändern musste, dass die Dresdner kaum noch Vorteile aus ihrem überlegeneren Konterspiel ziehen konnten, nein, auch Peter Stöger musste ratlos nach Hause fahren. Zumindest gibt er vor, das Spiel habe ihm wegen eben dieser gelb-roten Karte nur wenig Aufschlüsse für das Pokalspiel heute geben können. Andererseits gibt es Infos anscheinend durch andere Quellen, was die ansonsten unaufgeregte Aura des hoffnungsfrohen Favoriten vollkommen erklärt.

Höre ich allerdings Gino Lettieri, so scheint mir die gelb-rote Karte doch von Nachteil gewesen zu sein. Das Spiel gegen Dynamo Dresden wurde einfach anstrengender für die Mannschaft. So ist das mit den Perspektiven, kaum vertraut man auf eine und meint die Wahrheit fest im Griff zu haben, kommt irgendein Widerspruch um die Ecke. Erst was wirklich wird, gibt einen Hinweis darauf, was wahr sein könnte. Ansonsten bemerke ich die unaufgeregte Aura des etwas weniger hoffnungsfrohen Außenseiters.

Von mir gibt es als Spielvorbereitung zwar keinen youtube-Clip, dennoch habe ich ebenfalls Fragen beantwortet – ganz im Zeichen der rheinländischen Städteverständigung. Sympathische Menschen unter den Anhängern des 1. FC Köln wie die Macher vom Online-Medium effzeh.com nutzen so ein Auswärtsspiel ihres Herzensverein nämlich in dieser Saison, um mehr über den Gegner und auch die Anhänger der fremden Vereine zu erfahren.  Fragen und Antworten waren gestern schon bei effzeh.com zu lesen. Heute biete ich “copy and paste” als Service für die Klickfaulen unter euch. Auf dass ihr mitbekommt, welches Bild vom MSV nun bei einem Teil der FC-Anhänger in der Welt ist:

1. Der Zebra-Twist sorgt beim effzeh-Anhang stets für Erheiterung. Hat das Lied bei Euch ähnlichen Kultstatus?

Ich nehme an, du meinst Erheiterung als freundliches Lob, wenn du danach vom Kultstatus sprichst. Im anderen Fall wäre es so, als würde ich nach der FC-Hymne als diesem einen gefühlsduseligen Karnevalslied fragen. Du siehst, Kultstatus trifft es nicht ganz. Der Zebra-Twist gehört gegen alle modischen Ströme zur MSV-Identiät. Der Song hat alle Versuche, ihn in einer neuer Fassung zu modernisieren oder das Original gar durch ein anderes Stück ganz zu ersetzen überlebt. Das Original ist immer wieder zurückgekommen, weil ein sehr guter Song mit Wirkung über Generationen nicht besser zu machen ist und nicht einfach vergessen wird. Im Verlauf des Stadionhymnen-Hypes ist auch für den MSV eine Hymne hinzugekommen. Aber die steht neben dem Zebra-Twist. Ohne Zebra-Twist geht es nicht. Es gibt nicht viele Dinge, bei dem der MSV Vorreiter war. Der Zebra-Twist als Stadionsong ist es gewesen. Der MSV war der erste Fußballverein Deutschlands, in dem es vor dem Spiel ein Lied gab, in dem der Verein besungen wurde. Was in euren Ohren mehr Kult ist, ist in Duisburg starke Identität.

2. Auch der Stadionname ist eher ungewöhnlich, es sieht von außen betrachtet aus wie eine zu groß geratene Aral-Tankstelle. Ist die Duisburger Fußballheimat dennoch etwas für das Ruhrpott-Herz?

Spielte der MSV in den letzten Jahren immer nur abends gegen den FC seine Heimspiele? Abends kann einem das Blau ja schon mal in die Augen springen. Aber dieses Blau beleuchtet ein ganz gelungenes Stadion dieser Größenordnung. Wir sind damit sehr zufrieden und fühlen uns dort sehr zu Hause. Auch wenn jede spezielle Stadionfrage sofort die Hände zucken lässt, die das ganz große Hellmich-Fass aufmachen wollen. Schließlich ist die Freude über dieses Stadion ganz eng gekoppelt an die finanziellen Schwierigkeiten, die es mit sich gebracht hat. Das lassen wir heute aber. Es ist eine lange und vor allem ungeheuer komplizierte Geschichte. Wir wollen ja schließlich nicht den Anpfiff am Dienstag verpassen.

3. Das Duell gegen den effzeh wirkt auf den ersten Blick als Spiel des Jahres für die MSV-Fans. Trügt dieser Eindruck oder ist ganz Duisburg heiß auf eine Überraschung gegen uns?

Das Spiel des Jahres wird das Pokalfinale werden. Nach dem ersten Drittel der Saison bin ich noch zurückhaltend, wer weiß, was noch kommt. Aber im Ernst. Spiel des Jahres ist übertrieben, was nicht heißt, dass wir sehr gerne einen Sieg gegen den FC sehen würden. Wir Fans sehen aber sehr klar, dass der Erfolg in der Liga einen deutlich höheren Stellenwert hat als ein Weiterkommen im Pokal. Wenn am Dienstag das Stadion voll ist, kommen viele Zuschauer, die selten ins Stadion gehen. Insofern ist das Spiel schon ein besonderes Ereignis. Mit den Notwendigkeiten dieser Saison hat das aber nichts zu tun. Der Aufstieg ist so viel wichtiger als der Pokal, insofern habe ich und mit mir die meisten Anhänger des MSV die Hoffnung, dass das Spiel des Jahres im April spätestens im Mai stattfinden könnte.

4. Wir haben in Sachen DFB-Pokal nach der bitteren 1:2-Pleite vor vier Jahren noch etwas gegen den MSV gutzumachen. Wie hast du die damalige Partie und den anschließenden Zebragalopp bis ins Endspiel wahrgenommen?

Der FC war damals ja schwer angeschlagen. Ich erinner mich noch an die zum Teil hasserfüllte Stimmung auf den Rängen gegen die eigene Mannschaft. Wieder einmal waren Erwartungen enttäuscht, wurden Selbstbilder gekränkt. Ich habe diese schlechte Stimmung natürlich sehr nah mitbekommen, weil ich hier in Köln wohne, weil Freunde von mir FC-Anhänger sind. Deshalb schien mir die Außenseiterchance sehr groß zu sein, und als dann so früh der Führungstreffer für den MSV fiel, schien mir ein Sieg angesichts dieses unzufriedenen Heimpublikums immer wahrscheinlicher. Für den MSV überdeckte der Siegeszug im Pokal die Schwächen in der Meisterschaftsrunde der 2. Liga. Die Mannschaft hatte die Saison gut begonnen und spielte ab dem Herbst nur noch mäßig – außer im Pokal. Gleichzeitig rumorte es hinter den Kulissen, Gerüchte über die finanziellen Schwierigkeiten machten die Runde. Alles nicht sehr erquicklich – außer der Pokal. Dorthin konnte alle Hoffnungen auf die Zukunft hin ausgerichtet werden. Vorübergehend.

5. Derzeit läuft es beim MSV in Liga 3 eher durchwachsen, seit drei Spielen. Wo stehen die “Zebras” derzeit? Auf was müssen wir uns gefasst machen?

In diesem Jahr wird es der FC wahrscheinlich leichter haben als bei der letzten Pokalbegegnung. Es sei denn, es passen an dem Tag viele Dinge zusammen. Grundsätzlich gibt es in dieser Saison einen Kader beim MSV mit guten Spielern, die an manchen Tagen mindestens zweitligatauglich sind. Defensiv steht die Mannschaft meist gut, und in der Offensive kommt es immer darauf an, wie sehr der Gegner das Spiel mitgestalten will. Es fehlt oft die individuelle Stärke, eine enge Defensive zu überspielen. Das geht vielen Mannschaften so in der 3. Liga. Pierre de Wit als kreativer Mann im Mittelfeld fehlt schon lange verletzt. Ich kann mir gut auch ein torloses Unentschieden als Ergebnis vorstellen, wenn ich sehe, dass auch der FC sich erst einmal defensiv orientiert.

6. Christopher Schorch und Fabian Schnellhardt waren früher beim effzeh, spielen seit dieser Saison beim MSV. Wie schlagen sich die beiden?

Christopher Schoch kommt gerade zurück in die Stammformation. Zu Beginn der Saison war er dort schon einmal, aber nach einer roten Karte kam er nicht sofort zurück in die Anfangsformation. Er ist sehr präsent und selbstbewusst, defensiv stark, das Spiel nach vorne entspricht in der Qualität nicht ganz seinem Selbstbewusstsein. Ausbaufähig und – nötig, wenn es weiter nach oben gehen soll. Fabian Schnellhardt soll sich beim MSV entwickeln, hat bisher nur Einwechselzeiten, meist in den letzten 20 Minuten, wenn ein unentschiedenes Spiel noch gewonnen werden soll. Nach blassen Anfängen nun deutlich präsenter. Wächst gerade in die Mannschaft rein. Bislang fehlte Bindung, damit er Möglichkeiten erhielt, seine starken technischen Fähigkeiten auszuspielen.

7. Du lebst selber in Köln. Wie ist dein Verhältnis zum effzeh, was verbindest du mit unserem Klub?

Ich sage immer, Köln und das westliche Ruhrgebiet sind für mich benachbarte Stadtteile meiner imaginären Heimatstadt, und natürlich kommt man als Kölner in keiner Weise am FC vorbei. Nachdem ich Anfang der 1980er Jahre nach Köln zog, wurde dieser Verein ja immer klarer Teil der Identität dieser Stadt. Der Fußball überhaupt entwickelte ja einen ganz anderen gesellschaftlichen Stellenwert. Sprich: ich verfolge, wie der Verein spielt, frozzel die FC-Fans unter meinen Freunden an, wenn es mal wieder nicht so gut läuft, hin und wieder bin ich auch ohne MSV-Beteiligung im Stadion. Selbst Basketball spielend gehört mein Herz in Köln allerdings dem Basketball, lange Zeit ja dem Erstligabasketball. Momentan kann ich sogar Anhänger meines Heimatvereins sein, des Deutzer TV. Dort spielt die erste Mannschaft in der 2. Regionalliga einen wirklich guten Ball. Neben MSV und Deutzer TV bleibt für den FC also kaum Zeit.

8. Zum Schluss: Zebras oder Geißböcke – wer macht sich auf ins Achtelfinale?

Realistisch betrachtet wird der FC mit einem Tor Anfang der zweiten Halbzeit das Spiel entscheiden. Andererseits entwickeln sich Fußballspiele, und natürlich kann ein weiterer Kölner immer mal wieder ein unfassbares Tor wiederholen, wie er es neulich geschossen hat. Michael Gardawski hob den Ball von nahezu der Grundlinie außerhalb des Strafraums ins lange Eck. Großartiges Tor, großartiger Sieg. Gefiele mir deutlich besser

Mit Ärger im Bauch und Zufriedenheit im Kopf

So fühlt sich richtige Enttäuschung also an. Das hatte ich ganz vergessen. In der letzten Saison konnte es für mich so eine Art Enttäuschung nicht geben, weil ich keine Erwartungen hatte. Erst in dieser Saison wieder gibt es für mich eine Hoffnung, die bedroht werden kann. In dem Spiel gegen Dynamo Dresden war diese Hoffnung auf das Unaussprechliche zum ersten Mal in dieser Saison so bedroht, dass sich Enttäuschung in Ärger verwandelte und ich schimpfend das Stadion verließ. Ich schimpfte nicht auf den Schiedsrichter. Ich schimpfte auf Spieler, die bei eigenem Misserfolg als erstes zum Schiedsrichter sahen und dann erst mit der entsprechenden Verspätung bei ausbleibenden Pfiff dem Gegenspieler und dem verloren gegangen Ball hinterliefen. Der Ärger verklang, doch ich muss aufpassen, nicht erneut griesgrämig zu werden angesichts der Stellungnahmen nach dem Spiel. Mir geht der Blick bei der Bewertung dieses Spiels viel zu sehr weg von der eigenen Leistung. Viel zu sehr rückt die gelb-rote Karte gegen Kevin Scheidhauer als spielbstimmendes Element ins Zentrum der Nachbetrachtung. Viel zu sehr wird auch über den Schiedsrichter geredet.

Natürlich bin ich froh über das torlose Unentschieden, nachdem der MSV fast eine Halbzeit lang mit zehn Mann hat spielen müssen. Überspitzt lässt sich aber auch sagen, die gelb-rote Karte hat dem MSV das Unentschieden gerettet. Denn diese gelb-rote Karte führte dazu, dass sich die Mannschaft defensiver orientierte und Dynamo Dresden sehr viel weniger Raum zum Kontern ließ als in der ersten Halbzeit. Den Dresdener gelang der langsame Spielaufbau nämlich ebenso wenig wie dem MSV. Die Kontermannschaft Dynamo Dresden in der ersten Halbzeit war aber bis auf den Torabschluss sehr gefährlich. Zwar war es nicht so wie es der Kommentar im Spielbericht vom WDR suggeriert, Dynamo Dresden sei die haushoch überlegene Mannschaft gewesen, die Dresdner Spielanlage schien nur erfolgsversprechender. Denn dem MSV Duisburg gelang es nicht, die starke Defensive der Dresdener zu überspielen. Die Dresdener waren gedankenschneller und wirkten sicherer am Ball. Während die Zebras selbst unbedrängte Pässe regelmäßig halbhoch spielten und der annehmende Spieler Zeit brauchte, den Ball unter Kontrolle zu bringen, kamen die Pässe der Dresdner flach und genau, so dass die Spieler sie jeweils schnell verarbeiten konnten.

Nachdem dann zu Beginn der zweiten Halbzeit der Schiedsrichter offensichtlich vergessen hatte, dass er Kevin Scheidhauer bereits einmal verwarnt hatte, kam es bei seiner so entschieden gezogenen gelben Karte notgedrungen zum gelb-rot. Der Stürmer hatte sich den gegnerischen Abwehrspieler mit ausgestrecktem Arm vom Leib gehalten. Wer in Gesichtshöhe mit seinem Arm herumstochert, riskiert Strafen. Das muss Kevin Scheidhauer einmal gesagt werden. Er kann gerne einmal bei mir oder anderen Basketballspielern in die Lehre gehen, wie man sich Freiraum mit dem Arm auf Bauchhöhe verschafft. Das scheint doch dringend notwendig zu sein und erinnert noch einmal an die Aufbruchzeiten des Fußballs in der jüngsten Vergangenheit, als sich die deutschen Nationalspieler per Hockey oder eben Basketball weiterbildeten. Oder hat er doch alles richtig gemacht und selbstlos seine Mannschaft vor der drohenden Niederlage gerettet?

Auch Enis Hajri kann glücklich sein, dass heute noch nicht Der Stig den Spielbericht schreibt. Der hätte mit Sicherheit deutliche Worte gefunden für dessen ständiges Fallen und Liegenbleiben, sobald er den Ball verlor. Während Hajri dann den Rasen wärmte, konnten seine Mitspieler sehen, wie sie den deshalb viel zu lang unbedrängt ablaufenden Angriff der Dresdner irgendwie gestoppt bekamen. Vielleicht bin ich ungerecht und hatte für meinen Ärger nur ein Ventil gefunden, aber wenn “ich will euch kämpfen sehen” irgendeine Berechtigung hat, dann genau in solchen Momenten. Der Ball wird in der Angriffshälfte verloren, eigentlich hat der Gegner wenig Raum, um seinen Gegenangriff zu starten, doch Hajri zieht es vor, zu Boden zu sinken, anstatt dem verloren gegangen Ball hinterher zu gehen. Natürlich wird er ihn nicht erobern. Er soll nur stören, genaue Pässe erschweren, schnelle Bewegungen des Gegners unmöglich machen.

Ich verliere mich in der Detailkritik, auch weil das große Ganze letztlich nicht gestimmt hat. Sprich: man muss genau hinsehen, an welchen Schaltstellen, dieses große Ganze sich nicht entfalten konnte. Schwierigkeiten, dichte Defensivreihen zu überspielen, sind normal in der 3. Liga. Auch der MSV setzt ja auf dieselbe Spielweise wie Dynamo Dresden: Schnelles Umschalten nach der Balleroberung. Das gilt als Erfolgsrezept, weil die Ballkontrolle im langsamen Spielaufbau so schwierig ist und dazu viele Spieler mit guten technischen Fähigkeiten notwendig sind. Mit Dynamo Dresden sahen wir nur die erste Mannschaft, deren Konterspiel von Anfang an reibungslos ablief – zunächst mit Ausnahme des am Ende zum Erfolg notwendigen Torschusses. Als dieser Torschuss dann gelang, trat noch einmal das Schiedsrichtergespann in Aktion. Endgültig retteten sie das Unentschieden, als sie bei der schwer zu erkennenden Spielsituation auf Abseits entschieden. Statt mit dem 1:0-Sieg für den Gast konnten wir mit einem torlosen Unentschieden das Stadion verlassen.

Wir müssen mit dem Spieltag also zufrieden sein. Einmal mehr tragen die anderen Ergebnisse der Liga dazu bei. Es gibt keine Mannschaft im Moment, die stabil gut spielt. Zu den neun Aufstiegsanwärtern hat sich sogar an diesem Spieltag mit dem VfL Osnabrück ein zehnter Aspirant dazugesellt. Der MSV und wir brauchen einen langen Atem, aber allmählich wieder auch mal eine überzeugende Leistung mit Erfolg am Spielende. Mehr in Münster als am Dienstag gegen Köln.

Dänen lügen nicht – Bewegtbilder aus der Pokalvergangenheit gegen den FC

Neulich erzählte ich es schon, ein nach Duisburg zugezogener Däne hospitiert momentan bei mir. Der Stig kommt aus Aarhus, und  wenn sich einer dort als Jugendlicher Ende der 1990er Jahre für Fußball interessierte, ist es schon verständlicher, warum seitdem sein Herz für den MSV Duisburg schlägt. Die Geschichte wird er sicher später mal selbst erzählen.

Gestern saß er schon an seinem Premierenbeitrag hier, den ich aber erst nach dem Spiel gegen Dresden online stellen werde. Denn Der Stig hat schöne Bewegtbilder zur Pokalvergangenheit mit dem 1. FC Köln gefunden. Allerdings versteht er nicht, warum ich mich heute noch voll und ganz auf das Punktespiel gegen Dynamo Dresden konzentrieren will. Das Pokalspiel ist doch nur das wunderbare Zusatzprogramm bei der viel wichtigeren Pflicht, drei Punkte gegen Dynamo Dresden zu holen. Jetzt schon einen Blick auf Dienstag zu werfen, das lenkt zu sehr ab. Wenn wir das hier machen, geht das vielleicht auch dem ein oder anderen Spieler so. Das Risiko will ich nicht eingehen. Der Stig ist zu ungestüm.

Zumal der Spieltag gestern schon sehr gut begonnen hat. Wieder neutralisierte ein Punkteschwächerer der neun Tabellenersten den Punktevorsprung des Gegners, Arminia Bielefeld besiegte Rot-Weiß Erfurt mit 3:0. Zur Halbzeit hoffte ich zudem sogar noch auf den Sieg von Fortuna Köln gegen Preußen Münster. Mit dem 1:1-Unentschieden bin ich aber auch zufrieden.  Zum Spiel der Ersten Liga sage ich jetzt nichts, das kann Stig Sonntagabend machen bei seinem Beitrag.

Nichts da Sonntag. Dänen lügen nicht! Klingt gut. Ab jetzt immer, wenn ich es bin. Ihr habt´s mitgekriegt? Hier schreibt jetzt Der Stig. Kees hat keine Ahnung. Ihr seid doch nicht weich in der Birne. Der macht´s manchmal einfach zu kompliziert. Natürlich wisst ihr, dass es heute WICHTIG ist. Aber heute Abend, nach dem Spiel kann man sich doch schon mal ein paar Bilder von früher angucken. Hat der sie noch alle? Ich habe die Clips gefunden. Und wenn ich die Dinger online stellen will, dann stelle ich die online. Sonst bleibt euch bis Dienstag doch auch gar keine Zeit, das alles zu gucken. Eine Reportage, ein ganzes Pokalspiel mit Verlängerung. Das musst du doch über ein paar Tage verteilen.

Bevor ihr die Bewegtbilder kriegt, könnt ihr euch mal ansehen, dass die Zebras Heimspiele im Pokal gegen den 1. FC Köln noch nie verloren haben. Passt doch, oder?

1981/1982, 1. Runde:         2:1

1990/1991, Halbfinale:     0:0 n.V. , da gab es dann noch dieses blöde Rückspiel. Sach ich gleich noch was zu.

1992/1993, 2. Runde:       0:0 n. V. , 4:3 im Elfmeterschießen

Das Halbfinale in der Saison 1990/1991 war ja vor meiner Zeit. Damals spielten die Zebras als Zweitligist gegen den FC als Bundesligisten und hätten ihn im Heimspiel fast besiegt. Kees war damals dabei und hat mir erzählt, dass es im Rückspiel am 7. Mai im Müngersdorfer Stadion dann keine Chance mehr gab. Undenkbar heute, dass sich im Müngersdorfer Stadion die Kölner Hools immer auf dem Oberrang der Nordkurve einfanden, weil sie von da aus problemlos mal eben oberhalb des Gästeblocks im Unterrang rübermachen konnten. In dem Spiel aber ergebnislos, sagt Kees.

Dazu passen die ersten beiden Clips, die ich gefunden habe. Die zeigen eine Reportage über die Fahrt der Kölner Hooligans zum Halbfinale nach Duisburg. Kees meint, das sieht im Gegensatz zu der Front zwischen Polizei und Fanszenen heute richtig gemütlich aus. Keine Ahnung, ob das stimmt. Könnt ihr ja mal was zu sagen. In dem Rückspiel gab es noch eine Besonderheit, die “Mach et Otze”-Geschichte. Was für ein Ding, dass FC-Trainer Erich Rutemöller dem Stürmer Frank Ordenewitz erlaubte, eine rote Karte zu provozieren. Der wäre im Pokalfinale wegen seiner gelben Karten gesperrt worden. Die Sperre für rot gab´s damals in den Punktespielen. Am Ende ist er dann doch gesperrt worden, weil Rutemöller nach dem Spiel einfach mal erzählte, wie sie das Sperren-Ding gedreht haben.Blöd gelaufen.

Nun aber zurück zum Hinspiel am 23. April 1991, hier erstmal die Reportage in zwei Teilen – dank mitderstrassenbahn.

Teil 2:

Das Hinspiel ist sogar in voller Länge online gestellt – der Dank gilt. Qualmi1982.

Die zweite Halbzeit samt Verlängerung

Die erste große Anspannung vor einem Spiel

Zum ersten Mal in dieser Saison spüre ich eine gewisse Anspannung vor einem Spiel des MSV Duisburg. Denn nun kommen die Spiele der Hinrunde, in denen aus neun Mannschaften mit Bindung an die Aufstiegsplätze der Tabelle schnell nur vier oder fünf Mannschaften werden können. Damit der MSV Duisburg bei diesen Mannschaften dabei sein kann, sollte das Heimspiel gegen Dynamo Dresden gewonnen werden. Ganz sicher ist das nicht, sonst gäbe es die vier, fünf Mannschaften längst.

Für die Trainer beider Mannschaften sind die Tabellenstände noch nicht so sehr von Bedeutung wie für uns. Stefan Böger wird auf der Pressekonferenz von Dynamo Dresden vor dem Spiel gegen den MSV sehr grundsätzlich, als der Pressesprecher seine zweite Frage nach der Spielvorbereitung mit den Tabellenständen beider Mannschaften schmückt. Er wirkt ab Minute 2.37 ziemlich grimmig, als er trainerüblich erklärt, Tabellenstände seien für ihn nicht von Interesse. Inhaltlicht liegt er mit Gino Lettieri auf einer Linie – und nicht nur mit ihm. Es gibt inzwischen recht lange in der Saison einen allgemeinen Trainerwiderstand gegenüber dem Blick auf die Tabelle. Dieser Widerstand wird variantenreich und je nach Persönlichkeit gefärbt zum Ausdruck gebracht. Die Öffentlichkeit soll gefälligst auch auf die Entwicklung der Mannschaft sehen, auf deren Leistung, dann käme der Rest von alleine.

Dahinter steht wahrscheinlich das ohnmächtige Gefühl und zuweilen sicher auch Erkenntnis, die Bewertung der komplexen eigenen Arbeit in so einer einfachen Form wie der Tabelle dargestellt zu bekommen. Natürlich steht auch die Sorge dahinter, die Erwartungen des Umfeld und der Fans gefährdeten das Ziel. Wir erleben aber auch Versuche, das öffentliche Ansehen der eigenen Arbeit etwas unabhängiger von diesen Tabellen zu machen. Wann das wohl angefangen hat? Sicher gibt es dabei auch die Einflussgröße, Niedergang der sogenannten Traditionsvereine. Denn dieses Beharren auf andere Bewertungsstäbe antwortet ja oft auch auf Forderungen nach Erfolg. Ein interessantes Thema für Leute mit Zeit, die sich mal die Historie des Trainerinterviews anschauen wollen.

Aber seht selbst, Dynamo spielt übrigens auch, um zu gewinnen und ab 11.23 gibt es sympathische Böger-Worte über das Wedau-Stadion und die Mannschaft vom MSV, mit der er damals nach dem lang ersehnten Wiederaufstieg für Furore sorgte:

Der MSV hat ja seit einiger Zeit die kühle Pressekonferenzatmosphäre in das freundlichere Ambiente des Interviews verwandelt. Zusammengeschnitten wurde die Pressekonferenz ja schon vorher. Mir hat es immer sehr gut gefallen, die gesamte Pressekonferenz an einem Stück zu sehen. Das gibt mehr Einblick in Stimmungen und Persönlichkeiten. Das fehlt mir in dieser nun aufbereiteten Quasi-Vorberichterstattung.


Kees Jaratz im Buchhandel

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