Fußballer am Theater

Dass Fußballer sich mit Haut und Haaren einem Verein verschrieben, das gäbe es fast nicht mehr. Es würden schon bei den ganz jungen Sonderbedingungen ausgehandelt. Die Situation beträfe aber alle Vereine, sogar den FC Bayern München, der ja nun wirklich in Geld schwimme.

Das, so meine ich, hat gestern Karin Beier, die Intendantin des Kölner Schauspielhauses, in einem Interview mit dem Kölner Stadt-Anzeiger gesagt. In dem Interview war sie auf die Perspektiven ihrer Arbeit zu sprechen gekommen. Da ging es um sie überraschende Publikumsbegeisterung, Probleme durch den anstehenden Neubau des Schauspielhauses, aber auch um allgemeine Entwicklungen in der Theaterlandschaft und das Verhältnis zu den Schauspielern. Aber wieso hat sie denn dann über Fußballer geredet?

Quatsch, das waren natürlich gar nicht Fußballer. Und ich begann gerade schon zu denken, mit ihren Bemerkungen hinkt sie der Zeit aber ganz schön hinterher. Damit keine Missverständnisse aufkommen, hier das Originalzitat:

Bei unserem vorhergehenden Gespräch bedauerten Sie, dass so etwas wie eine Ensemblebildung kaum noch stattfindet.

BEIER: Dass Schauspieler sich mit Haut und Haaren einem Theater verschreiben, das gibt es fast nicht mehr. Es werden schon bei den ganz jungen Sonderbedingungen ausgehandelt. Die Situation betrifft aber alle Bühnen, sogar das Burgtheater, das ja nun wirklich in Geld schwimmt. Ich verstehe es, aber ich finde es schade.

Einige Ihrer Schauspieler sind bereits an größere Häuser gewechselt.

BEIER: Da guckt einfach jeder für sich nach dem Besten. Ich versuche damit so umzugehen, dass ich mich nicht persönlich gekränkt fühle. Das ist mitunter nicht leicht. Man hat ja diesen Menschen auch eine Chance gegeben, sie groß gemacht. Aber das wird immer wieder passieren. Deshalb muss man auch eine gewissen Distanz halten. Was man so gemeinhin Professionalität nennt.

Kölner Stadt-Anzeiger, Nr. 156, 9. Juli 2009

Mit den Bindungen in unserer Gegenwart ist das also so eine Sache. Interessant und natürlich auch schon oft beredet und beleuchtet ist jedenfalls der Widerspruch zwischen dem tatsächlichen Verhalten und dem, was als Sehnsucht der Menschen immer wieder zum Ausdruck kommt. Da zeigt man sich im einen Augenblick flexibel und sucht die Chance zum nächsten Karriereschritt. Im nächsten Moment, eher als Konsument möchte man auf Kontinuität vertrauen, sucht man das Ideal der Dauerhaftigkeit. Da geht es um innere Bindung, die das Fortkommen hemmt und diesen Widerspruch tragen wir in uns selbst. Und schon gehen die wildesten Gedanken wieder durcheinander von Richard Sennets Kapitalismuskritik mit dem Blick auf die heute von Arbeitnehmern geforderte Flexibiliät bis hin zur Frage nach den persönlichen Werten.

Was mich am FC Bayern München erstaunt

Wenn ich in München nach Ausflugszielen für junge, hippe Städtetouristen suche, komme ich am FC Bayern München nicht vorbei. Denke ich zumindest angesichts des Unterhaltungswerts von Fußball für diese Gesellschaft und des Erfolgs des Vereins. Ganz selbstverständlich bin ich also davon ausgegangen, dass der FC Bayern München all seinen überall in Deutschland wohnenden Fans während ihres München-Aufenthalts Gelegenheit gibt, die Geschichte und vor allem auch die Pokale dieses Vereins in einer entsprechend aufbereiteten Ausstellung bestaunen zu können. Dem ist nicht so. Es gibt kein Vereinsmuseum. Die Pokale stehen in der Geschäftsstelle. Da kann ein Blick drauf geworfen werden, wenn man mal beim öffentlichen Training vorbeischaut. Aber Vereinsgeschichte? Nichts davon. Merkwürdig. Dabei sind sie doch sonst immer ganz vorne dabei gewesen in der Entdeckung möglicher Geschäftsfelder über den eigentlichen Sport hinaus. Zumal ich mit Uli Hoeneß gerade dort jemanden erlebe, dem traditionelle Werte nicht egal sind. Zu diesen traditionellen Werten gehört doch aber auch das Bewusstsein für die Vergangenheit.

Nein, noch kein Urlaub …

Im Stadionbus herrscht keine Urlaubsstimmung, auch wenn es in den letzten Tagen vielleicht so aussah. Der Urlaub wird demnächst kommen, das ist sicher. Doch zurzeit fliegen Fakten und Gerüchte weiter durch die Luft, nur muss ich zeitgleich die Voraussetzungen für besagten Urlaub schaffen. Deshalb nehme ich Fakten und Gerüchte nur an der Oberfläche wahr und nehme die Wirklichkeit einmal so, wie sie zu sein vorgibt. Ich habe keine Zeit sie zu deuten.

Allerdings braucht es auch keine weitere Information als diese: “MSV hat noch Lücken in Kader und auf der Brust“? Sonst im Leben halte ich mich ja auch an Tatsachen und verschwende meine Energie nicht an Unwägbarkeiten. Wenn selbst jene Spieler nicht den Weg nach Duisburg finden, die bereits Verträge unterzeichnet haben, habe ich einfach keine Lust mehr, mir bis zum Saisonanfang weitere Gedanken über den Kader zu machen.

Da muss ich dann feststellen, die sportliche Leitung arbeitet nun mal in einem Segment unserer Volkswirtschaft, in dem Verträge nicht ganz so viel wert sind wie in anderen Bereichen unseres Wirtschaftssystems. Man befindet sich in diesem Segment inzwischen nicht weit weg von jenen Kulturen des Wirtschaftens, wo neben dem offiziellen Preis noch allerlei andere geldwerte Vorteile beim Geschäft eine Rolle spielen. Notfalls darf so was Geldwertes dann auch schon mal in kleinen Scheinen rübergereicht werden, also bleibt so ein Strihavka dann doch bei dem einen Verein, für den er nächste Saison so gerne spielen wollte. Beim anderen Verein, auf den sich der Spieler ebenfalls sehr freute, ist das Thema laut Peter Neururer ja durch. Ich hätte gerne ungebrochenes Mitleid mit der sportlichen Leitung. Das wäre ein Ausdruck meines Vertrauens in sie. Ihr könnt euch aber denken, dass ich mich zur Ordnung rufe, wenn dieses Mitleid aufkommt? Ungebrochenes Mitleid lasse ich erst zu, wenn ich über einen längeren Zeitraum hinweg erkennen konnte, das planvolle Arbeiten wird in Geschlossenheit versucht.

Solches Kritisieren stellt sich einfach ein. Ich will das nicht und würde gerne über all diese mich störenden Dinge hinwegsehen. Das gelingt mir aber nur im Stadion selbst. Vorher muss ich mich damit auseinandersetzen, ob die Unwägbarkeiten der Spieltagplanung in mein Leben hineinpassen und ich die Dauerkarte in diesem Jahr dann doch besser sein lasse. Dann denke ich, wie geht man mit mir doch kaufbereiten Kunden eigentlich um? Bin ich so viel weniger wert als der potentielle Fernsehzuschauer? Anscheinend schon. Da konkurriere ich also beim Ringen um die Gunst der DFL als Kunde im Stadion mit den Kunden am Fernseher. Wenn ich noch länger darüber nachdenke, bekomme ich so schlechte Laune. Dann fühle ich mich zum unbezahlten Statisten degradiert. Meine Anwesenheit im Stadion ist für die Inszenierung des Unterhaltungsprogramms notwendig. Und für meine Statistenrolle werde ich nicht einmal bezahlt. Dieses Nachdenken über meine Rolle als Zuschauer des professionellen Fußballs schmeißt mich hin und her und führt hier mal wieder viel zu weit. Auch das kennt ihr inzwischen. Da müssen grundsätzliche Texte her. Ob die dann geschrieben werden? Bald beginnt die Saison. Vorher der Urlaub.

Vorher aber auch noch die Meldung vom Samstag im Kölner Stadt-Anzeiger zu Lukas Podolski. Ein Lehrstück darüber, wie eine Sportredaktion eine mögliche, lang laufende Geschichte vorbereitet. Titel des Artikels: “Podolski muss weiter warten”. Der 1. FC köln hat nämlich das zweite Testspiel absolviert und Lukas Podolski hat in den jeweils zwei Halbzeiten, die er spielte, kein Tor geschossen. Die nicht vorhandene Nachricht wird selbst in Köln auch durch den Namen Lukas Podolski nicht berichtenswerter. Das weiß  auch der namenlose Journalist oder die Redaktion und es wird zu den wenigen Sätzen über den 7:0-Sieg des FC gegen eine Rhein-Erft-Auswahl  ein entscheidender Satz hinzugefügt, der je nach Lage der Dinge zum Spielball der zukünftigen Berichterstattung werden kann: “Es gibt bereits Leute, die die Minuten zählen, denn die Gegner werden ja nicht leichter.”

Wenn einer von über 20.000 Menschen bei seinem ersten Training beobachtet wird, können Texte über diesen Mann viele Seiten füllen und entsprechend viele Menschen zum Kauf einer Zeitung anregen. Der Keimling für die tragische Geschichte um den so erfolglosen Heimkehrer Lukas Podolski ist jedenfalls gesetzt.

Who the fuck is Wagner? – Erklärungsnotstände!

Wagner is …

… “German´s Emile Heskey” (guardian.co.uk, Monday 29 June 2009)

… “a one-man Valkyrie” (telegraph.co.uk,  Monday 29 Jun 2009)

… “music to German Under 21’s ears” (haveeruonline, 30.6.2009)

Der erste von einigen so getitelten Artikeln. In diesem Fall gefunden in der ältesten Zeitung der Malediven. Wahrscheinlich eine Übernahme der Agenturmeldung von AFP.

Wie hat Sandro Wagner noch mal seine Tore geschossen?

Das Finale der U-21-Europameisterschaft gestern Abend habe ich mir nicht durchgehend ansehen können. Erst in der zweiten Halbzeit blieb Zeit für längere Spielabschnitte, bei denen hier heute Morgen nur die Perspektive MSV Duisburg zählt. Ich fühle mich nämlich bestätigt, wenn ich das Spiel von Sandro Wagner noch einmal Revue passieren lasse. Er ist trotz seiner Größe bis jetzt kein guter Kopfballspieler. In der Bedrängnis kann er sich nicht durchsetzen. Seine Stärke ist die gute Ballkontrolle beim Sprint. Deshalb ist das Sturmzentrum auch nicht sein Platz. Welche Großchance hat er vertan und wie hat er seine beiden Tore gemacht? Hoffen wir also, in der nächsten Saison können seine deutlich bemessenen Stärken in der Spielanlage vom Verein aller Vereine jederzeit berücksichtigt werden. Hoffen wir ebenfalls, der Schwung seiner zwei Tore im Finale und des damit verbundenen Titelgewinns trägt ihn noch in der nächsten Saison. Hoffen wir aber außerdem, Peter Neururer holt ihn wieder auf den Boden des Zweitliga-Alltags zurück. Die Gefahr der Selbstüberschätzung sehe ich angesichts seines Torjubels nämlich wieder aufziehen. Schließlich hatten wir diese Art inszenierten Torjubel von ihm bei seinen ersten Toren für den MSV ebenfalls gesehen, ohne dass seine Leistungen konstant blieben. Stolz soll er ruhig sein, aber um sich so egozentrisch zu feiern, wie er es im Überschwang dann manchmal tut, dazu fehlt ihm dann doch die alles überragende spielerische Klasse. Da bin ich ganz opportunistischer Fan, erst in einem solchen Fall würde ich es ihm nachsehen. Sympathisch wäre es mir dann immer noch nicht.

Während PR-Offensiven baut der kluge Trainer vor

In den Sommerwochen zwischen den Spielzeiten sehe ich mich immer wieder gezwungen, für meine Texte Anleihen bei den Kollegen aus dem Wirtschafts- und Politikressort zu nehmen. Auch alle anderen Fans betrachten mit solchen übergreifenden Perspektiven ihren Verein, selbst wenn sie sich darüber nicht im klaren sind. Für Artikel über die zukünftige Wirtschaftslage etwa werden Wirtschaftsdaten mit Expertenstimmen zu einer unterhaltsamen Prognose zusammengemischt, und nichts anderes geschieht, wenn wir uns über die Aussichten des MSV Duisburg in der nächsten Saison Gedanken machen. Bislang erzielte Tore von neu erworbenen Stürmern werden in Bezug gesetzt zu der möglichen Abwehrleistung und Aktivitäten der sportlichen Leitung werden auf ihre den Erfolg unterstützende Wirksamkeit genauestens abgeklopft.

Bei Texten über Vereine wie dem MSV Duisburg kommt aber auch noch die Politik ins Spiel. Denn wie in der Großen Koalition geht es innerhalb der sportlichen Führung auch immer um die Frage nach der groben Richtung und der Zuschreibung von Verantwortung. Zurzeit erleben wir eine PR-Offensive der Verwaltungsebene. Bruno Hübner verwandelt nicht nur die PR-Vorlagen der eigenen Leute, er stellt sich wie hier im Reviersport-Interview auch dem halbwegs kritischen Journalismus oder gibt wie hier in der NRZ dem nachfragenden Journalisten Auskunft. Sogar Ivica Grlic erhält einen Interview-Termin mit der Rheinischen Post. Die Grundhaltung allerorten ist Zuversicht. Ich habe es bereits gesagt, solche Aktivitäten kommen ein wenig spät und wirken nachgeschoben. Dadurch erscheint Bruno Hübners Handeln weniger planvoll. Das wäre  sogar dann so, wenn etwas genau so gekommen ist, wie es gewünscht war. Das Misstrauen wird auf diese Weise also nur ein wenig geringer. Wir Fans suchen nach weiteren Zeichen, die uns zuversichtlich stimmen könnten.

Peter Neururer ist da auch keine große Hilfe. Im Netz steht das NRZ-Interview mit Peter Neururer nicht, da gibt es nur den Kommentar zur DFB-Pokalauslosung, die nebenbei gesagt nicht die angenehmste ist. Offline aber habe ich am Samstag ein Interview mit Peter Neururer in der NRZ gelesen, bei dem ich erneut seine Fähigkeit bewundert habe, sich in Szene zu setzen und zu versuchen, das eigene Bild in der Öffentlichkeit zu steuern. Grundsätzlich zeigt er sich loyal gegenüber dem Verein aller Vereine und erklärt mit allgemeinen Worten über finanzschwache Vereine noch einmal die misslungene Weiterverpflichtung von Markus Brzenska. Dann aber geht es um Perspektiven und da geht es natürlich auch um die Verantwortung für den Fall, dass in Zukunft etwas nicht so läuft wie gewünscht. Und was sagt Peter Neurer zu möglichen Spielerverpflichtungen auf die Frage, wer solle denn noch kommen:

Namen will ich in der Öffentlichkeit natürlich nicht diskutieren. Aber vollkommen klar ist, dass wir nach dem Weggang von Cedrick Makiadi noch einen Stürmer brauchen. Andererseits müssen wir noch Transfererlöse erwirtschaften. Aber aus diesen administrativen Dingen halte ich mich raus.

Das steht keineswegs im Widerspruch zu der “engen Abstimmung”, die es zwischen Peter Neururer und Bruno Hübner ja geben soll. Aber so ein Satz gibt Peter Neururer die Möglichkeit, später Verantwortung zurück zu weisen. So ein Satz ist gute Politiker-Tradition, nach dem Motto, wir haben da unsere Vorstellungen, aber das fällt in den Verantwortungsbereich des Koalitionspartners. Deshalb will Peter Neururer auch noch nichts über die Saisonziele sagen. Ob der Aufstieg ein realistisches Ziel sein kann, das weiß er erst Anfang August, wenn der Kader steht. Und damit es auch keiner vergisst: Aus diesen administrativen Dingen hält er sich ja raus. Sportliche Belange finden später statt.

Neururer und Labbadia gründen Selbsthilfegruppe

Peter Neururer möchte anscheinend angesichts der Entwicklungen in den letzten zwei Wochen seine Position im MSV-Geschehen etwas verdeutlichen. Dazu nutzt er seine Verbindungen zum regionalen Fußball-Fachorgan Reviersport. Angesichts des reißerischen Titels vom Artikel ist man geradezu erleichtert, wie moderat Peter Neururer hier dann mit dem Journalisten über Bande spielt und er in wohl gewählten Worten, seine Ansprüche auf den Erfolg in der nächsten Saison reklamiert.

Dennoch erschrecke ich immer wieder aufs Neue vor dem zerfahrenen Handeln der sportlichen Leitung. Wenn ich solche Artikel lese, frage ich mich, wie da die Energie der Arbeit in eine Richtung kanalisiert werden soll. Diese sportliche Leitung wird jedenfalls keine Krise durchstehen. Wenn es in der nächsten Saison nicht von Anfang gut läuft, fliegt da alles auseinander. Es ist natürlich überhaupt nicht auszuschließen, dass es auch gut laufen kann – entgegen der Wahrscheinlichkeit. Ohne Frage ist dieser glückliche Ausgang mein Wunsch. Unangenehm an dem Gedanken ist nur, dass sich die sportliche Leitung so einen Erfolg in Gänze an die Brust heften wird, obwohl der Zufall dabei eine größere Rolle spielte als in anderen Vereinen. Erfolg wäre jedenfalls aus unserer MSV-Sicht in diesem Fall das Unberechenbare und Schöne am Fußball.

Das Schöne an Vereinen wie dem MSV Duisburg ist aber, dass man als Fan seine sozialen Fähigkeiten kontinuierlich schult. Schließlich gibt es in so einem Verein der unterschiedlichen Machteinflüsse keine eindeutige Wirklichkeit des Geschehens. Es gibt bestenfalls Aussagen zu  Vorkommnissen, die müssen aber gedeutet werden. Der Fan beginnt auf Mimik und Gestik der sportlichen Leitung  zu achten, sofern er Stellungnahmen im Bewegtbild betrachtet. Weil einzelne Wörter des Gesagten oft die Aussage über die Maße bestimmen, legt er Texte aus und wird zum Exegeten mit wachsenden textkritischen Fähigkeiten. Ein Fan in einem  Vereinen wie dem MSV Duisburg erhält also, ohne dass es ihm bewusst ist, eine umfassende Weiterbildung seiner sozialen Intelligenz.

Aber es ist ja nicht so, dass es anderswo grundsätzlich besser wäre als in Duisburg. Eine Etage höher, beim HSV,  scheint Herr Hoffmann  auch höchst ungern nur Macht zu teilen. So ein bisschen sportliche Leitung braucht auch ein Vorstandsvorsitzender und das macht er mit links. Ich verstehe, dass Dietmar Beiersdorfer sich dann bei seiner Arbeit behindert fühlt. Dietmar Beiersdorfer hatte eine viel stärkere Position innerhalb des Vereins und vor allem bei den Fans als sie Bruno Hübner inne hat. Das Ergebnis der Kompetenzstreitigkeiten ist aber nun dasselbe: Unruhe, keine konzentrierte Saisonvorbereitung, die Einheit ist nicht vorhanden. Und weil Dietmar Beiersdorfer ein starker sportlicher Leiter war, kommt es zur Trennung.

Da ist es doch ein schönes Bild, wenn Peter Neururer und Bruno Labbadia sich zufällig im Flugzeug nach Mallorca begegnen. Geschieht so etwas, beginne ich zu glauben, Zufälle gibt es nicht. Da erkenne ich göttliche Fügung. Da wollte eine milde, tröstestende himmlische Macht zwei leidgeprüfte Männer zu einer Mini-Selbsthilfegruppe zusammenführen. Wahrscheinlich wird in nicht allzu ferner Zukunft Mallorca zum Mekka “fassungsloser” Fußballtrainer. Sie werden dort in Runden sitzen, von ihren Erfahrungen erzählen und sich endlich einmal richtig verstanden wissen. Das Rahmenprogramm umfasst übrigens Tarot-Karten-Skat unter der Leitung von Peter Neururer himself.

Bis es so weit ist, beginne ich einfach mal ein paar Worte zu deuten. In Sachen Ben-Hatira hat Peter Neururer jedenfalls den ersten Zug gemacht. Ein mutiger Zug, der Bruno Labbadia und damit den HSV etwas unter Druck setzt. Vertrauen baut das allerdings nicht auf, wenn so ein Flugzeuggespräch plötzlich in der Zeitung steht.  In den Medien lanciert, nennt man so etwas, und das hat einen unangenehmen Beiklang. Vielleicht kommt es doch nicht zur Selbsthilfegruppe auf Mallorca. Ist Peter Neururer einfach nicht der Typ zu. Eine andere Problembewältigungsstrategie fällt mir zu ihm augenblicklich ein: Hilf dir selbst, sonst hilft dir keiner.

Sandro Wagners Kopfballspiel – Ich will´s wissen

Weil bei der U-21-Europameistermeisterschaft zurzeit drei Spieler im Kader der deutschen Nationalmannschaft  stehen, die in der letzten Saison beim MSV Duisburg spielten, blicken die Öffentlichkeitsarbeiter beim Verein aller Vereine gerne auch mal nach Schweden. Ein wenig Glanz der Auswahlmannschaft könnte ja vielleicht die Schwierigkeiten im Alltag überstrahlen. So richtig zum Zug kommt von den Duisburger Spielern allerdings niemand, nur Änis Ben-Hatira hat Spielzeit erhalten. Von ihm heißt es in Teilen der überregionalen Sportpresse übrigens auch, er sei ein Spieler des Hamburger Sportvereins. Da sollten sich die Sportjournalisten vielleicht an die hoffentlich vorhandene rudimentäre juristische Bildung erinnern und für ihre Kurzinfo den Unterschied zwischen Eigentümer und Besitzer hervorkramen. Fünf Tage noch ist der MSV Duisburg Besitzer von Änis Ben-Hatira, obgleich der Hamburger Sportverein in einem Eigentumsverhältnis zu dem Spieler steht. Wenn im gegenwärtigen Fußball Spieler von ihrem Stammverein mal hierhin, mal dorthin geschickt werden, “um Erfahrungen zu sammeln”, ist es vielleicht sinnvoll, die Berichterstattung um diese zusätzliche Feinheit des Rechtsverhältnisses bei Spielerverträgen zu erweitern.

Ich komme aber ganz vom Thema ab, denn eigentlich sprang mir ein Satz in diesem gestrigen Kurzbericht ins Auge, der in so deutlichem Widerspruch zu meiner eigenen Wahrnehmung steht, dass ich um Hilfe bitte:

Der 1,94 Meter große Wagner, zu dessen Stärken unter anderem das Kopfballspiel zählt, passt momentan nicht ins Konzept.

Habe ich mich da etwa vor kurzem zu weit aus dem Fenster gelehnt? Fußball ist ja ein komplexes Spiel und wie Roland Loy in seinem Statistikbuch betonte, könne eigentlich kein Zuschauer eines Fußballsspiels die Leistungen der Spieler korrekt bewerten. Niemand habe elf Spieler gleichzeitig im Blick. Zur korrekten Leistungsbeurteilung brauche es Datenerhebungen, wie er sie mit seinen Helfern vollzöge. Ich habe Sandro Wagner in den Spielen des MSV Duisburg trotz seiner Größe bislang nicht als starken Kopfballspieler erlebt. Seht ihr das anders? Vielleicht kann man so eine Leistungsbewertung ja auch mit einer Meinungsumfrage schaffen. Ich bin immer dazu bereit, falsche Meinungen zu korrigieren und hinzuzulernen. Ich will´s wirklich wissen.

Die Wirklichkeit hinter der Meldung

Das Netz als Ort aufklärerischen Handelns! Wunderbar, wie Torsten Wieland die Meldung über das Ranking zur Beliebtheit deutscher Bundesligavereine hier mal kurz auseinander nimmt.

Zu spät, um die Wogen zu glätten?

So könnte das mit der Öffentlichkeitsarbeit funktionieren, wenn jemand beim MSV die Idee früher gehabt hätte, das Geschehen der letzten Zeit sollte doch auch einmal erklärt werden. Bruno Hübner wird dazu vorgeschickt. Was eigentlich sinnvoll ist, aber nur zur halben Wahrheit führt, wenn er über die misslungene Verpflichtung Markus Brzenskas erzählt. Wir kennen eine andere Geschichte zu dem Geschehen und dazu kann er verständlicher Weise keine Stellung beziehen. Sonst müsste er über Machtverhältnisse im Verein reden und über konzeptionelles Arbeiten unter erschwerten Bedingungen. Und so färbt dieser verschwiegene Teil der Wahrheit auf alles andere ab, was Bruno Hübner erzählt. Ohne dieses andere Wissen würde das nämlich sehr vernünftig und überlegt klingen. Erst das nicht Ausgesprochene mindert das Vertrauen in Hübners Worte. Solche Stellungnahmen führen dann zu Zeitungsartikeln bei der NRZ, die die Wogen glätten könnten und verhinderten Artikel wie bei der Rheinischen Post, die den MSV einmal mehr als Verlierer dastehen lassen. Noch ist nämlich alles Meinung, und das Unberechenbare des Fußballs führt immer wieder auch zu zeitweiligem Erfolg trotz der verbesserungswürdigen Arbeit eines Vorstandes.

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