Beim MSV Duisburg hoffen nun alle, nach der Verpflichtung von Milan Sasic als Trainer bis 2011 kehrt möglichst schnell wieder Ruhe ein. Gute Idee! Auch ich will mich nämlich hier endlich mal wieder um andere Dinge kümmern als um das tagesaktuelle Geschehen. Allerdings muss ich dazu vorher noch den Schreibtisch freiräumen, so sage ich immer noch gerne, auch wenn die Notizzettel längst in den Ordner des PCs abgelegt sind. Da befinden sich nämlich noch hastig hingeschriebene Zitate in Dateien und einige Links geben mir ihre Privatvorstellung. Seit der Pressekonferenz vom MSV Duisburg zur Entlassung von Peter Neururer hat sich einiges Unfertiges angesammelt.
Natürlich ist da zunächst die Stellungnahme von Walter Hellmich, die uns einmal mehr zeigt, wenn dem Präsidenten einer auf die Nerven geht, kann er dazu nicht schweigen. Das ist natürlich bereits vielen aufgefallen, dass die Einvernehmlichkeit sich spätestens dann erledigt hatte, als Walter Hellmich beim Trainerprofil des zukünftigen MSV-Angestellten unter anderem von ehrlicher Arbeit sprach und dem hinzufügte, „das passt besser zu uns als große Sprüche zu machen“.
Nun denn, diese so schnell aufgegebene Einvernehmlichkeit eröffnet uns Einblicke in die Arbeitsrechtsverhältnisse von Fußballtrainern. So legt Peter Neururer auf die Einhaltung seines Vertrages großen Wert und sieht sich im Falle eines Aufstiegs des MSV Duisburg trotz der Entlassung auch in der kommenden Saison beim MSV Duisburg angestellt. Denn automatisch verlängere sich ja sein Vertrag in so einem Aufstiegsfall. Eine Einflussgröße mehr, die es zu berücksichtigen gilt, wenn wir über die noch vorhandenen Chancen zum Wiederaufstieg reden.
Lustiger Weise hat Walter Hellmich vielen von uns Fans mit seiner indirekten Neururer-Charakterisierung aus der Seele gesprochen. Aber wir sind Fans, und er ist der Vorstandsvorsitzende des MSV Duisburg und diesem Vorstandsvorsitzenden passiert immer mal wieder etwas, was das Vorhaben erschwert, Ruhe beim MSV Duisburg einkehren zu lassen. Für mich ist die Frage, passiert Walter Hellmich das oder agiert er im Bewusstsein der Folgen? Eine Antwort auf diese Frage ist allerdings nur dann von Belang, wenn es jemanden in Walter Hellmichs Umfeld gibt, den er als korrigierende Instanz des eigenen Handelns akzeptiert. So viel Spekulation gönne ich mir und so viel Glaube an das Gute im Menschen. Ich will nämlich den MSV Duisburg aufsteigen sehen, und da ist es mir lieber, auf Menschen im Verein zu hoffen, die ihre Fehler einsehen.
Ich hoffe außerdem, Kurt Jara hat Walter Hellmich am Ende seiner Jobnachfrage ungefähr so etwas gesagt wie, ist schon in Ordnung, wenn sie damit zu den Journalisten gehen, um denen mal zu zeigen, welch tolle Trainer unbedingt bei einem MSV Duisburg unterkommen wollen. Mich stört das nicht, wenn sie da mit meinem Namen ein bisschen hausieren gehen. Bringt mich schließlich wieder in die Schlagzeilen. Schaden wird das schon nicht. Ich hoffe sehr, dass es so gewesen ist, und dass diese Mitteilung an die Presse Walter Hellmich nicht erneut einfach mal so passiert ist. Kurt Jara, hoffentlich war das so, sonst sitzen Sie da jetzt irgendwo in Österreich und ärgern sich, warum sie nur auf die Idee gekommen sind, in Duisburg mal anzurufen.
Außerdem hoffe ich für Kurt Jara, wenn es denn so gewesen sein sollte, dass es ihm tatsächlich nicht schadet. So ein Image ist schnell beschädigt. Denn mancheiner, der vom MSV Duisburg nicht so viel hält, solche soll es ja geben, könnte ganz nebenbei mal fallen lassen, wenn schon der MSV Duisburg den nicht will, wer dann noch? Dabei muss man solch einer Aussage nicht einmal mutwilligen Rufmord unterstellen. Menschen sind manchmal auch nur gedankenlos.
Zu Milan Sasic habe ich auch noch ein paar lose Fäden, die ich hier aber nur zusammenknäuel. Zunächst komme ich noch einmal aufs Image zurück, auch in dem Fall habe ich nämlich erstmal Hoffnungen. Die meisten Menschen wollen es gerne einfach haben. Die Welt soll nicht kompliziert sein, das eigene Leben ist es doch schon genug. Deshalb hoffe ich sehr, dass Milan Sasic Journalisten vor allem eine griffige Formel seiner Person bieten will. Ich hoffe es sehr, dass der „harte Hund“ mehr zu bieten hat als uns diese medienwirksame Chiffre verspricht. Ich glaube nicht an einfache Lösungen für komplizierte Probleme, und eine Mannschaft zur Einheit formen ist ein kompliziertes Problem.
Ich hoffe außerdem, Milan Sasic hat aus seinen Erfahrungen beim 1. FC Kaiserslautern viel gelernt. Lese ich, was Fans vom 1. FC Kaiserslautern über ihn sagen, weiß ich jetzt schon, ohne eine solche Weiterentwicklung seiner Persönlichkeit, werden wir vor dem Sommer 2011 einen neuen Trainer haben. In Kaiserslautern hat anscheinend nur der Erfolg all jene zwischenmenschlichen Verwerfungen seines Handelns verdeckt. Sobald dieser Erfolg aber gefährdet war, fielen die Blicke aller plötzlich auf die von ihm verbrannte Erde. Das will ich in Duisburg nicht erleben.
Die von ihm in Kaiserslautern verlangte Spielweise der Mannschaft erinnert sehr an die Funkel-Ära in Duisburg. Hinten sicher stehen, und lang und weit nach vorne spielen. Eine gemächlichere, deutsche Variante des „Kick and Rush“. Ansehlich ist auch das nur im Erfolgsfall. Mal sehen, was er sich für den MSV Duisburg ausdenkt.
Und noch eins war im Kaiserslauterner Fan-Forum auffällig. Natürlich gibt es das häufig, Trainer holen ihnen bekannte Spieler zu ihren neuen Mannschaften. Aber dass derart viele Fans von Kaiserslautern den Transfer von Anel Dzaka nach Duisburg bereits für die Winterpause prophezeien, überrascht dann doch. Doch Fernbeziehungen sind zerbrechlich. Unser Mittelfeld ist gut besetzt. Und schon wieder gibt es eine Hoffnung mehr, nämlich die, dass Milan Sasic sich aus den vorhanden Spielern des MSV Duisburg seine neuen Lieblingsspieler erwählt. Man muss auch mal Schluss machen können, wenn es mit der alten Beziehung nicht mehr klappt. Und dass wir schon vor der Winterpause das Unwort vom Aufstieg wieder in den Mund genommen haben, stimmt mich für diese Woche ganz froh. Schließlich will ich bei aller Hoffnung mit realistischen Einsprengseln auch eine Zeit lang wieder öffentlich träumen dürfen.
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