Chargesheimer – Die Ausstellung auf Zollverein

Bis zum 18. Januar ist noch die wunderbare Chargesheimer-Ausstellung im Ruhrmuseum auf Zollverein in Essen zu sehen. Täglich von 10 bis 18 Uhr ist die Ausstellung geöffnet. Jeder, der sich nur halbwegs für die Vergangenheit des Ruhrgebiets interessiert und noch nicht dort war, sollte in den verbleibenden Wochen einen freien Nachmittag finden, um hinzufahren. Chargesheimer hatte 1958 zusammen mit Heinrich Böll den Bildband “Im Ruhrgebiet” veröffentlicht, dessen spezieller Ausschnitt der Ruhrgebiets-Wirklichkeit von den Meinungsmachern der Region nicht gerne gesehen wurde. Die Ausstellung zeigt 150 bisher unveröffentlichte Fotografien und etwa 50 Fotografien, die im Bildband aufgenommen waren.

Fußball gehörte in diesen Alltag des Ruhrgebiets auch für Chargesheimer – als Straßenfußball der Jugendlichen …

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… und als organisierter Sport vor der Industriekulisse.

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Beide Fotos: Rheinisches Bildarchiv Köln

Weitere Impressionen aus der Ausstellung gibt es drüben bei den Orten im Ruhrgebiet, die uns Geschichte erzählen

 

Mögliche Folge der Aufregung bei einer Niederlage

Diese anrührende Mediengeschichte hat der MSV Duisburg beim Spiel in Kiel völlig vermasselt. Zwar wäre es nicht gleich der Wunderheilungs-Klassiker gewesen vom Lahmen, der wieder gehen kann, aber “Fieberfrei dank Zebra-Auswärtssieg” als Schlagzeile klingt doch auch schon nicht schlecht. Stattdessen wurde der Heilungsverlauf meiner heftigen Erkältung verlangsamt durch die zusätzliche Belastung, die die letzten zehn Minuten des Auswärtsspiels bei Holstein Kiel für einen Hörer der Live-Reportage mit sich gebracht haben. Wer den Kieler Reporter hörte, konnte schon ein paar Minuten vor dem Tor Böses ahnen. Die mehr oder weniger dahinplätschernde Reporterstimme hatte die Dauertonlage Aufregung angeommen, während der Ball anscheinend nur noch in Richtung Tor von Michael Ratajczak lief.

Das Tor der Kieler in der 87. Minute war dementsprechend keine Überraschung, und nachdem wenig später die Chance auf den Ausgleich am Pfosten endete, dachte ich noch kurz enttäuscht, warum nicht während des Spiels schon immer wieder mal diesen Druck entfachen und schlief vollkommen erschöpft ein. 1:0 hat der MSV Duisburg bei Holstein Kiel verloren, und hört man Gino Lettieri auf der Pressekonferenz nach der Niederlage, war es das vorhergesagte enge Spiel mit einer zunächst zufrieden stellenden Leistung seiner Mannschaft. Bei WAZ/NRZ ist ein Tag später ein kritischerer Trainer erkennbar. Was sich als Mangel der Spielanlage dieser Mannschaft durch die Saison zieht, wird  auch von ihm benannt: “Bei uns fehlt die Ballsicherheit, wir haben zu viele Fehlpässe produziert”. Dazu kommt ein zweiter großer Mangel: “Fußball geht nicht aus dem Stand. Du musst immer weiter Gas geben. Bei unseren Aktionen gucken wir zwei Mal, zögern und schießen dann.”

Nach solchen Worten kann ich mir ein Bild vom Spiel machen, auch wenn ich nichts gesehen habe. Das kenne ich vom MSV Duisburg in dieser Saison. Nun gehört die erste Bemerkung Gino Lettieris in die Rubrik individueller Fehler. Bei der zweiten Bemerkung aber ist das nicht so eindeutig. Natürlich spielen auch hier individuelle Fertigkeiten eine Rolle, ungeachtet dessen kann es weitere Gründe für dieses Zögern geben. Ich denke an Vorgaben für das mannschaftliche Zusammenspiel, an Risikobereitschaft, an Selbstvertrauen. Spätestens dann ist Gino Lettieri mit im Boot bei der Suche nach Verbesserung.

Schon während des Spiels stellte sich sicher nicht nur für mich die Frage, warum Steffen Bohl spielte, wenn er erneut so früh hat ausgewechselt werden müssen. Das sah nach einer unglücklichen Entscheidung aus. Die Wiederholung einer frühen Auswechslung mag Zufall sein, Vertrauen weckt das nicht. Zudem war ich leicht enttäuscht, als Fabian Schnellhardt nicht von Anfang an spielte. Es gibt Gründe, die gegen seinen Einsatz sprechen. Das ist vor allem der Verlust an Defensivstärke. Dennoch gibt es angesichts der Offensivschwäche der Mannschaft auch Gründe für seinen Einsatz. Das Für und Wider abzuwägen ist sicher schwierig. Zum Thema mache ich ihn nur, weil Gino Lettieri selbst das “Zögern” beim Abschluss erwähnt. Dabei denke ich an Risikobereitschaft, die einzelne Spieler besitzen, aber die auch der Trainer als Haltung seiner Mannschaft vorgibt. Risikobereitschaft heißt eben auch, bereit sein Fehler zu akzeptieren. Ich spekuliere über Gründe, wohl wahr, zu einem Befund, bei dem wir uns ja alle einig sind, die Mannschaft entwickelt nicht genug Torgefahr. Was im MSVPortal  für das Spiel in Kiel durch Generation Blue übrigens anschaulich zusammengefasst wird.

Es bleibt die Enttäuschung über die Niederlage und die Hoffnung, am nächsten Spieltag mit einem Heimsieg wieder zu beweisen, wie ausgeglichen die Dritte Liga in dieser Saison ist. Dabei fällt mir sogar noch die positive Geschichte über den MSV Duisburg zu diesem Spiel ein. Es geht ja auch so:

MSV Duisburg schafft Lebensqualität!

Hetze prägt normalerweise unseren Alltag. Noch bis vor kurzem galt das auch für den Anhänger des MSV Duisburg, Kees J.  Doch seine Zebras zeigten ihm, dass es auch anders geht. Mit einer schweren Erkältung lag er im Bett, als sein Verein mit 0:1 bei Holstein Kiel verlor. Die Aufregung in den letzten Minuten des Spiels machte Schluss mit jedem Tempo. Der Heilungsverlauf seiner Erkältung wurde endlich entschleunigt. “Seitdem kann ich das Fieber richtig genießen”, sagt Kees heute und lächelt zufrieden.

So erzählt klingt das Verlangsamen der Heilung doch gleich ganz anders. Alles nur eine Frage der Perspektive. Alles wird gut.

So oder so wird das Spiel

Das momentane Tabellenbild in der Dritten Liga bringt die dafür verantwortlichen Fußballer und Trainer in eine kuriose Lage. Wöchendlich müssen sie sich zum nächsten Spiel äußern, Neuigkeiten erzählen und spezielle Informationen zum kommenden Spiel geben. Doch angesichts der ausgeglichenen Spielstärke von mindestens der halben Liga und den mininalen Unterschieden in der Spielanlage der jeweiligen Mannschaften werden Prognosen zum Spielverlauf Glückssache und die Worte der Vergangenheit werden ohnehin immer wieder hervorgeholt.

Auch im Auswärtsspiel gegen Holstein Kiel will der MSV Duisburg hinten kompakt stehen. Das sagt dieses Mal Enis Hajri, wie im Vorbericht des MSV Duisburg zu hören ist. Das Spiel kann sich dann aber so oder so entwickeln. Sein Trainer Gino Lettieri erwartet in demselben Vorbericht ein “offenes Spielabtausch”, eine gelungene Wortschöpfung, die nach meinem Verständnis den ungewissen Spielausgang mit einem unterhaltsamen Hin und Her des Spiels verbindet. Dagegen wird im  Vorbericht beim Kicker Enis Hajri mit den gegenteiligen Erwartungen zitiert. Es könne “für die Zuschauer ein langweiliges Spiel werden, weil beide Teams in erster Linie die Null halten wollen”.

Egal, ob es nun so oder so kommt beim Spielverlauf, mit den Lebensrezepten deutscher Lied- und Schlagertradition à la So oder so ist das Leben

und Ob es so oder so oder anders kommt

kann ich in dem Fall gar nichts anfangen. Als Folge dieses Spielverlaufs sollte es das richtige Ergebnis beim Spiel in Kiel schon sein.

 

 

 

 

Der Duisburger Gerd Hennig – Vom Straßenfußballer zum FIFA-Schiedsrichter – Folge 4

Unlängst habe ich begonnen, die Erinnerungen von FIFA-Schiedsrichter Gerd Hennig zu sichten. “Vom Straßenfußballer zum FIFA-Schiedsrichter” hat Gerd Hennig seine Erinnerungen genannt. Ein großer Packen Papier liegt bei mir zu Hause – Handschriftliches und Ausdrucke. Nur nach und nach werde ich diese Erinnerungen bearbeiten können und hier in loser Folge veröffentlichen.

Heute geht es in den Erinnerungen hauptsächlich um das sehr spezielle Thema Schiedsrichterbetreuer, das im letzten Drittel mit kurzen Erzählungen über – sagen wir – ungewöhnliches Linienrichterverhalten einen unterhaltsamen Einschub erhält. Ich habe etwas länger überlegt, ob ich diese in ihrer Art sehr spezielle Würdigung der ehrenamtlichen Helfer auch in dieser Länge veröffentlichen soll. Bis mir klar wurde, dass diese persönlichen Worte Gerd Hennigs die Unterschiede des Bundesligafußballs der 1960er bis Anfang 1980er Jahre gegenüber dem von heute auf eine ganz eigene und besondere Weise deutlich machen.

Vom Straßenfußballer zum FIFA-Schiedsrichter – Folge 4
Von Gerd Hennig

Insgesamt habe ich 161 Spiele in der 1. Bundesliga geleitet. In Verbindung mit diesen zahlreichen gepfiffenen Begegnungen  dürfen natürlich auch die lebhaften Erinnerungen an die damals fungierenden Schiedsrichterbetreuer, Vereinsbeauftragten oder Kontaktpersonen für uns Schiedsrichter-Teams nicht vergessen werden. Sie waren für die möglicherweise am Spielort vorhandenen Probleme und deren Behebung zuständig.

Die genannten Vereine ordne ich ungefähr von Nord nach Süd. Da waren die besonders erwähnenswerten Vertreter bei Hertha BSC Lothar Pötschke und der inzwischen verstorbene, allseits bekannte Wolfgang Holst. Beide kümmenerten sich bestens um unsere Belange. Beim Hamburger Sportverein empfingen uns die echten Hanseaten und „Malteser-Freunde“ Werner Otto und Kurt Petersen, während der SV Werder Bremen damals das „Urgestein“ Richard Ackerschott mit seiner leider oftmals etwas zu fanatischen Frau Lilly aufbot. Bei Hannover 96 begrüßte uns das Lehrer-Ehepaar Seide mit ihrem drolligen Dackel Piefke.

Im großen, glorreichen Westen hatte mein langjähriger Teamgefährte und Linienrichter Manfred Uhlig mit objektiver Ehefrau beim BV 09 Borussia Dortmund das große Sagen, und beim FC Schalke 04 hielt der bekannte Ex-Bundesliga-Schiedsrichter Manfred Wichmann das „Zepter“ fest im Griff. Der Vfl 48 Bochum hatte mit Dieter Hagen – dessen Sohn auch aktiver Linienrichter im Oberhaus war – einen emsigen Vertreter, der oft von seinem Präsidenten, dem geselligen Ottokar Wüst, unterstützt wurde.

Bei der Schilderung müsste nunmehr der Niederrhein folgen, von dem ich leider nicht berichten kann, da ich selbst diesem Verband angehöre und zu Spielen der Gladbacher Borussia, von Fortuna Düsseldorf sowie von Rot-Weiss Essen und Rot-Weiß Oberhausen, geschweige denn als Duisburger beim damaligen Meidericher SV und heutigen MSV Duisburg nach den Statuten keine Ansetzung erwarten konnte. Obschon mich die Niederrhein-Derbys Mönchengladbach gegen Düsseldorf oder Essen gegen Oberhausen schon gereizt hätten.

Am Mittelrhein hatte „Mattes“ Valentin für Bayer 04 Leverkusen stets im Ramada-Hotel sein Domizil. Dagegen setzte der 1. FC Köln unterschiedliche Betreuer ein, wobei sie meist nur vor dem Spiel zu sehen waren. Während man in Leverkusen mit „Mattes“ nach der Begegnung noch in gemütlicher Runde beisammen saß, musste man sich beim Nachbarn in Köln zumeist mit den spärlichen Räumlichkeiten des Müngersdorfer Stadions begnügen. Was keine Kritik sein soll, sondern nur eine sachliche Feststellung.

Wenn wir nun weiter südlich wandern, stoßen wir auf den 1. FC Kaiserslautern, wo ich laut meiner Einsatzstatistik am häufigsten zu Gast war. Hier hatte der leider viel zu früh verstorbene Rudi Merk, der Vater von Dr. Markus Merk, mit dem „blonden Karl“ aus Frankenthal das absolute Kommando. Ich erinnere mich, dass ich am Tage der Premiere von Markus Merk als Schiedsrichter in der Bundesliga rein zufällig dort verweilte. „Heut’ peift der Ma´kus sein 1. Spiel in der Bundesliga!“ waren pfälzisch-originalgetreu seine Worte und sein Stolz war unübersehbar.

Zweimal war in Kaiserslautern das Organisationsgeschick von Rudi Merk besonders gefragt. Vor einer Ansetzung waren einmal meine zwei Linienrichter und ich zu einem kleinen Imbiss ins Kaiserslauterner Rathaus geladen. Dieser Imbiss fand in einer der oberen Etagen des Rathauses statt. Danach wollten wir mit dem Aufzug nach unten fahren. Dabei drückte mein stets zu Unfug aufgelegter Linienrichter Wolfgang Krutzke auf den roten Alarmknopf, und wir saßen in der Mitte der Abfahrt  fest. Unserem Schiedsrichter-Betreuer Rudi Merk trieb das natürlich den Schweiß auf die Stirn. An einem Samstag dauerte es zwangsläufig sehr lange, bis wir befreit werden konnten. Um noch frühzeitig im Stadion zu sein, bestellte Rudi sofort die Polizei, welche uns nach einem Zwischenstopp im Hotel mit Blaulicht noch so eben zur Anstoßzeit am „Betze“ ablieferte. Bei einer weiteren Ansetzung musste die Polizei noch einmal helfen. Eine morgendliche Weinprobe in Bad Dürkheim war etwas zu lang ausgefallen, so dass wir verspätet zum vereinbarten Treffpunkt vor dem Hotel erschienen. Erneut chauffierte uns die von Rudi benachrichtigte Polizei mit Blaulicht ins Stadion. Es blieb vor dem Spiel sogar noch Zeit für eine kalte Dusche.

Mein Linienrichter Wolfgang Krutzke war stets zu Streichen und Späßen aufgelegt. Im edlen Frankfurter Hof hatte er zum Beispiel während einer kurzen Mittagspause meine Zimmertür mit einer Blumenbank blockiert. Erst das Hotelpersonal mit großem Auftrieb konnte mich befreien. Vor dem Spiel von Kickers Offenbach gegen den Hamburger SV hatte dieses Unikum sogar einmal in einem unbeobachteten Moment aus dem Spielball die Luft herausgelassen. Erst der Hamburger Torwart Rudi Kargus stellte das fest, als er sich vor dem Einlaufen kurz den Ball zur Prüfung geben ließ. So musste der Heimverein, die Offenbacher Kickers, in aller Schnelle einen neuen Ball beschaffen, und das Spiel konnte erst mit 10 Minuten Verspätung beginnen. Seitdem habe ich den Spielball nach Betreten der Umkleidekabine sofort in meiner Sporttasche  sicher unter Kontrolle behalten.

Zurück zur Schiedsrichterbetreuung. Wechseln wir weiter in den Süden, wo Lutz Combe beim 1. FC Nürnberg eine gute Regie führte. Daran reichte nur noch der unverwüstliche Addy Weber beim FC Bayern München heran, der mit dem seinerzeitigen Geschäftsführer Walter Fembeck ein vorbildlicher und echter Freund der Schiedsrichter war. Beim zweiten Münchener Verein, dem TSV 1860, wechselten sich Jürgen Kamann und Franz-Xaver Wengernmayer in der Betreuung ab.

Die Verdienste der namentlich nicht aufgeführten Schiedsrichterbetreuer sind sicher nicht geringer, haben wir Teams uns doch überall sehr wohl gefühlt. Ich möchte betonen, dass meine Worte nur für alle schon tätigen oder noch interessierten neuen Kollegen Anregung und Motivation sein mögen.

 

Der Duisburger Gerd Hennig – Vom Straßenfußballer zum FIFA-Schiedsrichter – Folge 3

Unlängst habe ich begonnen, die Erinnerungen von FIFA-Schiedsrichter Gerd Hennig zu sichten. “Vom Straßenfußballer zum FIFA-Schiedsrichter” hat Gerd Hennig seine Erinnerungen genannt. Ein großer Packen Papier liegt nun bei mir zu Hause – Handschriftliches und Ausdrucke. Nur nach und nach werde ich diese Erinnerungen bearbeiten können und hier in loser Folge veröffentlichen. Heute – Eine Anekdote, in der Wirken und Persönlichkeit von Rudi Assauer eine wichtige Rolles spielen. Im Manuskript findet sich keine Datierung.

Vom Straßenfußballer zum FIFA-Schiedsrichter – Folge 3
Von Gerd Hennig

Unschön war auch eine Begebenheit beim Spiel Werder Bremen gegen Eintracht Frankfurt im Bremer Weserstadion. Beim Abgang zur Halbzeitpause wurde mir von einem vermutlich Bremer Zuschauer ein voller großer Plastikbecher Bier über den Kopf geschüttet. Ich war am ganzen Oberkörper kletschnass. Unmittelbar danach erschien der damalige Bremer Manager Rudi Assauer in unserer Schiedsrichter-Kabine und fragte, ob “etwas passiert” sei. Meine Teamgefährten wiesen auf mich, da ich gerade damit beschäftigt war,  meine Haare zu trocknen und mein von Bier triefendes Schiedsrichter-Hemd. Er fragte lapidar: „Sonst nichts?“ und verschwand wieder ohne ein Wort des Bedauerns. Das veranlasste mich, diesen Vorfall ordnungsgemäß in einem Sonderbericht dem DFB zu melden. Der Verein wurde dann um eine schriftliche Stellungnahme gebeten. Der damalige Werder-Geschäftsführer Barkhuisen stellte nach angeblicher Befragung Assauers fest, dieser sei überhaupt nicht in der Kabine gewesen. Das entspricht einer ungeheuren Lüge. Ich bin in der Lage den Sachverhalt so genau zu schildern, weil ich sowohl vom Brief des DFB als auch vom Brief des Werder-Geschäftsführers Kopien erhielt.

Von eigener Unvernunft nach hohem Sieg im Niederrhein-Pokal

Man kann den 7:0-Sieg des MSV Duisburg gegen Jahn Hiesfeld im Niederrheinpokalviertelfinale als Pflichterfolg für sich betrachten. Wahrscheinlich ist es sogar angeraten, das genauso und nicht anders zu machen. Es wäre klug, die eigene Hoffnung auf dauerhaften Erfolg im Ligabetrieb durch diesen Sieg nicht gestärkt zu sehen. Dummerweise fällt mir genau das ungeheuer schwer. Ich kann nicht anders, als den Sieg zur Fortsetzung einer nach oben weisenden Linie zu machen.

Auch wenn ich das Spiel nicht gesehen habe und nur davon lese, zwingt mir etwas den Gedanken auf, die Mannschaft entwickelt sich kontinuierlich weiter. Die Defensive gewinnt zusätzliches Vertrauen in die eigene Stärke. Fabian Schnellhardt nimmt die guten Momente aus den Spielen gegen den 1. FC Köln und gegen Rot-Weiß Erfurt mit und bereichert sicherer das Offensivspiel. Kombinationsspiel gelingt. Fast ist es so, als sei ich schon bei zukünftigen Siegen mit klarer spielerischer Überlegenheit dabei gewesen.

Ich lese außerdem, mit Dynamo Dresden, Rot-Weiß Erfurt, den Stuttgarter Kickers und der SG Sonnenhof Großaspach sind vier Drittligisten  in ihren jeweiligen Landespokalen ausgeschieden. Ich weiß nichts von den Spielstärken der unteren Ligen in den jeweiligen Landesverbänden, und dennoch sehe ich einen MSV Duisburg, der sich andauernde Vorteile gegenüber Mitkonkurrenten um den Aufstieg erarbeitet. Man sollte den 7:0-Sieg des MSV Duisburg gegen Jahn Hiesfeld realistisch betrachten – ich weiß. Aber manchmal kommt mir Arbeitsteilung beim Fußball sehr gelegen. Für den Realismus und den entsprechenden Schlüssen aus dem 7:0 sind mit Gino Lettieri und Ivo Grlic die sportlich Verantwortlichen zuständig, um das Träumen kümmer ich mich dann.

Fundstück: Der Gesellschaftskritiker Hans Meyer

Wenn Hans Meyer, dem früheren Fußballtrainer und jetzigen Vorstandsmitglied von Borussia Mönchengladbach, Fragen gestellt werden, genügen ihm oft keine einfachen Antworten. Einmal mehr ist das zu sehen in der ZEIT dieser Woche bei einem lesenwerten Interview, das Christof Siemes mit Hans Meyer geführt hat. Online steht es noch nicht. In dem Interview beschreibt sich Hans Meyer als Realisten. Gleichzeitig “beneidet” er Menschen, die aus großen Träumen von der Zukunft ihre Kraft gewinnen.  Was seinen Blick für die sozialen Verhältnisse, in dem solches Träumen geschieht, aber nicht behindert.

ZEIT: Aber tragen Träume einen nicht weiter, als man es ohne je schaffen würde?

Meyer: Genau das bezweifel ich. Das wollen die Journalisten den Spielern und Verantwortlichen einreden. Man muss es nur wollen., dann klappt es. Das ist ein großer Trugschluss der ganzen Gesellschaft. Damit tut man Millionen Menschen unrecht. Weil es suggeriert, dass jeder selbst schuld ist, wenn es ihm beschissen geht. Weil er nicht genug wollte. Aber neben den zehn Prozent Faulpelzen gibt es Millionen, die objektiv keine Chance haben.

 

 


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