Dänen lügen nicht – Wie? Jetzt will auch noch Mainz gewinnen?

Heute morgen hatte ich die Schnauze voll. Ich, der Stig. Kees hat heute sowieso keine Zeit oder wenn doch, bin ich schneller. Ich habe jetzt auch genug hospitiert. Letztens habe ich schon gedacht, ich glaube, es hackt, als Kees diesen eiapopeia-paradiesische-3.Liga-Mist rausgehauen hat. Fußballer, die vom gewinnen wollen faseln, brauchen klare Ansagen. Wenn diese Fußballer beim Gegner spielen, verstanden? Das kann ich. Da könnt ihr drauf an. Gerade dann, wenn so ein Gegner-Fußballer vom Abstieg bedroht ist.

Also, was soll das? Der 18. kommt zum Tabellenvierten, und was lese ich bei denen auf der Seite: “Wir müssen so früh wie möglich damit anfangen, daran zu glauben, dass wir es schaffen werden. Und wir glauben auch daran, dass wir am Samstag gewinnen können”. Das sagt der Trainer von denen. Hömma, so heißt das im Pott. Das war mit das erste, was ich hier gelernt habe, als ich aus  Aarhus ankam. Hömma, das gibts in verschiedenen Tonlagen, und jetzt gerade hat mein hömma nun weiß Gott nicht diesen niedlichen dänischen Akzent, der uns für euch Deutsche so harmlos und freundlich wirken lässt.

Versteht ihr in Mainz, was ich damit sagen will? Ich sage es jedem von euch gerne auch einzeln: Hömma! Dieses hömma heißt: Hast du sie noch alle? Euren Glauben könnt ihr euch für die Rettung eurer Seelchen aufbewahren. Die werden das nach dem Spiel morgen nötig haben. Trainer, du trainierst eine Ausbildungsmannschaft. AUSBILDUNG! Weißt du, das steht auch auf eurer Seite. Da müsst ihr euch erst mal hinten anstellen. Mal ein bisschen vorsichtig probieren. Mal den Mund nicht so voll nehmen. Ich sehe doch, was geschieht: Gerade noch Abstiegskandidat in der zweiten Mannschaft, der immer gewinnen will, morgen schon mit oder ohne Führerschein Luxusautos zerfalten und die Flatrate bei den  Outdoor-Fotoautomaten-Aufstellern buchen. Ihr könnt froh sein, wenn ihr nicht mit drei Toren Unterschied vom Duisburger Rasen gejagt werdet. Einer muss es doch mal sagen: Jeder kann jeden schlagen, das ist der größte Unsinn, den ich je gehört haben. Ein MSV Duisburg ist nicht jeder. Verstanden?!

Der Duisburger Gerd Hennig – Vom Straßenfußballer zum FIFA-Schiedsrichter – Folge 6

Vor einiger Zeit habe ich begonnen, die Erinnerungen von FIFA-Schiedsrichter Gerd Hennig zu sichten. “Vom Straßenfußballer zum FIFA-Schiedsrichter” hat Gerd Hennig diese Erinnerungen genannt, die ich nach und nach bearbeite und hier in loser Folge veröffentliche.

Heute geht es um einen typischen Spieltag des Schiedsrichterteams um Gerd Hennig


Vom Straßenfußballer zum FIFA-Schiedsrichter – Folge 6
Von Gerd Hennig
Herausgegeben und bearbeitet von Kees Jaratz

Während meiner Laufbahn als Schiedsrichter haben meine beiden Linienrichter, Rüdiger Wuttke sowie Bernd Holste, und ich uns bestimmte Eigenarten und persönliche Gepflogenheiten angewöhnt, wenn wir zur Spielleitung in der Fußball-Bundesliga angesetzt waren. Wir begannen den Spieltag mit einem gemeinsamen Frühstück püntklich um 9.30 Uhr im Restaurant des Hotels, in dem wir am Spielort untergebracht waren. Dann blickten wir zurück auf die vorherige Begegnung, die wir geleitet hatten. Wir machten eine detaillierte, ausführliche Analyse. Dazu hatte ich jeweils den fotokopierten Beobachtungsbogen dabei. Anschließend blickten wir voraus auf das kommende Spiel und besprachen die neue Aufgabe. Bei der anschließenden gemeinsam vorgenommenen  Platzbesichtigung im Stadion konnte diese Vorausschau immer noch ergänzt werden.

Danach hatten wir Zeit für einen gemeinsamen Stadtbummel, dem sich ein kleines sportgerechtes Mittagesssen anschloss. Eine Stunde vor Anstoß fuhren wir mit dem Taxi ins betreffende Stadion.  Noch einmal besichtigten wir das Spielfeld, um die inzwischen  getätigten Aufbauten wie Eckfahnen und Tornetze zu überprüfen. Dann suchten wir den Umkleideraum auf und zogen uns um. Kurz vor dem Einlaufen kamen wir in der Mitte des Raumes zusammen, um den von uns sogenannten „Bärentanz”  zu vollziehen. Wir fassten uns an den Händen und riefen “toi, toi, toi” –  das Ritual, mit dem wir uns das Glück zu einem guten Teamwork wünschten.

In der Halbzeitpause machten wir eine ausführliche Zwischenanalyse zu den kritischen Situationen der ersten Spielhälfte. Nach erneutem „Bärentanz“ ging es in die zweite Halbzeit. Dem Spielschluß folgte bei uns zunächst ein obligatorischer Sektumtrunk. Den Sekt gehobener Klasse hatten wir zuerst im Hotel gekühlt und später im Waschbecken der Umkleidekabine. Das war in unserem Team einfach Tradition. Die BILD am SONNTAG hatte das sogar einmal in einer knappen Kolumne als eine Besonderheit der Schiedsrichter aufgegriffen.

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Der Duisburger Gerd Hennig – Vom Straßenfußballer zum FIFA-Schiedsrichter – Folge 5

Vor einiger Zeit habe ich begonnen, die Erinnerungen von FIFA-Schiedsrichter Gerd Hennig zu sichten. “Vom Straßenfußballer zum FIFA-Schiedsrichter” hat Gerd Hennig diese Erinnerungen genannt, die ich nach und nach bearbeite und hier in loser Folge veröffentliche.

Heute geht es nicht um den Schiedsrichter Gerd Hennig, sondern um dessen Kindheit und das Leben während des Zweiten Weltkriegs.


Vom Straßenfußballer zum FIFA-Schiedsrichter – Folge 5
Von Gerd Hennig
Herausgegeben und bearbeitet von Kees Jaratz

Am 24. April 1935 wurde ich als Sohn des Büroangestellten Otto Hennig und seiner Ehefrau Margaretha auf der Stolzestraße 10 im Duisburger Stadtteil Mittelmeiderich geboren. Meine Eltern waren Jahrgang 1902, und meine Mutter hieß mit Mädchennamen Stratenwerth. 1924 schon war meine ältere Schwester Hildegard zur Welt gekommen. Wir bewohnten in der 2. Etage des Hauses auf der Stolzestraße eine 5-Zimmer-Wohnung, eine für damalige Verhältnisse ungewöhnlich große Wohnung.

Ein normaler Tagesablauf sah damals folgendermaßen aus: Mein Vater verließ bereits gegen 7.30 Uhr das Haus, um zu Fuß seinen nahe gelegen Arbeitsplatz bei einem ansässigen Betrieb der Zinkverarbeitung  zu erreichen. In der Kantine dort aß er zu Mittag. Gegen 18.30 Uhr kam er auf direktem Weg in die Wohnung zurück. Meine Mutter blieb, was seinerzeit normal war, ohne Beruf und versorgte zusammen mit meiner Schwester den gesamten Haushalt. Meine Schwester fand in ihrem jungen Alter damals selbstverständlich keine geeignete Lehrstelle, so dass sie meiner Mutter hilfreich zur Seite stand. Denn das Einkaufen, die Zubereitung der üblichen drei Mahlzeiten sowie die Reinhaltung der mit vielen Fenstern und Türen bestückten Wohnung war sehr aufwändig.

Ich, als kleines Kind, spielte nur innerhalb der eigenen Wände mit einfachem Spielzeug wie Kochtöpfen mit Holzlöffeln und Stampfern oder malte in einem Malbuch mit Buntstiften. Das Spielen auf der Straße war wegen möglicher Gefahren auf Geheiß meiner strengen Mutter absolut verboten. Sie trug für die Erziehung der Kinder die alleinige Verantwortung, da mein Vater fast immer abwesend war und nur selten eingreifen konnte. So spielte sich das ganze Familienleben in der meisten Zeit nur daheim statt, zumal freundschaftliche Begegnungen mit Nachbarn sowie Verwandten und Bekannten kaum stattfanden. Das Familienleben war dementsprechend eintönig.

So freute ich mich schon früh auf den April 1941. Von da an durfte ich als Sechsjähriger die nahegelegene Volksschule an der Stolzestraße besuchen. Meine Schwester hatte mich durch häusliches Vorschulen bereits bestens vorbereitet, so dass ich mit dem Unterricht keinerlei Schwierigkeiten hatte. Weil ich in den geforderten Fächern glänzende Zensuren erhielt, war eine Versetzung in die nächsthöhere Klasse nie infrage gestellt. Auch bei den früher so wichtigen drei Kopfnoten “Führung und Haltung”, “Allgemeines Betragen” sowie “Beteiligung am Unterricht” gab es nie Schwierigkeiten. Der Fußball spielte damals noch keine Rolle in meinem Leben, weil auf dem großen Schulhof ein Fußballverbot gab.

Der Krieg bestimmte schon lange unser Leben. In dieser Zeit nahmen die Luftangriffe immer mehr zu. Schließlich wurde unsere Wohnung durch den Einschlag mehrerer Luftminen in die Gärten zwischen Stolze- und Gabelsbergerstraße fast restlos zerstört. Mit den wenigen verbliebenen Resten unseres Besitzes kamen wir zunächst in der zufällig leer gewordenen Wohnung einer Familie Lankhoff, schräg gegenüber liegend, unter. Das war aber nur von kurzer Dauer, weil auch auch diese Behelfswohnung nach dem Abwurf von Brandbomben ausbrannte. So sollten wir zwangsevakuiert werden. Meine Schwester konnte das verhindern, weil sie kurzfristig eine Stellung im Haushalt der Unternehmerfamilie Reinhold, auf der Kardinal-Gahlen-Straße in der Duisburger Stadtmitte, angenommen hatte. Diese Familie verfügte mit der “Villa Alpenblick” über einen zweiten Wohnsitz in Gailingen am Hochrhein. Meine Schwester arbeitete dort bereits. Auf ihren Wunsch konnten meine Mutter und ich nachkommen. Mein Vater war seinerzeit als Soldat beim Bodenpersonal der Luftwaffe. Von da an war eine Dachgeschosswohnung mit 3 Räumen unser zu Hause.

In Gailingen besuchte ich nach Bezug unseres neuen Domizils sogleich die konfessionsfreie Volksschule in der Ortsmitte. Zwanzig Minuten dauerte es dorthin zu laufen. Ein Fräulein Mayer war die Lehrerin, die den Stoff für alle Klassen und Stufen über den gesamten Tag hinweg den Schülerinnen und Schüler vermitteln musste. Sport war dabei nicht vorgesehen, weil stattdessen die von der Hitlerjugend zwangsweise angeordnete Körperertüchtigungen den Vorzug erhielten. Wieder war von Fußball nie die Rede.

Unser einziges Spielzeug dort war der sogenannte “Bensel“, der aus einem ausrangierten Fahrrad entnommmenen war. Dieser “Bensel” war eine blanke Felge,  ohne Speichen und Nabe, die mit einem kurzen Holzstab in alle Richtungen von uns bewegt wurde. Auf der harten Dorfstraße machten wir dann allerlei Wettrennen mit dem “Bensel”. Nach Schulschluß konnten mich zum Leidwesen von Mutter und Schwester die zweifellos vorhandenen Annehmlichkeiten im Umfeld der hochherrschaftlichen “Villa Alpenblick” nicht reizen. Mich zog es zu der etwa 300 Meter weiter wohnenden kinderreiche. Sie lebten in einer dürftigen, kleinen Holzbehausung. Von dort aus fuhr der  Vater Stefan jeden Morgen mit dem Fahrrad 15 Kilometer zu seiner Arbeitsstelle bei den FAHR-Landmaschinenfabriken. Die Mutter Maria blieb zu Hause und kochte an jedem Tag einen Kessel Kartoffeln für ihre fünf Kinder und mich. Dieser Kleinbauernbetrieb mit Hühnern und Puten war  mein Leben und ließ mich die komfortablere Vorteile in der Villa vergessen – auch wenn mich meine Mutter nach der Heimkehr am Abend mit gesammeltem Obst und Beeren aus der freien Natur verwöhnte.

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Heimatlied – Sektion Ruhrstadt – Folge 8: Emscherkurve 77

In Köln brauche ich bei einem Stadtteilfest oder zu Weiberfastnacht auch zu jedem Auftritt der Kölschbands aus der dritten Reihe ein Antidot, wie wir Musikmediziner gerne sagen, eine musikalische Gegenwirkung, etwas Ausgleichendendes. Deshalb erhält die letzte Folge des Ruhrstadt-Heimatlieds heute schon ein schnelles Gegenstück, das dem Punk gewidmet ist.

Es überraschte mich, bei Wikipedia zu lesen, Emscherkurve 77 sei erst im Jahr 2000 gegründet worden, wenn auch einzelne Bandmitglieder schon etwas länger im Punk unterwegs waren. Der Punk hat also auch eine Art Gegenwärtigkeit des Interesses entwickelt. Wir Fußballinteressierten des Potts wissen beim Bandnamen sofort: Rot-Weiß Oberhausen. Damit wäre also schon mal der Stadtteil der Ruhrstadt geklärt, aus dem die Band stammt. Es gibt die Nähe zum Verein, dem die Band sowohl Die Macht vom Niederrhein als auch Rot-Weiß Oberhausen gewidmet hat.

Wenn ich recht überlege, begegne ich mit den Stücken von Emscherkurve 77  zum ersten Mal auch im Ruhrgebiet jener andauernden musikalischen Beschäftigung mit der eigenen Heimatstadt, nämlich der Ruhrstadt, wie ich sie aus Köln kenne. Bislang bin ich keinem musikalischen Werk, egal welcher Musikrichtung, begegnet, in dem das Ruhrgebiet als Einheit wohlgemerkt derart oft besungen wurde. Ihr dürft mich gerne korrigieren. Alleine die Schlagerwelten kommen annähernd in diese Dimensionen. Da tut sich doch eine interessante Themenverwandtschaft in den so auseinanderliegenden musikalischen Geschmacksrichtungen auf.

Komm ma hier bei uns im Ruhrgebiet hin

Eine Live-Version des Stücks in der Zeche Carl am 12. Mai 2010

Bei uns im Revier

A40

 

Hinweise auf weitere online zu findende Ruhrstadt-Lieder nehme ich gern entgegen. Helft mit die Sammlung wachsen zu lassen.

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Von wendigen Ochsen und dem Kom’ma-Theater

Der Trainer der SG Sonnenhof Großaspach, Uwe Rapolder, ist schon so lange im Geschäft, dass er manchmal Dinge sagt, die für junge Sportreporter der öffentlich-rechtlichen Sender nicht sofort verständlich sind. Den Ochsen etwa mit seinen Stärken kennen vielleicht wir Älteren noch aus den Tagen der eigenen aushilfsweisen Feldarbeit beim Bauern an der Ecke. So ein junger Kerl aber wird sich bei dem Wort  höchstens an seine Kindheit erinnern, als er mit den Eltern in der Vorweihnachtszeit immer Ox und Esel gesehen hat, jenes so erfolgreiche Kindertheaterstück von Norbert Ebel, in dem die zwei Nebenfiguren der Weihnachtsgeschichte die Hauptrolle spielen. Wenn Uwe Rapolder also vor und nach dem Spiel die zwei Stürmer des MSV Duisburg anerkennend Ochsen nennt, rätselt so ein Reporter wahrscheinlich, welche der vielen Spieler des MSV Duisburg früher mal unbeachtet in einem Stall herumgestanden haben und nun eine große Rolle spielen. Schließlich lassen Anfangsaufstellungen angesichts der taktischen Variabilität der Spieler heutzutage keinerlei Rückschlüsse mehr auf die eigentliche Position der Spieler zu.

So wurde statt Kevin Scheidhauer Zlatko Janjic für SWR- und Sportschau-Reporter neben Kingsley Onuegbu der zweite Ochse im Angriffsspiel des MSV Duisburg, was er nicht nur mit seinem stampfenden ochsengleichen Anlauf vor der Ausführung des Freistoßes in der ersten Minute des Spiels sofort unter Beweis stellte. Der Ball flog so schön angeschnitten Richtung Tor, als folge er einer der präzisen Furchen, die sonst ein vom Bauer geführter Ochse in den Acker pflügt. Doch so eine Furche besitzt immer auch kleinere Ungenauigkeiten und letztlich landete der Ball nur an der Latte. Das Spiel begann also vielversprechend. Eine weitere Kopfballchance folgte, und selbst das Elfmetertor der SG Sonnenhof Großaspach in der 17. Minute beeindruckte den MSV Duisburg nur wenig. Die Mannschaft spielte ruhig weiter und schien sich ihrer Sache sicher zu sein. So möchte ich den MSV Duisburg sehen: Die Spieler wirken selbstbewusst genug, das gesteckte Ziel Aufstieg zu erreichen.

Allerdings war schon in dieser Spielphase erkennbar, warum dieses Selbstbewusstsein im weiteren Spielverlauf Schaden nahm. Der lange Ball war schon in dieser Anfangszeit das zuweilen gewählte Mittel zur Spieleröffnung. In Variante eins wurde er quer auf den Flügel zu Nico Klotz gespielt. Die Folge: Entweder kam dieser nicht an den Ball oder der Ball ging ins Aus. Variante zwei kennen wir in Spielen mit Kingsley Onuegbu zu genüge. Wir kennen aber auch die Erfolgslosigkeit dieser Variante, wenn der Gegner weiß, das wird das Spiel des MSV Duisburg. Erstickt das Spiel des Kings, heißt es dann. Auch der Großaspacher Defensive gelang das dank großer Laufbereitschaft. Das Kurzpassspiel erwies sich gleichzeitig als schwierig, nicht zuletzt auch, weil im Mittelfeld Tim Albutat fehlte, und niemand da war, der den Ball sicher raumöffnend den eigenen Mitspielern zuspielen konnte. Wenn im Mittelfeld aber jeder Pass ein Risikopass zu sein scheint, gehört das Selbstbewusstsein zu den aussterbenden Fußballarten in der Duisburger Flora und Fauna.

Noch aber wurde in dieser ersten Halbzeit versucht, den langen Ball mit dem schnellen Passspiel zu variieren. Entsprechend fiel der Ausgleich durch Zlatko Janjic nach einem Kombinationspielzug. Bei diesem Tor wurde einmal mehr seine spielerische Klasse deutlich. Niemand sonst ist in dieser Mannschaft in der Lage, aus dem Stand ansatzlos so präzise und fest aufs Tor zu schießen wie er. Er muss sich nicht den Ball zurecht legen. Ihm wird schnell zugepasst, er nutzt den kurzen, freien Moment und trifft oft genug ins Tor. Ein wahrer Ochse in dieser schnellen Beweglichkeit.

Der Ausgleich aber schien das Risikobewusstsein der Mannschaft zu stärken. Sie hatten nun diesen einen Punkt zu verlieren, und die Spieler merkten, dass sie den Gegner nicht beherrschten. Sie sahen die eigenen Mängel im Passspiel und konnten sie nicht abstellen. Ein ruhiges Aufbauspiel verschwand zusehends. Als Alternative zum langen Ball boten sich zweimal Konter an. Ich muss mich wiederholen: Beim Konterspiel über die halbe Spielfeldlänge fehlen abgestimmte Laufwege. Improvisation ist immer notwendig. Doch Improvisation ohne Grundstruktur, von der man sich löst, bleibt im besten Fall Stückwerk, im schlechteren Fall droht Chaos.

Das Unentschieden war in der zweiten Halbzeit nicht wirklich gefährdet. Dazu musste der MSV Duisburg sich defensiv aber gehörig anstrengen. Immer wieder kamen lange Pässe bei einer schnellen Spitze der SG Sonnenhof Großaspach an, auch wenn es am Abschluss dann haperte. Für den MSV Duisburg hätte alleine ein Glückstor in der zweiten Hälfte den Erfolg gebracht. Kurz vor dem Abpfiff  gab es zwei Ecken, die noch etwas Hoffnung machten. Beim zweiten Mal nahm Kevin Wolze an der Strafraumgrenze den Ball volley. Diese Eckballvariante war nicht nur schön anzusehen, der Schuss gelang auch sehr gut, nur eben nicht perfekt. Und deshalb fehlte der Körper eines Spielers im Strafraum, der den Ball hätte abelenkt.

Nun lässt sich der zweite Platz der Tabelle zum ersten Mal (?) nicht mehr mit dem nächsten Spiel erreichen. Das Spiel ging nicht verloren. Das ist gut, nicht weniger, aber auch nicht mehr. Für die Aussichten auf den weiteren Weg ergaben sich Zweifel. Hören wir andererseits Uwe Rapolder in der Pressekonferenz nach dem Spiel, so könnte noch manch andere Mannschaft in Großaspach ihre Schwierigkeiten haben. Gemischte Gefühle bleiben also an diesem Montagmorgen. Gemischte Gefühle, die ein wenig Ablenkung brauchen. Vielleicht mit dem Hinweis, wer Ox und Esel noch nicht gesehen hat, sollte es sich ansehen. In diesem Jahr ist es wahrscheinlich zu spät Karten zu bekommen, aber Weihnachten kommt ebenso wieder wie Ox und Esel. Zumal es in Duisburg die Gelegenheit gibt, das Stück vom Uraufführungsensensbleme des Theaterstücks aufgeführt zu sehen. Das Duisburger Kom’ma-Theater war der Ort seiner Uraufführung. Auch hier wiederhole ich mich nun und mache es in dem Fall gerne, in Duisburg gibt es mit dem ReibeKuchenTheater in der Spielstätte Kom’ma-Theater eines der profilliertesten Kinder- und Jugendtheater dieses Landes – nicht zuletzt daran zu sehen, wieviele über die Jahre erfolgreiche Kindertheaterstücke dort ihre Uraufführung hatten.

Und das noch:

 

Heimatlied – Sektion Ruhrstadt – Folge 7: Anton Klopotek

Nach dem Spiel des MSV Duisburg bei der SG Sonnenhof Großaspach habe ich sogar gedacht, spare ich mir die Worte zum Spiel und veröffentliche einfach eine Folge Heimatlied – Sektion Ruhrgebiet, die dem Niveau des Spiels angemessen ist. Zumal wir alle am Thema deutscher Schlager vor dem Spiel und währendessen nicht vorbeigekommen sind. Nach dem Spiel als Abrundung dieses Themas noch Anton Klopotek und gut ist.

Inzwischen aber weiß ich, ein paar Worte werde ich noch schreiben und so bekommen diese Lieder, die ich sonst niemals als einzigen Beitrag des Tages online gestellt hätte, ihren Wert doch mehr als einstimmende Warteschleife, bis ich mit dem Schreiben fertig bin.

Und ja, ich weiß, diese Sammlung sollte eine kommentarlose sein, rein dokumentierend. Aber aus Steilvorlagen müssen nun mal Tore gemacht werden. Bühne frei für Anton Klopotek, der ackert und alles gibt, momentan aber noch im Niemandsland der 3. Liga des deutschen Schlagers abwartet, wohin die Reise geht.

Ich bin ein Ruhrpottjunge

Ruhrgebiet

 

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Andrea Bergs Schlagertrost für die SG Sonnenhof Großaspach

Wenn in ein paar Monaten das noch Unausprechliche hoffentlich wirklich  geworden ist, werden wir uns an all die schönen Dinge in dieser 3. Liga mit wohligem Vergnügen erinnern. Ich zum Beispiel höre mich dann schon sagen, ohne die 3. Liga hätte ich das doch alles niemals gewusst. Zur gründlichen Spielvorbereitung gehört schließlich auch die Beschäftigung mit dem Umfeld des Gegners. Welchen Einfluss hat Andrea Berg auf die Stimmung bei der gegnerischen Mannschaft? So was muss man wissen, wenn Kleinigkeiten ein Spiel entscheiden können. Bis zum Hinspiel  gegen die SG Sonnenhof Großaspach war mir ja nicht mal die enge Verbindung zwischen Andrea Berg und dem Verein bekannt. Hinter jedem großen Mäzen steht eine Schlagersängerin – so einmal mehr beim starken Mann der SG Sonnenhof Großaspach, Uli Ferber.

2014_Andrea_Berg_heimspielErst seitdem weiß ich auch, Andrea Berg ist vermeintlich nur die Liedbuch-Sängerin der Frauenselbsthilfegruppen Wenn ein Mann dich verlässt. Wer sich ihre Lieder anhört, begegnet nur scheinbar einem sehr spezialisierten Schlagerstar. Mit ihren Liedern ist es wie in alten Popsongs der 40er und 50er, als die Feier homoxexueller Liebe nur im Heterogewand daherkommen konnte. Sie nämlich kennt die Gefühle der Fußballer. Sie steht ja oft genug selbst auf dem Rasen beim Heimspiel und weiß, wie es ist, wenn das Publikum einem zujubelt.

Um so mehr leidet sie mit der SG Sonnenhof Großaspach, wenn sie auf der Tribüne sitzend nur die Daumen drücken kann. Wer das alles weiß, der erkennt beim Hören ihrer Schlager sofort, sie singt nicht für die Frauen, die ihr tausendfach zujubeln sondern für ihre Jungs beim SG Sonnenhof Großaspach. Ihnen möchte sie mit ihren Lieder Trost spenden, wenn sie wieder einmal verloren haben. Die gegnerischen Stürmer möchte sie in Grund und Boden singen, wenn die es mit ihren Toren wagen, die verletzlichen Großaspacher Spieler zu Tränen zu rühren. Darum geht es eigentlich in den Schlagern der Berg.

Ich sehe jedenfalls bei der folgenden Setlist einen Trauergesang über das Siegtor für den MSV Duisburg von Kingsley Onuegbu im morgigen Spiel. Mit dem Klick geht es übrigens weiter zu den thematisch sehr konzentierten Texten dieser Lieder.

Wenn’s heute passiert

Das kann kein Zufall sein

Wenn du jetzt gehst, nimm auch deine Liebe mit

Tief im Sturm

Da wo ein Engel die Erde berührt

Schwerelos

Du bist frei

Zaubrer wie Du

Lieber Gott

Ein bisschen Wahnsinn

Spiel noch einmal nur für mich

So wie beim ersten Mal

Bin nicht so stark

Machtlos

Nein!

Diese Träne

Warum?

Nein, das träum ich nicht allein

Nein!

Es wird nie wieder so sein

Dich soll der Teufel hol’n

Das Paradies war viel zu weit

Doch davon geht die Welt nicht unter

Ich werde wieder tanzen geh’n

 

 


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