Endlich wieder nur noch das nächste Spiel gewinnen

Nach ein paar Tagen Erholungspause mit Abstand vom Schreiben auch in diesen Räumen als erstes ein paar Worte über eine Niederlage des MSV Duisburg schreiben zu müssen, macht keinen richtigen Spaß. Allerdings könnte die Laune noch viel schlechter sein. Denn die 2:0-Auswärtsniederlage beim FC Energie Cottbus am Samstag kam zur rechten Zeit beim passenden Gegner. Der FC Energie Cottbus stand vier Punkte hinter dem MSV und konnte ihn mit dem Sieg nicht überholen. Das hellt die Stimmung schon mal ein wenig auf. Hinzu kommt, alle Vereine, die in der Tabelle vor dem MSV Duisburg platziert waren, haben ebenfalls verloren. Gut, Dynamo Dresden zog am MSV mit einem Punkt vorbei, doch hatte sich Dresden im Heimspiel gegen Fortuna Köln sicher mehr als ein torloses Unentschieden erhofft. Alleine Rot Weiß Erfurt wird den Spieltag als großen Erfolg verbucht haben, zudem schloss Preußen Münster mit dem Heimsieg gegen Arminia Bielefeld auf.

Die ersten neun Mannschaften der 3. Liga bleiben eng beisammen, und das ist für mich der eigentliche Grund für meine halbwegs entspannte Stimmung. In einer so ausgeglichenen Liga können kleine Störungen der inneren Spannung schon Auswirkungen auf die Spielstärke einer Mannschaft haben. Nach meinem Geschmack musste in der letzten Zeit zu oft über die ominöse “Serie” geredet werden. Zu oft war Gino Lettieri damit beschäftigt, dieses vermeintliche Zeichen der Spielstärke seiner Mannschaft ins rechte Maß zu rücken. Auf eine “Standardgeschichte” des Sports für die Öffentlichkeit musste reagiert werden, obwohl an der Tabelle ablesbar war, dass diese “Serie” keineswegs von beeindruckender Überlegenheit des MSV Duisburg zeugte. Es gab ein paar Unentschieden zu viel für eine wirkliche Erfolgsgeschichte. Dennoch ging unweigerlich Aufmerksamkeit hin zu dieser “Serie” ohne Niederlage. Das ist nur verständlich, weil diese “Serie” zugleich die Hoffnung auf Dauerhaftigkeit in sich barg. Realistisch betrachtet, hätte selbst das mit gleichbleibender Unentschiedendichte nicht zum erhofften Sasionziel geführt. Mit der Serie ist nun Schluss. Nun kann die ganze Konzentration wieder dem nächsten Spiel gelten.

Vom Spiel selbst habe ich leider nur die erste Halbzeit sehen können. Nach dieser ersten Halbzeit am Bildschirm war nicht vorhersagbar, welche Mannschaft dieses Spiel gewinnen würde. Für mich war das ein offenes Spiel, in dem beide Mannschaften der Offensive gegenüber der Defensive mehr Aufmerksamkeit schenkten. Beide Mannschaften hatte ihre Chancen auf ein Führungstor, Pfostenschüsse inklusive. Die Bewegtbilder des Spielberichts verraten mir für die zweite Halbzeit vom Spiel die Tore und dass der MSV sehr wohl auch noch die Chance auf den Ausgleich gehabt hat.

Wenn ich die Situation vor dem Elfmeterpfiff mir ansehe, sollten die Spieler vom MSV und wir alle nicht über den Schiedsrichter klagen. Nach einem Eckstoß wäre so eine Situation wahrscheinlich nicht abgepfiffen worden, aber wenn Sascha Dum und sein Gegenspieler so alleine stehen, darf man schon fragen, warum Sascha Dum nicht einfach neben seinem Gegenspieler wieder landet, sondern ihm dabei noch einen Schubs geben muss. Die Stoßbewegung ist so deutlich erkennbar, das lässt sich doch kein Schiedsrichter entgehen. So ein Schiedsrichter will auch wenig Fehler machen und gelobt werden. Bei solch freien Situationen greift ein Schiedsrichter in der 3. Liga gerne zu. Das sollte Sascha Dum eigentlich wissen, und wer in dem Fall über den Schiedsrichter schimpft, lernt nichts für die nächsten Spiele.

Anders verhält es sich mit der Harakiri-Grätsche Uwe Möhrles im Cottbusser Strafraum gegen Steffen Bohl. In dem Fall dürfen wir alle wir sehr wohl über den Schiedsrichter schimpfen. Doch hängt der eine Elfmeterpfiff mit dem anderen ausgebliebenen zusammen. Ein Schiedsrichter, der den Elfmeter gegen den MSV gepfiffen hat, wird einen Elfmeter in einer weniger übersichtlichen Spielsituation eben nicht gerne pfeifen. Das sagt mir meine Lebenserfahrung. Dennoch hatte der MSV weitere Chancen auf den Ausgleich. Im MSVPortal lese ich einmal mehr die Klagen über die fehlende Konsequenz der Mannschaft in Strafraumnähe. Das passt zu den Szenen, die ich auch aus der ersten Halbzeit im Kopf habe. Die Mannschaft braucht für den Torerfolg zu viele Chancen, obwohl sie Defensivreihen überspielen kann. Das ist ein Problem. Allerdings haben die anderen Mannschaften mit Ambitionen dasselbe Problem. Hoffen wir auf eine Lösung mit anhaltendem Erfolg, nachdem nun keine Serie mehr gehalten werden muss.

Falls jemand die Zusammenfassung noch nicht gesehen hat:

Halbzeitpausengespräch: Die Buchmesse schätzt Finnland und Finnland den lachenden Vagabund

Manchmal denke ich an Meiderich und habe plötzlich ein Geschehen vor Augen, das es nie gegeben hat. Ich sehe den in Duisburg geborenen und aufgewachsenen Fred Bertelmann, wie er bei Sonnenschein mitten auf der Bahnhofstraße läuft und dabei seinen “lachenden Vagabund” singt. Keine Autos fahren, und im nächsten Moment stutze ich immer, nicht weil ich so einen Quatsch denke, sondern weil sich niemand zu ihm gesellt. In meiner Pseudo-Erinnerung ist Fred Bertelmann ein einsamer Sänger, obwohl normalerweise auf dem Weg von der evangelischen Kirche bis zur Ecke Westender Straße immer mehr Meidericher lachend mit ihm laufen sollten. Denn gerade in den 1950er Jahren, der Karrierehochzeit von Fred Bertelmann, liefen die Menschen in den Dörfern und Städten Europas zusammen, weil ständig jemand singend in ihre kleine Welt kam. Zumindest kommt es mir so vor, wenn ich an die Filme meiner Kindheit denke.

All das ging mir gestern Abend mangels Fußballprominenz auf der Buchmesse durch den Kopf. Vielleicht kommen sie noch, vielleicht habe ich jemanden verpasst. Aber irgendwen verpasst man dort ja immer. Nur Finnland als Partnerland der Buchmesse war nicht zu verpassen, und deshalb ging mir Fred Bertelmann nicht mehr aus dem Kopf, weil sich die traurigen Finnen mit dem lachenden Vagabund etwas Heiterkeit ins Land geholt haben. Auf finnisch heißt das Lied anscheinend “Naurava kulkuri”, und wenn der Schauspieler Vesa-Matti Loiri es singt, lacht der Saal. Ich höre den Finnen gerne dabei zu, wenn sie so viel mehr Buchstaben in Wörtern unterbringen, als ich überhaupt kenne. So verbindet sich meine Meiderich-Erinnerung auf das wunderbarste mit exotischem Hörgenuss.

Halbzeitpausengespräch: Wenn Freundschaftsspiele ernst werden – Alba Berlin gegen die San Antonio Spurs

Im globalisierten Markt der Unterhaltungsware Sport möchte Bayern München die deutsche Qualitätsunterhaltung Fußball in die USA exportieren, hingegen zum wirtschaftlichen Ausgleich die NBA die US-amerikanische Qualitätsunterhaltung Basketball nach Europa exportieren möchte. Man beachte die unterschiedliche Unternehmenskultur in den beiden Unterhaltungsbranchen. Wo im europäischen Fußball das erfolgreiche Einzelunternehmen seine Auslandseinnahmen steigern will, gibt es in den USA ein anderes Geschäftsmodell. Dort agiert das einzelne Basketballunternehmen als Teil der größeren Wirtschaftseinheit.

Das aber nur am Rande. Momentan weilt der NBA-Champion San Antonio Spurs  auf Promotiontour für die NBA in Europa. Gestern Abend spielte die Mannschaft bei Alba Berlin. 9 Sekunden vor Schluss lag Alba vier Punkte zurück. Für die, die das Regelwerk des Basketballs nicht so gut kennen: Distanzwürfe außerhalb einer bestimmten Zone zählen 3 Punkte. Wird innerhalb dieser Zone geworfen, gibt es zwei Punkte für den Korb. Und nun zu den Bewegtbildern mit besagten letzten 9 Sekunden, in denen deutlich wird, wie das Geschäft hinter dem sportlichen Ereignis verschwindet. Dieses Spiel ist verdammt ernst gewesen, auch wenn es um nichts anderes als den Sieg an diesem einen Abend ging.

Einige Ausschnitte mehr vom Spiel gibt es in dieser etwa siebenminütigen Zusammenfassung:

Mit einem Klick weiter geht es zu den Detailinformationen bei Spox.com.

Die schönsten Fußballtorten der Welt – Folge XXIII – FC Schalke 04

Mit freundlicher Unterstützung von “111 Fußballorte im Ruhrgebiet, die man gesehen haben musspräsentiert der Zebrastreifenblog in loser Reihe die schönsten Fußballtorten der Welt.

Ich warte schon seit einiger Zeit auf den passenden Moment einige der vielen dem FC Schalke 04 gewidmeten Kuchen in diesen Räumen zu präsentieren. Heute scheint mir ein geeigneter Tag zu sein, wird doch oft genug auf die beruhigende Nebenwirkung von Süßwaren hingewiesen. Nachdem nun die ständigen Schwebezustände für Jens Keller beendet sind, wird es endlich für einige Zeit Entspannung auf Schalke geben, egal, welche Ergebnisse die Schalker Mannschaft in der Bundesliga erzielt. Schließlich heißt die Standardformel des Übergangs, der neue Trainer brauche Ruhe für seine Arbeit. Wir können aber gewiss sein, die Unruhe kommt in einiger Zeit von alleine. Laute Unzufriedenheit gehört seit Jahren zur Schalker Folklore und wird nur bei besonderem sportlichen Erfolg verschwinden.

Bis dahin bleibt Zeit, um noch einige Kuchen zu essen, damit die Stimmung dank der beruhigenden Nebenwirkung des Süßkrams im Umfeld möglichst lange zuversichtlich ist. Wer selbst aktiv werden will, findet folgende Anleitung zum Backen bei youtube.

Julia zeigt auf ihrer Seite Kochhandwerk eine vielfältige Auswahl ihrer Backkunst. Für eine Konfirmation hat sie folgende Schalke-Torte angefertigt, deren verschiedene Entwicklungsstufen mit einem Klick weiter auf ihrer Seite zu sehen sind – bis hin zum ersten Anschnitt.

Auch La Principessa hat unzählige Kuchen in ihrem Backkunstrepertoire. Auf Ihrer Seite La Principessa Chocolata findet sich auch eine Schalke-Torte unter den Motivtorten. 

Bei Chefkoch.de findet sich diese öffentlich selten zu sehende Eintracht zwischen den beiden Pott-Rivalen von damesilvia.

Fußballtorte für Dortmund und Schalke Fan(Damesilvia habe ich leider nicht erreicht, wenn etwas gegen die Veröffentlichung des Kuchens spricht, bitte den kurzen Hinweis über die Kontaktseite)

Sämtliche Folgen von Die schönsten Fußballtorten der Welt findet ihr mit einem Klick weiter.

Der Blitz- folgt immer noch die Freezetabelle

Schön, wenn der Fußball uns Geschichten gibt, aus denen wir für das Leben lernen können. Schlecht, wenn der MSV Duisburg Held jener Art Parabel ist, deren Moral aus fehlgeleitetem Handeln des Helden geschlossen wird. Wenn ich höre und lese, wie fast alle Beteiligten vollkommen ratlos davor stehen, wie das Ausgleichstor des VfB Stuttgart zum 1:1 im Spiel gegen den MSV Duisburg gefallen ist, bekomme ich den leisen Verdacht, irgendetwas hat da ins Spiel eingegriffen.

Mag es der eine Schicksal nennen, mag der andere an ein höheres Wesen denken, ab der 34. Minute scheint es oder jemand ziemlich ärgerlich über leichtfertiges Selbstlob und Anflüge von Hochmut gewesen zu sein, als sich zu viele nicht über eine Momentaufnahme still freuten, sondern das länger feierten, was ohne andauernde Bedeutung ist. Für das Aufbrausen in der Nordkurve von “Spitzenreiter, Spitzenreiter” hätte es ja wahrscheinlich noch Verständnis gegeben, aber als Stadionsprecher Stefan Leiwen auch noch meinte,  die Werbeeinblendug der Blitztabelle kommentieren zu müssen und einen historischen Moment aus dieser flüchtigen nichtssagenden Blitztabellenführerschaft zu machen, war es mit Sicherheit vorbei.

Diese voreilige Selbstbeweihräucherung hat eine Strafe verdient, wird jemand oder etwas gegrummelt haben, den knalle ich gleich mal sofort den Ausgleich vor ihren Blitztabellenführerlatz. Am besten in der 64. Minute, dann gibt es noch genügend Zeit, in der der MSV Duisburg und seine Anhänger sich erst noch vor dem Rückstand fürchten können. Wenn dann noch die Enttäuschung in den Schlussminuten über eine vergebene große Chance auf den Siegtreffer hinzukommt, sollten die ihre Lektion wohl lernen. So erkäre ich mir, warum der VfB-Trainer Jürgen Kramny auf der Pressekonferenz erstaunt bemerkt:  Da ging einfach ‘ne Riesentür auf. Ich weiß nicht, wie das entstanden ist.” Gino Lettieri weiß wenige Minuten später auch von nichts und muss sich das Ganze noch einmal ansehen. Tim Albutat weiß nichts nach dem Spiel gegenüber ZebraTV. Und auch Eric Hajri hat laut WAZ/NRZ nichts gesehen, geschweige denn, dass wir auf den Rängen etwas begriffen hätten. Plötzlich lief ein Stürmer vom VfB alleine auf Michael Ratajczak zu. Es blieb nicht einmal wirklich Zeit für die Hoffnung auf eine Rettungstat von Ratajczak.

Denke ich noch einmal zurück, kann diese Ratlosigkeit allerdings auch dadurch verursacht sein, dass bis zu diesem einen Angriff der VfB Stuttgart dem Tor des MSV Duisburg nicht gefährlich nahe gekommen war. Besonders die erste Halbzeit wirkte wahrscheinlich noch nach, in der die Stuttgarter sich weit zurück gezogen hatten und nicht ernsthaft versuchten, ein Tor zu erzielen. Der MSV kontrollierte das Spiel, ohne sich große Chancen zu erarbeiten. Dennoch konnten wir darauf hoffen, dass bei dieser Überlegenheit, ohne den Hauch eines gefährlichen Konterspiels des Gegners, irgendwann das Führungstor fallen könnte. Es gab ja hin und wieder auch die ruhenden Bälle. So einen Freistoß aus dem rechten Halbfeld konnte Steffen Bohl schließlich in der 34. Minute ins Tor köpfen. Leider folgte dem kein zweites Tor. In der ersten Halbzeit war das noch kaum möglich, als beide Mannschaften trotz des Tores ihre anfängliche Taktik einfach weiter spielten, als sei nichts geschehen.

Aber zu Beginn der zweiten Halbzeit wurde klar, die Stuttgarter agierten nun offensiver, entsprechend gab es auch für den MSV mehr Raum für deren Angriffspiel. Doch dazu hätten diese Angriffe schneller vorgetragen werden müssen. Das wurden sie nicht oft genug, auch weil diese Art Spiel nicht das Spiel von Kingsley Onuegbu ist. Ich hätte Michael Gardawski gerne früher für ihn eingewechselt gesehen. Nicht weil Kingsley Onuegbu zu schlecht gespielt hat, sondern weil seine Art Ballbehauptung, die in der ersten Halbzeit noch notwendig war, nun so wirkte, als würde sie  das Offensivspiel bremsen. Überhaupt blieb das Zusammenspiel im letzten Angriffsdrittel einiges schuldig. Viel zu oft wurde ein Pass zu wenig gespielt, viel zu oft wurde der freie Mann auf dem Flügel oder halbrechts und -links übersehen und der Weg durch die Mitte gewählt. Das war ein grundsätzliches Problem der Spielanlage und lässt sich, so meine ich, nicht auf die fehlende Übersicht eines einzigen Spielers beschränken.

Das Unentschieden haben sich die Stuttgarter verdient. Aus dem zweimaligen Spitzenreiter der Blitztabelle ist ein Tabellenfünfter geworden mit zwei Punkten Rückstand auf den Tabellenführer. Vier weitere Mannschaften haben wie der MSV 24 Punkte. Preußen Münster auf Platz 8 hat 21 Punkte. Momentan sieht es so aus, als werden sich noch recht lange viele Mannschaften Hoffnung auf den Aufstieg machen. Momentan ist es ratsam Blitztabellen nicht sonderlich ernst zu nehmen. Wir sollten besser darauf hoffen, dass uns am letzten Spieltag die Moral von dieser Geschichte noch etwas bringt und wir dann die Freezetabelle mit vollkommener Berechtigung richtig feiern können.

Bleibt noch die oben erwähnte Ratlosigkeit über den Ausgleich auf der PK sowie bei Tim Albutat und Steffen Bohl.

Von Pro-und-Contra-Simulationen und einem Siegertrikot

Ein Mann zwei Meinungen trifft manchmal sogar bei mir zu, zumuten möchte ich euch das Lesen zweier gegensätzlicher Ansichten in einem einzigen von mir geschriebenen Text vor dem Heimspiel gegen VfB Stuttgart II aber nicht. Wer weiß, ob die sensiblen Naturen unter euch nicht mit längerwierigen Orientierungs- und Verständnisstörungen reagieren und sie gleich auf den Rängen beim Support versagen. Deshalb habe ich mich für heute und vielleicht auch für die Zukunft an einen meiner Bekannten  erinnert. Fürs Publikum geschrieben hat er bislang noch kein Wort. Aber wenn einer starke Meinungen hat, ohne sich jedes Mal um Argumente zu kümmern, warum es nicht mal mit ihm versuchen. Im WAZ/NRZ/Reviersport-Konglomerat gibt es so was ja auch immer mal wieder. Der Stig  ist Däne, und Dänen lügen bekanntlich nicht. Was ein guter Kolumnen-Titel wäre, wenn alles gut läuft.

Der Stig soll heute eigentlich erstmal nur hospitieren. Aber er redet mir gerade ständig rein, ich solle jetzt schreiben: “Ich glaube, es hackt. Eigentlich reicht ein Wort für diesen Pro-und-Contra-Blödsinn: Überflüssig! Es geht um nichts. Man muss niemanden überzeugen, niemand hat Argumente, aber Meinungen haben wir alle. Da brauchen wir keine Zeitungen für.”

Ich sagte ja, starke Meinungen hat der Mann, aber so stimmt das natürlich nicht. So ein Pro und Contra kann ja sehr übersichtlich gegensätzliche Meinungen mit ihren Argumenten gegenüberstellen. Das steht doch sogar im Lehrplan des Deutschunterrichts. Für die 7. oder 8. Klasse? Kontroversen werden von verschiedenen Seiten betrachtet. Es wird geübt, Argumente für die verschiedenen Perspektiven zu finden, um schließlich einen Schluss daraus zu ziehen. Das Ganze mündet in der Pro-und-Contra-Klassenarbeit. Diese Klassenarbeit ohne die dort verlangte eindeutige Meinung taucht als Pro-und-Contra-Simulation eben in den Blättern der Funke-Gruppe gerne mal auf. Früher war es mal die Trainer-Frage, nach den Erfolgen der letzten Woche, war die Zeit reif für die Frage nach der Aufstiegsreife des MSV.

Dummerweise gibt mir die Funke-Gruppe kein Argument in die Hand, das ich dem Stig zur Ehrenrettung der Pro-und-Contra-Artikel entgegenhalten kann. Ich habe nicht das erste Mal das Gefühl, für die Contra-Position wird in der Reviersport-Redaktion Streichhölzchen gezogen. Dann muss einer ohne jegliches Wissen über die Situation beim MSV Duisburg schnell ein paar Sätze in die Tasten hauen. Den armen Stefan Loyda hat es dieses Mal getroffen. Die beste Lösung für ein Argument in so einem ahnungslosen Fall lautet, die Zukunft ist ungewiss. Der Winter wird kommen, aber ob Deutschland genügend Energie für alle Heizungen hat, bleibt die Frage. Erst an den  kältesten Tagen wird sich zeigen, ob das Land reif für den kommenden Winter ist. Ein Tipp des alten Deutschlehrers für die Klassenarbeit: Pro und Contra beziehen sich immer aufeinander. Am besten nimmt man die Argumente der Gegenseite und überlegt, ob sie nicht auch auf andere Weise betrachtet werden können. Thorsten Richter hat doch ein paar Argumente für die Aufstiegsreife gefunden. Oder sollte es einfach überhaupt keinen Grund,  der … Ich spreche es lieber nicht aus.

Der Stig sagt gerade zu mir: “Sach ich doch. Lass uns lieber über dein blödsinniges Waschen reden. Das ist unterhaltsamer und viel wichtiger.” streifen_zeigenIch habe als Vorbereitung auf das heutige Spiel nämlich das Siegertrikot der letzten Heimspiele gewaschen. Stig war entsetzt, als er das hörte. Er ist der Meinung, Siegertrikots von Fans werden erst nach Niederlagen gewaschen. Punkt.

Da halte ich dagegen, ich unterstütze das Selbstvertrauen der Mannschaft. Deshalb habe ich gewaschen. Als Zeichen gegen den Aberglauben und das Vertrauen auf Glücksbringer. Die brauchen keine grünen Auswärtstrikots, um den Heimgegner zu schlagen. Wer endlich wieder auch zu Hause Streifen zeigt und dem aufkeimenden Aberglauben eigene Spielstärke entgegenhält, braucht jede Unterstützung der eigenen Stärke. Dieses ganze Glücksbringer und Aberglaubegedöns ist so irrational, das hilft niemandem, sich damit Unterstützung zu holen. Ich finde es gut, dass sie sich jetzt wieder alleine darauf verlassen, was sie können.

Tach, ich bin’s, der Stig. Kees habe ich mal kurz von den Tasten geschubst. Ich mag den Kerl ja, aber wenn er von etwas keine Ahnung hat, soll er den Mund halten. Schwachsinns-Pro-und-Contra. Da gibt es kein Contra. Es gibt nur Pro. Wenn es der Mannschaft hilft, soll sie die grünen Trikots wieder anziehen. Um gut zu sein, brauchst du ein gutes Gefühl. Das gilt auch für die Ränge. Jedes kleine Zeichen hilft. Geh mir weg mit dem Siegertrikot waschen. Immer schön die Serie ausbauen und niemals Siegertrikots waschen. Spart außerdem Wasser, Waschmittel und hilft der Umwelt.  Wenn einer auch auf so was steht, meine ich.

Ich frage mich gerade, ob ich Stig nicht wieder rausschmeiße. Ich mag ihn ja sonst gut leiden, aber  manchmal ist er etwas gewöhnungsbedürftig, wenn man längere Zeit mit ihm verbringt. Davon ab, ist es mir gerade egal, ob waschen oder nicht, Hauptsache, das Spiel endet gleich mit dem Ergebnis, das wir uns erhoffen.

Der Duisburger Gerd Hennig – Vom Straßenfußballer zum FIFA-Schiedsrichter

Vor einigen Wochen bat mich ein Bekannter meiner Mutter um Hilfe für seinen Freund Gerd Hennig. Ich kannte Gerd Hennig nicht nur als Bundesligaschiedsrichter in den 1970er Jahren vom Namen her. Schließlich ist er alter Meidericher. Sein Sohn war ein oder zwei Stufen über mir ebenfalls Schüler auf dem Max-Planck-Gymnasium. Gerd Hennig hatte nach der Genesung von einer Erkrankung seine Erinnerungen aufgeschrieben. Die sollte ich mir mal ansehen. So fuhr ich zu Gerd Hennig, der inzwischen in Duissern wohnt. Ich habe ein paar Fotos gemacht und einen dicken Packen Blätter mit auf den Weg bekommen. Handschriftliche Notizen waren das und viele Seiten unterschiedlicher Ausdrucke. Viel Arbeit hatte er hineingesteckt, viel Arbeit steht noch an. “Vom Straßenfußballer zum FIFA-Schiedsrichter” hat Gerd Hennig seine Erinnerungen genannt. Mit ihnen möchte er auch für das Schiedsrichtern werben, weil es an Nachwuchs fehle. Ich hoffe, ab nun in loser Folge Ausschnitte dieser von mir bearbeiteten Erinnerungen vorstellen zu können. Heute geht es um die Anfänge von Gerd Hennigs Fußballbegeisterung.

Vom Straßenfußballer zum FIFA-Schiedsrichter
Von Gerd Hennig

Mein erstes Fußballspiel erlebte ich an einem Sonntag im September 1947, als mich mein Patenonkel zu einem Radsportrennen mitnahm, welches als Doppelveranstaltung mit einem Meisterschaftsspiel zwischen Hamborn 07 und dem VfvB Ruhrort/Laar stattfand. Während mein Patenonkel nur auf die damals noch vorhandene Betonpiste des alten Schwelgernstadions sah, interessierte ich mich vor allem für das von den Schulfreunden angekündigte Fußballmatch auf dem Rasen der Sportarena. Es zog mich derart in den Bann, dass ich in den Folgewochen auf dem staubigen Schulhof nur noch bei meinen Fußball spielenden Klassenkameraden zu finden war. Während die mich als “Nobody” unter ferner liefen einordneten und als Lückenfüller für ihre Mannschaften nutzten, wurde ich nach Schulschluss auf der Bronkhorststraße als echter Mitspieler akzeptiert. Dort, auf der breiten asphaltierten Straße, spielten wir auf Tore, die wir mit unseren Tornistern markierten, und lieferten uns heiße Kämpfe. Autoverkehr, der uns dabei behinderte, gab es nicht.

Am Nachmittag nach Erledigung meiner Schulaufgaben nutzte ich meinen Kurzhaardackel als Alibi, um zu meinen Spielkameraden zu kommen. Dann ging ich zur Vogesenstraße und band ihn dort mit seiner Leine an ein Stahlrohr. Oftmals gaben ihm vorbeigehende Passanten mitleidig ein “Leckerli”, während ich mit den Nachbarsjungen dem neu entdeckten Fußball hinterherjagte. Wir spielten fast immer mit einem kleinen ausrangierten Tennisball. Nach Spielschluss hatte ich endlich Zeit für meinen treu wartenden Hund, der dann ohne Leine über die Feldwege der anliegenden Schrebergärten tollen durfte. Ich sammelte gleichzeitig Löwenzahn und anderes Grünfutter für unsere Kaninchen im Fahrradkeller.

Das passende Schuhwerk für das Fußballspielen besaß ich allerdings nicht. Es war immer ein Dilemma mit meinen Holzsandalen spielen zu müssen. Mein Vater hatte sie zusammengebastelt. Damit sich meine Faszniation fortsetzen konnte, bedurfte es deshalb eines glücklichen Umstandes. Willy Laacks war ein ehemaliger Klassenkamerad meiner Mutter, der auf der Brückelstraße einen Kohle- und Rohproduktenhandel betrieb. Als sie bei ihm eine Fuhre aus der Emscher gewonnenen Kohleschlamm kaufte, schilderte sie die Sorgen ihres fußballbesesessenen Sohnes so deutlich, dass er mich für den folgenden Sonntagvormittag zu sich einlud. Mit zitternden Knien und erwartungsvoll schellte ich. Zu meiner Überraschung wurde ich vom “Chef” persönlich begrüßt. Er leitete mich über eine schmale Holztreppe in die obere Etage des bescheidenen Hauses, wo auf endloslangen Regalen Fußballschuhe aller Größen in schwarz und rotbraun lagerten. Ein Paar durfte ich mir aussuchen. Ich entschied mich für ein rotbraunes mit Lederstollen, das ich kostenlos mitnehmen durfte. Die einzige Bedingung dabei war, dass ich mich in der folgenden Woche beim damaligen Meidericher SV anmeldete. Das war schon lange mein Wunsch.

Fortsetzung folgt

 

 

 


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