Archive for the 'Spieler damals und heute' Category

Michael Tönnies – 19. Dezember 1959 – 26. Januar 2017

Michael Tönnies ist heute Nachmittag in einem Essener Krankenhaus gestorben. Kaum Worte habe ich. Ein Bild gibt es gerade nur. Es stammt aus dem Sommer 2013, als er bei den Fanaktionen nach dem Zwangsabstieg mit einem Mundschutz zum Talk vor die Arena kam. Es war sein erster öffentlicher Auftritt nach seiner Lungentransplantation. Bewegend erzählte er, wie sehr ihm die Anhänger des MSV Duisburg zu Kraft verholfen haben. Von da an habe er wieder geglaubt an das weitere Leben. Bevor dieses Leben zu Ende ist, sei es eben nicht zu Ende. Das habe er damals gelernt. Das erinnere ich alles sinngemäß. Heute Nachmittag ist er gestorben. Dabei hatte ich längst begonnen an das ewige Leben des Mannschaftsaufstellungs-Herolds Michael Tönnies zu glauben. Er war glücklich, sich wieder lebendig zu fühlen im Stadion auf dem Rasen. Sein Rufen dort auf dem Rasen klingt mir jetzt im Ohr, seine ersten zaghaften Versuche laut zu sein mit transplantierter Lunge. Dieses Rufen wurde mit der Zeit immer kräftiger und war schließlich lautes Ausrufen: „…die Fans vom EM…ES…VAU…“ Das „Duisburg!“ schallte ihm entgegen, und er genoss es. Meist lächelte er zufrieden, wenn er nach dem Verkünden Mannschaftsaufstellung mit Stefan Leiwen auf unsere Stehplatzecke zulief. Ein schönes Bild. Ein trauriges Bild, weil das nie wieder geschehen wird.

Der erste Sieg der DDR gegen die BRD – Olympische Spiele 1972

Kaum ließ vor ein paar Tagen Uli Hoeneß noch tief in die Widersprüche des Unterhaltungsbetriebs Fußball blicken, schon stoße ich auf einen Clip aus der guten goldenen Zeit des dilletierenden Amateurunterhaltungsbetriebs dieses Sports. Heute betrachtet Uli Hoeneß RB Leipzig als einen Segen für die Bundesliga und den Absturz von Traditionsklubs mit Sorge, gestern noch spielte er mit Fußballern dieser Traditionsvereine in der Olympiaauswahl der BRD. Heute vergisst Uli Hoeneß bei seinen Wertungen strukturelle Gründe des Unterhaltungsbetriebs Fußball für den Aufstieg des einen und den Niedergang der anderen. Gestern noch erzielte er gegen die Staat gewordene Systemkritik ein Tor.

Ich teile den Clip gerne mit euch, erinnert er doch an die gute alte Zeit mit den Bewegtbildern vom Spiel der Oympiaauswahl der BRD gegen die der DDR im Münchner Olympiastadion am 8. September 1972, bei dem auch drei Spieler des Traditionsvereins MSV Duisburg teilnahmen. Der MSV-Stürmer Klaus Wunder spielte von Anpfiff an und erzielte sogar ein Tor mit der Hand, die in diesem Fall vielleicht nicht die „Hand Gottes“ sondern die der „freiheitlich-demokratischen Grundwerte“ genannt worden wäre. Es geht ja immer um ein höheres Ziel bei Regelübertretungen, die ungeahndet bleiben. Doch der Schiedsrichter unterband solch eine mögliche DDR-Kritik mit seinem Pfiff.

Klaus Wunder spielte von 1971 bis 1974 beim MSV und brachte dem Verein bei seinem Wechsel zu Bayern München 1 Millionen D-Mark Ablösesumme in die Kasse. Meiner Erinnerung nach war das damals die erste Millionen die für einen wechselnden Spieler in der Bundesliga gezahlt wurde. Auch damals brauchte der Verein das Geld dringend. Wer es genauer weiß, gerne lese ich erläuternde Kommentare.

In der zweiten Halbzeit wurde ab der 59. Minute der MSV-Stürmer Ronald Worm für Klaus Wunder eingewechselt. Das Spiel gehörte zur zweiten Finalrunde. Um weiterzukommen hätte die BRD gewinnen müssen. Bis zur 68. Minute lag die Olympiaauswahl zurück. Dann erzielte Ottmar Hitzfeld den Ausgleich. Trainer war damals Jupp Derwall, und zum Ende des Spiels hin verstärkte er die Offensivkraft noch. Er wechselte Rudi Seliger für die letzte Viertelstunde ein. Doch statt das Siegtor zu erzielen musste die Mannschaft ein Gegentor hinnehmen. In den Bewegtbildern sehen wir von den MSV-Spielern nur Klaus Wunder in Aktion. Aber auch Uli Hoeneß ist sehenswert, erzielt er doch das sehr schöne Tor zum 1:1-Ausgleich. Weitergekommen ist die BRD dann eben nicht. Die Niederlage der BRD gegen die DDR zwei Jahre später bei der Fußballweltmeisterschaft 1974 hatte dann ja andere Folgen.

Mit einem Klick geht es zur Seite von Detlev Mahnert, wo nebst weiteren einordnenden Worten auch ein paar Dokumente zum Spiel zu finden sind.

 

 

BR Deutschland – DDR 2:3 (1:1)

BRD:

Hans-Jürgen Bradler – Heiner Baltes, Reiner Hollmann (75. Rudolf Seliger), Egon Schmitt, Friedhelm Haebermann, Hermann Bitz, Uli Hoeneß, Jürgen Kalb, Ottmar Hitzfeld, Bernd Nickel, Klaus Wunder (59. Ronald Worm)
Trainer: Jupp Derwall

DDR:

Jürgen Croy – Manfred Zapf – Bernd Bransch, Konrad Weise, Frank Ganzera – Jürgen Pommerenke, Wolfgang Seguin, Hans-Jürgen Kreische – Jürgen Sparwasser, Peter Ducke, Joachim Streich (70. Eberhard Vogel)
Trainer: Georg Buschner

Tore:
0:1 Jürgen Pommerenke (12.)
1:1 Uli Hoeneß (31.)
1:2 Joachim Streich (53.)
2:2 Ottmar Hitzfeld (68.)
2:3 Eberhard Vogel (82.)

Erik Willes indirekter Auftrag für den MSV im Interview mit der FAZ

Erik Wille konnte beim MSV Duisburg zu Beginn der ersten Drittligasaison seine fußballerischen Qualitäten nur in wenigen Spielen zeigen. Eine Verletzung machte ihn zum Dauergast in Arztpraxen, eine Verletzung, die ihn letztlich dazu zwang, den Beruf des Fußballspielers aufzugeben. Erik Willes langjährige fußballerische Heimat war Eintracht Frankfurt, und dort in Frankfurt, hat er der Frankfurter Allgemeinen Zeitung jüngst ein sehr lesenswertes Interview gegeben.

Er sprach sehr offen über seine besondere Situation als 22-jähriger junger Mann einen Lebenstraum aufgeben zu müssen. Er gab einen Einblick in die Welt eines größeren Vereins wie Eintracht Frankfurt und den dortigen Umgang mit den Nachwuchsspielern. Als Kontrast standen seine Erfahrungen beim MSV Duisburg dagegen, bei dem es „familiär und bodenständig“ zugeht und bei dem er die besondere Atmosphäre nach dem Zwangsabstieg hat schätzen gelernt.

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2015-11_FAZ_Wille

Dem MSV und uns, deren Zuneigung diesem Verein gilt, gibt Erik Wille damit auf indirekte Weise einen Auftrag mit auf den Weg. Was Erik Wille in Duisburg erlebt hat, muss die Richtschnur dieses MSV Duisburg in der nächsten Zukunft sein. Bei allem Ringen um sportlichen Erfolg gilt es immer wieder, sich daran zu erinnern, was diesen Verein nach dem Zwangsabstieg ausgemacht hat und was bis heute zu spüren ist. Das sind Zusammenhalt im MSV und um den MSV herum, dazu ein realistischer Blick auf die Möglichkeiten verbunden mit dem Traum vom Erreichen eines anspruchsvollen Ziels. Nur so hat der MSV Duisburg in diesem Unterhaltungsbetrieb Fußball eine Überlebenschance.

Weiter zum sehr lesenswerten Wille-Interview in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung mit einem Klick.

Knapp 3 Minuten Bernard Dietz im Jahr 1978

Mir ist heute nach wenigen Worten und weiterer Stimmungsaufhellung. Deshalb ordne ich die Bewegtbilder aus dem argentinischen Archivo DiFilm auch nur sehr oberflächlich ein und freue mich, ohne melancholisch zu werden, über Bernard Dietz im Jahr 1978 in Spielszenen sowie bei der Arbeit in seinem Sportartikelgeschäft. Offensichtlich sollte mit diesem Clip „Ennatz“ anlässlich der Weltmeisterschaft in Argentinien vorgestellt werden. Welchem Publikum wird nicht ersichtlich. Vielleicht war es das argentinische TV-Publikum?

Sicher ist das jedoch nicht, weil DiFilm auch auf Quellen außerhalb Argentiniens zugreift. Das Archiv enstand – so weit ich das mit rudimentären Spanischkenntnissen verstehe – aus einer privaten Sammlung und wird weiterhin privat geführt. Die eigentliche Quelle des Clips ist auf der Archivseite nicht angeführt. Zur WM 2010 hatte sich Bernard Dietz für Die Zeit an die WM in Argentinien erinnert. Natürlich endet auch diese Erinnerung mit der 2:3-Niederlage gegen Österreich. An der Pointe mit dem Verweis auf den Österreicher Kurt Jara in der damaligen Mannschaft vom MSV Duisburg konnte der aufzeichnende Journalist nicht vorbei gehen.

Ich hingegen kann beim Erwähnen eines Länderspiels von Österreich gegen Deutschland niemals am Hinweis auf den Komik-Klassiker des deutsch-österreichischen Kabarettisten-Duos Stermann & Grissemann vorbei gehen. „Cordoba – wie es wirklich war“ – auch nach mehrmaligem Sehen einen Klick weiter wert.

Berg, Wacker Meiderich und noch einmal Heinz Bohnes

Meine Großeltern wohnten in Meiderich-Berg. Heute geht’s nach Berg, hieß es immer, erst von Ruhrort aus, später von Mittelmeiderich. Berg, ein griffiger Stadtteilname mit zusätzlicher, sofort erkennbarer Bedeutung. Das mochte ich als Kind, wenn ich im Gegensatz dazu, etwa Obermeiderich hörte. Dass Berg auch Untermeiderich hieß, erfuhr ich erst sehr viel später. Und noch immer habe ich, sobald ich Untermeiderich höre, im ersten Moment das Gefühl, eigentlich ist dabei nicht von dem Teil Meiderichs die Rede, in dem ich als Kind meine Großeltern besuchte. Die Wohnung meiner Großeltern befand sich in der Bergstraße, der Bergschule gegenüber. Besser hätten Großeltern also nicht wohnen können für ein Kind, das sich in der Welt der Namen erst noch zurecht finden muss.

Sie wohnten in der zweiten Etage, heute hieße das in einem Mehrgenerationenhaus. Früher war das so normal, dass es dafür keines besonderen Hinweises brauchte. In der ersten Etage wohnte die Schwester meines Großvaters mitsamt zwei jugendlichen Kindern und der Urgroßmutter. Ihr Mann war Ende der 1950er Jahre auf dem Stahlwerk tödlich verunglückt. Zwei Zimmer hatten diese Wohnungen jeweils. Eine Küche kam dazu. Eine Toilette. In der zweiten Etage gab es noch eine Waschecke, unten gab es nur das Waschbecken der Küche, wo sich jeweils auch der einzige Ofen befand, mit dem geheizt wurde. Bei Eiseskälte wurde in jeder Wohnung ein zusätzlicher Heizstrahler in die Wohnzimmer gestellt, wenn jemand sich dort aufhielt. Das Schlafzimmer blieb stets ungeheizt. Eisblumen, die das gesamte Fenster bedeckten, waren im Winter für mich immer eine schön anzuschauende Sensation. So wurde bis 1971 – so meine ich – noch gewohnt von meinen Großeltern, von den anderen Verwandten. Dann wurde die gesamte Häuserzeile abgerissen. Die Großelterngeneration musste jene Straße verlassen, die seit den 1930er ihre Heimat gewesen war. Sie zogen nach Mittelmeiderich. Eine andere Welt.

Wer aus der Wohnung im ersten Stock aus dem Küchenfenster sah, blickte auf die „Hütte“. Ein riesiges Gelände, für das ich kein konkretes Bild mehr habe. Schwärze sehe ich vor mir, Röhren, Metallkonstruktionen. Nichts Genaues. Alles müsste ich nachfragen. Vielleicht kommt es dazu. Dann muss ich auch nachfragen, ob meine Erinnerung überhaupt stimmt, dass ich den  Fußballplatz von Wacker Meiderich von diesem Küchenfenster aus habe sehen können. Der Cousin meiner Mutter, mein Patenonkel, spielte dort regelmäßig als Torwart einer Werksmannschaft. Wacker Meiderich selbst wurde mir erst zum Begriff, als ich mich um die Vergangenheit des MSV Duisburg kümmerte. Neulich konnte ich hier an Heinz Bohnes erinnern, der bei Wacker Meiderich mit dem Vereinsfußball begann und mit der C-Jugend des Vereins 1949 die Stadtmeisterschaft gewann. Dank Elli Hartmann, die diesen Beitrag las,  kann ich nachträglich sogar ein Mannschaftsfoto der damaligen Meister veröffentlichen.

Wacker Meiderich C-JugendUnd als Elli Hartmann schon dabei war in ihrem Archiv zu kramen, hat sie den Spielbericht eines Schulspiels zwischen der Nombericher Schule und der Fröbelschule gefunden, gleichsam ein Stadtteilwettkampf Berg gegen Hochfeld, der vermutlich ebenfalls spätestens Anfang der 1950er Jahren ausgetragen worden ist.

schulspiel 1950Gerne hätte ich noch mehr über Wacker Meiderich und die Welt der Vergangenheit geschrieben. Mir fehlt aber einmal mehr die Zeit nachzufragen und zu recherchieren. Deshalb erneut an euch der Aufruf, mir eure Erinnerungen zu schreiben, euer Wissen über diese Zeit. Wer durch diesen Beitrag zu anderen Erinnerungen angestoßen wird, schreibt sie auf diese Erinnerungen – in den Kommentaren, in Mails, die ihr mir schickt, damit ich diese Erinnerungen veröffentlichen kann. Denn darum geht es auch hier, nur wer weiß, wo er herkommt, wird sich sicher, wo er hinwill.

Der vergessene Torjäger Heinz Bohnes – Teil 2

Wenn es gestern um die Eckdaten der Fußballerkarriere von Heinz Bohnes ging samt dem fotografischen Blick auf typische Spielsituationen für ihn, stehen heute zunächst Fotos im Mittelpunkt, die ihn beim Auswahltraining der Nationalmannschaft zeigen. Im Oktober 1956 erhielt Heinz Bohnes die Einladung zu einem  einwöchigen Lehrgang mit der Nationalmannschaft. Sepp Herberger leitete den Lehrgang. Unterstützt wurde er durch Helmut Schön, der seit Mai Herbergers Assistenztrainer war sowie Georg „Schorsch“ Gawliczek, der gerade erst in ähnlicher Assistentenfunktion vom DFB unter Vertrag genommen worden war.

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Außerdem gibt es weitere Fotos aus Heinz Bohnes Zeit beim MSV Duisburg. Meinem Eindruck nach war er bei diesen Spielen noch sehr jung. Vermutlich sind das also Spiele aus seiner ersten und zweiten Spielzeit beim Meidericher SV – die Jahre 1955 bis 1957.

Abschließend bleibt noch das jüngste Dokument der Sammlung zu zeigen. Es ist der Trainerschein von Heinz Bohnes, der ihn auf einem Passfoto als Mann mittleren Alters zeigt.

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Der vergessene Torjäger Heinz Bohnes – Teil 1

Manchmal gleicht städtisches Leben der Gegenwart doch immer wieder mal noch dem dörflichen der Vergangenheit. Lebenswege dieses Dorfes sind auseinander gegangen, doch die nächste Generation führt sie wieder zusammen. So war es, als Bernd Bohnes Ende letzten Jahres mir eine E-Mail schrieb, nachdem ich kurz zuvor an den MSV-Stürmer „Burger“ Hetzel erinnert hatte. Das Privatarchiv seines Vaters bot ebenfalls unzählige Erinnerungen an vergangene Zeiten des MSV Duisburg. Sein Vater war der Fußballer Heinz Bohnes, erfolgreicher Stürmer der Zebras Ende der 1950er Jahre, später beim Duisburger SV aktiv, dann Trainer bei verschiedenen Vereinen, vornehmlich am Niederrhein.

Wer schon wie meine Mutter zu Zeiten der Oberliga West ins Stadion an der Westender Straße ging, musste Heinz Bohnes also kennen. Für meine Mutter stieß der Name zudem weitere Erinnerungen an. Heinz Bohnes und sein Zwillingsbruder Paul hatten als Kinder in Meiderich-Berg auf derselben Straße wie meine Mutter gewohnt. Die Bergstraße rund um St. Matthias,  der längst profanierten katholischen Kirche von Berg, war damals Spielplatz für alle. Man lief sich über den Weg. Man kannte sich.

bohnes_PortraitIch hingegen kannte Heinz Bohnes nicht. Von ihm hatte ich noch keine romantische Oberliga-West-Anekdote gehört, und nun schickte mir sein Sohn Bernd Fotos über Fotos. Das Dorf fand wieder zusammen. Ich sah Heinz Bohnes im Trikot der deutschen Nationalmannschaft, und dachte, über den Mann lässt sich eine größere Geschichte erzählen. Wieso weiß ich nichts über einen Nationalspieler Heinz Bohnes? Darüber hinaus machten diese Fotos die 1950er Jahre auf wunderbare Weise lebendig. Wie konnte ich diesen Archivschatz zumindest mit den notwendigsten Hinweisen versehen?

Wenn ich das machen wollte, wie ich es mir vorstellte, würde darüber ein Jahr vergehen. Ich hatte für den Moment einfach keine Zeit für die Recherche, die noch nötig war, obwohl mir Bernd Bohnes schon einige Informationen über seinen Vater schickte. Deshalb entschloss ich mich zu einem anderen Weg. Dieser Beitrag heute und der morgige werden zu einer Art Mini-Wiki. Ich veröffentliche die Fotos und bitte euch, die ihr die Spieler der MSV-Geschichte in- und auswendig kennt, mir Hinweise zu den betreffenden Personen auf den Fotos zu geben. Dann ließen sich nach und nach Leerstellen füllen.

Außerdem fehlen mir Hinweise auf die Fotografen. Natürlich hätte ich diese Fotografen gerne angeschrieben, um die Erlaubnis zur Veröffentlichung einzuholen. Wenn es also von den jeweiligen Urhebern der Fotos Einwände gegen die Veröffentlichung gibt, so bitte ich darum, mit mir Kontakt aufzunehmen. Mit Hilfe der Erinnerungen von Margret Bohnes, der Ehefrau des Fußballers, kann ich zumindest ein paar kurze biografische Anmerkungen zu Heinz Bohnes Fußballerleben machen. Großer Dank deshalb nochmals an sie und Bernd Bohnes.

Heinz Bohnes wurde am 6. Juni 1935 in Duisburg-Meiderich geboren. Die Jungen seiner Generation spielten Fußball zunächst lange nur auf der Straße. Mit zwölf Jahren schließlich schloss er sich Wacker Meiderich an, dem Fußballverein, der an der Bergstraße seine Fußballspiele bestritt. Mit 14 Jahren gewann er mit seiner Schülermannschaft die Stadtmeisterschaft. Von Wacker Meiderich aus wechselte er 1953 mit seinem Zwillingsbruder Paul Bohnes zu Meiderich 06. Für Paul blieb der Verein bis ins hohe Alter die sportliche Heimat.

bohnes_sturmszene9Heinz Bohnes hingegen wurde 1955 vom Meidericher SV für die Regionalliga abgeworben, der damals zweithöchsten Spielklasse, in der der MSV Duisburg für diese Saison ein einjähriges Intermezzo gab. Unter Hermann Lindemann gelang der direkte Wiederaufstieg in die Oberliga West, in der Heinz Bohnes von nun an spielen sollte. „Heini“ wurde Heinz Bohnes gerufen, der auf dem Spielfeld durch seinen Laufstil mit weit ausholenden, rudernden Armbewegungen unverkennbar war. In der Saison 1957/58 gehörte er mit 17 erzielten Treffern zu den erfolgreichsten Torschützen der Liga. Was ihm nicht nur 1958 das Vertragsangebot  des damaligen türkischen Meisters Fenerbahce Istanbul bescherte, sondern auch Einladungen zur Nationalmannschaft. Bei einem A-Länderspiel eingesetzt wurde er allerdings nicht. In jener Zeit spielte er mit dem MSV  mehrmals im Ausland. So gab es Freundschaftsspiele in Spanien gegen  FC Real Saragossa, Valencia und in Barcelona. In Algerien wurde in Algier gespielt. Für den MSV bestritt er 100 Spiele in der Oberliga West und erzielte dabei 37 Tore.

In der Saison 1959/1960 wechselte er zu Eintracht Braunschweig in die Oberliga Nord. Die Normalität für einen Fußballer heute bedeutete damals einen tiefen Einschnitt in das Leben der Familie. Die gesamte Familie zog nach Niedersachsen um, ohne dort wirklich heimisch zu werden. Margret Bohnes wollte zurück nach Duisburg, und so wurde der Aufenthalt in Braunschweig zum einjährigen Gastspiel. Heinz Bohnes wechselte zurück in die Heimatstadt und spielte ab der Saison 1961/62 beim Duisburger SV, der später mit TuS Duisburg 48/99 zu Eintracht Duisburg fusionierte. Der Stürmer wurde nun als Defensivspieler eingesetzt. Er machte noch 59 Spiele für den DSV und erzielte zwei Tore. Nach der Saison 1965/66 ließ Heinz Bohnes seine Karriere als Spielertrainer bei unterschiedlichen Vereinen am Niederrhein ausklingen. Er erwarb die Trainer A-Lizenz und trainierte unter anderem den SC Kleve und den TV Voerde.


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