Wenn der DFB über Konsequenzen spricht, ist das doch weder Drohung noch Erpressung

Es gibt in Thrillern ein überschaubares Repertoire an Standardszenen, wenn Menschen gefügig gemacht werden sollen. Da spricht dann freundlich jemand zum Gegenüber, dessen Miene entweder Misstrauen oder Angst widerspiegelt. Geld wird gefordert oder Mitarbeit, und im selben Moment liegt beiläufig eine Waffe auf dem Tisch, die anscheinend im Jackett unbequem geworden ist. Das Ganze geht auch ohne Waffe, indem die Zukunft des Gegenübers in dunklen Farben ausgemalt wird, wenn besagte Mitarbeit verweigert wird. Dann wären statt des jetzt doch überschaubaren Schutzgeldes noch ganz andere Kosten zu übernehmen. Die Vertreter dieser besonderen Form des Wirtschaftens meinen es immer nur gut. Sie garantieren schließlich das Funktioniren des Wirtschaftens für ihr Hoheitsgebiet. Schließlich kann jeder sein Geschäft nur betreiben, wenn alles reibungslos verläuft. Was reibungslos bedeutet, lässt sich mit einer Waffe auf dem Tisch schlecht diskutieren.

Im deutschen Fußball sind wir zivilisiert. Waffen liegen nicht auf dem Tisch. Aber einen möglichen Lizenzentzug in den Raum zu stellen gegenüber einem Mininsterpräsident, in dessen Bundesland die Corona-Regularien die Fortsetzung des Drittligabetriebs behindern, ist die pazifistischere Variante dieses Drohens, und sie besitzt Kinothrillerformat. Das Dementi folgt in dem Fall immer sogleich, denn ganz deutlich wird das nur selten gesagt. Subtiles Sprechen gehört zum learning by doing in solchen Organisationen, die Macht organisieren.

Dieser Anfang des Thrillers müsste natürlich weiter ausgearbeitet werden. Nach dem ersten Anziehen der Daumenschraube würde nun im privaten Umfeld des Ministerpräsidenten herumgestochert, um irgendeinen Dreck aufzuwühlen, der genutzt werden kann. Flankierende Maßnahmen durch Wissen, was nicht öffentlich werden soll.

Die Situation rund um die 3. Liga führt mich einfach zu solchen Gedanken. Denn eine zweite Thrillervariante sehen wir ja auch, und wie im wahren Leben des Kinothrillers gibt es für jede Drohgebärde eigene Spezialisten. DFB-Vizepräsident Rainer Koch spricht von Regressforderungen an die Vereine, sollte die Saison selbst gewählt abgebrochen werden.

So offenbart sich endlich das eigentliche Motiv für das Beharren des DFB auf das Weiterspielen. Offensichtlich steht der DFB unter Druck und hat entweder sehr ungünstige Verträge zur Vermarktung abgeschlossen oder das noch nicht eingenommene Geld schon ausgegeben. Wahrscheinlich geht es vor allem um Magenta TV. Noch einmal sei betont, anscheinend profitieren Vereine und DFB auf sehr unterschiedliche Weise von der Vermarktung der 3. Liga. Deshalb gibt es diese Konfliktlage. Was vor Corona nicht offensichtlich war, wird nun deutlich. Die 3. Liga ist ein Konstrukt, bei dem der DFB sich die Vereine zu eigenen Zwecken zunutze gemacht hat. Nur zu normalen Zeiten ist das kein Problem. Zu normalen Zeiten lässt sich diese Ungleichheit durch das Wirtschaften der Vereine in ihren lokalen Bezügen ausgleichen. Und auch das sei noch einmal betont, wie heuchlerisch war das Argumentieren mit sportlichen Belangen.

Auf Fanseite und von unabhängigen journalistischen Einzelgängern wurde das Handeln des DFB die ganze Zeit schon mit Skepsis beobachtet. Dietrich Schulze-Marmeling hat gestern in seinem Blog beim Verlag Die Werkstatt eine von Ärger getriebene Bestandsaufnahme geschrieben. Aber auch in der überregionalen Presse findet sich heute endlich die erste harsche Bewertung des Handelns beim DFB. Michael Horeni kommt am Ende seines Artikels in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung über den Bundesligastart auf den Unterschied bei der Bewältigung der Corona-Krise zwischen DFL und DFB zu sprechen. Sehr lesenwert auch im Ganzen, obwohl ich hier nur die dritte Seite verlinke. Hoffen wir auf Wirkung solcher Kritik beim DFB.

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