Die Freude genießen und einen richtigen Gegner erwarten

Zwischendurch musste ich mich gestern doch einige Male kurz mahnend erinnern. Hier, im Spiel gegen den TSV Havelse geht es um etwas. Das ist ein echtes, richtiges Spiel der Dritten Liga. Hier geht es um drei Punkte. Dann habe ich gleich geschimpft über verspringende Bälle im Mittelfeld und die dann möglichen Konter, die nicht ausgespielt wurden von Havelse. Im Grunde habe ich das nicht ernst gemeint. Das war mehr so eine innere Verpflichtung, es ernst nehmen zu müssen. Denn gleich war ich wieder in dieser rosigen Stimmung, die einfach nicht vergehen wollte.

Denn zu überlegen war der MSV, und schließlich stand ich wieder auf meinem Stehplatz, auf einem nummerierten Stehplatz, der oft dann doch als grobe Orientierung nur diente. Endlich traf ich jene Menschen wieder, die ich eben nur beim Fußball sehe, so flüchtig das auch manchmal ist. Die Freunde standen neben mir. Es war nicht zu heiß, es war nicht zu kalt. Auf dem Rasen sah man den Zebras von Anpfiff die große Spielfreude an. Der TSV Havelse war dafür ein ein bestens geeigneter Gegner, der wie ein ausgesuchter Sparings-Partner wirkte. Es schien so, als wollten die Zebras herausfinden, was sie so drauf haben.

Wir Zuschauer konnten ebenfalls versuchen herauszufinden, was wir unter der neuen Normalverteilung auf den Rängen so drauf haben. Luftiger angeordnet, nehmen die etwa 7000 Zuschauer mehr Raum ein als die üblichen 12.000 Zuschauer. Und da der größte Teil vom Stimmungsblock sich auf die Gegengerade unter das Dach begeben hatte, war es für uns am Stehplatz deutlich lauter als sonst, wenn Kohorte und Co sich neben uns befinden.

Der Sparings-Partner Havelse bemühte sich redlich, Fehler der Zebras zu nutzen. In der ersten Halbzeit völlig vergeblich, doch Anfang der zweiten Halbzeit führte das sogar für wenige Minuten dazu, dass die Defensive des MSV herausfinden musste, was sie so drauf hat. Natürlich müssen wir alle mit Trainern und Spielern im Chor anstimmen, wer weiß, wie das Spiel verlaufen wäre, wenn der Elfmeter zum Ausgleich verwandelt worden wäre. Richtig ernst kann ich aber auch das nicht nehmen. So ein Satz gehörte gestern eben zur Tradition wie der Zebratwist. Kann schon sein, dass auch diese Mannschaft mit den vielen neuen Spielern, wie Pavel Dotchev meint, mit Gegentreffern nicht umgehen kann. Das weiß er aber im Grunde genauso wenig wie das Gegenteil, auch wenn es Freundschaftsspiele gegeben hat. Vielleicht kann diese neue Besetzung das doch.

Der Ausgleich fiel jedenfalls nicht, bald schon aber das zweite Tor für den MSV durch einen Elfmeter und dann das dritte durch Kolja Pusch, sofort nach seiner Einwechslung. Wie gesagt, ich sah das alles entspannt und spielte zwischendurch ein wenig Ärger. Ich musste mir allerdings verbieten, an die nächsten vier Gegner zu denken. So etwas ist meine Form der wer-weiß-wie-das-Spiel-ausgegangen-wäre-Tradition. Denn ich glaube, jeder dieser Gegner wäre bei mindestens einer der bestimmt fünf oder sechs Balleroberungen von Havelse im Mittelfeld zum Abschluss gekommen. Dazu muss der Gegner nur ein kleines bisschen besser sein als der TSV Havelse.

Zwei Bilder des Tages gibt es für mich. Zum einen ist das Moritz Stoppelkamp mit seiner langen Umarmung von Alaa Bakir, als der ausgewechselt wurde. Darin steckt sowohl alles, was ein junger Spieler wie Bakir braucht, als auch alles, was ein älterer Spieler wie Stoppelkamp in einer Mannschaft neben dem eigentliche Fußball bewirken kann. Das andere Bild ist die Mannschaft nach dem Abpfiff auf ihrem Rundgang durchs Stadion vor alle Ränge. Darin steckt die Freude der Wiederbegegnung von Fußballern und Fans in besagter entspannter Sommerstimmung. Das wollte auf den Rängen und auf dem Rasen gleichermaßen genossen werden. Wir sind wieder alle da, und welch Glück, dass es dazu das passende Spiel gegeben hatte.

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