Gesellschaftstheorie mit Jürgen Klinsmann

Gestern morgen wurde im großen Interview mit Jürgen Klinsmann in der Süddeutschen Zeitung vor dem Spiel der Bayern in Barcelona auch die 1:5-Niederlage gegen Wolfsburg am letzten Samstag noch einmal zum Thema. Dass Klinsmann nach diesem Spiel für die öffentliche Kritik an seiner Person die Spieler mit in die Verantwortung nehmen will, wurde auch in folgender Bemerkung noch einmal deutlich:

Was in Wolfsburg stattfand, war aber doch nichts anderes als ein Spiegelbild der Gesellschaft, verbunden mit der Frage: Inwieweit versuche ich auch selbständig Lösungen zu finden? Es ist für die Spieler in ihrem heutigen Umfeld enorm schwer, gegen innere Widerstände anzugehen: Überall nur Loblieder, Schulterklopfer und Berater, die Geld mit ihnen verdienen wollen.

Was genau in Wolfsburg dieses Spiegelbild gewesen sein soll, wurde in diesem Interview nicht ganz klar. Der Satz hängt etwas rätselhaft in der Luft. Ich nehme an, Jürgen Klinsmann versteht die anschließende Frage als zentralen Inhalt seines Spiegelbildes, auch wenn er es so formuliert, als komme diese Frage zu irgendetwas anderem hinzu. Er appeliert also an die Selbstverantwortung jedes einzelnen. Frage dich nicht, was die Mannschaft für dich tun kann, sondern frage dich, was du für die Mannschaft tust.

Das ist die eine Botschaft, die immer wieder gesagt werden muss. Die Wirklichkeit ist natürlich komplizierter. Deshalb darf eine andere Botschaft nicht verschwiegen werden, und die verweist auf Jürgen Klinsmann zurück, weil es um die Organisation dieser einzelnen Spieler geht. Wenn ich mir das Spiel des gestrigen Abends in Erinnerung rufe, so bleibt mir vor allem ein Bild und das sind perfekt aufeinander abgestimmte Bewegungen der Mannschaft Barcelonas. Dank dieser Bewegungen konnte die statisch wirkende Defensive der Bayern mit großer Sicherheit überwunden werden.  Diese Statik hat aber nur zum Teil mit dem Einsatzwillen jedes einzelnen zu tun, gleichzeitig ist sie auch das Ergebnis von gemeinsamer Arbeit, also einem sozialen Tatbestand. Das ist banal, aber wir sehen, im Fußball ist es nicht anders als im richtigen Leben. Immer geht es um die Lösung von Problemen, um Verantwortung jedes einzelnen und um die Frage, welche Möglichkeiten sich diesem Einzelnen in Abhängigkeit vom Handeln anderer für die Verwirklichung seiner Lebensvorstellungen bieten. Und das Ausrichten dieses Handelns auf ein gemeinsames Ziel braucht Koordination von außen.

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