Das Münchner Olympiastadion versprach Gleichheit

Letzte Woche war ich mit meinem Sohn für zwei Tage in München und als Teil unseres Stadtbesichtigungsprogramms haben wir nicht die Allianz-Arena sondern das Olympiastadion besucht. Mir während einer Führung durch das Fußballstadion der Gegenwart leere Umkleidekabinen anzuschauen halte ich nämlich für weniger attraktiv als ein mich beeindruckendes Baudenkmal der jüngsten deutschen Vergangenheit nach langer Zeit einmal wieder zu sehen und meinem Sohn dabei von meinem ersten Besuch dort vor über dreißig Jahren zu erzählen.

Zur Architektur habe ich das ganz intuitive Verhältnis von jedermann. Ich kenne weder die Sprache der Architekturkritik noch fühle ich mich in der Geschichte der Architektur besonders gebildet. Für Urteilsbegründungen muss ich mühsam und tastend nach Worten suchen. Im Olympiastadion ging mir zwar sofort der Begriff „Harmonie“ durch den Kopf, doch Erkenntnis gewinnt man damit gerade nicht.

Bemerkenswert ist etwas anderes. Als wir oberhalb der Ränge um das Stadion herumgingen, fiel mir plötzlich auf, wie der Zeitgeist der Planungs- und Baujahre sich nicht nur in der äußeren Form mit dem schwungvoll gestalteten Zeltdach wiederfindet, sondern auch in der Anordnung der Zuschauerplätze das damals als notwendig und fortschrittlich empfundene Ideal der Gleichheit seinen Ausdruck findet.

Im Alltag des Fußballbetriebs hat man nach den Olympischen Spielen aus den Vorgaben durch das Bauwerk im Fußball-Alltag dann wahrscheinlich etwas anderes aus dieser gedachten Gleichheit gemacht. Zumal die eine Sitzplatzseite überdacht ist und die andere nicht, und die Sicht selbstverständlich nicht überall gleich gut ist. Doch zur augenscheinlichen Unterteilung der Zuschauer bot das Bauwerk Stadion nur die beiden Kategorien Steh- und Sitzplätze an.

In den Stadien der Gegenwart sieht das inzwischen anders aus. Da erkennt man am Bauwerk selbst eine Vielzahl von Kategorien, in die die Zuschauer verteilt werden und die wegen der Preisgestaltung von der Tendenz her immer auch als soziale Kategorien verstanden werden können. Solche Unterschiede der Preisgestaltung hat es im Olympiastadion natürlich auch gegeben. Gab es dort dann zusätzliche Zeichen für die Zuschauer, um ihnen Unterschiede deutlicher zu machen? Ich kenne den damaligen Fußballbetrieb in München zu wenig. Vielleicht weiß ja jemand, der hier mitliest, die Antwort.

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