Fußballer als Karnevalsprinzen – Eine kurze Liste

Die meisten Fußballer außerhalb Kölns übersehen noch immer den Karneval als Zukunftsperspektive am Ende ihrer Karriere. Sie unterschätzen das tiefe Loch, in das sie fallen, wenn nicht mehr der Wechsel von Training und Spieltag ihr Leben bestimmt. Haltlos, ohne vorgegebene Zeitabläufe kehren sie dann immer wieder heimlich an die Fußballfelder dieser Welt zurück. Ohne sinnvolle Aufgabe. Ohne erkannt zu werden. Ein trostloses Leben. Würden sie sich früher mit dieser unweigerlich kommenden Phase ihres Lebens auseinandersetzen, so könnten sie frühzeitig das ritualhafte Potential des Karnevals als Ersatz für die fehlenden Fußballrituale erkennen. Erste Praktika im Sitzungskarneval böten sich an. Der 1. FC Köln erweist sich hier schon lange als vorbildhaft, indem der Verein die eigenen Spieler zur Teilnahme an der sogenannten FC-Sitzung verpflichtet und er damit sogar den Fußballspielern aus den Entwicklungsländern des Brauchtums die Perspektive einer sinnvollen Zukunft aufzeigt.

So überrascht es nicht, dass auf der Liste der „Fußballer, die einmal Karnevalsprinz waren“ ausschließlich ehemalige Fußballer des 1. FC Köln stehen. Wolfgang Overath war der erste ehemalige Spieler des Vereins, der schon 1985 diese einmalige Chance im Karneval nach dem Ende seiner aktiven Zeit ergriff. Schon damals zeichnete ihn jene  Bescheidenheit aus, die Jahre später das große Drängen des hoffnungsfrohen FC-Fanvolks nötig machte, um ihn die Präsidentschaft beim  1. FC Köln übernehmen zu lassen. Auch in Siegburg wurde er laut Spiegel-Archiv nur zum Prinzen, weil ihn Freunde dazu gedrängt haben. Beim Siegburger Karnevalskomitee findet sich mit einem Klick weiter auch noch der Orden, den Prinz Wolfgang I. seinerzeit ausgab. Wer Interesse hat  am Ornat, in dem  Wolfgang Overath damals vor die Jecken trat, findet bei Kamelle.de ein Foto. Von ihm selbst habe ich auf die Schnelle keine fotografischen Belege jener Zeit gefunden, ebenso wenig wie ich weitere Fußballer entdeckte, die ihrem inaktiven Leben mit dem Karneval einen neuen Sinn hatten geben wollen.

Klaus Toppmöller kam mir da als heimatverbundener Mensch in den Sinn. Aber belastbare Belege werden allenfalls beim Gang in „Das Zentralarchiv der Deutschen Fastnacht“ zu finden sein. Vielleicht auch noch der eine endgültige Overath-Beweis. lch gebe  zu, die Liste ehemaliger Fußballer, die Karnevalsprinzen wurden, ist eine noch sehr kurze Liste. Da wäre also Arbeit an der Schnittstelle von Fußball- und Karnevalshistorie für ein paar Nachwuchswissenschaftler. Unsereins hat ja noch was anderes zu tun an diesem Wochenende. Karneval feiern und Fußball schauen etwa. Wir sehen uns in Köln und Duisburg. Ich werde dann auch darauf achten, die eine Lebensphase nicht mit der anderen zu mischen. Aber warum eigentlich? so ein paar sich bützende Zebras nach ausgelassener Freude über ein Siegtor gegen München kurz vor Schluss? Könnte im Karneval schon mal passieren, etwas Verwirrung bei dem, wer mit wem und was, wo wie irgendwohin hingehört. Ist nicht weiter schlimm.

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