Idole als Heilsbringer für Fußballvereine

„Das Idol würde dem MSV helfen“, heißt es nun auch bei Der Westen. Nicht zum ersten Mal richten sich in düster werdenden Zeiten Hoffnungen zur Besserung der Lage beim MSV Duisburg auf Bernard Dietz. In der Artikel-Überschrift drückt sich nicht nur die Bereitschaft von Bernard Dietz zur Mitarbeit beim MSV aus, sondern gleichermaßen die Meinung der lokalen NRZ-Sportredaktion und die von vielen Fans. Liest man allerdings weiter, stellt man wieder einmal fest, das Leben ist viel zu kompliziert und unübersichtlich, als dass das Heil mit einer einfachen Frage von MSV-Seite zu erhalten wäre.

Bernard Dietz kennt sich selbst nun einmal besser als wir Fans ihn, und er sieht seine Möglichkeiten im „sportlichen Sektor“. Dass er auf dem Gebiet als Trainer und Förderer von Talenten Erfolg hatte, wissen wir. Dummerweise gilt es beim MSV Duisburg gerade ganz dringlich zunächst einmal eine andere Position zu besetzen. Ein Nachfolger von Walter Hellmich wird gesucht. Und selbst wenn ich mir Bernard Dietz für den sportlichen Sektor beim MSV Duisburg verantwortlich vorstelle, verringerte sich meiner Meinung nach die von ihm erhoffte Integrationskraft als einer von mehreren gleichwertig agierenden Verwaltungsverantwortlichen des Vereins.

Gerade diese Integrationskraft und das Symbolhafte seiner Person weckt aber doch die Sehnsucht, den als MSV-Spieler so legendär gewordenen Bernard Dietz endlich in diesem Verein beheimatet zu sehen. Es ist die Sehnsucht, jemand mit tadellosem Ruf spräche für den Verein. Es ist die Sehnsucht, einem Menschen und damit dessen Handeln bedingungsloses Vertrauen entgegen bringen zu können.

Wie Bernard Dietz nun ins Gespräch gebracht wird und die Gedankenspiele  in dem oben verlinkten Artikel über eine mögliche Position als Sportdirektor, das stiftet mehr Unruhe, als dass es im Moment konstruktiv weiterhilft. Vorrangig bleibt die Position dessen zu besetzen, der eine Vorstellung davon nach außen trägt, wohin es mit dem MSV Duisburg gehen soll. Vielleicht ist es noch nicht an der Zeit für Bernard Dietz Visionen vom zukünftigen MSV Duisburg zu formulieren, vielleicht entspricht es nicht seiner Persönlichkeit. Dennoch wünsche ich es mir, er könne sich und seine Vorstellung vom Engagement beim MSV Duisburg noch dahin entwickeln.

Doch selbst dann würde das Heil nicht automatisch kommen, weil Bernard Dietz im Umfeld des MSV Duisburg so populär ist. Beim Hamburger SV trat Uwe Seeler im Oktober 1995 seine Amtszeit als Präsident an. Er blieb es bis Juni 1998. So weit ich mich erinnere, waren die Erwartungen an ihn hoch. Er sollte für Solidität im Verein sorgen. Das klappte nicht besonders gut. Warum genau und mit welchen Folgen für Uwe Seeler müsste ich nachschlagen. Beim 1. FC Köln dagegen ist Wolfgang Overath erfolgreicher bei der Vereinsführung. Zum Warum zwei spontane Gedanken: Gleich zu Beginn seiner Amtszeit hat er mögliche Gegenspieler im Verein entmachtet und mit Jürgen Glowacz einen langjährigen Freund und Geschäftspartner zur Unterstützung ins Präsidium geholt. Darüber hinaus kann ich mir vorstellen, seine Karriere als Unternehmer ist ihm bei der Ausübung seines Amtes sehr von Nutzen.

Hätte ich mehr Zeit, fände ich es interessant, einmal genau nachzuprüfen, welche Bedingungen dazu führen, dass Idole eines Fußballvereins als Funktionäre des Vereins erfolgreich sein können. Den Sonderfall FC Bayern München lassen wir mal außen vor. Wo gibt es diese Konstellation überhaupt sonst noch? Dieter Müller fällt mir ein als Präsident von Kickers Offenbach. Allerdings kenne ich keine Urteile über seine Arbeit. Vielleicht kriegen wir eine flüchtige Untersuchung zusammen. So eine Untersuchung könnte ein helfendes Fahrtenbuch sein für Bernard Dietz, um das in nächster Zeit wichtigste Amt beim MSV Duisburg zu bewältigen, das des Vorsitzenden, der glaubwürdig und integer den Weg des MSV Duisburg entwickelt.

8 Antworten to “Idole als Heilsbringer für Fußballvereine”


  1. 1 heinzkamke 23. April 2010 um 12:52

    Beim VfB hat man es um die Jahrtausendwende mit den 84er-Helden Förster und Müller im Management versucht, sogar gleichzeitig. Die Bilanz war verheerend, Müller intrigierte gegen Förster (hieß es), beide traten zurück. Verbrannte Erde.

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  2. 2 heinzkamke 23. April 2010 um 12:54

    Aber vielleicht zählen „Nur-Manager“ auch nicht, sonst müssten wir wohl auch über Allofs, Völler, Preetz,… reden. (ganz abgesehen von der Frage, ab wann man ein „Idol“ ist)

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  3. 3 heinzkamke 23. April 2010 um 13:18

    Hölzenbein war in Frankfurt einige Jahre Vizepräsident; dazu habe ich unterschiedliche Bewertungen gehört.

    In Bochum hat es mit Kuntz (wenn auch nicht als Präsident) eine Zeit lang gut funktioniert, glaube ich, und ih Kaiserslautern hat man bisher wohl auch wenig Grund zur Klage.

    Mehr fallen mir grad nicht ein. Genug gespammt.

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  4. 4 Kees Jaratz 23. April 2010 um 13:58

    Vor allem an die Sportdirektoren hatte ich auch gedacht, gerade weil Bernard Dietz dort am ehesten seinen Platz beim MSV Duisburg sieht. Nimmt man die hinzu, brauchen wir die groß angelegte Arbeitsmarkt-Studie. Man müsste unterscheiden zwischen Berufsfußballern, die nach der sportlichen Karriere an anderer Stelle im Berufsfeld Fußball Geld verdienen und jenen, bei denen es nicht nur um die Funktion als solche geht, sondern auch um die Hoffnung auf Erneuerung und Reinigung eines ganzen Vereins. Was für eine Aufgabe.

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    • 5 Kees Jaratz 23. April 2010 um 14:02

      Kuntz, genau, der passt und das sogar als Sportdirektor. Sowohl in Bochum als auch jetzt in Kaiserslautern haben ihn die Heilserwartungen begleitet. Träfen meine Überlegungen vielleicht doch nicht zu, dass ein Sportdirektor an integrativer Kraft verlieren muss.

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  5. 6 heinzkamke 26. April 2010 um 15:18

    Klingt nach einer Diplomarbeit…

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  6. 7 [SO] Olli 9. November 2010 um 19:55

    „Dieter Müller fällt mir ein als Präsident von Kickers Offenbach. Allerdings kenne ich keine Urteile über seine Arbeit.“

    Katastrophal, nicht tragbar, Grüß-August, Stammel-Dieter… reicht das an Urteilen? Ich kann gerne mehr ins Detail gehen… 😉

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