13 Anmerkungen zum Spiel MSV Duisburg – SC Paderborn, die die Welt noch nicht gesehen hat

  1. Manchmal ist ein Ligaspiel nur die Generalprobe für die nächste Pokalbegegnung.
  2. In die große Freude und Erleichterung über den 2:0-Sieg des MSV Duisburg gegen den SC Paderborn mischt sich immer wieder kurz die Erinnerung an Fehlpässe in gefährlichen Spielfeldbereichen. Die genaue Zahl weiß ich nicht mehr. Es waren vielleicht fünf oder sechs. Kevin Wolze machte in den ersten Minuten zweimal kurz hintereinander den Auftakt. Dramatischer wirkten spätere Fehlpässe. Mindestens einer solcher Ballverluste führt normalerweise zu einem Gegentor durch einen Konter.
  3. Die Zuschauerzahl war klassisch Duisburg. Nach dem Pokalsieg in Bielefeld waren enttäuschend wenig Zuschauer im Stadion.
  4. Der MSV begann das Spiel sehr druckvoll. Solche Anfangsphasen haben wir in dieser Saison schon gesehen. Entsprechend groß war meine Sorge vor dem Gegentreffer, der allem ein Ende bereitet.
  5. Cauly Souza deutete früh seine weiter bestechende Form an. Zweimal schon war er vom linken Flügel aus davon gezogen. Zweimal war er beim Zug in die Mitte gestört worden. Das eine Mal sogar vom eigenen Mitspieler, von Richard Sukuta-Pasu, als sich beide für einen winzigen Moment nicht über den Laufweg einig waren und Souza sein Tempo nicht beibehalten konnte. Der dritte Pass, als Steilpass auf dem linken Flügel, schließlich führte zum Erfolg. Auf Höhe der Strafraumgrenze umdribbelte er noch einen Defensivspieler und schoss wuchtig ins Tor.
  6. Von diesem Moment an gewannen die Paderborner mehr Spielanteile. Den freien Abschluss einer Offensivaktion ließ die Defensive des MSV dennoch so gut wie nicht zu. Deshalb fehlte den Paderborner mit der Ausnahme eines Distanzschusses wirkliche Torgefahr. Dieser Schuss war ein tückischer Aufsetzer. Die Angriffe waren scheingefährlich. Schüsse, Kopfbälle gingen am Tor vorbei, kamen ohne Geschwindigkeit auf das Tor oder gingen meist dorthin, wo Daniel Mesenhöler gerade stand.
  7. Die Geschlossenheit und der Einsatz der Mannschaft war beeindruckend.
  8. Für die Älteren unter uns: Lukas Fröde bescherte mir einen Kees-Bregman-Gedächtnistag. In der zweiten Halbzeit löste er eine Drucksituation im Strafraum so hochrisikoreich auf, wie es besagter Kees Bregman, einer meiner Helden der 1970er, gerne mal machte. Der Angriff der Paderborner über den rechten Flügel war abgefangen. Die Zebras versuchten den Ball sofort kontrolliert in die eigene Offensive zu bringen. Die Paderborner pressten gut und stellten die linke Seite des MSV zu. So wanderte der Ball in den Strafraum, während die Paderborner kontinuierlich nachrückten. Es war deutlich, kein Spieler der Zebras hatte viel Zeit. Der Ball kam zu Fröde. Er hatte etwas Platz, und kurz hoffte ich auf den befreienden weiten Ball ins Mittelfeld mit dem Risiko des sofortigen Ballverlusts. Doch Fröde wählte eine andere Option. Er leitete den Ball zwischen den eigenen Beinen, den linken Fuß als Bande nutzend, in den Raum hinter seinem Rücken weiter. Das war ein technisch anspruchsvoller Ball, ein wunderbarer Trickpass, der mir den Atem raubte, weil ich für einen Moment das Ungewissse dieses Passes sah. Fröde musste blind darauf vertrauen, dass in seinem Rücken tatsächlich ein Mitspieler stand und kein Paderborner sich dorthin geschlichen hatte. Gelingt so ein Pass, wirkt das großartig, wenn nicht, fällt das Gegentor. Es wirkte großartig.
  9. Auch wenn es sich wie ein Widerspruch anhört, zu Beginn der zweiten Halbzeit war ich noch nicht sehr beunruhigt wegen eines möglichen Gegentors und sehnte dennoch das zweite Tor herbei. Ich wollte mich auf dem Weg zum ersten Heimsieg sicherer fühlen.
  10. Wenn ein Spieler mit der ersten Ballberührung nach seiner Einwechslung ein Tor erzielt, wird das oft zu einer besonderen Geschichte stilisiert. Kommt es mir nur so vor, als werde die Geschichte für den Volleyschuss zum 2:0 Tor von Boris Tashchy nicht hervorgeholt? Das gefiele mir sehr, so ein Tor durch den ersten Ballkontakt als selbstverständliches Geschehen zu berichten. Das bewiese mir die Qualität des Kaders. Die Spieler werden eingewechselt und brauchen keine Anlaufzeit, um ihre beste Leistung zu zeigen.
  11. Die 2:0-Führung machte mich allerdings nicht sicherer. Ich wurde schnell nervöser. Denn die Paderborner ließen keineswegs nach in ihrem Bemühen ein Tor zu erzielen. So irrational sind wir Menschen manchmal. Nun hatte ich das Gefühl, fiele erst der Gegentreffer, brächen alle Dämme und eine Niederlage drohe sogar. Doch der MSV blieb defensiv stabil. Torgefährlicher als zuvor wurden die Paderborner nicht.
  12. Je länger eine Niederlagenserie dauert, desto wahrscheinlicher wird ein Sieg. So ein Satz gehört in die statistische Betrachtung des Fußballs. Die meisten von uns tuen sich schwer mit der Statistik, weil die Datenmegen nicht sinnlich erfassbar sind. Wir haben kein sinnliches Verhältnis zur Wahrscheinlichkeit. Unser Denken beruht auf direkter Wahrnehmung. So macht dieser erste Sieg nach der Heimspielniederlagenserie den Kopf frei. Er verwandelt den Wahrscheinlichkeitsbegriff der Statistik in einen der direkten Erfahrung. So erst wird die statistische Möglichkeit zum Nachweis der eigenen Leistung und damit zur Voraussetzung für weitere Siege.
  13. Der Sieg des MSV war verdient. Mit dieser Generalprobe können wir zufrieden sein. Wenn bis zum Februar dann noch die letzten Fehler der Aufführung getilgt worden sind, dürfen wir auf ein begeisterndes DFB-Pokalspiel gegen Paderborn hoffen.

1 Antwort to “13 Anmerkungen zum Spiel MSV Duisburg – SC Paderborn, die die Welt noch nicht gesehen hat”



  1. 1 Radiogespräch mit Helmut Hahues beim Bürgerfunk Moers und Weihnachtsgeschenke | Fakten und Gerüchte aus dem Stadionbus Trackback zu 28. November 2018 um 08:35

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