Was für ein Desaster, DFB

Vorab sollte ich wahrscheinlich eines kurz erklären: Meine Meinung äußere ich nicht als Anhänger eines Fußballvereins, also als Fan vom MSV Duisburg. Mir geht es um die gesamte Liga, weil ich für ein Handeln von Institutionen vernünftige und wahrhaftig geäußerte Gründe erfahren möchte. So etwas können sich in diesen Tagen viele Menschen nicht mehr vorstellen, besonders wenn sie sich lautstark zu der speziellen Frage äußerten, wie es mit der Saison in der 3. Liga weitergehen soll und wie mit den entsprechenden Saisonentscheidungen verfahren werden kann.

Ich glaube ja immer an das Gute im Menschen und deshalb denke ich manchmal zaghaft, vielleicht hat der DFB einfach seine Kommunikation nicht im Griff. Vielleicht gibt es ja tatsächlich nachvollziehbare Argumente, warum nun qua Verfügung das Weiterspielen am 30. Mai angekündigt wurde. Vielleicht wirkt es ja nur beleidigt und rücksichtslos, was immer wieder von verschiedenen Vertretern des DFB zu hören ist. Vielleicht sind sie hinter den geschlossenen Türen ernsthaft um irgendetwas besorgt, was zu den Kernaufgaben des DFB gehören sollte, nämlich für die Gesamtheit der dem Verband angeschlossenen Vereine sich verantwortlich zu fühlen. Vielleicht gibt es ja Hilfen für Vereine, die durch das Weiterspielen in größte Schwierigkeiten geraten. Die sportlichen Fragen von Auf- und Abstieg sind damit nicht gemeint. Vielleicht gibt es ja doch auch beim DFB das Gute in den Menschen?

Je länger ich mich all das frage, desto schöner werden die Träume, desto besser male ich mir die Welt beim DFB aus. Aber dann reißt mich das MDR-Interview mit dem Sportdirektor vom Halleschen FC, Ralf Heskamp, aus diesen rosa Wolken. Mit seinen ersten Sätzen erzählt er von einer anderen Wirklichkeit. Er berichtet, 24 Stunden vor der Entscheidung „Weiterspielen“ habe der Hallesche FC die Nachricht erhalten, am Montag werde entschieden. Zur Erinnerung, dann findet der außerordentliche Bundestag vom DFB statt. Dem Halleschen FC wird also eine Grundlage für dessen Entscheidungen mitgeteilt, die eigentlich Gewicht haben sollte. Schließlich kommt mit dem Bundestag ein groß besetztes Gremium zusammen. 24 Stunden später ist davon keine Rede mehr. Das erstaunt.

Nun gibt es vielleicht Einwände, man könne so etwas ja einfach auch nur behaupten. Der Verein stehe am Ende der Tabelle auf einem Nichtabstiegsplatz und habe vielleicht deshalb ein Interesse am Saisonabbruch. So ein Einwand verkennt das grundlegende Problem, dass ein Vereinsvertreter überhaupt in dieser Weise sich an die Öffentlichkeit wendet.

Wenn so eine Stellungnahme zu hören ist, wurde zuvor miserabel gearbeitet. Offensichtlich ist der Austausch zwischen Vereinen und DFB katastrophal gescheitert. Offensichtlich hatte der DFB ein eigenes Interesse und sah sich nicht als Interessenvertreter aller seiner Vereine. Es wäre die Aufgabe des DFB gewesen, die Sorgen und Schwierigkeiten aller Vereine der 3. Liga in dieser besonderen Situation ernst zu nehmen.

Wenn von DFB-Vertretern zu hören ist, der Bestand der 3. Liga sei gefährdet, wenn nicht weitergespielt werde, dann ist dem eines entgegen zu halten. Ohne überlebende Vereine gibt es keine 3. Liga. Die 3. Liga besteht nicht, weil der DFB verfügt, es gibt eine 3. Liga, sondern weil es Vereine gibt, die Interesse daran haben, in einem hierarchischen Ligensystem Fußball zu spielen.

In der 3. Liga herrscht eine seltsame Mischung aus Unternehmertum und Amateursport. Das ist nicht abwertend gemeint, sondern verweist auf die in dieser Liga kaum vorhandenen Möglichkeiten, ein Wirtschaftsunternehmen im Fußball profitabel und sportlich erfolgreich zugleich zu führen. Corona hat diese Tatsache nur in kurzer Zeit offenbart, weil die Zuschauereinnahmen als unbedingt notwendige Einkommensquelle fortgefallen sind.

Viele Stimmen haben beim DFB gesprochen und keine hat mir erklärt, wie die Schwierigkeiten fast der Hälfte der Vereine zu beheben sind. Alles wurde immer an die Vereine zurück gegeben, so als ob es dieses grundlegende Problem der 3. Liga nicht gäbe. Mit klarem Blick ist das doch mehr als misslungene Kommunikation. Mit klarem Blick gibt es ein eigenes Interesse des DFB am  Weiterspielen, für das ich keine ausreichende Erklärung bekommen habe. Für einige Vereine der 3. Liga sind die sportlichen Belange tatsächlich ein Grund. Sie haben noch Ziele, die sie erreichen können. Beim DFB ist das eine gern genommene Nebelkerze, die andere Gründe unsichtbar machen kann.

Werbung

0 Antworten to “Was für ein Desaster, DFB”



  1. Kommentar verfassen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..




JETZT IM BUCHHANDEL
Die berührende, oft komische und tief emotionale Geschichte über ein Leben in Duisburg mit dem MSV

Und sonst

Statt 14,95 € nur noch 8,90 € Hier bestellen

Oder das und einiges andere mehr mit Klick

Hier geht es zum Fangedächtnis

Kees Jaratz bei Twitter

Sponsored

Bloglisten


%d Bloggern gefällt das: