Ein paar Gedanken zur Meinungsbildung rund um den MSV durch die lokale Sportpresse

Seit letzten Dienstagabend weiß die Öffentlichkeit, für den MSV Duisburg geht es ums Überleben. Zuvorderst geht es um das Weiterbestehen von Fußball auf professionellem Niveau in Duisburg. Es geht aber auch um ein Kulturgut der Stadt. Es geht um das Zugehörigkeitsgefühl vieler Menschen. Es geht für die Stadt und für die Anhänger um Identität. Außerdem geht es um Geld, das Investoren verlieren können. Es geht um Arbeitsplätze rund um den eigentlichen Sport. Die drohende Insolvenz ist also ein vielschichtiges Thema, über das man sich besser nicht in den lokalen Printmedien informiert.

Halt, ich will genauer sein, weil mich auch die fehlende Genauigkeit in den seit Dienstag erschienenen Artikeln zur Finanzsituation ärgert. Genauer sein, das heißt in dem Fall, ich empfehle die Berichterstattung in der Rheinischen Post  als einigermaßen neutral und faktenbasiert. Dort ist  das Bemühen bemerkbar, ein komplexes Thema zunächst mit Fakten angereichert darzustellen. Selbst wenn direkt nach dem Rücktritt von Andreas Rüttgers auch dort Sätze in den Artikel eingestreut wurden, die Stimmung machen, weil sie nur vermeintlich argumentativ unterfüttert sind. Als es etwa anfänglich um die Forderung nach mehr Unabhängigkeit für die Kapitalgesellschaft gegenüber dem eingetragenen Verein ging, hieß es: „Die Bundesligavereine machen es vor. Dort hat kein Verein eines Klubs derart viel Mitsprache gegenüber der KGaA.“

Ich nehme nicht an, dass die Journalistin sämtliche Verträge jener Vereine nachgeprüft hat, die diese Organisationsform in der Bundesliga aufweisen. Da hätte sie tief in die Materie einsteigen müssen, ohne Zeit dafür zu haben. Hinzu kommt, nicht alle Bundesligavereine haben diese Organisationsform. Es gibt tatsächlich auch noch Bundesligavereine, in denen der gemeinnützige Verein auch das geschäftsführende Organ für den Profibetrieb ist.  Bei Wikipedia findet sich in dem Artikel zur „50+1-Regelung“ eine Auflistung der unterschiedlichen Organisationformen der Bundesligaklubs. Das Argument nirgendwo sonst ist es so wie in Duisburg, entpuppt sich also als heiße Luft. Solche Sätze wie der zur reformbedürftigen Organisationsstruktur folgen der von der Investorengruppe gesteuerten Deutung des Geschehens. Und um diese Deutung dreht sich im Kern die Berichterstattung. Wie ist zu bewerten, was da gewollt wird?

Ich stelle mir vor, eigentlich müsste man die Berichterstattung über das Geschehen so beginnen: Es gibt Finanzprobleme beim MSV Duisburg, weil die laufenden Kosten schon seit langer Zeit höher sind als die Einnahmen. Nun kommt eine Investorengruppe und bietet Geld an. Damit die Investorengruppe Kontrolle über die Verwendung des Geldes hat, ist die Bedingung, Einfluss auf die Geschicke des ausgelagerten Profibetriebs. Dazu soll der Verein auf Einfluss verzichten. So weit, so verständlich.

Nun wäre es die Aufgabe des Lokaljournalismus auf ein paar weitere Fakten hinzuweisen, die nicht ganz so offensichtlich sind, die aber wichtig für die Bewertung des Geschehens sind. Zuvorderst wäre anzumerken, da gibt es besagte 50+1-Regel, die seitens des DFB den Einfluss des Vereins auf den Profibetrieb sichern soll. Dagegen darf nicht verstoßen werden. Darüber hinaus wäre der Hinweis nicht schlecht gewesen, wenn die Investorengruppe mehr Einfluss möchte, gehört mit Walter Hellmich jener Mann dazu, dessen strategische Entscheidungen zu dem Defizit des MSV Duisburg beigetragen haben. Die gerade im Reviersport so deutlich inszenierte Wirklichkeit von professionellen Wirtschaftsfachleuten gegenüber eitlen amateurhaften Vereinsfunkionären erweist sich bei näherem Hinsehen also als Karikatur der Wirklichkeit. Ich will zugunsten des Journalisten sogar annehmen, dass es diese Eitelkeiten auf Vereinsseite tatsächlich hin und wieder gibt, aber wo wurde Profibetrieb durch den Verein behindert? Das ist interessant zu wissen, gesagt wird es nicht.

Natürlich müssen Hierarchien der Entscheidung vorhanden sein, doch das Ausspielen des Profibetriebs gegen den Verein führt in die falsche Richtung. Gerade Vereine wie der MSV Duisburg leben vom Mythos ihrer Geschichte. Diesen Mythos zapft das Wirtschaftsunternehmen Profibetrieb vom Verein an. Gleichzeitig muss ein professionelles Arbeiten möglich sein. Dazu braucht es Strukturen. Die muss man schaffen, wenn sie nicht vorhanden sind. Ob sie nicht vorhanden sind, kann ich als Leser der Printmedien nicht entscheiden. Deshalb ist auch nicht zu bewerten, was die Forderung nach mehr Einfluss bedeutet. Es ist unlauter, wenn Journalisten diese Bewertung vornehmen, ohne dazu Fakten zu liefern.

Im Grund geht es im Moment auch um die Deutung der Hellmich-Ära und damit um die Verlagerung der Verantwortung für die wirtschaftliche Situation. War er ein erfolgreicher Präsident oder war er es nicht? Dass es darum geht, zeigt auch sein Auftritt gestern Abend in der Lokalzeit Duisburg des WDR. Hier gibt es ihn in der Mediathek noch eine Woche einen Klick weiter, Sendung vom 19.11. Wieso kommt er zum Studiogespräch? Das ist Öffentlichkeitsarbeit in eigener Sache, weil er zum Gesicht der Investorengruppe wurde. Was er sagte, mag im Wortlaut stimmen, die Kritik an ihm lässt das nicht verstummen. Natürlich verdient er am Stadion des MSV Duisburg im Moment kein Geld. Natürlich sind die Mieteinnahmen ein durchlaufender Posten für Zinsen und Tilgung. Aber wenn ich Vertrauen in mein Handeln schaffen will, kann ich die Schwierigkeiten nicht auf die Schultern meiner Nachfolger abladen und behaupten, ich hätte in achteinhalb Jahren erfolgreich gearbeitet.

Diese zwei Nachfolger, Dieter Steffen und Andreas Rüttgers,  haben eine Finanzsituation übernommen, die sich in der Verantwortung von Walter Hellmich entwickelt hat.  Dafür war die Fehlkalkulation, der MSV wird dauerhaftes Mitglied in der ersten Liga“ verantwortlich. Die Miete für das Stadion ist in der 2. Liga nicht zu erwirtschaften. Warnungen vor dem jetzt eingetretenen Szenario gab es schon lange vor dem Rücktritt von Walter Hellmich. Seine Stellungnahme befeuert nun die Befürchtungen, erneut ginge es nur um das vorübergehende Beheben der Liquidtätsschwierigkeiten, ohne das Grundproblem in den Griff zu bekommen. Vertrauen schaffen für die Investorengruppe sieht also anders aus. Um dieses Vertrauen geht es aber, weil über die Vereinbarungen zwischen den Vertretern der Investorengruppe und dem Aufsichtsrat des eingetragenen Vereins die Vereinsmitglieder entscheiden.

Jetzt hat es mich weggetragen von der anfänglichen  Medienkritik zur Zukunft des MSV Duisburg. Die liegt mir anscheinend doch etwas mehr am Herzen.

Nachtrag: Nun rundet es sich doch noch mit der Medienkritik: Mit den unterschiedlichen Meinungen in der Investorengruppe  über den Weg zur Rettung gibt es einen weiteren Beleg, wie sehr die anfänglichen Darstellungen von Gut und Böse vor allem in Reviersport und WAZ an der Wirklichkeit vorbei gingen. Die Beteiligten sehen unterschiedliche Wege, und nichts anderes hatte Andreas Rüttgers als Vereinsvertreter auch im Sinn, einen anderen Weg. Wie all diese Wege zu bewerten sind, dazu fehlen letztlich Fakten. Da lässt sich trefflich spekulieren.

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23 Responses to “Ein paar Gedanken zur Meinungsbildung rund um den MSV durch die lokale Sportpresse”


  1. 2 sp470 20. November 2012 um 15:06

    …wollt ich auch sagen;-) Danke. Und ich denke, ohne die Fakten zu kennen, dass Andreas Rüttgers hätte nicht zurücktreten dürfen. lg sp

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  2. 3 Mathias 20. November 2012 um 22:07

    Vielen Dank hierfür, auch wenn selbst das noch nicht allumfassend war, so war es die einfachste Kost um den die sogenannten Fans- ach nee, das sind wir ja.

    Danke, danke, danke!

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  3. 4 1902 20. November 2012 um 23:52

    Stimme zu 100% zu. Bei der Berichterstattung bekam man den Eindruck, dass Rüttgers blauäugig ist und die Finanzsituation nicht überblickt hat. Kann ich mir so nicht vorstellen.

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    • 5 Kees Jaratz 21. November 2012 um 09:28

      Man weiß es nicht, sondern kann nur glauben. Andreas Rüttgers war für die lokale Presse recht schnell geeignetes Spielmaterial für die eigene „guten“ Geschichten. Über Walter Hellmich wurde erst ein wenig kritisch geschrieben, als er deutlich signalisierte, er macht nicht mehr weiter. Deshalb wird die ganze Berichterstattung so unglaubwürdig. Wie letztlich die Arbeit von Andreas Rüttgers zu bewerten ist bezogen auf den Umgang mit den wirtschaftlichen Schwierigkeiten? Tja, wie gesagt, wir können nur glauben. Wenn er einen Weg sah, ließ man ihn auflaufen oder er hat sich tatsächlich verrechnet. Sonst lassen sich seine Worte nach dem Pokal-Aus nicht erklären. Aber selbst dieses Verrechnen geschieht. Zu bewerten ist eben alles immer erst im Nachhinein.

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      • 6 Christian Moosbrugger 21. November 2012 um 12:10

        Es geht ja alles in allem um dieses Testat der Wirtschaftsprüfer. Hier ist die Frage, was man da überhaupt voraussehen kann und was nicht. Auf spekulativer Ebene nehme ich an, dass Kentsch hier mehr wusste als Rüttgers. Wegen deren Streiterei kam es aber nicht zum zureichenden Austausch von Informationen.

        Im Allgemeinen ist es mutmasslich eher so, dass die Sicht von KGaA auf den eV mehr oder weniger von dem Gefühl geprägt ist, dass es sich um ein unnotwendiges Übel handelt. Deshalb ist der Hinweis von dir, dass der Profibereich davon lebt, den Mythos des Vereins, repräsentiert durch die Amateure, zu nutzen, sehr wichtig.

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  4. 7 Kees Jaratz 21. November 2012 um 09:28

    Und für alle: Das Haus dankt für die Blumen!

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  5. 8 Kees Jaratz 22. November 2012 um 09:57

    @Christian Wahrscheinlich hast du recht. Wenn man an der Stelle „Reibungsverlust“ nur ein wenig weiter denkt, kommt man aus dem Kopfschütteln nicht mehr raus. Aber es ist wie überall, von alleine arbeiten viele Menschen nur selten produktiv zusammen. Auch in dieses Festhalten an einem gemeinsamen Weg muss Energie gehen. Aber so lange in dem Ganzen nicht ein Selbstverständnis vom Ganzen vorhanden ist, werkelt jeder vor sich hin.

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  6. 9 Stephan van Sand 22. November 2012 um 14:06

    Hallo Kees!

    Natürlich sind die grundlegenden Fakten mehrfach genannt worden. Anbei drei Links zur wirtschaftlichen Situation beim MSV Duisburg, die im Prinzip auch heute noch zutreffend sind. Die angebliche Schwarz/Weiß-Berichterstattung gibt es nicht, auch wenn in einem einschlägig bekannten Internet-Forum gerne etwas anderes behauptet wird.

    http://www.derwesten.de/region/niederrhein/das-millionenspiel-beim-msv-duisburg-id3578259.html

    http://www.derwesten.de/sport/fussball/msv/streit-um-hellmichs-erbe-beim-msv-id6096175.html

    http://www.derwesten.de/sport/fussball/msv/msv-chef-ruettgers-wehrt-sich-gegen-das-graue-maus-image-id6809101.html

    Vor diesem Hintergrund ergibt sich für mich die Frage, ob die drei Milliionen Euro, die angeblich als Ablösesumme an Hellmich Marketing gezahlt wurden, nicht Teil der Ursache des gegenwärtigen Liquiditätsproblem sind?

    Oder anders formuliert: Hat Rüttgers mit der Auflösung des Marketingsvertrags den MSV Duisburg in die Pleite geführt?

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    • 10 Kees Jaratz 22. November 2012 um 14:50

      hallo Stephan, erstmal zur Tendenz der Berichterstattung. Da bin ich nicht deiner Meinung. Es gab aus meiner Sicht im Lokaljournalismus eine sehr lange anhaltende Beißhemmung gegenüber Walter Hellmich. Die gab es recht schnell gegenüber Andreas Rüttgers nicht.
      Was die Fakten angeht, so hast du insofern recht, als ich in dem Nachtrag zwei Dinge vermischt habe. Ich meinte die gegenwärtige Lage und da gab es außer vagen Versprechungen keine konkreten Angaben. Dennoch wurde da bewertet.
      Vermischt habe ich das mit dem anderen Weg von Andreas Rüttgers. Du hast recht, es deutet einiges darauf hin, dass dieses Geld an die Hellmich-Marketing jetzt fehlt. Warum diesen Weg wählte, wäre eine zweite Frage. Dann wäre er genauso gescheitert wie Walter Hellmich. Und darauf kommt es mir an. Walter Hellmich möchte mit keinem Scheitern in Verbindung gebracht werden. Aber seine Nachfolger trugen an dem Defizit seiner Amtszeit.

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  7. 11 Stephan van Sand 23. November 2012 um 12:27

    Auch dazu nochmal partiellen Widerspruch: Für die ersten fünf Jahre gebe ich Dir Recht. Ich erinnere mich aber daran,dass in der NRZ nach dem zweiten Erstligaabstieg 2008 die ersten kritischen Stimmen zu lesen waren. Damals waren die damals lokal noch existierende WAZ-Sportredaktion (Wohl nicht ohne Grund an die NRZ gegangen) und die Rheinische Post (Da gab es auch verwandtschaftliche Beziehungen zu Hellmich) noch völlig linientreu. Heute kann man getrost die Bild und den Reviersport als Zentralorgan der KgaA bezeichnen, während NRZ/WAZ, Radio Duisburg und RP (unter neuer Führung) gemäßigt-kritisch mit allen Beteiligten umgehen.

    Was die gegenwärtige Position angeht: In der NRZ/WAZ wurde klar kommentiert, dass ein Kompromiss zwischen Stadionprojekt GmbH und Aufsichtsrat eV notwendig sei. Im Gegensatz dazu las sich die Kommentierung der Rheinischen Post wie ein Zitat aus der KgaA-Pressemitteiluung inklusive der sattsam bekannten Hohlphrase: Nirgendwo sonst hätte der eV so viel Macht wie in Duisburg. Viel eher stimmt: Nirgendwo sonst gibt es eine so starke Opposition im eV wie in Duisburg.

    Auf der anderen Seite als die etablierten Medien steht das MSV-Portal, in dem ganz klar einseitig Stimmung pro Rüttgers und gegen Hellmich und verstärkt auch gegen Roalnd Kentsch gemacht wird. Leider oft unter Vernachlässigung der Fakten (Deshalb kommentieren auch viele kritische und unabhängige Köpfe nicht mehr dort):

    So wird gegenwärtig zum Beispiel behauptet, Hellmich Marketing hätte zwischen 2002-2008 über 10 Mio Euro aus dem Verein herausgezogen. Richtig ist, dass die entsprechenden Provisionen an Hellmich Marketing gezahl wurden. Leider völlig vergessen wird, dass mit dieser Position auch eine komplette Marketingabteilung mit in einer in Spitzenzeiten zweistelligen Mitarbeiterzahl finanziert wurde. Die hat der MSV Duisburhg im April mit offenen Armen übernommen. Wahrscheinlich nicht, weil die Leute in der Vergangenheit so schlechte Arbeit gemacht haben.

    Ncht mehr an Bord ist Marc Hellmich. Für den goldenen Handschlag soll der – auf Betreiben von Andreas Rüttgers – eine Summe von vier bis sechs Millionen Euro kassiert haben bzw. noch kassieren. Geld, das dem Verein jetzt an allen Ecken fehlt.

    Frage: Wäre es nicht klüger gewesen, den Vertrag mit Hellmich Marketing regulär 2017 auslaufen zu lassen… Oder aber alternativ statt ein Eigenmarketing aufzubauen eine Signing Fee von einer der einschlägig bekannten Agenturen zu kassieren, um damit Hellmich abzulösen?

    Jedenfalls kann mir niemand weismachen, dass die voreilige Zahlung einer millionenschweren Ablösesumme an Hellmich Marketing nicht ursächlich für das gegenwärtige Finanzdesaster ist. Alle anderen Erklärungen (Sponsoren, Fernsehgelder) greifen zu kurz. Zu verantworten hat dieses Desaster eindeutig Andreas Rüttgers und sein Vorstand.

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    • 12 Kees Jaratz 23. November 2012 um 22:18

      Das freut mich, Stephan, dass du dir die Mühe machst, argumentativ nachzulegen, weil es mich ins weitere Nachdenken bringt.
      Wenn ich es recht überlege, steht mein Text vor allem unter dem
      Eindruck der ersten zwei Tage Bericherstattung nach dem Rüttgers-Rücktritt und einem grundsätzlichen Ärger über die Entwicklung der WAZ-Berichterstattung in den letzten Jahren. Was die gegenwärtige Situation angeht, habe ich tatsächlich die ab Mittwoch erschienen Artikel der WAZ vernachlässigt. Das hat damit zu tun, dass mein grundsätzliches Vertrauen in die Berichterstattung dort nachhaltig gestört ist, weil immer wieder auch mit den skandalisierenden Mitteln des Boulevards gearbeitet wird. Dirk Retzlaff etwa habe ich einmal als einen eigentlich neutral schreibenden Journalisten kennengelernt. Inzwischen habe ich den Eindruck, er versucht immer wieder Geschichten selbst in Gang zu bringen, wenn der Fußballalltag sie nicht hergibt. Andere Erklärung wäre, er weiß manchmal mehr, als er schreibt, und erkennt nicht das Ende der nachvollziehbaren Geschichte. Dann wäre es genauso schlechter Journalismus. Als Beispiel fällt mir jetzt ein Artikel nach dem Aue-Spiel ein, wo er im letzten Satz Toni da Silva aus dem Hut zaubert und mal eben das Fass Diva und Unkollegialität aufmacht, ohne es wirklich so zu benennnen. Er lässt das alles im Ungefähren. Auf mich wirkt das wie ein Testballon, vielleicht gibt das ja noch eine Geschichte, vielleich auch nicht. Ich müsste nachschlagen, weil ich schon zwei, dreimal zu solch diffusem Skandalisieren was geschrieben habe. Genauer fällt’s mir jetzt nicht ein.

      IAndreas Rüttgers Entscheidung gehörte ja mit zum Versuch, den Haushalt des MSV grundsätzlich neu zu ordnen. Für mich stellt sich die Frage, aufgrund welcher Kalkulation hat er diese Entscheidung voran getrieben. Soll er das tatsächlich im Alleingang gemacht haben? War diese Handlung der Struktur geschuldet, die neu geordnet werden muss? Und da kehre ich wieder zurück zum Journalismus. Das müsste eingeordnet werden. Hat da etwa Kentsch nichts zu gesagt? Selbst wenn die Mannschaft besser gespielt hätte, wäre das Defizit entstanden. Womit ist da also kalkuliert worden? Habe ich das überlesen? Oder ist diese Entscheidung nur der Ausdruck des Gegeneinanders von KGaA in Person von Kentsch und Verein in Person von Rüttgers? Hatte Rüttgers alle Informationen? Nicht um ihn zu verteidigen, stelle ich die Frage, allein aus Interesse, wie es so hat kommen können.

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  8. 13 Stephan van Sand 24. November 2012 um 15:48

    Ich habe im Moment eher das Gefühl, die Journalisten wissen im Moment selbst nur wenig mehr als sie schreiben dürfen und müssen sich mit den paar Bröckchen zufrieden geben, die mal von der einen oder der anderen Seite hingeworfen werden. Ein vollständiges Bild ist daraus noch lange nicht geworden.

    So würden mich zum Beispiel mal die genauen Forderungen der KgaA an den Verein interessieren (das sogenannte Eckpunktepapier). Dann kann man vielleicht auch einschätzen,was nach DFL realisierbar ist oder nicht.

    Dann interessiert mich die Höhe und Herkunft des entstandenen Defizits. Die öffentlich genannten Gründe, Minus bei Sponsoren und TV-Geldern, können es kaum in Gänze sein. Das kann man einfach nachrechnen.

    Daher die gebetsmühlenartige Frage: Wie viel Geld wurde für die Auflösung des Vertrags mit Hellmich-Marketing wann gezahlt und was wird wann fällig? Ich gehe übrigens davon aus, dass Kentsch Rüttgers vor diesem Schritt gewarnt hat. Aber Rüttgers hatte – das ist nachzulesen – darauf gesetzt, den entstandenen Fehlbetrag durch zusätzliche Sponsoren aufzubringen.

    Siehe hier: http://waz.m.derwesten.de/dw/sport/lokalsport/duisburg/msv-duisburg-loest-den-vertrag-mit-hellmich-marketing-auf-id6561879.html?service=mobile

    Nächste Frage: Wurden die in den vergangenen Jahren gestundeten Mietzahlung wieder fällig? Dass hinter den Kulissen längst an einer dauerhaften Senkung der Stadionmiete durch Verlängerung der Kreditlaufzeit gearbeitet wird, weiß ich übrigens aus sicherer Quelle.

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  9. 14 Christian Moosbrugger 25. November 2012 um 04:25

    Wie sehr Kentsch entscheidend mit drin hängt, sieht man ja schon allein daran, dass er sich sogar strafbar machen kann, sofern er am Schluss die Insolvenz nicht rechtzeitig einleitet. Rüttgers ist zumindest an der Stelle schon mal raus, wenn es darum geht, vielleicht das Licht beim MSV auszumachen.

    Kaum zu glauben, dass Kentsch sehenden Auges und warnend, aber hilflos, den Gang in eine solche Katastrophe, wie sie die massive Unterdeckung angesichts der Nachlizensierung darstellt, begleitet haben sollte, und nun, obwohl er nur als erster Steuermann angeheuert hatte, unversehends alleine auf der Brücke des sinkenden Wracks zurückbleibt.

    Und wenn es doch so ist, dann ist er wohl selbst daran schuld. Ich glaube, man wird nicht umhin können, die Verantwortung bei beiden zugleich festzumachen, sollte das jetzt schiefgehen. In einer für die Vereinszukunft bedeutenden Sache, wie etwa der Umstellung auf Eigenvermarktung, müssen einfach alle Entscheidungsträger nicht nur Bescheid wissen, sondern es auch vollinhaltlich mittragen, so wie Rüttgers es wiederholt eingefordert bzw. als gegeben konstatiert hat.

    Es wäre an Kentsch gewesen, hier einen etwaigen Dissens rechtzeitig öffentlich zu kommunizieren, da Rüttgers ja wiederholt die Deutungshoheit in Anspruch genommen hat. Bei einem erfahrenen Mann wie Kentsch muss vorausgesetzt werden, dass er weiss, wie und wann man gegebenenfalls Öffentlichkeit zu einem Thema herstellen kann, oder sogar muss. Jetzt geht es damit ja auch einigermassen gut, wie sich beobachten lässt.

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  10. 15 Stephan van Sand 25. November 2012 um 12:11

    Interessanter Gedanke, Christian, aber leider nicht durch Quellen gedeckt. Man darf schon davon ausgehen,dass die Auflösung des Marketingvertrags auf Initiative des eV zu Stande kam. Jedenfalls hat Kentsch nie öffentlich zu erkennen gegeben, dass er den Vertrag für Teufelswerk hält. Im Gegenteil. Siehe auch: http://www.derwesten.de/region/niederrhein/das-millionenspiel-beim-msv-duisburg-id3578259.html

    Dass Kentsch mit Sicherheit in der Umsetzung involviert war bzw. die Verträge ausgehandelt hat, steht außer Frage. Allerdings wird er an dieser Stelle eher auf Weisung gehandelt haben bzw. in der Hoffnung, dass tatsächlich neue Sponsoren bereitstehen.

    Siehe: http://waz.m.derwesten.de/dw/sport/lokalsport/duisburg/msv-duisburg-loest-den-vertrag-mit-hellmich-marketing-auf-id6561879.html?service=mobile

    Daraus ist dann nichts geworden. Duisport und RWE haben sich aus unterschiedlichen Gründen zurückgezogen, die Sparkasse Duisburg hat ihr Engagement reduziert. Hinzugekommen ist nur die Volksbank Rhein-Ruhr.

    Blieb also nur noch die Spekultion auf ein Weiterkommen im Pokal, dass dem MSV Duisburg zusätzliche Einnahmen beschert hätte, mit denen die Deckungslücke, die durch Ablösung des Marketingsvertrags entstanden ist, partiell auszugleichen gewesen wären. Das kam dann – with a little help from Schiedsrichter – nicht zustande. Spätestens in diesem Moment wusste Rüttgers, dass er gescheitert war. Insofern liest sich sein Posting im Portal im Nachhinein als ein Rechenschaftsbericht seiner Amtszeit.

    http://www.msvportal.de/forum/showthread.php?t=34595

    Diese – mit der zuständigen Pressestelle des MSV Duiburg übrigens nicht abgestimmte – Form der Kommunikation allerdings ist den hauptamtlichen Mitarbeiter im Verein dann wiederum so sauer aufgestoßen, dass die sich massiv bei Kentsch beschwert haben. Der wiederum äußerte nach der Niederlage gegen den FSV Frankfurt Gesprächsbedarf.

    http://www.reviersport.de/212970—msv-stimmen-fsv-pleite.html

    Das allerdings wurde im Forum – gewohnt objektiv und neutral – mit dem Thread gewürdigt: „Kentsch droht erneut mit Stunk“

    Wie nachhaltig allerdings Teile des Vereins über die Öffentlichkeitsarbeitd es Präsidenten verärgert waren, liest sich auch aus den Kommentaren in der NRZ/WAZ und RP. Hier der Link zum NRZ/WAZ-Artikel: http://www.derwesten.de/sport/fussball/msv/msv-praesident-hat-anonym-im-msv-fan-forum-geschrieben-id7260073.html

    Der Showdown mit der Stadionprojekt GmbH war dann nur noch der vorgeschobene Grund zum Rücktritt.

    Rüttgers und Kentsch wussten bereits nach dem Pokal-Aus, dass der MSV Duisburg entweder pleite oder aber auf die Millionen angewiesen sein würde, die man Hellmich eben erst gezahlt hatte. Beides konnte und wollte Rüttgers nicht öffentlich verkaufen. Deshalb hat er aus vorgeschobenen Gründen sich aus der Verantwortung gestohlen.

    Aus diesem Grund habe ich kein Verständnis für die unreflektierte Zustimmung, die Rüttgers von Teilen der Anhängerschaft erhält.
    Nicht, dass ich ihm den guten Willen und ein großes Engagement abspreche, aber im Ergebnis hat er es nicht verstanden, die existierenden Gräben im Verein zuzuschütten. Einen solchen – integrativ wirkenden Präsidenten – hätte der MSV Duisburg allerdings benötigt.

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    • 16 Kees Jaratz 26. November 2012 um 10:20

      Aus Hamburg zurück und mich wundernd, dass Stephans Kommentar nicht freigeschaltet war. Einmal Freischaltung, immer Freischaltung, denke ich. Die Technik. Link-Überforderung, oder was? Keine Ahnung.

      Noch mal kurz zum Journalismus, Was du, Stephan, und du, Christian, in euren Kommentaren gemacht habt, verlange ich vom lokalen Sportjournalismus. Meinung mit einer nachvollziehbaren Argumentation. Das geschieht in Duisburg zu selten. Da denke ich etwa an den Kommentar zum Rüttgers-Posting. Wenigstens als Kommentar gekennzeichnet und nicht wie sonst oft vermischt in der Berichterstattung, aber nach dem Motto, das tut ein VEreinspräsident nicht. Gründe dafür habe ich aber nicht bekommen. Deshalb sieht das aus, als ob ein Journalist ein Nichts zum Skandal aufblasen will. Wenn das in eine Argumentationsreihe gesetzt wird, wie du, Stephan, es tust, sieht das anders aus. Dann heißt es aber auch nicht, das tut ein Vereinspräsident nciht, sondern da will sich ein Vereinspräsident nur rechtfertigten für einen Fehler. Das ist Journalismus. Wenn ich nicht argumentiere, muss ich die Finger von den Tasten lassen. Außer ich will meine Zeitung zum Boulevardmedium machen und Sensationslust bedienen.

      Und der Fehler von Rüttgers? Ich kann das gar nicht glauben, dass da nichts anderes was als nur die Hoffnung. Auf eine mittlere Jahresfrist gesehen, ja, aber auf ein Jahr gesehen, nur die Hoffnung auf ein Weiterkommen im Pokal und Sponsoren, keine harten Zahlen? Vielleicht bin ich zu naiv, aber das ist mir derart unvorstellbar. Wenn es so gewesen ist, war es eine Hochrisiko-Spekulation.
      Das einzige, was mir sofort als Schluss einsichtig ist, dass Kentsch und Rüttgers nicht auf die best möglichste Weise zusammen gearbeitet haben. Du, Stephan, siehst da vor allem Rüttgers in der Verantwortung. Konstrukutive Beziehungsarbeit geht einen anderen Weg, da sind beide Parteien im Boot. Egal, ob es um Einzelpersonen geht oder Institutionen. Und wenn ich an Kentschs Vorgeschichte in Bielefeld denke, so lässt sich auch eine Beteiligung am Misslingen auf seiner Seite vermuten. Ob das für das Überleben des Vereins im Moment wichtig ist? Vielleicht, wenn stimmt, was die WAZ heute schreibt, dass sowohl Hellmich als auch Rüttgers beim Versuch dabei sind, im letzten Moment den Verein zu retten.

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    • 17 Christian Moosbrugger 26. November 2012 um 21:11

      Ich gehöre keineswegs zu denen, die ganz schnell Sündenböcke brauchen und Kentsch als erstbestes Objekt dazu heranziehen. Natürlich ist der Hinweis richtig, dass hier eine massive Einseitigkeit in der Reflexion mancher gegeben ist. Kentsch, der uncharismatische Hinterzimmerbanker, von Bielefeld her als Choleriker stigmatisiert, bei dem man meist weinend das Büro wieder verlässt, bietet sich als Bad Boy natürlich an. Ich glaube aber, dass du, Stephan, mit der doch sehr strengen Beurteilung von Rüttgers zugunsten weitgehender Entlastung von Kentsch eine Ecke zu weit in die Gegenrichtung schwingst.

      Rüttgers war ja kein Präsident, der als reiner Amateur ins Amt gewählt wurde, und hier kommt Schauinsland ins Spiel. Bei der Aufstellung der Sponsoren, welche dazu gekommen sind, und denen, die abwanderten, gehören die eigentlich mit rein. Ihr Engagement wäre nämlich zum Saisonende 2011/12 ohne Rüttgers vermutlich ausgelaufen. Rüttgers hat hier, bevor er das Amt antrat, jederzeit klargemacht, wofür er stand. Und dazu gehörte von Beginn an die Abfindung von Marc Hellmich und anzustrebende Eigenvermarktung. Ausgeschlossen, dass Kentsch da ran gegangen ist mit der Vorstellung: „Lass den mal labern, den kriegen wir schon noch zurechtgestutzt.“ Definitiv hatte er den ganzen Plan schon vor sich ausgebreitet, bevor er wusste, ob Rüttgers Präsident werden würde. Ich finde, hier kann man nicht davon sprechen, er sei „beauftragt“ worden. Immerhin ist er Geschäftsführer.

      Ich denke, im Anspruch Rüttgers, den Verein wieder inmitten der Fans zu verankern, ist die Eigenvermarktung einfach ein essenzieller Skill. Hier hat es sich nicht um eine leichtfertige Dummheit gehandelt, die er ohne Not durchgezogen hat, um sich im MSV-Portal einen Haufen Danke-Klicks herunterzuladen. Dort hat er immer wieder auch stark Kontroverses kommuniziert. Aus seiner Bewunderung für da zumeist sehr abwertend rezeptierte Menschen wie Walter Hellmich, Norbert Meier oder Milan Sasic hat er keineswegs einen Hehl gemacht. Die Verhandlungen mit Marc Hellmich und dessen kooperative Zusammenarbeit hat er an gleicher Stelle sehr gelobt.

      Natürlich muss man davon ausgehen, dass die Fortsetzung der Vermarktung durch HM eine Spaltung und womöglich die Abkehr vieler vom MSV bewirkt haben würde, da Rüttgers hier eine Lösung als eine seiner wichtigsten Aufgaben als Präsident vorab definiert hatte. Hier geht es gar nicht um den Vorhalt, die Hellmichs hätten den Verein ausbluten lassen, um sich davon zu nähren wie Vampire. Es war schlicht eine unverzeihliche Dummheit von Walter Hellmich, seinen Sohn so unverfroren dort zu installieren, selbst, wenn da alles ganz korrekt abgelaufen sein sollte. Die Pfeifkonzerte zum Ausklang von Hellmichs Präsidentschaft hallten ja durch das ganze Stadion, hier nur zersetzende Agitation einer bestimmten Gruppe zu vermuten, erklärt diesen schmählichen Abgang eines solchen Hoffnungsträgers nicht ausreichend.

      Deine Anforderung, Gräben zuzuschütten, gerade darum ging es für mein Empfinden ganz wesentlich bei dem Projekt Eigenvermarktung. Man könnte jetzt weiteres aufführen, etwa, wer mehr für den Fehlstart in die aktuelle Saison verantwortlich zu machen sei, Kentsch oder Rüttgers. Hier würde ich eindeutig sagen, Kentsch.

      Alles in allem habe ich persönlich sehr viel mit Rüttgers verbunden und bin masslos enttäuscht davon, wie es ausgegangen ist. Aber ich würde doch dabei bleiben, dass Rüttgers nicht freundlich bedarft, aber ungeschickt ins Verderben gestolpert ist, sondern wusste, worum es ging, ebenso wie Kentsch. Vieles ist jetzt zu hinterfragen, deshalb wird die gelegentliche Transparenz abseits der eingefahrenen Wege der Kommunikation, die sich Rüttgers erlaubte, bereits vermisst.

      Nicht zuletzt geht es eigentlich auch darum, welchen Sinn ein Lizensierungsverfahren an sich macht, bei dem es nach einem Drittel der Saison zu einem solchen Ergebnis kommen kann, und ob die Strukturen im bezahlten Fussball überhaupt noch an dem sind, dass Nachwuchsarbeit und breite Teilnehmervielfalt in dreidimensionaler Struktur ermöglicht werden. Auch um die Rolle, die Vereine und ehrenamtliche Präsidenten in der Hochrisiko-Finanzwelt Fussball noch spielen können. Und darum, was man selbst als Fan akzeptieren kann.

      Zynisch: hundert Menschen droht die Arbeitslosigkeit, einigen Zehntausend eine womöglch gelegentlich sogar tödliche Depression, Millionen Zuschauern wird der Spass an der schönsten Nebensache der Welt durch langatmige Fernsehberichte verleidet. Dabei fehlt am Ende nur eine Summe, die man heutzutage in irgend einer Spielshow im Fernsehen gewinnen kann, indem man Pingpong und noch was gegen den Moderator gewinnt. Bei Stefan Raab geht es glaube ich in der nächsten Sendung um satte vier Millionen Euro.

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  11. 18 Stephan van Sand 30. November 2012 um 11:30

    Hallo Christian!
    Im Großen und Ganzen kann ich Dir beipflichten, wobei es angesichts der finanziellen Situation für mich fahrlässig war, den Marketingvertrag schon im April aufzulösen.Das hat Rüttgers zu verantworten, nicht Kentsch. Ebensowenig hat Kentsch den sportlichen Misserfolg und die damit zusammenhängenden fehlenden TV-Gelder z verantworten. Da steht die sportliche Leitung in der Verantwortung (Reck/Schubert/Grlic/Runjaic).

    Der Abgang von zwei Sponsoren hat unterschiedliche Gründe. Bei RWE ist es die Gesamtsituation nach dem Atomausstieg der Bundesregierung, die den Konzern dazu bewogen hat, Sponsoring im großen Stil einzustellen. Davon war nicht nur der MSV Duisburg, sondern auch die Traumzeit in Duisburg betroffen.

    Der Ausstieg von Duisport dürfte allerdings vereinsinterne Gründe haben. Das Engagement des Hafens war stark an die Person Walter Hellmich gekoppelt. Staake, der ja auch als Aufsichtsratsvorsitzenderder der KgaA im Gespräch war, hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass er die Situation im Verein nach dem Abschied von Hellmich für kritisch hält.Um es prägnanter zu formulieren: Staake hält mit – dem ihm eigenen Selbstbewusstein – alle Kritiker für Vollidioten.

    Insofern trifft auch hier Roland Kentsch keine Schuld am Ausstieg von duisport.

    Verstehe mich an dieser Stelle nicht falsch. Ich sehe die Konstruktion, die Walter Hellmich gewählt hat, ebenso kritisch wie viele Fans im Forum.
    Allerdings bin ich der festen Überzeugung, dass der MSV Duisburg nur eine Strategie haben kann, um sich aus der Umklammerung von Hellmich zu lösen. Und diese Strategie heisst sportlicher Erfolg. Nur dann stehen die erforderlichen finanziellen Mittel bereit, um den Einfluss von Hellmich einzudämmen. Die Option Insolvenz kommt aus meiner Sicht einer fahrlässigen Tötung gleich.

    Eine weitere Nachricht, die mich sehr hoffnungsfroh stimmt, ist, dass inzwischen eine erhebliche Senkung der Stadionmiete durch eine Verlängerung der Kreditlaufzeit erreicht wurde. Kentsch hat seit 2010 darauf hingewiesen,dass die Stadionmiete in der 2. Liga nicht zu erwirtschaften ist. Dieser Umstand ist für die enormen finanziellen Probleme des MSV Duisburg mitverantwortlich.

    Allerdings, und auch das muss man anmerken, war die Miethöhe keine willkürliche Eintscheidung der Stadionprojekt GmbH, sondern im wesentlichen bestimmt war durch die Vorgaben der HSH Nordbank und des Landes NRW, die ja bekanntlich eine Bürgschaft über 80 % abgegeben hatte.

    Wünschenswert wäre, dass der MSV Duisburg irgendwann in die Lage kommt, zusätzliche Anteile an der Stadionsprojekt GmbH zu übernehmen ( ca.10 Prozent werden gehalten), damit der Verein 2024 dann in einer teileigenen Hütte spielt. Möglich erscheint eine Übernahme des Dritteleigentums des DBV/Gebag. Damit hätte der MSV Duisburg irgenwann 43 % an der Stadionprojekt GmbH und wäre damit größter Einzeleigentümer. dafür müsste man allerdings mindestens 2,5 Millionen an die Gebag überweisen.

    Geld, dass übrigens sinnvoller investiert wäre als in eine Auflösung eines Marketingsvertrags.

    Insofern halte ich es übrigens mit einem anderen Bielefelder (Niklas Luhmann, wenn Dir der name was sagt): Man muss Menschen immer in ihrer Rolle betrachten. Nicht, dass ich mit ihm ein Bier trinken möchte, aber Kentsch macht aus meiner Sicht keinen schlechten Job. Die Buhmann-Funktion, die er im Forum einnehmen muss, liegt an der undifferenzierten und einseitigen Betrachtungsweise der Kommentatoren.

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    • 19 Christian Moosbrugger 1. Dezember 2012 um 23:27

      Das Problem von Kentsch ist, dass er eigentlich bei vielen keine Chance hat, weil er ja noch von Hellmich eingesetzt wurde.So badet er wohl das kommunikative Desaster, das den Abschied von Hellmich begleitete, für den Rest seiner Amtszeit mit aus.

      Noch kurz zu der Eigenvermarktung: die soll ja mittelfristig was einbringen, nämlich laut Rüttgers ungefähr 900.000 € im Jahr, was durchaus ein Beitrag zur Kosolidierung auf dem Niveau der Liga zwei ist. Vielleicht ging es aber wirklich zu schnell damit.

      Dass die Insolvenz nichts besser macht, da würde ich dir ganz vorbehaltlos zustimmen, auch in der Hinsicht, dass es nur über den sportlichen Erfolg eine allmähliche Emanzipation vom Übervater Hellmich geben können wird.

      Für mich grenzt die Vorstellung, er wäre wie so ein streunender Kater mit Güssen von kaltem Wasser aus dem Küchenfenster zu vertreiben, an reinen Wahnsinn. Hier war Rüttgers eine integrative Figur, die leider ziemlich dringend gebraucht wurde.

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      • 20 Kees Jaratz 4. Dezember 2012 um 09:43

        wenigstens kurz, Christian und Stephan, dass ich bislang hier geschwiegen habe, beruht nicht auf Ignoranz, sondern auf fehlender Zeit, die mich daran hinderte euren Ausführungen irgendetwas substanziell Neues hinzuzufügen. Ihr habt die beiden Positiion so ausführlich argumentiert, dass es eine Freude ist, das nachzuvollziehen. Letztlich bleibt es dann bei einem selbst, in welche Richtung man mehr tendiert. Die gestern in dem vom Reviersport übernommenen WAZ-Artikel Nachrichten deuten ja eine Kompromisslage an.
        http://www.derwesten.de/sport/fussball/msv/msv-hat-konsens-gefunden-und-will-loesung-bis-mitte-dezember-id7355314.html
        Hoffen wir, dass das stimmt und der Kompromiss tatsächlich auch emotional für die Beteiligten zufriedenstellend war. Sonst haben wir bald wieder dieselbe Situation. Euch jedenfalls vielen Dank fürs ausführliche Kommentieren hier.

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  12. 21 Stephan van Sand 5. Dezember 2012 um 11:08

    Danke – es war mir ein Vergnügen und eine Überraschung, dass man mit einigen Leuten aus dem Forum sogar vernünftig inhaltlich diskutieren kann. Ansonsten stimme ich Dir zu: Wir werden einen Kompromiss zwischen Stadiongesellschaftern und Teilen der Anhängerschaft erzielen müssen. Verzichten kann der MSV Duisburg derzeit auf keines der beiden Lager.

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    • 22 Christian Moosbrugger 6. Dezember 2012 um 16:14

      Danke dir auch Stephan – hat Spass gemacht, sich auszutauschen. Und natürlich auch Dank an Kees, der ja alles redigieren muss, was so rein kommt – verbunden mit einer Entschuldigung für die Extrazeit am PC. Erst mal geht es ja weiter mit dem MSV – das ist wirklich das wichtigste! Und wenn die Truppe sich geschlossen präsentiert, findet sich das andere.

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